” Die Kämpfe an der
) Die größte Schlacht der Welt. Mißmut in Paris. Ein dänisches
«Lille dauern an. Unsere zur Offensive über und war-
Großes Hauptquartier, 21. Oktober vormittags. '(Amtlich.) Am User-Kanal sieben unsere Truppen noch in heftigem Kampf. Der Feind unterstützt seine Artillerie vom Meere nordwestlich Nteuport aus. Ein englisches Torpedoboot wurde dabei von unserer Artillerie ram®“etfn& LM d"Enam Unsere
Truppen gingen anch dort zur Offensive über und warfen den Feind an mehreren Stellen zurück. Es wurden etwa 2000 Engländer zu Gefangenen gemacht und mehrere Maschinengewehre er,ventet.
Auf dem östlichen Kriegsschauplätze ist keme Entscheidung gefallen. 1 . ^WTB.)
Die Kriegslage beurteilt Maior a. D. Morath im „B. T." folgendermaßen:
Wie es zu erwarten war, haben sich die Kampfe zwischen dem Meere bis zur Gegend von Lille immer mehr verschärft, sodaß jetzt eine Entscheidung bevorsteht. Wrr haben letzthin schon darauf hingewiesen, um was es sich handelt: zunächst den französisch-englischen Umgehungsversuch ein für allemal zum Stehen zu bringen, dann aber auch um die Besitzergreifung der Küste am Kanal. Ostende haben wir im Besitz, um Nieuport sümpfen wir und haben als weiteres Ziel Dünkirchen. Es ist nicht angebracht, augenblicklich, wo diese schweren Kämpfe hin- uno herwogen, mehr zu sagen, als daß unsere Aussichten gute sind. Hauptbrennpunkte des Kampfes sind der User-Lauf, die Stadt Upern und die Festung Lille. An ersterer Stelle haben sich, wie wir jetzt wissen, die Reste des Antwerpener Besatzungsheeres festgesetzt, bei Upern kämpfen die Truppen der Verbündeten gegen uns und bei Lille sind während mehrerer Tage und Nächte ihre heftigen Angriffe standhaft zurückgeschlagen. Wie lange diese Schlacht fort- dauern wird, ist nicht zu übersehen. Darüber aber sind sich alle ausländischen Stimmen einig, daß sich „die größte Schlacht der Welt abspielt. und daß es sich um einen „Kampf um Leben und Tod" der Völker handelt.
Von unserer Grenzverteidigung Ostpreußens können wir glücklicherweise sagen, daß sie standgehalten hat. Die letzte Meldung lautet sogar, daß wir von Lyck aus versuchen, den Schauplatz weiterer Kämpfe auf das feindliche Gebiet zu verlegen. Auf diesem Teil des Kriegsschauplatzes ist ersichtlich, daß die Stoßkraft der russischen Nordarmee langsam in sich zusammensinkt und nur dann wieder aufflackert, wenn neue Scharen ins
Feuer getrieben werden.
Der Kampf bei und südlich Warschau dauert an, und es ist schon als ein Erfolg zu betrachten, datz unsere dortige Heeresführung die Russen zum Stehen brächte. Sie zwang den Feind, die Schlacht aufzunehmen, und hoffentlich sorgt der österreichisch-ungarische Angriff in nordöstlicher Richtung dafür, daß einem weiteren russischen Rückmarsch ein Riegel vorgeschoben wird. Vorläufig allerdings ringen unsere Verbündeten in der Linie des San bis Sambor darum, die befestigten Stellungen der Russen zu durchbrechen. Daher ist die neueste Nachricht aus dem österreichischen Kriegspressequartier von größter Wichtigkeit, daß der Ort Stryj in den Besitz
Daüurch wird der
unserer Verbündeten gelangt ist. Dadurch wird der Anmarsch gegen die Südfront Lembergs zunächst bis zum Dnjestrfluß frei. _
Ich stehe nicht auf dem Standpunkt, datz das Rm- gen um die Entscheidung an der Weichsel unendlich lange Zeit in Anspruch nehmen wird. Uebrigens
gen nm die Entscheidung an der Wemnel unendlich lange Zeit in Anspruch nehmen wird. Uebrigens scheuen wir uns auch nicht vor Winterkämpfen, die nach mancher Richtung Hin die Operationen erleichtern. Gegen 1812 haben sich die Mittel der Kriegführung völlig verändert und bedeutend vergrößert. Schon jetzt reiht sich Kilometer an Kilometer, um durch Eisenschienenweg den Eimnarsch in Rußland zu kürzen. Und täglich tragen wir die Basis der Operationen tiefer in feindliches Gebiet hinein. Eine Notlage wie die des navo- leonischen Heeres zwischen Moskau und der polnischen Grenze kann für die deutsch-österreichischen Heere nicht
eintreten.
