6lo WW Unterseeboot oernittitet. W MB Botet W eine Me jerftört.
Die Lage in Nordsrankreich. Eine famose englische Seebrigade. Französisch-russische Verstimmung.
• Vom Kriegsschauplatz auf See liegen heute wieder erfreuliche Nachrichten vor. Ein englisches Unterseeboot ist vernichtet und ein javanischer Kreuzer durch eine Mine zerstört worden. Telegramme melden darüber:
Berlin, 20. Oktober. Amtlich. (WTB.) Das englische Unterseeboot „E. 3" ist am 18. Oktober nachmittags in der deutschen Bucht der Nordsee vernichtet morden.
Der Stellvertreter des Chefs des Admiralstabs, gez.: Behnke.
Ein japanischer Kreuzer durch eine Mine zerstört.
»* London, 20. Oktober. (WTB.) Das Reutersche
Bureau meldet aus Tokio: Nach amtlicher japanischer
Bekanntgabe ist der Krenzer „Takatschio" am 17. Ok
tober in der Kiautschon-Bucht auf eine Mine gelaufen und gesnnken. Von der 264 Mann betragenden Besatzung sollen ein Offizier und neun Mann gerettet sein.
Ein unerkannter Kreuzer in Flammen?
Berlin, 20. Oktober. (WTB.) Laut „Amsterdamer attgem. Handelsblad" habe die Besatzung des Fisch-ampfers, der unweit -es Seegefechts in -er Nordsee weilte, einen Kreuzer, dessen Nationalität nicht festzustellen gewesen sei, in Flammen stehen sehen.
Zum Seegefecht an -er Küste Hollan-s.
om- Lon-on, 20. Oktober. (T.-U.) Der „Daily Telegraph" bringt Einzelheiten über -as Seegefecht an -er hollän-ischen Küste. Der Befehlshaber -es englischen Kreuzers war derselbe Marineoffizier, -er das Kommando auf -em Kreuzer „Amphion" führte, als er im August in -er Themsemttnvnng auf eine deutsche Mine stieß.
Dünkirchen-Ealais.
Zu dem deutschen Vormarsch an die französische Küste wird der Korrespondenz „Heer und Politik" geschrieben:
Mit dem Fallen der Festung Antwerpen, den unsere Feinde jetzt als belanglos darzustellen sich bemühen, nachdem ihre krampfhaften Anstrengungen zur Verteidigung Antwerpens erfolglos geblieben ist, hat tatsächlich ein neuer Abschnitt im Weltkriege begonnen. Belgien ist in unserer Hand und unsere Heere stehen tief in Frankreich, bereit, bei der nächsten Gelegenheit die verbündeten Feinde zurückzuwerfen. Ein anderer Teil unserer Truppen ist bereits bis dicht an die Küste gelangt und bedroht die beiden gewaltigen Seestädte Dün- kirchen und Calais. Die Lage Englands ist von dem militärischen Mitarbeiter der „Times" als höchst bedroht dargestellt worden. Wenn auch unser noch viel Arbeit und Mühsal harrt, so hat es doch den Anschein, als ob wir über den Gipfel hinaus wären. Es fragt sich nun, was heute am Ende des ersten Abschnittes des Weltkrieges erreicht ist. Wenn es auch noch verfrüht ist, über den Sieg zu sprechen, so kann man doch die Aussichten abwägen, welche die beiden Heere haben.
Daraus ergibt sich von selbst, wem sich voraussichtlich der Sieg zuneigen wird. Das deutsche Heer hat in furchtbarem Ansturm Belgien überrannt und die Festungen, die es nach kurzer Zeit genommen hat, für eigene Zwecke verwendet. Es ist weiterhin gegen den verzweifelten Widerstand der völlig frischen und auf der vollen Höhe ihrer Kriegsstärke stehenden französischen, englischen und belgischen Armeen nach Frankreich vorgedrungen. Während die Feinde zum Teil überhaupt über keine Reserven mehr verfügen, wie z. B. Belgien und in gewissem Sinne Frankreich, oder nur über geringwertigen Ersatz, wie das englische Heer, hat Deutschland noch einen bedeutenden Teil unverbrauchter Kräfte. Wenn unsere Feinde auch nur den geringsten Glauben an Erfolg haben wollten, dann müßten sie nicht nur unser Heer aus Frankreich und Belgien hinaus drängen, sondern auch die Festungen zurückerobern, was ihnen aber nicht so leicht fallen würde, da sie bekanntlich nicht über unsere Belagerungsgeschütze verfügen. Konnten aber die frischen Kräfte den deutschen Vormarsch nicht aufhalten, so ist es schwer einzusehen, wie die geschwächten und besiegten Heere uns jetzt zurückwerfen sollen, nachdem unsere Stellung durch Eroberung Belgiens eine bedeutende Stärkung noch dazu gewonnen hat. Man kann sagen, daß nach dem augenblicklichen Stande der Dinge ein Sieg unserer Feinde fast in das Bereich der Unmöglichkeit gehört.
