Preußischer Landtag.
Das Abgeordnetenhaus bewilligt IV2 Milliarden.
(WTB.) Berlin, 22. Oktober. Das Abgeordnetenhaus hat die Vorlage der Regierung von 1^ Milliarden Mk. in allen Lesungen einstimmig angenommen.
Berlin, 22. Oktober. Das Abgeordnetenhaus trat heute nachmittag 2 Uhr zu einer kurzen Kriegstagung zusammen. Der Andrang zu den Tribunen war ungeheuerlich. Eine große Zahl der Zuhörer konnte wegen Uebersiillung keinen Platz mehr finden. Die Minister an ihrer Spitze der stellvertretende Ministerpräsident Dr. Delbrück, waren sämtlich erschienen und die Abgeordneten waren fast vollzählig anwesend, viele unter ihnen in feldgrauer Uniform. Eine Reihe der aus dem Felde Zurückgekehrter war bereits mit dem Eisernen Kreuz geschmückt. Der freikonservative Abg. Bredt, dessen Brust das Eiserne Kreuz schmückt, trägt einen dicken Verband um den Kopf. Auf dem Platz des vor dem Feinde gefallenen Abg. Hasenclever ist ein Kranz niedergelegt worden.
Punkt 2V< Uhr eröffnete der Präsident, Graf von Schwerin-Löwitz, die Sitzung. Seine ersten Worte galten der Kaiserin zu ihrem Geburtstage. Der Vizepräsident des Staatsministeriums, Dr. Delbrück, brächte zuerst der Volksvertretung die Grüße des Monarchen dar. Das Haus hatte sich erhoben, allein die Sozialdemokraten beteiligten sich nicht an dieser Kundgebung. Dr. Delbrück erläuterte sodann kurz die Vorlage der Regierung. Als er aber schloß mit der Versicherung, zu kämpfen bis zu einem dauerhaften Frieden und durchzuhalten, bis dieses Ziel erreicht ist, da klang ihm die Zustimmung des ganzen Volkes in den Rufen seiner Vertreter entgegen. Was der Sprecher der äußersten Linken Dr. Hirsch über Arbeitslosenfürsorge, preußisches Wahlrecht vorbrachte, mochte gewiß im einzelnen begründet und berechtigt sein, wirkte in dem Zusammenhänge dieser Sitzung aber doch als Abschweifung. Erst die sachliche Erledigung der Vorlage erhob dann wieder die Sitzung zu der Größe der Zeit. Die einmütige debattelose Annahme des Milliardenkredits und der Notstandsvorlage in wenigen Minuten war in der Tat der Ausdruck des „Willens zum Siege", und sie machte die Sitzung vom 22. Oktober zu einem würdigen Seitenstück der Reichstagssitzung vom 4. August, und sie gab die Grundstimmung ab für die einfachen, aber gerade in ihrer Einfachheit erwärmenden Worte, mit denen Graf Schwerin - Löwitz diese Sitzung der preußischen Volksvertretung schloß.
Dem Antrag des Staatsministeriums auf Vertagung des Preußischen Landtages auf den 9. Februar 1915 erteilt das Haus seine Zustimmung.
Das Herrenhaus.