Ueber die gegenwärtige Kriegslage im Westen schreibt General v. Blume: Da sich für beide Parteien die Aufgabe ergibt, den Gegner unter Verdrängung aus seiner Stellung zu besiegen, so ist es nur natürlich, daß dort auf beiden Seiten von der Feldbefestigung der ausgiebigste Gebrauch gemacht wird, und zwar nicht nur zu Verteidigungszwecken, sondern auch zu dem Zweck, den Angriff mit möglichst geringen Verlusten näher an den Feind heranzuführen. Die Folge davon ist, daß sich jetzt die Gegner auf der ganzen langen Front tief verschanzt nahe, vielfach auf kurze Gewehrschutzweite, gegen- überstehen, die vorderen Schützengräben und Stützpunkte Tag und Nacht von schutzbereiten Schützen dicht besetzt haltend, und daß das Geschütz- und Gewehrfeuer hier und da durch Angriffsunternehmungen zu grotzer
Heftigkeit gesteigert, trotz der Schutzwehren auf der ganzen Front beständig namhafte Opfer fordert. Bet dieser Sachlage kann, wenn nicht doch noch die Durchführung eines umfassenden Flügelangriffs gelingt, die Entscheidung nur davon abhängen, welche Partei Strapazen, Entbehrungen und Verluste am längsten aushält und hierdurch oder durch Zuführung tüchtiger frischer Truppen einen Ueberschuß an Kraft gewinnt, der ausreicht, um die Front des ermatteten Gegners zu durchbrechen und dadurch das Ganze in Fluß zu bringen. An Ausdauer aber dürfen wir hoffen, uns unseren Gegnern überlegen zu erweisen unb auch am längsten über frische Truppen zu verfügen. Hilfe, die die Gegner von den Hottentotten, Azteken und Eskimos vielleicht auch noch erbeten haben, wird wohl zu spät kommen. Völlig unberechtigt wäre sicherlich auch die Erwartung der Gegner, daß die Deutschen daheim die Geduld oder den Mut verlieren könnten. Sie stehen fest zu ihrem Kaiser und wanken nicht.
Die Kämpfe bei Nieuport und Bpern.
Der Korrespondent des Amsterdamer „Telegraaf" meldet, daß in der Nordwestecke Belgiens hartnäckige Gefechte auf zwei Fronten stattfinden. Die erste Front geht an der Küste von Ostende bis nach Nieuport hinunter, die mit der englischen Flotte in einem Gefecht steht. Die Versuche der Flotte, Truppenlandungen vor- zunehmen, blieben erfolglos. Die zweite Front geht von Nieuport nach Upern und Rouffelaere (nordöstlich von Ypern). Auf dieser Linie führen die Belgier, Franzosen und Engländer, durch die Besatzung der Festung Dttn- kirchen verstärkt und die Festung im Rücken, wütende Angriffe gegen die deutschen Linien aus, die aber alle znrückgeschlagen wurden. Der Kampf steht, bis die Deutschen Verstärkungen erhalten. Das Vordringen auf dieser Linie ist wegen des mit Wasserläufen durchsetzten Gebietes sehr schwierig.
Bei Dünkirchen wird nach einer Meldung der „Ber- lingske Tidende" eine starke Stellung eingerichtet. Dorthin hat sich auch die französische Marineabteilung zurückgezogen, die den Rückzug der Belgier von Antwerpen deckte. Es wird behauptet, daß die Belgier keinen Kampfeswert mehr besitzen, solange sie nicht vollkommen reorganisiert sind. Es werde daher lange Zeit dauern, bis die Verbündeten aus ihnen Nutzen ziehen können. Uebrigens meldet der „Nieuwe Rotterd. Cour." aus Havre vom 19. d. M., daß der König und die Königin der Belgier, sowie der Ministerrat sich in der Nähe der belgischen Armee befinden.
6-^ Berlin, 22. Oktober. (WTB.) Zu den Land- und Seekämpfen an der belgischen Küste und den Kämpfen nach Calais sagt die „Kreuzzeitung": Von der größten Bedeutung sind die Kämpfe westlich von Lille. Wir dürfen dem Ansgange zuversichtlich entgegensehe«, denn unsere Truppen haben die Offensive ergriffen und den Feind an mehreren Stellen zurückgeworfen.
