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,mmt, daß 6er letzte Kosak am Ural steht uns Der letzte französische Hausknecht aus Bordeaux vertrieben sein sollte, bann werden wir den Seekrieg gegen Deutschland beginnen, wie seinerzeit gegen Napoleon, als ganz Europa ihm zu Füßen lag. Noch sind wir aber nicht so weit, denn wenn Deutschland nicht sehr viel besser av- schneidet als bisher, werden die Verbündeten das Feld behaupten und fortfahren, einen gleichen dauernden Druck zu Lande auf Deutschland auszuüben, wie wir zur See ihn bereits ausüben.

Man darf sich allmählich wirklich wundern, daß die Verbündeten Englands diesen kalten Hohn des Krämer- volkes, das seine Politik hier geradezu schamlos ent­hüllt, noch ruhig hinnehmen. Das ist also der Sinn des Krieges gegen Deutschland, baß Frankreich und Ruß­land ein Jahr lang den Kampf allein durchführen sollen, daß das französische Volk sein Land durch den Krieg so lange verwüsten lassen, ja es dem Feinde völlig preis- geben soll, bis die Stunde schlägt, da das gottselige Eng­land nun seinerseits mit dem Kriege beginnt. Ob diese infame Rechnung, daß die Völker des Kontinents sich nur zu schlagen Haben, damit England eine WeMerr- schaft über den Schlachtfeldern dieses Krieges errichtet, nicht doch vielleicht ein Loch hat? Denn ist es nicht mög­lich, daß das von England verratene und preisgegebene französische Volk beim Rückzüge aus Bordeaux seine in­nigsten Wünsche dahin zusammenfatzt, einen riesenhaften Hausknechtsstiefel zu besitzen, um mit dessen Absatz John Bull einen Tritt zu versetzen, daß er auf Zeit und Ewig­keit das Sitzen vergißt? Vielleicht erleben wir das noch.

Wie die englischen Bundesgenosten in Frankreich anftreten.

9s* Berlin, 20. Oktober. (WTB.) In Endhoven aus Südfrankreich eingetroffene holländische Kommissäre erzählen lantBerl. Lok.-Anz.": Die englischen Trup­penlandungen seien für die davon betroffenen Departe­ments ein Unglück. Alles werde von den in rücksichts­losester Weise auftretenden Bundesgenosten Frankreichs mit Beschlag belegt. John Bull versorge sich mit den Bodenschätzen Frankreichs, Unbekümmert -er an ver­schiedenen Stellen bereits ansgebrochenen Hungersnot,

Russische Riesenverluste vor Przemysl.

Sicherem Vernehmen nach geben nach Wiener Mel­dungen die Rnssen ihren Verlust beim Sturm anf Prze- mysr, den sie durch Flatterminen erlitten haben, nicht auf 40 000, sondern anf 70 000 Mann an. Russische Zei­tungen in Lemberg brachten diese Nachricht. In Lem- berg haben die Russen weniger Schaden angerichtet, als man anfänglich annahm.

Die Warschauer Bevölkerung zur Flucht aufgesordert.

Wie aus Krakau gemeldet wird, haben die städti­schen und Staatsbeamten in Warschau den Befehl er­halten, in dem Falle, wenn die deutschen Truppen 30 Meilen vor der Stadt sind, Warschau zu verkästen und nach Petersburg zu flüchten. Die Beamten sind schon bereit, jede Minute die Stadt zu verlassen. Die Be­völkerung Warschaus wurde aufgefordert, sich schleunigst schon jetzt aus der Stadt zu entfernen, weil die Festung, wie der Militärkommandant von Warschau bekannt gibt, mit allen Mitteln und bis zum äußersten verteidigt wer­den wird. Am letzten Sonnabend zeigten sich bei Raöok zwei Zeppeline, die von den Russen erfolglos beschossen wurden.

Wie derTägl. Rundsch." gemeldet wird, wird man auf Veranlassung des New Englisch Club in Petersburg eine sogenannte Waffenbrüderabteilung von englische« Rekruten bilden. Nach dem Petersburger Bericht soll die Anregung mit Begeisterung ausgenommen sein.

