Gedrückte Stimmung in Petersburg.
Stockholm, 7. Oktober. (H. K.) Petersburger Nachrichten zufolge ist der Offiziersmangel im russischen Heere sehr drückend geworden. Die Stimmung in de» russischen Hauptstadt ist niedergeschlagen, weil die Kunde von den beiden Katastrophen in Ostpreußen dnrchsickert, ohne daß die Regierung Einzelheiten bekannt gegeben hat.
Die rnssenfeindliche Bewegung in Persien nimmt zu.
e-^ Wien, 7. Oktober. (WTB.) Die Korrespondenz „Rundschau" meldet aus Konstantinopel: Die russen- ferndliche Bervegnng in Persien gewinnt immer mehr an Umfang. Rußland beabsichtigt zum Schntze feiner Untertanen und des diplomatischen Personals Truppe« zu entsenden und verschärfte Maßnahme» ans den russischen Bahnlinien zu ergreifen. In Südpersien ist die Lage für die Engländer bedenklich.
Serbisch-bulgarische Kämpfe an der Grenze Neuserbiens.
^ Wien, 7. Oktober. (WTB.) Die „Reichspost" meldet aus Sofia: Borgestern in Strumißa angekom- nrene bulgarische Flüchtlinge erzählen, daß zwischen Serben und Bulgaren erbitterte Kämpfe bei Jskip statt- finden. Die Serben hätten Verstärkungen herangeholt und es finde eine regelrechte Belagerung der Stadt Jskip statt. Ueber 200 bulgarische Familie» seien von den Serben ans der Umgebung der Stadt gefesselt inS Innere des Landes gebracht worden.
Die Türkei bleibt fest.
$-^ Konstantinopel, 7. Oktober. (WTB.) Auf einen von der Petersburger „Nowoje Wremja" und einem Moskauer Blatt gegen die Türkei gerichteten Angriff erwidert der „Jkdam", daß die Türkei für niemand Propaganda mache und ihre Neutralität bewahre. Die Drohung, daß England und Frankreich Hafenstädte Syriens ««greifen und besetzen könnte, sei nicht ernst zn nehmen.
Die indischen Soldaten lehnen sich auf.
6e* Berlin, 7. Oktober. Laut „Deutscher Tageszeitung" hätten in mehreren Städten Aegyptens blntige Zusammenstöße zwischen den britischen Garnisonen «nd den eingeborenen Mannschaften stattgefunden, die sich gegen die Verschleppung auf die französischen Schlacht« felder anflehnen.
Kitcheners Riesenarmee fehlts an Ausrüstungsstücken.
London, 7. Oktober. „Daily Chronicle" berichtet, in Aldersoth würden rnnd 136 000 Mann aller Waffen, gattungen ausgebildet, die, sobald sie fertig sind, zur Front abgehen würden. Die Ausbildung mache trotz glänzender Leistung nicht den gebührenden Fortschritt, da die Truppen ungenügend ausgerüstet seien. Die Zeitung erbittet die Unterstützung des Publikums und bemerkt, daß beispielsweise kein einziger Kompagnieoffizier der ersten Armee Kitcheners einen Feldstecher besitze. Gebraucht würden Hemden, Strümpfe, Taschentücher, Schuhriemen, Schreibmaterial, Trommeln und Pfeifen für die schottischen Regimenter.
Ein Stimmnngsumschwnng in Italien.
Cöln, 6. Oktober. Die „Köln. Ztg." meldet aus Zürich: Wie aus Mailand berichtet wird, wenden sich „Carriere della Sera" nnd „Giornale d'Jtalia" gegen einen Artikel des „Echo de Paris", in dem auseinandergesetzt wurde, Frankreich habe Interesse daran, Italien znm Kriege zu veranlassen. Die beiden Blätter lehnen zunächst die französische Bevormundung ab. Italien wird sich, erklärt das „Giornale d'Jtalia", nicht von Stimmungen beherrschen lassen, sondern sich vor Augen halten, daß es niemandes Vasallen ist, nnd tun kann, was seinen eigenen Interessen entspricht. Anch der sehr franzosenfreundliche „Corriere della Sera" stellt entschieden fest, Italien habe sich seine Neutralität nicht bezahlen lassen, sondern sie sei eine Folge seiner internationalen Pflichten.
