Die Kämpfe um Tfingtau.
Die Londoner „Evening News" veröffentlicht ein Telegramm aus Tientsin, worin es heißt, daß die letzte Phase der Operationen gegen Tsi»gta« bald beginnen soll. Die Japaner hoffen den Platz bis spätestens Ende Oktober nehmen zu können, wenn sich die Garnison nicht vorher ergebe.
. Daß Nch die Garnison ergibt, glauben die Japaner doch wohl selber nicht. Und mit dem Termin der Einnahme werden sie sich ebenfalls wohl stark verrechnen.
20 japanische Segler durch einen Taifnn vernichtet.
„Daily News" berichtet: Ein Taifun hat in Kiaut- schou die Landungsmole zerstört. 20 japanische Segelboote sind dabei zugrunde gegangen.
? .5 / Sriegsallerlei.
Deutschlands finanzieller Sieg.
^ Wien, 22. Oktober. (WTB.) Das Extrablatt schreibt: Die Dreimilliardeneinzahlung anf die dentiche Kriegsanleihe ist überschritten, was den Wert eines großen Sieges hat. Das offenbart den «nbengsamen Willen des deutschen Volkes, zu siegen, um der Welt ein Beispiel zn geben, wie es noch davon überzeugt ist.
Englands Kriegskosten.
Aus London wird telegraphiert: Englands Kriegsausgaben, die in den ersten zehn Wochen 110 Millionen Mark pro Woche betrugen, sind in der letzten Woche auf 170 Millionen Mark gestiegen. Man hatte damit gerechnet, daß die Ausgaben mit der Vergrößerung der Feldarmee steigen würden.
Beratung über den Kälteschntz unserer Truppen.
oe* Berlin, 22. Oktober. (WTB.) In einer in Gegenwart der Kaiserin gestern im Abgeordnetenhause abgehaltene» starkbesnchten allgemeinen Versammlung zur Beratung über den Kälteschntz unserer Truppen fand die Kriegsarbeit der deutschen Frauen höchste Würdignng. Es wurde festgestellt, daß jetzt jeden Donnerstag ein Zug nach dem östlichen oder westlichen Kriegsschauplatz mit warmen Kleidungsstücken abgehen soll. Gestern verließ ein Transport mit Bekleidungsmitteln im Werte von 3 Millionen Mark Berlin.
Die Riesenvente von Tannenberg.
9s* Berlin, 23. Oktober. (WTB.) Die Beute von Tannenberg soll so gewaltig gewesen sein, daß die Deutschen 1620 Güterzüge gebranchten, um sie fortzu, schaffen.
Ei» Opfer der Minen.
te* London, 23. Oktober. (WTB.) Der Dampfer „Cormoran" ist anf eine Mine gelanfen nnd gesunken. Die Mannschaft wurde gerettet.
Ein Erfolg der englischen Hetzpresse.
o-* London, 23. Oktober. (WTB.) Infolge des Feldznges der Jingopresse hat eine Anzahl bekannter Hotels alle deutschen nnd österreichischen Angestellten entlassen.
Tödliche Verwundung des serbischen Kronprinzen?
Der Berichterstatter der Sofiater Zeitung „Utro" meldet aus Nisch: In dem Befinden des Königs Peter von Serbien ist eine bedeutende Verschlechterung eingetreten. Der König, den die letzten Kriegsnachrichten sehr mitgenommen haben, liegt in Fieber-phantasien. Der Thronfolger-Regent Alexander ist tödlich verwundet und man erwartet täglich sein Ableben. Prinz Georg ist von seiner Verwundung, die er in der Schlacht bei Krupanja erhalten hat, noch immer nicht hergestellt. Die Lage der serbischen Armee ist ganz verzweifelt und hoffnungslos. — Eine Bestätigung dieser Meldungen des bulgarischen Blattes von anderer Seite liegt bisher nicht vor.
