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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^ für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- » .

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. '

ß*«iM«wtef**4 Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im JuHSÜUlU amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­

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Zernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 340. Dienstag, den 13. Oktober

1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Hus der Heimat.

* (Viehmarkt-Verbote.) Im Regierungsbezirk Cassel ist nun auch der Kreis Hünfeld durch die Maul- und Klauenseuche in Mitleidenschaft gezogen. Durch den Seuchenausbruch in der Gemeinde Michelsrombach ist dort die Abhaltung von Klauenviehmärkten, der Handel mit Klauenvieh und Geflügel, sowie die Ver­anstaltung von Versteigerungen von Klauenvieh usw. amtlich verboten worden. Auch im Kreise Rotenburg sind die gleichen Bestimmungen in der Gemeinde Erkshausen wegen Seuchenausbruchs in Kraft ge­treten.

* (Verordnung überZwangsversteige­rn ngen.) Der Bundesrat hat, wie schon kurz ge­meldet, eine Verordnung erlassen, die für die Ver­steigerung körperlicher Sachen, soweit sie im Wege der Zwangsvollstreckung nach der Zivilprozeßordnung stattfindet, allgemein ein Mindestgebot einführt. Der Zuschlag darf nur auf ein Gebot erfolgen, das wenigstens die Hälfte des gewöhnlichen Verkauss- wertes des Pfandes erreicht. Bei gepfändeten Wert­papieren darf der Verkaufswert, wenn das Papier in der letzten Woche vor dem 31. Juli 1914 einen Börsen- oder Marktpreis hatte, nicht unter dem letzten, in dieser Woche amtlichen Börsen- oder Marktpreise festgestellt werden. Bei Wertpapieren, die die Dar­lehenskassen beleihen, darf das Mindestgebot nicht hinter dem Betrage zurückbleiben, zu dem die betr. Papiere von den Darlehenskassen beliehen werden.

iat der Kriegsminister

* (Vergünstigungen für freiwillige Krankenpfleger.) Wie der Minister der geist­lichen und Unterrichtsangelegenheiten den Provinzial- Ichulkollegien bekannt gibt, ha» 5»» K»l»us...l.Zfl mitgeteilt, daß er diejenigen jungen Männer, welche Zwar nicht für den Truppendienst, wohl aber für den Dienst der freiwilligen Krankenpflege im Etappen­gebiet Verwendung finden, als freiwillig in das Heer ausgenommen ansehe. Auf Ersuchen des Kriegs- ministers verfügte Herr von Trott zu Solz, daß die- lenigen jungen Männer, welche die Verpflichtung zur Dienstleistung für die ganze Dauer des Krieges ein- gegangen sind, die Zustimmung ihrer Väter oder Vormünder beibringen und nachweisen, daß sie zum Dienst m der freiwilligen Krankenpflege angenommen und für den Etappendienst bestimmt sind, zu Notreife- HW sugelassen werden. Ferner ordnete der ..dnt|ter an, daß den bezeichneten jungen Leuten unter

erner ordnete der

'v wu vt^cuyncicu -ungen Leuten unter ^»"^"^egebenen Bedingungen auch diejenigen Ver- b"/^s6ungen zuteil werden sollen, welche den Kriegs- ^olwillrgen und Fahnenjunkern in bezug auf den r ^«.^^lenschaftlichen Befähigung zum ein- 6-srelwillrgen Dienst, der Reise für Obersekunda, Prima oder Oberprima zugestanden worden sind.

§ Hersfeld, 12. Oktober. Von Mitte Oktober an n -te Schnell- und Personenzüge ab Frankfurt ^uptbahnhof) nach folgenden Fahrplänen gefahren: ^7°"kfm^BebraerStrecke: ab4.56,6.33(Gelnhausen), Ä ^"^ 7'24 (Eberbach,) 8.15 (Hanau), 8.10 lE"z. Berlin) 10.50, 12.16 (Hanau), 12.58 Schnellz. Berlin), 1.27 (Gelnhausen), 2.23 (Schnellz. Manchen), 3.02 (Schnellz. Altona), 3.12, 4.36 (Schnellz. 4.48 (Fulda), 6.20 (Werktags Gelnhausen), £45, li3»^^)' 8.44 (Fulda), 11,11 (München Schnellz.), M (Schnellz. Berlin), 11.48 (Hanau). Frankfurt- ^5^"^assel: 6.05, 6.52 (Schnellz. Hagen-Köln), 8.52 Hamburg), 10.05, 12.08 (Schnellz. Berlin), 12.13 L ilbe ), 1.02, 4,38 (Schnellz. Hannover-, 5.22 (Werkt. Klbel) 5.45, 6.37 (Giesen), 6.49 (Vtlbel), 8.20 (Frred- ^y.-® (Schnellzug Hamburg-Altona), 11.45. Frank- K'^sbaden-Köln: 5.22, 6.17, 7.12 (Eilz.), 8.00 ^öln), 10.00 (Schnellzug Köln-Holland), 11.51, N (Schnellz. Köln-Holland), 12.50 (Eilz.), 12.54, 2.38 1 2,51 Schnellzug München-Essen-Köln-Deutz), 3.10, 411 (Eilz.), 4 20, 5 16, 6.37, 7.30 (Eilz. Köln), 7.36, 8.19, 9-43, 10.16 (Eilz.) 11.26.

