Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld Wfoer Äreisölatt
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" , Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 249. Freitag, den 23. Oktober 1914
Strickt Strümpfe
für unsere Truppen im Felde.
Hus der Heimat.
* (Auskünfte über Rußlan d.) Das internationale Komitee des Roten Kreuzes in Genf hat neuerdings mitgeteilt, daß Anfragen wegen solcher Personen, die vermutlich in russische Kriegsgefangenschaft geraten sind, nicht mehr nach Genf, sondern an das Dänische Rote Kreuz in Kopenhagen zu richten sind, das sich zur Weitergabe der Beantwortung bereit erklärt hat.
* (Nachrichten über Gefangene in Deutschland.) Beim Zentral-Nachweis-Bureau des Preußischen Kriegsministeriums ist eine Abteilung eingerichtet, die sämtliche Nachrichten über die gefangenen Angehörigen der feindlichen Heere sammelt, die in Deutschland gefangen gehalten werden. Diese Listen werden durch Vermittlung der neutralen Staaten den Regierungen der betreffenden feindlichen Länder übermittelt, bei denen ebenfalls Zentral- Nachweise-Bureaus bestehen. Außerdem erhält sämtliche Listen die Zentralstelle des Roten Kreuzes in Genf, auch wird eine Liste der belgischen Kriegsgefangenen dem deutschen Gouvernement in Brüssel zugestellt. Diese Listen werden dauernd ergänzt. Auskunft können sich die Staatsangehörigen der mit Deutschland im Kriege befindlichen Länder daher bei ihren eigenen Regierungen holen. Das Preußische Kriegsministerium gibt seinerseits eine Auskunft, auch durch Vermittlung deutscher Staatsangehöriger, mdjt; nur ausländische Quartierwirte können durch ihre Einquartierungen, falls sie von ihnen das Zeugnis erhalten, daß sie diese freundlich ausgenommen haben, die weitgehendste Berücksichtigung etwaiger Wünsche erhoffen. Mit dem Briefverkehr hat das Zentral-Nachweise-Bureau nichts zu tun, dieser geht vielmehr unmittelbar durch die Kommandanturen der betreffenden Gefangenenlager oder Lazarette.
* (Kriegsanleihe und Reichsschuld- b u ch.) Die Beliebtheit des Reichsschuldbuchs kommt in der großen Zahl der Kriegsanleihezeichnungen mit Schuldbucheintragung zum Ausdruck. Diese betragen 1200 000 000 Mk. mit 130 000 Konten. Damit die nächsten Aprilzinsen innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist (17. März bis 8. April) gezahlt werden können, muß diese Eintragungsarbeit bis Mitte Februar 1915 erledigt, die Eintragung der 130 000 Konten also in 4 Monaten erfolgt sein. Um zu erkennen, welche außerordentliche Arbeit der Schuldbuchbehörde hierbei innerhalb weniger Monate obliegt, venügt der Hinweis darauf, daß seit Gründung des Reichsschuldbuches im Jahre 1891 bis Anfang 1914 w ganzen 29 039 Konten eingetragen worden sind. Innerhalb 24 Jahren sind also rund 29 000 Konten «nnÄ11 worden, und jetzt sind innerhalb4Monaten 180 000 Konten zu buchen. Hierzu kommen dre taufenden Geschäfte und vor allem der sehr erschwerende Umstand, daß ein volles Drittel der beteiligten Be- amten im Felde steht. Das Publikum kann bei ^chulübucheintragungen diese Arbeit erleichtern, wenn es folgendes berücksichtigt: 1) Die Antragsformulare und genau nach den darin gestellten Fragen vollständig und recht deutlich auszufüllen. (Angabe des Standes oder Berufs, Familiennamens bei Frauen mcht zu vergessen und die Vermerke auf Seite 3 des Formulars zu beachten.) 2) Firmen usw. sind genau nach den gerichtlichen Registern zu bezeichnen. 3) Satzungen, wo solche z. B. bei Sparkassen vorhanden sind, sind mit einzureichen. 4) Bei Vermögensmassen ohne juristische Persönlichkeit ist die Behörde anzu- geben, welche etwa die Verwaltung der Masse führt oder beaufsichtigt. 5) Bet Mündelvermögen ist auf die gleichzeitige Eintragung eines Beschränkungsvermerks zugunsten des Vormundschaftsgerichts gemäß 8 1816 B. G.-B. Bedacht zu nehmen und das letztere genau zu bezeichnen. 6) Anfragen bei der Schuldbuchbehörde über die erfolgte Eintragung sind zu vermeiden, da sie eine Antwort erheischen und damit die Arbeit vermehren. Im eigenen Interesse der Gläubiger empfiehlt es sich, die Anträge — auch wenn sie von anderer Seite, z. B. von einer Zeichnungsstelle gestellt werden — mit zu unterschreiben. Es wird dadurch eine spätere Legitimationsführung erleichtert.
