Hersfelder Tageblatt
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Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. ' '
für den Kreis Hersfeld
Kreizblatt
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. SS1.
Sonntag, den 25. Oktober
1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Strickt Strümpfe
für unsere Truppen im Felde.
Bus der Heimat
* (Briefe an Kriegsgefangene inEng - land.) In England besteht eine Auskunftsstelle über Kriegsgefangene unter der Bezeichnung The Prisoners' of War Information Bureau. Postsendungen an Kriegsgefangene in England, deren Aufenthaltsort nicht bekannt ist, können an diese Auskunftsstelle gerichtet werden. Die Aufschrift hat zu lauten:
(Name der Gefangenen)
care of the Prisoners' of War Information Bureau, London, 49 Wellington Street, Strand.
Briefe an Kriegsgefangene in England sollen kurz und, wenn möglich, englisch geschrieben sein; auf der Rückseite der Sendung müssen Name und Wohnung des Absenders angegeben werden.
* (Zeitungen ins Feld.) „Zeitungen ins Feld!" Ein Ruf von größter Dringlichkeit,- wie oft ist er in den letzten Wochen erschollen! Man denke sich einmal in die Lage der Kämpfenden: weit draußen in Feindesland, ohne Nachrichten von der Heimat, wissen sie gar nicht, was um sie vorgeht. Sie können lediglich den Namen der Ortschaften, die sie durchziehen, entnehmen, wo sie sind. Was auf dem anderen Teile der Front, was vor allen Dingen auf den übrigen Kriegsschauplätzen vor sich geht, davon haben sie keine Ahnung. Sollen sie den Meldungen englischer und französischer Zeitungen, die sie vielleicht bei den Bewohnern der Gegend, die sie durchziehen, oder bei den Gefangenen finden, glauben? Glauben beispielsweise, daß die Russen auf dem Marsche nach Berlin, der Deutsche Kaiser gefangen ist, und wie die ausländischen Lügenmeldungen alle lauteten. — Es ist leicht denkbar, daß der Gemütszustand einer Truppe nicht besser wird, wenn die Soldaten längere Zeit ohne Zeitungen und Tagesnachrichten bleiben: es,kann dies ein Moment werden, das auch den Gefechtszustand einer Truppe sehr wohl zu beeinträchtigen vermag.
* An der Mündener Forstakademie wird voraussichtlich im kommenden Wintersemester nicht gelesen werden. Studierende sind in diesem Berufe naturgemäß nicht in genügendem Maße vorhanden, fodaß man sagen kann, sie sind alle im Felde, außerdem aber sind fünf Dozenten zu den Fahnen geeilt. Darunter befindet sich der Direktor der Forst- akademie, Oberforstmeister Fricke, der Führer eines Landwehrbataillons in Belgien ist. Einige der Herren sind als Verwundete in die Heimat zurückgekehrt. 1870 waren 66 Studierende und ein Lehrer der Akademie im Kriege. Auch von den damaligen Kriegs- wilnehmern hat sich ein Mündener Herr, Oberförster Eogho, dem Vaterland als Hauptmann diesmal sofort wieder zur Verfügung gestellt. Die genaue Zahl der Hmausgezogenen ist bisher nicht festzustellen, doch 8etßt die Liste der Gefallenen, Verwundeten und auch der Mündener Akademiker, die das Eiserne Kreuz bekommen haben, wie stark die grüne Farbe am Kampf fürs Vaterland beteiligt ist. Förster gibt es in unserer waldreichen Gegend nur noch ganz vereinzelt.
):( Hersfeld, 24. Oktober. Man schreibt uns. „Im Regierungsbezirk Aurich standen Anfang September etwa 20 000 Stück Zuchtrinder auf der Weide, für die nach Beendigung der Weidzeit weder Ställe noch Futter vorhanden sein soll." Wir machen die Landwirte auf diese günstige Ankaufsgelegenheit aufmerksam.
):( Hersfeld, 24. Oktober. Bei Herrn Bürgermeister Str a u ß ist heute morgen eine Feldpostkarte folgenden Inhalts eingegangen:
N....., den 18. x. 1914.
Hochverehrter Herr Bürgermeister!
