Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger KmWn
für den Kreis Hersfeld
. < r h Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im
MtmUlOlI amt^^en Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder
holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschluh Nr. 8
Nr. 385. Mittwoch, deu^7. Oktober ' 1914.
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Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
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auf das Bersfelder Tageblatt werden für das 4. Vierteljahr
von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
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vorrätig bis Nr. 39e in der Eeschästsktekle des Tageblattes.
Bus der Heimat
* (Beförderung von einzelreisenden Verwundetenauf den Eisenbahnen.) Der Minister der öffentlichen Arbrirett hat angcorbnct: Auf den Zugabgangsstationen sind, wenn die Zahl der Verwundeten es rechtfertigt, zu den v-Zügen besondere Vorzüge aus Abteilwagen, die nur für die Verwundeten bestimmt sind, einzureihen. Verwundeten ohne genügenden Fahrtausweis ist auf Wunsch die Mitfahrt nach der Garnison, dem Lazarett oder der Heimat zu gestatten. Ueber solche Verwundete sind von den Zugführern Aufzeichnungen zu machen. Für die Beförderung von Verwundeten in Vorzügen werden nur die tarifmäßigen Preise des gewöhnlichen Verkehrs für Eilzüge erhoben, obgleich auch die Vorzüge Schnellzüge sind. Für die Beförderung mit D- Zügen sind die Preise des gewöhnlichen Verkehrs für zuschlagspflichtige Schnellzüge zu entrichten.
* (Feldpostpakete und Felöpo stbriefe.) Das Kriegsministerium hat bei dem Generalquartiermeister die versuchsweise Beförderung von Privat- paketen mit Ausrüstungs- und Bekleidungsstücken im Gewicht bis zu fünf Kilogramm erwirkt. Zunächst rst für die Auflieferung solcher Pakete die Zeit vom 19. bis 26. Oktober in Aussicht genommen. Bewährt üch die Einrichtung, so soll das Verfahren von Zeit zu Zeit wiederholt werden. Auf richtige Adressierung aller Postsendungen wird erneut hingewiesen. Bei Prüfung der Beschwerden über nicht angckommene Briefe usw. ist festgestellt worden, daß in zahllosen Fällen die Angaben auf den Adressen unrichtig waren. Einige Pakete sind ans Kriegsministerium mit der Bitte um Weitersendung an die Ersatztruppenteile adressiert worden. Zur Erfüllung dieser Ausgabe fehlt dem Kriegsministerium das Personal. Wenn die Angehörigen der im Felde stehenden Truppen bezüglich der Adressen im Zweifel sind, so wird das stellvertretende Generalkommando auf Anfrage Auskunft geben.
*(Deutsch-belgischeBriefmarken. Aus Berlin meldet ein amtliches W. T. B.- Telegramm: Für den Postverkehr im Bereiche des Kaiserlich- Deutschen Generalgouvernements in Belgien werden Freimarken „Deutsches Reich" zu 3, 5, 10, 20 Pfennig sowie einfache Postkarten und Weltpostkarten zu 5 und 10 Pfg. mit dem Ueberdruck „Belgien" und der Wertangabe 3, 5, 10, 25 sowie 5 und 10 Centimes verwendet werden. Zu Sammelzwecken werden solche Wertzeichen in einigen Tagen bei der Kolonialwert- zeichenstelle des Briefpostamtes, Berlin c. 2, Königstraße 61 zum Verkauf gestellt.
* (Der Wiederbeginn der Preußischen K l a s f e n l o t t e r i e.) Laut Verfügung der Direktion findet die Wiederaufnahme der Ziehungen der 5. (231.) Klaffenlotterie wie folgt statt: 2. Klasse: 12. und 13. Februar 1915; 3. Klasse: 12. und 13. März 1915; 4. Klasse: 13. und 14. April 1915; 5. Klasse: 7. Mai bis 3. Juni 1915. Die Verfügung besagt, daß die bis jetzt noch nicht erneuerten Lose 2. Klasse 231. Lotterie, die den Lotterie-Einnehmern anfangs Dezember von der Generallotteriedirektion zugehen werden, bis zum letzten Erneuerungstage, dem 8. Februar, rechtzeitig und planmäßig erneuert sein müssen. Hierzu gehört außer der Entrichtung des Einsatzes die Vorlegung des Loses 1. Klasse. Nur der Besitz dieses Vorklassen-
lvses gewährt ein planmäßiges Anrecht auf das Er- neuerungslos 2. Klasse. Die Erneuerung zu den folgenden Klassen vollzieht sich planmäßig in der gleichen Weise. Voraussichtlich aber werden diesmal nicht sämtliche Lose 2. Klasse rechtzeitig und planmäßig bis zum 8. Februar 1915 erneuert werden können. Diese Schwierigkeit wird sich unter Umständen sogar auch noch bei den folgenden Klassen zeigen. In solchen Fällen werden daher die zuständigen Einnehmer den Spielern entgenkommen. Vor allem wird den Spielern, die ihre Lose erst nach Ablauf der Erneuerungsfristen abfordern, daß Ernenerungslos noch bis zum Tage vor Ziehungsbeginn ausgehändigt, falls es nicht bereits vorher planmäßig von einem anderen erneuert worden ist. Des weiteren werden die Lose, die nicht rechtzeitig erneuert sind, für die bisherigen Spieler der 5. (231.) Lotterie von Klasse zu Klasse bereitgehalten, soweit sie nicht inzwischen gezogen sind. Sie werden gegen Zahlung der restlichen Einsätze also unter Anrechnung der bereits gezahlten Einsätze, den Spielern ausgehändigt, wenn diese sich dem zuständigen Einnehmer gegenüber als Spieler dieser Lotterie ausweisen. Die nicht erneuerten Lose spielen für Rechnung der Generallotterieklasse.