Wir dürfen also den zweiten Teil des Krieges mit den besten Hoffnungen für das Gelingen des gesamten Ringens beginnen und der starken Zuversicht Ausdruck
3m fernen Osten.
Roman von O. Elster.
1) (Nachdruck verboten.)
1.
Ihre elterlichen Gärten grenzten aneinander. Freilich, der Garten des alten Handelsschiffskapitäns Erich- sen, der Vater von Heinz Erichsen, war ein kleines Stück Erde, vor dem hübschen, einstöckigen Häuschen prangend in einem üppigen Rosenslor, hinter dem Hause mit allerhand nützlichen und nahrhaften Küchengewächsen bepflanzt, während der angrenzende Garten des reichen Fabrikbesitzers Kommerzienrats Ulrich Diesterweg, des Vaters von Ellen Diesterweg, ein wohlgepflegter Park der mit seinen prächtigen Teppichbeeten, den weiten ^^nflächen und den herrlichen Baumgruppen die große Villa Diesterweg mit einem buntfarbigen und grünen .das Haus selbst von der profanen Welt ^ surrenden, stampfenden, keuchenden den Fabrikgebäuden vornehm abschließend.
« "ö EMsen und Ellen Diesterweg hatten elterlichen Gärten hinweg doch geschlossen, und Klein-Ellen war etnia?^abr« »iSL^* Lücke im Zaun zu dem um emtge Jahre älteren Spielkameraden geschlüpft, der so mar^ sein eigen nannte. Da
SS iS ^ silberweißen Kaninchen utw den bunten fReerschweinchen: da war der üdIöIqs Erichsen einst aus Brasilien ÄM Lm Jr0 komisch Pfiff und Hurra! ^^„ Hing auf dem Flur des kleinen Hauses das der „Anna Maria", Reisen gemacht: da »AnU? NEche seltsame, fremdartige Dinge, ^,^r alie Kapstan aus fernen Ländern heimgebracht hatte, daß Klem-Ellen vor Erstaunen ganz stürmn ward und aufmerksam hW Erklärungen ihres Spielkameraden
geben, daß unsere Feinde in nicht zu langer Zeit nieder- gerungen sein werden.
Ueber die Lage in Nordfrankreich
meldet ein Telegramm:
»g* Rotterdam, 20. Oktober. (T.-U.) Der Kriegskorrespondent -es „N. Rott. Cour." meldet: Das deutsche Heer, das Antwerpen belagerte, bewegt sich auf verschiedenen Straßen in der Richtung auf Dünkirchen, das von den Franzosen besetzt und befestigt ist. Südlich Dttn- kirchens befindet sich eine belgische Armee, deren Ueber- bleibsel am Donnerstag angekommen sind. Ihr Abzug glich einer Flucht, ohne irgendwelchen Zusammenhalt mit dem Teil der Armee, der vor der Besetzung Antwerpens nach Ostende entkommen war und nach Bon, logne verschifft wurde. Er sollte dort reorganisiert werden, nur an den Kämpfen auf dem französischen linken Flügel teilzunehmen. Dixmuiden, wo sich französische Seesoldaten zur Deckung des belgischen Abzuges befanden, ist wahrscheinlich geränmt worden. Südlich Dnn- kirchens und Bonlognes stehen sehr starke französische Truppenabteilungen. Die Engländer haben den in Antwerpen vorhanden gewesenen Benzinvorrat Unklarheiten verbreiten.
Die Schlacht an der Aisne unentschieden.
Nach einer Meldung des „B. T." berichtet der Korrespondent der „Times" in Bordeaux: Man darf jetzt die Schlacht an der Aisne als nneutschieden ansehen. Der Schwerpunkt ist in den Norden verlegt. In den Ardennen hat es geschneit.
