Einzelbild herunterladen
 

Der deutsche Vormarsch in Ost und West

Der österreichische Schlachtbericht. Englands Versagen als Landmacht.

Die Lage in Nordfrankreich

Großes Hauptquartier, 20. Oktober, vormittags.

(Amtlich). Die deutschen von Ostende längs der Küste voraeüenden Truppen stießen am Yser-Abschnitt bei Rieuport auf feindliche Kräfte. Mit diesen stehen sie seit vorgestern im Gefecht. Auch wurden neue Angriffe des Gegners westlich Liste unter starken Verlusten für den Angreifer ^abgewUstm hat sich nichts

Wesentliches ereignet.

Im Laufe der neubegonnenen, der zwölften Kriegs- woche dürften auf den beiden großen Knegsschauplatzen, in Ost und West, wichtige Entscheidungen zu erwarten sein, denn die einzelnen kriegerischen Begebnisse der letzten Zeit drängen zu den unvermeidlichen Haupt- schlägender nahe gegeneinander gerückten feindlichen Armeen. Nach einer Ankündigung der russischen Heeres- leitung soll den Deutschen und Oesterrerchern alsbald eine Riesenschlacht geliefert werden, zu der g^alt ge Heeresmassen rechts vom mittleren Laufe der Weichsel, etwa von Warschau zur Festung. Jwangorod und in weiterer Fortsetzung bis Sandomw und nach Galizien hinein, zusammengezogen sind. Der russischen Aufstellung zwischen Warschau uns Jwangorod sind in der vergange­nen Woche bereits wuchtige Vorstöße auf derselben ßtnte in westlicher Richtung vorangegangen. Unsere Truppen haben aber nicht nur die Vorhut des Feindes unweit -er Festung Warschau geworfen, sondern auch acht feind­liche Armeekorps, also etwa 3(11) 000 Mann, „über die Weichsel" zurückgetrieben, wobei 8000 Gefangene und 25 Geschütze in unseren Händen verblieben. Von den Weichselfestungen zum Schutz des Stromübergangs steht gegenwärtig im Brennpunkt des Ringens Warschau, in dessen Umgebung bereits seit einigen Tagen erbitterte Kämpfe im Gange sind. Von diesem Stützpunkt für den rechten Flügel der zarischen Hauptmacht reicht die Schlachtliuie in über 300 Kilometer langer Ausdehnung südwärts und folgt dort, wo sie die galizische Grenze erreicht, dem Lause des Sau nach der österreichischen Fest Durch d^ie" öfter reich ischen Operationen sind die Rus­sen überall über -eil San zurückgeworfen worden. Zur Linken ist der wichtige Brückenkopf Saudomir mit stür­mender Hand genommen, und das erfolglos belagerte Przemysl freigemacht worden. Oestlich und südöstlich davon in der Richtung auf Lemberg und zum Dnjester- sluß hin wurden die dort noch befindlichen russischen Truppenteile aus dem schwierigen Gelände an den Ab­hängen der Karpathen allmählich zur russischen Grenze getrieben. Das Fortschreiten der Südgruppe der ver­bündeten Heere leistet den deutschen Kämpfern an der mittleren Weichsel gute Dienste, indem es beträchtliche Streitkräfte des Feindes im Süden festhält. Hoffent­lich gelingt es, mit vereinten Kräften dem russischen Millionenheer, das an der Weichsel, am San und Dniestr in ungeheurer Schlachtfront aufmarschiert ist, so schwere Niederlagen beizubringen, daß es feine Stel­lung aufgeben und sich zurückziehen mup. Damit wäre für den Krieg im Osten ein sehr großer Erfolg errungen. Südpolen bis zur Weichsel würde dadurch in unseren unbestrittenen Besitz gelangen, und Galizien würde von dem fremden Raubgesindel frei werden.

Die Sicherung Ostpreußens gegen neue feindliche Einfälle wird von den deutschen Truppen, wie aus einer amtlichen Meldung zu ersehen ist, fortgesetzt.

