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SflMet man das als den fMNMkgen Ausdruck der Waffenbrüderschaft. Eine «ene Begeisterung blüht auf und die Zuversicht auf den nahen und endgiltigen Sieg regt sich kräftiger.

Serbien ist Kriegsmüde.

Das K. und K. österreichisch-ungarische Konsulat in Frankfurt a. M. gibt folgendes zur Kenntnis: Die ser- bischerseits verbrerteten Siegesnachrichten, welche bereits durch die letzten Communiques als Erfindung dementiert wurden, erscheinen insofern erklärlich, wenn man die Aussagen der Kriegsgefangenen hört. Nur ein kleiner Teil der Ofsizierspartei in Serbien ist noch für den Krieg und hält, von Rußland hierzu getrieben, den Widerstand der Armee noch mit größter Anstrengung aufrecht. Die Mehrzahl der Bevölkerung und des ser­bischen Heeres ist längst kriegsmüde «nd bereit, die Waf­fen zu strecken. Um das Ausland darüber hinwegzu- täuschen, nimmt man zu lügenhaften Meldungen seine Zuflucht.

Bei dem letzten Kampfe wurden neuerdings mehrere Geschütze erobert und eine feindliche Batterie, die in dem schwierigen Terrain vorerst nicht in Sicherheit gebracht werden konnte, durch Entfernen der Verschlüsse un­brauchbar gemacht. Etwa 5000 Gefangene wurden uciter= dings in das Landesinnere abgeschoben. Diese Zahl dürfte sich in der nächsten Zeit wesentlich vermehren.

Serbien beruft die jüngsten Rekruten.

WTB. Paris, 2. Oktober. DerTemps" meldet, daß Serbien die Jahresklasse 1915 unter die Fahnen ruft.

Der Zar will 5 Millionen Mann anfbieten.

WTB. Rom, 2. Oktober. Nach einer Petersburger Meldung wird in Rußland eine große Armee von fünf Millionen Mann gebildet, die unter dem Oberbefehl des Zaren stehen «nd in Riga, Wilna, Warscha«, Lublin und Kowno znsammengezogen werden sollen. Diese Armee soll den feindlichen Widerstand hinwegfegen «nd gleichzeitig auf Wien «nd Berlin losmarschieren.

Rußland macht Sträflinge zu Soldaten.

DasStockholmer Tageblatt" berichtet aus Peters­burg, daß in Rußland angeorönet sei, sämtliche Sträf­linge, die auf administrativem Wege verhaftet worden waren und kriegstauglich sind, freizulassen und ins Heer einzustellen.

Die Dardanellensperre.

Auf Grund von Nachrichten, die bei der Pforte ein­gelaufen sind, verlautet, daß die englische und die fran­zösische Flotte infolge der Maßnahme der Pforte die Dardanellen nunmehr verlassen haben. Sie sollen sich aber noch in den Gewässern von Teneöos befinden.

DerTanin" schreibt: Die Tatsache, daß die englische Flotte beständig vor den Dardanellen, in türkischen Küstengewässern kreuzt, stellt einen Verstoß gegen das Völkerrecht dar, da die Türkei doch ihre Neutralität er­klärt hat.

Rom, 2. Oktober. DieDaily Mail" meldet, Eng­land plane, von Aegypten ansgehend, einen Einfall in Palästina.

Minenfurcht an der Adriaküste.

Die Bevölkerung an der adriatischen Küste befindet sich in großer Erregung. Nachdem erst am Dienstag eine offenbar losgerissene österreichische Seemine bei Pe- saro geplatzt und acht italienische Fischer getötet hatte, kommt die Meldung, daß bei Rimidi eine andere See­mine explodiert ist, wodurch neun Fischer getötet wurden.

Afghanische Armeen gegen Rußland und England.

