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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^ für den Kreis Hersfeld

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zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei S^tSluDPr Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. '

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Zernsprech-klnschlutz Nr. 8

Nr. 345

Sonntag, den 18. Oktober

1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

und Oktober wird großes Blutvergießen mit sich bringen. Im November wird man Wunderdinge sehen. An Weihnachten wird man von Friede singen.

Strickt pttkwärmer

für unsere Truppen im Felde!

Bus der Heimat.

* (Wer i st leicht verwundet.) Der größte Teil der in den Verlustlisten aufgeführten Namen sind Leichtverletzte. Darüber gibt Generalarzt Dr. Heroll in derMünchener Medizinischen Wochenschrift" in einem ArtikelUeber die Rückkehr Leichtverwundeter in die Front" folgenden Bescheid: Als Leichtver- wundungen sind zu bezeichnen alle Weichteilwunden der Gliedmaßen, die keinen Ein- nnd Ausschuß haben, und weder mit Lähmungserscheinungen noch mit An­zeichen der Verletzung eines größeren arteriellen Blutgefäßes einhergehen,' ferner alle Streifschüsse des Kopfes und des Rumpfes und endlich alle nicht mit Haemathorax (Bluterguß in das Brustinnere) umhergehenden peripheren (das Rippenfell streifenden Brustschüsse. Diese letzteren heilen selbst dann, wenn einige Tage Blut gespuckt ist, und führen innerhalb drei Wochen wieder zur vollen Felddienstfähigkeit.

* Personalveränderungen im Bezirk der Kaiserlichen Ober-Postdirektion tn Cassel. Ueber- tragen: Die Postdirektorstelle in Bebra dem Ober- Postinspektor Grieneisen aus Leipzig. Etatsmäßig angestellt: die Postassistenten Böttcher und Möller in Bebra. Versetzt: der Postdirektor Behne von Bebra nach Bielefeld, der Postverwalter Luckhart von Vöhl nach Langendiebach (Kr. Hanau), die Ober-Postassistenten Klippert von Bebra und Richter von Rotenburg (Fulda) nach Cassel. Im Kampfe fürs Vaterland ge­fallen : Der Postsekretär, Leutnant der Reserve Hense aus Cassel; der Telegraphenassistent, Leutnant der Reserve Zorn aus Cassel,' die Postassistenten Einf.- Freiw. Unteroffizier Fiebig und Einj.-Freiw. Steinbach.

* (Rektorenprüfung.) Das Königl. Pro- vinzialschul-Kollegium für Hessen-Nassau hat zur Ab­haltung der Prüfung für Rektoren im nächsten Jahre Termin auf den 6. Mai 1915 zu Cassel angesetzt.

* (Papierdient im Feldlager als Not- schütz gegen die Kälte.) Hierüber schreibt die Deutsche Moden-Zeitung": Wer Angehörige beim Heere hat, soll ihnen so oft als möglich die gewohnten Zeitungen zugängig machen, sie spinnen die trauten Verbindungsfäden zur Heimat und erfreuen dadurch in den seltenen Ruhestunden das Herz unserer tapferen Krieger. Aber auch, wenn die Zeitungen gelesen sind, hört ihr Nutzen für den Soldaten nicht auf, sondern erfüllen noch als Notschutz gegen die Kälte einen ungemein wertvollen Zweck. Geübte Sportsleute haben die folgenden Ratschläge oftmals erprobt: Beim Postenstehen wird selbst beim stärksten Wrnddruck dte Brust warm gehalten durch das Einschieben mehrerer Zeitungslagen zwischen Hemd und Hosenträger. Soll Brust und Rücken gleichzeitig geschützt werden, )o ver­fahrt man wie folgt: Man schneidet in die für Brust und Rücken bestimmten Zeitungslagen möglichst tiefe halbe Hals-Ausschnitte, damit auf der Schulter die Teile sich decken, läßt sich von einem Kameraden das Rückenteil anlegen und verbindet auf der Schulter das Brustteil mit dem Rückenteil, was am besten durch einige Fadenstiche geschieht. Ist die Zeitung groß genug, so kann ein kreisförmiger Ausschnitt zum Durchstecken des Kopfes hineingeschnitten werden. Beim Biwak dienen zwischen Waffenrock und Mantel geschobene Zeitungslagen gegen Durchschlagen der Erdfeuchtigkeit und somit als Schutz gegen Erkältungen. Bei der Gewohnheit auf einem Arm zu schlafen, ist es ratsam, Zeitungen um den Arm zu wickeln. Haben sich rheumatische Schmerzen schon geltend gemacht, so kann man durch örtliche Umwickelungen auch hier bald Besserung erreichen. Wir wollen noch betonen, daß es nicht unbedingt Zeitungspapier sein muß, um diese Wirkungen zu erzielen, ein jedes Papier hat als schlechter Wärmeleiter die gleichen Eigenschaften. Es ist die Pflicht Aller, welche Angehörige im Felde haben, diese auf den segensreichen Wert des Papieres aufmerksam zu machen und sie in regelmäßigen Be­sitz von Zeitungen zu bringen, um die Vorteile aus- nützen zu können.

