Brügge und Ostende von den Deutschen besetzt
Ein neuer Einfall der Russen in Ostpreußen mißglückt. Angriffe der Franzosen bei Reims abgewiesen
o^ Großes Hauptquartier, 16. Oktober, mittags. (Amtlich.) Die Russen versuchten am 14. Oktober, sich Wieder in den Besitz von Lyck zn setzen. Die Angriffe wurden znrückgewiesen.
800 Gefangene,
ein Geschütz nnd drei Maschinengewehre fielen in unsere
Hände.
Brüge wurde am 14., Osteube am 15. Oktober von unseren Truppen besetzt.
Heftige Angriffe der Franzosen in der Gegend nördlich Reims wurden
abgewiesen.
Die Franzosen melden in ihren amtlichen Berichten, daß sie an verschiedenen Stellen der Front, z. B. bei Berry an Bac nordwestlich Reims, merkliche Fortschritte gemacht hätten. Die Meldungen entsprechen i^ keiner
Weise den Tatsachen.
(WTB.)
Gent, Brügge, Ostenöe, Sas ist Sie Etappe der Deutschen bei ihrem Vordringen zur belgischen Küste gewesen. Es gab kein Aufhalten mehr, und der Zufluchtsort der geschlagenen Antwerpener Besatzung, das belgische Ostende, ist nun ebenfalls im Besitze der Deutschen. Das ist eine hocherfreuliche Nachricht, denn von Ostende aus wollten die Belgier und Engländer über den Kanal flüchten. Die Deutschen werden wohl schneller in Ostenöe gewesen sein, als es den Feinden möglich war, die dort harrenden Schiffe zu besteigen. Belgien ist nun bis zur Küste von den Deutschen besetzt, und alle Mühe der Franzosen, eine Verbindung mit der geschlagenen Armee von Antwerpen herzustellen, ist vergeblich gewesen.
Die Russen sind abermals mit blutigen Köpfen heimgeschickt worden. Gegen die deutsche Wacht scheitern alle ihre Angriffe. 800 Gefangene sind wieder von uns gemacht worden.
Ausdrücklich stellt der amtliche Bericht auch fest, daß die französischen Meldungen über „merkliche Fortschritte" an verschiedenen Stellen der Front den Tatsachen nicht entsprechen. Das beweist wieder einmal, was von den französischen Tagesberichten zu halten ist.
Fortdauernde Kämpfe in Belgien.
Der Ostender Mitarbeiter des „Nieuwe Rotter- damschen Courant" schätzt die Zahl der noch kampffähigen belgischen Soldaten in Noröbelgien, die haupttächlich bei Courtrai kämpfen und zum Teil auch im Norden von Brügge verschanzt sind, nur noch auf 30 000 Mann. Er bestätigt, daß viele Tausende belgischer Soldaten Bürgerkleider anzogen und so der Gefangennahme entgingen. Die wenigen noch nicht getöteten oder verwundeten Offiziere haben keinen Einfluß mehr auf die demoralisierten Truppen. Bei einer längeren Autofahrt stellte der Korrespondent fest, daß in der Nordostecke Belgiens noch etwa 20 000 Mann französische und von den früheren Verschiffungen aus Boulogne herrührend noch etwa 30 000 Mann englische Truppen vorhanden seien, die bet Ursel und Thielt zwar noch heftigen Widerstand leisteten, aber ständig an Gebiet verlören. In Gent kommen fortgesetzt neue deutsche Truppen an. Ihnen fiel eine große Anzahl belgischer Militärautomobile in die Hände. Unter den belgischen Truppen macht sich eine zunehmende Feindschaft gegen die Engländer geltend.
Zwischen Dünkirchen nnd Boulogne werden Kämpfe erwartet.
^ Berlin, 17. Oktober. (WTB.) Der soeben ans Frankreich kommende Kriegsberichterstatter des Nieu- wen Rotterdamschen Courant berichtet, daß die Reste der belgische« Armee aus Antwerpen mit französischen Vortruppen und einiger Kavallerie unterstützt wurden, aber schon am 15. Oktober von den Deutschen angegriffen wurden. Wahrscheinlich seien die Deutschen schon bei Dünkirchen. Zwischen Dünkirchen und Bonlogne würden bald größere Kämpfe erwartet.