WTB. Berlin, 2. Oktober. Aus Konstantinopel, 1. Oktober, wird gemeldet: Ein hiesiges Blatt gibt dio Meldnng des offiziösen afghanischen OrgansAradjnlah Barnlafghan" wieder, wonach der Emir von Afghanistan eine Streitmacht von etwa 400 000 Mann regulärer Truppen «nter dem Oberbefehl seines Bruders Nasr- Ullah-Khan mit dem Aufträge entsandt habe, die Stadt Peschawar, den Schlüssel Indiens, zn besetzen. Eine andere aus 300 000 Mann bestehende afghanische Streit­macht unter dem Befehl des Thronfolgers marschiere gegen Rußland.

Ein deutscher Flieger über Calais.

DemDaily Telegraph" zufolge wurde ein deut­sches Flugzeug in großer Höhe über Calais gesichtet. Der Flieger warf drei Bomben ab, doch soll der ange­richtete Schaden nach der Behauptung des Blattes nicht allzu groß sein.

Die englischen Verluste in Südafrika.

WTB. Pretoria, 2. Oktober. Nach einer amtlichen Bekanntmachung betragen die englischen Verluste in dem Gefecht an der Grenze am 23. August 13 Tote, 41 Verwundete und 7 Mann vermißt.

Die englische Fnrcht vor unseren Unterseebooten.

, WTB. Paris, 2. Oktober. DerTemps" bringt eine« Artikel über die dentsche» Unterseeboote aus dem LondonerGlobe". Darin wird die völlige Ohnmacht der englische« Flotte gegenüber den gänzlich unsichtbaren Unterseebooten betont und gefordert, Mittel und Wege zn ihrer Entdeckung zu suchen.

Der Trost -es englischen Ministers.

Lloyd George sprach in Cardiff die Erwartung aus, fünfzigtansend Walliser würden sich zur Armee melden. Nach sechs Monaten würden sie dem Feinde mehr als gewachsen sein, da die Ausbildung eines intelligenten Mannes zum Soldaten weniger Zeit in Anspruch nehme als die eines weniger intelligenten Mannes.

Die Herren Engländer geben sich also noch immer der Selbsttäuschung hin.

England beschlagnahmt spanische Kriegsschiffe.

Wie derAmsterdamer Telearaaf" aus London mel­det, wurden die zwei auf englischen Werften im Bau befindlichen spanischen Kriegsschiffe von der Admiralität beschlagnahmt.

Es handelt sich hier anscheinend um die zwei Panzer­kreuzerJaime I. undAlfonso XIII." Sie werden beide von der Firma Armstrong gebaut. Das zweite muß annähernd fertig sein, das erste spätestens im näch­sten Jahre. Die beiden Kreuzer besitzen eine Wasser­verdrängung von 15 700 Tonnen und eine schwere Ar­tillerie von acht 30,5 Ztm.-Geschützen. Der Panzerschutz ist nicht besonders stark.

Die Rückwirkung auf die öffentliche Meinung Spa­niens wird nicht ausbleiben. Wie sehr gerade ein solcher Schritt böses Blut macht, hat sich schon in der Türkei nach der Beschlagnahme der beiden türkischen Linien­schiffe gezeigt.

Botha gegen die Wahrheit.

Wer hätte das gedacht, daß General Botha auf seine alten Tage sich noch unter das englische Joch ducken und das Lügen lernen würde! Und doch ist es traurige Tat­sache, wie folgender Bericht aus Rotterdam zeigt:

In einer Rede in seinem Wahlbezirk forderte Botha auf, die Regierung zu unterstützen. Er sei über die deut­schen Pläne in Südafrika unterrichtet worden,wobei sich einem die Haare sträubten". Er führte aus, daß Südafrika mitzureden haben sollte über die endgültige i Regelung der Stellung von Südwestafrika. Er betonte, ' wM Holland, MWLS und Frankreich für die Buren :

während des Südafrikanischen Krieges getan hätten, während Deutschland eine feindliche Haltung annahm, als es sah, daß das Blatt sich wendete. Botha versicherte schließlich, daß die Deutschen das Gebiet Südafrikas ver­letzt hätten, aber dies sei übrigens ohne Bedeutung. Die Hauptsache sei, daß Südafrika im Krieg sei und seine Pflicht erfüllen müsse.