* Eine Prophezeiung für das Jahr 1914 ist im hundertjährigen Kalender von 1814 enthalten. Sie lautet: Es wird eine Zeit kommen, wo die Welt sehr gottlos sein wird. Der Monat Mai wird ernst zum Kriege rüsten, aber es ist noch Zeit. Juni wird auch zum Kriege einladen. Juli wird ernst und grausam handeln, sodaß viele von Weib und Kind Abschied nehmen müssen. Im August wird man an allen Enden der Welt von Krieg hören. September

* (D i e F e l dp o st p a k e t w o ch e.) Wie bekannt, will die Feldpost in der Woche vom 19.26. Oktober 5 Kg.-Feldpakete befördern. Dazu schreibt eiu Batte­riechef derKöln. Ztg.: Nach meinen Erfahrungen in der Front würde die gesamte Presse ein gutes Werk zum allgemeinen Besten tun, wenn sie ihre Leser da- ranf aufmerksam machte, daß diese Paketwoche nicht zu mißbrauchen ist. Und zwar aus folgenden Gründen : Wenn nur an den zehnten Teil der im Felde liegenden Truppen,-derartige Pakete abgehen, ist die Beförderung und vor allem die Zustellung unmöglich. Wie soll die Kompagnie-, Batterieordonanz abends auf schlechten Wegen auf einem sicherlich nicht mehr neuen Fahrrad 1215 derartige Pakete befördern, oft auf 20 Kilo­meter weiten Strecken? Wie soll ein Mann, der 23 derartige Pakete glücklich erhält, sie auf dem Marsch weiterbeförden? In Packtasche und Tournister gehen sie nicht. Weiterer Raum steht nicht zur Verfügung. Zu seinem anderen Gepäck sie tragen tut er sicher nicht. Also er wirft,weg, was er nicht sofort verwenden kann. Dasselbe gilt in erhöhtem Maße für Offiziere. Auch der Raum für ihr Gepäck ist äußerst beschränkt. Also nur nachschicken, was unbedingt notwendig ist, und nicht schicken, nur weil man in dieser Woche schicken kann! Dasselbe trifft für Briefe, Karten und die 500 Gramm-Briefe zu. Wieviel unsinniges Zeug wird nachgeschickt! Was tut ein braver Kanonier mit einem Schlafanzug? Anziehen kann er ihn nie, und unnütze Last nicht mitschleppen will, wirft er ihn fort. Es war also eine unnöti" "'^

da er

lso eine unnötige Belästigung der Benachteilung der andern. Viel- iweis in Ihrem geschätzten Blatte,

Feldpost und damit' leicht genügt ein Hinweis in Ihrem geschätzten S die Absendung unnützer Pakete zu verhindern.

