Wrenben Mächten ist dieser Borfall zur Kenntnis gebracht worden mit dem Ersuchen, in Zukunft größere Achtsamkeit zu üben.
„ Zu dem Vorfall meldet die Kopenhagener „National Tidende": Das Unterseeboot befand sich ein gutes Stiick außerhalb des dänischen Hoheitsgebietes, als der Kommandant plötzlich einen weißen Streifen im Wasser erblickte. Er war sich sofort klar darüber, daß dieser von einem Torpedo herrührte, dessen Kurs denjenigen des Unterseebootes kreuzte. Das Boot, das nur mit fünf Seemeilen Geschwindigkeit lief, konnte seinen Kurs nicht so schnell ändern, und die Besatzung war auf das schlimmste gefaßt. Glücklicherweise ging das Torpedo unter dem Kiel des Bootes hindurch, ohne Schaden an- zurichten. Wenige Minuten später sah der Kommandant wieder einen verdächtigen Schaumstreifen auf dem Wasser, aber diesmal befand sich das Boot nicht in der Kursrichtung des Torpedos. Das Unterseeboot begab sich sofort auf dänisches Hoheitsgebiet zurück, und hielt scharfen Ausguck, jedoch war nichts von einem fremden Unterseeboot zu erkennen. Zu derselben Zeit, als die Torpeöoschüsse abgefeuert wurden, wurde ein Unterseeboot, dessen Nationalität nicht erkennbar war, bei Nakke- Hoved-Leuchtfeuer bemerkt.
Wie das W. T. B. von amtlicher deutscher Seite erfährt, sind die beiden Schüsse nicht von einem deutschen Unterseeboot abgefenert worden. Es kann also nur ein englisches Boot gewesen sein. Die Nervosität in England muß doch schon einen bedenklichen Höhepunkt erreicht haben, wenn selbst auf Schiffe, die neutrale Flagge führen, ohne weiteres geschossen wird.
Die Schlacht auf Rußlands Gefilden.
Kopenhagen, 21. Oktober. (T. U.) Der Korrespondent des „Observer" in Petersburg berichtet, Großfürst Nicolai habe beschlossen, die Entscheidungsschlacht auf russischem Gebiete zu schlagen. Die russischen Trup- " fast bis Krakau vorgedrungen waren, wurden Linie zurückgezogen, die von den Karpathen
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südlich Przemysl nach Norden längs des San und der Weichsel in einer Entfernung von über 200 Meilen
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läuft. ^ öen ruMchw Rückzug war das bittere Muß entscheidend.) _ _
Graz, 22. Oktober. (T. U.) Die „Grazer Tagespost" meldet: Die Vorteile, die bisher an der südlichen Front bei Strji errungen wurden, sind sehr wesentliche und eine Entscheidung dürfte bald fallen. Diese Kämpfe dürften bestimmend für die Lage auf dem ganzen galizischen Schauplatz werden. Die strategische Lallst den Russen nicht günstig. Sie sind mit starken Kräften an der Weichsel gebunden, während ihre galizische Streitmacht von unseren Truppen erfolgreich angegriffen wird. Sie können deshalb diesem bedrohten Teile ihrer Truppenmacht keine ausgiebige Hilfe leisten. Man darf daher auf eine entscheidende Wendung zu auseren Gunsten rechnen.
Der österreichische Schlachtbericht.
^ Wien, 22. Oktober. (WTB.) Amtlich wird verlautbart unterm 21. Oktober mittags: In den schweren nnd hartnäckigen Angriffen auf den anstürmen- den Feind von Felsetyn bis an die Chanssee östlich Medika gewannen wir an mehreren Stellen Terrain, während die russischen Gegenangriffe nirgends durch- zudringen vermochten. Die Schlacht nimmt größtenteils den Charakter eines Fest«ngskr,eges an. I« den Karpathen wurde gestern der Japlonikapatz, der letzte noch von einer russischen Abteilung besetzt gewesene Uebergang, von uns genommen. Ans Ungarischem Boden ist kein Feind mehr. Unser Borrücken in der Bukowina erreichte den großen Seret.
Eine Warnung an die Portugiesen.
In der Wiener „Neuen Freien Presse" erklärt der Herzog Miguel von Braganza, die einzig vernünftige Haltung Portugals sei strikteste Neutralität. Seim Ueberzeugung sei, daß Portugal, wenn es in diesem Weltkonflikt sich als teilnehmende Partei erklären sollte, eine Partie spielen würde, bei der es alles verlieren und nichts gewinnen wurde. Er halte den Krieg Oesterreich-Ungarns und seines Verbündeten für emen außerordentlich gerechten. Es würde ihm jedoch doppelt schmerzlich sein, wenn ein großer Teil seiner Landsleute, geführt von unverantwortlichen Persönlichkeiten, sich für die Sache der Gegner erklären würde.
