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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^-^^ für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- > . «

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei 5)W5iuD£r

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ÄtnSDIOll amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Meder-

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werttag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-5lnschlutz Nr. 8

Nr. 242. Donnerstag, den 15. Oktober 1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Strickt Pulswärmer

für unsere Truppen im Felde!

Bus der Heimat

* (Ermäßigung des Portos fürFeld - p o st p a k e t e.) Feldpostpakete mit Bekleidungs- und Ausrüstungsstücken an die Angehörigen des Feld­heeres werden vom 19. bis 26. Oktober angenommen. Das Porto sollte ursprünglich 50 Pfennig betragen. Es ist nachträglich auf 25 Pfg. herabgesetzt worden. Die Pakete dürfen nach wie vor bis zu 5 Kilogramm schwer sein. Einschreib- und Wertpakete sind nicht zulässig. Die Verpackung der Pakete muß fest und so dauerhaft sein, daß sie den Fährlichkeiten einer längeren Beförderung widerstehen kann. Zur Ver­packung sind deshalb Holzkisten oder starke Papp- kartons oder Säckchen aus fester Leinwand zu ver­wenden. Es empfiehlt sich, sie außerdem mit Oel- papier zu umhüllen usw. Für jedes Armeekorps, sowie das Schlesische Landwehrkorps ist ein Ort als Paketdepot bestimmt, Cassel auch für die belgischen Besatzungstruppen. Das Paketdepot muß in der Ad­resse angegeben werden. Nur wenn der Empfänger keinem Divisions- oder Armeekorpsverband angehört, darf das Depot fehlen. Findet die Einlieferung un­mittelbar bei dem Paketdepot statt so ist Porto über­haupt nicht zu entrichten. Wenn die Empfänger von Paketen als verwundet, vermißt oder gefallen sich nicht mehr bei dem kämpfenden Heere befinden, so wird der Inhalt des Paketes zum Besten seines Truppenteils verwandt. Die Truppenteile führen Listen für diese Pakete nach Absender, Aufgabeort und Empfänger.

* (Sterbeurkunden gefallener Soldaten.) Von Angehörigen der im Kriege gefallenen Soldaten oder sonstigen Personen, die sich in einem Dienst- oder Vertragsverhältnis bei dem Heere befinden, werden von den hiesigen Standesämtern vielfach Sterbeur­kunden verlangt. In einigen Fällen konnten solche ausgefertigt werden, meistens jedoch noch nicht. Die geltenden Bestimmungen über die standesamtliche Beurkundung dieser Todesfälle sind enthalten in einer kaiserlichen Verordnung vom 20. Januar 1879 (Reichs­gesetzblatt S. 5). Hiernach erstattet von jedem Todes­fälle im Felde der Regiments-Kommandeur bem zu­ständigen Standesamt schriftliche Anzeige. Zuständig zur Beurkundung ist das inländische Standesamt, in deffen Bezirk der Gefallene zuletzt gewohnt hat. Sterbefälle von Verwundeten in inländischen Lazaretten werden auch nur bei dem Standesamt dieses letzten Wohnortes beurkundet. Wie es sich zeigte, gehen die einzelnen Sterbefallsanzeigen aus dem Felde nur ganz allmählich ein, sodaß die Angehörigen, sofern sie Urkunden wünschen, Geduld haben müssen. Auch be­dürfen die Sterbesallsanzeigen in mancher Hinsicht, wie z. B. Berufsangabe, Bezeichnung der Eltern oder der Ehefrau, meistens sorgfältiger Nachprüfung, die Nicht umgangen werden kann, sofern die Urkunde für die Angehörigen Gebrauchswert erhalten soll. Eine Beschleunigung kann dadurch erzielt werden, daß die Angehörigen, ohne eine besondere Aufforderung der Standesämter abzuwarten, ihr Familienstammbuch, in welchem die Geburt oder die Eheschließung des Gefallenen beurkundet ist, dem Standesamt einsenden, da aus dem Stammbuch das Erforderliche ersehen werden kann. Die zur Beurkundung gekommenen Sterbefälle werden in den standesamtlichen Mit­teilungen der Presse in Verbindung mit den sonstigen Todesfällen in der Stadt täglich veröffentlicht. Ei vor dieser Veröffentlichung ergehendes Ersuchen um Urkunden verläuft ergebnislos.

