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Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Miller

für den Kreis Hersfeld

Äreis&Iatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 250. Sonnabend, den 24 Oktober 1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Gedenkt allzeit

des

Roten Kreuzer!

Bus der Heimat.

* An die Aerzte im Bezirk derAerzte- tain iner für die Provinz Hessen-Nassau ergeht folgende Aufforderung: Der Weltkrieg ist ent­brannt! Ein Ringen hat begonnen, das an jeden Deutschen die höchsten Anforderungen stellt. Das Vaterland ruft und alle Aerzte folgen willig und begeistert seinem Ruf. Eine große Anzahl von ihnen verläßt Weib und Kind, Brot und Erwerb, um im Feld oder im Lazarett dem Vaterlande Gut und Leben, all' ihr Können und Wissen zu weihen. Sie werden dies um so froheren und getrösteteren Herzens tun können, wenn sie wissen, daß daheim ihre in Mühe und Arbeit erworbene Praxis von treuen Kollegen bewahrt und behütet wird. Der Vorstand der Aerzte- kammer fordert deshalb alle zurückbleibenden Aerzte des Bezirks auf, die Vertretung der einberufenen Kollegen uneigennützig zu übernehmen und ihnen ihre Praxis, wenn sie hoffentlich bald mit unserem siegreichen Heere zurückkehren, unversehrt zurück- zugeben.

* Sparsamkeit im Verbrauch von allen Dingen, die wir aus dem Auslande beziehen müssen, ist wegen der augenblicklich erschwerten Zufuhr solcher Waren nicht nur dem Geldbeutel zuträglich, sondern auch im Staatsinteresse geboten. Namentlich Petroleum und das aus diesem hergestellte Benzin können nur unter erheblichen Schwierigkeiten und in ungenügenden Mengen eingeführt werden, was übrigens die Haus- , fron auch bereits an den steigenden Preisen spüren wird. Wenn jeder Haushalt hier wöchentlich nur einen einzigen halben Liter Petroleum weniger ver­braucht, so wird dadurch die in Deutschland vorhandene Stenge dieses Leuchtstoffes schon bedeutend länger reichen, und unseren verräterischenVettern" jenseits des Kanals wird das Bestreben, uns durch Abschneidung der ausländischen Zufuhr mürbe zu machen, um so eher zu Wasser. Und wer legte sich nicht gern ein bißchen Beschränkung auf, wenn es gilt, dem schufttgen England einen Strich durch die Rechnung zu machen.

8. Hersfeld, 23. Oktober. In der Presse ist schon vor einiger Zeit auf die Wahrnehmung hingewlejen worden, daß die Ordnung in den Zügen, namentlich 4 ?"Hügen, zu wünschen übrig lasse, weil seit Ausbruch öes.Krteges einzelne Reisende sich nber tue bahnpolizeilichen Vorschriften hinwegfetzen zu können glaubten. Im Anschluß daran war die Erwartung ausgesprochen worden, daß das deutsche reisende Publikum bei der allmälig sich vollziehenden Rückkehr Zu dem Friedensfahrplan nunmehr auch die alte Ordnung hochzuhalten wissen werde. Nach den bis­herigen Wahrnehmungen ist dies leider in befriedigen­dem Umfange noch nicht der Fall. Noch immer geben sich Reisende garnicht die Mühe, einen Platz in der lhrer Fahrkarte entsprechenden Klasse aufzusuchen, sondern.setzen sich ohne weiteres in eine höhere Klage, xin Nichtraucherabteilen und in den Speisewagen wird geraucht, Frauenabteile werden von Männern besetzt. Unter einem derartigen Verhalten Einzelner- muß die Gesamtheit leiden. Das Stations- und Zug­begleitpersonal ist daher angewiesen worden, solchen Reisenden gegenüber mehr als bisher auf Ordnung zu halten. Bei der recht schwierigen Pflicht, die Ord­nung am und im Zuge aufrecht zu erhalten, ist es dringend erwünscht, daß den Anordnungen der Be­amten, die den außergewöhnlichen Verhältnissen w- weit angängig Rechnung zu tragen sich bemühen, von den Reisenden Verständnis entgegengebracht, und daß den Beamten ihre Tätigkeit nicht erschwert wird. Ein weit verbreiteter Irrtum scheint auch der zu sein, daß Unteroffiziere und Mannschaften jetzt in jeder beliebigen Wagenklasse Platz nehmen dürften. Demgegenüber muß daraus hingewiesen werden, daß die Militärpersonen von den Eisenbahnen nicht frei befördert, sondern daß alle Leistungen der Eisenbahnen von dem Deutschen Reich bezahlt werden. Ist es öa- ber aus diesem Grunde schon nicht gleichgültig, welche Wagenklasse von den Militärpersonen benutzt wird, so kommt hinzu, daß Unteroffiziere und Mannschaften auf Grund von Militärfahrkarten und Militärfahr­

