Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger Weiher
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. «41. Mittwoch, den 14. Oktober 1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befindeu sich aus der letzten Seite.
Strickt Pulswärmer
für unsere Truppen im Felde!
Aus der Heimat
*StädtischeMietsdarlehnskassen sind in verschiedenen Städten gegründet worden. So ist eine Mietsdarlehnskasse in Dresden gegründet worden. Die Stadt gibt hier Mietunterstützungcn für solche Wohnungen, deren Inhaber sich im Felde befinden. Der Rat zahlt 3/i der Miete für diese Wohnungen direkt an die Hausbesitzer, jedoch höchstens einen Betrag von 15 Mark monatlich. Es kommen also für die Unterstützung nur kleine Wohnungen in Betracht, wobei übrigens der Vermieter ausdrücklich erklären muß, daß er das rückständige Viertel für die Kriegsmonate auch nach dem Kriege von den Mietern nicht beansprucht. In Ausnahmefällen kann diese kommunale Mietunterstützung auch in höheren Beträgen für größere Wohnungen gezahlt werden, wenn es sich z. B. um Pensionate handelt, deren Inhaber durch den Eintritt des Krieges in ihrer Erwerbsmöglichkeit gestört sind. Für alle übrigen Fälle ist in Dresden eine unter städtischer Aufsicht und staatlicher Oberaufsicht stehende Aktiengesellschaft gegründet worden. — Auch in Breslau ist man zur Gründung einer städtischen Mietsdarlehnskasse geschritten.
* Wie die „Frft. Ztg." hört, wird demnächst die Musterung und Aushebung eines Teil des ungedienten Landsturmes, der mit der Waffe ausgebildet werden soll, erfolgen. Dem Vernehmen nach sollen zehn Klassen des ungedienten Landsturms, Leute bis zum 30. Lebensjahr einschließlich, gemustert und ausgehoben werden. Bisher hatte sich der ungediente Landsturm bis zum 39. Lebensjahr vor einigen Wochen lediglich zur Landsturmrolle angemeldet.
* (Der Herbstgüterverkehr auf der Eisenbahn.) Der Güterwagenpark der preußischhessischen Stasbahnen wird durch die Heeresverwaltung dauernd stark in Anspruch genommen, sodaß bei dem herrschenden Wagenmangel, nach Ansicht der Eisenbahnverwaltung auf eine befriedigende Erledigung des Herbstverkehres nicht mit Sicherheit gerechnet werden kann. Von einer Kürzung der Ladefristen soll zwar zunächst allgemein abgesehen werden, es soll dies,nur für Privatanschlüsse und den Freitadever- kehr da geschehen, wo dies zweckmäßig erscheint, aber auch nur dann, wenn damit Vorteile für den Wagen- nmlauf gewonnen werden. Auch soll versucht werden, durch Verbesserung des Güterzugfahrplans den Wagen- umlauf zu beschleunigen. Für die Rübenversender sollen möglichst viel Wagen zur Verfügung gestellt werden. Im allgemeinen volkswirtschaftlichen Interesse wird aber mancher Versender ein Opfer bringen und unter Umständen auf die Wagen etwas warten müssen, ein Mißstand, der sich bei den vorhandenen Schwierigkeiten nicht beseitigen läßt.
^(Feldpostbriefe im Ortsverkehr und im Inlande.) Feldpostbriefe dürfen im Ortsverkehr nur als solche bezeichnet werden, wenn der Stempel des betr. Truppenteils sie kenntlich macht. Das gleiche gilt auch innerhalb Deutschlands. Fehlt dieser Stempel des Truppenteils, so wird der Brief mit Strafporto belastet.
* (D i e S ch w e i n e s e u ch e.) Am 30. September ist für das gesamte deutsche Reich eine neue Statistik über die Schweineseuche und Schweinepest ausgenommen worden. Seit der vorletzten Statistik hat die Seuche im Regierungsbezirk Cassel wieder bedeutend zugenommen. Zurzeit sind 8 Kreise mit 21 Gemeinden und 54 Gehöften verseucht. Hierfür kommen in Betracht: Kreis Cassel mit 6 Gemeinden (17 Gehöfte), Eschwege 1 Gemeinde (1 Gehöft), Fritzlar 1 Gemeinde (1 Gehöft), Hofgeismar 3 Gemeinden (5 Gehöfte), Wolfhagen 1 Gemeinde (1 Gehöft) Hünfeld 2 Gemeinden 2 (Gehöfte), Hanau 3 Gemeinden (23 Gehöfte) und Grafschaft Schaumburg 4 Gemeinden (4 Gehöfte). Der Regierungsbezirk Wiesbaden hat 5 verseuchte Kreise mit 25 Gemeinden und 49 Gehöften. Im gesamten Deutschen Reiche herrschte die Seuche bei Aufnahme der Statistik in 315 Kreisen mit 915 Gemeinden und 1278 Gehöften.