Wie es in Rußland aussteht.

Das in Konstantinopel erscheinende persische Blatt Haver veröffentlicht einen Brief seines Kiewer Korre­spondenten, in dem erzählt wird, daß in den letzten Tagen 25 000 russische Verwundete in Kiew eintrafen. Sie sind in der Nacht in die Spitäler übergeführt worden, um nicht die Aufmerksamkeit des Publikums auf sie zu ziehen. Alle öffentlichen Anstalten und großen Gebäude wurden in Spitäler umgewandelt. Die Verwundeten heben die Tapferkeit der oeutschen und der österreichisch- ungarischen Truppen lohnend hervor. Die russischen Behörden nehmen der Bevölkerung alles Hartgeld ab, worüber sie verfügen, indem sie es gegen Papiergeld umwechseln. Das Getreide der muselmanischen Bauern wird für geringes Geld requiriert. Die Militärbehörden haben alle Mühlen mit Beschlag belegt, was Teuerung zur Folge hat. Die Reichen verlassen die Stadt. Unter Christen und Muselmanen herrscht Unzufriedenheit mit der Regierung. Die Kosakengendarmerie patrouilliert Tag und Nacht, um einer Erhebung vorzubeugen. Die Briefpost und die Zeitungen sind unter strenge Zensur gestellt. Infolge des Alkoholverbotes-alte der russische Staatsschatz in diesem Jahre einen Ausfall von einer Milliarde Rubel zu verzeichnen gehabt.

Die deutsche schwere Artillerie.

sl^iN. Petersburg, 20. Oktober. (T.-U.) Die schwere ü^ bewährt sich wie auf dem westlichen so auch Adem östlichen Kriegsschauplatz. In Rußland gesteht /in, daß die schwere Artillerie der Deutschen m den hervor" ^ einen großen moralischen Eindruck

Kämpfe zwischen Kurden und Russen.

. **1 Konstantinopel, 20. Oktober. (WTB.) Aus Wan wird über «ene Kämpfe zwischen Knrden und Rus- berichtet. Die Russenflohen In Urei« herrscht Panik. Die Erbitterung gegen die Russen wächst.

Bon den Kämpfe« i« Oberungarn.

Aus Budapest wird derFrankfurter Zeitung" gemeldet:

Haben in ganz Legionäre teilge-

in den

, An den erfolgreichen Kämpfen in Oberungarn, besonders im Maramaroser Komitat, Haben in ganz hervorragender Weise die polnischen Legionäre teilge- nommen. Die polnische Legion setzt sich aus jungen, im Alter von 19 bis 20 Jahren stehenden Leuten, zu­meist Studenten aus Gattzien und Russisch-Polen zu­sammen. die mit einer heiligen Begeisterung gegen den Erbfeind und Bedrücker ihres Vaterlandes t

Kampf ziehen. Die Legionäre, die über eine glänzend ausgerüstete Infanterie, Kavallerie und Artillerie ver­fügen, operieren im Einvernehmen mit unsern Truppen, gehen jedoch als selbständige Einheit vor. Zur Teilnah­me an den Kämpfen in Oberungarn hatte die Armee- Oberleitung etwa 5000 Legionäre entsandt, die durch ihr forsches Vorgehen wesentlich mithalfen, die russi­schen Eindringlinge rasch aus dem Lande zu jagen. Be­zeichnend für die Kawpfesweise der Legionäre ist es wohl, daß sie kaum je gefangen werden,- von der rus­sischen Armee als Freischärler erklärt, wissen sie, baß im Fall der Gefangenschaft ihr sicheres Los ein schimpflicher Tod ist und kämpfen darum bis zum letzten Atemzüge. Sie geben aber auch keinen Pardon ...