Ueber die Lage im Norden
besagt ein weiteres Telegramm: .
fe* Paris, 17. Oktober. (Frkf. Ztg.) Das Hauptinteresse ist jetzt nach Norden gerichtet, wo sich in Bälde Entscheidungen vorzubereiten scheinst. Wegen der ebenen Beschaffeneit des Geländes sollen die Kampfe nicht, wie in Frankreich, den Charakter eines Festungs-
Paris zu versuchen. Demgeg Seien starke Kräfte zwischen o<
krieges annehmen. Man glaubt, -atz Sie Deutschen beabsichtigen, den linken Flügel Ser Verbündeten zu umfassen und der Küste entlang über Dünkirchen nach Bou- logne vorzugehen, um von dort aus den Angriff auf Paris zu versuchen. Demgegenüber haben die Verbündeten starke Kräfte zwischen der Nordsee und dem Flütz- chen Lys zusammengezogen. Die Verbindung des belgischen Heeres mit den Verbündeten soll bereits vollzogen sein.
Die Flucht der Engländer.
os* Amsterdam, 17. Oktober. (T. U.) Es bestätigt sich, daß englische Truppen zuerst als Flüchtlinge Sie holländische Grenze überschritten haben. Wie die Rot- terSamer Zeitungen melden, kamen die Engländer in wilder Auflösung, während die Belgier noch den äußeren Schein von militärischer Würde wahrten. In Ter- nenzen und VliMngen verweigern die belgischen Offiziere ihren englischen Kameraden den Grntz.
Bilder ans Antwerpen.
Der Korrespondent des „Nieuwe Rotteröamsche Corespondent" gibt aus Antwerpen eine farbige Schilderung, worin es heißt: Außerordentlich wohlgepflegte deutsche Offiziere traf ich im Pschorr beim Frühstück, vollkommen ruhig und ohne irgendwelches Aufsehen zu machen und auch ohne Anstoß zu erregen, während Gruppen von Antwerpener Herren ebenfalls an den anderen Tischen saßen. Einige luxuriöse Kokotten machten Versuche, mit den Siegern ein Offensiv- und Defensivbündnis zu schließen. Der Korrespondent gibt selbst die Einzelheiten der Speisekarte wieder, woraus hervorgeht, daß diese recht reichhaltig ist, auch nicht teurer wie in normalen Zeiten. Bei einem Rundgang durch Sie beschädigten Stadtteile bemerkt der Korrespondent, daß gerade das Gebäude der „Metropole", jener Zeitung, die am allerwütenösten den Feldzug gegen Deutschland geführt hat, vollständig durch eine Granate vernichtet worden ist. Ferner sagte er: Einige hundert Schritte weiter war die Straße vollständig mit Uniformen bedeckt. Mützen und Hosen, Altsrüstungsstücke, Abzeichen höherer Offiziere, Laternen, Tornister, Waffen, Schuhe zu Tausenden waren hoch aufgestapelt, und davor stanö ein langer Güterzug und Arbeiter waren damit beschäftigt, Güterwagen mit diesen Uniformstücken zu füllen. Schon waren Züge voll dieser überraschenden Beute hinwegtransportiert, und doch lagen noch Haufen dieser weggeworfenen Uniformen umher. Es scheint vielfach, als ob die ganze Besatzung, die über die Schiffbrücke flüchtete, in voller Angst alles weggeworfen hätte, was die Mannschaften als Soldaten kenntlich machte. Zufällig hatten dann in dem kritischen Augenblick auch zwei Eisenbahnwaggons mit Holzschuhen in der Nähe gestanden. Diese hatten die Soldaten sofort geleert und die Holzschuhe angezogen, um so den Anschein harm-
Sie Holzschuhe angezogen, loser Bauern zu erwecken.
Der „Nieuwe Rotterdamsche Cour." meldet aus Rosendaal vom 15. Oktober: Die deutsche Militärbehörde hat, wie verlautet, von der Stadt Antwerpen die volle Unterhaltung einer starken Besatzung gefordert. Die Verordnung, daß Sie Türen Ser bewohnten Häuser auch nachts offen bleiben müssen, wurde zurückgezogen. Jedoch muß auf den Fluren beständig Licht brennen.
Die Engländer geben die Niederlage bei Gent zn.
®s^ Kopenhagen, 17. Oktober. (WTB.) Die Daily Mail gibt Sie Niederlage der Verbündeten westlich von Gent zu.
Belgien nur noch ein geographischer Begriff.
»-§- Berlin, 17. Oktober. (WTB.) Das Berliner Tageblatt berichtet ans dem Großen Hauptquartier: Belgien sei jetzt eigentlich nur noch ein geographischer Begriff. Aber England habe dafür gesorgt, daß die belgische Regierung noch jetzt staatsrechtlich wirken könne. Es soll der belgischen Regierung die Insel Guernsey abgetreten haben.
