Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger Herssel-er
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 346.
Dienstag, den 30. Oktober
1914
Bus der Heimat«
* (Rübenmelasse zurViehfütterung!)
Um rechtzeitig Vorsorge zu treffen, daß dem drohenden Mangel an Futtermitteln wirksam begegnet werden kann, erläßt der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, C. v. Schorlemer, eine Aufforderung zur Verfütterung der Rübenmelasse. Der Minister führt in diesem Erlaß zunächst aus, daß infolge des Krieges bei den verfügbaren Futterbeständen Deutschlands wegen des Fehlens der Einfuhr von Futtergerste, Kleie, Mais, Oelkuchen und anderen Futterstoffen ein großer Ausfall entstehen werde. Wenn auch durch sparsame Ausnutzung des in der eigenen Wirtschaft erzeugten Futters (Einsäuern von Rüben- blättern usw.) und durch die Heranziehung der Kartoffel und der von ihr gewonnenen Produckte ein großer Teil des Ausfalles werde gedeckt werden können, so müssen doch noch weitere Ersatzstoffe herangezogen werden. In erster Linie komme dabei die Rübenmelasse in Betracht. Hiervon werde in diesem Jahre nach Abzug der zur Entzuckerung und zur Spirituserzeugung verwendeten Mengen voraussichtlich mit Einrechnung der vorhandenen Bestände so viel zur Verfügung stehen, daß dadurch annähernd der zehnte Teil des durch die fehlende Einfuhr bedingten Ausfalles an Futtermitteln gedeckt werden kann. Eindringlich mahnend schließt der Minister seinen Aufruf mit den Worten: „Da die Melasse ein gut eingeführtes, allen Viehgattungen bekömmliches und namentlich zum Ersatz der stärkemehlreichen Futterarten geeignetes Futter darstellt, richte ich an die Zuckerindustrie, den Futterhandel und die Landwirtschaft die dringende Aufforderung, mit Rücksicht aus die durch den Krieg bedingten Verhältnisse und im Interesse der Ernährung von Armee und Volk durch Erzeugnisse der einheimischen Landwirtschaft eine möglichst große Menge von Melasse zur Verfütterung zu bringen. Wegen der Einzelheiten wird auf ein besonderes Rundschreiben verwiesen, das an Hand statistischen Materials die hohe Bedeutung der Melassesütterung darlegt, wegen des nicht ganz einfachen Transportes schätzenswerte Winke erteilt (Ver- bindung der Melasse mit Rübenschnitzeln, Strohhäcksel oder Torfmehl) und schließlich nochmals die Zuckerindustrie, den Futterhandel und die Landwirte zur ausgedehntesten Förderung der Melassefütterung auf- fordert.
* Die Kriegspostkarten des Roten Kreuzes mit Bild und Widmung des Kaisers werden in den nächsten Tagen bei der Reichspost (mit Marke) und nn Handel (ohne Marke) käuflich sein. Der ganze Reinertrag fließt dem Roten Kreuz für Kriegswohl- sahrts-Zwecke zu, kommt also in erster Linie unseren heldenmütigen Truppen zugute. Jeder Ankauf bedeutet eine Liebesgabe für sie.
* (Das Eiserne Kreuz.) Der Regiments- 5?mmandeur des 71. Reserve-Jnfanterie-Regiments, Oberst Graf Fink von Finkenstein wurde in Aner- tennung der Verdienste seines Regiments mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet.
^Kriegsfreiwillige gesucht.) Das 2. Ersatz-Seebataillon Wilhelmshaven sucht zur Einstellung zum 25. Oktober Kriegsfreiwillige: Annahme-Bedingungen: Vollendung des 17. Lebens- lahres und Mindestgröße 1,60 Mtr. Telegraphische Meldungen sind an das Kommando des 2. Ersatz-See- bataillons Wilhelmshaven, zu richten.
k, § Hersfeld, 19. Oktober. (Ei n e Mah n u n g a n die Landwirte.) Die Bestellung der Wintersaat hat begonnen. Da dürfte wohl die Mahnung am Platze sein : Landwirte stellt alles Land, was sich dazu eignet, mit Korn aus, vor allen Dingen aber ichränkt den Anbau der Zuckerrüben ein. Zucker sehlt uns nicht, zumal unsere Ausfuhr unterbunden ist, dagegen können wir Brot nicht genug haben. Außerdem verlangt die Kultur der Rüben einen gut gedüngten und bearbeiteten Boden, auf dem Getreide und auch Kartoffeln eine vorzügliche Ernte ergeben würden. Dazukommt noch, daß der Anbau der Rüben eine Menge Arbeit verlangt, zu deren Verrichtung in dieser Zeit die nötigen Arbeitskräfte fehlen dürften- Also weniger Zuckerrüben und mehr Korn oder Kartoffel bauen.