scheinen im allgemeinen nur die Berechtigung znr Benutzung der 3. Klasse haben. Nur wenn die ab­sendende Militärbehörde die Ueberzeugung hat, daß aus irgend einem Grunde, beispielsweise in Rücksicht auf die Art der Verwundung oder den Zustand des Verwundeten, die Beförderung auf Polstersitze« nötig sei, kann sie dies in den Militärfahrschein eintragen, worauf dann die Verwundete in einer entsprechenden Klasse befördert wird. Die Staatsbahnverwaltung hat in zahlreiche Schnellzüge besondere Abteilwagen für einzeln reisende Verwundete eingestellt. Diese Wagen erleichtern die Unterbringung Verwundeter, die der Hilfe beim Ein- und Aussteigen bedürfen, und erleichtern es ferner dem Roten Kreuz, auf Unterwegsstationen Stärkungsmittel zu verabreiche«. Es ist daher nicht zu billigen, wenn Reisende die Ver­wundeten veranlassen, in anderen Abteilen oder in Abteilen Platz zu nehmen, für die die Militärfahr­scheine nicht gelten. Den Verwundeten, die häufig mehrere Tage unterwegs sind, wird damit keine Wohltat erwiesen, zumal wenn sie dann noch durch Fragen um die ihnen nötige Ruhe gebracht werden.

-g- Hersfeld, 23. Oktober. Zu dem gestrigen Be­richt über die von dem Zweigverein des R o t e n Kreuzes an die Truppen im Felde abgegangene Sendung von Wollsachen sei nachträglich noch erwähnt, daß unter den Gemeinden, die allerlei Liebesgaben übersandten, auch ganz besonders noch die Gemeinde Ausbach und zu der Arbeitervereinigung der Fabriken Rechberg, Braun und Rehn auch noch die Fabrik Ad. Wever zu nennen ist.

):(Hersfeld, 23.Oktober. Der frühere Oberpräsident von Hessen-Nassau Graf v. Z e d l i tz und Trützschler ist in der Nacht zum Dienstag gestorben. Der Ver­storbene hat sich während seines fegensvollen Wirkens in unserer Provinz allseitig die wärmste Sympathie erworben, wie er selbst anch rührende'Anhänglichkeit unserm Hessenlande bewahrte, das er als seine 2. Hei­mat bezeichnete. Liebe und Dankbarkeit folgen dem hochverdienten Manne auch aus unserm Hessenlande in das Grab. Graf von Zedlitz und Trützschler ist am 8. Dezember 1837 zu Freienwalde a. O. geboren und hat seine Laufbahn als Soldat begonnen. Er zeichnete sich in den Kriegen 1866 und 1870 aus, über nahm alsdann die Verwaltung seines angestammten Gutes in Schlesien, wirkte im öffentlichen Leben der Provinz und bewies eine so hohe Befähigung für Verwaltung, daß der König ihn durch die Ernennung zum Regierungspräsidenten in Oppeln für die Staats­laufbahn gewann. Als Oberpräsident in Posen sowie als Kultusminister und dann als Oberpräsident von Hessen-Nassau hatte Graf v. Zedlitz und Trützschler schon ein großes Lebenswerk vor sich gebracht, als rhm im Fahre 1903 das Oberpräsidium in Schlesien über­tragen (wurde. Seit längeren Jahren lebte er ab­wechselnd aus seinen schlesischen Gütern und in seinem Sitz in Charlottenburg.

w Hersfeld, 23. Oktober. Mit dem Eisernen Kreuz wurde ausgezeichnet: Off.-Steüv. ch st ä d t, Hauptm. Pieper, Off.-Stellv. Schenk, Vizefeldw. Funk, Vizefeldw. Caselitz sämtlich von den 71ern..