Ueber die Vorbereitungen Portugals berichtet die „Frankf. Ztg." aus Gibraltar: Hier liegen 16 Transportschiffe Bereit znr Abfahrt nach Portugal zur Einschiffung der dortigen Truppen. Der Gmrver- neur von Gibraltar hielt eine Bes chtigung der Teru. torialbataillone ab, welche zugleich mit den portuglest- schen Truppen eingeschifft werden sollen. ^"offiziellen Kreisen Lissabons glaubt man, daß Portugal die Kriegs, erklärung damit begründen werde, daß die Deutschen unter dem Vorwande der von den Eingeborenen hervorgerufenen Unruhen in das portugiesische Gebiet von Njassa eingedrungen seien und dort einen Unteroffizier und vier eingeborene Soldaten erschossen hatten.
Es ist rührend, daß sich die Portugiesen auch noch den Kopf zerbrechen, um einen Vorwand zum Kriege zu finden.
Die Neutralen.
Die Mobilmachung der italienische« Landwehr.
^ Berlin, 22. Oktober. (WTB.) Die Mobilmachung der italienischen Landwehr beginnt, wieaus Tnrin gemeldet wird, mit der Einbernfnng der Jahres- klasse 1894.
Die spanische Regierung hütet die Neutralität.
w= Madrid, 22. Oktober. (WTB.) Der Ministerpräsident teilte den Journalisten mit, das Parlament werde am 30. Oktober eröffnet. Er ermähnt sie. den Krieg leidenschaftslos zu behandeln. Alle! zur Sicherung der Neutralität erforderlichen Maßnahmen seien getroffen. g,rei6etaffettc norwegische Schiffe.
o-^ Christiania, 22. Oktober. (WTB.) Alle von England und mit zwei Ausnahmen von Deutschl^ aufgebrachten norwegischen Schiffe sind, mwder sretge ää, WÄ« UnM W^ festgenagelten norwegischen Schiffe noch nicht geäußert.
Kriegsallerlei.
des Königs von Sachsen a« seine Truppen.
Dresdem 22 Oktober (WTB.) Der König bat dnett Armeebesehl erlassen, in dem er allen Truppen seiner Armee, die in den letzte» Monaten an den erfolgreichen Kämpfen der^Deutschen^ruhmreiche«- Mr - tetl aeuommen. keine vollste Anerkennung auSsprlcyl. Prinz Max von Hessen in englischer Kriegsgefangen-
Frankfurt a. M. Ä06«. (T.-U.) Der bei einem Dragoner-Regiment dienende Mette Sohn.des Prinzenpaares Friedrich Carl von Hessen, Prinz Ma^ der, wie gemeldet, durch einen Schutz in den L berschenkel verwundet worden ist, soll, «le die „Franks. Ztg. er. fährt, in englische Gefangenschaft gerate« sei».
Kurze Reichstagstagung im Dezember.
Wie verlautet, wird der Reichstag anfangs Dezember zu einer kurzen Beratung zusammentreten.
Keine Parteien mehr.
»**= Altona, 22. Oktober. (WTB.) Anstelle des verstorbenen Geheimrats Sievekina wurde der Sozialdemo- krat Thomas zum Provinziallandtagsabgeordneren gewählt. Stadtverordnete und Magistrat haben für ihn gestimmt.
Die dritte Milliarde Kriegsanleihe eingezahlt.
** Berlin, 22. Oktober. (WTB.) Die Einzahlungen auf die Kriegsauleihe haben die dritte Milliarde überschritten.
England greift giote-Kreuz-Schiffe anf.
Der Hamburger Dampfer „Ophelia", der als „Rotes-Kreuz-Schiff ausgerüstet ist und 100 Betten an Bord hat, wurde nach einem Haager Telegramm des „Hannov. Kur." von einem englischen Kreuzer nach Yar- mouth Roads eingebracht. Die englischen Blätter bezeichnen die Einrichtung mit drahtloser Telegraphie des Dampfers als sehr verdächtig.
Der englische Finanzminister in Bordeaux.
** Berlin, 22. Oktober. (WTB.) Der englische Finanzminister soll sich in Bordeaux befinden und mit Briano eine längere Unterredung gehabt haben.