General Botha stellt die Wahrheit bewußt auf den Kopf, wenn er von einerfeindlichen Haltung" Deutsch­lands gegenüber den Buren spricht. Er lügt ferner das Blaue vom Himmel, wenn er sich wissend stellt in be- zug auf die deutschen Pläne in Südafrika, denn das, was er glauben machen will, existiert nur in seiner Phan­tasie. Herr Botha, der in Berlin so herzerweicheud bitten und betteln konnte, hat inzwischen sein Herz für Eng­land entdeckt. Das muß seine Gründe haben, und man wird sie ja eines Tages erfahren.

Japanische Spionage in Tsingtau vor Ausbruch des Krieges.

Tsingtau stand, wie die jetzt erst eingetroffenen Tsingtauer Neuesten Nachrichten" aus jenen Tagen melden, in den letzten Tagen des Juli ganz im Zeichen eines hohen japanischen Besuches. Der Geueralgvuver- neur vou Port Arthur, Barvu Fukuschima mit Gefolge, der deutsches Wesen einst als Militärattaches in Berlin studierte und kenne« gelernt hatte, weilte als Gast im deutschen Hafen und wurde dort freundlichst empfangen. Er besichtigte Hafenanlagen, Kasernen, Fortsanlagen und Werft, man gab ihm zu Ehren Liebesmähler und Empfänge. Am Tage darauf aber wurde der Kriegs­zustand verhängt. Das beabsichtigte Strandkonzert fand ungeheuren Zulauf, da die einlaufenden Meldungen über die wachsende Kriegsgefahr die Bevölkerung in ziemliche Spannung versetzt hatten. Der Pariser Ein­zugsmarsch wurde gespielt, dieWacht am Rhein" und Heil Dir im Siegerkranz" wurden begeistert gesungen, es herrschte Zuversicht und Entschlossenheit in der Kolo­nie. Von der besonderen Gefahr für unseren Hafen ahnte man damals noch nichts.

DieDeutsche Japaupost", deren letzte Nummer vorn 15. August vorliegt, meldet damals, daß der deutsche KreuzerEmden" ein japanisches Schiff in nebligem Wetter getroffen habe und es aufforderte, seine Flagge zu zeigen. Als das geschah, wurde der Dampfer auf das höflichste behandelt und ihm die Weiterfahrt ge­stattet. Dieser Vorfall beweist, wie fadenscheinig die ja­panische Kriegsausrede ist, japanische Friedensinter- essen seien durch Deutschland gestört worden. Noch am 11. August versammelte Graf Okuma in seiner Wohnung die japanischen Journalisten, um sie zu warnen, über­triebene Lügenmeldungen zu bringen, die die japanische Neutralität gefährden könnten. Das Volk dürfe nicht aufgeregt werden. Inzwischen aber arbeiteten englische, französische und russische Kreise ungestört daran, die ja­panische öffentliche Meinung aufzuhetzen. Immer klarer wurde in der Presse betont, Japan müsse zu seinem Bündnis mit England stehen. Schon die Anwesenheit deutscher Schiffe in Ostasien sei eine Bedrohung des Bundesgenossen. In diesen Tagen warf England den Brocken Kiautschou hin, der auch von den Preßtrabanten begierig aufgeschnappt wurde. Die weitere Entwicklung der Sache ist bekannt.

Kriegsalleclei.

Der Kaiser beim Prinzen Oskar.