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* Falsche Fünfmarkscheine sind im Um­lauf. Bei einer Frankfurter Sparkasse wurde ein Darlehnskassenschein in Zahlung gegeben. Der Schein trägt die Nr. 113935 und ist anscheinend nach einer Photographie vom Original vervielfältigt worden. Es ist deshalb diesen Scheinen besondere Aufmerk- samkrit zu widmen.

* (Offenthalten der Kirchenwährend d e r K r i e g s d a u e r.) Wie das Casfeler Konsistorlum mitteilt, ist es der Wunsch des Kaisers, daß während der Kriegsdauer die evangelischen Kirchen in den größeren Städten auch außerhalb des Gottesdienst offen gehalten werden. Das Konsistorium ordnet des­halb an, daß in den Städten des Casseler Bezirks von mehr als 10 000 Einwohnern dem Kaiserlichen Wunjche gemäß verfahren wird. Vorausgesetzt wird, daß die dadurch etwa entstehenden Unkosten von dem Pres-

byterien um des Zweckes willen gern getragen werden. Fernerhin erklärt sich das Kontisttorium damit ein­verstanden, daß auch in kleineren Gemeinden, wo das Bedürfnis hevortritt gleichfalls die Kirchen auch außer der gottesdienstlichen Zeit offen gehalten werden.

* Die Gefahr der Verschleppung von Gepäckstücken ist jetzt, während der Zugverkehr auf den Eisenbahnen unter dem Einfluß des Kriegszu­standes steht, naturgemäß eine wesentlich größere als im Frieden. Reisende, die ihr Gepäck gegen Unregel­mäßigkeiten tunlichst schützen wollen, handeln,' zweck­mäßig. wenn sie auf den zur Beförderung aufzu- liesernden Gepäckstücken ihren Namen und den Namen der Zielstation haltbar anbringen. Von der Etsen- bahnverwaltung ist angeordnet worden, daß die Eisen- bahndienststellen dies den Reisenden bei der Aufgabe von Gepäck dringend empfehlen.>

* Bei Feldpostbriefen an die Angehörigen von L a n d st u r m b a t a i l l o n e n ist in der Adresse der Aufstellungsort des Bataillons auch dann mit anzu- geben, wenn die Truppe aus dem Aufstellungsort ins Feld abgerückt ist. Da die Mehrzahl der Landsturm- Bataillone keine fortlaufende Nummer trägt, ersetzt der Aufstellungsort diese Nummer und ist deshalb für die Postadresse unentbehrlich. Sind an demselben deutschen Garnisonsorte mehrere Landstnrmbataillone aufgestellt worden, wie zum Beispiel das 1. Land­sturmbataillon (Potsdam) und das 2.Landsturmbataillon (Potsdam), so darf auch in der Postadrefse die Unter­scheidungsziffer (1., 2.) nicht weggelassen werden.

*(GeldsendungeninneutraleStaate n.)

Es sind neu festgesetzt.worden die Umrechnungsver­hältnisse für Postanweisungen nach Ländern der Frankenwährung (Italien, Schweiz usw.) auf 100 Franken = 87 Mk., nach Rumänien auf 100 Lei 87 Mk., nach den Niederlanden und den niederländischen Kolonien auf 100 Gulden 186 Mk., nach Dänemark, Schweden und Norwegen auf 100 Kronen 114 Mk., nach den Vereinigten Staaten von Amerika und nach Cuba auf 100 Dollars = 440 Mk.

8 Hersfeld, 14. Oktober. In den Verlustlisten sind folgende Kriegsteilnehmer aus dem Kreise Hers­feld aufgeführt: (Aus früheren Listen.) Musk. Ernst K ü ch - Meckbach tot. - Husar Valentin Otter- Hers­feld tot. Husar Wilhelm Lipphardt-Tann l. verw Kanonier Adam Euler - Kemmerode schw. verw^ - Ausden neuesten Listen: Gefr. Otto Weiß- Kirchheim l. verw. Wehrm. Christian Kropf- Dünkelrode I. verw. Musk. Adam Pfromm- Hilmes verm. Einj.-Freiw. Oskar Sippel - Heringen l. verw. - Reserve Karl I ck l e r - Mengs- hausen l. verw.

