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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfew 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Weiber

für den Kreis Hersfeld

Äreisblntt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Rr. 243.

Freitag, den 16. Oktober

1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Strickt Strümpfe für unsere Truppen im Felde!

Bus der Heimat

* (Meldepflicht binnen 24 Stunden.) Auf Anordnung des stellvertretenden Generalkommandos des 11. Armeekorps hat der Polizeipräsident für die Dauer des Kriegszustanöes im Interesse der öffent­lichen Sicherheit bestimmt, daß Jedermann, der ohne­hin Personen von auswärts entgeltlich oder un­entgeltlich wenn auch nur besuchsweise, bei sich aufnimmt und beherbergt, diese binnen 24 Stunden nach der Aufnahme schriftlich mittels der üblichen Meldevorörucke beim Polizeirevier anzumelden hat. Bei Nichtbefolgung ist strenge Bestrafung zu ge­wärtigen, auch haben die beteiligten Personen zu be­fürchten, daß sie sich noch sonstigen im Einzelfalle gebotenen scharfen polizeilichen Maßnahmen aussetzen.

* Bei der dauernden Inanspruchnahme eines er­heblichen Teils der Güterwagen durch die Heeresver­waltung ist es notwendig geworden, die Ladefristen sowohl für die Privatanschlüsse und Lagerplätze, als auch für den Freiladeverkehr zu kürzen. Für die Privatanschlüsse und Lagerplätze wird daher die Lade­frist allgemein auf 6 Tagesstunden festgesetzt. Wo sich nach den örtlichen Verhältnissen eine weitere Herabsetzung der sechsstündigen Ladefrist ermöglichen läßt, wird dies von den Güterabfertigungsstellen den Inhabern der Privatanschlüsse und Lagerplätze noch besonders bekanntgegeben. Für den Freiladeverkehr wird die Ladefrist derart festgesetzt, daß die Wagen (soweit die Beladung und Entladung dem Absender oder Empfänger obliegt:) die bis 11 Uhr vormittags ladebereit gestellt sind und der Absender und Em­pfänger des Gutes innerhalb eines Umkreises von zwei Kilometern von der Station wohnt, noch inner­halb der Geschäftsstunden des laufenden Tages ladefertig der Güterabfertigung zur Verfügung ge­stellt fein müssen. Diese Maßnahmen sind im Interesse der gesamten Volkswirtschaft notwendig, zu ihrer Förderung muß daher jeder Verfrachter Opfer bringen.

* (Vermehrung der Feldgeistlichkeit.) Zum 1. Oktober ö. Js. hat die Feldgeistlichkeit beider Konfessionen Verstärkungen erhalten. Eine Anzahl Geistlicher sind einberufen und den Feldtruppen zu­geteilt worden. Damit werden mehrfach geäußerte Wünsche erfüllt. Uebrigens haben sich bereits mehrere Feldgeistliche das Eiserne Kreuz verdient.

_ * ,(Zum 50jährigen Jubiläum des Hessischen Diakonissenhauses.) Wie schon kürzlich erwähnt, feiert am 18. Oktober das Diako- nlssenhaus in Cassel sein 50jähriges Jubiläum. Für eine öffentliche Feier wird sich hoffentlich nach sieg­reichem Kriege eine Gelegenheit finden. Jetzt steht demHause an Stelle der Feier die, Freude treulichan dem Dienst des Vaterlandes mithelfen zu dürfen. Zirka hundert Schwestern des Hauses stehen in der Pflege an unseren tapferen Kriegern, den Kinderschwestern und in den Kiuderschulen in Stadt und Land be­sondere Aufgaben erwachsen. DieMmeindeschwestern, soweit sie nicht zum Kriegsdienst herangezogen werden, mußten, sind vielen besorgten und bekümmerten Frauen und Kindern Halt und Trost, zahlreiche Freunde des Hauses arbeiten eifrig für die Lazarette, die von selten des Hauses eingerichtet sind. Die zum Teil schon ein­geleiteten Sammlungen zu Jubiläumsgaben haben natürlich eingestellt werden müssen. Nach dem Kriege werden die^geplanten Erweiterungen der Arbeit, das Krüppelheim in Marburg und die Ausdehnung der Räume des Mutterhauses selbst, an Wichtigkeit zu­nehmen, und Freunde und Gönner werden dann es sich anlegen sein lassen, dies in deutscher Frömmigkeit wurzelnde und in opferbereiter Liebe zum Dienen willige Friedenswerk des Hessenlandes weiter zu fördern. Hier sei nur daraus noch hingewiesen, daß die Kirchenkollekte am Sonntag den 18. Oktober für das Diakonissenhaus bestimmt ist, damit auch im Kriege seine Friedensarbeit nicht Not leide.

§ Hersfeld, 15. Oktober. In Nr. 48 der Verlust­listen sind aus dem Kreise Hersfeld aufgeführt: Füsilier Wilh. G ö b e l-Kruspis l. verw. Militar- krankenwärter der Res. Heinrich Liebermann- Gittersdorf in Gefangenschaft geraten. Soldat Adam Strube - Kohlhausen gefallen.