):( Hersfeld, 6. Oktober. Der Unteroffizier Georg W e t t l a u f e r von hier im Reserve-Rgt. Nr. 71 wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.
):( Hersfeld, 6. Oktober. (Kirchliches.) Wegen eines notwendigen Umbaues an der Beleuchtungsanlage in unserer Stadtkirche können in dieser Woche die Gebetsandachten Dienstag und Freitag Abend in der Kirche nicht abgehalten werden. Die nächste dieser Abendandachten findet alsovoranssichtlichDienstag den 13. d. Mts. abends 7 Uhr statt.
Cassel, 5. Oktober. Ein hiesiger Schneidermeister hatte mehreren verwundet hier eingelieferten französischen Offizieren, die nach ihrer Wiederherstellung in ein Gefangenenlager überführt werden sollten, Uniformstücke geliefert, die zur Zufriedenheit ausfielen und glatt bezahlt würden. Als er sich von den Gefangenen mit dem üblichen „Adieu" verabschiedete, rief ihm einer der Offiziere, der ausgezeichnet deutsch sprach, zu „Es heißt doch nicht mehr: „Adieu", es heißt „Auf Wiedersehen!"
Cassel, 5. Oktober. Ein in einem hiesigen Gefangenenlager untergebrachter Franzose, welcher plötzlich vom Irrsinn befallen wurde, mußte in die Landesheilanstalt Marburg überführt werden.
Gaffel, 5. Oktober. (Belgische Rekruten nach hier abgeschoben.) Ein eigenartiger Transport von jungen Leuten in Zivil traf mittelst Sonderzuges am gestrigen Nachmittag auf dem benachbarten Bahnhof Oberzwehren ein. Es waren belgische Rekruten und sonstige Militärpflichtige, die gefangen genommen worden waren, als sie im Begriffe waren, nach den belgischen Garnison- orten zu marschieren, um sich dort zu stellen und eingekleidet zu werden.
Nieder-Fischbach, 5. Oktober. (Ein Opfer seines Berufs.) In der Grube „Glücksbrunnen" geriet der sechsundzwanzigjährige Bergmann Heinrich Jung unter niedergehende Gesteinmassen. Er wurde zu Tode gedrückt. Der Fall ist um so bedauernswerter, als ein Bruder des Verunglückten schwer verletzt in einem Lazarett liegt und der jüngste Bruder dieser Tage ins Heer ein treten muß. Die Bruder waren die Ernährer ihrer Eltern.
Gotha, 5. Oktober. Im Schloß zu Molsdorf entstand in der Nacht zum Sonnabend ein größerer Brand, der bald auf die Nebengebäude Übergriff. Während es gelang, das Schloß selbst zu erhalten, fielen sämtliche Nebengebäude, Stallungen und gefüllten Scheunen dem Feuer zum Opfer. Es liegt Brandstiftung vor.
Fulda, 3. Okt. Man weiß wohl, wie man fort- geht, aber nicht, wie man heimkommt. Dieses Sprichwort bestätigte sich vorgestern hier wieder einmal. Der fast 70jährige Bauer Johannes Kanne aus Oberrode kam mit seinem Sohne in die Stadt und kaufte bei einem Fuldaer Händler G. ein paar junge Pferde. Vater und Sohn setzten sich auf dieselben und ritten heimwärts. Unweit der Johannisstraße warf das eine Tier den alten Mann ab,- doch er setzte sich wieder drauf und ritt auf Anraten seines Sohnes wieder in die Löherstraße zurück. Dort entledigte sich das Pferd abermals seines Reiters. Diesmal fiel er jedoch so unglücklich, daß der alte Mann von den Sanitätern ins Landkrankenhaus geschafft werden mußte, wo er bald darauf gestorben ist. Vermutlich hatte er einen Schädelbruch bei dem Abwurf erlitten.