8 Hersfeld, 14. Oktober. Der heutige Lullusmarkt ist gegen sonstige Jahre mit B e r kau fs st a n d en nur schwach besetzt, jedoch sind viele Kauflustige er­schienen, sodaß die Geschäfte im allgemeinen gut waren. Auf dem Viehmarkt waren 148 Stück Rindvieh aufge­trieben Preise und Handel waren sehr gedruckt. Auf dem Schweinemarkt waren 686 Schweine anfgefahren und wurde hier bei etwas zurückgegangenen Preisen Hott gebündelt Das Paar Ferkel wurde je nach dem Mte/mit 12 bis 18 Mark bezahlt. Der nächste Vieh­markt findet am 5. November statt und beginnt der Auftrieb um 7 Uhr.

H Hersfeld, 14. Oktober. Herr Bürgermeister Sträub bat heute morgen ein Telegramm folgenden ^nbalts erkalten: . - , den 13.10. um 9.40 nachm. "tn Feindesland haben Offiziere und Mannschaften des 3 Batirillons 71 Regiments das Lollsfeuer ange- zündet und senden, in Gedanken heute zn Hause, herzlichen Gruß Im Auftrag Otto, Leutnant und Adjutant Herr Bürgermeister Strauß hat dieses Telegramm sofort wie folgt beantwortet: Drittes Ba­taillon 71 Reserveregnnents . . . , Frankreich. Besten Dank und kräftiges Bruder Lolls im Namen aesamter Bürgerschaft dem tapferen Bataillon, aus das wir stolz A Herzlichen Gruß. Der Magistrat Bürgermeister Strauß.

Rotenbura a. d. F., 12. Oktober. Se. Kgl. Hoheit der Landgraf Chlodwig von Hessen führt nächste Woche nach dem westlichen Kriegsschauplatz. Er nimmt ein Lastautomobil für Liebesgaben aller Art sur unsere im Feld stehenden Soldaten Mit. Gaben werden tm Schloß dankbar angenommen.

Cassel 13. Oktober. Das -Eiserne Kreuz haben erhalten die drei Söhne des Obersten a. D. Moeller hier. Durch diese Auszeichnung besitzt diese Familie Moeller das Eiserne Kreuz in drei Generationen. Oberst a. D. Moeller erhielt es im Jahre 1871 nach der Schlacht bei Loigny-Poupry und Orleans als Leutnant im 76. Infanterieregiment. Sein Vater hatte es sich 1815 bei Waterloo als Leutnant erkämpft.

Ha««. Münden, 11. Oktober. Münden bekommt Kriegsgefangene und zwar nur Offiziere, die hier in

Sein Vater

Leutnant erkämpft.

derUnion", normal Rickmerschen Oelfabrik, unter« gebracht werden sollen. Die Belegung dürfte schon alsbald erfolgen.

Ohrdruf, 13. Oktober. Auf dem Trnppenübungs- platz zu Ohrdruf ist der Kgl. Landrat des Landkreises Cassel, Gottfried Rabe v. Pappenheim, vor einigen Tagen von einem schweren Unfall beim Reiten be­troffen wurden. Herr v. Pappenheim war im Begriff, zu Pferde zu steigen. Das Pferd scheute und warf, wie dieHess. Post" meldet, eine daneben in der Erde steckende Lanze um. Dabei fiel die Lanze so ungliick- lich auf den sich in den Steigbügel schwingenden Landrat, daß die scharfe Lanzenspitze sich tief in den Oberschenkel einbohrte und diesen schwer verletzte. Herr v. Pappenheim wurde sofort ins dortige Militär- lazarett transportiert, wo ihm ärztliche Hilfe zuteil wurde. Inzwischen ist die Heilung der Verletzung so weit vorgeschritten, daß Herr v. Pappenheim im Automobil am Sonntag von Ohrdruf nach Cassel in seine Wohnung gebracht werden konnte.

