F Die Käurpfe in den Kolonien.
Mit dem Danrpfer »Port Said" in Neapel ankommende Passagiere aus Jtalienisch-Ostafrika und Sansibar erzählen, wie dem „Berl. Lok.-Anz." aus Mailand berichtet wird, daß zwischen Engländern vnd Deutschen an der Grenze ihrer Kolonien beständig Kämpfe mit wechselndem Erfolge stattfanden. Die allgemeine Lage sei unverändert. In Mombassa hatten die Engländer 35 Deutsche gefangen genommen und 100 Bürgerliche ausgewiesen.
Erbitterung gegen Japan in China.
Nach einer Meldung aus Wien hat die chinesische Regierung die japanische Regierung ersucht, gegen jene Personen mit aller Strenge des Gesetzes einzuschrerten, die erwiesenermaßen die in Japan studierende chinesische Jugend aufhetzen und aufrührerische Proklamationen sowie Material für die Revolutionäre nach China einschmuggeln. Die chinesische Oeffentlichkeit und die Presse wenden sich mit einer bisher nicht beobachteten Erbitterung gegen Japan, dem Heimtücke bei der Erfüllung der in China bestehenden Verträge, sowie Expansions- gelüste zu ungunsten Chinas vorgeworfen werden.
Die Haltung der Buren.
Die „Times" meldet aus Kapstadt vom 18. Oktober mittags, daß General Hertzog es ablehnte, den Obersten Maritz zu verurteilen und sich selbst endgültig auf die Seite der Regierung zu stellen, hat allgemeine Entrüstung erregt. Der Schriftwechsel zwischen Botha und Hertzog läßt die Haltung Hertzogs in noch ungünstigerem Lichte erscheinen. Botha hatte geschrieben, daß Unterhandlungen mit dem Rebellenführer unmöglich seien, und daß es den erwünschten Ausgang wesentlich fördern würde, wenn Maritz durch Hertzog und die anderen in dem Ultimatum von Maritz genannten Personen sofort öffentlich abgeschüttelt würde.
Die Entrüstung wird aber nur auf Seiten der Engländer sein, die nun sehen müssen, wie trotz ihres gewaltigen Lügenapparates die Buren sich doch nicht ein- fangen lassen wollen. Hinter Hertzog steht der größte Teil der Buren, die von einem Kriege gegen Deutschland nicht mehr halten, als Hertzog und Maritz selbst. Botha, der gekaufte Engländerfreund, steht einsam da.
Kriegsallerlei.
Reichstagsabgeordneter Hautzmann beim Reichskanzler.
Aus Stuttgart wird der „Franks. Ztg." gemeldet: Beim Passieren des Hauptquartiers hat der Reichstagsabgeordnete Konrad Haußmann, der seinen in der Schlacht bei Albert verwundeten Sohn zurücktrans- portierte, den Reichskanzler gesprochen. Der Reichskanzler nahm damals, am 4. Oktober, den Fall Antwerpens für die allernächsten Tage in bestimmte Aussicht. Die Haltung des Volkes sei so ausgezeichnet wie die der Truppen. Die Einigkeit der Nation habe sich nicht bloß bewährt, sondern unlöslich befestigt, die große Zeit werde auch eine neue Zeit bringen. Bei der Zahl und Tapferkeit der Gegner werde Deutschland in dem ihm aufgedrungenen Krieg den seinen Anstrengungen entsprechenden Erfolg nicht von wenigen Wochen, sondern von dem ruhigen, festen Durchhalten zu erwarten haben. Der Geist der Truppen, die er an der Westfront gesehen habe, sei überall gleich. Der Reichskanzler selbst war frisch und zuversichtlich.
Warum die deutschfeindlichen Kundgebungen in Dewtford stattfanden.
>* London, 21. Oktober. (WTB.) Die gestrige »Daily Mail" wendet sich gegen die in Dewtford zutage getretenen deutschfeindlichen Kundgebungen und erklärt, daß derartige Vorkommnisse sich nicht ereignet hätten, wenn nicht die Regierung so wett hinter -er öffentlichen Meinung zurückbliebe. Die Bevölkerung sei über die Matzen gereizt über die Gleichgültigkeit, die Beamte gegenüber Deutschen und Oesterreichern im eigenen Lande zeigen. Jeder in Großbritannien befindliche Dentsche und Oesterreicher biete die Möglichkeit der Bedrohung der Sicherheit -es Lanves, und -iese Möglichkeit müsse mit aller Entschiedenheit unschädlich gemacht werden. Nnr dann sei es möglich, derartigen Vorkommnissen, wie sie sich in Dewtford ereignet, vorznbengen.
