.e am Flusse San versammelte österreichische Hauptmacht anzugreifen, unternahm ein Teil her feindlichen Truppen einen Vorstoß nach Süden gegen die Pässe der Waldkarpathen, offenbar in der Absicht, nach Ungarn durchzubrechen. Dre russischen Kolonnen sind aber in verlustreichen Gefechten zurückgetrieben worden, sodaß ihr Versuch die Karpathenpässe zu besetzen, vorläufig gänzlich fehlgeschagen ist. Den mächtigsten Angriffspunkt bildete der Paßubergang vor Uszok, der vor Sambor in Galizien den Weg nach Ungarn hinein dar- stellt. Die Russen drängten den Landsturm zurück und brachten auf dem Uszoker Bergrücken 32 Geschütze in Stellung. Kosakcnfchwttrme überschwemmten zwei Tage lang die ungarischen Gefilde, mußten aber schleunigst sich zurückziehen, als aus Oberungarn starke Houved- truppen anrückten. Die Russen konnten dem schneidigen Angriff gegenüber auch die Patzhöhen nicht mehr balten und suchten in ungeordneter Flucht ihr Heil. Heftige Kämpfe sind auch bei den übrigen Pässen' im Gange, wobei außer den österreichisch-ungarischen Truppen deutsche Streitkräfte und 2000 Mann der polnischen Legion beteiligt sind. Die in einzelne Haufen zersprengten Russen werden überall verfolgt und aufge- rieben, sofern es ihnen nicht gelingt, den Rückweg über die Karpathen und den Anschluß an die Ihrigen in Ostgalizien zu gewinnen. Das ungarische Gebiet wird von der moskowitischen Invasion in kürzester Frist völlig befreit sein.
Erfolgreiche Kämpfe der Oesterreicher in Galizien.
»*■ Wien, 9. Oktober. (WTB.) Amtlich wirb ver, lautbart unterm 8. Oktober, mittags: Im weiteren Vordringen unserer Truppen wurde gestern der Feind an der Chaussee nach Przemysl-Larycz westlich Dynow geworfen und auch Rezeszow wurde ihm genommen, wo Geschütze erbeutet wurden. Im Weichsel-San-Winkel nahmen wir den flüchtenden Russen viele Gefangene und Fahrkolonnen ab. Erneute heftige Kämpfe bei Przemysl wurden heftig abgeschlagen. Der Feind hatte viele Tausend Tote «nd Verwundete. Im siegreichen Kampfe im Marmarosziget wetteiferten der ungarische und galizische Landsturm mit den polnischen Legionären an Tapferkeit.
Ein entscheidender Schlag gegen die Serben.
^ Wien, 9. Oktober. (WTB.) Amtlich wird ver- lautbart: Die Säuberungsaktion in Bosnien macht weitere Fortschritte. Zu den bereits gemeldeten gegen die montenegrinischen Truppen erzielten Erfolge gesellt sich unu ein entscheidender Schlag gegen die über Visegrad kopflos eingedrungenen serbischen Kräfte. Ihre nördliche Kolonne ist von Sebenika gegen Bajan-Basta bereits über die Drina zurückgeworfen, wobei ihr der Train und die Mnnitionskolonne abgenomme» wnrde.
Die auf dem Romania-Plamina vorgegangenen Hauptkräfte unter dem Kommando des gewesenen Kriegsministers General Mylos wurden von unseren Truppen in zweitägigem Kampfe völlig geschlagen und entgingen durch eilige Flucht der geplanten Gefangennahme. Ein Bataillon des 11. Regiments 2. Aufgebots wurde ge- faugen genommen. Mehrere Schnellfeuergeschütze wurden erobert.
Potierek, Feldzeugmeister.
