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Hers seid er Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Hersselder

für den Kreis Hersfeld

Kreisülatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 333, Sonntag, den 4. Oktober W14.

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Bestellungen

auf das

Bersfelder Tageblatt

werden für das 4. Vierteljahr

von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Stiftet warme Unterwäsche

für unsere Truppen im Felde!

Verlustlisten

vorrätig bis Nr. 36c in der Geschäftsstelle der Tageblattes.

Religiöse Betrachtungen.

Text: Psalm 50, 23. Wer Dank opfert, der preiset mich; uud da ist der Weg, daß ich ihm zeige das Heil Gottes.

Das Erntedankfest wird schwerlich wie in früheren Jahren gefeiert werden. Wohl hat Gott unserem Vater- lande eine reiche Ernte beschteden. Aber auf weiten Fluren hat der Feind sie zertreten und versengt: die Besitzer haben des Himmels Segen nicht bergen können, weil sie flüchten mußten. Sollten wir deswegen nicht danken? Wir wollen der großen Wohltaten nicht ver­gessen, die Gott an uns getan hat. Wieviel größer waren die Schrecken des Krieges, wenn Mißernte und Mangel zu allem Schweren käme! Wie höchst dankens­wert ist es doch, daß Gott die deutsche Erde gesegnet hat, und unser Volk vor Not und Hunger geschützt ist. Gebt darum dem Herrn die Ehre, singt ihm Dank- und Jubellieder, wenn auch mit tränendem Augen und blutendem Herzen. Denn während auf den Feldern dre Garben eingesammelt wurden, ist ein andrer Schnitter im Osten und Westen unseres Vaterlandes umhergegangen und hat eine reiche Ernte eingeholt. Das ist der Schnitter Tod, der sich nicht an die Jahres­zeit kehrt sondern immer seine Sense schwingt. Und zwar scheint es uns, als ob er die Edelsten und Besten unseres Volkes zu treffen wüßte.

Eine schauerliche Ernte hat er gehalten. Hin und her im Vaterlande klagen Eltern um ihre Söhne, Frauen um ihre Männer, Kinder um ihre Väter. Nicht umsonst ist zu der schwarz-weißen Preußenfahne das blutige Rot gekommen. Mit Blut ist die deutsche Ein­heit geschmiedet. Mit Strömen von Vlut müssen wir sie jetzt verteidigen gegen eine Welt von Feinden. Und da sollen wir danken, wenn unsere Herzen fast brechen vor Weh, wenn unser heimischer Herd verarmt undverödet/wenn wir einsam und traurig zurückbleiben? Ja, auch da wollen wir noch danken: denn bisher sind unsere Helden, in siegreichem Kampfe gefallen,' noch dürfen wir hoffen, daß ihr Tod köstliche Frucht tragen wird. Sie sind in Ehren gestorben, den Tod für ihr Vater­land, für ihre Lieben, den Tod, den unser Heiland be­sonders geweiht hat durch das Wort:Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde." Wir wollen Gott danken, daß er unsere Jugend in diesem Heldengeist heranwachsen ließ, daß sie mit Begeisterung und Freudigkeit in Kampf und Tod gehen konnte.

Dank unter Tränen ist nicht leicht,' und doch heißt es:Daß ich ihm zeige mein Heil." Es ist merk­würdig, daß man mit freudestrahlenden Augen in Ewigkeitsdingen schlechter sehen kann als mit tränen- verdunkelten. Wenn das Herz keinen Raum hat für die Freuden dieser Welt, öffnet es sich um so mehr für die der Ewigkeit. So kann auch unserem Volke in dtesem blutgetränkten Herbst eine rechte Segensernte outßeben, wenn sich die Gedanken immer mehr vorn ^nd der Welt abwenden und zu Gott erheben!

Strickt Strümpfe

für unsere Truppen im Felde!

Bus der Heimat«

* (Aus u n s e r n h e s s i s ch e n Heilan sta lt e n.) Im Jahre 1913 wurden in der Marbnrger Landes­heilanstalt insgesamt 754 Kranke verpflegt. Hiervon sind als geheilt bezw. gebessert entlassen 227, unge- heilt entlassen bezw. beurlaubt 227, gestorben 85. Die Gesamtverpflegungskosten ausschließlich der Ver­waltungskosten betragen 185 001,94 Mk., ersetzt sind an Verpflegungskosten 264 984,87 Mk. Im Landes­hospital zn Kloster Haina betrug die Zahl der In­sassen in 1913 wie im Vorjahr 884. Als geheilt ent­lassen bezw. gebessert wurden 3, ungeheilt entlassen bezw. beurlaubt 18, gestorben sind 61. Die Gesamtkosten der Verpflegung ausschließlich der Verwaltungskosten betrugen Mk. 290 000,40, ersetzt sind an Verpflegungs­kosten 258 801,38 Mk.

