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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld Weiber fireisbliitt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 237. Freitag, den 9. Oktober 1914.

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Bestellungen

auf das

Bersfelder Tageblatt

werden für das

4. Vierteljahr

von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Strickt Pulswärmer für unsere Truppen im Felde!

Bus der Heimat

* (Die Staats st euerpflichtderKriegs- freiwilligen.) Durch Erlaß des Finanzministers ist verfügt worden, daß Kriegsfreiwilligen, welche direkt in das aktive Heer eingetreten sind, nach Lage der gesetzlichen Bestimmungen ein Anspruch auf die «Vergünstigung des § 70 des Einkommmensteuergesetzes ebensowenig zusteht wie den Unteroffizieren und Mannschaften des stehenden Heeres. Bei der Ein­ziehung rückständiger Staatssteuern von Pflichtigen dieser Art ist aber zur Vermeidung von Härten auf die vorliegenden Verhältnisse gebührend Rücksicht zu nehmen und in allen geeigneten Fällen die Steuer mederzuschlagen.

* (P o st a l i s ch e s.) Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die bei Landespostanstalten von Militär­personen bis zum Feldwebel aufwärts herrührenöen Sendungen Anspruch auf die im § 25 der Feldpost- dienstordnung vorgesehenen Portovergünstigungen nur dann haben, wenn sie ausnahmslos gemäß § 26 s ^Jeldpostdienstordnung den zuständigen Militär­behörden oder Truppenteilen vorgelegt und von diesen den Postanstalten durch einen Kommandierten über­geben werden. Neben dem VermerkFeldpostbrief" ist von der Militärbehörde der Soldatenbriefstempel oder ein entsprechender militärischer Dienststempel ab- zudrucken. Abweichend von diesen Vorschriften einge- Ueferte Sendungen müssen als unfrankierte porto­pflichtige Sendungen behandelt werden. § 24 der Feldpostdienstordnung lautet: Bei Sendungen von Angehörigen des Heeres in Privatangelegenheiten muß sich her Absender, wenn er Offizierrang hat oder zu den oberen Militärbeamten gehört, bei dem Ver- ErkFeldpostbrief" nach Namen und Dienstgrad als Absender bezeichnen. Bei Privatsendungen von Yeeresangehörigen geringeren Grades muß bei dem ^erm^rksFeldpostbrief" der Soldatenbriefstempel ab-

* (F r e i e S ch u l st e 1 l e n a n V o l k s s ch u l e n i n K u r h e s s e n.) Heiligenrode, Pfieffe und Groß- almerode je ein evangel. Lehrer; Asbach und Fam- bach, je eine evangel. Lehrerin; Frankenberg ein israel. Lehrer.

* (Von der Kolonial schule in Witzen - Hausen.) Im Lehrplan für das am 15. Oktober be­ginnende Winter-Semester sind folgende Vorlesungen angekündigt: Europäische Kolonialpolitik. Volks­und Kolonialwirtschaft. Pflanzenbau. Chemische Uebungen. Botanik. Uebungen in Tierheilkunde. Kolonialhygienische Unterweisungen. Sprachen : Hol­ländisch, Spanisch, Englisch, Gärtnerei mit theoretischen und praktischen Unterweisungen: Baumschulenbetrieb, Gemüsebau, Gewächshäuser. Forstwirtschaftliche Ueb­ungen. Buchführung. Uebungen in praktischer Land­wirtschaft. Baufach und Maschinenkunde im Bedarfs­fälle Uebungen im Landmessen. Handwerke.

* (Warnung.) Von Hamburger Losehändlern wird trotz der in letzter Zeit mehrfach erfolgten Be- trafung immer wieder der Versuch gemacht, Lose der m Königreich Preußen und in den durch Lotteriever- rag angeschlossenen Staaten nicht zugelassenen Ham- mrger Stadtlotterie und der Sächsischen Landeslotterie, reiner der Dänischen Kolonial-(Klaffen)-Lotterie und der Ungarischen Klaffenlotterie hier abzusetzen. Das Spielen in außerpreußischen Lotterien und der Ver­kauf von Losen dieser Lotterien ist gesetzlich verboten. Es wird daher eindringlich vor der Uebertretung der Bestimmungen gewarnt.

§ Hersfeld, 8. Oktober. Die Einstellung o e r R e k r u t e n erfolgt, nach auswärtigen BMtter-

meldungen, im gegenwärtigen Kriegsjahre im Bereich des 11. Armeekorps ebenso wie im Frieden in der Zeit vom 14. bis zum 16. Oktober.

):( Hersfeld, 8. Oktober. Der Gelegenheitsarbeiter Ferdinand Braun der seinerzeit den Invaliden in einer Feldscheune mißhandelt hatte, wurde heute vom hiesigen Schöffengericht mit 4 Monaten Gefängnis bestraft.