Im Westen sind die deutschen Truppen beim Nach- drängen hinter den flüchtenden belgischen Heerssteilen mit den bis au die Nordsee vorgeschobenen französischen Kolonnen wiederholt in Kampf geraten, ohne daß sich im Augenblick mit Sicherheit angeben läßt, welche Stel­lung die beiden Fronten gegeneinander einnehmen. Nach französischen Behauptungen werden die Unseren noch auf einer Linie festgehalten, die von Ltlle nach Ost- ende geht. Im Widerspruch hierzu ist aus den deutschen Mitteilungen über einzelne Gefechte zu folgern, daß wir bereits viel weiter vorgedrungen und in der Nähe des französischen Hafens Dünkirchen angelangt sind. Der linke Flügel der Franzosen, mit denen einige Trümmer der belgischen Armee sich vereinigt haben dürften, wäre dadurch zum Rückzug genötigt worden.

Die Lage in Nordfrankreich.

o-t Berlin, 21. Oktober. (WTB.) Nach Rotterdamer Meldungen verschiedener Blätter erzählen von der Grenze kommende Holländer von einer heftigen Schlacht bei Nyvern. Alle verfügbaren deutschen Kräfte seien zur Schlacht beordert. In Gent seien zahlreiche Ver­wundete eingetroffen.

Amsterdam, 21. Oktober. (WTB.) „Nieuwes van den Daag" meldet aus Sluis: In verschiedenen Orten des südwestlichen Seelands ist starker Kanonendonner gehört worden. Aus Vlissingen meldet das Blatt, in

5m feinten Osten.

Roman von O. Elster.

2) (Nachdruck verboten.)

»Ach ja," seufzte Heinz. „Es war eine schöne Zeit. Aber das wird nun auch anders werden. Du wirst eine vornehme, reiche junge Dame und ich ein schmutziger Schiffsjunge — da passen wir nicht mehr zueinander ..."

„Sprich nicht so," unterbrach sie ihn lebhaft. „Ich werbe stets Deine Freundin bleiben. Vergiß Du mich nur nicht, wenn Du da draußen in der weiten Welt bist."

»Ach, das hat keine Gefahr, Ellen . . ."

„Ja, wer weiß? — Aber jetzt muß ich fort, Heinz. Meine Miß wartet auf mich, wir wollen einen Spazier- ßang machen. Lebwohl, lieber, lieber Heinz, und alles Ensche ich Dir von ganzem Herzen .. ."

Stimme stockte und die hellen Tränen perlten fpnrM taugen. Auch Heinz wurden die Augen rnl^L .^s^S^M) schlang sie die Arme um seinen Jtacten und küßte ihn auf den Mund.

H^M, und vergiß mich nicht . . " fitmi verschwand im nächsten Augenblick Wdregen ^ Gebüsch aus Syringen und

Der arme Junge stand eine Weile wie verzweifelt da und sah der zierlichen ElfengestE feiner w

Freundin mit träumenden Augen nach Der Traum seiner glücklichen Knabenzeit, seiner erwachenden'Jüna ltngsseele war ausgeträumt, mit ernstem strenaem Auge blickte ihn das Leben an. Langsam und in G^ danken versunken, ging er dem elte^Ä zu.

„Bist wohl wieder mit dem Millionärstöchteriern KffWS"4 SX kmze^PfeA zwischen den ML m »tr u- "

Brügge zeige die starke deutsche Besatzung ausgesproche­nes Wohlwollen gegen die Bevölkerung. Es herrsche dort völlige Ruhe. Die Deutschen erhielten bedeutende Verstärkungen.

Englands Versagen als Landmacht.

Das Kopenhagener Blatt „Politiken" bringt einen Leitaufsatz über das englische Heer. Das Blatt hebt hervor, daß England beim Kriegsausbruch sofort bereit gweseu sei, den Kampf zur See aufzunehmen. Dagegen befinde sich England in dem Kampfe zu Land noch jetzt im Stadium der Vorbereitungen. Englands Interesse liege deshalb darin, -en Krieg möglichst in die Länge zu. ziehen, um nach und nach genügende Hilfskräfte aus den verschiedenen Teilen des Reiches zusammenzuziehen. Wenn Lord Kitchener betont habe, daß England zu Lande um so stärker werde, je länger der Krieg dauere, so sei dies kein leeres Wort. Eine andere Frage sei die, ob der Krieg wirklich so lange hinausgezogen n(er­den könne, daß England die Früchte seiner wachsenden militärischen Kraft zu Lande werde ernten können. In England sei man anscheinend in dieser Zeit sehr beun­ruhigt, weil es den Anschein habe, als werde es den Deutschen gelingen, eine viel raschere Entscheidung, wenigstens auf dem westlichen Kriegsschauplatz hervor- zurufen. Die Engländer versichern krampfhaft, daß der Krieg lange dauern werde, und daß die Aussichten Englands immer besser werden würden. Gerade diese steten Versicherungen bewiesen aber, daß in England Zweifel und Furcht ausfallend um sich greifen. Es sei fraglich, ob die Franzosen, die bisher die schwerste Last getragen haben, den Krieg aushalten können, bis Eng­land mit den Rüstungen fertig sei.