):(Hersfeld, 13. Oktober. (G e w er bl i che For tbildungsschule.) Von beteiligter Seite wird uns geschrieben: Das Winterhalbjahr nimmt Mittwoch, den 14. ös. M. seinen Anfang. Im Jnterepe der Meister und Lehrlinge machen wir darauf ausmerkmm, daß die Schulleitung gehalten ist, zur Förderung eines
geregelten Unterrichts Versäumnisse ohne dringenden Grund zur Bestrafung zu bringen.
):( Hersfeld, 13. Oktoher. Die Lehrlinge Gustav Kersie aus Dagobertshausen und Wilhelm Gebhardt, bestanden, hente vor der hiesigen Schneiderinnung ihre Gesellenprüfung mit Gut.
Bebra, 13. Oktober. Das Eiserne Kreuz erhielt: Leutn. ö. R. und Bat.-Adjutant im Res.-Jnf.-Reg. 47 Otto Rudolph, Sohn des Rechnungsrats Rudolph, in Bebra.
Gerstungen, 12. Oktober. Von seinem eigenen Geschirr überfahren wurde der Gutsbesitzer Rudolf aus dem nahen Richelsdorf. In der Absicht, in der Klosterziegelei Ziegel zu holen, geriet R. auf dem Wege nach dort durch Scheuen der Pferde unter die Räder des Wagens. Hierbei erlitt er schwere Verletzungen am Arm und Bein. Durch Mitglieder der hiesigen Sanitätskolonne wurde er sofort nach dem Hersfelder Krankenhaus gebracht.
Cassel, 12. Oktober. Ein schwerer Unfall trug sich gestern vormittag in der Frankfurter Straße zu. Ein sechsjähriger Junge hatte die Begrenzungsmauer der Hofbleiche erklettert, auf der er auf- und ablief, dabei stürzte er infolge eines Fehltrittes ab und fiel die hohe Böschung der Hofbleiche hinunter. Er erlitt eine gefährliche Schädelverletzung und blieb besinnungslos liegen. Ein herbeigeeilter Schutzmann trug den Knaben nach dem 1. Polizeirevier, wo er durch einen Arzt verbunden wurde. Mitglieder der freiwilligen Sanitätskolonne brachten den Kleinen nach dem Landkrankenhause.
Cassel, 12. Oktober. Seit oer Mobilmachung haben die nachgenannten Gerichts-Referendare in Berlin die große juristische Staatsprüfung (Notprüfung) mit Erfolg abgelegt: Dr. E. Rocholl aus Cassel, E. Noll aus Hanau, O. Paack aus Cassel, O. Oldervg aus Hersfeld, L. A. Tecklenburg aus Niederbronn, E. Bippart aus Wanfried, K. Sopp aus Bebra, Dr. W. Rinteln aus Bochum, Dr. H. Simon aus Frankfurt a. M., Dr. M. Stern aus Gilserberg, K. Grebe aus Schmalkalden, und E. Kuttig aus Coblenz. Die sämtlichen Herren wurden zu Gerichtsassessoren im Bezirk des Ober- landesgerichts zu Cassel ernannt.
Cassel, 12. Oktober. Der Casseler Polizeipräsident hat folgende Bekanntmachung erlassen: Benzin, Benzol und alle sonstigen Petroleum- und Leeröldestillate, die sich für den Betrieb von Explosionsmotoren eignen, sind nach einer Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten von jetzt ab für den unmittelbaren Verkauf an die Verbraucher gänzlich freigegeben. Dre tu den amtlichen Bekanntmachungen vom 10., 16. und 23. September 1914 getroffenen polizeilichen Anordnungen über die Abgabe von Betriebsstoffen für Explosionsmotoren werden dadurch aufgehoben. Die in den Geschäftsräumen der Motorwagen-Handelsgesellschaft, hier Opernstraße 5, eingerichtete Tankstelle für den Heeresbedarf an Benzin, Benzol usw. bleibt bestehen.
Eschwege, 9. Oktober. Gefahndet wird nach einem angeblichen Oberingenieur der Firma Krupp, Oberleutnant der Feldartillerie und angeblichen Führer einer Kruppschen Batterie Mertens, der nch auch
ÄTiTS^ &»$^ dringend verdächtig.
Sann Münden, 10. Oktober. Ein verwundet aus dem Felde zurückgekehrter Sohn des Bäckermeisters Hardege aus Hann. Münden erzählt, daß er nach seiner Verwundung zunächst in ein Lazarett bei .Heimy gebracht ^ sei Plötzlich erhielt das Lazarett Feuer, sodaß es die Verwundeten in etliger Flucht verlas en mußten. Zufällig kam ein Auto vorbei, das halt machte und den verwundeten Hardege aufnahm Dabei half ihm ein junger Offizier, in welchem der Gerettete später den Prinzen Ertel Friedrich erkannte.
Ohrdruf, 12. Oktober. Der durch seine Umtriebe bekannte gewordene Bürgermeister Max von Brüffel ist als Kriegsgefangener in das Gefangenenlager auf dem hiesigen Truppenübungsplatz erngelrefert worden.
Göttingen, 9. Oktober. Tödlich verunglückt ist gestern der in Bischhausen bei einer Dreschmaschine tätige Schlosserlehrling Bruno Bierwitsch. Beim Einfädeln der Nadel an der Strohpresse vergaß er den Absteller zu betätigen. Der Verunglückte wurde von der Presse so zusammengedrückt, daß der Tod auf der Stelle eintrat.