Verzweifelte Lage in Serbien.
w Wien, 9. Oktober. (WTB.) Die „Reichspost" meldet: Reisende bestätigen, daß in Serbien schreckliche Zustände herrschen. Die Verluste der Serben an Toten und Verwundeten sollen 75 000 Mann betragen. Die ärztliche Hilfe soll unzureichend sein. Vom schwerkranken König höre man wenig. Die Prinzen Alexander und Georg hätten nicht genügend Autorität.
w Budapest, 9. Oktober. (WTB.) Nach der Bu- dapester Korrespondenz ist die serbische Regierung vo« Nrsch nach Uesküb übergesiedelt.
Kühner Flug eines österreichischen Feldpiloten.
. Wie die Korrespondenten der Wiener Blätter melden, fuhr ein österreichisches Flugzeug am 1. Oktober der ungünstiger Witterung vom Oberkommando in ein- stündigem Fluge, von russischer Artillerie heftig beschossen, sodaß bte Tragflächen an drei Stellen durch- bohrt wurden, nach Przemysl, wo es glatt landete. Ein entfahrender Hauptmann des Generalstabes überbrachte wichtige mündliche Befehle, Briefe und Zeitungen. Aus der Rückfahrt, die wegen der ungünstigen Witterung erst am 6. Oktober erfolgte, wurde das Flugzeug von rususchen Schrapnells beschossen, wobei die Tragflächen acht unschädliche Treffer erhielten. Als der Apparat in einen Schneesturm geriet, brach ein Druckrohr entzwei, w daß der Beobachter das Leck mit den Händen zuhalten wußte Infolge des starken Gegenwindes dauerte die Rückfahrt vier Stunden. Der Beobachter überbrachte dem Oberkommando wichtige Informationen des Fe- MWdkommandanten, die dieser dem Funkentelegraphen nicht anvertrauen wollte.
...............gar bald als richtig gestellt worden. Demgegenüber
Die Fabel von der jaapnischen Hilfe.
« Vor einigen Wochen wurde erstaunliche Kunde von den 200 000 Russen verbreitet, die über Archangelsk— Schottland—England—Aermelkanal nach Frankreich un- wrwegs gewesen wären. Die Meldung ist gar bald als völlig erfunden ^;iB Bv^ W^U„. ^...«vyv,
H fast bescheiden, daß jetzt dänische Blatter 150 000 neue Feinde gegen Deutschland im Anmärsche sein lassen. Der Abwechslung halber sind es diesmal Japaner. Dazu lesen wir im Berliner Lokalanzeiger: ,/Fapan, ausgerechnet Japan habe nichts besseres zu tun, als 150 000 Mann auf die sibirische Bahn zu setzen und nach Wilna zu schicken, allwo sie unter den Befehl des russischen Hauptquartiers träten. Eine oberflächliche Kenntnis des japanischen Charakters und der japanischen Geschichte reicht wirklich schon aus, die bare Unsinnigkeit dieser Mär zu erkennen. Japan hat, von irgendwelchen Skrupeln irgendwelcher Art denkbar ungehindert, nur seine eigenen Vorteile im Auge. Wo der bei der opfermutigen Hergabe von 150 000 Mann unter die russische Leitung stecken sollte, ist unerfindlich. Leicht auffindbar ist dagegen, wie das Märlein entstanden fein mag. Unter den russischen Reserven nicht nur in Sibirien, sondern auch im heiligen Rußland selbst seit den Tagen der Goldenen Horde, ist der reine Mongole in Zehntausenden von Exemplaren vertreten, wie übrigens
.W^in unsere Gefangenenlager schon jetzt lehrt. Was ist schneller geschehen, als aus einem solchen Schlitz- auge emen Japaner berauszuerkennen! Und noch eine Weite Wurzel rst denkbar, aus der phantastisch prangend das Marlein emporschoß: Es mag immer hin sein, daß d e Japaner ein Geschäft mit Rußland in Geschützen ooqeichlossen haben. Die japanischen Kanonen erfreuen sich seit Port Arthur und Schaho in Rußland einer respektvollen Verehrung. Daß sich da leicht unter den Et «nahmen des japanischen Kriegsministeriums (Etats- iilL-: Verkauf alten Eisens) und unter den Ausgaben des russischen Kriegsministeriums (Etatstitel: Geschütz- mr. Messungen) annähernd die gleiche Summe verbucht findest könnte, das wird jeder für möglich halten, der leise Ahnungen vom Japaner und vom — Russen hat.