In den Kämpfen im Visotal wurde in einem Mais­feld der Kosaken-Oberstleutnant Kamenow schwer ver­wundet und fast ganz nackt aufgefunden. Von unseren Soldaten ins Krankenhaus gebracht, war er sehr über­rascht, sich in ungarischer Gefangenschaft zu finden. Es wurde festgestellt, daß der Oberstleutnant, als er ver­

wundet vom Pferde stürzte, von seinen eigenen Kosaken für tot gehalten, seiner Barschaft, Ringe, Uhr und Stiefel beraubt wurde, worauf sie ihn seinem Schicksal überließen. Oberstleutnant Kamenow ist über das Vor­gehen seiner Leute sehr betrübt und erzählt, daß ihn seine Soldaten nun schon zum zweitenmal ausgeraubt haben, und zwar das erstemal vor zehn Jahren im russisch-japanischen Krieg, als er gleichfalls verwundet m einer Schlacht vom Pferde gestürzt war.

Die Helden von Tsingtau.

Aus einem Briefe:Unser Detachement hat um die Ehre gerungen, im Vorgelände mit dem Feind als erste «t kämpfen, und nach manchem Hin und Her uns diese Rolle zugewiesen. Wir wollen es ihm schon nicht leicht machen. Uns in den Festungswerken langsam abwür- gen zu lassen, widerstrebt zu sehr unserm militärischen Empfinden. Mit mir selbst habe ich abgeschlossen und denke mit vollster Ruhe daran, mein Leben so teuer als möglich zu verkaufen. Aber Euch möchte ich noch so gern noch ein liebes Wort sagen, und ich hoffe aus tiefem Herzen, daß dieser Brief Euch erreicht. Sollte dieser Ab­schiedsbrief unnötig sein, so denke ich, vorher telegra­phieren zu können. Und zum Schluß noch eine Hoff­nung: Möge auch, wenn Gott es so beschieden, mein Blut dazu dienen, unser Vaterland höher zu heben. Unser Wille ist, der Welt ein Beispiel zu geben, wie Deutsche sterben."

Die Kämpfe in Kamerun dauern fort.

9** Mailand, 20. Oktober. (T.U.) Nach einem Te­legramm aus Las Palmas an die ZeitungPublicidad" in Barcelona dauert der Kampf der englischen und fran­zösischen Truppen gegen die deutschen Kolonialtruppen in Kamerun fort.

Die englische Zeppelinfurcht.

Wie demBerl. Lokalanz" aus Kopenhagen be­richtet wird, glaubt man nach Londoner Meldungen in England nicht daran, daß die Deutschen eine Invasion dorthin ausführen können, solange die englische Flotte die Nordsee und den Kanal beherrsche. Ein Truppen­transport aus dem Kanal, wo vielleicht weittragende Kanonen den Schutz übernehmen könnten, würde immer durch englische Unterseeboote verhindert werden können.

Man sieht es dagegen als wahrscheinlich an, daß die Deutschen in einem geeigneten Hafen am Kanal eine Zeppelinstation errichten werden. Hiergegen haben die Engländer bereits umfassende Maßregeln getroffen, einesteils durch Unterbringung weittragender Geschütze in allen Türmen Londons, andererseits durch Auf­stellung einer Flottille, die immer an der ganzen Küste in Bewegung ist. Nachts sind alle Laternen mit Schir­men versehen, die ihr Licht nur nach unten werfen. Lon­don ist jetzt nachts nicht dnrch Lichtschein festzustellen. Wenn auch Zeppelinluftschiffe Kompasse und Entfer­nungsmesser anwenden und vielleicht die Lage der Stadt feststellen können, so ließen sich doch nicht die einzelnen Teile der Stadt ohne weiteres feststellen. Nach dem ge­ringen Ergebnis des Luftbombardements von Paris sehen die Engländer dem Luftbombardement mit Seelen­ruhe entgegen.

So ganz ruhig werden die Seelen der Londoner doch wohl nicht sein, sonst würden sie nicht andauernd sagen, baß sie von den bösen Deutschen nichts zu befürchten hätten.

England kaun die Neutralität Chinas nicht schützen.

