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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Wider

für den Kreis Hersfeld

Wlfltt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 238. Sonnabend, den 10. Oktober 1814

Strickt Pulswärmer

für unsere Truppen inr Felde!

Bus der Heimat«

*(WaffenausFeindeslandabliefer n.) Vorn Königlichen Kriegsministerium in Berlin ist die Einziehung der von Verwundeten mitgebrachten Waffen und Munition angeordnet zwecks Ablieferung an die Artilleriedepots. Der Kasseler Polizeipräsident ersucht deshalb alle diejenigen Personen, welche im Besitze solcher Waffen oder Patronen sind, sie zwecks Weiter­gabe an das hiesige Artilleriedepot unverzüglich beim nächsten Polizeirevierabzuliefern.DieZurttckbehaltung, Veräußerung und der Ankauffvon Waffen und Munition zieht strafrechtliche Folge nach sich.

»(Zenfurpflichtfür Kriegspostkarten.) Mit Rücksicht auf das Erscheinen zahlreicher Kriegs­postkarten wird darauf aufmerksam gemacht, daß An­sichtspostkarten mit Text den pressepolizeilichen'Form- vorschriften entsprechen müssen. Es ist also auf solche Preßerzeugnisse Name und Wohnung des Druckers und des Verlegers zu setzen, um Beschlagnahme und Bestrafung zu vermeiden. Das Gleiche gilt für An­sichtskarten ohne Text, wenn bei ihnen der Charakter der bildlichen Darstellung auf einen unausgesprochenen Gedanken, beispielsweise eine Aufforderung zu einer bestimmten Handlung, schließen läßt.

§ Hersfeld, 9. Oktober. (Nachtfröst e.) Die Zeit der Nachtfröste rückt allmählich heran. Sind wir bis­her auch noch davon verschont geblieben, so wird doch aus anderen Gegenden unseres Vaterlandes bereits das Auftreten der ersten Fröste gemeldet, und auch für uns besteht somit die an Gewißheit grenzende Aussicht, bald von solchen heimgesucht zu werden. Für Feld und Flur kommt der Frost zwar nicht mehr zu früh. Dagegen ist in unseren Gärten nach mancherlei Arbeit rasch zu erledigen, namenilich das Einhüllen und Umlegen der Rosenstöcke und anderer frost­empfindlicher Pflanzen. Wo dies bisher noch nicht geschehen ist, sollte sich der Blumenfreund deshalb beeilen, denn ein einziger Herbstfrost kann die Blüten- f'sucht des ganzen nächsten Jahres zerstören und illusorisch machen.

8 Hersfeld, 9. Oktober. (Dächer nachsehen!) Das Nachsehen der Dächer auch im Herbst im Früh- geschieht's ja fast allgemein empfiehlt sich aus mehreren Gründen. Erstens können auch die Herbst- flurme so stark werden, daß lose Dachziegel ev. herab- serlffen werden und den Hausbesitzer in fühlbare

^Ersatzansprüche etwa verletzter Personen ver- wickeln können. Zweitens ist wegen der Schneelast,

Dach im Winter zu tragen hat, eine sorgfältige Verhütung von Lücken und Spalten im Dachbelag unerläßlich. Sonst sickert im Winter Schneewasser "urch und beeinträchtigt die Festigkeit der Dachbalken unö Sparren. Der später dadurch eintretende Schaden ist dann zehnmal so groß als die kleine Ausgabe für eine rechtzeitige Reparatur.

):( Hersfeld, 9. Oktober. Ende nächster Woche gehen einige Kisten an das 2. Kurhessische Feldartillerie- Reglment No. 47 und an die Ersatzoatterieen dieses Regiments ab. Pakete an Angehörige mitgenauer Adresse sind bis spätestens Mittwoch, den 14. d. Es., mittags, beim Magistrat der Stadt (Stadt­sekretariat) abzugeben.