Nach Schluß der Sitzung des Abgeordnetenhauses trat das Herrenhaus zu einer kurzen Beratung zusammen. Auch hier waren die Tribünen stark über- füllt. Unter den zahlreich erschienenen Mitgliedern des Hauses sah man u. a. auch den früheren Reichskanzler Fürsten Bülow, den bisherigen Botschafter in London, Fürsten Lichnowski, auch den neuen Oberpräsidenten von Schleswig-Holstein, den früheren preußischen Staatsminister v. Moltke, den Fürsten v. Solms- Baruth, den Fürsten Hatzfeld, die beiden Leiter der Freiwilligen Krankenpflege. Viel bemerkt wurde auch der mit dem Eisernen Kreuz geschmückte Herr Krupp von Bohlen und Halbach. Neben den Rittern des Eisernen Kreuzes aus dem gegenwärtigen Kriege sah man besonders zahlreich die Ritter des Eisernen Kreuzes aus dem Jahre 1870/71. Nach der Eröffnung der Sitzung unterbreitete der Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums Dr. Delbrück dem Hause die Kriegsvorlagen und gab ihnen dabei eine kurze Begründung. Die Ausführungen deckten sich wesentlich mit denen im Abgeordnetenhause. Lebhaften Beifall fand wieder Dr. Delbrück, als er die Zusicherung gab, daß die Kriegsschäden in Ostpreußen rasch und ausreichend geheilt werden müssen. Die entschlossene und einstimmige Bewilligung der großen geforderten Summe ergebe die große Stärke des Staates und seinen festen Willen zum Sieg. Und ich bin fest überzeugt, daß auch Sie diesen Willen bekunden werden durch eine einstimmige Annahme der Vorlage. Die Bewilligung dieses Kredits wird auch der ganzen Welt zeigen, daß wir entschlossen sind, das Schwert nicht eher aus der Hand zu legen, bis wir einen dauernden Frieden errungen haben und davor gesichert sind, daß wir nicht wieder überfallen werden, wie wir es diesen Sommer erleben mußten. (Lebh. Beif.) Die Vorlage wird hierauf en bloc einstimmig angenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt.
Wir hätten nicht das Schwert gezückt,
^s ist uns in die Hand gedrückt,
Nun fahr's herab auf deren Haupt, Die uns den Frieden frech geraubt, Wir hauen uns durch mit wuchtiger Hand, Am Meer, am Rhein, am Weichselstrand, Herrgott, beschirme das heilige Vaterland.
Wein nicht, wein nicht, 0 Mutter traut, Wein nicht, wein nicht, Du holde Braut, Rinnt in den Sand mein Herzblut rot, Seid stolz, ich starb den schönsten Tod, Mein letzt Gebet zu Gott gesandt, Am Rhein, am Meer, am Weichselstrand, Schirm und erhalt mein heiliges Vaterland.
Karl Siebert, Infanterist d. 107.
Verzeichnis
der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
Für das Rote Kreuz, Sektion Sersfeld
von Gemeinde Niederjoffa......M. 5.—
„ Ungenannt.......... 10.—
„ Frau Zirkel hier........„ 5.—
" 20.-
Bestand „ 21.799.77 heutiger Bestand M. 21.819.77
Für die Krieger im Felde: von Ungenannt. . . .........M. 40.—
„ Herrn Ludwig Braun für Monat Oktober,, 300.— „ Frau Eduard Braun „ „ „ „ 500.— „ der Oberklasse der Schule zu Ransbach „ 4.50 „ durch Frau Hch. Nephut von Miß Margarete Glebe, Newark Nordamerika „ 25.— „ Frau Professor Schmidt hier. . . . „ 10.— M. 879.50
Bestand „ 2351.75 20281.25 davon verausgabt „ 1666.79 heutiger Bestand M. 1574.46
Für die notleidenden Ostpreußen
von Stammtisch und Skatgesellschaft, Stiftschenke ...........M. 25.-
„ Schulkindern in Eitra und Sieglos . „ 44.— „ durch Frau Hch. Nephuth von Miß
Margarete Glebe, Newark, Nordamerika „ 15.— 84.- Bestand „ 16.16 heutiger Bestand 100.16
Amtliche Bekanntmachungen.
Hersfeld, den 24. Oktober 1914.
Am Mittwoch, den 28. ds. Mts. geht von Hünfeld ein Transport Liebesgaben für das 3. Bataillon des Reserve-Regiment 71, das Reserve-Regiment 82 und das Landwehr-Regiment 83 direkt per Auto ab.
Indem ich aus diese besonders günstige und sichere Gelegenheit Hinweise, fordere ich alle Beteiligten auf, die für diesen Transport bestimmten Liebesgaben bis Dienstag abend bestimmt beim Königlichen Landratsamt in Hersfeld — Zimmer Nr. 1 — sicher verpackt ab- zuliesern.
Der Landrat.
J. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
MUMM PrhiaiM
Aktiengesellschaft, Male ßersfeia.