):( Hersfeld, 15. Oktober. Ein Bezieher unseres Tageblattes bekam gestern von seinem alten Freund in Wäldershausen, der infolge langjähriger Geschäftsverbindnng für unsere Lullusstadt und rhre

Geschichte ein sehr großes Interesse und dieses wieder­holt in Gedichten bekundet hat, nachfolgendes Gedicht, welches er uns zur Benutzung im heutigen Blatt zur Verfügung stellt.

Bruder Solls!"

Ihr Japse, Turkos und Zuaven, Ihr Franzosen, Russen, Britten, Mög' euch all' der Teufel strafen Da ob auch wir schwer gelitten Habt ihr uns in frecher Weise, Krieg erklärt und angegriffen, Kommt ihr laut und kommt ihr leise Uns mit Mord zu Land und Schiffen: Scharen wir uns eng zusammen, Hauen links und rechts hinüber, Stürzt die Welt darob in Flammen Kriegt ihr auch 'nen Nasenstüber: Mit uns freut sich drüber stolz!"

Bruder L v l l s!!"

Bruder Lolls, Du mußt uns helfen, Nimm vom Eck, des Ritters Helme Preußen, Bayern selbst die Welsen, Hau'n mit uns die argen Schelme! Raus ihr Deutsche! raus ihr Hessen, Keiner wird zu Haus gelitten. Und es sei auch unvergessen, Wie die Väter einst geftritteu. Auf dem Wasser, auf dem Lande, Setzt es häufig Schwabenstreiche Und die ganze Räuberbande Machte man zu einer Leiche: Helf' auch jetzo kühn und stolz!

Bruder Lo lls!!"

Bruder Lolls, ruf Deine Scharen, Ruf die Engel all' herbei!

Du mußt oben doch erfahren: Recht und Wahrheit unser sei!" Du mußt es vom Vater wissen, Wo die reine Flamme loht, Daß das ehrlichste Gewissen

Von den Schuften rings bedroht. Kannst Du in dem Himmel droben Sehn' die Not vom Volk und Land? Dir galt immer unser Loben, Wenn im Ruf wir Dich erkannt: Durch die Gassen rollts!"

B r u d e r L o l l s!!"

Bruder Lolls, durch unsere Reihen, (Des gewaltigen blutigen Streits) Unsere Kämpfer all zu weihen, Schreite segnend mit dem Kreuz. Hilf dem Rechte, hilf dem Guten, Hilf der Ehrlichkeit zum Sieg: Gerne wollen dafür bluten, Die da zogen in den Krieg. Und die wir zu Haus geblieben Siehst zu Opfern Du bereit, Hilf uns! Hilfe Deinen Lieben! Später hör wie dankend schreit: Glocken übertönen solls!" "Bruder Lo lls!!"

wird

Weimar, 13. Oktober. DerEis. Tagesp." von bier geschrieben: In den siebziger und achtziger Jahren waren aus dem im nördlichsten Winkel des Großherzogtums belegenen Dorfe Wolferstedt eine dlnr^Nl scklicbter Fleischergesellen nach Norwegen aus- suchen In verschiedenen Städten des in den gegen- wärttaen Kämpfen neutralen uns aber wohlgesinnten Landes haben es die ausgewanderten Fleischer zu angesehenen Geschäften und Wohlstand gebracht. Dieser Tage erhiett nun der Bürgermeister von Wolferstedt vom Fleischermeister Friedrich Bohne in Trondhjem 500 Mark, vom Fleischermels er Hermann Boehme, ebenfalls in Trondhjem, gleichfalls 500 Mark, von den Fleischermeistern Franz Bohne tn Bergen 500 Mark, Hermann Bohne in Momsö 500 Mark, Gustav Geb- bardt in Tromsö 250 Mark und Otto Gebhardt in Hammerfest 250 Mark, also im ganzen 2500 Mark, mit der Bestimmung, die Summe zur Unterstützung von eingezogenen Landsturm- und Landwehrleuten, deren Familien oder von Verwundeten zu verwenden. Neben dem materiellen Wert dieser hochherzigen Spende liefern diese wackeren Männer im hohen Norden den immer von neuem wohltuenden Beweis, daß ihre Herzen noch deutsch schlagen und sich eins fühlen mit ihren gegen eine Welt im Kampfe stehenden Bruder und Stammesgenoffen.

Schulter an Schalter".

Von alters her hat das Wort deutsche Treue einen guten Klang in der Weltgeschichte. Sie geloben und 1 halten ist eins. Ob Tod und Untergang, Sieg und

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Lorbeeren winken, deutsche Treue wankt nicht. Manches Lied lobpreist und verherrlicht sie, schönere werden folgen aus Anlaß des großen Brandes 1914, der sie in unvergleichlichem Glänze neu erstrahlen ließ. Oesterreich und Deutschland in Blut und Waffen vereint, echte Nibelungentreue betätigend, wie einst es Kaiser Wilhelm geboten hat. Wie so bedauerlich oft über die deutschen Stämme Familienzwiste Hader und Uneinigkeiten brächte und zu harten Ausein­andersetzungen auch zwischen Preußen und Oesterreich führten, die Zeiten der Jugendraufereien sind vorbei. Auf der gegenseitig gespürten und erprobten Kraft baut sich die unverrückbare Freundschaft der mannbar gewordenen Völker auf. Vor 48 Jahren legte der erste Kanzler des neuen Reiches den Grundstein zu dem Bündnisvertrag mit dem alten Kaiserstaat. Im Lärm der Schlachten findet sein Werk jetzt eine macht­volle Krönung.