* (Keine Befreiungen vom Heeresdienst fü r Fe lödienstunfähige.) Das stellvertretende Generalkommando des 11. Armeekorps bittet mitzuteilen, daß Befreiungsgesuche von Heeres- Vflichtigen, die damit begründet werden, daß der Betreffende, weil felödienstunfähig, doch nicht mehr Verwendung finden könne, zwecklos feien. In der jetzigen Zeit könne man einen jeden gedienten Soldaten sehr
gut gebrauchen, wenn eben nicht dei der Feldtrnppe, so doch in Garnisondienst oder zur Ausbildung der Rekruten.
* (Keine B e s u d) c im Feld e.) Amtlich wird gemeldet: Es liegt Veranlassung vor, darauf hinzuweisen, daß Besuche von Angehörigen bei den im Felde stehenden Truppen aus militärischen Gründen nicht zugelassen werden können. Reisen, die zu diesem Zweck ins Operationsgebiet unternommen werden, sind daher vergeblich und führen nur zu schmerzlichen Enttäuschungen. Es muß deshalb dringend vor ihnen gewarnt werden.
§ Hersfeld, 22. Okt. Bei der heutigen Schöffen- gerichtsfitzung wurde ein hiesiger schon vorbestrafter Schüler wegen Diebstahl mit 4 Tagen Gefängnis bestraft. Die gleiche Strafe erhielt ebenfalls wegen Diebstahl ein hiesiger jugendlicher Arbeiter der zum heutigen Termin vorgeführt werden mußte, da er zu einem früheren Termin nicht erschienen war. Bei einem hiesigen Händler mußte wegen Körperverletzung, trotzdem er dringend verdächtig war die Tat ausgeführt zu haben, auf Freisprechung erkannt werden. Ein hiesiger Zimmermeister erhielt wegen Körperverletzung 60 Mk. Geldstrafe. Außerdem wurden noch zwei Privatklagesachen verhandelt und ein hier anfgegriffener Bettler bestraft.
— Jnf.Regt.
§ Hersfeld, 22. Okt. Der Zweigverein vom Roten Kreuz konnte heute wieder eine größere Sendung Liebesgaben, die zweite in diesem Monat, an unsere Truppen ins Feld befördern lassen. Die Sendung im Werte von über 2500 Mk. setzte sich zusammen, aus 200 wollenen Hemden, 90 Unterhemden, 120 Unterhosen, 47 Strickjacken, 156 Leibbinden, 232 Paar Strümpfen, einen großen Posten Fußlappen, 19 Paar Kniewärmern, 125 Paar Pulswärmern, 22 Kopfschützern, 27 Brustschützern, 24 Kniebinden, 126 Taschentüchern, 54 Hosenträgern, 1 Ctr Speck, 40 Kisten Cigarren, mehreren Päckchen Tabak und mancherlei kleineren nützlichen Gegenständen. Alle diese Dinge wurden zum großen Teil von den dem Zweigverein vom Roten Kreuz für die Truppen im Felde in freundlicher Weise überwiesenen Beträgen angekauft. Die Damen des Nähvereins, die sich der guten Sache mit großem Eifer widmen, haben vor allem dazu beigetragen, daß diese Sendungen schon sobald der ersten dieses Monats folgen konnte. Viele Einwohner unserer Stadt und zahlreicher umliegender Ortschaften, besonders von Friedewald, Lautenhausen, Hilperhausen, Kerspenhausen, Niederzoffa, Eltra, Sreg- los, Unterbaun, Oberhaun und Rotensee hatten rn reichem Maße Gaben dazu gespendet. Daß die Arbeitervereinigung der Fabriken Rechberg, Braun und Rehn einen Beitrag an Wollsachen und samtigen Gegenständen spendeten und auch Schulkinder einiger Gemeinden Strümpfe, und Pulswärmer sandten, soll noch mit besonderem Dank erwähnt werden. Gerade in der jetzigen Zeit, da die Nächte immer kälter werden, wollen wir durch Zusendung solcher Liebesgaben unseren wackeren Soldaten zeigen, daß wir ein Herz für sie haben und ihnen gern etwas Dank erstatten ür die großen Opfer, die sie doch mit um unsertwillen brtnaen Es geht darum hiermit erneut an alle die herzliche Bitte, doch auch weiterhin nach Vermögen und Können mithelfen zu wollen daß der hiesige Kweigverein vom Roten Kreuz recht bald eine weitere Sendung unseren Truppen zugehen laßen kann.