WTB. Berlin, 2. Oktober. Ueber die Erstürmung des Forts Camp des Romains gibt der Kriegsbericht­erstatter des Berliner Tageblattes, Binder, eine sehr lebhafte Schilderung, an deren Schluß er über den Be­such des Katsrs bei dem Prinzen Oskar folgendes schreibt: In der zweiten Etage des Hotels Europäischer Hof hatte Prinz Oskar ei« Zimmer bezogen. Seine Königsgrenadiere hatten am 24. September in der Ge­gend von Verdun in der Linie gekämpft. Der Prinz führte sein Regiment dnrch Kampf zum Sieg. Nach dem Kampfe brach der Prinz an einer akuten Herz­schwäche zusammen. Die tagelangen Anstrengnnge« des Gefechts legten seine Kräfte für kurze Zeit lahm. Am 26. September mittags kam die Gemahlin des Prinzen in Metz an, nachmittags 3 Uhr erschien der Kaiser, um seinen Sohn zu besuchen. Der Generalarzt gab gute Auskunft nnd erfreut darüber klopfte ihm der Kaiser auf die Schulter. In der Tür des Zimmers er­schien die Gräfin Ruppin, der der Kaiser ritterlich die Hand küßte. Rechts der Tür stand das Bett des Prin­zen. Der Kaiser ging in das Zimmer hinein, die Arme schon ausbreitend mit den Worten:Junge, Junge, da bist d« ja!" Ueber eine Stunde weilte -er Obersts Kriegsheerr bei dem jungen Obersten, der inzwischen das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen erhalten hatte. Dieses überreichte ihm General von Strantz, -er in Ermangelnng eines Eisernen Kreuzes sein in den Jah­ren 1870 71 erworbenes dem Prinzen gab.

von Hindenburg Ehrenbürger von Magdebnrg.

WTB. Magdeburg, 2. Oktober. In -er gestrigen geheimen Stadtverordnetenversammlung wurde Gene­raloberst von Hindenburg znm Ehrenbürger der Stadt Magdebnrg ernannt. Generaloberst von Hindenburg war früher Kommandeur des 4. Korps.

Vereitelter Ausbruchsversuch russischer Gefangener.

Grossen, 2. Oktober. (Privattelearamm.) Im hie­sigen Lager russischer Gefangener versuchten vor einigen Tagen etwa zweihundert Gefangene während eines mit heftigem Stnrm verbundenen Unwetters auszubrechen. Als sie anf die Gewehrpyramiden der wachhabenden Kompagnie losstürmten, wurden sie sofort von deut Posten und den herbeigeeilten Wachtmannschaften be­schossen. Drei Russen wurden getötet, acht schwer nnd mehrere leicht verletzt. Die übrigen gaben den Ausbruch anf. Durch abirrende Kugeln wurden ein Verwaltungs- inspekwr und ein Posten verletzt. Die Gefangenen der einzelnen Baracken hatten vorher den Wind dazu be- nntzt, sich durch Zettel gegenseitig zu verständigen. Die weithin hörbaren Schüsse verursachten in der Stadt nnd Umgebung große Bestürzung.

Elsässische Lehrer als Geisel« der Franzose«.

Wie gemeldet, haben die Franzosen mehrere Lehrer, so u. a. aus dem Kreise Altkirch als Geiseln nutge- schleppt. Wie dieStraßburger Post" meldet, hätten die Franzosen beabsichtigt, nach dem Elsaß als Lehrer nur geborene Franzosen zu schicken. In wenigen Jah­ren wäre dann im Elsaß, so glaubten die Franzosen, nur französisch gesprochen worden.

Delcasiees Sohn im Gefangenenlager.

WTB. Berlin, 2. Oktober. Nach der »Boss Ztg." ist der Sohn Delcassees, der Schüsse in beide Oberschenkel erhalte» hatte, geheilt ans dem Lazarett Merseburg entlasten «nd nach dem Gefangenenlager in Halle über- ftthrt worden.

Falschmeldnnge« desMatin".

Berlin, 2. Oktober. Die Meldung desMatin", daß die Franzosen an der Maasösterreichische Kanonen so­wie einen unserer 42 ew-Mörser erbeutet hätten, ist falsch. Ebenso falsch ist die von dem genannten Blatte

gebrachte Meldung, daß 64 Züge unserer Heeresleitung in Feindeshand gefallen seien.

Belgische Bürgermeister vor einem dentschen Kriegsgericht.