Saloniki, 23. Oktober. (WTB. ) Infolge seiner starken Verlnste plant Serbien eine neue Aushebung von Männern bis znm Alter von fünfzig Jahren.
Spionageanklage gegen ein Mitglied des deutschen Reichstags in Rußland.
Nach einer Petersburger Meldung ist gegen den in Rußland gefangen gehaltenen deutschen Reichstagsab- aeordneten Fürsten Radziwill die Anklage wegen Spionage erhoben worden.
Flüchtige Franzosen in Deutschland.
In Rastatt sind etwa 140 Franzosen, größtenteils Frauen und Kinder, eingetroffen, die ihre Heimats- gemeinden in der Gegend von Verdun verlassen mußten, weil ihre Wohnstätten von den Franzosen zerstört worden waren. Die deutschen Militärbehörden nahmen üch der Obdachlosen an und brachten sie nach Rastatt. __
Ungarn entzieht der Cunardlinie die Konzession.
Budapest, 23. Oktober. (WTB.) Wie in der gestrigen Sitzung des Auswanderersenats mitgeteilt wurde, hat der ungarische Minister des Innern die der Cunardlinie verliehene Konzession zum Transport von Auswanderern zurückgezogen. Gleichzeitig sind die mit ^Gesellschaft bestehenden Verträge als abgelaufen betrachtet.
Lebensmittel für die notleidenden Belgier.
-»* London, 23. Oktober. (WTB.) Nach einer Neutermeldung aus Washington vom 19. Oktober hat W - .Staatsdepartement dem britischen Botschafter mit- aeteilt, daß Deutschland der Einfuhr von Lebensmitteln nach Belgien zur Unterstützung notleidender Belgier zugestimmt habe.
Die „Potsdam" liegt in Rotterdam.
o* Amsterdam, 23. Oktober. (WTB.) Der Dampfer „PotSdam" von der Holland-Amerika-Linie, der nach einer Neutermeldung auf eine Mine gelaufen sein sollte, liegt nach dem Handelsblatt noch in Rotterdam.
Spanische Freiwillige für Frankreich?
Aus Perpignan wird nach einem Telegramm der „T.-U." aus Rotterdam der „Times" gemeldet, daß dort 800 Spanier angekommen seien, die in die Fremdenlegion als Kriegsfreiwillige einzutreten beabsichtige«. Wie es heißt, werden weitere spanische Freiwillige erwartet.
Die dentsche Verwaltung in Belgien.
b* Gent, 23. Oktober. (T.-U.) Die Stadt ist ruhig. Die Deutschen haben die Verbindung zwischen Brüssel und Lüttich wieder hergestellt. Deutsche Bahnlinien verkehren zwischen diesen Städten.
82 800 Engländer und Belgier in Holland interniert.
Ost Amsterdam, 23. Oktober. (Hbg. Fremdenblatt.) Nach einer den Zeitungen zugestellten Kundmachung be- läuft sich die Gesamtziffer der aus holländischem Boden internierten englisch-belgischen Truppen auf 82800
internierten englisch-belgisch Mann, darunter 1430 Offizn
WillEngland die Neutralen aushunger»?
Aus Christiania wird gemeldet: An der Börse wurde bekannt, daß der dänische Dampfer „Rolf" mit 20000 To. Korn in der Nordsee von einem englischen Kreuzer gestoppt und nach einem schottischen Hafen eingebracht worden ist. JW' befand sich auf der Reise von Neu- istiania, das der Bestimmungsort der
york nach wertvollen
ng ist
Die Massenverhastungen Deutscher in England.
. Rotterdam, 23. Oktober. (T.-U.) Aus London wird gemeldet: Die jetzt täglich in einer Anzahl von hundert Personen von der englischen Polizei vorgenommenen Verhaftungen Deutscher dauern an. Die Kriegsgefangenen, als solche werden sie behandelt, werden zunächst in den großen Ausstellungshallen der Olympia interniert. Von dort werden sie seitens der Militärbehörde den verschiedenen Konzentrationslagern im Lande überwiesen. Die Gründe, die die Polizei bewogen, die Massenverhastungen nicht schon früher vor» zunehmen, seien darin zu suchen, daß die Gefangenenlager bereits überfüllt (!) waren und weitere Personen oarin nicht untergebracht werden können. In den gewöhnlichen Gefangenenlagern sind nicht mehr als 30 bis 40 000 Personen unterzubringen.