Landnng indischer Truppen in Marseille.
_ »-> Berlin, 21. Oktober. (WTB.) Das „Berl. Tageblatt" berichtet aus Marseille über die Ladung von 18 Dampfern mit etwa 30 000 Mann indischen Truppen.
Ein rumänischer Dampfer von den Franzosen weggenommen.
„ _ ** Wien, 21. Oktober. (WTB.) Die „Reichspost" meldet aus Bukarest: Der rumänische Dampfer „Jnil mit einer Ladung Bauholz ist von den Franzosen nach Algier gebracht und dort entladen worden. Nachträglich Mbe die Ladung bezahlt. Der Dampfer war für ein
Schiff gehalten worden, weil sein Kapltan Aschinger heißt.
Eine neue Eisenbahnkolonne nach Belgien.
w ^ Berlin, 21. Oktober. (WTB.) Gestern abend zweite Kolonne von Etsenbahnbeamten und Ebestern, mit Gewehren und Munition ausgerüstet nach Belgien abgegangen.
Ein deutsches Bergamt in Polen.
Berlin, 21. Oktober. (WTB » Ein öeuAhes Berganst in Sosnowice hat jetzt die bisherige Warschauer Bergverwaltung übernommen.
400 Automobile in Antwerpen erbentet.
Rotterdam, 21. Oktober. (T.-U.) Die Deuttchen erbeuteten in Antwerpen auch 400 Automobile. Drese waren vorher durch Beseitigung der Motore und -er Zündung unbrauchbar gemacht worden. Aber die Deutschen wußten sich zu helfen. Die Bestände -er großen Automobilfabrik wurden beschlagnahmt, worauf die Deutschen mit ihren eigenen Leuten die Automobile wieder in Ordnung brachten un- sie den verschie-enen Divisionen zuteilten.
Russeugreuel.
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„ Aus dem Feldpostbrief eines preußischen Offiziers ist über die greuelvolle Art, in der die Russen in Ostpreußen gehaust haben, folgendes zu entnehmen:
„Die Russen hatten Wind von unserm Anmarsch bekommen und sich etwas zurückgezogen, wir sind dab stets in Gegenden marschiert, in denen vorher Rufst gewesen waren, und wie haben sie gehaust. Sämtliche Scheunen und Ställe im ganzen östlichen Drittel Ostpreußens sind in Asche gelegt, viele Wohnhäuser verbrannt, in den stehen gela,jenen ist alles Brauchbare herausgeschraubt und der Rest zerschlagen. Alles Vieh, alle Pferde fortgetrieben. Die Bevölkerung hat sich in die Städte geflüchtet, wir sind tagelang marschiert, ohne jemand an^rs als Soldaten zu treffen. Dazu Regen und immer wieder Regen. Nachts tm Biwak oder in einem verlassenen Bauernhause, aus dem alles Beweg-
Die Runen hatten bis Jnsterburg die Bahn instand gesetzt Mlh vierzehn Läge lang gestohlene Sachen, selbst
Möbel, Spiegel, Teppiche, Kleidungsstücke, alles was sie oder ihre mitgebrachten Trotzweiber gebrauchen konnten, fortgesendet. Stallupönen ist ein Schutthaufen, um Eydtkuhnen mußten wir herummarschieren, weil die Hitze der brennenden Gebäude zu groß war. Dazu hier und da aufgespießte Kinderleichen, halbwüchsige Jungens, denen die rechte Hand abgeschlagen war, um sie für den Militärdienst untauglich zu machen, und viele Ermvröete. Es war schauerlich, hatte nur das eine Gute, daß die Wut gegen die Bande in uns bis auf das Aeußerste stieg. Die in starker Stellung und in Uebermacht befindliche russische Armee wurde bet Kroklack, Regall- walde, Neidenburg binnen sechs Stunden geworfen und bann vier Tage lang bis über die Grenze hinaus verfolgt.
Mr. Poincaree und die Schildwache.