Caffel, 7. Oktober. Eine schwere Quetschung zweier Finger der linken Hand erlitt heute vormittag der Arbeiter M. in einem hiesigen Fabrikbetriebe dadurch, daß ihm beim Ausladen von Ballen ein solcher auf die Hand fiel. Sanitäter leisteten ihm die erste Hilfe.

Marburg, 6.Oktober. Die hiesige Eisenbahnstation wird von jetzt ab die amtliche BezeichnungMarburg (Lahn)" tragen.

Friedberg i. H., 6. Okt. Der achtjährige Sohn des Schreiners Stark im nahen Ober-Wöllstadt geriet unter die Räder eines schwer beladenen Wagens und erlitt so schwere Quetschungen, daß der Tod sofort eintrat.

Darmstadt, 6. Okt. Ein ganzer Eisenbahnzug, etwa 30 Wagen, teils verarbeitete, teils unverarbeitete Baumwolle im Wert von über 12 Million Mk. ist vom französischen Kriegsschauplatz hier eingetroffen und soll durch die Kriegsbeutesammelstelle verwertet werden.

Ohrdruf, 7. Oktober. Auf dem Begräbnisplatze für die französischen Gefangenen ist jetzt auch ein algerischer Soldat, der an den Folgen seiner schweren Verwundung starb, bestattet worden. Er wurde ohne Sarg, das Gesicht der aufgehenden Sonne zugewandt, bestattet.

St. Goarshausen, 7. Okt. Das 2^ Jahre alte Töchterchen des Kaufmanns Weiß in Miehlen ertrank in einer im Nachbarhofe stehenden Bütte mit Wasser.

Langensalza, 6. Oktober. Gegenwärtig werden seitens der Militärbehörden mit unserer Stadt Ver­handlungen geflogen wegen Errichtung eines Ba­rackenlagers für Gefangene. Wahrscheinlich wird in den nächsten Tagen mit den Arbeiten begonnen. Es sollen 510 000 Gefangene hier untergebracht werden.

Hammelburg (Rhön), 6. Oktober. Beim Spielen mit der Futterschneidmaschine wurden einem drei­jährigen Mädchen in Fuchsstadt vier Finger an einer Hand vollständig abgeschnitten.

Tann a. d. Rhön, 6. Oktober. In Andenhausen gerieten die Kleider eines neunjährigen Mädchens am Herdfeuer in Flammen und erlitt das Mädchen lebensgefährliche Brandwunden.

Amtlich wird zur Veröffent- die Eröffnung des Winterse- riesterseminar am Freitag, den

Fulda, 7. Oktober, lichung mitgeteilt, daß mesters am hiesigen P 16. Oktober erfolgt.

Frankfurt. 6. Oktober. Durch ein Großfeuer wurden in Königshöfen zwanzig Wohnhäuser eingeäschert. Der Schaden beträgt über 100000 Mark Der Brand wurde durch spielende Kinder verursacht.

Frankfurt a. M., 7. Oktober. Der 38 Jahre alte Arbeiter Müller hat aus Eifersucht die 20 Jahre alte Brauereibesitzerstochter Engler in Hoffenlohr durch M Stiche getötet und sich dann selbst mehrere Stiche beigebracht, worauf er in den Main sprang und er­trank.

Frankfurt, 6. Okt. Zum Rektor der Universität wurde Bros Dr Wachsmuth ernannt. Zum Pro- Ä Ä W Dr. P°u--r Berufen und als Dekane wurden ernannt von Ber l.llriJfl,Ä^

Pros. Dr. Freudenthal, von der philosophischen Fakul­tät Geh Reaierungsrat Pro. von Arnun, von der natnrwissenschaftl i ch en Fakultät Pros. Dr. Scho^ und von der wirtschafts- und lozralwlnenichaftlichen Fakultät Prof. Dr. Pohle. Dre Ernennung des De­kans für die medizinische Fakultät ist noch nicht voll­

zogen.

Frankfurt a M., 7. Oktober. (Auch eine Kriegs­überraschung.) Eine unverhoffte Freude ist den Be­wohnern eines großen Mietshauses auf der Zeit zu­teil geworden. Während andere Mieter, die infolge der du?ch den Krieg verursachten wirtschaftlichen Not­lage ihren Verpflichtungen nicht nachkommen sonnen, besondere Schritte tun müßen, um eine Stundung zu erlangen, ist den Mietern des erwähnten Hauses die Stundung ohne weiteres bewilligt, ja sie dürfen, selbst wenn sie könnten und wollten, ihre Miete nicht zahlen: Der Hausherr ist nämlich englischer Staatsangehöriger und lebt in England, und auf Grund des Zahlungs­verbots gegen England, das der Bundesrat am 30. September erlassen hat, setzt sich jemand, der trotz des Verbots nach England zahlt, einer Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bis zu 50 000

Mark aus. Die Schuld ist keineswegs erlassen, sondern nur gestundet, und eine Verzinsung braucht nicht zu erfolgen. Wohl aber kann der Mieter den geschuldeten Betrag bei der Reichsbank hinterlegen, um sich von der Schuld zu befreien.