§ Hersfeld, 12. Oktober. Altem Brauch gemäß wurde heute mittag mit dem Glockenschlage 12 auf dem Marktplatz das Lullusfeuer angezündet. Eine große Menschenmenge war zugegen und brach bei dem Emporlodern der Flammen in kräftigenBruder VoUg" Ruf aus. Hiermit ist die alljährliche Festwoche unserer alten Lullusstadt eingeleitet, welche schon seit Alters her zu Ehren des Gründers unserer Stadt des Abtes und späteren Erzbischofes Lullus abge­halten wird. In Anbetracht der jetzigen ernsten Zeit wird natürlich von den sonst üblichen Lustbarkeiten abgesehen.

, § Hersfeld, 12. Oktober. Von dem in der Ver­lustliste als vermißt aufgeführten Reservist Leo »

Möller Res. Ins. Rgt. Nr. 71 von hier (früher Nabolds- hausen) traf heute zur großen Freude seiner Eltern ein Brief aus Cambrai Frankreich hier ein; wo er sich im Militär-Hospital befindet. Er hatte sich bei einem nächtlichen Marsch durch einen Sturz über einen Graben eine schwere Verletzung zugezogen.

§ Hersfeld, 12. Okt. Der Hersfelder Kaninchen­züchterverein e. V. hat in seiner gestrigen Ver­sammlung einstimmig beschlossen, seine 11 im Felde stehenden Mitglieder mit je einem Anteilschein in die Hessische Kriegsversicherung einzukaufen.

Niederaula, 8. Oktober. Am 13. Oktober findet die Abnahme der Neubaustrecke NiederaulaSchlitz statt. Die Eröffnung der Bahn dürfte demnach baldigst erfolgen.

Aus dem Kreise Hünfeld, 8. Okt. In Schlotzau drang vergangene Nacht ein mit einem Tesching be­waffneter Dieb in das Haus der Witwe W. ein. Er durchsuchte alle Kasten nach Geld. Frau W. zwang er mit vorgehaltener Waffe zum Schweigen. Aus der Küche waren unterdessen allerlei Nahrungsmittel gestohlen, sodaß anzunehmen ist, daß der Eindringling einen Komplizen hatte.

Caffel, 11. Oktober. Ein Knabe, der sich gestern am Steinweg hinten an einen Wagen hing, kam da­bei zu Fall und schlug mit dem Kopf auf das Pflaster auf, so daß er eine bedenkliche Verletzung an der Stirn Davontrug.

Sntifftlsliirlt MliiMt * Hrchelmk. (Ä

Von ZProf. Dr. E. Parow.

