Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch ^ie Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Welk
für den Kreis Hersfeld
Willst
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 353. Mittwoch, den 38. Oktober 1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Strickt Strümpfe für unsere Truppen im Felde.
Aus der Heimat
*(Höch st preisefür RoggenundWeizen). Wie der „Franks. Zeitung" von einer Seite mitgeteilt wird, die als gut informiert gelten kann, kommen die Höchstpreise nächste Woche, jedoch nur für Roggen und Weizen. Als Preisbasis soll Berlin angenommen werden. Es werden gestaffelte Frachtzuschläge festgesetzt, je nach der Entfernung. Die Preise betragen für Roggen 220 Mk. für Weizen 250 Mk.
* Invaliden-Po st karte.) Der Farben- photographifchen Gesellschaft Stuttgart ist seitens des „Jnvalidendank" der Vertrieb der von diesem herausgegebenen, nach einem Aquarell von Prof. R. v. Hang hergestellten Jnvaliden-Postkarte übertragen worden. Daß die Reinerträgnisse des „Jnvalidendank" (Annoncen-Expedetion) zum Besten der invaliden Krieger verwendet werden, ist hinlänglich bekannt und es wäre dringend erwünscht, wenn diese Karten recht zahlreich gekauft würden, damit dem „Jnvalidendank" ansehnliche Beträge auch vom Ertrag dieser Karten überwiesen werden können. In militärischen und privaten Vereinen, in Kasinos, Kantinen, in den Kreisen von Jungdeutschland, der Pfadfinder, der Jugendwehr dürfte es ein leichtes fein, große Posten der Karte zu vertreiben, Wohlhabende könnten sie in größerer Anzahl den zahlreichen Lazaretten stiften.
* (Falsche Reichsbanknoten zu 100 Mk.) Behördlich wird darauf aufmerksam gemacht, daß in letzter Zeit Nachbildungen der alten Reichsbanknoten zu 100 Mark in den Verkehr gebracht worden sind. Diese Nachbildungen sind insbesondere daran zu erkennen, daß auf der linken Hälfte der Schriftseite an Stelle der auf den echten Noten stark in die Augen fallenden, .etwa drei Finger breiten roten Faserung nur eine leichte rötliche Tönung und erst bei genauer Prüfung entweder ganz kurze, leicht ablösbare Fäserchen oder Stellen zeigen, auf denen solche kleine Fäserchen gesessen haben. Bei den bisher angehaltenen Stücken ist fernerhin an den Stellen, an denen die Schriftseite roten Stempel und Nummern zeigt, auf der Bildseite ein mehr oder minder starker rötlicher Schimmer bemerkbar. Da sich der Geldverkehr jetzt zum größten Teil in Papiergeld abwickelt, so ist bet Annahme von Reichsbanknoten alter Ausgabe zu 100 Mark besondere Vorsicht walten zu lassen.
* (Der neue Friedensfahrplan.) Aus Berlin meldet ein W. T.-B.-Telegramm: Der neue Friedensfahrplan wird am Montag, 2. November, eingeführt. Wie die „Urzeitung" hört, hat der Chef des Feldeisenbahnwesens seine Zustimmung dazu gegeben. Dem neuen Fahrplane haben bisher dre preußisch-hessischen, die sächsischen und die bayerrschen Eisenbahnverwaltungen zugestimmt. Die Zustimmung der übrigen steht zu erwarten.
* (Versorgung der Kriegswitwen gefallener aktiver Offiziere.) In der Preffe ist kürzlich verschiedentlich berichtet worden, daß die Witwen von Beamten, die als Reserveoffiziere tm Felde fallen, wesentlich besser gestellt sind als dre Witwen gefallener aktiver Offiziere, weil erstere neben der Kriegsversorgung noch die Bezüge aus der Versorgung der Beamtenhinterbliebenen erhalten. Diese Darstellung ist, wie wir von sachverständiger Seite erfahren, unzutreffend. Den Witwen gefallener aktiver Offiziere steht in gleicher Weise wie den Witwen von Beamten, die als Reserveoffiziere gefallen sind, neben dem Kriegswitwengeld noch die allgemeine Friedensversorgung zu, den ersteren auf Grund des Militär- Hinterbliebenengesetzes, den letzteren ^^^M^ der Beamtengesetzgebung. Dieselben Grundsätze gelten auch für die unteren Dienstgrade. Wahrend das Kriegswitwengeld für Offiziere vom, Hauptmann abwärts sowohl in Fällen der allgemeinen Versorgung als auch in den Fällen, in denen diese nicht zusteht, gleichmäßig bemessen ist, ist das Kriegswitwengeld sowohl in den unteren als höheren Dwnjtgraöen verschieden festgesetzt, sodaß die Kriegswitwen, denen die allgemeine Versorgung nicht zusteht, ein höheres Kriegswitwengeld erhalten, als diejenigen aus der allgemeinen Friedensversorgung. Der Verlauf des Krieges wird Unterlagen für dre Beurteilung der Frage schaffen, nach welchen Richtungen hin eine erhöhte Fürsorge für die Kriegswitwen und -warfen anzustreben ist.
