Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckeret Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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für den Kreis Hersfeld
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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 336.
Donnerstag, den 8. Oktober
1914.
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Bestellungen
auf das
Bersfelder Tageblatt
werden für das
4. Vierteljahr
von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
©theiltet allzeit
des
Roten Kreuzer!
Hus der Heimat
* (Weihnachtspakete über See.) Es empfiehlt sich, die Weihnachtspakete nach den überseeischen Ländern, mit denen ein Paketverkehr zur Zeit möglich ist, namentlich nach den Vereinigten Staaten von Amerika schon Anfang November bei der Post einzu- lrefern, damit die rechtzeitige Aushändigung dieser Sendungen an die Empfänger gesichert ist.
* (Die Anfragen an das Zentralnach- w e i ß b u r e a u.) Das Zentralnachweißbureau des Kriegsministeriums in Berlin, das bekanntlich Auskunft über Angehörige des Heeres erteilt, bittet, schriftlichen Anfragen keine Freimarken beizufügen. Alle Beantwortungen erfolgen portofrei. Die bisher sandten Briefmarken sind dem Roten Kreuz zur .^^rfügung gestellt. Auch angebotene und übersandte Geldbeträge für erbetene Drahtantwort sowie Gratifikationen an die Angestellten des Bureaus werden zurückgewiesen. Erneut wird darauf hinge- wwsen, daß für alle Anfragen über Verwundete pp. me bei den Postanstalten erhältlichen rosa Doppel- karten zu verwenden sind. Da täglich über 15 000 Anfragen beim Zentralnachweißbureau einlaufen, werden stn$ere AnfragenZdieser Art nicht beantwortet ~ * (Ein neues Postblatt.) In den nächsten Tagen erscheint eine neue Nummer des Postblatts, das eine Beilage zum „Reichsanzeiger" bildet, aber ^ch für sich bezogen werden kann. Im Postblatt, das im Reichs-Postamt zusammengestellt wird, sind die wlchtlgsten Versendungsbedingungen und Tarife für Postsendungen aller Art, sowie für Telegramme enthalten. Auf die seit dem Erscheinen der vorangegangenen Nummer (Anfang Juli) eingetretenen Aenderungen wird in der neuen Nummer durch besonderen Druck (Schrägschrift) hingewiesen. Das Postblatt kann auch neben anderen, umfangreicheren Hilfsmitteln für den Verkehr mit der Post und Telegraphie (Postbücher, Post- und Telegraphennachrichten für das Publikum usw.) mit Vorteil benutzt werden, weil es diese bis aus die neueste Zeit ergänzt. Der Bezugspreis des Postblatts beträgt für das ganze Jahr 40 Pfg-, für die einzelne Nummer 10 Pfg. Bestellungen werden von den Postanstalten entgegengenommen.
* (Beförderungen zum Oberlehrer w ä h r e n d d e s K r i e g e s.) Der preußische Unterrichtsminister hat verfügt, daß die durch Verluste im Felde oder sonstwie durch Tod oder Pensionierung frei werdenden Oberlehrerstellen während des Krieges bis auf weiteres weder an staatlichen noch an nicht- staatlichen höheren Lehranstalten durch anstellungs- fähige Kandidaten besetzt werden dürfen. Sollten sich in einzelnen Fällen Härten ergeben, so ist an ihn zu berichten. Diese Verfügung ist aus dem berechtigten Wohlwollen hervorgegangen, daß nicht etwa Kandidaten, die den Feldzug mitmachen, dadurch benachteiligt werden. Sie erscheint aber bei aller Anerkennung dieses Wohlwollens unseres Erachtens nicht lehr praktisch,- denn es werden sich dadurch außerordentlich unsichere Zustände in unserer Unterrichtsverwaltung ergeben, die vermieden werden könnten. Und zwar dadurch, daß man die im Felde stehenden Kandidaten für Oberlehrer-Stellen usw. mit berück- üchtrgt und sie mit avancieren läßt,' dabei könnte
man, wenn es sich um die Wahl zwischen gleich- qualifizierten Kandidaten handelt, die im Felde stehenden bevorzugen. Während ihrer Abwesenheit werden sie inzwischen vertreten. So ist die Frage unseres Erachtens viel einfacher gelöst, als wenn alles warten muß, bis der Krieg zu Ende ist, was doch unter Umstünden noch längere Zeit in Anspruch nehmen kann. Man sollte überhaupt au den maßgebenden Stellen bei allen Behörden dem Einfluß des Krieges so wenig wie möglich in der inneren Verwaltung Spielraum geben, sondern überall so amtieren, als wenn mir im Frieden sind; das würde nicht unwesentlich zur Beruhigung der Bevölkerung beitragen. Daß zugleich überall die Kriegsteilnehmer tunlichst berücksichtigt und bevorzugt werden, ist selbstverständlich.