* (Erneutes Verbotvon Viehmärkte n.) Im Regierungsbezirk Cassel ist wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche im Kreise Eschwege (Ge­meinde Grebendorf) und im Kreise Gersfeld (Ge­meinde Rodenbach) für eine Anzahl Gemeinden für die nächste Zeit die Abhaltung von Klauenviehmärkten sowie der Handel mit Klauenvieh und ähnliche Ver­anstaltungen verboten worden.

):( Hersfeld, 3. Oktober. Das stellvertretende Ge­neralkommando des XI Armeekorps hat folgenden Korps-Befehl erlassen. 1. Die in nächster Zeit abgehenden Ersatz-Transporte haben die für Angehörige ihrer Truppenteile bestimmten Pakete, die bei den Er­satz-Truppenteilen oder bei der immobilen Etappen- kommandantur 1. Cassel, lagern, mitzunehmen. Der Raumbedarf für diese Sendungen ist bei der Linien- kommandantur mitanzumelden. Die Transportführer sind dafür verantwortlich zu machen, daß die Pakete unterwegs nicht liegen bleiben. 2. Bei späteren Er­satz-Transporten ist ebenso zu verfahren. 3. Soweit auf diesem Wege eine Beförderung sich in absehbarer Zeit nicht ermöglichen läßt, haben die Ersatz-Truppen­teile sich mit der Etappenkommandantur 1 wegen baldiger Abbeförderung der Pakete in Verbindung zu setzen. Die immobile Etappenkommandantur 1, Cassel, wird in jedem Falle dafür verantwortlich ge­macht, daß die Pakete auf dem schnellsten und sichersten Wege ihrem Ziele zugeführt werden. Sie hat dazu mit den Ersatz-Truppenteilen und der Linienkomman- dantur dauernd Fühlung zu halten. Für die schleunige Abbeförderung der jetzt bei ihr lagernden Pakete hat sie Sorge zu tragen. An jedem Sonnabend ist über die Erledigung der laufende Geschäfte hierher zu berichten.

Hersfeld, 3. Oktober. In den Verlustlisten sind aus dem Kreise Hersfeld folgende Kriegsteilnehmer aufgeführt: Musk. Heinrich Schuch-Tann schw. verw. Musk. Martin Sie bert-Hersfeld l. verw. _ Unteroff. Karl L e y-Oberlengsfeld verm. Grenadier Johannes Bücher- Wippershain l. verw. _ Gefr. Reinhard Walpert-Hersfeld l. verw.

Aus 1. Oktober. Unter den Schweinen des Land­wirts Adam Strauch hier ist Schweinerotlauf fest­gestellt worden.

Cassel 2. Oktober. Das stellvertretende General­kommando wird vielfach mit Angelegenheiten behelligt, die nicht zu seinem Beretch gehören. So rst es tn letzter Zeit vielfach mit Paketsendungen an die Krieger bedacht worden, womit es nicht das Geringste zu tun hat. Solche Pakete, soweit sie das bet der Feldpost versuchsweise zugelassene Gewicht von 500 Gramm überschreiten, sind portofrei an die Er atztruppenteile einzureichen. Auch hinsichtlich der Hinterbliebenen- fürsorae ist das Generalkommando nicht zuständig, vielmehr gibt hierüber das Bezirkskommando Aus­kunft, ebenso über Familienunterstützungen und dergleichen.

Alsfeld, 2. Oktober. (Tödlicher Unglücksfall beim Bahnbau.) An dem Steinbruch derSteinfirst" ent­gleiste beim Bahnbau eine schwere Arbeitslokomotive ünd stürzte um. Dabei begrub sie den Lokomotiv­führer und den Heizer, zwei Männer aus Rußisch- Polen, unter sich, die auf der Stelle zu Tode gedrückt wurden.

Arnstadt, 30. September. In der Nacht zum Dienstag wurden im alten Friedhof insgesamt 30 Grabdenkmäler umgerissen und arg beschädigt. Die Annahme, daß der gewaltige Sturm so gehaust haben könnte, stellte sich bei näherer Besichtigung als irrig heraus. Die Täter sind noch nicht ermittelt.