Für Ihre im Namen der Stadt Hersfeld übermittelten freundlichen Grüße und Worte warmer Aner- kennun g für die bisherigen Leistungen des Bataillons sage ich meinen verbindlichsten Dank. Die Leute haben sich hierüber mit mir außerordentlich gefreut und versichere aufs Neue, daß das Batoillon auch in Zukunft seinen Mann stehen wird. Mit dem Ausdruck meiner vollendeten Hochachtnng habe ich die Ehre zu sein
Ihr sehr ergebender Sacksofski
Major und Bataillonskommandeur.
§ Hersfeld, 24. Oktober. Inhalt der Verlustliste Nr. 57. Generalkommandos: viii. Reservekorps. XV. Armeekorps, Kavallerie - Stabswache.
Infanterie: 14. Infanterie-Division, Stab. — 4. Garde-Regiment. — Brigade-Ersatz-Bataillon Nr. 5. — Grenadier-Regiement Nr. 12. — Reserve-Jn- fanterie-Regiment Nr. 19. — Landwehr-Jufanterie- Regiment Nr. 20. — Infanterie-Regiment Nr. 25. — Brigade-Ersatz-Bataillon Nr. 26. — Infanterie-Regiment Nr. 28. — Reserve-Jufanterie-Regimenter Nr. 29,35. — Brigade-Ersatz-Bataillon Nr. 44. — Infanterie- Regimenter Nr. 45, 47. — Reserve-Jnfauterie-Regi- ment Nr. 48. — Infanterie-Regimenter Nr. 55, 58. — Landwehr-Jnfanterie-Regiment Nr. 65. — Reserve- Jnsanterie-Regimenter Nr. 71, 72, 76, 78, 79, 87. — Infanterie-Regiment Nr. 88. — Grenadier-Regiment Nr. 89. — Infanterie-Regiment Nr. 91. — Reserve- Jnfanterie-Regimenter Nr. 94, 99. — Landwehr-Jnfanterie-Regiment Nr. 110. — Infanterie-Regimenter Nr. 112,113. — Königs-Jnfanterie-Regiment Nr. 145. — Infanterie-Regimenter Nr. 146, 158, 156, 157, 161, 164, 172. — Landsturm-Bataillon Allenstein l. — Jäger- Bataillon Nr. 1. — Reserve-Jäger-Bataillone Nr. 4, 5, 6. — Reserve-Maschinengewehr-Abteilungen Nr. 3,4. Kavallerie: Schweres Reserve-Reiter-Regiment Nr. 1. — Reserve-Husaren-Regimenter Nr. 5, 7. — Ulanen-Regimenter Nr. 2, 6, 16. — Regiment Königs- Jäger zu Pferde Nr. 1. — Landwehr-Kavallerie-Regt- ment Nr. 2. Feldartillerie: Reserve-Feld- artillerie-Negimenter Nr. 3, 15. — Feldartillerie- Regimenter Nr. 46,61. F u ß a r t i l l e r i e: Reserve- Fußartillerie-Regiment Nr. 2. Pioniere: Pionier- Bataillon Nr. 2. — Pionier-Ersatz-Bataillon Nr. 4. — Pionier-Bataillone Nr. 7, 8. — 2. Pionier-Bataillon Nr. 10 und 16. — Pionier-Regimenter Nr. 23, 24. — 1. mobile Landwehr-Pionier-Kompagnie des XVI. Armeekorps. Verkehrst r u ppen: Fernsprech- Abteilung des Korps Eberhardt. — Reserve-Fuhr- park-Kolonne Nr. 6 des n. Reservekorps. — Etappen- Fuhrpark-Kolonne Nr. 23 (früher Nr. 3) des in. Armeekorps. — Reserve-Fuhrpark-Kolonne Nr. 24 des VIII. Reservekorps. — Fuhrpark-Kolone Nr. 1 des xvi. Armeekorps. Berichtigung früherer Verlustlisten. Verluste durch Krankheiten. Diese Nummer der Verlustlisten ist i« der Geschäftsstelle des Tageblattes für Interessenten ansgelegt.