Im „Matin" vom 10. Oktober wird folgende aufregende Begebenheit erzählt: „Auf Landstraßen und an den Eisenbahnlinien halten unsere braven Landwehrleute (territoriaux) treue Wacht. Es war am letzten Sonntag, kurz nachdem das Auto des Präsidenten und das der Minister nach Ruffec gefahren war. Der Wagenzug fuhr auf der Heerstraße. Als er zur Voultre- Brücke, über die die Orleans-Bahn fährt, abbiegen wollte, trat eine Schildwache vor, hielt dem ersten Wagen sein Bajonett entgegen und befahl dem Chauffeur, zu halten. Das geschah sofort. Der Landwehrmann trat nun an den Wagenschlag und fragte die Insassen des Wagens nach ihren Passierscheinen. Der Herr an der rechten Seite öffnete das Fenster und sagte: „Mein Name ist Raymond Poincaree, Präsident der Republik!" Wie vom Blitz getroffen, trat der Soldat drei Schritte zurück und präsentierte das Gewehr. Als später sein Leutnant vorüberkam, erzählte er ihm in größter Aufregung von seinem Mißgeschick. Der Leutnant spendete ihm aber wegen gewissenhafter Pflichterfüllung hohes Lob. Am Vorabend von Austerlitz hatte auch dein „Petit Caporal" (Napoleon) eine Schildwache das Bajonett entgegengehalten ..." — Welche Ähnlichkeit doch Mr. Poincaree mit Napoleon hat!
Irankreichs Versündigung am Hosen Kreuz.
Der Deutsche Reichsanzeiger schreibt in seinem amtlichen Teil:
Die Kaiserliche Regierung hat die nachstehende Denkschrift über die Verletzung der Genfer Konvention vom 6. Juli 1906 durch französische Truppen und Frei- schärler, worin gegen deren völkerrechtswidriges Verhalten scharfer Protest erhoben wird, der französischen Regierung sowie den Regierungen der neutralen Mächte zugehen lassen:
In dem gegenwärtigen Kriege haben französische Truppen und Freischärler die zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken bei den im Felde stehenden Heeren getroffenen Bestimmungen der Genfer Konvention vom 6. Juli 1906, die für Deutschland und Frankreich ratifiziert worden ist, in flagranter Weise verletzt. Aus der großen Zahl bekanntgewordener Fälle werden in den Anlagen diejenigen aufgeführt, die bereits durch gerichtliche Vernehmungen oder Dienst- meldungen einwandfrei festgestellt worden sind.
An der Spitze der Genfer Konvention steht einer der ersten Grundsätze des Kriegsrechts, daß nämlich die Verwundeten und Kranken des feindlichen Heeres in derselben Weise wie die Verwundeten und Kranken des eigenen Heeres geachtet und versorgt werden sollen. (Artikel 1, Absatz 1.) Diesen Grundsatz haben französische Truppen und Freischärler ins Gesicht geschlagen, indem sie deutsche Verwundete, die in ihre Hände gefallen waren, nicht nur roh behandelt, sondern sie auch beraubt, ja sogar, und zwar teilweise in bestialischer Weise, verstümmelt und ermordet haben. (Anlagen 1—8.)
Für die beweglichen Sanitätsformationen ist in den Artikeln 6 und 14 der Genfer Konvention ein besonderer Schutz vorgesehen. Diesen Bestimmungen zuwider haben französische Truppen deutsche Automobile mit Verwundeten angegriffen (Anlage 6) und Sanitätswagen beschossen (Anlagen 11 und 14), obwohl das Zeichen des Roten Kreuzes deutlich zu erkennen war. Auch haben sie deutsche Lazarette Überfälle« und ihres Personals und ihrer Ausrüstung beraubt (Anlage 7).
In völkerrechtswidriger Weise haben sich ferner französische Truppen gegen den Artikel 9 der Genfer Konvention vergangen, der das Sanitätspersonal der kriegführenden Heere schützen, ja es sogar als neutral behandelt wissen will. Wie sich aus den Anlagen ergibt, ivürde der Führer einer Sanitätskolonne von einem französischen Truppenführer verhaftet und weggeschleppt (Anlage 9) und ein Arzt, der einem Verwundeten helfen wollte, von französischen Truppen erschossen (Anlage 10). Auch wurden Aerzte und Begleitmannschaften eines Sanitätswagens unter Fener genommen (Anlage 11) sowie Krankenträger bei der Bergung von Verwundeten durch französische Truppen und Freischärler angegriffen. Die Vermnndeten wurden getötet (Anlagen 12-14) oder Alt Kriegsgefangenen gemacht (Anlage 15). Ebenso wurde ein deutscher Feldgeistlicher von französischen Truvven gefangen genommen und wie ein gemeiner Verbrecher behandelt (Anlage 8).
Kaiserlich deutsche Regierung bringt mit Ent- rüstimg dk Ä Völkerrecht und der Menschlichkeit czobn forschende Behandlung deutscher Verwundeter, deutscher Knitätsformationen und deutschen Sanitäts- persönals zur öffentlichen Kenntnis und legt hiermit aeaen die unerhörten Verletzungen eines von allen Kul- X«“S«> »ettmrtrams feiert» B-r.
Die preußische Kriegskreditvorlage.