Wie Belfort befestigt ist.
o-t Berlin, 22. Oktober. (WTB.) Einzelheiten über die Befestigung Belforts befinden sich in italienischen Blättern. Danach sind außer den eigentlicheu Forts die Dörfer der Umgebung in kleine Festungen verwandelt. Außerdem seien Kanäle vorhanden, durch die die ohnehin unwegsame Gegend in wenigen Minuten überschwemmt werden kann.
Japans Besitzergreifungen im Stillen Ozean.
Das Reutersche Bureau meldet aus Tokio vom 20. Oktober: Das Marineministerium gibt bekannt, daß die Marschal-, Mariauen- und Karolineninseln aus militärischen Gründen besetzt worden sind.
London wird befestigt.
»-r Berlin, 22. Oktober. (WTB.) Aus verschiedenen Mitteilungen geht hervor, daß London zur Zeit stark befestigt wird.
Die Besatzung der untergegaugenen vier deutschen Torpedoboote focht wie die Helden.
»*#= Berlin, 22. Oktober. (WTB.) Zum Heldenkampf der deutschen Torpedoboote erzählt laut „Bossischer Zeitung" ein Mann der Besatzung der „Undannted": Die Leute der deutschen Torpedoboote fochten wie die Helden, hatten aber mit weit überlegener Artillerie zn tun. Die Mehrzahl ging mit den Schiffen unter. Einige von den Verwundeten wurden nach Shotley gebracht, wo inzwischen einer gestorben ist.
Beschädigung eines englischen Zerstörers.
o-p Berlin, 22. Oktober. (WTB.) Der Berichterstatter der „Times" meldet, er habe an einem englischen Zerstörer ernsten Schaden Über der Wasserlinie festgestellt.
Grausame Behandlung deutscher Gefangener in Algier nnd Marokko.
Der „Deutschen Tagesztg." wird gemeldet: Nach Marseille wurden in der letzten Woche mehrere Tausend deutsche Gefangene gebracht, die nach Algier und Marokko verschifft werden sollen. Frankreich will dadurch die Lage der Deutschen in ungünstigem Lichte zeigen und die befürchteten Aufstände der eingeborenen ersticken. Deshalb werden die deutschen Gefangenen am Hellen Tage gefesselt durch die algerischen Ortschaften getrieben. 4000 deutsche Gefangene sollen sich bereits im Süden Algeriens befinden, und dort zum Bahn- und Straßenbau gezwungen werden. Die furchtbaren Strapazen dieser Beschäftigung waren bisher nur französuchen Strafkompagnien vorbehalten. Gerüchtwerse verlautet, daß die Sterblichkeit unter den deutschen Gefangenen sehr erheblich sei. Als Wachsoldaten werden merst Schwarze verwendet, die die Deutschen mit empörend- der deutschen Gefangenen kann die Forderung nicht bringend genug erhoben werden: Unverzüglich^ öurcb Vermittelung einer neutralen Macht genaues Matertal über die Angelegenheit sammeln und gegebenenfalls mit Repressalien gegen die französischen Gefangenen ut Deutschland vorgehen!
Serbiens Ministerpräsident von Franst attackiert
Aus Serajewo wird gemeldet. Ein servncher Kriegsgefangener erzählt, daß der Ministerpräsident 93afmitfch anläßlich einer Wagenfahrt in den Straßen nrn. Misch vor drei Wochen von mehr als 300 Frauen aMaebalten wurde. Die Frauen hatten mit kochender Lauge die den Ministerpräsident ständig umringende Wawe vertrieben. Sie warfen sich dann vor dem Wa- desselben auf die Knie und baten tön händeringend, ^em Kriege ein Ende zu machen. Paschitsch mahnte die Ä?n7n zur Geduld und sagte, die Serben seien bereits ön Raesra und marschierten gegen Budapest. Die Frauen tebodidaran zu schreien an, daß das nicht wahr !e?^oaen Paschitftl) vom Wagen herab und schlugen auf & 5ff Ein Frau ritz an seinem Bart. Endlich kam Hilfe und es gelang, Paschitsch aus den Handen der Frauen zu befreien. —
Der Sampsesmul unserer blühet im fernen Osten.
Qeitmtaen aus Ostasien, die am Mittwoch in ^eX eÄaS entnehmen wir folgende zwei ^Gouverneurs von Tsingtau, Kapitau z. S. Mever-Waldeck^che ^angesichts der Heldenmütigen Ver- verlorenen Postens in Ostasien nicht ohne Swlz und ohne Bewegnng gelesen werden können:
Tagesbefehl.
ik 9fitrtuft Bot Japan TeulfHlanö ein Ulti^ «*’ «<« m dem »l=’olÄ
wm 15 Seotemßer gefordert wurde. Frist zur SÄr’Ä ausuft ** Wemate wert«.
