^ " An Kämervü ist He Stimmung gut.
Berlin, 15. Oktober. Aus Kamerun liegt eine Mel« vuna des Gouverneurs Ebermayer von Anfang September vor, wonach die Stimmung und Gesundheit der weißen Bevölkerung ausgezeichnet sind. Die Eingeborenen verhalten sich rnhig.
Der Optimismus in London schwindet.
Der Berichterstatter des „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London, daß man in den Klubs die Meldungen aus Nordfrankreich mit bedenklichen Gesichtern kommentiert. Man habe es englischerseits so dargestellt, als ob die Verbündeten an ihren äußersten linken Flügel die numerische Mehrheit besäßen. Aber da traf die Nachricht ein, daß beträchtliche deutsche Verstärkungen aus Belgien die umzingelnden Franzofen zu umzingeln drohten. Man fragt sich, warum die Verbündeten keine entscheidenden Verstärkungen nach jenem Punkt werfen. Die Deutschen haben mehr als die Hälfte ihrer Armee im Osten. Wenn die Franzosen diesen Zeitpunkt nicht auszunutzen verstehen, was solle dann geschehen, falls die Deutschen über die Russen siegen? In den Klubs rechnet man einander vor. daß die Franzosen Truppen dazu verfügbar haben „müssen" — und Napoleon habe ja gesagt, daß man an entscheidender Stelle nie stark genug sein könne. Wo ist, so fragt man, die entscheidende Stelle, wenn nicht am linken Flügel? So wird der bisher herrschende Optimismus auf eine harte Probe gestellt.
In einer Besprechung der Kriegslage sagt die „Morningpost": Es ist peinlich für ine Verbündeten, daß die deutschen Frontlinien bis znr Nordsee ausgedehnt sind, und daß der Feind gleichzeitig imstande war, den Angriff auf Antwerpen durchzuführen. Jetzt kann von einer Umgehungsbewegung seitens der Verbündeten keine Rede mehr sem. Eine der beiden Parteien muß versuchen, die Front auf irgendeinem Punkte zu durchbrechen. Der Kampf wird wahrscheinlich noch lange anhalten.
Friedenssehnsucht in den Vereinigten
Staaten.
In den Vereinigten Staaten ist, wie der „Morning Post" aus Washington gedrahtet wird, eine wachende Stimmung für einen baldigen Abschluß, des Krieges. Man fühle es in Amerika als eine dringende Notwendigkeit, daß der immer furchtbarer werdende Bluterguß ießt bald ein Ende finde. Auch werde man in Amerika wirtschaftlich sehr empfindlich vom Kriege berührt. Die New Aork Times" schreibt: Unser auswärtiger Harchel ist zum großen Teile gelähmt. Unser emhelmiicher Handel ist gedrückt, unsere Finanzen ^nö in Unordnung, unsere Börsen geschlossen. Wir protestieren, daß uns " 'KÄ SFA EM,°« »reffe richten, das in niederträchtiger Verlogenheit und Hab- diesen Kriea vom Zaune brach und das ihn als Seeräuberkrieg führt, um Deutschlands Hände«, dem auch Amerika feine Blüte mit verdankt, zu vernichten.
Kriegsallerlei.
Bewilligung eines Kredits von 1 Milliarde Mark in Preußen.
Berlin, 15. Oktober. (WTB.) Laut Bosfischer Heituna übersteigt der von der Regierung und dem Landtag geforderte Kredit 1 Milliarde. Die ein« mittiae^Annahme ist gesichert. Is /ollen in erster Linie Arbeitsgelegenheiten in allen Gebieten geschaffen werden.
Der Kaiser und die handfesten Bayern.
* «ssa kürzlich der Kaiser mit dem kommandierenden General des 1. bayerischen Armeekorps, Ritter v. Xy- lander, und dessen Generalstabschef, Generalmajor von nur den Engländern, daß ste einmal mit den Bayern zufammenkommen.
Die Opfer der ventralen Staaten.
« B-rN», 16. Otto»«. IWTB) Die wyj» Allgemeine Zeitung weist darauf hin, wie schwer »er von England entfachte Krieg auf den neutralen Sta ten laste. Sie erwähnt die Opferwilligkeit d^ Staaten, besonders Hollands, dem durch den Fall von Antwerpen neue schwere Lasten an merklicher Mühsal anfgebüroet Wurden. Wir richten unseren Blick mit Achtung und Bewunderung anf jene Neutralen, die trotz der enormen Schädigungen durch Mobilisation undderUnbilli^ ten, die ihnen wegen Wahrung ihrer Neutralität ange tan werden, solche Opferwilligkeit zeigen.