Dem vreußischen Landtag wir- Sei seinem Zusam- mentE am 22. Oktober ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, durch den die Staatsregierung einen vorläufigen Kredit in Höhe von 1% Milliarden Mark zur Deckung der durch den Krieg hervorgerufenen Ausfälle bei den Staatseinnahmen und der besonderen Kriegsausgaben erbittet. Unter den Krtegsausgaben stehen die Aufwendungen für die Hilfsaktwn zugunsten Ostpreußens und einzelner Teile von Westpreußen im
Hilfsaktion werden Mittel bis zum Befrage von 400 Millionen Mark gefordert. Der größte Teil der Kriegsausgaben wird zunächst nur . m Gestalt von Vorschüssen geleistet und spater durch Rücknahme wieder ausgeglichen. Ferner kommen in Frage die
Fürsorge für die staatlichen Lohnangestellten
bei deren Einberufung zum Heeresdienst ihre Familien fortlaufende Unterstützung erhalten. Ebenso sind für die Beamten für -en Fall, daß sie durch Räumung ihrer Standorte u. -ergl. Unkosten haben, Beihrlfe vorgesehen. Den Kreisen sollen bei -er Zahlung dieser Retchsmin- -estunterstützung gewisse Erleichterungen gewährt wer-
-LN, Durch
Notstandsarbeiten soll der Arbeitslosigkeit gesteuert werden, ganz besonders durch Inangriffnahme von Bahn- und anderen öffentlichen Bauten. Auch Kriegs- gefangene sollen dabei nützliche Verwendung finden. Als Beispiele für solche Arbeiten find Hochwasserregu- lierungen und die Ausführung von Kanalbauten anzu- sehen. Auch die Kultivierung von Hoch- und Niebe- rungsmovren ist vorgesehen, um die Kulturfläche zu vermehren, zur Verstärkung der Lebensrnittel für Menschen und Vieh. Einen wesentlichen Teil der Begründung nehmen die Maßnahmen für
die Versorgung des Landes mit Nahrungsmitteln, die Vermehrung der vorhandenen Nahrungs- und Futtermittel, und die Erhaltung des Viehbestandes in Anspruch. So soll ganz besonders die Lebensmittelbeschaffung für die Industriegebiete des Westeus, die westlichen Aufmarschgebiete und für Festungsgemein- den möglichst sichergestellt werden. Um der Futtermittel- not n^ch Möglichkeit zu steuern, sollen die Kartoffeln mehr ausgenutzt werden durch Förderung der Kartoffel- schnitzel- und Rübenblättertrocknung. Landwirte und Genossenschaften sollen dazu Beihilfen zur Verfügung gestellt werden. Ebenso find Tarifermästigungen für diese Futtermittel vorgeselieu. Auch Mittz^l zur Förderung der Viehmästung sind vorgesehen durch Kreditgewährung an die Larldwirtschaftskammern, welche den Mästeru Vorschüsse geben können. Ferner wird auf die größere Verwendung von MotorpflÜgen hillgezielt, um die Feldbestellung bei dem Maligel an Zugtieren sicherzustellen. Der Schluß beschäftigt sich mit der
Hilfsaktion in Ostprentzen.
Es wird dabei hervorgehoben, daß es felbstverstäubliche Pflicht der Allgemeinheit ist, die hart betroffene Bevölkerung dafür, daß sie zum Heil des Reiches schwere Opfer bringen mußte, im vollen Umfange schadlos zu halten. Es handelt sich dabei auch darum, die Flüchtlinge, solange sie an der Rückkehr nach der Heimat gehindert sind, mit Unterkunft und Unterhalt zu versorgen. Die Znrttckgehendeu müssen vor weiterem Elend geschützt und ihr gesperrter oder vermieteter Haus- oder Nahrungsstand wiederhergestellt werden, so u. a. durch Beschaffuug von Nahrutigsinittelu, Materialien, Saatgut, Frucht und Düngemitteln. Zur Durchführirng aller dieser Ausgaben ist durch Allerhöchsten Erlast eine Hilfskommission eingesetzt, die als Beirat der Staatsbehörden für die Hilfsaktion leitende Grundsätze aus- arbeitet, und durch örtliche Kommissionen, Kriegshilfe- Ansschüsse, unterstützt werden sollen. Besondere Maßnahmen sind zur Entlastung der von der Invasion betroffenen Kommnnalverbände bei den laufenden Ausgaben ihres Haushaltes für das Jahr 1914 vorgesehen. Zu diesem Ziveck sind Beträge bis zu 5% Millionen Mark vorgesehen. Auch Kircheugemeittden können unterstützt werden. An einer in Ostpreußen inzwischen gegründeten Kreditbank ist der Staat mit dem Doppelten der aus der Provinz fließenden Einlagen beteiligt. — Nach der Begründung läßt sich zurzeit uoch nicht übersehen, welche Beträge zum Wiederaitfbau der betroffenen Ostprovinzen nötig sind, doch müssen vierhundert Millionen Mark dafür bereits gehalten werden.