§ Hersfeld, 27. Oktober. Die jetzt noch zur Fahne eingezogenen Mitglieder von Krankenkassen werden wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daßj sie sich bei den Krankenkassen weiter versichern können. Voraussetzung ist jedoch, daß sie in den vorangegangenen 12 Monaten mindestens 6 Monate oder unmittelbar vorher mindestens 6 Wochen versichert waren. Die Meldung muß spätestens innerhalb 3 Wochen nach dem Ausscheiden bei der Kasse erfolgen. Wer jedoch in der zweiten oder dritten Woche erkrankt, hat für diese Krankheit Anspruch auf die Kasseu- leistungen, nnr, wenn er die Anzeige in der ersten Woche gemacht hat. Es liegt daher im Interesse der Betreffenden, wenn die Meldung in der ersten Woche erfolgt.
):( Hersfeld, 27. Oktober. (Sammelt Ei ch e ln.) Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Eichelmast dieses Jahr außerordentlich gut geraten ist. In unseren Wäldern liegen Tausende von Zentnern beste Schweinemast auf dem Boden! Es würde sich vielleicht empfehlen, auf den Dörfern einen Tag schulfrei zu geben und die Kinder hinauszu- schicken. Auch Vaterlandsdienst!
§ Hersfeld, 27. Oktober. Wie wir erfahren, dürfen von jetzt ab deutsche Kriegsgefangene in Gibraltar Briefe erhalten und schreiben. Diese Briefe gehen durch die englische Zenfur. Briefe und Geldsendungen — wenn letztere gleichfalls zugelassen sind — sind an die Adresse Commander-Prisoner of war, Gibraltar, zu richten.
§ Hersfeld, 27. Oktober. In der Presse haben in letzter Zeit wiederholt unbestätigte Gerüchte über die Beteiligung katholischer Geistlicher an Greueltaten in Belgien Verbreitung gefunden. Bisweilen sind an diese Nachrichten Kommentare in gehässiger Form gegen die katholische Geistlichkeit als solche geknüpft worden. Im Interesse der Aufrechterhaltung der inneren Einigkeit des Deutschen Volkes während des Krieges ist es notwendig, diesen verallgemeinernden, einen großen Teil der Bevölkerung verletzenden Veröffentlichungen mit Nachdruck entgegenzuwirken.
):( Hersfeld, 27. Oktober. Eine große Sendung Liebesgaben, bestehend aus Strümpfen, Pulswärmern, Hemden, Leibbinden,Unterzeug,Kopfschützern Hosenträgern, Taschenmessern, Tabakpfeifen mehreren Päckchen Stearinkerzen, und Seife, Feldpostkarten, sowie aus Lebensmitteln nämlich Cervelatwürsten, Schokolade, Kakao, Kaffee, Thee, Zucker, Kakes, Krugen mit Steinhäger, Cigarren, Cigaretten und Tabak wurde kürzlich durch Vermittlung der Etappenkom- mandantur L zu Cassel, welche die schnelle Weiterbeförderung zugesagt hatte, an unsere hessischen Truppen im Osten abgeschickt. Den Gemeinden des Krrchlprels Schenklengsfeld, sowie den Einwohnern von Kathus, Kruspis, Holzheim, Stärklos, Mecklar, Meckbach, Friedlos, ferner den Hersfelder Herrn Heinrich Sauer und Jean Rechberg, welche die Liebesgaben gewendet und diese Anteil an der Fürsorge für unsere Krieger im Osten ermöglicht haben, sei hiermit herzlichst gedankt.
Bebra, 26. Oktober. Der Lehrer Heußner in Bebra ist für die Heit bis Ende Dezember 1914 zum weiteren Standesbeamten-Stellvertreter für den Standesamtsbezirk Bebra bestellt worden.
Caffel, 26. Oktober. Betreffs Abführung der Goldbestände kirchlicher Kassen weist das Konsistorium darauf bin daß die Verstärkung des Goldbestandes der Reichsbank für die Erhaltung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Deutschen Reiches während der gegenwärtigen Kriegszeit von außerordentlicher Bedeutung ist. Das Konsistorium legt es daher dem PresbRerium und den Verwaltern selbständiger Stiftungen als ein Gebot vaterländischer Pflicht an das Herz das in ihren kirchlichen Kasten etwa noch vorhandene Gold an die Reichsbank zur Umwechselung in Papiergeld abzuführen.
Cassel, 26. Oktober. Wie berichtet, hat Herr Konsul Karl Grebe einen Preis von^800 Mark für jede vom 11. Armeekorps erbeutete Fahne ausgejetzt. Der erste dieser Preise ist, wenn eine aus Dörnberg von glaubwürdiger Seite mitgeteilte Nachricht »ch, wie zu erwarten, amtlich bestätigt jetzt verdient. Nach der uns vorliegenden Nachricht hat nämlich Unteroffizier Johannes Ulbrich von der 4. Komp des 83. Jnf.-Regts. das Eiserne Kreuz erhalten weil er im dichtesten Kugelregen eine russische Fahne erbeutet hat. Konsul Grebe hat bekanntlich einen weiteren Preis von 2000 Mark für diejenige Zeppelin-Mannschaft ausgesetzt, die zuerst über London kriegerisch tätig fern wird.