H Hersfeld, 22. Oktober. Inhalt der Verlustliste Nr. 56. Generalkommandos: x. Armeekorps, Feldgendarmerie-Trupp. Ins ant erie. ^tenad.- Oleat Nr 6 10.__Brig.-Ers.-Bat. Nr. 13. — Jnf.-Regt. Nr^14,17. - Landw.-Jnf.-Regt.Nr.22.- Res.-J «^-Regt. Nr. 23, 27. 28, 31. - Fus--Regt. Nr. 33. — ^andw.Jns.- Neat Nr 39 — Res.-Jnf.-Regt. Nr. 51. — Jnf.-Regt. Nr 53 -Landw -JnfÄegt. Nr. 53. - Res.-Jnf.-Regt. Nr 60 - Jnf-Regt. Nr. 62, 63. - Ref.Jnf.Regt. Nr. 6? _ cvnf-Ä 71. - Landw.-Jnf.-Regt. Nr. 71.
Landw.-Jnf.-Regt. Nr. 99. —
weitere
Ä&a&T»■ M-Zn^R-gt. Nr. It« - Res.-Jnf.-Regt. Nr. 118. - Jnf.Regt.Nr. 144 1^168, 170, 171, 172, 173. — Landst.-At. Beuthen i. Ob. Schief, und Kattowitz. — Jäg.-Bat. Nr. 3, 4. ^Res.-Jag.-Bat. Nr. 9. 10. - Kavallerie: Kur.-Regt. Nr. o. - Drag.-Regt. Nr. 2, 6. - Res.-Drag.-Regt. Nr. 6.
Drag.-Regt. Nr. 14. - 2. Landw.-Esk. des Vlii. nnd xvu Armeekoros — 1., 2. und 3. Lanüw.-Esk. des XX. Armeekorps. - 1. Landst.-Esk. des ii. und V. Armeekorps. — Feldartillerie: Feldart.-Regt. Nr. o, 8. — Res.-Feldart.-Regt. Nr. 13. — Feldart.-Regt. Nr. 20. Res.-Feldart.-Regt. Nr. 25. — Feldart.-Regt. Nr. 39, 56, 59, 67, 69, 76, 83. — Landst.-Feldart.-Abt. der gemischten 70. Landw.-Jnf.-Brig. — F uß ati l l e'r i e: Res.-Fußart.-Reat. Nr. 1, 2. — Fußart.-Regt. Nr. 3. — Res.-Fußart.-Regt. Nr. 9. — Landw.-Fußart.-Bat. Nr. 9. — Fußart.-Regt. Nr. 10. — Res.-Fußart.-Regt. Nr. 15. —Pioniere: Garde-Pion.-Bat. — Pion.-
Landw.-Fußart.-Bat.
