Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^ für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 348. Donnerstag, den 33. Oktober 1014
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.
3m ßMtoie unserer Kaiserin.
22. Oktober.
In schicksalsschwerste, prüfungsreichste Zeit fällt diesmal der Geburtstag unsrer Kaiserin. Schlachten- donner grüßt ihn, wie er so gewaltig noch nie erlebt worden ist. Ihren Geburtstag begeht unsre Kaiserin im Zeichen eines Völkerkrieges, dessen blutiger Ernst ebenso tief und unmittelbar im Kaiserschlosse wie in der niedrigsten Hütte empfunden wird. Zum ersten Male verlebt die Kaiserin diesen Tag nicht inmitten ihrer vollzähligen Familie. Ihr Gemahl kämpft an der Spitze der Heere gegen die Feinde, und der Ruf zu den Waffen hat auch ihre sechs Söhne auf das Schlachtfeld geführt.
So ist auch unsre Kaiserin gleich den meisten deutschen Frauen und Müttern mit Blut und Gut, mit dem Dasein derer, die ihrer Liebe und Sorge zu- allernächst stehen, aus das cnoöv an des deutschen Volkes Geschick gebunden, über das der Krieg entscheidet. Der Krieg duldet keinen Unterschied. Alle ohne Schonung und Ausnahme unterstellt er dem Gesetz, daß jeder einzelne seinem Vaterlande Dienstpfllicht zu erweisen hat. Der Krieg, der das deutsche Volk zum Kampse um Leben oder Tod zwingt, macht alle nach dem Maße ihres Könnens und ihrer Stärke wehrpflichtig. Auch die Trägerin der Kaiserkrone. Auch sie fühlt, betätigt und bewährt sich, nach dem Pflichtbekenntnis Friedrichs des Großen, daß der Fürst des Staates erster Diener ist, als des Vaterlandes erste und getreuste Dienerin. Unsre Kaiserin erfüllt ihre Kriegspflicht mit dem Bewußtsein, daß sie als die deutsche Frau in verantwortungsvollster Stellung in gottgegebenem und gottergebenem Dienste des Ganzen durch opfersreudigste Hingebung das edelste Beispiel zu geben hat.
Von jeher hat die Kaiserin Auguste Viktoria für G^n Beruf angesehen, in der Liebesarbeit für ihr Volk vorbildlich voranzugehen und so wahrhaft die Landesmutter zu sein. Das Wesen ihrer Tätigkeit hat einft so umschrieben: „Nach Kräften werde ich bemüht sein, der Arbeit des Glaubens und der Liebe, die in unserm Volke zur Linderung des innern und Äußern Elends geschieht, mich dienend und anregend °«suschließen, um meine Pflicht gegen Gott und Menschen zu erfüllen." Was in diesem Sinne unsre Kaijerin schon im Frieden geleistet hat, trägt jetzt im Errege tausendfältig Früchte. Denn die Kriegsfttr- wrge, die vornehmlich weiblicher Wirksamkeit obliegt, bedeutet die erweiterte und verstärkte Fortführung der Werke christlicher Barmperzigkeit und Nächstenliebe, wie sie zuvor die Kaiserin geübt hat. Was heute in der Pflege für die Verwundeten, an Beistand für Hilfsbedürftige jeder Art geleistet, die allerwegen den Bedrängnissen und Nöten gewährt wird, die der der Krieg mit sich bringt, das ist zu gutem Teil der weitverzweigten Liebesarbeit mit zu danken, der sich in stiller, nicht ermüdender Treue unsre Kaiserin widmet.