England bereitet sich auf Zeppelinbesuche vor.

Nach einer Meldung des „Daily Chronicle" geben die Festungskommandanten von Dover und Portsmouth allen Ausländern den Befehl, die Städte zu verlassen. In allen Kriegshäfen wurde eine Anzahl von Abwehr­geschützen gegen die -entschen Luftschiffe aufgestellt. In Sheffield, Birmingham und selbst in Edinburgh wnr= den die deutschen Fabriken untersucht, ob sie besondere Fundamente für Geschütze hätten.

Warum die Engländer nicht die versprochenen 50 000 Mann für Frankreich sandten.

»e^ Berlin, 21. Oktober. (WTB.) Znr Verteidi­gung Churchills behaupte« englische Blätter, England habe sich Frankreich gegenüber verpflichtet, 50 000 Mann über Gent zn schaffen, nm die Deutschen von Antwer­pen abzulenken und die deutschen Verpflegungslinien zn bedrohen, sowie dem deutschen rechten Flügel in den Rücken zu fallen. England habe seinen Anteil fertig gehabt, aber die Franzosen hätten ihre Pflicht nicht erfüllt.

Wie die vier Torpedoboote kämpfend untergingen.

»^ Christiania, 21. Oktober. (T.-U.) Aus London wird gemeldet: Der Kreuzer „Undaunted" kam gestern nachmittag mit den vier Torpedobootszerstörern nach Harwich und wurde dort von einer ungeheuren Menge mit großer Begeisterung empfangen. Es wurde be­richtet, daß -er Kreuzer zusammen mit den Torpedo- jägern Harwich verlassen hatte, um Patrouillendienst zu tun. Nachdem er wochenlang kein feindliches Schiff gesehen hatte, so war er erstaunt darüber, vor der hol­ländischen Küste deutsche Torpedoboote zu finden. Durch ein geschicktes Manöver sei es gelungen, diesen den Rück­zug abzuschneiden und ihnen den Kampf gegen die Uebermacht aufzuzwingen, den sie dann mit großer Tapferkeit ausfochten. Der Kreuzer konnte das Feuer seiner großen weittragenden Geschütze auf zwei der feindlichen Torpedoboote konzentrieren, während die Torpedojäger gegen die beiden anderen deutschen Schiffe losgingen. Ein englischer Zerstörer hatte sofort den Schornstein des einen deutschen Torpedobootes wegge­schossen und ihm so starke Beschädigungen beigebracht, daß er nach einer halben Stunde sank. Die anderen drei Boote seien zusammen gesunken, nachdem sie bis zum Aeutzersteu gesümpft hatten. Der ganze Kampf habe eineunöeinehalbe Stunde gedauert.

Wie die gesunkenen vier deutsche« Torpedoboote fochten.

6-#- Rotterdam, 21. Oktober. (WTB.) Nach dem „Nieuwen Notterdamschen Courant" erklärte der Kapi­tän eines Dampfers, der Zeuge des Gefechts in der Nordsee war, ein englischer Zerstörer sei durch ein Tor­pedo getroffen worden. Anscheinend habe anf ihm eine Kesselexplosion stattgefnnden.

®-£ London, 21. Oktober. (WTB.) Der Kreuzer „Undaunded" und vier Zerstörer, die in Harwich an-

„Ja, Vater," entgegnete Heinz ruhig, „ich habe von Ellen Abschied genommen."

„Es ist nur gut," brummte der Alte, „daß die Kin­derei jetzt ein Ende hat. Wollt' schon immer mit Dir oa- rüber reden, Junge, aber ich dacht' mir, daß der frische Seewind die kindischen Mucken schon vertreiben würde. Schiffsjunge und Millionärstochter passen nicht zu­sammen."

„Der Schiffsjunge kann ja auch noch einmal Millio­när werden, Vater," sagte Heinz lachend.

„Dummes Zeug! Werde ein ordentlicher Kapitän, wie Dein Vater und Dein Großvater, dann bin ich schon zufrieden."