Phantasten der „Times".
,^,Der Marine-Sachverständige der Times schlägt nicht mehr und nicht weniger vor, als die Nordsee ein- fach zu, — schließen. Krenzer wie „Hamke", „Hogue", „Aboukir und „Cressy" seien zugrunde gegangen, weil sie in der Nordsee den Patrvmllendienst zur lleber- wachung, der neutralen Schiffahrt verrichteten. Kraft des Völkerrechts habe, meint der Sachverständige, eine kriegführende Macht das Recht, ein Meer für Handelsschiffe zu sperren. Der Sachverständige will die Sperr- linie von den Shetlandsinseln nach der norwegischen Küsw ziehen, aber, wo nötig, eine schmale Fahrstraße durch den Skagerrak offen lassen. Die Schiffe, welche nach England bestimmt seien, könnten bann unter Geleit nach der Westküste fahren. Jedes Schiff, welches sich trotz des Verbots in die Nordsee wagte, sollte ohne Warnung in den Grund gebohrt werden. Für den Pa- trouillendienst in der Nordsee brauchte man dann keine Kreuzer mit zahlreichen Besatzungen mehr zn bentttzen, ivndern Dampfer mit rund 16 Meilen Schnelligkeit und bewaffnete Trawler.
Wenn die Schließung der Nordsee so einfach wäre, wie sie sich der Marinefachmann der „Times" vorstellt, dann hätte die englische Admiralität wohl schon längst dies Mittel ergriffen. Indessen haben die neutralen Mächte, die an die Nordsee anstoßen, wohl ein Wörtlein darüber mitzureden, ob eine solche mit der Sperrung verbundene Behinderung der Schiffahrt dem Völkerrecht entspricht. Für jeden Unbefangenen ist diese Frage glatt zu verneinen.
Hindenburg über die „Idee zur Schlacht a» den masorischen Seen".
Hindenburg hat sich in einem bemerkenswerten Schreiben aus Anlaß seiner Ernennung zum Ehrenbürger von Allenstein über mancherlei Fragen, die besonders die Hilfe für Ostpreußen und den Ort, wo der Gedanke zur Schlacht an den masurischen Seen entworfen wurde, folgendermaßen geäußert: „Armee- Hauptquartier, 10. Oktober 1914. Den städtischen Körperschaften danke ich herzlich für das Telegramm vom 10. Oktober 1914, in dem mir die Ernennung zum Ehrenbürger übermittelt wird. Ich weiß diese Ehrung voll zu schätzen. Stets will ich gern Allensteins gedenken als des Ortes, in dem die grundlegenden Ideen zur Schlacht an den masurischen Seen entworfen wurden. Daß sie auch der Hinterbliebenen in einer meinen Namen tragenden Stiftung gedenken, hat mich von Herzen gefreut. Es gibt dort viele Tränen zu trocknen und unverschuldete Armut zu beheben. Ist doch in Allenstein auch viel Blut für Ostpreußens Befreiung geflossen. Das sichtbare Zeichen jener Tage, die Hin- oenburg-Stratze, werde ich, so Gott will, in ruhigeren Zeiten in Augenschein nehmen. Mit den besten Wün- schen für das fernere Gedeihen der Stadt Allenstein und das Wohlergehen ihrer Bürger
von Hindenburg, Generaloberst.
Sie gingen RUsse« fangen.