Die Größe der Zeit erteilt dem Geburtstage unsrer Kaiserin besondre Weihe. Für unsre Fürsten und Fürstinnen kann es nichts Erhebenderes, Be- glückenüeres geben, als wenn die unzertrennliche Gemeinschaft von Fürstentum und Volkstum, der Einklang des fürstlichen und völkischen Denkens, Empfindens und Wollens zu reinem vollem Ausdruck gelangt. Was an ihrem Geburtstage unsre Kaiserin bewegt, was der Inhalt ihrer Gebete zu Gott dem Allmächtigen ist, das stimmt völlig mit dem zusammen, was alle deutschen Herzen erfüllt. Die Glück- und Segenswünsche, die seiner Kaiserin das deutsche Volk zu ihrem Geburtstage in Ehrfurcht und Liebe öar- bringt, decken sich mit dem, was überall zu unsers Vaterlandes Heil und Größe gewünscht und gehofft, erwartet und ersehnt wird: Daß unsern Waffen unter des Kaisers Führung allerwegen und bis zu ruhmreichstem Ende Sieg beschieden bleiben und daraus Segen ersprießen möge für unsre kaiserliche Familie, für Fürst und Volk irr allen deutschen Landen.
Bus der Heimat.
* (Helft unseren „blauen I u n g e n s!)" Das Wolfs Bureau verbreitet einen Aufrnf zur Spendung von Liebesgaben für unsere Marine, dem wir uns gern anschließen. Es heißt darin: „Je kälter und unfreundlicher die Witterung wird, um so mehr steigern sich auch alle die Anstrengungen, die an den Mut und die Ausdauer unserer Matrosen gestellt werden. Darum ist es vaterländische Pflicht, auch ihrer zu gedenken und dafür zu sorgen, daß auch ihnen während der Wache auf sturmdurchpeitschtem Meere Liebeszeichen aus der Heimat zukommen. Um so freudiger werden unsere „blauen Jungen" ihre schwere und verantwortungsvolle Pflicht tun. Drum, Ihr deutschen Frauen und Mädchen, Ihr Männer und Jünglinge Ihr Mütter und Bräute, zeigt, daß Ihr ein Herz habt für unsere ruhmreiche Marine. Stiftet Liebesgaben, jeder nach seinem Vermögen und Können. Auch die kleinste Gabe ist herzlich willkommen. Um eine Zentralstelle für die Sammlungen zu schaffen, hat sich die Prinzessin Eitel Friedrich von Preußen in den Dienst der guten Sache gestellt. Alle für die Marine, nicht für einzeln bezeichnete Personen, bestimmte Liebesgaben, wie Wollsachen, möglichst schon gewaschen, Rauchvorräte, Grog und was sonst eines Seemanns Herz erfreuen könnte, werden Donnerstag und Freitag in Potsdam im Königl. Stadtschloß Marmorsaal, Mittwoch und Sonnabend in Berlin im Königl. Schloß Archivsaal in der Zeit von 11 bis 1 Uhr entgegengenommen. Es ist dafür gesorgt, daß alle Spenden auf dem schnellsten Wege an die Marineteile abgehen."
* (Seid sparsam im Benzin verbrauch.) Wie wir von zuständiger Seite erfahren, muß mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß das Benzin später wieder gesperrt wird. Allen Beteiligten ist deshalb dringend anzuraten, die Kraftwagen, soweit dies noch nicht geschehen ist, schon jetzt für den Benzolverbrauch einrichten zu lassen, wozu im allgemeinen eine geringfügige Veränderung des Vergasers genügen wird. Die größte Sparsamkeit im Verbrauche des Benzins ist geboten. Je mehr sie geübt wird, desto weniger ist mit der erneuten Beschränkung des Benzm- bezuges zu rechnen.
8 Hersfeld, 21. Oktober. Sendungen von freiwillig gewendeten Gaben jeder Art, z. B. von Lebensmitteln, Kleidern, Decken, Betten, Hausgeräten, Brennstoffen, Kartoffeln, Heu, Stroh, Rüben, Saatgut, Düngemitteln usw., die zur Linderung des durch den Krieg tn Elsaß-Lothringen eingetretenen Notstandes an Behörden, gemeinnützige öffentliche Ausschüsse (Komitees) und Sammelstellen zur unentgeltlichen Verteilung abgegeben werden, werden bis auf weiteres auf den Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen einschließlich den Wilhelm Luxemburg Elfenbahnen sowie aus den preußisch-Hessischen Staatseisenbahnen frachtfrei befördert. Ebenso genießen bis auf weiteres Frachtfreiheit Sendungen von Lebensmitteln,Kleidern, Dicken Betten und Hausgeräten, wenn sie für den bezeichneten Zweck von Behörden, gemeinnützigen üffentticken Ausschüssen (Komitees) und Sammelstellen ans staatlichen oder aus freiwillig gespendeten Geldern beschafft und bezogen werden.