8 Hersfeld, 9. Oktober. Im Presbyterium wurde schon vor längerer Zeit eine bessere Beleuchtung der hiesigen Stadtkirche erwogen. Eine Kommission zur Förderung dieser Angelegenheit wurde eingesetzt und dieser ist es nun-gelungen, eine Besserung in der Kirchenbeleuchtung zu erzielen. Auf ihre An­regung hin fanden sich eine Anzahl kirchlich- und edelgesinnter Familien bereit, die Kosten für einen großen Kronleuchter zu stiften. Dieser Kronleuchter tm Werte von etwa 1000 Mk. hat 21 Lampen von je 50 Kerzenstärke und wurde durch die Firma Gg. Rössing dahier geliefert und im Mittelschiff der Stadtkirche im Laufe dieser Woche angebracht. Im Gottesdienste am nächsten Sonntagabend wird der Leuchter zum erstenmal seine Lichter erstrahlen lassen. Hoffentlich wird diese Kirchenverbesserung angenehm empfunden und zur Hebung der Abendgottesdienste in dieser schweren Kriegszeit und auch in Zukunft beitragen. _ Hattenbach Kr. Hersfeld, 7. Oktober. Der 15jährige ^ohn des Gemeinderechners Hempel dahier wurde heute beim Abladen von Tannenstangen von einer stürzenden Stange auf den Kopf getroffen. Infolge Bruch des Genicks trat der Tod sofort ein.

Schenklengsfeld, 7 Oktober. Der Infanterist S Oppenheim, Sohn des Metzgermeisters Herz Oppenheim aus Erdmannroöe wurde zum Gefreiten

ernannt und ihm das Eiserne Kreuz verliehen. Der Lehrer Hermann Abraham aus Niedenstein, Sohn des hiesigen Handelsmanns Abraham wurde auf dem Schlachtfelde vor Paris vom Gemeinen zum Unter­offizier befördert und als Anwärter des Eisernen Kreuzes vorgeschlagen.

Caffel, 8. Oktober. (Das 50jährige Jubiläum des Hessischen Diakonissenhanses.) Es ist jetzt keine Zeit Jubiläen zu feiern. Aber es wäre unrichtig, nicht öffentlich daran zu erinnern, daß in diesen Tagen am 18. Oktober das Hessische Diakontssenhaus ein halbes Jahrhundert in Hessen besteht, ein großes Friedens­werk, dessen Bedeutung jetzt im Krieg erst recht jedermann verständlich ist. Die später erscheinende Festschrift wird jedem Interessenten eine Geschichte von der Entstehung und Entwickelung des Mutter­hauses geben. Hier darauf ausführlich einzugehen, verbietet der Raum. Nur darauf sei kurz hingewiesen, daß das Diakonissenhaus sich durch Gottes Gnade aus kleinsten Anfängen im Jahre 1864 in Treysa, zumal seit der Uebersiedelung nach Cassel 1881, in so beträcht­lichem Maße entwickelt hat, daß es heute in 96 hessischen Gemeinden, 17 Krankenhäusern und 17 andern Anstalten die Arbeit der dienenden Liebe übernehmen konnte. Es hat seine 370 Schwestern, bis auf die Pflegestation in der Reichshauptstadt, ausschließlich im Heffenlande angestellt. Die Bedeutung ernster christ­licher Persönlichkeiten im Dienste der Krankenpflege, in der Arbeit unter der konfirmierten Jugend und in der Erziehung ist heute mehr als je in der Oeffentlichkeit anerkannt. Darum hat das Diakonissen- Haus in den Jahren seines Bestehens stets reiche und nachdrückliche Förderung aller beteiligten Behörden erhalten. Die hessische Kirche steht in engster Geistes­und Arbeitsgemeinschaft mit dem Diakonissenhause. Die beträchtlichen Mittel zu seinen zahlreichen Bauten und Arbeiten sind ihm stets, fast ausschließlich aus Hessen selbst, zur Verfügung gestellt worden, die Be­völkerung hat durch alle Jahrzehnte bereitwillig in Haus- und Kirchen kollekten die Arbeit des Haufes getragen und gefördert, besonders erfreulich waren auch die reichen Erntegaben, die im Herbst die Land­gemeinden stets sandten. Die Geschichte des Hauses ist unendlich reif an ergreifenden Beweisen der Liebe und Dankbarkeit, die die Schwestern in ihrer Arbeit und für ihre Arbeit erfahren haben. Am Jubiläums­tage des Hauses darf deshalb mit Recht dem Wunsch Ausdruck gegeben werden, daß das Hessische Diakonysen- Haus auch in den nächsten 50 Jahren als das alt­bewährte Mutterhaus des Regierungsbezirks Caffel sich des Beistands und der Fürsorge seiner Gönner und Freunde erfreuen dürfe, damit es die großen Aufgaben, die die Zukunft ihm stellen wird, zum Segen unserer Heimat recht erfüllen könne.