Aus Bordeaux wird telegraphiert, daß Sonnabend ein dentsches Flugzeng über Coulommiers, 40 Kilometer östlich Paris, erschien, dem sofort eine französische Fliegerabteilnng entgegengeschickt wurde. Es gelang ihm jedoch, unbeschädigt zu entkommen.
Nach einer Meldung der „Köln. Ztg." wendet sich im „Petit Parisien" Oberstleutnant Reusset gegen die Unklarheit der französischen amtlichen Nachrichten. Man möge, wie er ausführt, lieber schweigen, als solche Un- klarheten verbreiten.
Die Reste des belgischen Heeres.
Ein Kriegsberichterstatter des „Nieuwe Rotterö. Cour.", der in Brügge mit zwei belgischen Majoren eine Unterhaltung führte, hörte von ihnen, wie der „Berl. Lok.-Anz." berichtet, daß von einer belgischen Armee eigentlich nicht mehr die Rede sein könne. Was jetzt noch nicht in Holland entwaffnet worden sei, könne höchstens noch 50 000 Mann zählen, aber von diesen hätte mindestens die Hälfte die Uniform ausgezogen, und der Rest sei hoffnungslos desorganisiert, so daß die Soldaten vorläufig nicht mehr wehrhaft seien und für die Verbündeten mehr eine Last, als eine Hilfe bedeuten würden. Ein Teil der belgischen Armee soll übrigens schon vor der Besetzung Antwerpens durch die Deutschen in Ostenöe eingeschrfft und nach Boulogne gebracht worden sein.
„Antwerpen lebt wieder auf".
Der „Nieuwe Rott. Cour." meldet aus Breda vom 18. Oktober:
Antwerpen lebt wieder auf. Heute waren zehnmal so viele Läden geöffnet als gestern. Es geht so friedlich und ruhig zu, als wäre Antwerpen als belgische Stadt eingeschlafen und als deutscher Garnisonplatz aufgewacht. Seit heute hört man wieder das Klingeln der Straßenbahnen. In der Gasfabrik arbeiten dreihundert Mann. Mit der Wasserleitung wird es länger dauern. Die Lebensmittel reichen aus. Die Preise sind augenblicklich geringer als vor der Belagerung. Auch ist das Fletsch billiger als vorher. Nur an Petroleum herrscht Mangel. Die Stadtverwaltung hat Arbeiter angestellt, um die Trümmer wegzuräumen. In den Sospitälern sorgt das belgische Rote Kreuz für Belgier, ngländer und unterkunftslose Flüchtlinge, denen heute 10 000 Kilogramm Brot ausgehändigt worden ist. Man arbeitet eifrig an der Wiederherstellung der Eisenbahngleise. Der Staötpostverkehr wird im Laufe der Woche eröffnet werden, bisher gibt es nur deutsche Feldpost, die ausgezeichnet arbeitet. Der innere Gürtel der Forts ist nicht wesentlich beschädigt: sie werden schleunigst wieder hergestellt. Die von den Belgiern vor den Forts Rille und Liefkenhoek angebrachten Sperrungen wurden durch Dynamit gesprengt. Ein Teil der Besatzung Antwerpens ist schon abmarschiert, um Ostende besetzt zu halten. In der Kathedrale fand ein feierlicher Dankgottesdienst und Messe mit deutscher Militärmusik statt. Die Antwerpener Bürger sind überhaupt allmählich zu einer ganz anderen Meinung über die Deutschen gekommen. Man ist erstaunt über die Ordnung und Strenge, die im deutschen Heere herrscht, und über den
lauschte. Was waren ihr gegen die seltsamen phantastischen Sachen die prächtigen Kunstgegenstände ihrer elterlichen Villa? Die Majoliken, die Bronzen, die orientalischen Teppiche, die Gemälde berühmter Meister? Den künstlerischen Wert dieser schönen Dinge erkannte ihr kindlicher Geist noch nicht, während die fremdartigen Sachen des alten Kapitäns ihre Seele mit phantastischen Vorstellungen von der weiten, schönen Welt da draußen erfüllten.