Ein Kriegsberichterstatter erzählt folgendes tatsächliche Geschehnis. Zwei Bizefeldwebel eines vor dem Feind in Rußland tn Schützengräben liegenden Infanterieregiments hatten sich mit Einbruch der Nacht entfernt, „um ein paar Russen zu greifen". Und sie kamen zurück mit zwanzig Stück, die--zwei erbeutete Maschinengewehre zogen.
„Herr Berufssrennd".
Der Kampf gegen die Fremdworts in der teutschen Sprache, der seit Beginn des Krieges so eifrig betrieben wird, zeitigt, so schreibt man der „N. G. C.", manche sonderbare Blüte. So will man jetzt auch dem Worte „Kollege" den Garaus machen. In Süddeutschland fangen die Anwälte an, es durch das Wort „Bernfsfreund" zu ersetzen, und beginnen die Briefe, die sie in Rechtsstreiten an einen andern Anwalt zu richten haben, mit der Anrede: „Sehr geehrter Herr Berufsfreund!" Dementsprechend unterzeichnen sie solche Briefe auch nicht mehr mit „kollegialer", sondern mit „berufsfreundlicher" Hochachtung. Uns will die Uebertragung gut gemeint, aber nicht recht gelungen scheinen. Ein Kollege ist ein Berufsgenosse, aber vom Genossen zum Freund kann unter Umständen ein recht weiter Weg sein. Und wir können uns Briefe von Anwalt zu Anwalt denken, wo die „berufsfreundliche" Anrede zu dem Inhalt einen geradezu komischen Gegensatz bilden muß. Wäre es denn wirklich ein gar so großs Unglück, wenn wir dem Worte „Kollege", dem man seinen fremdländischen Ursprung kaum noch anmerkt, ruhig auch künftighin Bürgerrecht bei uns gewährten? ....
Daily Telegraph" vom 17.
Wir lesen im Londoner „^uy ^^ü^v vv,u . Oktober: Ein Gemeiner vom Regimente „Black Match", jetzt im .Hospital in Newcastle, erzählt: An der Aisne lag ich stundenlang verwundet. Ein Deutscher kam her- H 7 verband meine Wunde unter schwerem Feuer.
lag ich stundenlang verwundet. Ein teutscher kam yer- bei und verband meine Wunde unter schwerern Feuer. Als er mich zurechtgemacht hatte, wollte er sich entfernen, aber eine verirrte Kugel traf ihn, und dicht bei mir fiel er tot hin. — Nach Soissons (erzählt Korporal Houston, von den Seaforths), lag ich schwer verwundet auf dem Felde. Nahe dabei war ein lunger Bursche vom Nort- Hamptonshire-Regiment. Ueber M beugte sich ein deutscher Infanterist, hielt eine Wasserflasche an seine Lippen und suchte ihn zu beruhigen. Der verrvundete Mann war im Delirium und rief fortwährend: „Mutter, bist Du da?" Der Deutsche schien au verstehen, temt er strich sanft mit der Hand über die fiebernde Stirne und liebkoste den armen Jungen so zart, wie eine Frau es nur gekonnt hätte. Der Tod kam zuletzt, und als die Seele des Verwundeten zur letzten Abrechnung Hin- überging, sah ich den Deutschen, wie er seine Tranen zu verbergen suchte.
Wie sich die Kanadier zum Krieg stelle«.
AusNeuyork wird der „Franks. 3V gesch
Niemals haben die Farmer m den an Kanada angrenzenden Distrikten der Vereinigten Staaten so viele und billige Arbeitskräfte gehabt wie jetzt. Namentlich der Staat Maine wird von kräftigen und jungen Leuten geradezu überlaufen, was den Farmern angesichts der Kartoffelernte von großem Werte ist Die Ursache der Mastenzuwanderung ist der europäische Krieg. Es ist nämlich in Kanada das Gerücht verbreitet worden, das Mutterland, dem schon 20 000 Mann Militär aestellt wur-rn. beabsichtige eine Aushebung zu veranstalten
ben:
und alle jungen Männer zum Kriegsdienst zu zwingen. Diese scheinen aber eher geneigt, fürs Vaterland zu leben als zu sterben, und einer von ihnen hat einem Korrespondenten der hiesigen „World", der ihn fragte, warum er darauf verzichte, sich Lorbeeren zu holen, erklärt: „Well, ich bin der Ansicht, daß b e, die den Krieg angefangen haben, ihn auch zu Ende führen sollten."