Die österreichischen Hochschulen den Feinden verschlossen. „ a ^ Wien, 15. Oktober. (WTB.) Eine Anordnung des Unterrichtsministers untersagt vom Studienjahre 191415 ab beginnend die Einschreibung von A^ riaen der 7 feindlichen Staaten an österreichisch-unga. rischen Hochschulen. Ausnahmen für Angehörige dieser Lander, welche nicht z« der dort herrschenden Nation gehören, sind zulässig.
Die Kunst und der Krieg.
oe* Rotterdam, 15. Oktober. Wie aus London gemeldet wird, wirft die Zeitung „Guardian" die Frage auf, ob man die englischen Hymnen, die deutschen Ursprungs seien, in Zukunft aus den englischen Kirchen verbannen solle. Die Zeitung kommt zum Schluß, daß die deutschen Kirchen fett der Reformation üch durch die große Zahl ihrer Hymnen und ihre Mustk. ausgezeichne haben und daß die englische Kirche Martin Luther zu viel verdanke, als daß es zu emem deutschen Boykott kommen könne.
Das Programm Italiens.
Basel, 15. Oktober. (WTB.) Die Baseler Nachrichten melden aus Rom: Das einzige Programm Italiens wird sein, Italien so ^«ell als möglich bereit zu machen, damit es jeden Augenblick in den Krieg ein- greifen kann.
. Das Eiserne Kreuz für eine Krankenschwester.
Die im staatlichen Krankenhause Aitz ausgebildete Krankenschwester Elfriede Seherhans ist mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden.
Haki Pascha von London nach Konstantinopel znrückgekehrt.
Sonktantinovel, 15. Oktober. (WTB.) Der ehemalige Großwesir Haki Pascha, der seit Jahren als Unterhändler über englifch-tüEsche Fragen sich in^London «ufhielt, ist von dort nach Konstantinopel znrückgekehrt.
Die amerikanische^Msa^ Roten Kreuz
Wien 15. Oktober. (WTB.) Die beiden Hilfsaktionen des amerikanischen Roten Kreu^es nach Oefter- retch-ungaru find gestern auf dem Nordbahnhof etnge« troffen und MM eWpfangen worbM.
Die französische Weinlese im Schlachteulärm.
** aris, 15. Oktober. Während rings um Reims der Schlachtenlärm donnert, begann in der ganzen Champagne die Weinlese.
Der englische Tabaktrnst in Dresden.
Die außerordentliche Generalversammlung der Georg A. Jasmatzi A.-G. in Dresden, die wegen Verpachtung der Anlagen und der Veräußerung von Beteiligungen beschließen sollte, wurde von der sächsischen Staatsregierung verboten, da bet der Annahme der Vorschläge ine Gefahr bestand, daß erhebliche Vermögensteile der Gesellschaft in das feindliche Ausland gehen könnten.
Vom Kaiser begnadigt.
Der „Metzer Zeitung" zufolge hat der Kaiser den vom Metzer Schwurgericht zweimal wegen Raubmordes an einem Lanömanne zum Tode verurteilten italienischen Bergmann Dini in Rombach zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt.
Sie letzten Stunden Antwerpens.