„Das verspreche ich Dir, Vater ..."

„Na, dann ist's gut. Und nun geh' zu Muttern."

Der alte Seemann wandte sich seinen Rosen wieder zu. Für Sentimentalitäten war er nicljt eingenommen. Er hatte von seinem sechzehnten Jahre an die Schiffs- planken unter den Füßen gehabt, hatte sich auf Walfisch- fäugern die Nordstürme des Eismeeres um die Nase wehen lassen, war von der Sonne des Aequators ge­braten worden und hatte mit Wind, Wetter und Wellen gesümpft mit furchtlosem Herzen und gottvertrauender Seele. Da war für Sentimentalitäten kein Raum ge­blieben, und als er sich mit sechzig Jahren in dem klei­nen Hause, von dessen Fenstern man die See da draußen ; schimmern sah und die vorübergleitenden Schiffe beob­achten konnte, niedergelassen hatte, da war sein einziger Gedanke gewesen, seinen damals zwölfjährigen Jungen ; zu einem tüchtigen Seemann zu erziehen, und die Seele und das Herz des Knaben zu stärken und zu stählen, daß sie allen Stürmen des Lebens und des Meeres mutig i standhalten konnten.

Und das war ihm öenn auch gelungen. Schlank und rank an Körper, stark und gesund an Seele und Herz, war Heinz zu einem prächtigen, siebzehnjährigen Jüngling herangewachsen, -er mit Leohem Mut dem ar-

kamen, erzählen über die Kämpfe in der Nordsee: Die deutschen Torpedoboote fochten tapfer gegen die Neber- macht. Der Kreuzer, der durch die Begleitschiffe gegen Torpedoangriffe geschützt war, feuerte auf 5 Meilen Entfernung. Die deutschen Torpedoboote sanken nach­einander bis znletzt tapfer kämpfend. Das Gefecht dauerte Stunden.

Was die Vernichtung des englischen Unterseebootes „E. 3" bedeutet.

»g* Wien, 21. Oktober. (WTB.) Das Fremden­blatt schreibt zur Vernichtung des englischen Untersee­bootes „E. 3": Dieser neue Erfolg der deutschen Marine sei geeignet, das neugemeckte Sicgesbewutztsein der englischen Marine auf die Vernichtung der vier deut­schen Torpedoboote umsomehr zu erschüttern, als es sich um ein Unterseeboot modernsten Typs handle.

Der österreichische Schlachtbericht.

es* Wien, 21. Oktober. (WTB.) Amtlich wird verlautbart vom 20. Oktober: Die Schlacht in Mittel- galizien hat an Heftigkeit zugnomm«. Unser Angriff gewinnt stetig an Ranm. Viele Russen, darunter ein General, wurden wieder gefangen genommen und Ma­schinengewehre erbeutet. Die Stellungen südlich von

uns

Strwiaz, Körzusmez« und Serazh wurden von genommen. Anf der Adria fand am 17. Oktober mor­gens ein Scharmützel zwischen Unterseebooten nebst einem Luftfahrzeug und dem französischen Kreuzer Wal­deck Rousseau statt. Unsere Einheiten blieben unbe­schädigt. Das weiter seewärts liegende Gros entfernte sich bei Sichtung unserer Unterseeboote.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Generalmajor.

Ungehenre Verluste -er Russen bei Przemysl.

Wien, 21. Oktober. (WTB.) Nach öem Bericht- erstatter der „Reichspost" ist es ungeheuer, wieviele Tote ine Russen vor Przemysl gelassen haben. Weithin wa­ren Tod und Vernichtung gesät. Die Stürme der Russen sind schon vor den äußersten Verhauen zusammenge­brochen. Achtmal setzten die Russen neuerlich zum An­griff au, achtmal erstarb ihr Sturm in dem vernichten­den Reiter, das sie empfing. Uebereinstimmend melden die Kriegsberichterstatter, daß die Russen jeden Versuch der Verteidiger der Festung, die russischen Leichen auf dem Festungsglaeis zu begraben, durch heftiges Schrap­nellfeuer verhinderten, augenscheinlich, um eine Ver­pestung der Luft herbeizuführen und den Aufenthalt in der Festung auf diese Weise unmöglich zu machen.