Das verschwundene Unterseeboot für Rußland erbant.
Die Franks. Ztg. meldet aus Rom: Das geheimnisvolle Verschwinden des, wie man annimmt, für Rußland erbauten Unterseebootes erregt das größte Auf- sehen. Vor allem ist noch nicht geklärt, ob fremde Anstifter vorhanden sind oder nur Abenteuerlust des Führers die Tat veranlaßte. Es wird angenommen, daß das Boot sich nach Bastia auf Korsika gewendet hat. — „Popolo Romano" meldet, es werde nicht schwierig sein, die auswärtige Macht sestzustellen, welche die Gesellschaft oder das Personal bestochen habe. a
Der russische Botschafter in Rom teilt mit, daß das verschwundene Unterseeboot von Rußland auf der Werft Fiat San Gtorgi in Spezzia bestellt worden sei, doch komme Rußland bei der von den Zeitungen berichteten Entführung des Bootes nicht in Betracht.
^ Rom, 7. Oktober. (WTB.) Die „Tribuna" erfahrt, daß der französische Botschafter das in Ajaccio vor Anker liegende Unterseeboot an die Schiffswerft mrückgeben werde. Es bleibe nur noch die Art der Wiedererstattung zu überlegen.
Der Panzerzug.
Die neue Art der Kriegführung mit „wilden", d. h. führerlosen Eisenbahnzügen, welche die Belgier in das in deutschen Händen befindliche Eisenbahnnetz losgelassen haben, ist erfolglos geblieben. Die deutschen Truppen haben sich, wie berichtet, in Belgien dieser wilden Züge mühelos erwehrt, indem sie einige Brücken sprengten, so daß die führerlosen Lokomotiven in den Fluß stürzten, ohne den geregelten Eisenbahnverkehr stören zu können. Eine rationellere Waffe bildet dagegen der auf deutscher Seite in Belgien und sonstwo verwendete Panzerzug, über den in der „Straßburger Post" der Führer eines solchen, Leutnant d. R. Kurt Blaum, Direktor der städtischen Armenverwaltung in Straßburg, aus Brüssel vom 26. September folgende interessante Mitteilung macht:
Ich bin hier Kommandant eines Panzerzuges und habe mit diesem vorgestern eine Gewalterkundung bis 30 Kilometer vor unsere letzten Vorposten unternommen, um die Anwesenheit belgischer Truppen im Westen aufzuklären. Hierbei fuhr ich mitten in den belgischen fahrplanmäßigen Schnellzugsverkehr hinein, beschlagnahmte die Post des eben in der Betriebsstation eingetroffenen Zuges und verfolgte einen zweiten auf der belgischen Betriebsstrecke noch drei Stationen weiter, bis ich auf stärkere Infanterie und auf Truppenausladungen stieß. Dort zerstörte ich die Strecke und den Betrieb. Bei der wegen der Wichtigkeit der Meldungen, der Unruhe der Bevölkerung und der Entfernung von unseren Truppen (30 Kilometer) sehr raschen Rückfahrt kam der Zug zehn Kilometer vor unseren Vorposten zur Entgleisung. Eine belgische Pionier-Kompagnie, der unser Kommen auf der Hinfahrt von Einwohnern vorgemeldet war, hatte hinter mir die Strecke gesprengt. Der Fernüber- fall durch ihre zurückgelassenen Gruppen wurde von meinen Leuten abgeschlagen. Wir stellten ein Gleis in anderthalb Stunden für unseren Zug wieder hi gelabten glücklich in den Bereich unserer T
Bei der Entgleisung wurde ti bersten Wcmen stand, gegen die i und am rechten Knie verletzt. 3d
ier und 'ruppen
►, da ich auf dem vor- anzerung geschleudert tue jedoch, wenn auch
Hinkend, meinen Dienst als Kommandant des Panzer- zuges weiter und habe gestern zwischen unserer und der belgischen Schützenlinie im Gefecht mit meinem Zuge die Gleise eines Bahnhofs, die siebenmal gesprengt waren, in zwei Stunden miederhergestellt, um gewaltsam zu erkunden, was auch sehr gut gelang. Erst das belgische Artilleriefeuer, dem der Zug nicht ausgesetzt werden darf, vertrieb uns. Vielleicht interessiert Ihre Leser diese Tätigkeit mit einer in diesem Kriege zum ersten Male angewandten Vehikelwaffe!