Melsungen, 19. Oktober. Von Herrn Direktor Albert Borsdorff und Frau Emma, geb Gleim von bier wohnhaft in Wädenswlll (Schweiz) wurde für das Rote Kreuz, Ostpreußen und Angehörige von Kriegern rund 500 Franken gewendet.

Caffel 22 Oktober. Ein im Feld stehender Leser der Lass Alla Ztg." schreibt: Nachstehendes kleines Erlebnis aus unserem Kriegsleben, das zeigt,was der Landsturm alles tun muß dürfte auch 1 itr ihre Leser Jn ereffe haben. Ende September standen mir in einem Beradorfe der Vogesen, hart an der Grenze aus Vor?oste.?eU »ud 20 Mann Gegen 2 Uhr nachts kommen wir ö"!^ und sehen beim Posten einen Zlvilisten stehen. Der auffällige Besuch zu solcher Zelt, wo doch jeder Zivilist nach 9 Uhr n-cht mehr auf sein darf, wunderte uns sehr. Die Sache war aber bald aufge­klärt. Der Mann war von ferner über eine Weg­stunde entfernten Farm heruntergekommen, um im Dorfe für die Nachbarsfrau, deren Mann im Kriege ist, diesage femme dieweiße F au zu hole«. Wegen'des Donners der Geschütze und dem knatternden Gewehrfeuer mochte dem Manne aber die Fortsetzung des Weges zu brenzlich erscheinen. Kurz entschlofsen und da wir allesamt Familienvater sind und die Lage begreifen, machten sich vier Mann mit geladener Flinte auf den Weg, schätzten diesage femme heran, geleiteten sie auf die Bergfarm und trafen auch noch rechtzeitig ein. Nach freundlicher Bewirtung mit Kirschwasser und Butterbrot stieg die Mannschaft wieder zu Tal und traf um 4 Uhr bei ihrem Posten - ~ ' '" "-rni > ^a, ja, was

ein. Das Ergebnis Zwillinge! ... Ja der Casseler Landsturm alles machen muß!

Bad Brücken«», 19. Oktober. Vor Jahresfrist ereignete sich außerhalb der Ortschaft Kirchlauter auf einer Anhöhe an der Goggelgereuther Straße ein schweres Unglück. Oberleutnant Koch und Sergeant Maute vom 2. Fliegerbataillon in Straßburg'. stürmten mit ihrem Flugzeug infolge Bersagens des Motors aus einer Höhe von etwa 400 Metern ab und mürben sofort getötet. Gleich nach dem Unglück hat sich ein Ausschuß gebildet, der es sich zur Aufgabe ge­macht hat, den abgestürzten Fliegern an der Unfall- stelle ein Denkmal zu errichte». Das Denkmal wurde gestern in feierlicher Weise der Oeffentlichkeit über- gebeu, wozu sich außer den Mitgliedern des Denk- malausschusses auch das Ersatzbataillon des 5 bay­rischen Jnf.-Regts. eingefunden hatte.

Göttingen, 20. Oktober. Ein früherer Student unserer Universität, der vor dem Kriege als Referen­dar am hiesigen Landgericht beschäftigt war, Leutnant der Reserve Degen, wurde bei Reims durch keinen Geringeren als den Herzog Ernst August von Braun­schweig gerettet. Sechs Kugeln hatten dem Leutnant die Kleider zerrissen und eine Granate die linke Kopf­seite und den linken Arm schwer beschädigt. Der Schwerverletzte hatte sich rückwärts bis zu einer Landstraße geschleppt und war dort in tiefe Ohnmacht gefallen. In diesem Zustande fand ihn dort der Herzog von Braunschweig, legte ihn persönlich in sein Auto und fuhr mit ihm zum nächsten Verbandplätze. Ohne diese Hilfe des Herzogs wäre der Offizier tot und heute begraben. So aber hat er sich bereits wieder zum Dienst gemeldet und geht in wenigen Tagen trotz des Verlustes der Sehkraft auf dem rechten Auge wieder zur Front.

