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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

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zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei DffSjuuPr Hersfeld. Für die Redattion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Sonnabend, den 17 Oktober

1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Der 18. vltober,

der Tag der Völkerschlacht bei Leipzig, zu dessen acht­zehnter Wiederkehr sich zugleich die Geburt unseres so schwer geprüften Kaisers Friedrich gesellte, ist wegen dieser doppelten hohen Bedeutung ein wichtiger Tag im Kalender des deutschen Volkes geblieben. Seine vor Jahresfrist stattgehabte in größtem Rahmen durchgeführte Feier, in der sich als Krone des Fest­programms die Enthüllung des Völkerschlachtdenkmals vollzog, ist noch in frischer Erinnerung. Ob sich auch in diesem Kriege besondere Ereignisse an den 18. Oktober knüpfen werden? Wir vermögen es z. Zt. nicht vorauszusagen, denn trotz schnellster tele­graphischer Nachrichten eilt die Zeit den letzteren voraus. Und bei dem Grundsätze unseres General­stabes, nur über endgültige Tatsachen zu berichten, können vielleicht noch einige Tage vergehen, ehe wir die Ereignisse des diesjährigen 18. Oktobers erfahren. Hoffen wir, daß uns dann die Kunde irgend einer glorreichen Waffentat Gelegenheit geben möge, den 18. Oktober in künftigen Jahren aus dreifachem An­lässe in Ehren zu halten und zu feiern.

Bus der Heimat«

* (Pfeifen!) In zahlreichen Zuschriften aus dem Felde wird der Dank für die Zigarrenspende ausge- Iprocyen, die von allen Truppen unsres,11. Armee­korps mit größter Freude ausgenommen worden ist. Da nun aber nicht nur Zigarren und Zigaretten ins Feld gingen, sondern auch viele Pakete mit Tabak, kann man verstehen, wenn unsere Soldaten den Wuusch haben, diesen zu rauchen. Wie mitgeteilt wird, fehlt es aber an Pfeifen. Nur wenige haben eine Pfeife mit Wir bitten deshalb, für unsere Zigarren- itnb Tabaksammlung auch Pfeifen zu stiften. Unsere Soldaten werden sich gewiß freuen, wenn sie mit dem Tabak auch gleich die nötigen Pfeifen erhalten.

* (Das Gold heraus!) Die in letzter Zeit durch die Presse erfolgte Belehrung des Publikums über die Notwendigkeit, in Privatbesitz befindliche Goldmünzen der Reichsbank zuzuführen, und gegen Banknoten umzuwechseln, ist wie dieNordd. Allg. Ztg" schreibt, nicht ohne Wirkung geblieben. In restloser Weise ausgeübte Sammeltätigkeit hat nicht unbeträchtliche Mengen an die Reichsbank geleitet. Auch durch Umwechselung an den Postämtern kann Gold der Reichsbank zugeführt werden.

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* (Der Detailhandel im Kriege.) Im Gegensatz zu dem schwergeschädigten überseeischen yandel hat der Detailhandel geringere Schädigungen Krieg erfahren. Freilich trifft das nicht Zweige gleichmäßig zu. Die Zeit der Mobil- nachung waren goldene Tage für die Händler mit ^ebensmrtteln, die aus Angst vor der angeblich un- ^ermeidlichen Teuerung in möglichst größer Menge elttgeschafft wurden. Erst die Regulierung der Höchst- prerfe führte wieder normale Zustände herbei. Die ferneren Delikateßgeschäfte leiden allerdings desto mehr unter dem durch den Krieg bedingten Ausfalle großer Gesellschaften und Gastereien. Gute Zeiten brächte der Krieg auch für Woll- und Webewaren. Sie halten noch an. Der Bedarf unserer Krieger an warmem Winterzeug ist noch lange nicht gedeckt. Dagegen ist deren Bedarf an Schuhwaren gedeckt und auch in den optischen Geschäften, in den Waffen- und wtahlwarengeschäften ist Ruhe eingetreten. Unzu­frieden sind die Garderobengeschäfte, sowohl für Herren wie für Damen. Besonders bei ersteren fehlt die Kundschaft des besseren Publikums. Dagegen ist es beachtenswert, daß fertige Damenkleider und Mäntel, die vorwiegend die mittleren Stände und auch die Arbeiterbevölkerung kauft, besseren Absatz haben. Aehnlich liegen die Dinge im Putzgeschäft. Sehr ge­klagt wird in den Geschäften, die bessere Herrenwäsche führen. Herrenhutgeschäfte hatten vielfach in den ersten Kricgswochen nicht den zehnten Teil des in i Umsatzes. Hier zeigt