Aus Neuyork wird Sem Reuterschen Bureau vom 15. d. M. gemeldet: Nach einem Telegramm aus Peking erwiderte Großbritannien auf den Protest gegen die japanische Inbesitznahme der Schantnng-Bahn, es sei nicht imstande, den Verbündeten zu verhindern. Japan habe keine Wahl gehabt, da die Eisenbahn den Deutschen gehört, die sie für militärische Zwecke benutzt hätten.

Die Begründung ist echt englisch. Erstens gehört die Bahn einer chinesisch-deutschen Gesellschaft und zweitens konnte die Bahn nur zu einem verschwindend kleinen Teile für deutsche militärische Zwecke benutzt werden. Die Besetzung des Endpunktes der Bahn durch die Ja­paner verfolgt ganz andere Ziele.

Chinesische Kriegsbeobachter.

Präsident Jüanschikai hat durch die Berliner Ver­tretung bei der Reichsregierung die Erlaubnis nachge­sucht, zwei bekannte chinesische Militärs auf deutscher Seite als Beobachter auf die Kriegsschauplätze entsen­den zu dürfen. Von Pekmg aus sind dafür der frühere Gesandte in Berlin, der Kriegsminister Yintschang, und der Admiral Chengäikang vorgeschlagen worden.

(Frkft. Ztg.)

Portugal hat den Krieg noch nicht erklärt.

9s* Berlin, 20. Oktober. (T.-U.) Bis jetzt hat Por­tugal nicht den Krieg erklärt. Es fehlt also noch die amtliche Bestätigung »er ans Bordcanx gemeldeten Nach­richt, daß es znm Kriege entschlossen ist. Aber wie die Franks. Ztg." schon vor einer Woche schrieb, über­raschend wird es niemand kommen, wenn auch Portugal dem Gebote Englands folgend einiges Kriegsvolk anf die Beine bringt, um die bunte Karte unserer Gegner im Westen noch um eine Nnanze zu vermehren. Politisch nnd militärisch fällt es wenig oder gar nicht ins Ge­

wicht.

Amerika verbietet den drahtlosen Verkehr mit Europa.

DieKöln. Ztg." erfährt aus Washington, daß die Regierung der Vereinigten Staaten auf dem Bundes- gebietekelueu drahtlosen Verkehr mit Stationen in den kriegführenden Ländern Anlässe Dasselbe gilt für Tele­gramme in verabredeter Sprache ober chiffriert^ Depe­schen aus diesen Ländern nach den Vereinigten staaten.

Dies Verbot wird, wie derSann. Kur." dazu be­merkt, eine Frucht englischer Einflüsse sein, denn allein Deutschland wird dadurch geschädigt. Unsere Kabel sind durch England zerstört. Bsser konnten wir noch draht­los unsere Nachrichten nach Amerika senden. Auch das soll uns also jetzt unterbunden werden. England trifft das Verbot nicht, denn es kann wegen seiner Kabel auf drahtlosen Verkehr verzichten.

kkiegsillerlel.

Der Kaiser bei den österreichischen Motorbatterien.

DasN. W. Tagblatt" meldet: Kaiser Wilhelm hat kürzlich Teile der österreichischen Mörserbatterien auf dem Marsche gesehen. Der Kaiser hat gegenüber dem delegierten Feldmarschalleutnant Grafen Sturghk seiner Freude Ausdruck gegeben, daß er Getzgenheit hatte, österreichische Artillerie zu sehen, und sich außeroröent- lich lobend über die Haltung der Truppen ausgesprochen. Der Kaiser hat nunmehr über fünfzig eiserne Kreuze an Offiziere und Mannichaften der mterreichtschen Mo­tormörserbatterien verliehen. Die Offiziere sind sämt­lich ausgezeichnet.

ein Telegramm des Kaistts an die Frankfurter Universität.

es* Berlin, 20. Oktober. (WTB.) Der Kaiser hat lautBerl. Lok.-Anz." an Rektor und Senat der am 18. Oktober ohne besondere Feierlichkeiten eröffneten Universität Franksurt telegraphiert, daß er gern die neue Pflanzstätte deutscher Bildung und Wissenschaft

eingeweiht haben würde, durch die notwendig gewor­dene Verteidigung des Vaterlandes aber hiervon abge­halten worden sei. Er hoffe, daß die akademische Ju­gend Deutschlands allzeit getragen sein werde von dem Geiste einmütiger Liebe zum Vaterlande, der jetzt unser deutsches Volk so stark und unbesiegbar mache.