Als die Kunde von dem scheußlichen Mord in Serajewv der Draht übermittelte, da zuckte in Deutsch­land genau so wie im Habsburgerstaat ein jeder zu­sammen in gerechter Empörung und überall bangte das Volk, daß Oesterreichs Regierung sich wiederum weichherzig und nachgiebig zeigen könne. Die Herzen waren befreit, als es nicht geschah. Der österreichischen Festigkeit gegenüber dem serbischen Mörderstaate und dem slawophilen Rußland stand die des Deutschen Reiches ebenbürtig zur Seite. Die Treue im Frieden und in gewitterschwülen Tagen sonnte sich dann in Gefahr und Not herrlich bettttigen. Nicht in Phrasen und überschwenglichen Reden kam sie zum Ausdruck, sondern in ernster Massenarbeit. Oesterreichische Motorbatterien spien gleich zu Beginn des Krieges in Belgien Tod und Verderben und reichsdeutsche Flieger beobachteten für den Bundesgenossen die russischen Bewegungen an der galtzischen Grenze. Die deutsche Skutari-Mannschaft blutete auf den serbischen Schlachtfeldern und zum Kampf und Tod ging dieKaiserin Elisabeth" nach Tsingtau. Alles Selbstverständlichkeiten, die ohne große Worte getätigt worden, aber die doch tief in das deutsche Gemüt sich eingruben. Das Alldeutschland war plötzlich kein leerer Wahn mehr. Das völkische Fühlen ist durch diese Tage eins geworden mit der staatlich politischen Notwendigkeit. Niemals und von niemandem kann daran in Zukunft eine Aenderung eintreten. Wie auf die Waffentaten von Wörth und Sedan ein Ver­sailles folgte zur unzerstörbaren Einigung der Stämme im neuen Reich, so wird diesmal ein Größeres folgen, noch keimend im Schoße der Zukunft, aber doch 3 um Leben und nach Ausdruck drängend.

Wie haben wir in Deutschland bang geharrt auf Nachricht über das zähe andauernde Ringen der österreichischen Truppen bei Lemberg und wie mögen auch sie angesichts der zehnfachen russischen Uebermacht nach den Preußen ausgeschaut haben. Viel zu lange dauerte es uns, was doch nicht früher möglich war. Und endlich, endlich kam die mit banger Sehnsucht erwartete Kunde, daß Oesterreicher und Deutsche auf den Schlachtfeldern von Polen und Galizien sich die Hände gereicht hatten. Manch Band, das in Friedens­zeiten im völkischen Kampfe geknüpft wurde, mag zwischen den einzelnen über Blut und Leichen dort schnell erneuert worden sein. Mit Jubel und Hoch­gefühl gingen die Verbündeten und Verbrüderten mit neuem Mute in den Kampf. Wir daheim aber lasen mit Freude die Meldung des Cheftz des öster­reichischen Generalstabs, daß die deutschen'und öster­reichisch-ungarischen Truppen Schulter an Schulter den Feind zurückwarfen. Schulter an Schulter, so soll es sein, jetzt und immer, dann ist die Wacht an der Weichsel in ebensoguter Hand, wie die Wacht am Rhein. Ob aber an der Weichsel oder am Rhein, ob an der Nordsee oder der Adria, müssen wir zusammen­stehen, denn nicht sind die Lebensinteressen der einzelnen Völker gefährdet, sondern die der Gesamt­heit der Deutschen. Um die Wohlfahrt und die Zu­kunft der Brudervölker geht es in diesem Kriege. Ständen wir nicht zusammen, was würde aus uns? Die Geschichte gibt Antwort. Wir haben am eigenen Leibe bitter erfahren, was Uneinigkeit für Deutsch­land bei der Vernichtungs- und Raubgier unserer Nachbarn bedeutet. Niemals dürfen solche Zeiten wiederkehren.

Wie immer der Krieg ausgehen mag, eine Er­rungenschaft hat er gebracht, die in der Welt nicht verloren gehen kann, den Glauben an deutsche Treue. Und da die Deutschen noch niemals besiegt wurden, wenn sie in Treue und Einmütigkeit zusammenstanden, so werden sie auch diesen Krieg siegreich bestehen. Das fühlen und hoffen wir mit inbrünstiger Seele. Trotz aller Verleumdungen unserer Feinoe führen wir den Kampf mit lauteren, reinen Waffen für Kultur, Recht und Freiheit. So werden wir durch Reinheit zur Einheit kommen, denn nur an der Rein­heit, Einigkeit und Stärke des gesamten Deutschtums kann sich des Dichters Wort bewahrheiten, daß am deutschen Wesen die Welt genesen wird.