Die geflüchteten Antwerpener sollen zurückkehren.
»-c- Amsterdam, 17. Oktober. (T. U.) . Ein vom Bürgermeister und dem deutschen Befehlshaber in Antwerpen unterzeichnete Proklamation, die in der holländischen Grenzstadt Putte angeschlagen wurde, fordert die ausgewanderten Belgier auf, nach Antwerpen znrttck- zukehren. Besonders werden die Ladeninhaber zur sofortigen Rückkehr aufgefordert. Für Zuwiderhandlungen werden strenge Strafen angedroht.
Der Dampfer „Gneisenau" verloren.
Nach einer bei dem Norddeutschen Lloyd in Bremen von seinem nach Antwerpen entsandten Inspektor eingegangenen Depesche, ist der Reichspostdampfer
„Gneisenau" von den Belgiern oder Engländern unterhalb Antwerpens auf belgischem Gebiet versenkt worden. Das Schiff liegt bei der Ebbe, ungefähr zwei Drittel unter Wasser, sodaß sich vorläufig noch nicht feststellen lätzt, wie weit Beschädigungen der Maschinen vorliegen. Sämtliche Boote sind durch kleine Löcher unbrauchbar gemacht, ebenso die zü Hospitalzwecken an Bord getrofse- nen Einrichtungen. Darnach dürfte der Dampfer „Gneisenau" als vollständig verloren zu betrachten sein.
Die französischen Stellungen östlich von Belfort angegriffen.
** Berlin, 17. Oktober. (WTB.) Die Kölnische Zeitung will aus Zürich wissen, daß die vorgeschobenen Stellungen der Franzosen östlich von Belfort schon am Dienstag mit schweren Mörsern angegriffen worden seien. Die deutschen Truppen gewannen schrittweise Boden.
Schwerer Offizierverlust unserer Feinde.
g-^ Stockholm, 17. Oktober. (T. U.) Im französischen und russischen Heere macht sich ein starker Verlust an Offizieren bemerkbar. Insbesondere sind nach amtlichen Angaben von den dem englischen Expeditionskorps beigegebenen französischen Dolmetscheroffizieren beinahe die Hälfte gefallen, da die bunten französischen Uniformen sich sehr von den Uniformen der Engländer ab- hoben. Der Zar wies bei der letzten Kadettenbesichtignug auf den großen Verlust an Offizieren hin und befahl den neuen Offizieren, sich im Interesse des Vaterlandes zn schonen.
Frankreich braucht noch mehr Schwarze.
Die „Köln. Ztg." meldet: Nach einem Bericht des „Corriere della Sera" hat die französische Regierung neuerdings viel Schiffe gemietet, um Kolonialtruppen nach Frankreich zu befördern. Man glaubt, daß diese Truppen nach dem Elsaß geschickt werden.
England braucht neue Kriegsfreiwillige.
Rotterdam, 17. Oktober. Die „Westminster Gazette" teilt mit, daß der Tagesausfall der englischen Fetö- truppen an Toten und Verwundeten, Gefallenen und Kranken 100 Mann übersteigt, sodaß dringend eine Steigerung des Angebots Kriegsfreiwilliger nötig fei.
Angriffe gegen Churchill.
Die Londoner Morning Post setzt ihre Angriffe auf Churchill fort und betont, dieser habe die Hauptverant- wortunq, denn er sei die Seele der britischen Expedition nach Antwerpen gewesen. Das Blatt lobt zwar Churchills ruhige Haltung bei Kriegsbeginn, erklärt aber nach dem, was geschehen, müsse man sagen, daß seine Eigenschaften in seiner jetzigen Stellung ihn zu einer Quelle von Gefahr nnd Sorge für die britische Nation machen.
Die Einschließung Warschaus bevorstehend.
^ Berlin, 17. Oktober. (WTB.) Die Kölnische Zeitung berichtet aus Wien, daß die Einschließung von Warschau nahe bevorstehe.
Die Kriegsgefangenen in Rußland.
in Nutzland sollen nach einer ReffteMuFZeMchlieMM beim Bau der Amurban verwendet werden.
Blüten der englisch-russischen Kriegsberichterstattung.