Weizen und Roggen bilden in der Hauptsache das Ausgangsmaterial für unser Brotmehl. Während wir von unserer Roggenernte in normalen Zeiten be­deutende Menge ausführen können, müssen wir an Weizen noch wesentlich größere Mengen einführen. In Geld ausgedrückt hatte die Roggenausfuhr im vorigen Jahre ein Wert von 133 Millionen Mark, die Weizeneinfuhr dagegen einen Wert von 417 Millionen Mark. Aus diesen Zahlen geht ohne weiteres hervor, daß bei einem Aufhören der Ausfuhr und Einfuhr von Brotgetreide der inländische Bedarf nicht genügend aedeckt ist. Der Krieg verhindert die Zufuhr von außerhalb- er erschwert auch die Bestellung des Ackers und beeinträchtigt dadurch die neue Ernte. Mit einem großen Ausfall an Brotgetreide müssen wir rechnen: aber diesen Ausfall zu mildern ist eiserne Notwendig­keit. In unserer Landwirtschaft steckt eine große Kraft. Es gilt nun, diese Kraft zu benutzen, sie richtig "^ Von" allen landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist die Kartoffel diejenige Frucht, welche die vielseitigste Ver­wendung findet? Als Volksnahrungsmittel steht an erster Stelle die Kartoffel. Diese und aus ihr herge­stellten Fabrikate, wie Stärke, Flocken und Walzmehl, erhalten aber jetzt noch eine besondere Bedeutung da­durch, daß diese am besten geeignet sind, einen Teil des Brotgetreides zu ersetzen, unser Brotmehl zu ver- länaern. Durch den von unserer Landwirtschaft von jehe^ stark betriebene Kartoffelbau sind n^ in der glück­lichen Lage, große Mengen vollwer iger Ersatzstoffe der Brotbereitung zuzuführen. Weite Flache stehen dem Kartoffelbau noch zur Verfügung. Nutzen wir alles aus so entsteht uns in der Kartoffel eine Hilfsquelle, die den Ausfall an ausländischem Brotgetreide mehr­fach übertrifft und unsere Broternahrung für alle ^°"u-b°??i- Verwendung °°N Kur«°»-lfl°-ken und Kartoffelwalzmehl für die Brotbereitung ist tn letzter Z?tt in Wn Zeitschriften, und besonders in der ^Zeitschrift fürSpiritusindustrie" ausführlich berichtet. Auch Äe KaNoffüstärke ist dabei als Ersatz für Brot­getreide hervorgehoben morden. Ihre Verwendung in großem Umfange für die Brotbackerei zu empfehlen, ist der Zweck dieser Zeilen.

Die Benutzung der Kartoffelstärke in Form von Mehl (Stärkemehl Kartoffelmehl) zum Brotbacken ist nicht neu. Schon 1889 hatte die Getreidemißernte den Gedanken, das Stärkemehl für die Brotbereitung mitzuverwenden, hervorgebracht Nach einem Bericht von Delbrück aus dem Jahre 1890 hat Saure ur erner Berliner Bäckerei Backverjuche mit einem Gemstch von Weizen- und Stärkemehl gemacht. Es wurden damals Berliner Semmeln mit einem Zusatz von 10 pCt. Stärke gebacken, die von den aus reinem Weizenmehl hergestellten kaumM Geschmack zu unterscheiden waren. Auch Roggenmehl und Stärkemehl wurden damals schon verbacken, wie folgende beiden Rezepte zeigen:

1.16 Pfund feines Roggenmehl und 4. Pfund Kortoffelmehl werden trocken zusammengemengt, 45 Pfund davon zum Auskneten zurückbehalten und das ndere mit 6 Liter Wasser, Magermilch oder Butter­

milch auf 3035° R. erwärmt, zu einem Brei gerührt, wozu noch eine Handvoll Salz und 100 Gramm in kaltem Wasser angerührter Hefe getan werden. Dann wird tüchtig Mehl darüber gestreut, der Teig warm zugedeckt und an einen warmen Ort zum Aufgehen gestellt. Wenn abends gegen 10 Uhr angesäuert, wird der Teig morgens 5 Uhr ausgeknetet, zugedeckt und nach iVz Stunden zu Brot ausgenommen und in den Ofen geschoben und in einer Stunde gar gebacken.

2.Zu 150 Pfund Roggenmehl I und 11 werden 30 PfundKortoffelmehl prima verbacken. Beim Einsäuern werden 30 Pfund Kartoffelmehl zu etwa 70 Liter warmen Einsäuerwasser und so viel Roggenmehl zu­gesetzt, daß eine breiige Masse entsteht. Nach 89 Stnnden des Säuerns wird, beim Kneten das übrige Roggenmehl verbraucht. Der Teig bleibt dann bei 15" R. Temperatur zum Aufgehen 202 bis 3 Stunden stehen, worauf die Brote geformt und in den Ofen geschoben werden."

Die auf diese Weise erzielten Brote stellten ein lockeres, kräftiges und wohlschmeckendes Landbrot dar.