Die Großherzogin von Luxemburg mit der Rote Kreuz-Medaille ausgezeichnet.

9-* Berlin, 20. Oktober. (WTB.) Der Kaiser hat der Großherzogin Marie Adelheid von Luxemburg und ihrer Mutter die Rote Krenz-Medaille 1. Klasse ver- Nehen.

Erzherzog Karl Franz Josef in Wien eingetroffe«.

o* Wien, 20. Oktober. (WTB.) Aus dem Kriegs, pressequartier wird gemeldet: Erzherzog Franz Joses traf abends in Wien ein, nm dem Kaiser Bericht zu erstatten. Der Erzherzog wird sich in einigen Tagen wieder anf den Kriegsschanplatz begeben.

500 000 deutsche und österreichisch-ungarische Reservisten in Amerika.

DerBoss. Ztg." wirb aus Stockholm berichtet: Dagcus Nyheder" läßt sich über London melden: Eine Depesche aus Neunork berichtet, daß die deutschen nnd österreichisch-ungarischen Konsuln in Network Mittei­lungen ausgesandt haben, nach denen 500 000 Reser­visten, die sich in Amerika aufhalten, zu den Fahnen ge­rufen morsen sind, aber außerstande sind, dem Befehl nachznkvmmen, weil England ihre Fahrt über den Ozean unmöglich macht.

Die deutsch-österreichischen Brüder.

»-* Cöl«, 20. Oktober. (WTB.) DieKöln. Ztg." berichtet von einer Budapester Firma, die in einem Schreiben an eine dentsche Firma ausdrücklich mitgeteilt habe, daß sie ihr gegenüber von dein gesetzlichen Mora­torium keinen Gebrauch machen werde in dem Bewußt­sein, daß die deutschen und österreichisch-ungarischen Ge­schäftsleute jetzt in gesteigerten! Maße anf einander angewiesen sind. Dieses Beispiel verdient Anerken­nung und Nachahmung.

Eine Kundgebung des amerikanischen Aufklärungs- Komitees.

9-* Berlin, 20. Oktober. (WTB.) Das amerikanische Ansklärungskomitee macht in einer für die englisch-ame­rikanischen Zeitungen bestimmten Knndgebnng allein England für den Krieg, für das Schicksal Belgiens und für die Kämpfe verantwortlich. Mit tiefer Entrüstung wurden die Entstellungen zurückgewiesen. Das ameri­kanische Volk wird zum Protest durch die durch England veranlaßte Teilnahme Japans an dem europäischen Kriege anfgerufen.

Ein Lob desMilitarismus".

Der frühere sozialdemokratische basische Landtags- abgeordnete Friedrich veröffentlicht in der Zeitschrift Der Krieg" einen Artikel über die dentsche Mobil- nmctmuo, worin es u. a. heißt:Unsere Kinder und Kinöeskinder werden noch davon erzählen, wie sich der angeblich seelenlose Mechanismus unserer Militärgewalt nur als ein Stück jener heiligen Ordnung erwiesen hat, die Friedrich Schiller eine Himmestochter nennt. Die Gewalt allein tut's nicht, aber ohne sie gibt es keine Siege. Die Ordnung allein tut's auch nicht, aber ohne sie ist alles verloren.... Und noch eins macht die Zurückbleibenden froh und leicht. Jetzt sah man auf den Straßen, wo die Millionen und Milliarden hingekom­men waren, die Jahr um Jahr durch die Militttrvor- lagen der Regierung gefordert wurden. Hier ging un­ser Fleisch und Blut, gut gekleidet, gut gestiefelt, gut gerüstet. Und auch die, welche gegen den immer unzn- frtedenen Militartsnius manches scharfe Wort Hatten fallen lasse!», danken jetzt heimlich Gott, daß im Reichs­tage auch gegen ihren Willen alles angenommen worden war. Denn wo wären wir sonst jetzt?"