Hann. Münden, 7. Oktober. In diesem Winter­semester finden an hiesiger Forstakademie keine Vor­lesungen statt. Nicht weniger als 5 Dozenten befinden sich im Felde.

Hanan, 8. Oktober. Durch ein verheerendes Groß- feuer wurde gestern ein am Eisenbahngleise der Strecke Sanau-Franksurt befindlicher Schuppen, in dem Nahrungsmittel untergebracht waren, vollständig e n- aeäsckert In dem Schuppen lagerte eine gewaltige Stenge Mehl, von dem etwa 400 Sack vernichtet rein

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sollen.

Rrmthtri a M.. 8. Oktober. Nachdem erst am 1. Oktober über 20 Postbeamten verschiedener Postbezirke

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gekleidet und zur Feldpost zur Dienstleistung kom­mandiert.

Sir Wtiim M wiittti WtMS.

Durch Erlaß aus dem Großen Hauptquartier vorn 24. September d. I. hat der Kaiser genehmigt, daß die beiden Häuser des preußischen Landtags zur Fort­setzung der laufenden Sitzungsperiode bereits vor dem durch die Verordnung vom 15 Juni festgesetzten Zeitpunkt zusammentreten. Der Präsident des Ab­geordnetenhauses hat daraufhin die nächste L>itzung, die 96. Plenarsitzung in der laufenden Tagung aus Donnerstag, den 22. Oktober, anberaumt, wahrend das Herrenhaus einen Tag später zusammentritt.

Der preußische Landtag wird danach das erste deutsche Parlament sein, welches wahrend des Krieges zusammentritt. Seine Tagung erhalt dadurch eine besondere Bedeutung, denn sie wird sich zweifellos zu einer wichtigen Kundgebung der Einzelvertretung des größten deutschen Bundesstaates gestalten. Wir find gewiß, daß das preußische Abgeordnetenhaus wie das Herrenhaus die Gelegenheit benutzen werden, um ihrerseits noch einmal die Einmütigkeit aller deutschen Volkskreise in der Verteidigung des Reiches, seiner Existenz und seiner Ehre kundzutun. Der 22. und

23. Oktober werden in dieser Hinsicht ein preußisches Gegenstück zu der denkwürdigen Reichstagssitzung vom 4. August abgeben. Darüber hinaus aber wird es sich die berufene parlamentarische Vertretung Preußens nicht nehmen lassen, ein Zeugnis für die Entschlossen­heit des preußischen und deutschen Volkes abzulegen, in dem gegenwärtigen Kriege, den uns Neid und Haß unserer Feinde aufgedrungen haben, bis zum äußer­sten durchzuhalten, und alles, Gut und Leben, dran- zusetzen, um dem Vaterlande den Sieg zu verschaffen in einem Ringen, bei welchem es sich um seine ganze Zukunft handelt. Auch darüber darf und wird die Vertretung des preußischen Volkes keinen Zweifel lassen, daß der Preis dieses Ringens am Ende den ungeheueren Opfern entsprechen muß, die wir bereits gebracht haben und noch zu bringen genötigt sein werden. Wenn das deutsche Volk entschlossen ist, seine letzte Kraft für die Sicherung seiner Weltstellung in der Zukunft herzugeben, so kann es auch erwarten, daß ihm nicht ein fauler Friede angesonnen wird, der die Opfer nicht wert ist die es geleistet hat. Eine Kundgebung auch in dieser Richtung wird die kommende Tagung des preußischen Landtages noch bedeutsamer gestalten.