€1 eschäfts-Betrieb:
Annahme von Spareinlagen zu günstigen Bedingungen.
An- und Verkauf von Wertpapieren.
Einlösung von Zins- und Dividendenscheinen sowie gelösten Wertpapieren.
Handel in fremden Geldsorten.
Besorgung neuer Zins- und Dividendenscheinbogen.
zwangsverkaus.
Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Telegraphenlinie an dem Wege von Malkomes nach Dinkelrode liegt bei dem Postamt in Hersfeld vom 19. Oktober ab 4 Wochen aus.
Cassel, den 16. Oktober 1914.
Kaiserliche Ober-Postdirektion. * *
Hersfeld^ den 22. Dktober 1914. Wird veröffentlicht.
Der Landrat.
I. V.:
___________________v. Hedemann, Reg.-Assessor. " , t in Mr am 29. Oktober IM.
Brötzter Mehmarkt im Regierungsbezirk Caffel.
Diskontierung und Einzug von Wechseln.
Ausschreibung von Wechseln und Schecke auf In- und Ausland.
Domizilierung von Wechseln.
Eröffnung von laufenden Rechnungen.
Gewährung von Vorschüssen, Beleihung von Wertpapieren. Scheckverkehr. — Reise-Kreditbriefe.
ss* Feldpostbriefe ^
in allen Größen und
vorschriftsmässige Feldpakete
mit wasserdichter Umhüllung offeriert
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50 |
beim Eintrittsalter (Jahre):
55 I 60 | 65 | 70 |
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Zickendraht, Kaufmann in Hersfeld.
Gerwigstrasse 18.
WW Des Einkommens durch Versicherung von Leibrente bei der Premschen Renten-Versicherunss-Anstalt. ,.. K?.°forl beginnende gleichbleibende Rente tur Männer:
_____________ , __ ' 75
‘’248 8'244.> ^>612yiM96TT4j9^^ jährlich °/o der Einlage. Bei längerem Aufschub der Rentenzahlung wesentlich höhere Sätze, erhalten wegen ihrer verhältnismässig längeren Lebensdauer entsprechend weniger.
Aktiva 1913: 124 Millionen Mark.
Inh. Willi Schmidt, Breitenstr' 27.
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Cigarren und Cigaretten portofreie Feldpostbriefe offeriert
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Bahnhof Straße 11. Telephon 235,
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in allen Größen u. Farben liefert
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Im Auftrage der Landes- Renterei sollen am M(U d.RWM nachmittags 3 Uhr auf dem Rittergut Meisebach 1 Selbstbinder, 1 Bulle 2 Rinder, 4 trächtige Schweine u. 24 Läuferschweine öffentlich meistbietend gegen bare Zahlung verkauft werden.
Hersfeld, den 24. Oktober 1914.
Der voiiziehungsbeamte.
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Jede Menge Getreide kann geschrotet u. sofort wich, mitgenommen werden.
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Otto Hähne.
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Hepsteiiier laoenian.
Kirchliche Nachrichten.
Evangel. Gottesdienst.
Sonntag den 25. Oktober.
Vorm. VslOUhr: Herr Pfarr.
U l 0 t h.
Vorm. 11 Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagschule).
Nachm. V26 Uhr: Herr Pfarr. Gonnermann.
Unterhauu.
Mitt. 1 Uhr: Gottesdienst.
Heenes.
Nachm. 3 Uhr: Gemeinsamer Gottesdienst.
Dienstag den 27. und
Freitag den 30. Oktober Abends 7 Uhr Gebetsandacht.
Kathol. Gottesdienst.
Sonntag, den 25. Oktober 7 Uhr: hl. Messe.
9^/4 Uhr: Amt und Predigt.
Vs3 Uhr: Andacht.
Wochentage 7V< Uhr Heu- Messe.
Gelegenheit zur heil. Beichte.
Sonnabend 5, 8 Uhr bei einem fremd. Geistlichen. Sonntag Va7 Uhr.
Männer-Apostolat
Montag und Freitag Abend 8' Uhr Rosenkranz- und Bittandacht.