Japanische Grausamkeiten gegen Chinesen.
Die Neuyorker Presse veröffentlicht Zuschriften amerikanischer Missionare aus Schantung, naHdenen
die durch chinesisches Gebiet rückenden japanischen Truppen in einer unerhörten Weise die friedliche, am Kriege gar nicht beteiligte chinesische Bevölkerung bedrücken und sich furchtbarer Grausamkeiten gegen die Chinesen schuldig machen. Die Bürger werden zu Fronarbeiten für das japanische Heer herangezogen. Lebensrnittel, Zugtiere usw. werden ohne Bezahlung requiriert, und jede Weigerung, etwas herauszugeben, wird mit Erschießen bestraft. In Laichow haben an einem Tage 50 chinesische Frauen, die von den Japanern mißhandelt worden waren, Selbstmord verübt.
Die Energie der Türkei.
e-fr Frankfurt a. M., 9. Oktober. Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Konstantinopel: die Türkei gibt bekannt, daß sie die Hoheitszone in den Territorial- gewassern von 3 auf 6 Seemeilen ausdehne. Die englische Mission legte Verwahrung hiergegen ein.
Die im Marmara- und Schwarzen Meer sich aufhaltenden englischen und italienischen Schiffe erhielten von ihren Regierungen den Befehl, die türkischen Häfen so schnell wie möglich zu verlassen. Letztere verlangten von der türkischen Regierung die Erlaubnis, den Bosporus pasiiererr zu dürfen.
Die Nachricht, daß die Dreiverbanösmächte an die Turker wegen der Dardanellensperre ein Ultimatum gerichtet hatten, ist, wie die Wiener „Reichspost" meldet, unrichtig. Die Engländer haben vielmehr die Türker zuerst mit Versprechungen, dann aber mit Drohungen bestimmen wollen, eine dem Dreiverband genehmere Haltung anzunehmen. Der englische Wnnsch nach Demobilisierung wird von der Türkei nicht erfüllt.
Englische Furcht vor einer aegyptischen Revolution.
s-r Konstantinopel, 9. Oktober. (WTB.) Der „Tanin" meldet: Die Engländer versuchen bei den Aegypteru angeblichen revolutionären Proklamationen auf die Spur zu kommen. Haussuchungen in der Redaktion eines Blattes und bei dem Prinzen Stete Pascha waren erfolglos.
Essad Pascha am Ziel seiner Wünsche.
Aus Durazzo wird berichtet, daß Essad Paschas Einzug unter großer Feierlichkeit vor sich ging und ungeheuren Jubel hervorrief. Seine 10 000 Mann besetzten alsald die ganze Stadt und deren Umgebung. Essad nahm im Fürstenschloß Wohnsitz, nachdem er ohne weiteres die Siegel hatte entfernen lassen, die nach der Abfahrt des Prinzen von Wied die Kontrollkommission und die Gesandtschaften hatten anbringen lassen.
Der Stimmungsnncschwung in Italien.
In Italien scheint tatsächlich ein Stimmungsum- schwung eingetreten zu sein. Aus Rom wird unterm 8. Oktober gemeldet:
Die gestrige Kundgebung italienischer Gelehrter und Künstler wirkt auf alle deutschfreundlichen, d. h. wirklich gebildeten Kreise geradezu zündend. Immer neue Männer der Wissenschaft und Kunst melden sich, um ihre Sympathie für Deutschland auszudrücken. Auch bei dem Offizierkorps und dem hohen Klerus herrscht eine entschieden deutschfreundliche Stimmung. Der Berichterstatter des Berliner Tageblattes weiß positiv von einem General, der in Tripolis populär wurde, sowie auch von anderen, daß sie sich geradezu begeistert über Deutschland ausgesprochen haben.
Ein englisches Ausfuhrverbot.