Im übrigen dürfte diese Tagung ziemlich kurz werden. Der Präsident des Abgeordnetenhauses hat sich die Festsetzung der Sitzungsstunde und der Tagesordnung noch vorbehalten. In der Hauptsache aber wird es sich zweifellos um die Bewilligung der notwendigen Kredite für die Provinz Ostpreußen handeln, die so außerordentlich schwer unter dem mit unmenschlichen Greueln verbundenen Einfall der Russen gelitten hat. Ueber die Höhe der von der ^Regierung beabsichtigten Forderungen liegen noch keine bestimmten Nachrichten vor. Man wird aber mit Sicherheit erwarten dürfen, daß .diese Forderungen der Größe der Verluste, die die Provinz und ihre Bewohner erlitten haben, au- gepaßt sein werden. Ein voller Ersatz für die Leiden, die Ostpreußen hat ausstehen müssen, und für die Opfer an Menschenleben, die der Einfall der Russen gekostet hat, wird ja niemals geboten werden können, aber zum mindesten wird man doch den materiellen Verlust nicht nur voll ausgleichen, sondern den Be­wohnern Ostpreußens auch die Möglichkeit bieten müssen, sich von neuem eine Existenz zu gründen. Es ist selbstverständlich, daß diese Hilfe schnell geleistet werden muß, und daß die Verteilung der bewilligten Unterstützungen rasch und gerecht vor sich gehen muß. Die private Htlfstätigkeit hat bereits in bewunderns- werter Weise zur Milderung und Linderung der Schäden beigetragen, sie wird auch weiterhin mit­wirken, die Provinz Ostpreußen dafür zu entschädigen, daß sie als Bollwerk gegen den andringenden Feind hat dienen müssen, aber das alles kann für die Be­messung der staatlichen Hilfe nicht in Betracht kommen. Das Maß der letzteren muß so gestaltet werden, daß die private Liebestätigkeit im wesentlichen von ihrer bisherigen Aufgabe in Ostpreußen^freigemacht wird, denn es harren dieser Liebestätigkeit noch gar viele und schwere Aufgaben auf anderen Gebieten. Wir sind überzeugt, daß der preußische Landtag nach allen diesen Richtungen hin sich der Größe der Aufgabe gewachsen zeigen wird, die er in diesen denkwürdigen Tagen zu erfüllen hat.

Verzeichnis

der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:

Für das Rote Kreuz, Seltiou Aersseld

von Herrn Adam Kranz, Bahnwärter

Mecklar..........M. 20.

Radfahrerverein Wölfershausen . . 20.05

Sühnegeld aus der Gemeinde Herfa 10.05

Ungenannt, Mecklar....... io.

Frau Dr. Bartb, hier...... 50. Herrn Fr. Weidemann, Rauhmeister, hier............ 10.

M. 120.10 Bestand 22498:60 heutiger Bestand M. 22.618.70 Für die Notleidenden Hinterbliebenen: von Meistern und Arbeitern, der Firma Fr. Braun, hier...... M. 41,35

Bestand 45. heutiger Bestand M. 86,35

Für die notleidenden Ostpreußen: von Ungenannt, Mecklar...... M. 20.

Bestand ,, 543.35

__heutiger Bestand M. 563.35

Strickt Strümpfe

für unsere Truppen im Felde!