kriei»sallerlei.
Beginn der Landtagsberatungen am 22. Oktober.
Der Kaiser hat durch Erlaß aus dem Großen Haupt- gnauier vom 24. September d. J. genehmigt, daß beide Häuser des Landtages zur Fortsetzung der Legislaturperiode bereits vor dem durch die Verordnung vom 15. Juni 1914 festgesetzten Zeitpunkt zusammentreten. Daraufhin hat der Präsident des Abgeordnetenhauses die 96. Plenarsitzung auf Donnerstag, 22. Oktober 1914, anbcraumt. — Das preußische Herrenhaus ist auf den 23. Oktober vormittags 11 Uhr zu einer Sitzung einberufen.
Das Eiserne Krenz für den Prinzen Max von Sachsen.
Dem Prinzen Max Herzog von Sachsen, der jetzt als Feldgeistlicher bei der 23. Infanterie-Division wirkt, wurde vom Kaiser das Eiserne Kreuz 2. Klasse und vom König Friedrich August das Ritterkreuz 1. Klasse des Albrechtsordens mit Schwertern verliehen.
Ein Automobilnnfall der Gattin des Generals v. Einem.
Aus Berlin wird gemeldet: Am Montagabend suchte eine Autodroschke, in der sich die Gattin des Kommandierenden Generals der Kavallerie und Armeeführers v. Einem befand, einem Möbelwagen auszuweichen. Dabei schlenderte das Automobil auf dem schlüpfrigen Awhaltpflaster und prallte mit solcher Gewalt gegen einen Straßenbahnwagen, daß dieser aus den Gleisen gehoben und der vordere Teil der Kraftdroschke völlig zertrümmert wurde. Sowohl der Kraftwagenführer wie auch Frau v. Einem erlitten erhebliche innere Verletzungen.
Dienstjnbilänm des Staatssekretärs Kraetke.
Der Staatssekretär des Reichsvostamts Kraetke feiert am 7. Oktober sein 50jähriges Dienstjubiläum. Er hat als Fachmann den Aufstieg zu der höchsten Stelle des Reichspostamts durchgemacht. Seit 1901 an der Spitze des Reichspostamts stehend, ist er mit Erfolg bemüht gewesen, unsere Reichspost- und Telegraphen-Verwal- tung organisatorisch, verkehrstechnisch und verkehrspoli- tisch auszubauen und Deutschland den Borsprung vor anderen Ländern zu erhalten.
Hansis Revision verworfen.
Das Reichsgericht verwarf die Revision des Kunstmalers Johann Jakob Waltz, genannt Hansi, der am 25. März vorn Landgericht Kolmar im Elsaß wegen Beleidigung der Offiziere der Garnison Kolmar zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Er hatte in einem Theatercafee einen Stuhl ausgeräuchert, auf dem ein deutscher Offizier gesessen hatte.
Die Friedenssehnsucht des Präsidenten Wilson.
Staatssekretär Bryan sagte nach einer Neuyorker Meldung in einer Versammlung zugunsten des Friedens, daß Präsident Wilson mit Ungeduld die Gelegenheit erwarte, um Schritte bei den Mächten zu tun, durch welche die kriegführenden Nationen zum Frieden gebracht werden könnten. Versammlungen zum gleichen Zwecke haben auch in anderen Teilen des Landes stattgefunden. — Nachdem von deutscher Seite das Ziel des uns aufgezwungenen KNeges wiederholt deutlich genug bezeichnet worden ist, wird sich Präsident Wilson über seine Rolle als Friedensvermittler wohl hinreichend klar sein.