*-£ London, 9. Oktober. (WTB.) Die Londoner Gazette veröffentlicht einen Regierungserlatz, der die Ausfuhr von Flachs, Segeltuch, Zeltleinwand, Leinentuch und Leinensegeltuch sowie rohe Jute nach den europäischen Häfen mit Ausnahme der russischen, belgischen, französischen, spanischen und portugiesischen, und die Ausfuhr von Haus, Tauwerk, Bindfaden, wollenen Decken, Leder und rohen Schaffellen gänzlich verbietet.
Auf der Jagd nach englischen Schiffen.
In London ist man, wie der „B. Z. a. M." gemeldet wird, mit der Tätigkeit der in den austral-asiatischen Gewässern stationierten Schiffen der Verbündeten sehr unzufrieden. Namentlich tadelt man die verbündete Flotte, daß es bisher noch nicht gelungen ist, den deutschen kleinen ungeschützten Krenzer „Geier" unschädlich zu machen, der in den Gewässern der Karolinen englische Schiffe durch Herausnahme der Maschinenteile operattonsnnfähig gemacht hätte.
kklegsallerle!.
Sachsens und Württembergs Könige reisen ins Feld.
König Friedrich August gedenkt im Laufe dieses Monats eine Reise zu dem Kaiser in das Große Hauptquartier anzutreten und von dort aus sich zu allen bei der jetzigen Kriegslage erreichbaren sächsischen Truppen des westlichen Kriegsschauplatzes zu begeben. — Der König von Württemberg hat sich mit Gefolge zu kurzem Besuche seiner Truppen auf den Kriegsschauplatz be=
geben.
Keine Aufschiebung der preußischen Gemeindewahlen.
Wolffs Bureau meldet: Wie wir hören, ist im Schoße der Staatsregierung erwogen worden, ob es mit Rücksicht auf den Kriegszustand geboten sei, durch ein Gesetz die für den November ö. I. bevorstehenden Er- »»‘W
Rage kommen, um den Interessen der vielen Wähler zu entsprechen, die wegen ihrer Einberufung zum Heere tatsäch rch außerstande sind, ihr Wahlrecht auszuüben, noch mehr aber, um zu vermeiden, daß die Gemeinde- wahlen Anlaß zu Parteikämpfen geben, die in dieser Zeit ^einmütiger Erhebung für das Vaterland hinter bem, was aller, Deutschen gemeinsam ist, weit zurück- treten sollten. Die Staatsregrerung hat Jedoch, wir wir weiter erfahren, nach Prüfung der Behältnisse in den einzelnen Landesteilen von einem auf Verschiebung der Gemeindewahlen gerichteten Schritt Abstand genommen und wird den freien Lauf lassen.
Sie hat sich nicht davon Überzügen können, daß der Wunsch nach Verschiebung der Wahlen bet den beteiligten Städten etwa ein allgemeiner oder auch nur weitverbreiteter ist, und sie Hat das feste Vertrauen zu dem in großer ernster Zeit gefestigten Linn der Wähler, daß durch städtische Wahlen die Einigkeit der Bürger auch nicht einmal vorübergehend gestört werden wird, vielmehr dürfte dieser Sinn, wie das Beispiel einiger Städte erwarten läßt, gerade zur Verhütung von Wahlagitationen und zur Herbeiführung von Kompromissen führen.
Deutsch in Lothringen.
der
Die Etappenkomnmndantur in Saarburg erläßt folgende Bekanntmachung: Binnen 48 Stunden müßen sämtliche französischen Inschriften an Sausern, Geschäften und Schulhäusern entfernt sein. Die Etappenkom- mandantur Saarburg verbietet von heute ab dre Verwendung von Briefumschlägen, Rechnungs- und Brief- vorbrucfen mit französischer Aufschrift, sowie überhaupt jede fernere Benutzung irgend welcher Formulare in französischer Sprache. Zuwiderhandlungen werden mit Schließung des Geschäftes und Beschlagnahme der verbotenen Vordrucke geahndet. Es muß auch von dem
französisch sprechenden Teil der LandeSeinwohner nw bedingt erwartet werden, daß sie inzwischen soviel ge- lernt haben, um Vordrucke in dieser Sprache zu verstehen.