Auch bei den kürzlich von uns angestellten Back­versuchen mit 10, 15 und 20 pCt. Stärkemehl haben wir Weiß- und Schwarzbrot erhalten, das in jeder Beziehung reinem Weizen- oder Roggenbrot zur Seite gestellt werden kann. Das von uns befolgte, höchst einfache Rezept ist folgendes: Die entsprechenden Mengen Brotmehl ^und Stärkemehl (z. B. 1350 Gr. Roggenmehl und 150 Gr. Stärkemehl, oder 1200 Gr. Roggenmehl und 300 Gr. Stärkemehl) werden trocken gemischt und mit einem Liter Wasser und etwa 2025 Gr. Salz sowie etwa 10 bis 15 Gr. Hefe oder Sauer­teig durchgeknetet. Der Teig wird zugedeckt, nach 12 Stunden geformt, eine halbe Stunde bei 30 -35° C. zur Gare stehen gelassen und dann in den Backofen geschoben, in welchem das Brot bet 230250° C. 30 50 Minuten gebacken wird.

Ueber den Nährwert des mit einem Zusatz von Stärkemehl hergestellten Brotes hat sich schon Zuntz im Jahre 1890 günstig ausgesprochen. Wird bet der Teig- bereitung statt Wasser Magermilch verwendet, so wird der Eiweißgehalt des Brotes sogar erhöht. Bei Ver­arbeitung von Wasser, Roggen oder Weizenmehl und 10 pEt. Stärkemehl wird gegenüber reinem Roggen- oder Weizenbrot der Gehalt an verdaulichem Rohpro- tein in dem mit Stärke hergestellten Brot nur um 0,7 bezw. 0,8 pCt. erniedrigt während der Gehalt an verdauerlicher Trockensubstanz um 0,9 bezw. 0,5 pCt. erhöht wird. Daß eine Brotverteuerung durch die Verwendung von Stärkemehl zur Brotbereitung in jedem Falle vermieden wird, eine Verbilligung des Brotes dagegen sehr wahrscheinlich ist, ersehen wir aus einem Vergleich der Brotmehlpreise mit den Stärkemehlpreisen. Während der Doppelzentner Roggenmehl 30 bis 31 Mk. und der Doppelzentner Weizenmehl 3738 Mk. kostet kann der Doppelzentner Prima-Stärkemehl mit 2223 Mk. geliefert werden. Bei 10 pCt. Stärkemehlverwendung tritt also eine Preiserniedrigung von 0,80 Mk., bezw. 1,50 Mk. pro Doppelzentner Brotmehl ein, bei 20 pCt. Stärkemehl­verwendung von 1,603,00 Mk.

Die Ernte arstBrotgetreide beträgt pro Jahr etwa 46 Millionen Doppelzentner Weizen und 122 Milli­onen Doppelzentner Roggen. Aus diesen Mengen lassen sich etwa 119 Millionen Doppelzentner Brot­mehl herstellen. Bei Ersatz des Brotmehls jdurch 10 pEt. Stärkemehl sind 11,9 Millionen Doppelzentner Stärkemehl erforderlich. Die Stärkeproduktion be­trägt etwa 3 Millionen Doppelzentner; sie läßt sich bei größter Ausnutzung der Betriebe auf6 Millionen Doppelzentner erhöhen. Das noch fehlende Quantum Brotmehl wird durch die Fabrikate der Kartoffel­trocknerei bereitgestellt werden können, so daß wir durch den Ausfall an ausländischem Brotgetreide in unserer Broternährung nicht beeinträchtigt werden.

Damit nun die Verwendung von Stärkemehl zur Verlängerung des Brotgetreides möglichst bald überall durchgeführt wird, ist es notwendig, daß sich die Behörden, die Bäckerinnungen und alle Stärke­interessenten der Sache energisch annehmen. Alle den Behörden unterstellten Verpflegungsanstalten, Ge­fängnisse usw. müssen angewiesen werden, mit Zusatz von Kartoffelmehl hergestelltes Brot zu verwenden. Die Bäckerinnungen müssen bei ihren Jnnungsmeistern und in ihren Fachorganen für die Verwendung von Stärkemehl eintreten und aufklärend auf das Pub­likum wirken. Jeder Stärkeinteressent muß in seinem Kreise dafür wirken, daß Brot mit einem Zusatz von Stärkemehl hergestellt und verlangt wird. Durch die Mitarbeit aller muß die große Bedeutung der Ver­längerung des Brotgetreides durch Stärke in das Publikum getragen iverden. Je schneller wir die Hilfsquelle benutzen, um so kräftiger und unab- hängiger stehen wir dem Ausland gegenüber.

Strickt Strünrpfe

für unsere Truppen im Felde!