Ein Bombardement im Hafen von Antivari.

w> Rom, 21. Oktober. (WTB.) Das „Giornale d'Jtalia" meldet aus Antivari: Als am 17. Oktober der

französische Dampfer „Liamone" mit Munition und Aeroplanen in Antivari eintraf, schleuderte ein öster­reichischer Flieger zwei Bomben auf ihn, die keinen Schaden anrichteten. Zwei weitere Bomben und eine Büchse mit Dynamit, die ein österreichischer Flieger auf den Dampfer warf, als dieser sich bereits auf hoher See befand, verursachten ebenfalls keinen Schaden. Am folgenden Tage drangen zwei österreichische Schiffe, von Cattaro kommend, in den Hafen von Antivari ein und bombardierten den Dampfer heftig, worauf sie sich beschädigt entfernten

von

UN-

Valona von italienischen Truppen besetzt?

»^ Berlin, 21. Oktober. (WTB.) Der Mailänder Secolo will ans Rsm nstffen, Valona sei von italieni­schen Truppen besetzt worden. Eine Bestätigung der Nachricht bleibt abznwarte».

Protest gegen die serbische Schreckensherrschaft in Mazedonien.

^ Sofia, 21. Oktober. (WTB.) Das sozialistische Blatt Naroö wendet sich in schärfster Weise gegen die Schreckensherrschaft der Serben und Griechen in Maze­donien und erklärt es für die geheiligte Pflicht, daß Bulgarien die bulgarische Nationalität in Mazedonien verteidige.

Der Heldenkampf im fernen Osten.

Das Londoner Hetzblatt „Daily Mail" berichtet, nach einer Meldung des „Ha. Ku." aus dem Hang, daß die Japaner den Tsingtau beherrschenden Prittz-Hein- rich-Hügel mit einem Verlust von 150 Toten besetzt hätten.

Wenn auch die Berichte der „Daily Mail" nicht son­derlich glaubwürdig sind, so wird man doch fürchten müssen, daß die Tapferen in Tsingtau über kurz oder laug der Uebermacht der auf sie losgelassenen Meute erliegen werden, zumal auch, wie von englischer Seite berichtet wurde, inzwischen zwei Forts von den Be­lagerern besetzt sein sollen. Eine Bestätigung dieser Nachrichten liegt aber noch nicht vor.

beits- und gefahrenreichen Leben des Seemanns ent- gegenging. Auf dem großen Hamburger Segelschiff „Christian", das der reichen Firma Gebrüder Wellersen gehörte, sollte Heinz seine Lehrzeit beginnen, und wenn Frau Anna Maria Erichsen dn Wunsch aussprach, ihren Jungen noch ein Jahr daheim zu behalten, dann wet­terte der alte Kapitän los und brummte und knurrte, daß Frau Anna Maria schon um des lieben Friedens willen schwieg und sich in den Willen ihres Gatten er­gab. Sie war ja auch eines Seemanns Tochter und hatte auch die See lieben gelernt die ersten Jahre ihrer Ehe, als sie ihren Christian auf seinen Reisen begleitete.

Ja, Heinz war groß und stark an Seele und Kör­per geworden! Aber wie in seines wackeren Vaters Herzen sich die heimliche Liebe für seine Rosen einge­schlichen hatte, daß er sie hegte und pflegte wie seine lieben Kinder, so lebte in Heinzens Herzen der zärtliche Gedanke an feine junge Freundin, an Ellen, das braun­lockige Töchterlein des reichen Fabrikanten. Wie Früh­lingswehen, wie Rosenduft, umschmeichelte diese erste Liebe sein erwachendes Jünglingsherz. Ellen war ja fast noch ein Kind, und kindische Freundschaft war wohl nur das Gefühl, das sie mit Heinz verknüpfte, aber Heinz fühlte bereits das Erwachen einer stärkeren und innige­ren Empfindung in seinem Herzen, über das er selbst nicht so recht klar werden konnte. Wie die Wellen der See das Ufer überfluteten, wie sie heranrauschten und in schäumender Brandung an den steilen Felsen empor- schlugen, so durchfluteten die Gedanken und Träume das Herz des Jünglings, Gedanken der Sehnsucht, Träume der Hoffnung.

Aber wie die Wellen der See zurückfluteten unt versanken in dem weiten, unendlichen Meer, daß keine Spirr von ihnen zurückblieb, so sollten auch des Jüng­lings Gedanken und Träume untergehen und versinken in dem Meer des Lebens.

(Förtsstzung