Heiligenstadt, 2. Oktober. In diesem Kriege sind bereits 8 Mitglieder der eichsseldischen Adelsfamilie von Haustein wegen Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. Unter den Offizieren der deutschen Armee sind die Hansteiner von jeher zahlreich vertreten.

Schmalkalden, 28. Septbr. Zwei Schmalkaldener Bürger waren, wie jetzt bekannt wird, die ersten, die dem in den Kämpfen im Osten verwundeten Prinzen Joachim von Preußen die erste Hilfe zuteil werden ließen. Wie aus einer hierher gelangten Feldpost­karte hervorgeht, haben Herr Dr. Heinemann, der als Stabsarzt am Feldzug teilnimmt, und der Sanitäts- gefreite Kappauf von hier den verwundeten Prinzen aus dem dichtesten Kugelregen herausgetragen und in Sicherheit gebracht.

Gelnhanse», 1. Oktober. Vor den Russen und Franzosen versteckte ein Landwirt in einem Spessart- dorse bei Ausbruch des Krieges 700 Mk. in Reichs- kassenscheinen im Gewölbe seines Stalles. Diesen Aufbewahrungsort hielt er am sichersten, sicherer wie dieKaff". Als der Bauer in diesen Tagen Geld brauchte, und seinen Schatz aus dem Versteck holen wollte, fand er das Papiergeld bis auf 2 Scheine zu 50 und 20 Mk., die noch notdürftig die Nummern zeigten, von den Mäusen zernagt.

Schlüchtern, 30. September. (Das Eiserne Kreuz für Graf Zeppelins Schwiegersohn.) Der Schwieger­sohn des Grafen Zeppelin, Hauptmann Graf Alexander von Brandenstein-Zeppelin, Schloßherr auf Schloß Brandenstein im Kreise Schlüchtern, hat das Eiserne Kreuz erhalten.

Frankfurt a. M., 30. September. Die Handels­kammer Frankfurt a. M. hat auf Grund eingehender Beratungen, welche sie gemeinsam mit dem hiesigen Polizeipräsidium, dem Magistrat und den Interessenten gepflogen hat, bereits vor einiger Zeit an zuständiger Stelle die Festsetzung von Höchstpreisen für Mehl und Getreide beantragt.

Aas Borposten.

Nun flieht die Nacht, die milde, Es steigt mit goldnem Schilde Der Morgen licht empor,' Nun weicht das nächt'ge Bangen,

Die Sonne tritt mit

rangen

Aus dunklem Wolkenflor. Es regt sich in der Runde Das weite Feld entlang, Die frühe Morgenstunde Grüßt ehrner Waffenklang.

Doch eh' die Trommler werben Zum Siegen oder Sterben Am heißen Tag der Schlacht, Denk' ich am stillen Morgen Der Lieben, die in Sorgen Um mich die Nacht durchwacht. Noch einmal wie im Traume, Kehr' ich zum Heimatsherd Allein am Waldessaume Mit Gott und meinem Schwert.

Gott grüß' euch meine Lieben! Ich wäre gern geblieben Bet euch, doch kvnnt's nicht sein: Es brach der Feind, der mächt'ge, Der freche, niederträcht'ge In unsre Grenzen ein. Als er mit Roß und Wagen Bedroht den heim'schen Herd, Da flog zu schnellem Schlagen Heraus das deutsche Schwert.

Nun sind wir da, gerüstet, Wenn es den Feind gelüstet, Zu blutigem Gefecht.

Wir zittern nicht noch zagen, Die große Schlacht zu schlagen, Denn mit uns ist das Recht! Als Sieger kehr'n wir wieder An Ruhm und Ehren reich, Beim Klang der Jubellieder, Am Helm den Eichenzweig.

Und die im Kampf gefallen, Deutschland dankt ihnen allen In Trauern ernst und still. Und ist mir selbst im Frieden, Die Heimkehr nicht beschieden, So sei's, wie Gott es will! So mag mein Herzblut färben Des kühlen Grabes Rand! Es ist das schönste Sterben Der Tod fürs Vaterland.

Stritt Pulswärmer für unsere Truppen im Felde!

Wetteraussichten für Sonntag den 4. Oktober.

Ziemlich bedeckt, zeitweise Niederschläge, mild, westliche Winde.