Die deutsche Verwaltung in Brüssel.
Brüssel, 7. Oktober. (WTB.) Der General- gouverneur Freiherr von der Goltz ist insbesondere bemüht, der hochentwickelten Zuckerindustrie die Eröffnung ihrer Erzeugungskampagne zu ermöglichen und die Verwertung der reichen Zuckerrübenernte zu sichern. Wegen der Benutzung gewisser Bahnen für die Zufuhr von Brennmaterial und Kalkstein für die Fabriken sind die Interessenten veranlaßt worden, ihre Wünsche gesammelt vorzutragen.
Die Sühne des Attentates gegen den Banus von Aggram.
^ Brüssel, 7. Oktober. (WTB.) Das gegen den Banus Skerlitz verübte Attentat hat nunmehr »eine Sühne gefunden. Von ben beiden Tätern wurde Schäfer zii fünf Jahren, Hercigonia zu acht Jahren schweren Kerkers verurteilt.
Wie Marschall Bazaine zum zweiten Male gefangen wurde.
Einen lustigen Schwabenstreich hat sich kürzlich ein kleines schwäbisches Blatt geleistet. Es war am Tag nach der Siegesbotschaft von der Vogefenschlacht. Der Ri'dakteur hatte sich aus einem größeren Blatt zu ge- Laentlicher VerarLitung. einen Artikel über die Verluste der Franzosen im Kriege von 1870/71 ausgeschnit- en Den Absatz über die Verluste von. Metz hatte er als'besonders aktuell auf ein Blatt Papier geklebt und war dann sum Mittagessen gegangen. Nach einer Weile fommt der Verleger i»'' die Redaktionsstube und sieht den Ausscknttt liegen. „Es ist doch ein Kreuz mit diesen jungen Redakteuren!" flucht er. „Eine.svicye Nachricht läßt dieser Mensch nun nicht einmal anichlagen. Blet- stikt ber rasch den Text des Anschlags geschrieben, zum Setzer hinaus und eine halbe Stunde »pater steht die aanze Bürgerschaft staunend vor folgender Neumkeit: ^Sch acht bei Metz. In der schon gemeldeten Schlacht zwischen Metz und den Vogesen verlor die französische Armee"an Gefangenen allein 173 000 Mann, 4000 Offiziere und 3 Marsc^ülle, darunter den Marschall Bazaine.
Der Hauptmann beim Rasieren.
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Sinn Tfahrt ennd dort die Stoppeln suchst, so ist es ihm, oÄi er L Sein hübscher Rasierapparat liegt in seiner Tasche Aber die ist irgendwo auf seinem Pferde das man ihm unter dem Leib erschossen hat. Er stellte sich vor wie herrlich es wäre, rasiert zu sein. Nun sitzt er in einer russischen Stadt mit seinem Bataillon und hat aar nsthts zu tun, als auf den Befehl zum Wei- termarsch zu warten. Weit und breit keine Gefahr, er fifflSSSt ^ch rasieren zu lassen - aber wie? Es wird zur sän^dee be ihm, er ekelt sich vor sich selbst. Mit Um Oberleutnant gebt er durch die Stadt, die sich an die 6Sä?te schon gewöbnt hat, und stößt p/ötzlich einen ^re^enickrei aus- Ein Raseurladen! Schon will er ^treten-der Oberleutnant hält ihn zurück: „Was fällt D?r ein"' Der Raseur ist ein Russe! Willst Du Dir von die S durchschneiden lassen?" - Das sieht der Hmrvtmann ein und zieht betrübt weiter. Aber er kann N ntKs anderes denken als an den Raseur,- der Wunsch ist "tWr As Vernunft und Ueberlegung. Und nach
mittags faßt er einen Entschluß. Befiehlt zwei Soldaten herbei, geht mit ihnen zum Raseur. Der ist ein kleiner, blatterunarbiger, schielender Mensch, der fast um- fällt, wie die drei Feinde so in seinen Laden treten. Der Hauptmann spricht nicht Russisch, der Raseur nur Russisch. Aber das schadet weiter nicht. Der Hauptmann setzt sich auf den Stuhl, deutet auf sein Kinn, winkt drohend mit dem Finger und meist auf die beiden Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr. Der Raseur zittert, beginnt einzuseifen. Wie ein Glücksgefühl ist es dem Hauptmann. Die Soldaten sehen finster mit angespannter Anfnierksamkeit zu, belauern jede Bewegung des Muffen. Er setzt das Messer an, die Soldaten fassen ihre Gewehre fester. — Zwei Minuten später ist der Haupt- mann rasiert, besser als je in seinem Leben, denkt er. Wirft dem Raseur ein Zwcikronenstück zn. Der Russe bekreuzt sich und zittert noch immer.