Xtpfpr dtnttp hte nur mit «teoe uno u-rtuig jeu x« einem kleinen Deutschland über See auszu- 2sialten^ben üht waren, wollen wir nicht weichen. Will Kar«eoner Tsina haben, so mag er kommen, es sich bMen Er wird uns auf unserm Posten finden.
8 ÄnarM auf Tsingtau steht bevor. Gut ausge- bildet und wob vorbereitet können wir den Gegner mit Ruhe erwarten. Ich weitz, daß die Besatzung von ^ssnotau fest entschlosseii ist, treu ihrem Fahneneid und Anaedenk des Wchsenruhnis der Väter, den Platz bis ^m Aeutzersten zu halten. Jeder in zähem Widerstände errungene neue Tag kann die unberechenbarsten, günstigsten Folgen zeitigen.
ftniier Freude gereicht es uns, daß nunmehr auch wir für Kaiser und Reich fechten dürfen, datz wir At dazu verurteilt sind, tatenlos beiseite zu stehen, wahrend unsere Brüder in der Heimat in schwerem Kampfe liegen.
Festungsvesatzttttg von Tsingtauk
Ich erinnere euch an die glorreichen Verteidigungen von Kolberg, Graudenz und den schlesischen Festungen vor mehr als hundert Jahren. Nehmet euch diese Helden zum Beispiel. Ich ermatte von euch, datz ein jeder sein Bestes vergeben wird, um mit den Kameraden in der Heimat an Tapferkeit und jeglicher Soldatentugend zu wetteifern, Wohl sind wir zur Verteidigung bestimmt. Haltet euch aber stets vor Augen, daß die Verteidigung nur dann richtig geführt wird, wenn sie vom Geiste des Angriffs erfüllt ist.
Am 18. August habe ich Se. Majestät drahtlich versichert, daß ich einslehe für Pflichterfüllung bis aufs Aenßerste. Am 19. August habe ich den allerhöchsten Befehl Seiner Majestät erhalten, Tsingtau bis aufs Aeutzerste zu verteidigen. Wir werden Se. Majestäi unserem allergnädigsten Kriegsherrn durch die Tat beweisen, daß wir des in nns gesetzten allerhöchsten Vertrauens würdig sind. Es lebe Se. Majestät der Kaiser!
Der Festungskommandenr.
An die
Bürgerschaft von Tsittgtan hat der Gouverneur zugleich uachstehende Worte go- richtet:
Bürger von Tsingtau! Der Augenblick naht heran wo auch wir den Beiveis unserer nationalen Gesinnung und Aufopferungsfähigkeit zu erbringen haben. Ich bin fest überzengt, daß jeder waffenfähige Bürger bis zum Aeußersten seine Pflicht tun wird, um unseren Platz zu halten. Jeder in zäher Verteidigung gewonnene neue Tag kann die unberechenbarsten, günstigsten Folgen nach sich ziehelt. Das halte sich jeder stets vor Augen.
In schwerem See- und Laudkampfe stehen unsere Volksgenossen in der Heimat. Eifern wir denselben nach, jetzt wo es uns auch vergöunt ist, für Kaiser und Reich zu fechteu. Der in vergangenen Tagen oft bewährten Wehrkraft deutscher Bürger eingedenk, wollen wir mit unseren Brüdern in der Heimat an Vaterlandsliebe und kriegerischer Tüchtigkeit wetteifern.
Vermischtes.
Eine aufregende Revolverszene spielte sich Dienstag nachmittag gegen 3 Uhr in der Weißenbnrgerstraße in Berlin ab. Das Gruudstiick Nr. 59 gehört dem ^jährigen Kaufmann Paul Schulz, der mit seinen Groß- eltern eine Wohnung im Erdgeschoß imic hatte. Schulz wurde seit längerem schon allgemein für geistig nicht ganz normal gehalten. Stachmittags schickte er sein Dienstmädchen fort, das in der Nähe Schokolade ein- kaufen sollte. Dann nahm er plötzlich einen Revolver und verletzte durch fünf Schlisse seine greisen Grotz- elteru, sowie eine zufällig zu Besuch anwesende Frau lebensgefährlich. Darauf flüchtete der Täter. Die drei Schwerverletzten wurden in ein Krankenhaus am Frtedrichsham gebracht, wo die Frau abends ihren Verletzungen erlag. An dem Sluffommen der übrigen wird gezweifelt. Die Verfolgung des Attentäters ist bisher ohne Erfolg geblieben.