Berlin, 22. Oktober. (WTB.) Der Korrespondent des „Daily Chronicle" schreibt aus Calais: Ich bin mehr und mehr davon überzeugt, daß die Deutschen die Küstenlinie von Ostende und Boulogne snr Mer besetzen wollen.
„Vordringen der Deutschen auf allen Teilen der Front . . ."
Der französische amtliche Bericht vom Dienstagabend 11 Uhr besagt: Der Tag war charakteristisch durch ein Vordringen der Deutschen auf allen Teilen der Front; im äußersten Norden, wo die belgische Armee bemerkenswerten Widerstand leistete, bei La ÄaMe, wo die Deutschen eine besonders heftige Attacke unternahmen, nördlich von Arras bei Nametz, östlich des Argon- nenwaldes und südlich an den Maashöhen in der Gegend von Chaupion. Ueberall wurden die Angriffe der Deutschen zurückgewiesen.
Dazu bemerkt die „Franks. Ztg.": Beide Meldungen über die Lage im Westen lassen deutlich erkennen, daß die Franzosen auf dem ganzen nordwestlichen Flügel und auch an der Maas in die Verteidigung gedrängt worden sind. „Der Tag war charakterisiert durch ein Vordringen der Deutschen auf allen Teilen der Front" heißt es bezeichnend in dem Bericht des französischen Generalstabs. Das „Ueberall zurückgewiesen" vermögen wir aus besserer Erfahrung nicht recht zu glauben.
Die Schicksalsschlacht in Nordwesten.
$-$> Mailand, 22. Oktober. (T. U.) Die „Stampa" veröffentlicht Mitteilungen aus dem nordöstlichen Frankreich, welche besagen, daß das Geschick Frankreichs, Belgiens, Englands und Deutschlands von dem Ausgang der größten Schlacht der Welt abhängt, die jetzt im Nord- westen Frankreichs geschlagen wird. Während die Verwundeten von der Front weggebracht werden, findet hinter den Feuerlinien ein immerwährender Austausch
Küste.
Unterseeboot beschossen.
mit frischen Truppen statt. Es ist unmöglich, die Menschenmassen abzuschätzen, die auf beiden Seiten kämpfen, jedenfalls in enormer Zahl.
Mißmut in Paris.
In einem Pariser Brief der Berliner „National- zeitung" heißt es: Der Befehl des Kriegsministers, betreffend den Schutz vor deutschen Flugzeugen, beruhige die Bevölkerung ebensowenig wie die fortwährenden amtlichen Siegesnachrichten, welche durch die Erzählungen der Verwundeten und durch Briefe im Felde stehender beträchtlich abgeschwächt werden. Daher sei es kein Wunder, wenn an Stelle der Augustbegeisterung Ent- tänschung und Mißmut getreten sei. Bei den Parisern kommen Nahrungssorge« hinzu. Die Arbeitslosigkeit sei ungeheuer. Die Preise für Lebensmittel seien stark in die Höhe gegangen.
Die Rückkehr der belgischen Flüchtlinge.
Das Amsterdamer Blatt „Tyd" veröffentlicht eine Unterredung mit dem Kardinal Mercier in Antwerpen, in welcher dieser den dringenden Wunsch ausspricht, daß die belgischen Flüchlinge heimkehren möchten, da keinerlei Gefahr bestehe. Zugleich widersprach der Kardinal dem Gerücht, daß er selbst geflüchtet sei.
Diesem Wunsche wird auch schon zahlreich entsprochen. Aus Antwerpen zurückkehrenöe Reisende berichten, daß immer mehr Bewohner nach der Stadt zurückkehren. Die deutsche Behörde scheint jetzt fest entschlossen zu sein, die Läden, die nach einer bestimmten Frist nicht wieder eröffnet werden, zu öffnen. Die Ordnung wird vorzüglich gewahrt, Plünderer, die auf frischer Tat ertappt werden, werden ohne weiteres erschossen. Drei Hafenarbeiter, die in die Schuppen am Scheldekai einen Einbruch verübten, wurden auf diese Weise schon unschädlich gemacht. Viele städtische Beamte meldeten sich aus dem Rathause.
Der „Köln. Ztg." zufolge ist der Reichskommissar beim Seeamt Hamburg, Konteradmiral & D. Louram zum Hafenkommandanten von Antwerpen und zum Kommandeur der Schelde-Befestigungswerke ernannt worden. Er ist nach Antwerpen abgereist.