Die Annahme der preußischen Kriegsvorlage gilt als sicher.
o-t Berlin, 21. Oktober. (WTB.) Die etumtittge Annahme der Kriegsvorlage im preußischen Landtage gilt als sicher. Die „Deutsche Tageszeitung" begrüßt vor allem die Anerkennung des Grundsatzes, daß die Allgemeinheit für die Kriegsschäden in Ostpreußen auf- zukommen habe.
Aus einer koken Stadt
Man schreibt der „N. G. C." aus dem Westen: Herbstlich kühl weht ein scharfer Luftzug über die Felder und macht die bärtigen Landwehrmänner frösteln, die an dem zerschlagenen, französischen Grenzpfahl Wacht halten und die dumpf herübertönenden Kanonenschläge lauschend zählen. Ihre Augen wandern hinüber zu den armen Landleuten, die mühselig zusammenscharren, rvas an verbrannter, zerstampfter Ernte noch auf den Felderrr lagert, und wandern weiter zu abenteuerlich aus dem grauen Nebel aufragenden Wändect und Zacken. Auch ich schaue wie nebannt nach den phantastischen Gebilden aus. Immer näher bringt mich das Militttranto in rasender Fahrt. Da weicht der Nebel und — ein tiefer- schütterndes Bild — die stummen, zerschossenen, verbrannten Zeugen einer ezitsetzlichen Kampfesrlacht, die traurigen Reste einer einstmals blühenden Stadt stehen vor mir. Kein Lebewesen weit und breit, weder Mensch, noch Tier. In den leeren Straßen Hallen meine Schritte wie in einem Grabgewölbe. Rauchgeschwärzte Hausmauern schauen aus leeren Fensterhöhlen auf den einsamen Wanderer. Zersplitterte Fensterrahmen hängen in die Luft und lassen, wenn der Wind sie bewegt, einen ächzenden Laut erklingen, als wehklagten noch die Menschern die einst in diesen Häuserri hausten und nun, Opfer ihrer eigenen Heimtücke, in ihrem Heim den Tod fanden. Zusammengestürzt sind die Zimmerwände, die Eisenträger verbogen durch die Feuersglut, als krümmte« sie sich vor Schmerz, und tief begraben unter dem auffletürmten Steingeröll liegt all die Habe, die einst die Räume schmückte, Spinde, Truhen, Stühle, Bilder, Geld und Gut und — Menschenleiber. All die Menschen, die einst hier glücklich lebten, bis die Kriegsfurie sie auf- jagte, ihren Haß entflammte und sie anstachelte, den Feind ihres Vaterlandes heimtückisch niederzuknallen. Das mußten sie büßen in gerechter Notwehr, büßen in der schnellen Ahndungsform, die nur der K-rieg kennt, öüfien mit dem Leben und dem Verlust ihrer Habe. Als aus den Fenstern die Kugeln auf unsere braven Soldaten niederprasselten, als selbst Maschinengewehre vom Kirchturm herab Tod und Verderben brachten, da mußten die Brandgranaten in die Häuser fliegen, um in den Flammen diesen Feind zu vernichten, da mußte der Kirchturm weggefegt werden, der zum wenschenmorden- den Kampfe benutzt wurde.
Prasselnd niederstürzende Mauersteine schrecken mich auf. Ich lese in verwischten Buchstaben „Cast; de la paix" und „Caf6 de renaissance." Die Wiedererstehung? Wann wird sie kommen? Ein metallischer schriller Ton klingt durch die Kirche. Der Wind hat die letzte Kirchenglocke zum Schwingen gebracht. Ich schreite weiter durch die öden Straßen. Da sitzt eine junge Frau vor einem Trümmerhausen, wohl ihrem einstigen Hause Leer ist ihr Blick. Kein Wort, keine Frage, als ich grüßend vor- beischreite, doch als ich rückwärts schaue, sehe ich sie schluchzen, herzerschütternd."
Weitere Drahtnachrichten.
Brand einer englischen Marine;^ erst.
** Rotterdam, 21. Oktober. (T.-U.) Aus London wird dem „Rotterdamschen Nieuwsblad" gemeldet: Die Marinewerft in Sherneß steht in Brand.