§ Hersfeld, 17. Oktober. Anfang der nächsten Woche wird von dem hiesigen Zweigverein vom Roten Kreuz wieder eine Sendung Wollsachen und sonstiger Liebesgaben an unsere Truppen im Felde abgehen. All die Einwohner unserer Stadt, die sich an dieser Sendung mitbeteiligen wollen, werden gebeten, ihre hierfür bestimmten Gaben, bis spätestens Montag Abend im Auguste Viktoria Haus abgeben zu wollen.

8 Hersfeld, 18. Oktober. (Kirchliches.) Es wird auch an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß der Aufnahme-Gottesdienst für die diesjährigen Con- sirmanden, Sonntag den 18. d. Mts., abends 0'26 Uhr abgehalten wird. Hierzu werden die Gemeinden, be­sonders aber die Eltern und Angehörigen der Kinder freundlichst eingeladen.

8 Hersfeld, 17. Oktober. Die russischen Landar- beiter, dte in der deutschen Landwirtschaft tätig sind, dürfen Deutschland nicht verlassen, soweit sie im Alter von 1745 Jahren stehen. Die anderen russischen Arbeiter und die weiblichen Personen können aus Deutschland in ein neutrales Land abreisen. Nähere Bestimmungen über die getroffenen Kontrollmaß- uahmen und sonstige Einzelheiten des den Rußen gegenüber zu beobachtenden behördlichen Verfahrens befinden sich in einer im heutigen Anzeigenteil ent­haltenen Bekanntmachung des stellvertretenden Gene­ralkommandos bezw. des Polizeipräsidenten.

oc. Hersfeld, 17. Oktober. (S t. G a l l u s.) Der 16 Oktober hat als St. Gallustag für den Landwirt eine besondere Bedeutung. Man rechnet von diesem Tage ab auf das allmähliche Eintreten der Witterung. St. Gallen - läßt den Schnee fallen, heißt eine Bauernregel, die allerdings nur in ziemlich hochge­legenen Gebirgsgegenden Anspruch auf Richtigkei erheben kann. Immerhin beginnt der Winter fetzt Ernst zu machem Das Vieh muß aufgestallt werden und das letzte Obst muß vom Baum herunter einer­lei ob es reif ist oder nicht. Für unreifes Obst es dürfen höchstens noch Aepfel in Frage kommen - haben Esiigfabriken immer noch Verwendung. - - Mit dem St. Gallustage wird übrigens auch das Hühnervolk legemüde und beweist damit seine Sehn­sucht nach dem Winterquartier. Gerade tn diesem Jahre, in welchem durch die politischen Ereignis e die Zuführung ruffischer und galizischer Eier auf ein Minimum herabgedrückt ist, macht sich der Mangel an Hühnereiern leider recht unliebsam bemerkbar, und unsere Hausfrauen, denen schon jetzt die geforderten Preise wenig behagen, werden noch ganz andere Preisforderungen erleben müssen. Aber schließlich; auch diese paar Monate werden vorübergehen.

§ Hersfeld, 17. Okt. Das Schwurgericht ver­handelte heute unter Vorsitz des Herrn Landgerichts­direktors Staud gegen den Metzgergesellen Jakob Friedrich Dänzel wegen Totschlags und Totschlags­versuch. Zur Verhandlung in der alle Einzelheiten der Bluttat erörtert wurden, waren 19 Zeugen und 3 Sachverständige geladen. Der Angeklagte gab seine