-Regt.
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):( Hersfeld, 19. Oktober. Inhalt der Verlu)tliste Nr. 53. Infanterie: 3. Garde-Regiment. — Brigade-Ersatz-Bataillon Nr. 5. — Reserve-Jnfanterie- Regt. Nr. 25, 27. — Jnf.-Regt. Nr. 28. — w*»^-»« Regt. Nr. 28. — Jnf.-Regt. Nr. 30, 31. — Nr. 35. — Landw.-Jnf.-Regt. Nr. 36. — Nr. 48. — Res.-Jnf.-Regt. Nr. 48, 51. — Nr. 53, 58, 74. - Res ~ " " ~ “
Nr. 81. — Brig.-Er Nr. 87. - Res.-Jn Regt. Nr. 109. — Re
nf.-Regt.
-Jnf.-Regt. Nr. 80. - „ .-Bat. Nr. 84, 86. — Jnf.-Regt. .-Regt. Nr. 94. — Leib-Grenad.- .-Jnf.-Regt. Nr. 116, 118. — Jnf.-
Regt. Nr. 161, 164, 165, 168, 170. — 1. Landsturm-Bat.
Rastatt. — Regiment v. Rath (siehe Brigade-Ersatz- Bataillon Nr. 84.) — Jäger-Bataillone Nr. 3, 4, 11. — Kavallerie: Hus.-Regt. Nr. 6. — Res.-Huf.-Regt. Nr. 6. — Nes.-Ulanen-Regt. Nr. 2, 5. — Feld- artillerie:^^. und 4. Garde-Feldart.-Regiment — Feldart.-Regt. Nr. 3, 6. - Res.-Feldart.-Regt. Nr. 7. — Feldart.-Regt. Nr. 10. — Res.-Feldart.-Regt. Nr. 10, 12. — Feldart.-Regt. Nr. 18, 20, 26, 30, 62, 73, — Fußartillerie: Stab des Generals der Fußartillerie beim Armee-Ober-Kommando der II. Armee. Res.-Fußart.-Regt. Nr. 16, 20. — Pioniere: 2. Pion.-Bat. Nr. 4. — Pion.-Bat. Nr. 7. — 1. Pion.-Bat. Nr. 10. — 2. Pion.-Bat. Nr. 10. — Pion.-Regt. Nr. 24. — Pion.-Bat. Nr. 27. — Festungs-L.-Pionierabteilung des XIV. Armeekorps, Feste Jstein. — Verkehrstruppen: Res.-Eisenb.-Baukomp. Nr. 8. — Eisenb.- Baukomp. Nr. 28. — Fernspr.-Abt. des 1. Armeekorps.— Fernspr.-Abt. Nr. 2. des n. Armeekorps. — Res:- Fernspr.-Abt. des IV. Reservekorps. — Fernspr.-Abt. des XIV. Armeekorps. — Feldfliegertruppe. — Sani- täts-Kompagnien: Res.-Sanit.-Komp.Nr. 9. des IX. Reservekorps. — Train: Brandenburg.-Train- Abt. Nr. 3. — 11. Train-Abt. Nr. 4 des IV. Armeekorps — Feldlazarett Nr. 3 des L Armeekorps. — Feldlazarett Nr. 1. des IV. Armeekorps. — Res.-Feldlazarett Nr. 40 des vin. Reservekorps. — Verzeichnis der in Holland zurückgehaltenen sowie der in dortigen Lazaretten Untergebrachten undVerstorbenennebstBerichtigungen. Berichtigung früherer Verlustlisten. Verluste durch Krankheiten.
):( Hersfeld, 19. Oktober. Das eiserne Kreuz erhielten: Leutnant Curt Braun, im Jnf. Rgt. 166, Offz.-Stellv. Bernh. Andree im Res.-Jnf. Rgt. 71, Vizefeldwebel d. R. Feyerabend, Untffz. d. R. C u r t S t e r n, Jo h s. K e h l aus Goßmannsrode im Jäger-Batl. 11, Leutnant d. L. Freiherr von Seckendorf auf Schloß Buchen au, Major von Rosenberg, Hautmann Toepfer und Major Meyer, früher Lehrer an der hiesigen Kriegsschule Sergeant Martin Döring Raboldshausen der Unteroffizier Jbert Lehrer in Wetzlos Sohn des Kantors Ebert in Raboldshausen. Leutnant Schrader vom Tel.-Bat. 2., kommandiert zum Generalkommando m. Armeekorps, jüngstem Sohne des Herrn Kreisschulinspektors Schrader. Rudolf Kurth, Leutnant im 56. Jnf.-Rgt. in Wesel, ein Sohn des Königl. Försters Kurth zu Forsthaus Bengendorf bei Heringen a. d. Werra (Kreis Hersfeld).