Die letzten Stunden vor der Einnahme Antwerpens schildert, in anschaulicher Weise ein Berichterstatter des Allgemeinen Handelsblattes, der Antwerpen verlassen hat und seine Eindrücke nach Rosendaal telegraphierte. Aus diesem Bericht ist zu entnehmen, daß die Antwer- pener Blätter unter einer äußerst strengen Zensur standen. Die Tatsache von dem Fall der Forts Waethem bis Lier durften sie nicht melden, als schon die Trümmer davon in deutschen Händen waren. Bis zum 9. Oktober konnte man noch nicht lesen, daß der Feind über die Reihe gegangen war. Allein am Ende war die Lage nicht mehr zu verbergen. Die Bevölkerung mußte auf das Schlimmste — die Beschießung — vorbereitet werden. Das Königspaar ist abgereist, sagt der Bericht. Das Ministerium hat die Stadt verlassen. Der Generalstab ist verschwunden, und mit ihnen Tausende von Flüchtlingen. Der Eisenbahnverkehr nach Norden geschieht ganz unentgeltlich. Tausende und Abertausende von Menschen gehen über die Schelöe und suchen von da weiterzukommen. Der Bürgerwehr wurde nach der Ansage der Beschießung befohlen, die Waffen abzuliefern. Weiterheißt es:
Gegen 8 Uhr befand ich mich auf dem Zuckerstieg, dem großen Platz an der Scheide, und wohnte der A n - kunft von Truppen bet, die ganz regelrecht vor sich ging. Dann kamen einige Kraftwagen mit Engländern, und abermals gaben die guten Antwerpener ihrem bedrängten Gemüt Luft mit dem Ruf: „Hoch die Engländer!" Und Albions Söhne sprachen den Zuschauern Mut zu. So und so viel Mann von ihrem Heer (es mag ja wahr sein, und ich verrate hebet feine Kriegsereignisse) seien unterwegs. Einige große Kanonen kommen, und abermals brechen bte Hochrufe auf die Engländer aus. Gegen 8 Uhr beginnt aber der Kanonendonner wieder, und man kann selbst von den Plätzen an der Scheide den Widerschein der Feuersglut wahrnehmen. So nahe war die Artillerie der Deutschen noch nie gewesen. Wir hatten nur eine Andeutung dafür, daß nach dem Ueber schreiten der Nethe etwas Besonderes ereignen würde.
Einigermaßen beruhigt begab ich mich früher als sonst nach meinem Quartier in der Nahe des Hauptbahnhofs. Ich schlief nur kurze Zeit. Kurz, nach Mitternacht wurde ich durch heftiges Klopfen an meiner Tur geweckt. Gellend kreischte das Zimmermädchen: „Kommen Sie doch heraus!" und jammerte zu den Umstehenden: „Hat doch ein Holländer einen schweren Schlaf!" Alles war gepackt. In dem Dunkel der straften schleichen die Flüchtlinge wie Schatten vorber. Dann vernehmen wir wieder einige harte Schläge und einen entsetzlichen Lärm, wie Raubvogelgeschrei. Fest klammern sich die Menschen aneinander, geduckt und gebückt. Manche krochen an den Häusern entlang. Von den Gästen kehrt keiner mehr in sein Zimmer zurück, außer um sich anzu- kleiden und so bald wie möglich zu flüchten. Jch^konnte iedoch immer noch nicht glauben, daß in diesem Augenblick Antwerpen beschossen würde, und machte mir und anderen weis, das schreckliche Pfeifen komme von belgischen Granaten, die nach dem feindlichen Lager
Moraens um 8 Uhr stand die S t a d tan m c h r rÄeßStellen in Brand. Der Gasthof wurde beschossen allein ich kletterte auf das Dach und sah von ackt zehn zwölf Stellen dichte Rauchwolken aufstetSen, und dann'vernahm ich wieder einen Schrei und iah eine Granate in hohem Bogen niedergehen. Und wie die an- lauten taufe auch ich die Häuser entlang. Alle ä- & KÄS Mb Äonen. $«»«& V M- Dor keine 200 Meter von mir platzt eine Granate mitten' auf der Ringstraße. Ich eile davon. Kaum gelange ich an dem Grünen Platz um eine Ecke, als wieder ein heftiger Knall hinter mir laut wird. Auf
Mevervlatz und der Viermonatstratze, wo erst kürz- cick^w Bombe aus einem Zeppelin niedergegangen X rckläm setzt auch eine Bombe ein. Fensterscheiben NÄ^ laut kreischend rennen Frauen und Kinder da- Sn einige Männer sind verwundet.