Friedenszeiten zu erwartenden . . _ . _

sich deutlich der durch die Mobilmachung bedingte Aus­fall an kaufkräftigen Kunden.

* (Die Ansprüche der Hinterbliebenen.)

Von den Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Militärpersonen der Unterklasse erhalten: Die Witwe eines Feldwebels, Vizefeldwebel, Sergeanten mit der Löhnung eines Vizefeldwebels jährlich Mk. 600, die Witwe eines Sergeanten, Unteroffiziers, Zugführer- stellvertreters jährlich Mk. 500, die Witwe eines Ge­meinen oder einer anderen Person der Unterklassen lährlich Mk. 400, jede vaterlose Waise von Militär­personen der Unterklassen jährlich Mk. 168, jede

elternlose Waise von Militärpersonen der Unterklassen jährlich Mk. 240. Außerdem kann Eltern und Groß- eltern eines Gefallenen, die bisher von ihm ganz oder überwiegend unterstützt wurden, im Falle der Bedürftigkeit ein Kriegselterngeld von jährlich höchstens 250 Mk. für die Person gewährt werden.

):( Hersfeld, 16. Oktober. (F e r i e n s ch l u ß.) Die Herbstferien sind nun auch vorüber. Viel schöne Tage haben sie unserer Schuljugend nicht gebracht. Denn einesteils wurde jede verfügbare Kraft auf dem Felde für die Kartoffelernte dienstbar gemacht anderer­seits war außerdem das Wetter durchweg miserabel und zwar nicht nur hier in Hersfeld und Umgegend sondern in fast allen Teilen unseres Vaterlandes. Und so werden die Kinder diesmal den Anfang des neuen Schulvierteljahrs fast mit Freude begrüßen. Umsomehr, als hier und da der Lehrer zum Lohne für besonderen Fleiß und gute Führung einige spannende Kriegsschilderungen aus dem jetzigen und aus früheren Kriege zum besten geben wird. Schilde­rungen, denen jeder rechte deutsche Junge mit ver­haltenem Atem und glänzenden Augen lauscht.--