8 Treysa, 17. Oktober. In dem seit Ende August d. Js. in Hephata errichteten Vereinslazarett vom Roten Kreuz sind andauernd fast alle Betten besetzt. Gewöhnlich liegen im Lazarett gegen 90 meist Schwerverwundete. Die von den Schlachtfeldern oder von den Lazaretten in Frankreich neu eintreffenden Verwundeten finden zunächst in dem bisherigen Manner- krankenhause oder in dem bisherigen Frauenkranken- Hause Hephatas Aufnahme, und nach einigen Wochen, wenn sie der Genesung entgegengehen, kommen stein den großen Festsaal der Anstalt, in dem auch 31 Betten ausgestellt sind. In den eigentlichen Krankenhäusern liegen die Verwundeten meist nur zu 5 oder 6 in einem Zimmer bezw. Saale. Es sind aber auch eine „anre Reibe von Zimmern vorhanden, in denen nur je zwei oder höchstens drei Verwundete gleichzeitig liegen. Die Verwundeten empfinden es sehrDankbar daß s sn viel Ruhe und Stille haben. Auch ole aeräumiÄ gut durchwärmte Glashalle wird von vielen nerne zurr? Ruhen auf den bequemen Liegestuhlen &™»M'«8e «lblwlh-- st-ht in d-n 3 Lazaretthäusern den Verwundeten zur ^^"^ung. Außerdem hat man seitens der Anstalt Hephata an die Zeitungen aus allen den Orten bezw. Gegenden, aus denen Verwundete stammen, geschrieben und um Gratisexemplare gebeten, So kommen täglich gegen 75 verschiedene Zeitungen aus Schlesien und Württemberg, aus Rheinland und Westfalen, auv Hessen-Kayel und Hessen-Darmstadt und aus anderen Gegenderr unseres deutschen Vaterlandes hierher, und reder Verwundete hat die Freude, sein Heimatblatt zu lesen. Die meisten Verwundeten undet man darum morgens gemütlich im Bett eine Zigarre rauchend in ihre heimatliche Zeitung vertieft. Außerdem hat Hephata für das Lazarett ca. 25 hessische Zeitungen abonniert und erhält auch eine Anzahl derselben unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Auch eine größere Anzahl illustrierter Zeitschriften, darunter wöchentlich 10 Exemplare des „Daheim" stehen den Verwundeten zur Verfügung. Die Wolff'schen amtlichen Telegramme werden der Anstalt täglich telefonisch zugesprochen, sofort auf der Schreibmaschine vervielfältigt und dann in den Krankenräumen des Lazaretts alsbald aus^ gehängt. Eine große Anzahl Spiele, darunter auch mehrere große Ziehharmonikas find durch der Anstalt freundlichst zur Verfügung gestellte Mittel beschafft. In dem Festsaal der Anstalt haben die Verwundeten
sich eine kleine eigene Kapelle gebildet, wobei die große Pauke durch einen Krückstock, der mit seinem Gummtende gegen die Hinterwand eines Nachtschränkchens gestoßen wird, und die Zimbel durch ein Wasserglas, das ein Verwundeter im Bett mit dem Messer bearbeitet, ersetzt werden. Die Musikkapelle und der Trommler- und Pfeiferchor der Fürsorge- zöglinge des Rettungshauses in Hephata bringt jede Woche mehrmals den Verwundeten ein Ständchen. Daß die Verwundeten sich darüber jedesmal besonders freuen, braucht wohl nicht versichert zu werden. Die Heilerfolge sind im allgemeinen sehr günstige. Die chirurgischen Einrichtungen des Krankenhauses in Hephata, der vorzügliche kurz vor Beginn des Krieges neu angeschaffte Röntgenavparat, das orthopädische Institut u. a. erweisen sich dabei naturgemäß als wesentliche Hilfsmittel. Die Verwundeten weisen fast durchweg eine erfreuliche Gewichtszunahme auf. Die meisten haben innerhalb 4 Wochen 12—18 Pfund, einzelne sogar 20—25 Pfund zugenommen. Alle, die das Lazarett besuchen, insbesondere die Angehörigen Verwundeter aus dem Hessenland, die in den letzten Wochen vielfach in dem Lazarett in Hephata Aufnahme fanden, sprechen sich anerkennend über die gute Verpflegung aus. Die Pflegetätigkeit wird durch 6 in der Krankenpflege gründlich ausgebildete Diakonen, durch 6 gleichfalls vorgebildete Schwestern und durch 10 Helferinnen, die vorher an einem 6-wöchentlichen Kursus in Hephata teilnahmen, ausgettbt.