Ein unerschrockener Aührer.
Ueber die Waffentat eines Zuges des in Kiel,beheimateten 3. Bataillons des Infanterieregiments Herzog von Holstein Nr. 85, bei der 22 Mann 475 Franzosen gefangen nahmen, berichtet den „Kieler Neuesten 9im0= richten" der Major und Bataillonskommandeur Graf Kielmansegg:
„In den Kämpfen an der Aisne war das Dorf Eh. stark vom Feinde besetzt nnd würbe energisch verteidigt. Besonders sperrte das Feuer aus einem am Rande gelegenen Gehöft den Eingang zum Dorf. Die angret- fenden Truppen anderer Regimenter befanden sich in großer Bedrängnis, als der Vizefeldwebel Surrow von der 9. Kompagnie des 85. Infanterieregiments mit seinem Zuge herauskam. Er ließ, da sein Zug anf dem steil abfallenden Abhang dem Feinde ein gutes Ziel bot und starke Verluste hatte, in einem Sprung die vom Feinde verteidigte Planer des Gehöftes erreichen. Un« teroffizier der Reserve Hansen kroch jetzt unter den Läufen der aus den Schießscharten hervorstehenden Gewehre hindurch und erkletterte mit Reservist Lavrenz und Unteroffizier Peterich, alle drei aus der 9. Kompagnie der 85er, die Mauer und schoß einen Teil der überraschten französischen Schützen ab. Sachtem nun auch die Holzpforte eingeschlagen war, drang der Vizefeld- webel Surrow mit seinem Zuge mit aufgepflanztem Seitengewehr unter lauten Hurrarnfe»! in den Hof und in das Haus ein. Die durch diese Kühnheit überraschten Franzosen warfen die Waffen aus ben Fenstern und ergaben sich. Es waren 32. Nachdem der Zug so durch sein entschlossenes Eingreifen den Eingang ht# Dorf fret- gemacht hatte, ging er, jetzt nur noch 22 Mann stark, weiter vor. Plötzlich krachte aus den Büschen von rechts nnd links wieder heftiges Feuer. Bizefeldivebel Surrow ließ die Leute volle Deckung nehmen und sprang selbst allein bis zu einer Strohmiete vor, um sich über die feindliche Stellung zu orientieren. ©Inseln folgten die Leute des Zuges. Wieder stürmte der Bizefeldwebel vorauf, um den Weg in ben gegenüberliegenden Wald zu suchen. Plötzlich gingen drei Franzosen mit gefälltem Bajonett auf ihn los. Da gab es für den Zug kein Halten mehr, er eilte sofort seinem Führer zur Hilfe und schwärmte mit weiten Zwischenräumen aus. Nun stürmten immer mehr Franzosen aus dem Wald unter „Allez"-Rufen auf den Zug los. Bizefeldwebel Surrow aber ließ sich nicht verblüffen. Kühn, als ob er ein paar hundert Mann hinter sich hätte, forderte er die Franzosen mit Wort und Geste auf, die Waffen wegzuwerfen, uub diese ließen sich von der flciiien Schar einschttchtern. Einer nach dem andern ergab sich, und schließlich betrug die Zahl der auf diese Weise gefangen genvlnmenen Franzosen 5 Offiziere und 470 Mann. Sie gehörten zum 2. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 35 aus Belfort.
Hut Ruhe und Geduld.