Blüte« aus einem frattzösische« Brief.
Metz, 5. Oktober. (WTB.) Die französische Geistes- verfaffitng kennzeichnen zwei bei einem gefallenen Franzosen Vorgefundene Briefe. Die Kernstellen lauten: Ut die Freud', wenn ich so ein Scheusal Prusko ins Gras beißen sehen werde! Denn kein Erbarmen mit solchen Kreaturen. Das sind nur Wilde. Unsere Verwundeten, die in ihre Hände fallen, werden von Unten unter grausamen Qualen taltgemacht. Aber wehe dem, der in unsere Hände fällt! Er wird die Zeche für die andern bezahlen. Ich habe mir vorgenommen, in der ersten deutschen Stadt, in dem nächsten Juivelierlaöen mir einige hübsche Pretiosen auszusuchen. Zahle»! merbe ich mit ein paar guten Kugeln, die ich dem Händler in den Kopf jage. Man mufi heute in der Tonart reden, wie sie 71 mit uns. Ich habe einige hübsche Znckerche»» in meiner Patronentasche, die ich sie schrnecke»! lassen werde.
Die Spio«cttf«rcht i« London
treibt derartige Blüten, daß selbst die englischen Zeitungen darüber zu spotten beginnen. Der „Everüng Standard" veröffentlicht folgenden Dialog: „Was mache»! Sie hier? Sie »vollen doch sicher spionieren?" fragt ein Schutzmarm ein verdächtiges Jridtvidtuin. „Nein, ich wollte einbrechen." „Dann entschuldigen Sie bitte."
Ein Sozialdemokrat über französischen Vanbalismns.
Ein mit an erster Stelle im Agitationsbezirk Frankfurt am Mai»! stehender Sozialdeinvkrat, der als Land- wehrmaun in Belgien und Frankreich »nitgekärnpft hat, schreibt der „Frarikfurter Bolksstirntne" unter anderem:
.... «September 1914.
Kurz nach der Schlacht bei Neuschateau erging auch an unser Landivehr-Bataillon der Befehl zum Aus- »narsch, und so fuhren mir denn hinaus ins Feld, alle den einen Bebauten: das eiserne „Muß" zwingt uns 3um Kampfe für die Existenz des Baterlarides, für unsere Familien, für unser Volk. Deshalb »var auch die Begeisterung, mit der mir aus marschierten, eine ernste Willenskundgebung, keine oberflächliche Hurrasttmin»lng.