Marburg, 13. Oktober. Das Wintersemester an der Universität nimmt, wie berichtet wird, am 15. Oktober seinen Anfang. Die Vorlesungen beginnen am 26. Oktober und die Immatrikulationen müssen bis zum 5. November erfolgt sein. Die Einführung des neugewählten Rektors, Geh.-Rat Prof. Dr. Kor- schelt, findet am Sonntag den 18. Oktober in der Aula der Universität statt.

Gießen, 11. Oktober. Durch Verfügung des Ober­bürgermeisters ist hier für gute Speisekartoffeln ein Höchstpreis von 3 Pfennig pro Pfund im Einzelver­kauf festgesetzt. Verschiedenen Händlern war dieser Preis zu niedrig und auf dem letzten Wochenmarkt hatte einer von ihnen seine Säcke zugebunden und erklärt, er hätte die Kartoffeln schon alle sackweise verkauft. Diese Angabe stellte sich als unwahr her­aus, worauf die Polizei die Säcke wieder aufband, die Kartoffeln verkaufte und dem Händler den Erlös aushändigte.

Frankfurt, 13. Oktober. Vor dem Feinde gefallen ist, der junge Frankfurter Gelehrte Dr. phil. Walter Stenüell, als er, der letzte Offizier seiner Kompagnie, diese stürmend vorführte. Als Mitarbeiter des Frank­furter neurologischen Instituts hatte er sich durch Arbeiten über das Gehirn der Fische und über die Endigungen von Gesichtsnerven bereits einen treff­lichen Namen gemacht.

Heidelberg, 14. Oktober. Im Garnison-Lazarett überfiel ein plötzlich irrsinnig gewordener Kranken­wärter den diensttuenden Soldaten und versetzte ihm einen Messerstich in die Brust. Daraufhin flüchtete der Krankenwärter in ein Dachzimmer, von wo aus er Revolverschüsse nach dem Hofe abgab. Durch zwei inzwischen herbeigerufene Soldaten wurde der Kranken­wärter, der auf das Dach geklettert war, erschossen. Der schwerverletzte Soldat wurde in das akademische Krankenhaus gebracht.

Eingesandt.

Es sind noch eine große Anzahl junger Leute in hiesiger Stadt, welche sich nicht an den Uebungen der Kriegsjugendwehr beteiligen. Ich nehme an, daß es diesen jungen Leuten an dem nötigen Verständnis für die Notwendigkeit der Uebungen fehlt, daß sie das Gute, welches hierdurch für sie selbst und das Vater­land geschaffen wird, nicht genügend erkennen. Legt einmal die rechte Hand dorthin, wo das gute Deutsche Herz sitzt und sagt: Vorwärts, ich will nicht zurück stehen, wo meine Brüder, meine Freunde, meine Be­kannten im Kampfe stehen, unser Haus, Hof, -unsere Mütter unsere Schwestern und Brüder beschützen und für unsere gerechte Sache bluten, die größten Ent­behrungen ertragen und mit zerschossenen Gliedern gar oft lange liegen bis^ ihnen Hilfe 'wird. Vor­wärts, ich will nicht zurück stehen, ich will gern einige Stunden in der Woche und am Sonntag opfern und mich für den zukünftigen Dienst fürs Vaterland vorbereiten, nein abermals nein ich stehe nicht zurück, ich will meine Kraft in den Dienst des Vaterlandes stellen. Komme junger Ka­merad, trete in unsere Reihe ein. Wir rufen Dich. Derjenige aber, welcher gesund ist, und diesem Ruf nicht folgt, ist nicht wert Freund und Kamerad genannt zu werden, jeder sollte ihm zurufen: Schäme Dich, du Feigling, und sich von ihm abwenden. Und nun Ihr Mädchen alle: Wendet Euch ab von solchen Gleich­gültigen, welche nicht den Mut und die Willens­kraft haben, jetzt schon in unsere Reihen einzutreten, um das zu erlernen, was für einen jeden Jüngling zur Verteidigung von Hans und Hof in dieser gefahr­vollen Zeit io dringend nötig ist. Vorwärts, auf zu den Uebungen der hier gebildeten Kompagnie.

Johannes Nehm.