Szenen beim Untergang des „Hawke".
Der „Daily Telegraph" teilt jetzt nach Erzählungen der Ueberlebenden weitere Einzelheiten über den Untergang des englischen Kreuzers „Hawke" mit. Der erste Angriff des deutschen Unterseebootes richtete sich gegen den Kreuzer „Theseus", aber der Torpedo verfehlte fein Ziel, worauf der „Theseus", dem Befehl der Admiralität nach dem Untergang der Kreuzer „Abukir" „Cressu" und „Hogue" folgend, so schnell wie möglich davonfuhr. Daraus wandte sich das Unterseeboot gegen den Kreuzer „Hawke", der steuerbords Mittelschiffs getroffen wurde. Man glaubt, daß der Torpedo auch das Magazin durch- drang, denn der Torpedoschutz hatte eine furchtbare Explosion zur Folge, bei der schon viele getötet wurden. Das Fahrzeug fing sofort an, überzunehmen, und man sah, daß es verloren war. Man versuchte, die Boote und Flötze auszuwerfen, aber durch die Lage des Schiffes war dies sehr schwierig. In die meisten Boote wurden beim Herunterlassen Löcher geschlagen. Die Besatzung arbeitet mit größter Anstrengung, bald aber sah man ein, daß das Verweilen an Bord den sicheren Tod bedeutete. Der Befehl: „Jedermann für fichdbst" wurde gegeben.' Nur vier Minuten, nachdem das Schiff durch den Torpedo getroffen war, verschwand es im Meere. Dem Untergang des Kreuzers folgten schreckliche Szenen im Wasser. Hunderte von Männern kttmpf- ten verzweifelt um ihr Leben, Flöße schlugen um, als ein erbittertes Kämpfen um Plätze darauf begann und einer den anderen zu verdrängen suchte. Wenige Gerettete faßen zusammen in einem Boot. Dieses Boot begegnete einem norwegischen Dampfer, der die Geretteten an Bord nahm. Später wurden sie durch den Dampfer „Ben Rinnes" übernommen nnd nach Aber- deen gebracht. Einer von den geretteten Offizieren war auf dem Kreuzer „Hogue", als dieser von einem deutschen Torpedo getroffen wurde.
Ein dänisches Unterseeboot beschossen.
Aus Kopenhagen, 21. Oktober wird gemeldet: Gestern nachmittag feuerte in internationalen Gewäfsern zwischen Nakkehvved und Kullenleuchtfeuer ein vorher nicht bemerktes Unterseeboot zwei Torpedos gegen das dänische Unterseeboot „Havmanden", das mit fünf Knoten Geschwindigkeit über Wasser fuhr. Kein Schutz traf. Das Unterseeboot führte die Nationalflagge. Ein Unterseeboot unbekannter Nationalität wurde am Nachmittag vom Nakkehoved-Leuchtfeuer aus beobachtet. Heute früh trieb am Bvrstranü von Nakkehvved ein Torpedo an, das dort explodierte. Den in Frage kommenden krieg-
5m fernen Osten.
Roman von O. Elster.
8) (Nachdruck verboten.)
Das fühlte Heinz wohl selbst, und das machte ihn wortkarg und traurig, als er jetzt bei seinem Mütterchen in der behaglichen, einfach eingerichteten Wohnstube saß, und Frau Anna Maria mit leicht zitternden, sanften Händen dem Sohn die blonden Locken aus der Stirne strich.
„Bleibe gut da draußen in der weiten, wilden Welt, mein Heinz," sagte sie mit leiser, zärtlicher Stimme. „Wenn Du nach einem Jahr zurückkehrst, dann sorge dasür, daß Du mir ebenso frei und froh in die Augen schauen kannst, wie jetzt, daß Deine Seele nicht beladen ist mit einer Schuld, die Deine Stirn verdunkelt und Deine Augen trübt. Versprichst Du wir, mein lieber Junge, an diese weine letzte Bitte zu denken?"
„Ich verspreche es Dir, liebste Mutter . . . ."
_ Eützte ihn auf die Stirn — lange und zärtlich — als sollte ihn dieser Kuß schützen vor allen bösen Gedanken und häßlichen Träumen. Und mit dem Kuß der Mutter auf der Stirn und mit dem Kuß Ellens aus den Zippen, da mußte er wohl gefeit sein gegen alle Ge- kahren des Lebens, gegen alle die furchtbaren Geister,
"ahen wollten, gegen alle bösen Gedanken und häßlichen Traume, die seine reine Jünglingsseele beschmutzen wollten.