Die Londoner Times verbreiten aus Petersburg folgende für die englisch-russische Berichterstattung charakteristische Meldung: Die Deutschen, die bis 15 Kilometer vor Warschau vorgeörungen waren, wurden 35 Kilometer weit zurückgeworfen. Der Fall von Prze- mysl steht unmittelbar bevor. Mehrere Autzenforrs sind bereits iu Besitz der Russen.
Solche Lügen werden in den feindlichen Ländern als „Kriegsberichte" verbreitet.
Portugal vor der Mobilisation.
Ein Genfer Telegramm der „Frkf. Ztg." meldet: Aus Lissabon wird gemeldet, daß nach einem wichtigen Ministerrat Ser Ministerpräsident mit den Führern der politischen Parteien eine Unterredung hatte und unt- teilte, Saß die allgemeine Mobilisation bevorstehe. Das gegenwärtige Kabinett wird sich durch Zuziehung der Führer der verschiedenen politischen Gruppen zu einem Ministerium der nationalen Verteidigung erweitern.
Das Reutersche Bureau erfährt: Die Empfindungen vollständiger Sympathie des portugiesischen Volkes für Großbritannien steigen seit Kriegsbeginn beständig. Portugal muß aus alle Möglichkeiten gefaßt und bereit sein, Großbritannien überall und jeden Augenblick zu unterstützen, wo es nötig sein wird. Die Meldung, daß
„3ft das der Krieg?"
Der enttäuschte Tiroler Bergführer.
Unter den Tiroler Kaiserjägern, die gegen Rußland kämpfen, befindet sich auch der den Tiroler Sommergästen wohlbekannte Bergführer Joggl. Er ist von der modernen Kriegsührung sehr enttäuscht und hat sich — wie in der „Zeit" erzählt wird — den Kampf auf Leben und Tod bedeutend fescher vorgestellt. Auch seine schwere Verwundung — Joggl wurde von einem Russen das rechte Ohr abgebissen — erscheint ihm für einen richtigen Krieg doch zu geringfügig. Wie er sich's dachte, und wie enttäuscht er nun ist, erzählt der Bergführer in seinem Dialekt und in seiner ganzen Urwüchsigkeit:
eit:
.. „Hören Sie mir auf mit öem Krieg", begann er. Nix nt gewesen, gar nix. Mein Lebtag hab' ich mich auf einen ordentlichen Krieg gefreut Ich bin im Sommer Führer und gehe mit den Fremden auf die Berge, und im Win- k^„bm ich Holzknecht. Da haben mir die Fremden vi
irer
— haben mir die Fremden viel Wue Bücher geschenkt, denn übers Leseil geht mir nix. Kriegsgeschichten hab' ich am liebsten gelesen; ganz flam- wend rot sind mir immer die Ohren geworüeii beim Le- M w uur einen Wunsch gehabt: Herr Gott, ordentlichen Krieg erleben, wo ich die Wde alle verhauen darf! Aufs Dreschen versteh' ich Ä^ im SSirtglKms erschein', haben sie alle Wenn sie einmal in mein Dorf kommen, dann fragen Sie nach dem ~ ' —
staunen, was Sie Leute Ihnen
rch dem Joggl. Da werden Sie $tmen für Geschichten erzählen Sehnsucht. Fast W «%„% Weeu würde. Aber aus einmal war er da. üetmut Ovmi tm WArf^V^1^ !v"r i vrw Freud', waer gingen. Yin mupl uu wuucn, yuu uy mu Uc= SuttöeÄin m die Sacht. Um mich her war Geschrei unö Schießen, ich
x,ust.geworfen,, daß sie am Kirchturm hangen geblieb- ; hab' gesehen, wie Sie Russen fallen und wie unsere oermarten können, fortzu- , Leut' fallen, aber meinen Russen hab' ich nicht ausge- ‘ lassen. Und da hab' ich mir gedacht, wenn ich mir den „ derzwing, Sann führ' ich ihn als Gefangenen nach Haus.