8 Aerdfclb 21. Oktober. Nach einer ergangenen Npfannimachuna des Magistrats sind Anträge auf KÄimS tahrholzes 1915 gegenwärtig im Stadtkassenlokal anzubringen. Die Frist hierfür geht mit dem 23. ds. Mts. zu. Ende. Spätere Bewerbungen können nicht berücksichtigt werden.
8 Hersfeld, 21. Oktober. Ueber die Re kruten- E i n st e l l u n a sind dem Vernehmen nach folgende Bestimmungen getroffen worden: Die noch im Frieden und zwar im Mai und Juni d. Js. ausgehobenen Rekruten werden nur nach Bedarf eingezogen, beginnend bei den älteren Jahrgängen. Wahrend etn Teil dieser Rekruten schvnelngesteütworden ist, hat ein anderer Teil die Gestellungsbefehle erhalten. Die erst nach Kriegsausbruch tm August d. I ausgehobenen Rekruten werden vorläufig noch nicht eingestellt. Ihre Einstellung ist noch nicht bekannt. In den letzten Tagen ist ein Teil der Er,atzre,erve ernberufen worden.
8 Hersfeld, 21. Oktbr. Schwere Urkundenfälschung und Erpressung wurde dem noch nicht vorbestraften Landwirt F. aus Obergeis in letzter Strafkammer- sitzung zur Last gelegt. Er hatte am zweiten Oster- tage von dem Vertreter einer Maschinenfabrik eine Zentrifuge auf Abzahlung gekauft. Dreißig Mark zahlte er an, worüber der Vertreter auf der Rechnung quittierte. Der Angeklagte behauptete später, 50 Mk. bezahlt zu haben und darüber sei auch quittiert worden. Die Rechnung zeigte auch das Wort fünfzig, allerdings war es mit anderer Tinte über das zuerst geschriebene
Wort dreißig vorsichtig hingezogen. Als der Vertreter dabei bleib, nur dreißig Mk. erhaltet! und auch nur darüber quittiert zu haben, richtete der Angeklagte einen Drohbrief an die Ehefrau des Verkäufers und drohte damit, ihren Mann bet der Staatsanwaltschaft wegen Betrugs anzuzeigen. Die Strafkammer sieht den Angeklagten auf Grund der Beweisaufnahme für überführt an und erkannte aus 1 Jahr Gefängnis.
):( Hersfeld, 21. Oktober. Das „Eiserne Kreuz" erhielten Leutnant B r e t h a u e r, Feld-Art.-Regt. Nr. 11. — Hauptmann S t e u d n e r, Chef der zweiten Batterie des Feld-Art.-Regts. Nr. 81 (von 1904-1910 Jnspekttons-Offizter der hiesigen Kriegsschule). — Reserve-Leutnant Körber aus Unterhaun,Jnf.-Regt. Nr. 88. — Karl Kübler aus Heringen Res.-Jnf.- Regt. Nr. 71. — Karl Breuer, (S. M. S. „Goeben") aus Rotenburg.
Heringen (Werra), 20. Oktober. Ueberfahren wurde der Bierkutscher der Ziun'schen Brauerei in Berka a. W., namens Kohlhaäs. In Gospenroda wollte er, wie die „Eis. Tagesp." meldet, Bier abladen, als der Wagen auf noch nicht aufgeklärte Weise ins Rollen kam und den K. Überfuhr. Der Tod trat kurz darauf ein. Der Unglückliche war erst 31 Jahre alt und hinterläßt Frau und zwei unmündige Kinder.
Adressiert die Feldpostsendungen richtig.