Kella, 12. Oktober. Ein schönes Beispiel vaterländischen Opfersinnes gab die hiesige Jugend. Da infolge der ernsten Zeit die diesjährige Kirmesfeier
aussällt, haben die Mädchen und Burschen beschlossen das Tanzgeld usw. zur Beschaffung von warmer Unterkleidung für unsere im Felde stehenden Brüder zu verwenden. Es ist auf diese Weise eine Summe von etwa 200 Mark zusammengekommen. Eine in der Gemeinde zu gleichem Zweck veranstaltete Sammlung ergab ebenfalls eine größere Summe.
Schlitz, 10. Oktober. Emil Friedrich, Graf und Herr von Schlitz genannt von Goertz, der hessische Standesherr, der durch die Freundschaft des Kaisers und seine künstlerischen Bestrebungen auch weiteren Kreisen bekannt geworden ist, ist gestern im 64. Lebensjahre gestorben. Er mürbe am 15. Februar 1851 in Berlin als Sohn des damaligen Obersten und Gesandten am preußischen Hofe Grafen Karl Heinrich von Schlitz genannt von Goertz geboren und entstammt einer Familie des Fuldaischen Uradels, die zu den mediatisierten, das Recht der Ebenbürtigkeit und den Erlauchttitel besitzenden Geschlechter gehört. Aus Neigung wandte er sich der Bildhauerkunst zu und war während einer Reihe von Jahren Direktor der großherzoglichen Kunstschule in Weimar. Er war großherzoglich sächsischer Professor honoris caufa. Im Auftrage des Kaisers, der häufig auf Schloß Schlitz in Oberhessen als Gast weilte, führte der Graf in der Bergliner Stegcsallee das Denkmal des Markgrafen Ludwig 2. des Römers mit den dazu gehörigen Büsten der Ritter Friedrich von Lochen und Hasso von Wedel aus. Graf Goertz war Präsident der hessischen Ersten Kammer, Kommandeur der hessischen Gemeinschaft des Johanniterordens und Ritter des Schwarzen Adlervrdens, der höchsten preußischen Auszeichnung. Vor elf Jahren verlor er seine, durch hohe Schönheit ausgezeichnete Gemahlin, eine geborene Cavaleanti öe Albuquerque de Villeneuve durch den Tod. Sein ältester Sohn Erbgraf Karl von Schlitz ist vor etwa zwei Jahren gestorben, und ist der zweite Sohn Erbgraf Wilhelm, vermählt mit einer Angehörigen des Hauses von und zu Rtedesel, sein Nachfolger. Graf Goertz ist Freitag Abend im evangelischen Diakonissenhaus zu Frankfurt nach langen schweren Leiden gestorben. Nach Ueberführung der Leiche nach Schlitz in Oberhessen findet die feierliche Beisetzung am Dienstag statt.
Frankfurt a. M., 8. Oktober. Aus der Provinz Hessen-Nassau sind über 5000 vorübergehend untergebrachte elsässische Familien aus dem gefährdeten elsässischen Grenzgebiete nach ihren, inzwischen von den französischen Einfällen gesäuberten Heimatgemeinden zurückgekehrt. Weitere 3000 elsässische Familien aus Thüringen werden ihnen noch diese Woche folgen.
Verzeichnis
der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
Für das Rote Kreuz, Sektion Sersseld
von Gemeinde Beiershausen.....M. 187.—
„ Herrn Alex Rehn hier......„ 200.—
„ Frau Straßenmstr. Mantel hier . . „ 20.— „ „ Rechtsanwalt Brethauer hier. „ 20.— „ „ Hofmann, Niederjossa . . . . „ 10.— „ Ungenannt..........„ 5.— „ Kriegerverein Ausbach......„ 50.— „ Herrn Deiseroth, Friedewald . . . „ 10.— „ Frau von Grunelius hier . . . . „ 100.— M. 602.—
Bestand „ 22706.20
heutiger Bestand M. 23398.20
von
von
//
Für die Krieger im Felde: Familie Homann, Friedewald . . . M. 20.— Frau Credo, ....... 10.— Herrn Heinrich Brod, Herfa . . . . „ 10.— ___M 40.- Bestand „ 1400 heutiger Bestand M. 1440.—
Für die notleidenden Ostpreußen: Ungenannt...........M. 10.— Herrn M. Schweitzer, Mengshausen . „ 10.— Frau von Grunelius hier.....„ 50.— 70.— Bestand „ 765.55 heutiger Bestand M. 835.55
Berichtigung.
In dem Verzeichnis vom 9. d. Mts. muß es heißen statt: Spende von Herrn Adam Kranz, Bahnwärter, Mecklar M. 20.— Spende von Herrn K o n r a d K., Weichensteller, Mecklar.
In dem Verzeichnis vom 10. d. Mts. statt: Reisekasse einiger ehemal. Kegelklubmitglieder, Reisetasse eines ehem. Kegelklub Mitgliedes.