Bat. Nr 3, 5. — l. und^l. Pton.-Bat. Nr. 6. — Pton.- Regt. Nr. 19. — Pivn.-Bat. Nr. 24. — Pion.-Negt. Nr. 29. — Res.-Eisenb.-Baukvmp. Nr. 2. — Verkehrs- truppen: Fernspr.-Abt. des xxi. Armeekorps. — Feldfliegertruppe. — Kraftfahrtruppen der Etappen- Jnspekt. i Düsseldorf.— Kraftfahrtruppen der Etappen- Jnfpekt.Frankfurta. M.— M u n i ti ons k o lonn en : Jnf.-Mnnit-Kol. Nr. '3 des n Armeekorps. — I. Muntt.-Kol.-Abt. des in. Armeekorps. — Art.-Munit.- Kol. Nr 3 des II. Armeekorps. — S a n i t ä t s - Kompagnien: Res.-Sanit.-Kvmpag. Nr. 6 des VI. Nes.- Korps. — Sanit.-Kompag. 9Zr. 2 des xv. Armeekorps. — Train: Feldlazarett Nr. 8 des XI. Armeekorps. — Feldlazarett Nr. 4 des xviil. Armeekorps. — Feld- bäckerei-Kolonne Nr. 2 des IX. Armeekorps. — Berichtigung früherer Verlusten. — Verlnste durch Krankheiten.
Cassel. 20. Oktober. Der Kaufmann und Agent W. von hier war vor einigen Wochen wegen einer größeren Anzahl Betrügereien, die er sich als Jn- haber!eines„Finanzgeschäftes"hatte zuschulden kommen lassen, vor der hiesigen Straftammer zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und etlichen Monaten verurteilt wurden. Er war am Montag vormittag vom Landgerichtsgesängnis nach dem Justizgedäude gebracht worden, um in einer anderen Angelegenheit vor dem Amtsgericht vernommen zu werden. Nachdem diese Vernehmung beendet worden war uiib der Gefangene von dem Gange im Flügel am Steinweg nach dem Flügel des Gebäudes an der Fuldaseite zurücktransportiert werden sollte, riß er sich, wie die „Hessische Post" berichtet, an dem Ausgang zur Seitentreppe angelangt, plötzlich von dem Führer los und sprang in großen Sätzen die Treppe hinab und zum Gebäude hinaus. Die sofort aufgenommene Verfolgung blieb erfolglos.
Verzeichnis der Paketdepots:
Für
das Gardekorps
Berlin
//
1.
2.
Armeekorps:
Königsberg (Pr.) Stettin
3.
Brandenburg (Havel)
4.
ff
Magdeburg
5.
ff
Glogau
6.
Breslau
7.
ff
Düsseldorf
//
8.
ff
Koblenz
//
9.
ff
Hamburg 7
10.
ff
Hannover
ff
11.
„ und
belgische Besatzungstruppe Casfel
12.
ff
Dresden
13.
ff
Stuttgart
ff
14.
ff
Karlsruhe (Baden)
//
15.
ff
Straßburg (Elf.)
16.
ff
Metz
ff
17.
ff
Danzig
ff
ff
18.
ff
Frankfurt a. M. oder Darmstadt (bei der Post
annahme zu erfragen)
19.
ff
Leipzig
20.
ff
Elbing
ff
21.
ff
Mannheim
Schles. Landw.-Korps Breslau
ff
1. bayerische Armeek. München
ff
2.
ff ff
Würzburg
8.
ff ff
Nürnberg
ff
22.
Res.-ArmeekorpK Berlin
ff
23.
ff
Stettin
//
ff
24.
ff
Magdeburg
//
ff
25.
ff
Glogau
//
ff
26.
ff
Cassel.
Verzeichnis
der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
3#t das Rote Kreuz, Sektion hersfeld
von Frau C. Engelhardt hier 1. Rate . M. 200.—
„ Gemeinde Niederaula......„ io.— „ „ Hattenbach......„ 4.— M. 214.— Bestand „ 21.585.77 heutiger Bestand M. 21.799.^7
Für die notleidenden in Ostprentzen von Gemeinde Niederaula......M. 14.35
Bestand „ 1701.81
„ 1716.16
davon an die Stadt abgeführt „ 1700.— heutiger Bestand 16.16