' Wf'tnnfe weiter in die Gegend an der Scheide, werden einige Verwundete, die durch Splitter ^rade r^rden «e ^ das Rathaus getragen. Es 1Ä ^ nicht tödlich. Leider
^^ für ane zu. Mehr südlich, wo alle Häuser
trittt das stw alle zu t Männer tödlich
^An versch edeneir Stellen sind mehrere Per- wnrbeu Wo und wie. konnte ich Nicht er-
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muM-e es nachzuprüfen, hatte ich nickt An der Scheide wogt ein Menschenheer, ein Wirr- rinn ^rtlrxenaen Kraftwagen, Karren, Bauernkut- ch-n ülw^ Nach Km anderen vier fährt die Pont- voll. aSS’ hatte mich fest, denn eben geht wieder eine Granate nieder. Aber es geschieht gluckst^ nichts. Langsam schieben die Kräfte und Pferdewimen sich über die nmitartW ©<6ifl^ stieg kommt eine große Rehe J^ ’ i die Artillerie heran, aber auch s e kommt nicht ou» muß warten. Ich versuche £&e^ee\S vierSu’nÄr Kein Straßenbahnwagen
Am cmA V Geleise Und über uns schwärmen an- Aauernd^diA Tod und Verderben bringenden Geschosse. Am Bahnhof alles geschlossen. Fahrzeuge sind nicht mehr aufzutreiben. fit nördlicher Richtung • «ack^Folland zu Unterwegs finde ich tatsächlich noch eine klewe WirUchaft offen, wo ich zu essen und zu trin- kekomine Mittlerweile ist es 3 Uhr geworden, laufe wieder ein Stückchen weiter. Ich befinde mich 2?n aanz ün Norden der Stadt, da geht einige hundert Metervon mir ein Geschoß nieder. In demselben Augenblick schläat an der getroffenen Stelle eine schwere SSOT Net StuiveExg, dem ersten
wo ich zu essen und zu trin- ... - - — .ervorden.
Bahnhof Jenseits Antwerpen, sehe ich, wie ein Trupp von Menschen auf dem Glerse lauft. Ich klettere hinaus mit der Frage, ob rvohl noch ein Zug komme. Ein Eisenbahnarbeiter gibt uns Bescheid: nach einer Stunde. Wir entschließen uns, zu warten. Zehn jDiinuten später winkte man uns, wir sollten nach dem Damm laufen, dort stehe ein Güterzug für Menschen bereit. Der letzte Wagen ist noch nicht voll. Wir klettern hinein. Eine Frau jammert, daß sie nicht hineinkomme mit ihrem Bettzeug und ihrem Kind. Da nimmt ihr Mann das Bettzeug, ich führe das Kind an der Hand . . . so gelingt es uns, in den Wagen zukommen. Bald darauf setzt sich der Zng in Bewegung.
Greys Entlarvung.
Auf Grund besonderer diplomatischer Informationen wirb uns aus Berlin geschrieben:
Die Enthüllullgen des Reichskanzlers über die Verhandlungen und Abmachungen Greys mit dem König und den leitenden Staatsmännern Belgiens für den Fall eines Krieges mit Deutschland haben auch in der gesamten diplvinattschen Vertretung der auswärtigen Staaten überraschend gewirkt, mib eine begreifliche Lebhaftigkeit im Verkehr mit den Kabinetten der neutralen Länder hervorgerufen. Daß auch Frankreich bereit war, die Neutralität Belgiens zn brechen und seine Heere in das Nachbarland eiurücken zu lassen, um auf dem schnellsten Wege zürn Rhein zu gelangen, beweist die Tatsache, daß die Leitung des französischen Heeres zu den englisch-belgischen Beratungen selbst die Karte des strategischen Aufmarsches lieferte, die dem vorgesehenen Aufmarsch der Truppen Frankreichs bei dem Kriegsausbruche zugrunde lag. Die Hüter des Brüsseler politischen Archivs müssen es sehr eilig gehabt haben, als sie bet dem Anrücken des deutschen Heeres die grüne Mappe mit der bezeichueuden Anfschrift: „Eug- lische Intervention" liegen ließen und damit alle Bewersstücke für die Urrivnhrhafttgkeit der englischen Politik und die Unttugbeit der belgischen Staatslenker in die Hände des deutschen Ständlers lieferten.
Da die deutschen Geheimräte nun einmal mit der Sichtung der belgischen Akten beschäftigt sind, so fiubcn sie vielleicht auch noch ben Wortlaut der „geheimen Militärkorrventivn", die zwischen England, Frankreich und Belgien abgeschlossen war. Der deutsche Gerreral- stab hatte den Wert der augeblichen belgischen Neutralität durchaus richtig eiugeschützt, als er beim Kriegsausbrüche mit Windeseile gegen Lüttich vvrstvßen lieft unb diesen Knotenpunkt des Verkehrs in deutschen Besitz brächte. Schon bald nach dem Tode des Königs Leopold, der im Dezember des Jahres 1909 erfolgte, war Belgien kein neutraler Staat mehr, denn er machte sich zum Handlanger der englisch-französischen Kriegspläne. Trotz aller Vorstellungen des einsichtigen belgischen Gesandten in Berlin, des Barons Greilidl, der das belgische Kabinett noch am 23. Dezember 1911 vor den zweifelhaften Beschützern Belgiens und vor den Gefahren einer zweidentigen Politik warnte, lieft man sich in Brüssel auf das große Abentener ein, das das belgische Land in ein ungeheures Unglück gestürzt hat. Baron Gretndl kannte seine Leute, als er das belgische Ministerium davon abzuhalten versuchte, sich dum Werkzeuge Englands machen zu lassen. Jetzt hat das kleine Königreich bitter für das wahnwitzige Verhalten seiner Staatslenker büßen müssen.