8 Hersfeld, 24. Oktober. Von einem uns befreundeten Kriegs-Teilnehmer des 3. Bataillons der 71er erhalten wir folgendes Verzeichnis der bisher mit dem E i s e r n e n K r e u z ausgezeichneten 71er. 1 Regiments st ab. Der Regiments-Kommandeur Oberst Graf Fink von Finkenstein und zwar 1. und 2 Klasse. (Die übrigen folgenden sind alle 2. Klaffe.) Oberleutnant Obstfelder, Leutnant d. R. Berkemerer. 2. Bataillons st ab. Major Sacksofsky, Batl. Kommandeur. Leutnant v. Otto, Leutnant d. R. Bartels, Stabsarzt Kestner, Stabsarzt Hochheimer, Unterarzt Lieschke, Sanitäts-Unteroffizier d. R. Stern.
9 Kompagnie. Oberleutnant d. L. Friedrich, Oberleutnant d. R. Helbing, Leutnant d. R. Spieß, Leutnant d. R. Menn, Offizier-Stellvertreter Bach- städt, Feldwebel Pfaff, Sergeant Wölfing, Unteroffizier Eichhorn, Unteroffizier Gutberlet, Unteroffizier Rüger, Gefreiter Herbst, Gefreiter Ley, Gefreiter Pfaff, Reservist Fernau, Reservist Krück, Reservist Pfaff. Kriegsfreiwilliger (Motor-Rodfahrer) Weimar 10. Kompagnie. Hauptmann Pieper, Leutnant d. Jl• Benkert Leutnant d. R. Miltenstein, Offrzrer-Stell- uer reter Schenk, Feldwebel Möller, Vizefeldwebel Funk Unteroffizier Walk, Unteroffizier Wettlaufer, Gefr Schäfer, Gefr. Lotz, Gefr. Hebenstreit, Gefr. Führer Reservist Koch. 11- Kompagnie. Haupt- mann Cruse, Leutnant d. R. Wagner Leutnant d. R Koch Off -Stellvertr. Andree, Feldwebel Nölke, Vizefeldwebel Metzner, Bizefeldwebel Caselitz Unteroffizier Tressel, Gefr. Walch, Gefr. Kubier, Gefreiter Stumpe, Reservist Schumann. 12. K o m p a g n i e. Hauptmann Lind, Leutnant d. R. Müller, Leutnant d. R. Ohmann, Feldwebel Knauer, Unteroffizier Go t- behüt, Unteroffizier Weiß, Unteroffizier Michel, Gefr. Ellenberger, Reservist, Krämer, Reservist Jordan, Reservist Diel, Reservist Strack.
-n- Röhrigshof, 23. Oktober. Die Gemeinde Rohrigs- Hof sandte heute den Kompagnien des 3. Batl. des Reserve Regt. 71 4 große Pakete mit Liebesgaben. Taback, Zigarren, Zigaretten, Pfeifen, Schokolade, Strümpfe, Kniewärmer, Fußlappen pp. Die Sachen wurden von den Ortsbewohner gespendet.
Heringen (Werra), 23. Oktober. Leutnant Rudolf Kurth vom Forsthaus Langendorf bei Heringen, dem Jnf.-Regiment Nr. 56 zu Wesel zugeteilt, hat für tapferes Verhalten vor dem Feinde das „Eiserne Kreuz erhalten.
Homberg, 22. Oktober. Dem Bruder unseres Landrats, Herrn Landrat Philipp von Gehren zu Goldap-Ostpreußen, welcher bekanntlich in russische Gefangenschaft geraten war, sich aber wieder befreien konnte, wurde das Eiserne Kreuz verliehen.
Aus der Rhöu, 22. Oktober. In verschiedenen sehr hoch gelegenen Gegenden der Rhön ist gestern leichter Schneefall erfolgt.
Neukirchen (Kr. Hünfeld), 21. Oktober. Dem Leutnant der Reserve, Lehrer Eduard Berg hierselbst, wurde das Eiserne Kreuz verliehen.
Rotenburg, 21. Oktober. Aus Anlaß treuer 25= jähriger Dienste hat Landgraf Chlodwig von Hessen dem Haushofmeister Karl Hofmeister dahter eine goldene Uhr überreicht. — Landgraf Chlodwig hat das hiesige Schloß als Genesnngsheim für Verwundete zur Verfügung gestellt. Die Unterhaltung hat das hiesige Rote Kreuz übernommen. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte in ihrer gestrigen Sitzung für die notleidenden Ostpreußen als erste Rate 500 Mk. Desgleichen wurden 500 Mk. für Not- standsarbetten außeretatsmäßig bereit gestellt.