Kriegsfanitätswesen.

Wie unsere Heeresleitung alles vorgesehen hat, hat sie auch in Sanittttswefen die 44 Friedensjahre unablässig an der Verbesserung gearbeitet. Im Ver­gleich zu 1870 hat z. B. jeder Soldat sein Verband­päckchen, über dessen Verwendung er genau unter­richtet ist und mit dessen Hilfe er sich selbst schnell einen absolut keimfreien Verband anlegen kann. Der Begriff der Keimfreiheit war ja 1870, vor der großen Entdeckung der Pasteur und Koch noch unbekannt. In der letzten Zeit hat man ein Verfahren gefunden, die Verbreitung von schädlichen Bakterien in frische Wunden noch sicherer zu verhindern. Um die Wunden wird sich stets Schmutz finden, und in jedem Schmutz sind Bakterien. Also mußte die Wunde erst gereinigt werden. Aber wo ist auf einem Schlachtfeld Wasser zu finden? Jetzt hilft sich der Arzt, indem er die Wundränder so wie sie sind mit Lastisol ttberstreicht. Eine dem Gummiarabicum ähnliche Harzmasse, die die Eigenschaft besitzt, die Bakterien nicht zu töten, aber zu arretieren. Auf diese Masse kommt ein Not­verband. Ist dann Zeit, so wird der Wundrand ge­reinigt und das Lastisol, das seinen Zweck erfüllt hat, abgewaschen. So gelingt es, in vielen Fällen Eiterung zu vermeiden. Natürlich gilt das nur für die Schuß- verletzung durch Gewehrkugeln, aber diese liefern die Mehrzahl der leichten Verwundungen. Die modernen Jnfanteriegeschosse gehen ja durch Weichteile glatt durch, und nur wenn sie auf Knochen stoßen, haben sie schwere Verwundungen zur Folge. Das gilt natür- lich nur den vorschriftsmäßigen Geschossen und nicht von den durch Abseilen usw. hergestellten Dum-Dum Geschossen. Eine Maschine zur Umarbeitung gewöhn­licher in Dum-Dum Geschosse wurde bekanntlich in Longwy erbeutet. Verseuchtes Wasser hat in früheren Kriegen viele Krankheiten zur Folge gehabt. Jetzt ist die Armee von Aerzten begleitet, die überall in neuen Quartieren das Trinkwasser auf seine Reinheit prüfen. Cholera- oder Typhusbazillen werden da fest­gestellt und solche Brunnen gesperrt. Ist nur solches Wasser da, so treten die Filter-Wasserkochapparate in Tätigkeit, die wie die Feldküchen jeder marschierenden Abteilung folgen. Diese Feldküchen nehmen den er­müdeten Soldaten die Mühe des Abkochens ab und geben ihm also mehr Zeit zur Ruhe. Schließlich sei noch an das Schuhwerk erinnert. Gutes Schuhwerk ist eine Vorbedingung des Sieges unb gehört ebenso zur Kriegsbereitschaft, wie,Waffen und Munition.

Strickt Strümpfe

für unsere Truppen im Felde!

Der neueste Skat.

Es war in diesem Jahr im Lenz,

Da tagte im Hag die Völkerkonferenz Und da man nichts zu beraten hat, Ersann man einen neuen Skat.

Sie setzten sich hin an einen Tisch: Nun, Montenegrinier, gib und misch! Jetzt habt ihr die Karten, beseht sie euch, Ich passe! ruft der Italiener gleich, Ramsch! ruft der Russe mit blödem Gesicht, Mehr hatt' ich in meinem Leben noch nicht. Dem Belgier aber paßt das nicht, Der hat die meisten Schellen gekriegt. Und Frankreichs Vertreter, Herr Poinearee, Der bietet den Skatern mit Lächeln Tournee, Der Serbe ruft: die Karte ist vull, Ich habe, was ich sonst bin, eine Null! John Bull, der Brite, der Falsche, der lacht, Der hätt' am liebsten Gucki gemacht, Der Franzel, der Herr von Oesterreich, Der bietet den Skatern ein Solo sogleich, Doch Wilhelm der Zweite vom deutschen Land Ruft: Meine Herren, Grand aus der Hand! Wilhelm spielt aus, und mit Hilfe von Franz Gewinnt er das Spiechen voll und ganz.

Verlustlisten

vorrätig bis Nr. 41e in der Geschäftsstelle der Tageblattes.