Eine Funkenstation auf der Reimser Kathedrale.
s-^ Bordeaux, 9. Oktober. (L.-A.) Zurzeit wird auf dem Turin der Kathedrale von ReimS eine Funken- station von beträchtlicher Stärke errichtet.
Erkundnugsflug einer deutschen „Taube".
w> Paris, 9. Oktober. (WTB.) Eine „Taube" warf gestern mittag zwei Bomben auf St. Denis und auf Aubervillers. Drei Personen wurden verwundet.
Saloniki pestverseucht.
w- Paris, 9. Oktober. (WTB.) Die „Agence Havas" meldet aus Saloniki, daß das Gesundheitsamt Saloniki für pestverseucht erklärt habe.
Schiffbruch eines belgischen Dampfers.
Die Kriegsberichte des „Berl. Börsencouriers" melden, daß nach einer Reutermeldung der belgische Dampfer „Luxemburg" an den Sandbänken von Massen in der Stühe der Küste von Westkapelle (Seeland) Schiffbruch gelitten habe. Die Mannschaft sei gerettet worden, doch sei das Schiff gänzlich verloren. Der Dampfer war am 16. Juli von Buenos Aires abgefahren.
Deutsche in Australien Kriegsgefangene.
Nach einer Meldung der Kopenhagener „Natioual- tideude" aus London berichtet der Dampfer „Delphin" der White Star Line, der aus Ouklaud angekommen ist, daß fünftausend in Neuseeland ansässige Deutsche aus einer Insel kriegsgefangen gehalten werden.
Ein feindlicher Flieger über Cöln.
Donnerstag nachmittag überflog, wie den: „Hann. Kur." gemeldet wird, ein fremder Flieger Cöln und näherte sich der Ballouballe. Mittels Mafchiueugewehre» wurde der Flieger verscheucht; er warf eine Bombe in der Nähe der Ehrenfelder Gasanstalt ab, ohne jedoch weiteren Schaden anzurtchten.
Wie ein Eisernes Krenz erworben wird.
Wir hören täglich die schlichten Meldungen von der Verleihung Etseruer Kreuze. Aber nur in den seltensten Füllen, wie beim Kommandant und Mannschaft des „U 9", erfahren wir die Tat, die hinter dieser höchsten Ehrung steht. So erzählt ein Mitarbeiter des „Hamb. Frdbl.": Ich sprach gestern mit dem Unteroffizier Hans Hetuemann der Garde-Fußartillerte. Er hat das Eiserne Kreirz beim Sturm aus Lüttich erhalte«. Eiu Fünftel seiner Batterie war schon gefallen, ehe sie noch fünf Kilometer von Lüttich in Stellung gehen und sich eingraben konnte. Rings dröhnte das weite Land vom Donner der Geschütze. Die schwere Festungsartillerte der Forts von Lüttich schleuderte bem Angreifer ihre zentnerschweren Granaten entgegen. Da plötzlich — es war auf dem Höhepunkt des heißen Artillertekalupfes — füllt eins dieser Riesengeschosse mit dumpfen Schlag mitten in die deutsche Batterie. Der Sand spritzt uach allen Seiten, und das Geschoß liegt offen in der Höhlung. Jede Sekunde kann es krepieren, und die ganze Batterie würde vernichtet sein. In diesem Augenblick geht mit einer fast erschütternder Selbstverstündlichkeit durch das Gehirn des Unteroffiziers der Gedanke: Lieber einer, als alle! Er springt hin, rafft das 125-psttn- dige Geschoß von der Erde empor und schleppt es, an den Leib gepreßt, im Laufschritt aus der Batterie in die Feuerlinie hinein, wohl wissend, daß er sich damit auch dem eigenen Feuer preisgibt. Wäre das Geschoß in diesen Sekunden krepiert, es Hütte ihn in tausend Stücke gerissen. Aber es glückte. 20 Meter vor der Batterie wirft er es von sich und wendet sich zurück, um eiligst in Sicherheit zu kommen; doch kaum ist er fünf Meter gesprungen, da war die Zeit der Granate gekommen; sie explodierte mit lautem Brüllen und spritzte ibren tot« bringenden Etsenhagel nach allen Seiten. Hans Heine- mann aber wird wie ein Wunder gerettet. Nur ein Splitter trifft ihn in die Ferse eben über bem Hacken. Sieben Stunden später fiel Lüttich. Er hat die Verwundung nicht beachtet, ist mit hineingestürmt und hat noch drei Stunden am Straßenkampf teilgenommen, bis er zusammenbrach und von einem französischen Arzt, der sich in der Nähe befand, verbunden wurde. Belgische Zeitungen haben von seiner Tat berichtet. So erwirbt man das eiserne Kreuz.