®" $°ö e* andern Tags hinaus in die weite, weite Welt, in das ruhelose, nie rastende Leben!
Der alte Kapitän brächte ihn selbst nach Hamburg und zu seinem Freund, dem Kapitän Johannsen, der einst Kapitän Erichsens Steuermann auf der „Anna Maria" gewesen und jetzt auf der Kommandobrücke der
„Christine" stand. Und Kapitän Johannsen legte die breite Seemannshand auf den Blondkopf des Jünglings, sah ihm unter den buschigen Augenbrauen mit listigem Zwinkern in die klaren Jünglingsaugen und sagte mit knarrender Stimme, die rauh von all dem Grog und dem Tabakssaft geworden war: „Na, mten Jung, groß und schlank und rank büst Du — und ich will hoffen, daß Du eine ebenso gesunde Seele und das Herz auf dem richtigen Fleck hast. Denn gespielt wird nicht auf der „Christine"! Da heißt's feste zufassen und die Zähne zusammenbeißen, wenn's einem mal schwer ankommt. Hast Du dazu den Mut, dann will ich Dich zu einem tüchtigen Seemann machen, wie Dein Vater aus mir einen solchen gemacht hat. Kannst Du mir darauf die Hand geben?"
Kräftig schlug Heinz in die breite, harte Seemanns- faust ein und verzog keine Miene, als ihm unter dem Druck dieser Faust die Finger krachten.
Am Abend schon stand er an Bord der „Christine" und sah hinauf zu den Sternen am dunkelnden Nachthimmel. Und auf seiner Stirne brannte der Kuß der Mutter, auf seinen Lippen aber der Kuß der Freundin seiner Knabenjahre.
2.
Jahre waren vergangen. Als junger Steuermann, der soeben auf der Navigationsschule sein Examen bestanden hatte, kehrte Heinz Erichsen in das Elternhaus zurück. Kräftiger reckte sich seine schlanke Gestalt, männlicher war sein von Wind und Wetter, Luft und Sonne gebräuntes Gesicht geworden, und freier und kecker schweifte der Blick seiner blauen Augen zu den hellerleuchteten Fenstern der Villa Diesterweg hinüber, als er an der Seite des Vaters, der ihn vom Bahnhof atz-
geholt hatte, die Promenadestratze entlang, dem Heime seiner Kindheit zuschritt.
„Da scheint ein Fest gefeiert zu werden," sagte er, auf die im Glanz des elektrischen Lichtes erstrahlende Villa deutend.
„Ja," meinte der Alte, „sie feiern den Geburtstag Fräulein Ellens, sie wird heute achtzehn Jahr alt . . ."
Richtig, heute am 17. Mai war ja der Geburtstag Ellens! Wie hatte er das nur vergessen können? War er doch früher öfter an diesem Tage Gast in der Villa gewesen und hatte den Geburtstag seiner kleinen Freundin mitfeiern dürfen. Und mit einem Male stand die zierliche Gestalt Ellens, das zarte Gesichtchen in seiner keuschen, kindlichen Reinheit wieder deutlich vor seinen -seelischen Augen. In einsamen Nächten, wenn er die Wache auf Deck hatte, und er aufschaute zu den unzähligen Sternen am dunklen Himmelszelt, und um ihn das unendliche Weltmeer rauschte, dachte er wohl auch an die Freundin seiner Knabenjahre, aber diese Freundschaft, diese Knabenliebe, sie war ihm doch nur ein lieblicher, halb vergessener Traum geworden, der nach und nach in den brausenden Wogen des Lebens zu versinken drohte. Er war ein Mann geworben in dem harten Dasein, in der rastlosen Arbeit seines Berufs in dem für knabenhafte Träume kein Platz blieb, in dem es galt, alle Kräfte des Geistes und Körpers an- zuspannen, um vorwärts zu kommen auf der rauhen Bahn. Aber jetzt tauchte die Erinnerung in seiner Seele wieder auf und umwehte ihn sanft, wie der Atem | des warmen Maiabends, wie der Duft der Rosen seine» - väterlichen Gartens. Der Kutz, den des Kindes keusche Lippen auf seinen Mund gedrückt, hatte seine Zauberkraft noch nicht verloren.
„Wie geht es Ellen?" fragte er. „Hast Du sie zuweilen gesehen?"
LSMMng folgt!