Freilich, jetzt, wo sie vierzehn Jahre alt geworden war und bereits halblange Kleider trug, ward der Verkehr zwischen den beiden Nachbarskindern sehr eingeschränkt, und nur zuweilen trafen sie sich noch unter dem großen Nutzbaum, der seine knorrigen Zweige nach hüben und drüben ausstreckte, als wolle er beide Gärten, das bescheidene Gärtchen des alten Kapitäns und den prächtigen Park des reichen Fabrikbesitzers segnen und behüten.
Auch heute standen sie wieder unter dem alten Nutzbaum, und Ellen, die jetzt schon ein großes Mädchen geworden war, sah mit ernsten und traurigen Augen zu dem sie um Kopfeslänge überragenden Spielkameraden ihrer Kindheit empor.
„Und morgen willst Du wirklich schon fortgehen, Heinz?" fragte Ellen, und ihr Stimmchen erbebte leise.
„Ja Ellen," entgegnete Heinz Erichsen. „Vater meint, daß es höchste Zeit sei, nachdem ich das Einjährige erhalten habe, meinen Dienst auf dem Schiffe anzutreten."
„Fürchtest Du Dich denn gar nicht vor dem Meer?" fragte Ellen kleinlaut.
„Wie soll ich?" lachte Heinz. „Das Meer ist gleichsam die Heimat unserer Familie. Mein Urgroßvater war schon Seemann, wenn auch nur ein einfacher Fischer: mein Großvater und mein Vater aber haben es bis zum Kapitän gebracht: ein Onkel von Mr ist als Steuermann ‘ bei einem Schiffbruch an der Küste von Neufundland
Respekt, den man den Gesetzen entgegenbringt. Einen sehr guten Eindruck macht die Proklamation des deutschen Gouverneurs, der hohe Strafen auf das kleinste Verbrechen festsetzt. Wie unparteiisch die Deutschen verfahren, beweist ein Urteil des deutschen Militärgerichts. Ein deutscher Soldat, der in ein Haus eingedrungen war, wurde zu einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten verurteilt.
Der neue Zivilgouverneur von Antwerpen.
»-* Berlin, 20. Oktober. (WTB.) Laut Meldungen aus Hamburg soll Senator Strandes Zivilgouverneur von Antwerpen werden. Strandes ist Inhaber eines Exportgeschäftes und hatte früher in Ostafrika als Forscher und Berater in Gouvernementsangelegenheiten entscheidenden Einfluß.
Ermahnung an die Bevölkerung von Antwerpen.
s^> Berlin, 20. Oktober. (WTB.) Freiherr von Buene, der deutsche Militärgouverneur von Antwerpen, hat die Bevölkerung ermähnt, sich zu keinen Feindseligkeiten hinreitzen zu lassen, sonst werde er die allerstreng- sten Kriegsmittel anwenden müssen.
Französisch-russische Verstimmung.
Nach Meldungen aus Bordeaux, die dem „Berl. Lok.-Anz." aus Rosendaal unter dem 18. Oktober berichtet werden, wird in französischen Abgeordnetenkreisen bekannt, daß die sehr unwillkommene Verlangsamung des russischen Vordringens den Gegenstand einer zwischen Porncars, Millerand und Generalissimus Joffre abgehaltenen Betrachtung bildete. Der Senator Gervais erwähnt diese Konferenz in einem Artikel, den das Blatt „Petite Gironde" unter dem Titel „Der zweite Abschnitt des deutsch-österreichisch-russischen Krreges" veröffentlicht.
Die famose englische „Seebrigade".
Die „Times" veröffentlichen ein Schreiben von Mr. Hulke (Adresie: Admiralitäts House Deal) über die nach Antwerpen entsandte Seebrigade. Als Querst das Gerücht umqelamen sei, daß diese unausgebildeten Rekruten an die Front gehen sollten, wurde es als lächerlich verspottet. Viele Offiziere des Heeres und der Flotte bezeichneten einstimmig die Aussendung der Brigade in ihrem gegenwärtigen Zustand als «verlegten Mord. Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten lachten über die Idee, im Kanrpfe verwendet zu werden. Als bald nach ihrer Abreise zuverlässig bekannt wurde, daß sie tatsächlich nach Antwerpen abgesandt worden seien, herrschte im ganzen Bezirk starke Entrüstung nu- Bestürzung. Ein großer Teil der Leute war noch nicht ausgerüstet und nahezu unausgebildet. Die Offiziere lernten erst die Anfänge -es Jnfanteriedienstes und kannten die Kommandos noch nicht auswendig. Außerdem herrschte ein großer Mangel an Offizieren. Der ersten Brigade fehlten 16 Offiziere. Von den mitgehenöen 14 kannten nur 4 den Ansanteriedienst. Den Mannschaften fehlten die Patronentaschen und die vorgeschriebene Patronen- zahl. Sie hatten nur Schießübungen mit kleinen Gewehren auf 30 Schritt Entfernung gehabt und erhielten die Dienstgewehre erst 1 bis 2 Tage vor der Abreise. Ein Marineunteroffizier trat am Tage der Abreise oder einen Tag zuvor in das Lager ein/ um wenigsten» möglichst vielen zu zeigen, wie man öas Bajonett nnf- pflanze.