Darmstadt, 5. Oktober. Das hiesige Schwurgericht verurteilte am Sonnabend nach zweitägiger Verhandlung den dreißigjährigen Bäckergesellen Philipp Floersch aus Monzernheim, der in der Nacht zum 13. Juni den Bäckermeister Back, dessen Ehefrau und Tochter
in Hofheim bei Worms ermordet, eine andere Tochter lebensgefährlich verletzt und hierauf einen größeren Geldbetrag geraubt und das Haus angezündet hatte, wegen Raubmordes in drei Fällen und wegen Raubes in tatsächlichem Zusammenhänge mit Mordversuch und Brandstiftung dreimal zum Tode, zu lebenslänglichen und zu fünfzehn Jahren Zuchthaus sowie zu dauerndem Ehrverlust.
An die Turnvereine.
Die Soldaten, unsere Brüder, darunter viele Mitglieder unserer Turnvereine sind in den heiligen Kampf gezogen. Gern und freudig geben sie ihre Kraft, ihr Herzblut dahin für die gute und gerechte Sache. In die Turnvereine sind starke Lücken gerissen. Manche Vereine sind wohl auch gezwuugen, ihre Tätigkeit vorläufig ganz eiuzustellen. Und doch ist noch eine Jungmannschaft vorhanden. Sie darf in dieser Zeit die Hände nicht müßig in den Schoß legen. Wie für alle Zurückgebliebenen, so ist es auch für diese jungen Turner eine vaterländische, heilige Pflicht, nach Straften weiterzuarbeiten; denn Arbeit ist in dieser schweren Zeit für einen jeden die beste Beschäftigung. Darum, ihr Turner, eilt in die Turnhallen ! Keiner bleibe zurück! Rührt die Werbetrommel und holt alle noch Säumigen heran ! Springt in die entstandenen Lücken ein und arbeitet, soweit es die Verhältnisse gestatten. Selbstverständlich sollen keinerlei Feste gefeiert werden, dazu ist die gegenwärtige Zeit zu ernst. Aber Hingabe und Begeisterung für die große Sache muß jedem Turner in erhöhtem Maße zum Bewußtsein gebracht werden. Auf den Turnplätzen soll sich die Jugend gegenseitig aneifern, treue Kameradschaft pflegen lernen, die Kräfte üben und den Geist ertüchtigen für OP große Aufgabe, die der Zurückgebliebenen vielleicht noch karrt. Am 18. Oktober des vorigen Jahres haben die Turner den berühmten Eilbotenlanf nach Leipzig glänzend durchgeführt. Vielleicht gilt es noch für manchen einen Eilbotenlauf auf Tod und Leben. Darum vorwärts, haltet aus! Ihr seid die Nachfolger der Helden im Kampfe und vielleicht noch dazu berufen, die deutsche Ehre, Haus und Hof, unser geliebtes Vaterland verteidigen zu müssen. Darum tue jeder seine Schuldigkeit ! Pfleget den echten deutschen Turnergeist weiter, den Jahre friedlicher Arbeit gezeitigt haben, und der Segen wird keinem fehlen. Niemand darf rasten oder ruhen. Alle, alle müssen helfen. Darum: Kommt zum Turnen!
Verzeichnis
der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
Für das Rote Kreuz, Sektiou herrseld
von
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Herrn Oberlandmesser Link hier . . M. 25.—
Ungenannt..........„ 25.—
Herrn Amtsgerichtsrat Noßbach hier „ 100.—
Herrn Georg Hahn hier.....„ 2.—
// /, —
Frl. Maufehund hier......„ i._
Ungenannt..........„ 10.—
Frau Franke hier.......„ 2.—
Frau Ziegler, Herfa.......„ 5.—
Gemeinde Friedlos.......„ 50.—
Bestand „ 22.544.05 M. 22.804.05 davon verausgabt: „ 395.50 heutiger Bestand M. 22.408.86
Für die Krieger im Felde:
von Ungenannt ......M. 50.— „ Gemeinde Friedlos.......„ ioo.—
Bestand „ 1110.— heutiger Bestand Äs." 1260.—
Für die Notleidenden Hinterbliebenen: von Herrn Bahnmeister Otto hier . . . . M. 20.— Bestand „ 25.— heutiger Bestand M. 46.—
Für die notleidenden Ostpreußen: von Fräulein Erna Otto hier.....M. 20.— „ Frau Jean Steinweg „ „ 20.— „ Ungenannt...........„ 10.— „ Frau Oberlehrer Jost hier.....„ 10.— „ Herrn Val. Mannschott hier . . . . „ 10.— „ 2 Einwohnern aus Neilos..... 50.—
120. -
Bestand „ 378.30 heutiger Bestand „ 498.30