$ nicht da?" Na, und Das ist mein Nutz. Den bring ich mir selber nach
werden. Ein Krieg, ein
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aemorsen datz sie am Kirchturin hängen geblieb ist. Ich hab gar nicht derwarten können, fortzu- komnten, so g'juckt hat's mich in den Fäusten so iinaeSnl- 'M«1W“J?»J^^ ÄWÄ:
endlich war'n wir da, und jetzt ist die Langweil' angegangen. Von an' feschen Krieg gar keine Spur! Alle Tage marschieren im Sand und wieder im Sand, und nichts zu sehen, rein gar nichts. Ich war schon ganz verzweifelt. Jeden Tag hab' ich den Leutnant gefragt: „Herr Leutnant, wann geh'n mir's an? Und nix war's. Na, und endlich hat's geheißen: der Feind ist da, jetzt gebt's in die Schlacht. Ich hab' in die Händ gespmkt und gedacht. Na, also endlich! Aber, mein lieber Herr, es war ja wieder nix! In Schützengräben sind wir gelegen und hab'n geschosseu, aber gesehen haben wir nichts. Was hab' ich vom Schießen, wenn ich nicht seh', daß ich treff'? Und über uns sind die verfluchten Luders die Schrapnells krepiert, und neben uns die Granaten. Ein Mords- spektakel war's ja, aber gar keine Hetz! Raufen hätt' i halt gern wollen, und mit diesen Granaten kann man
nicht raufen."
Der enttäuschte Joggl erzählte weiter, wie schließlich Svch fein heißester Wunsch in Erfüllung gehen sollte:
lich doch sein heißester Wunsch in Erfüllung gehen sollte: der Trompeter bließ zum Sturm auf die feindliche Batterie, die auf einem nahen Hügel Aufstellung genommen hatte. Und der Tiroler sagt: „Wenn die wüßten, daß der Joggl kommt!" Er war der erste oben auf dem Hügel und schlug mit dem Gewehrkolben um sich. Aber wie er weiter kampfte, muß man von ihm selbst hören: „Auf einmal spür' ich mein Gewehr inmmer in der Hand. Irgendein Kerl muß es mir weggehaut haben: und da steht so ein Lackel vor mir, an die sechs Fuß hoch. Ein Ruß!! Ich pack' ihn, wie man halt einen Menschen beim Ringen packt, und möcht' ihn gern um- schmeißen. Er will mich auch umschmeißen, und da haben wir halt gerungen. Er ist fest gestanden und ich bin fest gestanden. Ich hab' gesehen, rote ihm der Schweiß die Stirn herunterrinnt. Aber ich hab' nicht locker gelassen. Hin mußt du werden, hab' ich mir ge- ‘ Um mich her war Geschrei und Schießen, ich
Wien! Aber eine harte Arbeit war's. Und so im Ringen sind wir halt vom Hügel immer tiefer gekommen. Auf einmal trete ich auf einen Stein: er kommt ins Rutschen, ich stolpere und lieg' schon auf der Erd'. Uni der Ruß über mir. Tun hat er mir nichts können, denn ich hab' ihn festgehalten. Wie in einem Schraubstock Aber da streckt der Kerl sein G'sicht vor und beißt mich ins Ohr. Weg war's! Na, die Wut, die ich da gekriegt hab'! Am liebsten hätt' ich ihm eine 'runterg'haüt, aber eine feste. Aber das is nich 'gangen. So hab' ich ihn noch enger gepackt, mrd wir sind ins Rollen gekommen. Bis es auf einmal geklatscht und gepatscht hat, denn unten war ein Sumpf. Wart' nur, hab' i mir geSacht jetzt kriegst dein' Straf'! Und untergetaucht hab' ich ihn- bis er mich auf einmal losgelassen hat. Da hab' w g'wutzt, er hat genug. Nun will ich schnell aufstehen uns mrück zu den Unfern. Aber das geht nicht. Weiß f« Teufel, was mit mir los war, ich hab' micht nicht bewegen können. Bis zum Bauch war ich im Wasser, nm auf einmal ist mir schlecht 'worden: alles hat um mm her getanzt. Die Leute oben auf dem Hügel haben E tanzt unö öie Bäume auch. Dann hab' ich nichts mE gesehen. Wie ich wieder zu mir gekommen bin, bin ™ auf einer Tragbahre gelegen und war steif wie Stück Holz. Das Reißen hab' ich mir geholt in SumO Ist das eine anständige Wunde? Brrngt man sich. W was aus dem Krieg nach Haus'? Soll man sich da ntw giften? Und darauf hab' ich mich mein Lebtag gefreut. Das ist jetzt alles? Auf jedem Kirchtag, sag' ich Ihnen lieber Herr, geht's ärger zu. Ich muß mich ja rew schämen, wenn ich nach Haus' komm'. Ein Ohr ich weniger und das Reißen hab' ich. Ich hab' mir bei Krieg anders vorgestellt."
So erzählt der enttäuschte Joggl, der jetzt in einen Wiener Krankenhaus liegt und ungeduldig auf den -.o* genblick wartet, wo er wieder losschlagen und sich eui — bemerkenswertere Wunde holen kann.