Ein drolliger Zwischenfall
ereignete sich bei dem Besuche der Herzogin Viktoria Luise in einem Braunschwerger Kriegslazarett. Als die Herzogin hörte, daß einer der Verwundeten den Herzog im Felde gesehen habe, erkundigte sie sich danach, wie der Herzog ausgesehen hätte. Unerwartet kam von den Lippen des Soldaten die Antwort: „Sehr dreckig!"
Gerechte Strafe.
Aus den Russentagen in Jnsterburg weiß die „Kreuzzeitung" folgendes Geschichtchen von Hindenburg zu erzählen: Vor der Flucht aus Justerburg konnten die Russen, die sich sehr beeilen mußten, nicht mehr alles dort derart zerstören, wie sie es gern getan hätten, und auch nicht alles mitnehmen. Blieb nur das Unbrauchbarmachen. In besonders gemeiner Weise haben sie sich da an den gewaltigen Brot-Vorräten vergangen. Sie Überflüssen sie mit Massen von Petroleum! Aber sie hatten nicht mit Hindenburgs grimmigem und gerechtem Humor gerechuet. Stuf die Meldung von dieser Gemeinheit erfolgte prompt der Befehl: „Ueber den Geschmack streiten wir nicht mit den Russen. Dieses Brot ist zur Ernährung der russischen Gefangenen zu verwenden, solange der Vorrat reicht."
Preise für die Köpfe deutscher Soldaten.
Wie der „Landeszeitung" für beide Mecklenburg aus Brüssel gemeldet wird, hat der deutsche Untersuchungsausschuß der belgischen Greueltaten an Deutschen in Belgien ihre Feststellungen in den von Teutschen besetzten Teilen Belgiens vorläufig abgeschlossen. Der Ausschuß hat vornehustich die Aussagen belgischer Untertanen gesammelt, aus benen hervorgeht, daß die Meuchelmorde in Löwen und anderen Orten auf direkte Veranlassung von Antwerpen aus erfolgt sind, daß die belgischen Zivilbehörden ansdrücklicy Anordnung zu Angriffen auf die in den Quartieren zur Ruhe nieder- gelegten deutschen Truppen gegeben haben, und daß die belgrichen Behörden Preise auf die Köpfe der deutschen Truppen der Zivilbevölkerung zugesichert hatten.
Die erbeuteten Flugzeuge von Reims.
Wie erinnerlich wurden bet der ersten Besetzung von Reims durch die Deutschen 30 französische Flugzeuge erbeutet. Es wird nun überall mit Genugtuung begrüßt werden, daß ü:ew wertvolle Beute sich nach mir vor in dorischen Handen befindet. Im Hinblick auf her großen Wert diestr Kriegsbeute ist sie gleich nach bem Eimug der deutschen Truppen in die Stadt Reims in werter zurückliegende Stellungen des derrtschen Heeres gebracht worden. Es handelt sich um die Flugzeuge von drei Fliegerkompagnien und die vollständige Ausstattung klemer Werkstätten für den Motorneubau. Die Flug- auch als gut verwendbar, und rne- vesondere die Motoren, die zum Teil rascher laufen, als die deutschen, dürften unseren deutschen Fliegern faw« wertvolle Dienste geleistet haben.