* (Englische Freiheits -Flunkerei.) Heinrich von Treitschke schreibt in seinem Bnch 1813 S. 173:" Ein gewandter Kaufmann pflegt, wenn er den Käufer um die Hälfte des Preises übervorteilt, heilig zu beteuern, daß er nur aus persönlicher Verehrung für den Kunden den Handel schließe. So hat auch die englische Handelspolitik es immer verstanden, ihre Absichten hinter großen Worten von Freiheit und Gleichheit zu verbergen."
*Der größte V iehmarkt im Re g i e r uu gs- bezirkCassel.) Am kommenden Donnerstag wird in der Kreisstadt Fulda, der bekanntlich größte Viehmarkt im Regierungsbezirk Cassel abgehalten, der erfahrungsgemäß auch aus Cassel wie auch aus dem Landkreise Cassel und der weiteren Umgegend stets sehr zahlreich besucht zu werden pflegt.
* (Eine neue K r e i s s ch u li n s p e k t i o u i m Regierungsbezirk Cassel.) Am 1. Oktober sind die Kreise Eschwege und Witzenhausen im Regierungsbezirk Cassel zu einer Kreisschulinspektion vereinigt und mit einem Kreis-Schnlinspektor im Hauptamt besetzt worden, dem die Volks- und mittleren Schulen aller Konfessionen unterstehen. Diese neue Kreisschulinspektion führt die Bezeichnung Echwege 1-Witzenhausen und hat ihren Sitz in Eschwege. Die Stelle ist dem Königlichen Kreis-Schulinspektor Schrader aus Hohenstein übertragen worden.
8 Hersfeld, 7. Oktober. (Eisenbahn-Güterverkehr.) Bei der dauernden Beanspruchung eines sehr erheblichen Teiles des Güterwagenparks durch die Heeresverwaltung und den Einwirkungen des Kriegsbetriebes auf den Wagenumlauf wird die Wagengestellung in diesem Herbst voraussichtlich besonders großen Schwierigkeiten begegnen. Es ist daher unbedingt nötig, daß jeder einzelne Verkehrs- treibende sich im Interesse der Allgemeinheit möglichste Beschränkung bei der Inanspruchnahme des Güterwagenparks auferlegt und vor allem das Ladegeschaft nach Möglichkeit beschleunigt. Die durch die Eisenbahnverwaltung jetzt zu treffenden besonderen Mastnahmen sind im Interesse der gesamten Volkswirtschaft notwendig, zu deren Förderung letzt ieder Verfrachter Opfer bringen muß.
8 Hersfeld, 7. Oktober. Zur Entgegennahme und Verteilung von L i e b e s g a b e n für die Kaiserliche Marine ist in Kiel Wilhelmshaven und Kuxhaven ie eine Annahmestelle für freiwillige Gaben eingerichtet worden Es wird gebeten, die der Kaiserlichen Marine zugedachten Liebesgaben an einer dieser Annahmestellen, und zwar unmittelbar zu senden.
H Hersfeld 7 Oktober. Herr Oberstleutnant von R e r früher Bezirkskommandeur hier, jetzt Führer des "Landwehr-Bataillons Nr. 32 und Unteroffizier Strauß vom Feld-Artillerie-Regiment Nr. 17, Sohn unseres Herrn Bürgermeisters Strauß, wurden mit dem „Eisernen Kreuz" ausgezeichnet.
Rotenburg, 6. Oktober. Erhängt hat sich, wie das „Rotenb. Kreisbl." meldet, der seit Freitag vermißte Invalide Friedrich Klöpfel aus Mundershau en tn der Schutzhütte im Eulersgrund. Ein unheilbares Leiden scheint Klöpfel die Veranlagung zu der unseligen Tat gegeben zu haben.
Gerstungen, 5. Oktober. Der 19Jahre alte Dienstknecht Karl wurde in Wommen (Werra) von einem wild gewordenen Pferde so heftig gegen den Leib getreten, daß er infolge der schweren Verletzung kaum mit dem Leben davon kommen wird.