Was hat denn bie-Tmcerbeherrfcheube Britaunia" getan, um seinen Schützling zu retten? Länger als zwei Ptonate luuute die englische Heeresleitung ihre Streitkräfte über Boutoglle, Calais, Dünkirchen und Ost- ende auf den belgischen Kriegsschauplatz senden. Aber Grey hat die Belgier nur zum äussersten Widerstand aufgestachelt, denn eine nennenswerte Hülfe ließ er ihnen nicht bringen. Gemäß den geheimen Zusagen an Belgien sollte ein Expeditionskorps in der Stärke von 100 000 Mann von England nach Belgien geschickt werden, aber kaum 20 000 Mann kamen in zwölfter Stunde nach Antwerpen, als eigentlich schon alles verloren war. Oder wollte England in seiner verruchten Politik die große Handelsstadt an der Schelde gar vernichten lassen? Auch diese Tücke ist dem perfiden Albion zuzu- trauen, da den Engländern der Wettbewerb '-lntiver- pens auf dem Gebiete des Welthandels schon längst nicht mehr gefiel. Warum sollte John Bull in seinem Geschäftskrieg den lästigen Konkurrenten nicht auch gleich durch deutsche Kanonen beseitigen? Antwerpen war längst verloren, als es von den Engländercr noch immer von der Uebergabe zurückgehalten wurde. Nicht einmal das Elend der fliehenden Masserc flößte dem britischen Mephisto Mitleid ein, er lieft die Bewohner Antwerpens das Unglück auskosten. Die Belgier iver= den sich, wenn sie zur Besinnung fommen, noch darüber klar werden, daß nicht die deutschen Sieger, sondern die feigen Engländer ihre Feinde waren.
Doch weitere Enthüllungen stehen noch über die fälschlich behauptete Neutralität Belgiens und die Rolle Greys bevor. Sie werden aus ben kleinen Europastaaten, und namentlich aus Holland kommen. Es bestand nämlich der Plan, einen Bund zwischen Belgien, Dänemark, Norwegen, Schweden, Holland und der Schweiz zu schaffen, der im entscheidenden Augenblicke gleichfalls zur Einkreisung Deutschlands ansgenutzt werden sollte. Bei Gelegenheit der Feier des 300jähri- gen Stiftungsfestes der Universität Groningen im Juni dieses Jahres sollten die bindenden Abmachungen getroffen werden. Die Anregung zur Gründung eines derartigen Bundes ging von Grey und Poincareee aus, uub in erster Linie wurde Wert auf den Anschluß Dänemarks und Hollands gelegt. Die belgischen Staats- männer hatten das Bermittleramt übernommen, mtö sie schmeichelten besonders Dänemark, das ein Land des Fortschrittes sei und sich nwberuen Gedanken nicht verschlösse. Man stellte den Dänen eine Entwickelung ihrer Macht nicht nur in Europa, sondern auch im Malaiischen Archipel nach China zu in Aussicht.
Doch in Kopenhagen war man klüger als in Brüssel, und vollends dankte man im Haag für die gefährliche Ehre, sich vor den Wagen des Dreiverbandes spannen zu lassen. Weil Dänen und Holländer den Briten auch jetzt nicht beispringen wollen, ergeht er sich in dunklen Drohungen. Vermutlich werden sich die Archive der Kleinstaaten noch öffnen, wenn erst der Leu jenseits des Kanals in die Enge getrieben ist. Der Bruch der belgischen Neutralität ist durch die Entlarvung Greys in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" völlig zum englischen Spektakelstück geworden. Dem Deutschen Kaiser waren die Absichten seiner Gegner längst bekannt, als er ihnen durch Moltke die Klinge aus der Hand schlagen lieft.
Weisere Drahtnachrichten.
San Ginlianos Befinden bessert sich weiter.
^ Rom, 15. Oktober. (WTB.) Der Minister des Aeußeren San Giuliano hat den gestrigen Tag rnhig verbracht. Der Zustand des Herzens hat sich ein wenig gebessert.