§ Hersfeld, 16.Oktober. (Ei senbahndirektions- p r ä s i d e n t a. D. Ulrich f.) Nach langem schweren Leiden ist gestern der erste Präsident der Königl. Eisenbahndirektion Cassel, Wirklicher Geheimer Ober­regierungsrat, Eisenbahndirektionspräsident a. D. Franz Ulrich, Ehrenbürger unser Stadt gestorben. In Hersfeld als Sohn des Sanitätsrats Dr. Ulrich geboren, besuchte der Verstorbene das Gymnasium seiner Vaterstadt und widmete sich dann dem Studium der Rechte. Am 12. Februar 1870 zum Gerichtsassessor ernannt, trat er am 16. November 1874 zur Eisen bahnverwaltung über und wurde am 26. November 1875 zum Regierungsrat und Mitglied des Eisenbahn- direktoriums ernannt. Ulrich war literarisch sehr tätig und hat viele Bücher über zweckmäßige Umge­staltung und Beschleunigung des Eisenbahnverkehrs verfaßt,- eines davon, das die Regelung des Ver­waltungskörpers behandelte, fand derartige Beachtung im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, daß Ulrich als Vortragender Rat in das Ministerium der öffent­lichen Arbeiten berufen und in dieser Eigenschaft am 1. Juni 1887 zum Geheimen Regierungsrat ernannt wurde. Am 21. Dezember 1892 zum Geheimen Ober­regierungsrat befördert, wurde er vom Eisenbahn­minister beauftragt, in Cassel eine Eisenbahndirektion einzurichten, um das mitteldeutsche Eisenbahnnetz nach den Vorschlägen Ulrichs besser und einheitlicher ver­walten und von hier aus den Bahnbau zweckmäßiger leiten zu können, insbesondere den Bau von Neben- und Kleinbahnen die wichtigen Anschlußbahnen zuge­gliedert werden sollten. Nachdem die neue Eifenbahn- direktion Cassel eingerichtet worden war, wurde Ulrich ihr erster Präsident; am 11. März 1895 ernannte ihn der Kaiser zum Präsidenten der Eisenbahndirektion Cassel. Als er arm 1. April 1904 in den Ruhestand trat betrauerten die Eisenbahnangestellten dreien Ver­lust lebhaft, denn Präsident Ulrich war für die ganze Staatseisenbahnverwaltung der Begründer des Wohl- fahrtswesens, der Eisenbahn-Vereine und Kranken- sowie Wohlfahrtskassen, die dauernd an sein Wirken erinnern.

Callel 14. Oktober. Ein Opfer eines unglücklichen Zufalles wurde das gegenwärtig in Wilhelmshaven als Maschinistenmaat eingezogene HoftheaUrmitgUed Windgassen. Der Künstler wurde in der Dunkelheit von einer von einem Wachtposten auf einen Ver­dächtigen abgefeuerten Kugel getroffen und verletzt.

Frankershausen, 11. Okt. In der vergangenen Nacht brannte die Scheune und Stallung des Gast­wirts Cassel hier mit den reichen Erntevorraten nieder. Das Vieh konnte gerettet werden. Die Ent­stehungsursache ist nicht bekannt.

Mühlhaufen i. Thür, 13. Oktober. Vor der hiesigen Strafkammer hatte sich gestern der ^-chlvnei Eugen Thieringer wegen Betrügereien zu verant­worten, die er in LangensalzaalsDr.-Jng. Lchlrebe in verschiedenster Form verübt hatte Er verbrach mehreren Frauen die Heirat und prellte sie um große Geldbeträge, die er in luxurwiem Lebenswandel ver­brauchte. Er wurde mit einer schon früher ausge- svrockenen Gefängnisstrafe fetzt verurteilt zu einer Gesamtstrafe fünf Jahren Zuchthaus 3000 Mark Geldstrafe oder weiteren 200 Tagen Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Acht Monate gelten als "^Frankfurt a. M., 14. Oktober. Fritz Jöckel, ein 15jähriger Kaufmannslehrling, unterschlug Freitag seinem Geschäst 1320 Mk. und reiste mit dem Gelde und einem 14jährigen Freunde von hier ab, um gegen die Franzosen zu kämpfen. Schon tn Mainz machten sie sich verdächtig, logen die Schutzleute an, schmug­gelten sich aber noch über den Rhein nach Kastei. Hier übergab man die Jungen dem Roten Kreuz,

wo sie übernachteten. Von Kastei ging's wieder heim nach Frankfurt. Während der Begleiter zur Mutter heimkehrte, stieg Jöckel in Höchst aus und erklärte, daß er sich in Mannheim totschießen würde, aber erst, wenn er kein Geld mehr habe. Jöckel, der noch fast 1000 Mk. im Besitz haben muß, konnte bisher nicht ergriffen werden.

Durch die Lupe.

(Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)

Fast erschütternd hat das Schicksal sich für Belgien erfüllt, es beweist, daß auch noch heute jene Lebensweisheit gilt, daß für jedes Volkes Sünde einst die Rachestunde schlägt und daß niemand unter Palmen ungestraft zu wandeln pflegt. Stolz und sicher ob der Freunde, deren Schutz ihm zugesagt, hat es gegen Deuschlands Stärke frevle Gegenwehr gewagt, hat mit Roheit und Verbrechen seines Namens Klang befleckt, bis der Sturmwind deutscher Rache jetzt es in den Staub gestreckt. Tät' es nicht zum Teile selber Schuld an diesem Schicksal tragen, könnte beinah man das Ende eines solchen Staats beklagen, der durch Englands Hinterlist jetzt zu Tod getroffen ist. Nimmer noch am Glück erfreuen hat sich je^ein Staat gekonnt, der an Englands Liebeswerben in Verblendung sich gesonnt. England ist der Fluch der Erde, ist ein tödlich wirkend Gift, ist das Schuldbuch aller Staaten, die der Strahl der Rache trifft, England ist der Würgeengel, der die Saat des Todes düngt, der den Freunden, die er heim- sncht, Hölle und Verderben bringt. Dieses Volk von weißen Teufeln bis zum letzten Stumpf und Stiel auf der Erde auszurotten, währe wahr­lich nicht zuviel. Dank,dem Schicksal, das die Augen uns zur rechten Zeit geklärt gegen dies Gezücht von Schlangen, die auch mir bisher genährt! Noch zur rechten Zeit erkannten endlich wir die Wahrheit doch, und für jedes deutsche Herze gilt nur eine Losung noch: Kein Verlust sei uns zu herbe im Bestreben, zu entthronen dieses Volk von in der Hölle aufgezogenen Dämonen, bis zum letzten Tropfen Blutes halten wir begeistert Stand in dem heilige» Bemühen: Haß und Tod für Engelland. Walter-Walter.

Des Geigers Heldensterben.

Eine Begebenheit. 1914.

Er nahm die geliebte Geige Mit in das Kriegsgewühl; Es lauschten im Feld und Quartiere Die Kameraden dem Spiel.

Da sprang im Zauberstrahle

Der deutsche Liederborn, Da stürmte wie wildes Reiten Der deutsche Kriegerzorn.

Bald hatte das Spiel ein Ende.

Zwei Kugeln trafen gut.

Es strömte aus zwei Wunden Das rote, junge Blut.

Nun lag er still und stiller Todwund im Lazarett;

Es ruhte seine Rechte Durchschossen auf dem Bett

Das Haupt war ihm verbünde«: Kopfschuß! Der bringt den Tod! Da bat er im stillen Abend In seiner Sterbenot:

Ach, gebt mir meine Geige!" Sie brachten die Geige her. O Deutschland hoch in Ehren!" Sterbend so spielte er.

Reinhold Braun.

Eingesandt.

In den hiesigen Zeitungen hat man bis jetzt noch nichts vom Kartoffelpreis gelesen. Die Verkäufer werden sich wohl scheuen, mit ihrer Forderung an die Oeffentlichkeit zu gehen. Mit dem vorjährigen Preis könnte man doch wohl zufrieden sein, denn der Ertrag ist wohl derselbe, wie im vorigen Jahr. In vielen Gegenden ist der Preis jetzt 2 Mk. bis 2,50 Mk. pro Zentner und in Cassel wird sogar das Pfund im E i n z e l v e r k a u f zu 3 Pfennig abgegeben. Damit kann man hier auch wohl zufrieden sein; zumal die Brotpreise schon so hoch sind. Was soll aus einer Soldaten- oder Arbeiterfrau werden, wo kein Verdienst jetzt ist, und eine Familie von 4 bis 6 Kinder zu er­nähren haben, wenn man die Kartoffelpreise so hoch schraubt"? Da tritt unbedingt Hunger ein, was doch vermieden werden kann.