Tat zu, er will in sinnloser ^^^ und ohne Ueber- legung gehandelt haben. Dem Angeklagten wurde seine hochgradige Erregung bei Begehung der Tat als Mildrungsgrund altgerechnet. Die Geschworenen bejahten infolgedessen die Schuldfrage nach Totschlag bezgl. der Ehefrau, der vorsätzlichen Körperverletzung bei dem Ehemann Roth; bei beiden Scbuldfragen wurden die Ullterfragell nach mildernden Umständen bejaht. Der Staatsanwalt beantragte daraufhin, den Angekl. zu einer Gesamtstrafe von 6 Jahren Gefäng­nis zu verurteilen. Der Angeklagte bat um eine mildere Strafe, worauf das Gericht nach kurzer Be­ratung folgendes Urteil verkündete: Der Angeklagte wird wegen Totschlags der Ehefrau Wotti und wegen schwerer Körperverletzung ihres Ehemanns unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gesamt­strafe von 3/2 Jahren Gefängnis verurteilt. Fünf Monate der erlittenen Untersuchungshaft wurden auf die Strafe ungerechnet. Die dem Nebenkläger Ehe­mann Roth erwachsenen besondern Stuften wurden dem Angeklagten auferlegt.

Eschwege, 16. Oktober. Verhaftet wurde der an­gebliche Ingenieur der Firma Krupp Mertens, nach welchem, wie wir meldeten, gefahndet wurde. Die Warnung vor angeblichen Ingenieuren und vor Chauffeuren mit Genfer Abzeichen bleibt bestehen.

Eisenach, 15. Oktober. Auf Veranlassung des Großherzogs Wilhelm Ernst wird von jetzt ab den verwundeten deutschen Soldaten, die in den Thüringer Kriegslazaretten untergebracht werden und gelegent­lich ihrer Anwesenheit in Eisenach auch die Wartburg besuchen, die Besichtigung der sämtlichen Jnnenräume der altehrwürdigen Wartburg unentgeltlich gestattet.

Einbeck, 15. Oktw-r. Vorgestern nachmittag spielten Kinder auf der Straße mit Flitzebog Dabei wurde das 7 Jahre alte Söhnchen des Bankic Kayser von einem Pfeil ins Auge getroffen. Das verunglückte Kind wurde sofort in einem Auto in die Augenklinik nach Göttingen gebracht. Der Fall ist um so beklagenswerter, als der Vater im Felde weilt, dort krank wurde und die Mutter, die zum Besuch ihres kranken Mannes abgereist, ist ebenfalls ab­wesend war.

cn.

ers

Nachtgebet deutscher Frauen

Herr! Unsre Männer, Söhne und Brüder Stehen draußen im feindlichen Land. Finster sank nun die Nacht herniederj Ueber der Städte und Dörfer Brand, Lenker der Kriege wir Kinder und Frau'n Fühlen mit ihnen des Schicksals Grau'n.

.Schirme uns alle!

Vater, erquite die schlafende Heere. Laß sie träumen von Heim und Herd, Bis sie erwachen zum Tag der Ehre Und zur furchtbaren Freude am Schwert. . Jeden der Unsern mach' siegfroh und stark, Aber den Feinden lähme das Mark!

Höre! Erhöre!

Schirme den Posten auf einsamen Stegen, Daß er banne der Arglist Schritt.

Schütze die Mannen im Kugelregen Und die Schar im Erkundigungsritt. Wo unsre Männer schießen und hau'n, Schütte über die Feinde das Grau'n, Tod und Verderben!

Bring' uns ihn wieder den Heißgeliebten, Daß uns umfange ein dauerndes Glück! Aber wir wissen, wir Schmerzgeübten: Mancher kehrt nicht nach Haus zurück.

Ist es der Meine, mach' leicht ihm den Tod Liegt er verwundet, schick' Helfer in Not!

Heiland, erbarm' dich!

Stärke uns täglich mit stillem Vertrauen. Jede trage tapfer ihr Los.

Stark wie die Männer seien wir Frauen, Opfernd und siegend, würdig und groß. Krönt dann ein herrlicher Friede den Krieg Singt ein geläutertes Volk vom Sieg.

Preis dir dann, Helfer!

Marktbericht.

Getreidemarkt. Cassel, den Weizen .

Roggen Hafer Gerste

100

100

100

100

Kilo

14. Oktober 1914.

25,50 bis 26,50 Mark.

23,00 bis 24,00

22,50 bis 23,50

, bis,

Strickt Strünipf«

für unsere Truppen im Felde.