Da diese Schilderungen eines Engländers von den „Times" abgedruckt werden, ist an ihrer Richtigkeit nicht zu zweifeln. Nicht allein also, daß England Belgien kaltblütig ins Verderben gestoßen hat: die Soldaten, mit denen es Antwerpen zu retten, ö. h. zu ruinieren versprach, sind bedauernswerte völlig unbrauchbare junge Leute, die man nicht einmal militärisch auszu- bilden für nötig gehalten hat. Und nun vergleiche man mit dieser frivolen Verschickung von Kanonenfutter die nachfolgenden Prahlereien.
Der militärische Mitarbeiter derselben „Times" schreibt nämlich:
Für uns hat der Krieg kaum begonnen. Wir sandten erst den Kern unserer Vortruppen nach Frankreich, um den Feind durch Vorpostengefechte festzuhalten. Der Rest der Vortruppen wird im Frühling folgen, die Hauptarmes gegen Ende des nächsten Jahres auf dem Schlachtplan erscheinen. Wir haben keine Eile, bedauern natürlich für unsere Verbündeten, daß wir noch langsamer als die Russen unser Gewicht in die Wagschale werfen können. Wenn der Feind in der Zwischenzeit Erfolge erringt, so ist das um so besser für ihn. Dieser Umstand kann aber nicht die ständig wachsende Zahl unserer Soldaten aufhalten. Kosten kommen weniger in Betracht, da Deutschland zuletzt mit Land und Geld zahlen muß. Selbst wenn man das Schlimmste an
gestorben, meiner Mutter Vater war ebenfalls Steuermann .. ."
„Und liegt auch auf dem Meeresgrunde!"
„Ja — er scheiterte mit seinem Schiff in der Bai von Biskaya. Aber Du siehst daraus, daß uns der Seemannsberuf im Blute liegt. Ich freue mich darauf, auf einem tüchtigen Schiff das Weltmeer zu durchpflügen!"
„Schiffsjunge auf einem Segelschiff wäre gerade nicht mein Geschmack," meinte Ellen mit einem kleinen verächtlichen Nasenrümpfen. „Könntest Du denn nicht bei der Kriegsmarine eintreten?"
„Nein, Ellen — dazu hat Vater nicht das Geld," entgegnete Heinz ernst. „Ich bleibe ja auch nicht ewig Schiffsjunge und Matrose, ich werde die Navigationsschule besuchen und das Steuermannsexamen und das Examen für große Fahrt machen, damit ich auch einmal Kapitän werden kann. Und höre, Ellen, verachte mir nicht die Handelsmarine! Wir tragen den deutschen Namen, die deutsche Flagge in die entferntesten Teile der Welt. Wir bringen die in der Heimat erzeugten Güter zu allen Völkern der Erde und kehren mit den Waren der fremden Länder nach Deutschland zurück — wir vermitteln den Weltverkehr, Ellen," setzte er stolz hinzu.
„Das ist ja alles sehr schön, aber ein schmutziger Schiffsjunge möchte ich doch nicht werben."
„Aber meine Freundin wirst Du doch bleiben, Ellen?" fragte Heinz und sah sie mit seinen blauen Augen innig an.
Sie reichte ihm das schmale, kleine Händchen: die Tränen traten ihr in die braunen Augen, es zuckte ihr um die frischen, roten Lippen.
„Ja, Heinz, das verspreche ich Dir," entgegnete sie „Du warst immer so gut zu mir und ich habe so manche schöne Stunde in Eurem Hause verbracht, an die ich stets denken werde." (Forts, folgt.).