. . . Ueber Neuschateau ging es metter nach .....; hier bot sich dasselbe Bild, nur daß keine zerschossenen und verbrannten Häuser vorhanden waren. Dagege»» waren die Berkaufsläden zertrümmert, die Waren in den Schmutz geworfen mnd sonst alles verwüstet; eine große Zahl von Verwundeten kam an, sie tarnen aus der Schlacht bei Ntuzon. Es üb er taut mich ein beschäme Gefühl, als ich eine solche Verwüstung in einzelnen Läden und Häusern vorfand, denn ute »artige ^n«...- rung hat sich uns gegenüber in einer durchaus noblen Höflichkeit verhalten,- wir besamen gegen Geld guten Wein und erhielten gute Quartiere. Es wollte mir deshalb nicht in den Kopf, daß unsere Soldaten diese Ver- wüstungen angerichtet haben sollten, und so begab ich mich ans Ausforschen, wie es komme, daß diese Verwüstungen vorhanden seien. Eine Kellnert»!, die aus Brüssel stammte, aber gut Deutsch sprach, gab mir Aufschluß darüber. Sie erklärte mir auf das bestimmteste, daß es die Franzose»! waren, die ans dem Rückzug alles plünderten und raubten, was sie erwischen konnten, und alles kaputt schlüge«, was sie kaputt schlage« konnte«. Ich betone, das sagte mir eine Belgierin, die allerdings auch zu gleicher Zeit eine Sozialisti»! war.
Die Schilderung dieser Belgierin löste bei mir als gutem deutschen Sozialisten Verwunderung aus, ich hatte die. Franzosen höher eingeschätzt, betaut aber einen tiefen Abscheu, als ich sah, wie sie gehaust hatten. Und je weiter wir nun ins Land tauten, bis tief in das Frankreich hinein, überall dasselbe Bild, überall grauenvolle Verwüstung, hungernde Frauen und Kinder, verzweifelte alte Leute, die erzählten, daß es ihre eigenen Lanbs- leute waren, bte ihre Wohnungen und alles vernichteten. Unsere Soldaten duldeten nicht, daß geplündert wurde, sie teilten ihre eigenen Rationen mit ben hungernden Frauen und Kindern. In ... . traf ich eine Familie, Frau mit sechs Kindern, das siebente war auf beut Wege, die Familie war halb verhungert,- sofort erhielt sie, nachdem ich dem Felörvebel davon Mitteilung gemacht hatte, von uns Brot, Reis, Salz, Kaffee und Fleisch von einem Ochsen, den wir geschachtet hatten. Der Mann dieser Familie stand als Artitterielandwehrmann im Felde und schoß vielleicht in demselben Monrent, wo die deutscher» Sodaten seine Kinder nnd Frau verproviantierten, sein Geschütz gegen deutsche Soldaten ab. Das hinderte uns nicht, Mensch zu sein gegen die Unschuldigen, die unter diesem Zustand leiden mußten, und so, wie wir dieser Frau gegenüber verfahren sind, so haben wir allen, die ohne Nahrung herumirrten, geholfen, wir gaben unsere eigene Kost hin und teilten den letzte»! Bissen mit allen Einwohnern, die sich ruhig und anständig gegen uns benahmen.
Mit Empörung habe ich deshalb die Nachrichtert französischer Zeitungen gelesen, die uns deutsche Soldaten als Mordbrenner binstellten. Die französischen Ausrüstungsgegenstände, die in den verwüsteten Wohnungen herumliegen, legen Zeugnis davon ab, daß diese Wohnungen von den Franzosen verwüstet wurden. Mögen kleinere Ausschreitungen einzelner Deutscher ebenfalls zu verzeichnen sein, so aber steht fest, daß diese Ausschreitungen sofort mit harten Strafen gegen diese Soldaten belegt wurden. Dort allerdings, wo nachts auf unsere Truppen geschossen wurde, oder wie es in ..... durch einen Bauern geschehen ist, der einen Kameraden erstochen hat, wurde mit unnachsichtlicher Strenge verfahren. Ich glaube nicht alle Märchen, die erzählt werden über Greueltaten, die von der Bevölke rung verübt worden sein sollen; aber einen Fall kenne ich persönlich: Ein Bauer hat nachts einen deutschen Soldaten heimtückisch erstochen,- ich selbst habe diesen Bauer mit gefangen und der Wache übergeben.
Genau so, wie wir ritterlich gegen die Bevölkerung waren, genau so ritterlich waren wir gegen die ver mundeten französischen Soldaten und gegen die Gefangenen. Auch mit ihnen teilten wir den letzten Bissen Brot, schenkten ihnen die letzte Zigarette und halfen denen, die nicht laufen konnten, auf die Wagen usw.