Dem Feldpostbrief eines Bremer Reserveoffiziers eines bayerischen Feldartillerieregiments entnehmen wir folgende anziehenden Schilderungen aus der Frontlittie:
.... Mir haben hier eine Stellung vor der Front- linie, die wir halten müssen. Der Feind macht täglich die heftigsten Angriffe, die immer mit schweren Verlusten auf seiner, aber auch nicht unbeträchtlichen Einbußen unserseits zurückgewiesen werden. Jeden Tag versucht die feindliche Artillerie wieder, unsere Stellung für den Jnfanterieangriff zu erschüttern, und den Angriff, der gewöhnlich nachmittags gegen 3 und 4 Uhr einsetzt, vorzubereiten. Sie schießt wilb und planlos. Ich bin gestern morgen mit einem Zug detachiert worden, um von der Höhe selbst in den vordersten Jn- fanterielinien den Grund bestreichen zu können. Es war eine Freude, wie ich mit Aufschlägen in die feindlichen Schützengräben hineinschvß, die Franzosen dadurch hinausjagte und dann mit Schrapnellbrennzün- dern unter Feuer nahm. Ich wurde jedoch mit einem Hagel von Artillerie, Infanterie und Maschinengewehren überschüttet; zwei Tage lang. Das Kommando war sehr schwierig. Mein Zug etwas hinter dem vordersten Höhenrand, ich vorn auf Beobachtung, links und rechts von mir schießende Infanterie und knatternde Maschinengewehre. Ich mußte brüllen wie ein Stier, aber es ging.
Gestern abend bekam ich zwei Granatsprengstücke durch den Helnr, die mir den Helm vom Köpfe rissen, und mir an der Stirn eine oberflächliche Munde bci- brachten, die mich jedoch in keiner Weise hindert, Dienst zu tun. Nur kann ich keinen Helm aufsetzen. Nachts wurde ich durch zwei Züge der 5. Batterie abgelöst.
Man darf nicht ungeduldig auf die Entscheidung warten. Mir sind durch die ersten kolossalen Siege verwöhnt worden. In der Verteidigung ist der Franzose Meister,' doch wird ihm auch das auf die Dauer nichts nutzen. Nur Ruhe und Geduld! Gerade das Warten und Sichgedulderimüssen ist eine Probe auf die Festigkeit des Charakters und die Standhaftigkeit des Ber- trauens auf unsere Sache und unsere Kraft. Unsere Truppenverschiebungen, Ergänzungell und Ausgleichungen gehen wirklich mit einer fabelhaften Sicherheit und Ordnung vor sich. Unser Generalstab ist zu öewundern.
Vorgestern wohnte ich der Beerdigung eines Haupt- manns des Erlanger Infanterieregiments bei. Das Regiment war in der Schützenlinie, und er sollte klanglos auf dem Kirchhof von......bestattet werden. Das hörte unser Wachtmeister und veranlaßte, daß wir das Ehrengeleit stellten. Am Grabe hielt der Wachtmeister eine schlichte Ansprache. Es hat mich noch nie etwas so ergriffen, wie dieser Mann in ungehobelten Sätzen, aber mit dem tiefsten Gefühl und der ernsthaftesten, ergreifendsten Zuversicht des Kriegers, verbicn- den mit dem Bewußtsein, daß alle das gleiche Los treffen könne, daß alle jetzt Kameraden im tiefsten Sinne sind, von diesem ihm ganz unbekannten Manne an dessen Grabe sprach. Uns allen sind die Tränen vor Bewegung über die schlichten, treuherzigen, warmen Worte über die Backen gelaufen. Er konnte es nicht mit an sehen, daß der Chef einer Kompagnie ohne militärische Ehren zur Ruhe gebracht wurde, ohne einen Angehörigen seines Regiments, daher wollte er wenigstens durch Angehörige des in der gleichen Garnison stationierten Regiments ihm die letzte Ehre erweisen lassen. Das Ganze dauerte nur eine Viertelstunde, währenddem wir bereit standen und im feindlichen Artillerieseuer lagen.
Solche Erlebnisse zählen zu den größten, die man tn einem Kriege mitmachen kann. . . .