Göttingen, 6. Oktober. Eine beachtenswerte Kundgebung hat das Bezirkskommando „Göttingen" heute erlassen. ’ Bei dieser Behörde laufen fast täglich Briefe ohne Namensunterschrift ein, die den Verdacht aussprechen, daß sich bestimmte Personen, in der betreffenden Gemeinde scheinbar ihrer Militärpflicht entziehen wollen. In einigen dieser Fälle wurde eine Nachprüfung vorgenommen und dabei festgestellt, daß die verdächtigen Personen sich mit vollem Recht noch zu Hause befinden und von einer Entziehung
der Heerespflicht keine Rede sein konnte. Mit Recht rügt der Bezirkskommandeur eine solche Anzeige als eine feige Handlung, da der Schreiber durch Verschweigen seines Namens nicht wagt, für die Behaupt- ung einzustehen. Durch derartige Verdächtigungen leidet der gute Ruf der ganzen Gemeinde. In der heutigen erregten Zeit, in der wohl jeder bestrebt ist, für das Wohl des Vaterlandes eilten treten, könne überhaupt nicht angenommen werden, daß es Angehörige des Deutschen Reichs, ganz besonders aber nicht dem Heere zugehörige Personen gibt, die sich ihrer Mannesoder gar Heerespflicht entziehen wollen. Weitere Schreiben ohne Namensunterschriften werden ins Feuer geworfen werden.
Hanau, 5. Oktober. Drei junge Burschen im Alter von 13 bis 14 Jahren hatten an eine Offenbacher Dame einen Brief geschrieben, worin sie diese unter Todesdrohungen aufforderten, bis zu einem gewissen Zeitpunkt 1000 Mk. persönlich ohne Begleitung eines anderen an die kgl. Pulverfabrik in Hanau zu bringen. Die Offenbacher Polizeibehörde, der die Sache angezeigt wurde, benachrichtigte die hiesige Polizei, die die Bürschchen, als sie zur Empfangnahme des Geldes an der von ihnen bezeichneten Stelle erschienen, verhaftete. Sie waren von Aschaffenburg gekommen, wohin sie unter Verwendung eines in Offenbach gestohlenen Geldbetrages gefahren waren.
Postscheckkonto „14“ Berlin.
Daß die „Deutsche Kriegsversicherung" die Kriegszahl „14" als Kontonnmmer führt, die wie „70" für alle Zeiten eine Merkzahl sein wird, ist kein Zufall. Es ist dies durch das Entgegenkommen des Magistrats Berlin erreicht, der die Nummer „14" für die Kriegsversicherung der gemeinnützigen DentschenVolks- versicherung in Berlin znr Verfügung gestellt hat. Die Nummer „14" war für das Postscheckkonto der „DeutschenKriegsversicherung"erwünscht, weil nach dem neuartigen Verfahren diese Kriegsversicherung durch die Einzahlung von Beträgen von 5 bis 200 Mq^k (in Zwischenstufen von 5 zu 5 Mark) bei jeder deutschen Post abgeschlossen wird. Die Einzahlung geschieht mit gewöhnlicher Postscheckzahlkarte (oder auch Postanweisung) an die Adresse oder wie es amtlich heißt, an das Konto „14" „Kriegsversicherung der Deutschen Volksversicherung Aktien-Gesettschaft. Berlin". Be- dingnng ist nur, daß der versicherte Kriegsteilnehmer genau mit Vor- und Zunamen, Geburtsdatum, Beruf und Wohnort auf der Rückseite des Kartenabschnittes bezeichnet ist, den die Post der Deutschen Vvlksver- sicherung zusendet.
Die Kontonummer „14" prägt sich fraglos leicht ein. Uebrigens dürfte das Konto bei der Kriegs- versicherung bald bei allen deutschen Postanstalten bekannt sein. Die deutschen Postbeamten werden dann, wie die „Deutsche Kriegsversicherung" annimmt, beim Schreiben der Zahlkarten behilflich sein. Wir teilen diese Auffassung, handelt es sich doch um eine Kriegs- versicherung, deren Förderung nicht mehr Privatsache ist, sondern im nationalen Interesse liegt.
Verzeichnis
der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
Für das Rote Kreuz, Sektion Sersseld
von Herrn C. Loosdörfer, Hillartshausen M. 50.05
„ „ Bahnsteigschaffner Georg
Keitel, Friedlos......„ 10.—
„ „ Elias Langhans, Mecklar . . „ 10.— „ „ Adam Webert hier . . . . „ 20.— M. 90.05 Bestand,, 22.408.55 heutiger Bestand M. 22.498.60
Für die Krieger im Felde: von Herrn Rechnungsrat Schultheiß hier M. 20.— „ Ungenannt........... 50.— 707- Bestand „ 1200. - heutiger Bestand M. 1330.—
Für die notleidenden Ostpreußen: von Herrn Oberlehrer Wettberg hier . . M. 20.05 „ Ungenannt...........„ 25.— M. 45.05 Bestand „ 498.30
heutiger Bestand „ 543.35
Wetteranssichten für Donnerstag den 8. Oktober.
Heiter, trocken, tagsüber mild, nachts kalt, stellenweise Nachtfrost, schwache Nordostwinde.