Die Abreise der in Deutschland anfhältltchen französischen Staatsangehörigen gestattet.

9s* Berlin, 20. Oktober. (WTB.) Alle Französin­nen und Franzosen unter 17 nnd über 60 Jahren könne» jetzt über Schafshausen abreisen, da die Gegenseitigkeit gesichert ist. In Bern erhalten die Dnrchreisenden Hilfe.

Erörterung über Höchstpreise für Brot und Mehl.

es* Berlin, 20. Oktober. (WTB.) LautB. T." sind im Bundesrat die Erörterungen über die Einfüh­rung von Höchstpreisen für Brot und Mehl abgeschlossen. Im sächsischen Ministerium soll morgen nochmals da­rüber beraten werden. Die polnische Landtagsfraktion hält morgen eine Sitzung ab. Die dort gefaßten Ent­schließungen sollen der Regierung überwiesen werden.

Eine edle Stiftung.

Der im Lazarett Schweißmeiler verstorbene Unter­offizier Jakob Bessung hat testamentarisch 1000 zur Errichtung eines Denkmals für die bei Luneville Ge­fallenen des 4. bayrischen Infanterieregiments vermacht.

Die deutschfeindlichen Unrnhe« in England.

9-* London, 20. Oktober. (WTB.) Während der deutschfeindlichen Unruhen in Dewtford sind 30 Personen verhaftet nnd in Untersuchungshaft gebracht worden.

9-* Berlin, 20. Oktober. (WTB.) Die deutsch­feindlichen Unruhen in Dewtford haben sich verschlim­mert. LautBerl. Tagebl." wurden viel Polizisten verwundet. Verwnndete Soldaten sollen den Pöbel auf­gestachelt haben.

Wie soll die Fran ins Feld schreiben?

DieLeipziger Neuesten Nachrichten" bringen fol­gende recht beherzigenswerte Betrachtung: Die Briefe die unsere Frauen in das Feld schicken, sollen ein Aus­druck der Zuversicht und der Hoffnung sein. Sie sollen wiedergeben, wie unverzagt die deutschen Frauen hoffen nnd harren, wie ungebeugt sie das Geschick tragen. Jede deutsche Familie soll sich täglich einmal sagen:Draußen ist der Krieg", dann wird sie auch leicht und freudig überwinden, was das Schicksal ihr zu tragen auferlegl hat. Man muß bei den Briefen, die man hinausschickt daran denken, daß der Mann von allen Dingen unendlich weit entfernt ist.Soll ich Kohlen bestellen und wie­viel?" las ich neulich in einem Briefe, den eine junge Frau an ihren Mann schrieb. Die Kindlichkeit der ^rage machte mich lächeln, dem Manne aber bringt sie das Gefühl in das Herz, daß die Frau ohne seine Hilfe nicht recht fertig wird. Sie wird ihn beruhigen. In einem anderen Briefe konnte ich neulich lesen:Die neue Wohnung haben wir bezogen, sie ist einfach fürchterlich waren wir nur, wie ich gebeten hatte, in der alten ge­blieben, der Umzug war schrecklich, die Männer merkten, daß ich allem und unselbständig bin, nnd kamen erst eine Stunde spater. Außerdem ist Liesel, unsere Jüngste ichwer erkaltet und bet aller Schererei mußte ich sie nocl ^egen. Wärst Du nur erst wieder hier, es geht garnich ohne Dich." Zum Glück konnte ich das Absenden diese. Briefes verhindern, und die junge Frau mußte eine freudigen Brief schreiben. Deutsche Frauen, zeigt, da ihr wisset, warum es sich handelt! Schreibt eurem Mam nichts von Sorgen, beweist ihm eure Liebe, indem i ihm zeigt, daß ihr die Lasten des Daseins auch allein a euren Schultern tragen könnt. Macht feinem Kämpf- den das Leben schwer, keinem, der draußen vermin' liegt, die Krankheit zur Last. Schreibt vertrauen und freudig!