Biedenkopf, 17. Oktober. (Auch ein Opfer des Krieges.) Die zweiundzwanzigjährige Tochter des Bierbrauereibesitzers Weyand hier, die in Betzdorff im Dienste des Roten Kreuzes auf dem Bahnhof tätig war, wurde hierbei überfahren und getötet.
Neustadt (Kr. Ktrchhain), 15. Oktober. Fünf schon mehrfach vorbestrafte hiesige Männer und eine Frau standen gestern unter Anklage wegen Wilddieberei bezw. Beihilfe dazu vor der Strafkammer des Mar- burger Landgerichts. Während die Frau freigesprochen wurde, wurden die Männer zu Gefängnisstrafe von 2, 5 und 6 Monaten sowie 1 und 2Va Jahren und teilweise auch zu mehrjährigem Ehrverlust verurteilt.
Gottingen, 17. Okt. 122 Eiserne Kreuze wurden bisher an Offiziere und Mannschaften des Infanterie- Regiments Nr. 82 in Göttin gen verliehen.
Ohrdruf, 17. Oktober. In dankenswerter Weise war es den Vertretern der Thüringer Presse gestattet worden, das Gefangenenlager auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf zu besuchen. Das Lager der Gefangenen, von denen sich z. Zt. gegen 11 000 hier befinden, ist räumlich getrennt vorn übrigen Lager und durch einen Drahtzaun abgeschlossen. Ein bärtiger Landsturmmann bewacht mit aufgepflanztem Seitengewehr den Eingang. Franzosen, Belgier, Zuaven und Turkos liegen getrennt: Nur zwei Engländer befinden sich in Ohrdruf, die in ihrer gelbgrauen Uniform von dem buntscheckigen Gemisch der französischen wesentlich abstechen. Von letzteren sind am stärksten die Infanteristen mit den bekannten roten Hosen vertreten. Aber auch Artillerie und Kolonialtruppen sind in Mengen da, Kavalleristen dagegen nur wenig Die Gefangenen schlafen auf starker Strohunterlage und haben wollene Decken zum Zudecken. Sie dürfen sich tagsüber innerhalb des ganzen Lagers frei bewegen, auch die Kantinen besuchen, und die dort feilgebotenen Genußmittel wie Zigarren,Zigaretten,Tabak alkoholfreie Getränke usw. nach Belieben kaufen. Im übrigen werden sie gut und reichlich verpflegt. Offiziere befinden sich nicht in Ohrdruf. Anfangs waren einige da, sind aber, da sie mit den Mannschaften nicht in einem Lager zusammen sein sollen, wieder weggebracht. Der Gesundheitszustand ist sehr gut. Getrennt von den Kriegsgefangenen sind die Franktireurs aus Belgien untergebracht, etwa 160 an der Zahl, darunter, zwei Jungen, die wohl kaum 14 Jahre alt sind.
Schmalkalden, 15. Oktober. Als erster Postdirektor der deutschen Reichspost in Brüssel ist Postdirektor Snell von hier nach dort berufen worden. Er begibt sich heute dorthin, um seine Tätigkeit zu übernehmen. Oberpostsekretär Letzerich verwaltet jetzt das hiesige Postamt.
Stockstadt, 16. Oktober. Durch plötzlichen Schrecken hat die Witwe Gutjahr den Tod erlitten. Kurz nach Kriegsausbruch starb ihr Mann, während ihr Schwiegersohn und ihr Sohn zu den Fahnen einberufen wurden. Bereits in den ersten Schlachten erlitt der Schwiegersohn den Heldentod auf Frankreichs Schlachtfeldern. Als die Frau nunmehr noch die Nachricht erhielt, daß ihr Sohn schwerverwundet worden sei, stürzte sie zusammen und war auf der Stelle tot.
Darmstadt, 15. Oktober. Im Fernsprechzimmer der Artilleriedirektion hat sich heute früh aus bisher nicht ermittelten Gründen der Overfeuerwerker Ortmann erschossen.