Niederzwehren, 26. Oktober. Winterbaracken für die Gefangenen. Sieben Winterbaracken, in denen je 1000 feindliche Gefangene Platz finden, sind im hiesigen Lager fertig gestellt worden. Es sollen im ganzen
18 Winterbaracken erbaut werden. In dem Lager sind bis jetzt 6600 Russen, Franzosen und Engländer untergebracht.
Göttingen, 25. Oktober. Gestern abend 10 Uhr erhielt der „Reichshof" auf der Jüdenstraße ein Fuder Stroh, daß zum größte» Teile noch in den mittleren Hof geschafft wurde. Gegen 10' 2 Uhr wurde von Bubenhand das Stroh angezündet und im Nu war das Vorderhaus von zwei Seiten in Flammen eingehüllt. Der Feuerwehr gelang es nach kurzer Zeit, die Flammen zu ersticken.
Tambach, 26. Oktober. Die Blätter melden: Hier hat sich ein 14 jähriger Schulknabe mit einem Rasiermesser eine große Schnittwunde am Halse zugefügt. Der Tod ist innerhalb weniger Minuten eingetretcu. Der Anlaß zu diesem bedauerlichen Vorkommnis ist daraus zurückzuführen, daß die Schuljungen Krieg führten und dabei mehrere Fensterscheiben an der früheren jetzt leer stehenden Bürstenfabrik, die als „Festung" ausersehen war, zerschlugen. Der Besitzer hatte bei der Schulleitung Anzeige erstattet, und die in Aussicht stehende Schulstrafe hat den Jungen zu dem Entschluß gebracht, sich das Leben zu nehmen.
Fulda, 24. Oktober. Der heutige Schwetiremarkt war mit 8 Läufern und 195 Ferkeln beschickt. Die Preise waren: für Läufer 34 Mark, für Ferkel 10 Mark per Stück.
Mainz, 24. Oktober. Im Artilleriedepot waren verschiedene Landwehrmänner mit dem Reinigen von erbeuteten französischen Waffen beschäftigt. Ein noch geladener Armeerevolver entlud sich dabei und die Kugel tötete einen verheirateten Landwehrmann, Vater von 4 Kindern.
Feldpostbrief des Feldwebel-Lt. R. Pf. aus Hersfeld.
„Heute morgen, ich lag noch zu Bette, kam eine ganze Ladung von Paketen mit vielen Nützlichen und Guten, Hemd, Hose, Schokolade und 4 oder 5 Briefen auf einmal. — Wir beziehen jetzt einen um den anderen Tag Vorposten ungefähr 700 Meter vom Feinde entfernt. Dieser sucht jede Nacht an einer anderen Stelle durchzubrechen. So kam er auch gestern morgen — am 6. — gegen 4Vs Uhr auf unsere Stellung zu. Unsere Horchposten, die dieser vorgeschoben sind, taten aber voll ihre Schuldigkeit und meldeten sehr frühzeitig das Nahen des Feindes. Der Vorstoß ging gegen unsere beiden linken Kompagnien, die dritte und vierte. Der Feind war nach Aussage Gefangener zwei Bataillone stark und hatte starke Kavallerie in Reserve, während wir ungefähr 180 Mann stark waren. Ersterer bestehend aus Alpenjägern, einer sehr guten französischen Truppe. Unsere Leute bewahrten eine eiserne Ruhe,- keiner schoß, bevor Befehl dazu erteilt war. Wir ließen den Gegner bis ungefähr 30 Meter herankommen und eröffneten erst das Feuer, als die Franzosen mit einem kläglich nachgeahmten „Hurra" in unsere 3. Kompagnie ein- brechen wollten. Das Hurra klang ungefähr so, als ob ein Dutzend alter Weiber rief. Sofort begann ein furchtbares Feuer unsererseits, auch trat alsbald unser Telephon in Tätigkeit, unsere Artillerie zu alarmieren, und, ehe zwei Minuten vergangen waren, war diese schon aktiv, Tod und Verderben speiend. Die Leute der feindlichen Unterstützung flogen nur so in der Lust herum. In ungefähr einer Stunde war der Kampf beendet und der herausziehende Tag beleuchtete die Wirkung unseres Feuers. 120 Tote und Verwundet» lagen ungefähr 20—40 Meter vor unserer Stellung, die Leichtverwundeten werden wohl mit ihrer Truppe zurückgegangen sein. Die Wirkung unserer Artillerie konnten wir leider nicht feststellen, denn sobald sich nur eine Helmspitze zeigte, eröffnete der Gegner ein tolles Geknatter. Unsererseits hatten wir 2 Verwundete, einem war ein Finger abgeschossen, der andere hatte einen Streifschuß am Kopfe. — Hoffentlich ist den Herren, für die nächste Zeit die Lust an derartigen nächtlichen Ruhestörungen vergangen."
Strickt Pulswärmer
für unsere Truppen im Felde!