Diese Mahnung kann nicht oft genug wiederholt werden. Vom Publikum wird immer über das völlige Versagen der Feldpost geklagt, daß es aber selbst einen großen Teil der Schuld trägt, daran denkt kein Mensch. Stieß anfangs die Adressierung und Beförderung der Sendungen an die mobilen Truppen auf Schwierigkeiten, so sind es jetzt die Briefe und Pakete an die immobilen Truppen, den Landsturm, die wegen ungenügender und falscher Adressierung nicht befördert und an die Absender wieder zurückgeschickt werden. Wohl manchem alten Beamten mag bei dieser Beschäftigung das Herz bluten, wenn er derer gedenkt, wie denen wohl zu Mute ist, die draußen im Felde mit Sehnsucht auf Nachricht von Daheim warten. Um diesem Uebel zu steuern, möge es mir vergönnt sein, hier einiges zur Aufklärung zu erörtern.
Gleich vorweg sei erwähnt, daß Postsendungen an Landsturmleute nie mit irgend einer Nummer versehn sein dürfen. Die Landsturmbataillone erhalten als Bezeichnung keine Nummer, sondern sie tragen den Namen des Standortes in der Heimat. Es heißt also beispielsweise ein in Frankfurt aufgestelltes Landsturmbataillon: „Landsturmbataillon Frankfurt", ein in Hersfeld aufgestelltes „Landsturmbataillon Hersfeld usw. Diese Namen behalten nun die einzelnen Bataillone, einerlei, ob sie an dem betreffenden Ort, sonstwo im Lande, oder gar in Feindesland Verwendung finden.
Werden nun mehrere Landsturmbataillone im gleichen Ort aufgestellt, so erhalten diese Bataillone zur Unterscheidung Nummern. Nehmen wir einmal an, in Friedberg oder Darmstadt werden je vier Landsturm-Bataillone aufgestellt, so tragen sie alle den Namen Friedberg bezw. Darmstadt, und zwar: „1 Landsturmbataillon Friedberg": „8. Landsturm- bataillon Darmstadt". Ganz verkehrt ist es, Sendungen an die Landstürmer mit Regiments- oder Brigadenummern zu versehen. Hierfür ein Beispiel: Eine Sendung ist adressiert: „An den Landsturmmann N. N. Landsturmbataillon 42". Die Nummer 42 sagt, daß das Bataillon im Bezirk der 42. Landwehrbrigade aufgestellt ist. In diesem Bezirk wurden Bataillone in Frankfurt und Hanau ausgestellt. Die Zahl sagt nicht, wo das betreffende Bataillon seinen Standort in der Heimat hat) die Beförderung ist also ausgeschlossen. Die Sendung wäre richtig zu adressieren: „An den Landstnrmmann N. N., Landsturmbataillon „Hanau" (oder Landsturmbataillon „Frankfurt*). Hin- zuzufügen ist nur noch die Kompagnie, dann haben wir die richtige und genaue Adresse an einen Landsturmmann, dessen Bataillon seinen Standort verlassen hat.
Bei Sendungen an Angehörige solcher Bataillone, die sich noch in ihrem Aufstellungsort befinden, ist der Ortsname stets anzugeben. Diese Adressen haben zu lauten: An den Landsturmmann N. N., 10. Kompagnie, Landsturmbataillon „Hanau" in Hanau. Die Hinzufügung des Ortsnamens ist überaus wichtig, da andernfalls die Sendung an das im Felde stehende Bataillon gleichen Namens geht. Natürlich ist bei diesem Bataillon auch anzugeven, ob es sich um das 1., 2. oder n. Bataillon handelt.
Für Landsturmformationen der Kavallerie Artillerie und Pioniere und sonstiger Spezialtruppen ist neben der Nummer des Armeekorps auch die Nummer des Eskadron, Batterie, Kompagnie usw. anzugeben. Bei der Artillerie ist wiederum genau zu unterscheiden zwischen Feldartillerie und Fußartillerie. (ctr. Frkf.) r.