Eingesandt.
Mit.steigender Sorge, muß jeder Vaterlandsfreund die nach Kriegsausbruch erfolgte Preistreiberei für Brotgetreide verfolgen. Die Hoffnung, daß allmählich eine ruhigere Stimmung Platz greifen werde und die Preise sich wieder normal gestalten sollten, hat sich leider nicht erfüllt. — Im Gegenteil, die Preise sind in letzter Zeit wieder in die Höhe gegangen, und es ist noch nicht abzusehen, wenn ein Stillstand eintreten wird. — An einen Rückgang ist aber, ohne Eingreifen der Regierung, nicht zu denken und dann muß eben das Volk die hohen Brotpreise weiter bezahlen. Untersuchen wir zunächst die Ursachen der Preissteigerung. In der schlechten Ernte finden diese keine Begründung. Deutschland hat in 1914 eine gute Mitte lernte bet vorzüglichen Qualitäten gehabt, und in normalen Zeiten hätten,wir sicher relativ billige Preise. — Nach Ausbruchoes Krieges sind wir bis zum Ende desselben ganz auf den Jnlandsmarkt angewiesen. Die Landwirte halten mit Abgabe von Getreide zurück, da sie vom Ausland keine Futtermittel für ihre Schweine beziehen können. — Dagegen ist der Consum unversorgt, und um diesen zu befriedigen und die Landwirte zur Hergabe des dringend benötigenten Getreide zu veranlassen, werden die Preise immer höher hinaufgesetzt. — Dieses dürften hauptsächlich die Ursachen, der wilden Preistreibereien sein, die jeden Freund des deutschen Volkes mit Sorgen erfüllen muß. — Nach den statistischen Feststellungen genügt unsere Ernte zur Ernährung unseres Volkes bis znr nächsten Ernte, und es liegt also kein Grund zu so abnorm hohenPreisen vvr.Diein derJndustriebeschäftigten Volkskreise sowie der gewerbliche Mittelstand sind infolge des Krieges an vielen Orten fast ohne Verdienst, und empfinden die hohen Brotpreise besondersIchwer. Der Unmut richtet sich dann oft gegen die Bäcker und zwar sehr mit Unrecht, da diese bei den hohen Getreidepreisen keinen ausreichenden Verdienst, in den Brotpreisen finden. Es ist daher nur recht und billig, wenn die Landwirte ihren bedrückten Volksgenossen, das.Brotgetreide zu angemessenen Preisen liefern. — Erfreulicher Weise ist zu konstatieren, daß die maßgebenden Vertretungen der Landwirte, der deutsche Landwirtschaftsrat, der Bund der Landwirte und der Banernbund selbst auf diesem Standpunkt stehen, und der Festsetzung von Höchstpreisen durch die Regierung das Wort reden. — Wenn trotzdem hierin noch nichts geschehen ist, so ist dies ein Beweis dafür, daß die Regierung zu einem Entschluß noch nicht kommen konnte. Es haben schon verschiedene Sitzungen stattgefunden, aber vorläufig ist noch alles beim Alten geblieben. — Viele Handelskammern sind dafür eingetreten, daß Höchstpreise festgesetzt werden. Ich selbst bin als Mitglied der Casseler Handelskammer wiederholt in obigem Sinne bei dieser Körperschaft vorstellig geworden, und bin überzeugt, daß dieselbe dafür eingetreten ist. Die Regierung kommt aber anscheinend aus den teoretischen Erörterungen nicht heraus. Gewiß ist diese Frage nicht leicht zu lösen: es werden sich Ungleichheiten und kleine lokale Verschiebungen nicht ganz vermeiden lassen. Das ändert aber nichts daran, daß der Gedanke an sich gesund und durchführbar ist. Die Schwierigkeiten sind dazu da, um überwunden zu werden. Das deutsche Volk, das in diesem schweren Krieg große Opfer an Gut und Blut bringt, hat ein Recht darauf, das diese wichtige Frage recht bald gelöst wird. Die Staatsregierung, — deren guter Wille zweifelsfrei ist — möge daher rasch handeln, zum Segen der wirtschaftlich Schwachen in unserem deutschen Volke.
Lorenz Mohr.
Strickt Pulswärmer
für unsere Truppen im Felde!