„Nur den Arnr gebrochen". Wenn man das Sprichwort „Was ein Häkchen wird, fnimmt sich beizeiten" auf den heldenhaften Kommandanten des „U 9", den Kapitänleutnant Otto Weddigen, anwenden wollte, so könnte man sagen, daß auch ein Held schon frühzeitig fein „Talent" zeigt. Das läßt so recht folgende, von einem Bekannten Weddigens mitgeteilte Episode er* kennen: Otto Weddigen war noch blutjunger Leutnant z. S., als er eines Tages an Bord eine Turnstunde abzuhalten hat. Keine der gewöhnlichen Turnstunden, denn der hohe Chef ist da znr Besichtignng, Exzellenz Baudissin, der bekannte, um die Schutzausbildung unserer Marine hochverdiente Admiral. Die blauen Jungen stehen am Turngerät angetreten. Einer von Önen probiert eine Uebung, die ihm aber nicht vor- chriftsmätzig gelingt, sodaß Leutnant Weddigen sich an- chickt, sie mustergiltig vorzuturnen. Die Tücke des Augenblicks will es, daß Weddigen dabei vom Gerät ab- stürzt. Ganz angenehm wird der Sturz nicht gewesen sein; aber der Leutnant verbeißt den Schmerz und läßt ruhig weiterturnen. Exzellenz Baudissin sieht ebenso ruhig zu. Als die Stunde verflossen ist, bemerkt Exzellenz denn doch die auffallende Blässe in dem Gesicht des jungen Offiziers,' er redet ihn mit den Worten an: „Na, Weddigen, haben sich wohl etwas wehgetan?" „Zu Befehl, nein, Exzellenz, „habe mir nur den Arm gebrochen!"
Zeder und Schwert.
Auf den Nachweis, datz schon im Jahre 1906 England durch seinen Militärattache in Brüssel Belgien zu gemeinsamen Abreden über ein Zusammenwirken der belgischen Truppen mit einem englischen Landungskorps von 100 000 Mann und damit zu einer Verletzung set- uer Neutralitätspflichten verleitete, ist jetzt, wie gemeldet, eine Veröffentlichung geheimer Akteuftlicke der deutschen Regierung von gleicher Wichtigkeit für die Vorgeschichte des Krieges erfolgt. Mit dieser zweiten Veröffentlichung ist der Beweis erbracht, datz im Anschluß an den Besuch des englischen Königs in Paris im Mai 1914 auf Anregung von Jswolski über ein anglo- russisches Marineabkommen gleich dem im November 1912 von Grey abgeschlossenen franco-englischen Militärabkommen verhandelt wurde. So oft auch die englischen Staatsmänner im Unterhause eine Verpflichtung Englands zu militärischer Hilfsleistung abgeleugnet haben, so war doch tatsächlich England durch die militärischen Abreden vollständig gebunden.
Dem Auswärtigen Amt ist häufig vorgeworfen worden, es sei infolge unzulänglicher diplomatischer Vertretung im Auslande nicht gut genug unterrichtet, es lasse sich von Ereignissen überraschen, die bei besserer Unterrichtung hätten vorausgesehen und vielleicht verhindert werden können. Auch während der gegenwär- I tigen Kriegszeit ist manchem ein vorschneller Tadel die= ier Art über die Lippen gekommen. Wie die veröffentlichten Aktenstücke auf der einen Seite zeigen, daß die wahre Kriegspartei in Petersburg ihren Sitz hatte und von den englischen Staatsmännern begünstigt wurde, so stellen sie auf der anderen Seite der Leitung unserer auswärtigen Politik das Zeugnis aus, daß sie recht gut über die geheimen Einkreisungstreibereien unterrichtet war und sich nicht durch heuchlerische offizielle Versicherungen unserer Gegner in Sicherheit wiegen ließ.
War doch auch nach dem militärischen Geheimabkommen zwischen Grey und dem Londoner Botschafter Cambon kaum ein Vierteljahr verflossen, als der Reichskanzler in voller Uebereinstimmung mit dem Chef des Großen Generalstabes ankündigen ließ (März 1913), daß eine große Wehrvorlage gegen einen Krieg mit mehreren Fronten zur Berteioigung seiner Existenz in bessere Bereitschaft setzen müsse. Deshalb wäre es ungerecht, zu glauben, das Schwert müsse gut machen, was die Feder verdorben hat. Wie sie vor diesem heiligen Abwehrkriege zusammengewirkt Hkben, so wird auch, wie wir vertrauen, die Jeder am Ende des großen Ringens nicht verderben, was das Schwert Ungeheueres geleistet hat.