Gießen, 20. Oktober. Auf dem hiesigen Bahnhöfe verhaftete man kürzlich mehrere Personen, angeblich Berliner, die unter dem Borwande, Liebesgaben ver­teilen zu wollen, in den verlassenen französischen Dörfern allerlei Wertgegenstände zusammenstahlen. Man fand in ihren Koffern zahlreiche sehr wertvolle Sache«, über deren Herkunft sie sich nicht genügend ausweisen konnten. Die Leute wurden dem Arrest­haus zugeführt.

Wiesbaden, 21. Oktober. Das bekannte Wahr­zeichen der Stadt, die griechische Kapelle auf dem Neroberg, die vor einiger Zeit in den Besitz des russischen Hofes überging, ist uom Staat beschlagnahmt worden. Die Kapelle mit ihrer wertvollen inneren Ausschmückung ist die Ruhestätte der früh verstorbenen Herzogin Elisabeth von Nassau, der ersten Gemahlin des letzten nassauischen Herzogs, einer russischen Groß­fürstin. Zum Schutze der Kapelle vor etwaigen russischen Zerstörungsversuchen ist dort ein Doppel­posten aufgestellt.

Hildesheim, 21. Oktober. Einen echt deutschen Opfermut bewiesen jüngst zwei junge Hildes­heimerinnen. Im dortigen Bernwardskranken- Hause erwähnte der Arzt beim Unterricht freiwilliger Krankenpflegerinnen, daß er einen Arbeiter in Be­handlung habe, der von seinen durch Berbreuuung erlittenen schweren Wunden nur geheilt werden könne, wenn die offenen Stellen seines Körpers mit der Haut anderer Menschen bedeckt würden. Noch an demselben Tage meldeten sich bei dem Arzt zwei Schülerinnen und erklärten sich bereit, für den ihnen ganz unbekannten Mann ein Stück ihrer eigenen Haut herzugebe«, blieben auch fest bei diesem Aner­bieten, als sie hörten, daß die Spuren eines solchen Eingriffs unvergänglich sein würden. Nur eine Be­dingung stellten sie dabei: ihre Wanten sollten dem Arbeiter, dem sie helfen wollten, unbekannt bleiben und dürften auch nicht öffentlich genannt werden. Dem opferfreudigen Dränge« gegenüber gab der Arzt seinen anfänglichen Widerstand auf und nahm die Uebertraguilg etwa tellergroßer Stücke Haut von jeder der beiden Damen auf den Arbeiter vor. Dieser wurde dadurch gerettet, von dauernder Verstümmelung und Erwerbsunfähigkeit bewahrt. Die edelmütigen Damen sind bereits wieder geheilt.

Karlsruhe, 23. Oktober. Mit erinnerungsreich en Kriegsandenken hat die Großherzogin Luise von Baden eine Anzahl Verwundeter erfreut, die in Karls­ruhe im Lazarett lagen. Ein nach Gleiwitz zurückge­kehrter Musketier vom Infanterieregiment Keith zeigte voll Stolz einen eigenartigen Anhänger, der an der Uhrkette getragen werden kann. Es ist eine französische Gewehrkugel, an der Spitze etwas abge­plattet, die am breiten Ende in Gold gefaßt ist. Die Kugel war dem Musketier durch eine Operation aus dem Körper entfernt worden. Der glückliche Besitzer erzählte, daß die Großherzogin noch viele andere Verwundete auf diese Weise erfreut habe, indem sie Gewehr- und Schrapnellkugeln, die bei Operationen entfernt wurden, auf ihre Kosten in Gold fassen und den Verwundeten zum Andenken überreichen ließ.