Zehn Bürgermeister und Sekretäre kleinerer Land- gemetuden um Tongeren nördlich von Lüttich standen vor einem deutschen Kriegsgericht in Tonnerem da sie auf ein Telegramm des belgischen Generals Schepper hin Mannschaften der Jahresklasse 1914 e nberte en. Wach deutschem Gesetz steht Todesstrafe auf die Begün­stigung derartiger feindlicher Rekrutierungenauf deut, schem oder von Deutschen besetztem Boden. Die Advo­katen wandten sich an das Rechtsgefühl der Deutschen und suchten nachzuweisen, daß zur Zeit der Rekrutierung die betreffenden Gebiete nicht vollkommen besetzt gewesen seien. Das Kriegsgericht sprach die Angeklagten frei, da nicht einwandfrei feststano, ob die Gemeinden alle besetzt waren. Die Freigesprochenen warfen sich meinend in die Arme der Advokaten.

Die Nagelfeile im Granatenregen.

Der Krieg wertet alle Dinge um. Sogar eine Nagel­feile. Ich weiß es von einem Einjährigen, der jetzt ver­wundet heimgekommmen ist. Der Einjährige haßte Nagelfeilen als übertriebenes Kulturzeug. Menschen, die sum Nagelfeilen Zeit hatten, waren ihm ein Greuel. Jetzt hat er nichts mehr gegen sie. Und das kam so: Die Kompagnie stand im Wald. Ihr Befehl war, sich nicht vom Platz zu rühren, bis neue Weisung kam. Das ist ein harter Befehl, wenn vor dem Wald die Schlacht tobt. Die Zeit verrinnt. Noch immer liegt die Kom­pagnie im Anschlag. Da krachen die Granaten in den Wald. Die alten Stämme splittern. Schwadenweise sinken Zweige. Noch immer liegt die Kompagnie im Anschlag. Näher schlagen die Granaten ein. Wenn ein Stamm sich neigt, rücken die Soldaten ein wenig auf die Seite. Das ist alles. Mehr gestattet der Befehl nicht. Bäume und Soldaten liegen jetzt nebeneinander. Wun wird der Geschoßregen dichter. Da und dort der Schrei eines Getroffenen. Schaum steht manchem vor dem Munde. Aber es hilft nichts: Still liegen und den Feind erwarten, lautet der Befehl. Noch dichter fallen die Geschosse. Ein schreckliches Zucken geht durch die Schar. Der Leutnant fühlt: Noch eine Viertelstunde, und er hat sie nicht mehr in der Hand. Da kramt er in einer Tasche. Was er nur sucht? Jetzt geht er ruhig von Mann zu Mann, scherzt und glättet sich mit einer kleinen Nagelfeile seine Waget Die Soldaten trauen ihren Augen kaum: Hier, im Angesicht des Todes, glättet ihr blutjunger Leutnant sich die Fingernägel? Ei, da müßten sie mit der gestampften Angst sich schämen. . . Und man sollte es nicht für möglich halten, was eine elende Nagelseile im Kriege fertig bringt: Die anfS Weitster sie angespannten Nerven glätten sich, die Augen treten nicht mehr aus den Höhlen, still und erstreit dem Befehle liegt die Kompagnie im Anschlag, während über ihnen der Hochzeitstanz von Holz und Eisen wirbelt. Und jetzt hält die feindliche Infanterie dranßen den Wald durch die Granateufurcht für völlig aufgeräumt, ergießt sich ahnungslos herein und fällt in den zu- klappenden Rachen eines fürchterlichen Kompagnie- schnellfeuers.

Einer mich durch!

Aus einer Schlacht im Westen erzählt ein Reiter in einem derFranks. Ztg." zur Verfügung gestellten Feldpostbries folgendes Patrouillen-Abeuteuer:

......Da wir nicht genügend über die Stellung der feindlichen Artillerie informiert sind, wird eine Pa­trouille ausgesandt. Ich melde mich freiwillig und er­halte die Erlaubnis, mitzureiten. Der Leutnant, ich und zwei Gefreite sitzen auf und reiten im schlanken Trabe los. Bald haben wir unsere Vorposten hinter uns. Ein eigentümliches Gefühl beschletcht mich. Jeder Nerv ist gespannt, das Blut prickelt in den Adern. Jetzt kommt eine Wiese, wir müssen aus dem schiebenden Wald heraus. Sorgfältig wird der jenseitige Waldrand un­tersucht. Wir sind sicher, daß er unbesetzt ist. Im sau­senden Galopp geht es hinüber, ungehindert reiten wir weiter. Einer bleibt oben, wir andere lenken in einen Graben ein, damit bei einem Neberfall die Möglichkeit besteht, daß einer zirrückkehrt. Jetzt ist auch das Gefühl der Spannung vorüber. Den Karabiner schußbereit vor uns, reiten wir den Weg entlang. An was mögen die anderen drei denken? Ich denke an mein verflossenes Leben, an mein Lieb und an Euch alle. Es ist doch ein eignes Gefühl, wenn man so nahe am Tode reitet. Endlich schimmert etwas hell vor und: das ist jetzt das schwerste Stück. Wir ziehen von der Strafte herunter ins Gebüsch, die Pferde werden dicht zusammengestellt, weil sie dann weniger leicht wiehern.

Der Leutnant und ich sitzen ab und schleichen uns zu Fuß vor, eine Auhöhe hinauf. Da tauchten vor uns dunkle Punkte auf, das sind die feindlichen Batterien,' also muß die Infanterie im Walde östlich davon liegen: wir hatten diese, ohne daß wir es merkten, passiert. Wir betrachten uns das Gelände genau, schleichen etwas zu­rück und zeichnen mit Hilfe des Kompasses die Stelle auf der Karte an. Jetzt zurück zu den Pferden, aufgesessen und los. Wir reiten eine viertel, eine halbe Stunde un» bemerkt, da französischer Anruf! Der Leutnant ant­wortete in derselben Sprache, aber der Posten hat den Betrug gemerkt: wir werden aufgefordert, abzusitzen. Da, etwas durchschneidet die Luft, mit dumpfem Krach und gespaltenem Schädel sinkt der Posten zu Boden. Unser dritter Reiter hatte in der Dunkelheit unbemerkt blank gezogen, das Pferd vorgeworfen und uns so Ret­tung gebracht. Im Nu hatten wir die Lage erfaßt und galoppierten in sausender Karriere weiter.

Endlich haben wir die Lichtung erreicht und uns mit dem Wächter wieder vereint. Aber das Herz stockte uns fast: am anderen Wege tauchte eine feind­liche Kavallerie-Patrouille auf. Da die Franzosen Lanzen haben, sind sie uns bedeutend überlegen: hinter uns fallen schon Schüsse, der Feind ist nahe gerlickt. Sollte unser Ritt umsonst gewesen sein? JetztSäbel in die 10116 durch. Wir nehmen den Leutnant in die Mitte, die Sporen von neuem eiugesetzt, geht es ötauf. Der Leutnant schießt einen vom Gaul, ich treffe ein Pferd: da lassen wir die Pistole los und schon sind wir im Handgemenge. Ich sehe den einen Gefreiten vom Pferde stürzem Wie ich das Blut von den Kameraden sehe, faßte mich eme solche Wut, daß ich laut aufheulend um mich hieb: dabei habe ich nur den Gedanken gehabt: Einer von uns mutz durch, in erster Linie der Leutnant, die Karte mit der angezeichneten Stellung des Feindes. Ich hielt mich immer dicht an den Leut­nant und so schlugen wir uns durch.

Die zwei Gefreiten sind gefallen. In erster Linie L^"n es wohl unsere starken Pferde, die uns diesen Durchbruch möglich machten. Wir kehrten glücklich zurück. Bei näherer Untersuchung stellte es sich heraus, daß der Leutnant einen Streifschuß im Arm und ich eine Hiebwunde hinterm linken Ohr hatte: wir haben uns aber nicht frans gemeldet, sondern sind nur drei Tage bei ^^aaagegebliebeu und dann zur Truppe zuriickge- t>^er Erkundigung wurden die feindlichen Batterien bald zum Schweigen gebracht. Als Belohnuttg sind wir beide zur Beförderung vorgeschlagen . . "