Hers seid er Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^A^ für den Kreis Hersfeld Weiber Äreisblatt
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" , Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. W. Sonnabend, den 3. Oktober 1914.
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auf das Bersfelder Tageblatt werden für das 4. Vierteljahr
von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Strickt Pulswärmer
für unsere Truppen im Felde!
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vorrätig bis Nr. 36c in der Eefchiistritelle des Tageblattes.
Bus der Heimat.
* (Einberufung des Kommunalland- t a g e s für K u r h e s s e n.) Der Landesausschuß für Kurhessen hat in seiner neulich stattgefundenen Sitzung den Beschluß gefaßt, bei der Königlichen Staatsregierung in Vorschlag zu bringen, daß der nächstjährige Kommunallandtag für Kurhessen auf Montag den 19. April 1915 nach Cassel einberufen werden möge.
* (Jag d.) Im Monat Oktober darf geschossen werden: Rot- und Damwild (weibl. bis 16.), Rehböcke, Dachs, Hasen, Birk- und Fasanenwild, Rebhühner.
* Militärische Nachrichten.) Befördert: zu Hauptleuten: Oberleutnant v.Hanxleden d. Landw.- Pion. 1. Aufgebot (I. Cassel); zu Rittmeistern v. Hake (Hersfeld), Heimhard (Hagen), Oberleutnants d. R. d. Husaren-Regts. Nr. 14; zum Leutnant d. R. Vizewachtmeister Wellersiek (Hanau).
. * (Eisen gab er für Papiergeld.) Der Handlungsgehilfe Johann Beer erschien anfangs August im Postamt in Offenbach und erkundigte sich bei einer am Schalter stehenden Ehefrau, ob sie nicht hundert Mark gewechselt haben wolle. Er sei bereit, rhr hundert Mark in Einmarkstücken für einen blauen Lappen zu geben. Die Ehefrau ging sofort auf den Tausch ein, denn damals hielt man das Papiergeld für nicht kursfähig. Als die Frau nachher die Rolle, auf der „Städtischer Schlacht- und Viehhof" stand, öffnete, gewahrte sie zu ihrem nicht geringen Schrecken, daß der Inhalt aus blankem Eisen bestand. So war sie das Opfer eines raffinierten Schwindlers geworden. Schon an einem der nächsten Tage versuchte Beer sein frevelhaftes Spiel im Hauptpostamt Frankfurt, wo er einer Frau einen Zwanzigmarkschein „wechselte". Die Frau bemerkte sofort den Betrug, Beer wurde verfolgt und erwischt. In der jetzt gegen Beer statt- gehabten Strafkammerverhandlung beantragte der Staatsanwalt zwei Jahre Zuchthaus gegen den vorbestraften Schwindler. Beer bat das Gericht, ihm mildernde Umstände zuzubilligen, um ihm Gelegenheit zum Einrücken zu geben. „Lieber totgeschossen, wie ins Zuchthaus" meinte der Angeklagte vor der Beratung des Gerichtshofs, die zu einer Bestrafung mit eineinhalb Jahren Zuchthaus führte.
* (Postverkehr der Kriegsgefangenen.) Von jetzt ab können Postsendungen von Kriegsgefangenen und für solche angenommen und befördert werden. Zunächst werden nur offene Briefsendungen ohne Nachnahme, und zwar offene gewöhnliche Briefe, Postkarten, Drucksachen, Warenproben und Geschäftspapiere, ferner Briefe und Kästchen mit Wertangabe ohne Nachnahme sowie Postpakete bis 5 Kilogramm ohne Nachnahme innerhalb Deutschlands, nach und aus Oesterreich-Ungarn und den neutralen Ländern, sowie im Verkehr mit Belgien, Frankreich, Groß- vrrtannien und Rußland zugelassen. Postanweisungen uno m demselben Bereiche mit Ausnahme von Belgien, Großbritannien und Rußland zulässig. Im Verkehr dem Auslande werden die Sendungen, die von .^irregsgefangenen abgesandt werden oder für sie be- inmmt sind, gebührenfrei befördert. Dasselbe gilt von den Sendungen, die sich auf Kriegsgefangene beziehen und unmittelbar oder mittelbar von den Auskunftstellen über Kriegsgefangene aufgeliefert
werden oder für sie bestimmt sind. Solche Auskunft- stellen können in kriegführenden Ländern oder in neutralen Ländern, die Kriegführende auf ihrem Gebiet ausgenommen haben, eingerichtet werden. Die in ein neutrales Laud ausgenommen und daselbst untergebrachten Kriegführenden sind hinsichtlich der Anwendung der obigen Bestimmungen mit den Kriegsgefangenen gleichgestellt. Im Verkehr innerhalbDeutsch- lands werden gebührenfrei befördert: gewöhnliche offene Briefe bis zum Gewicht von 50 Gramm einschließlich und gewöhnliche Postkarten, die 1. für Kriegsgefangene bestimmt sind oder von ihnen abgesandt werden, 2. die sich auf Kriegsgefangene beziehen und unmittelbar oder mittelbar von den Auskunft- stellen über Kriegsgefangene aufgeliefert werden oder für sie bestimmt sind. Alle übrigen Sendungen sind portopflichtig. Unter „Verkehr innerhalb Deutschland" ist auch der durch die deutsche Feldpost im Auslande vermittelte Verkehr mit Deutschland zu verstehen. Die Sendungen sind von dem Absender mit dem handschriftlichen oder gedruckten Vermerk „Kriegsgefangenensendung zu versehen. Sämtliche Sendungen der in deutscher Kriegsgefangenschaft befindlichen Angehörigen feindlicher Heere und Sendungen der deutschen Auskunftstelle müssen außerdem mit einem Abdruck des Dienststempels der die Aufsicht über die befangenen führenden Militärbehörde, die auch die Auflieferung vermitteln muß, oder des Dienststempels der Auskunftstelle versehen fein. Sendungen von Gefangenen müssen ferner den deutlichen Vermerk „Geprüft" tragen. Postanweisungen für Empfänger in Frankreich sind auf der Vorderseite des für den Auslandsverkehr bestimmten Formulars mit der Adresse der Oberpostkontrolle in Bern (Schweiz) zu versehen, während die Adresse des Empfängers der Geldsendung auf der Rückseite des Abschnitts genau an= zugeben ist. An der Stelle, die sonst für die Freimarken zu dienen hat, ist die Bemerkung „Kriegsgesangenen- sendung, Taxfrei" anzubringen. In Bern werden die deutsch-schweizerischen Anweisungen in schweizerischfranzösische umgeschrieben. In umgekehrter Richtung wird in gleicher Weise verfahren. Die Feldpostanstalten haben Postsendungen au Kriegsgefangene und Auskunftstellen sowie von Kriegsgefangenen herrührende Sendungen nur insoweit anzunehmen, als die Gegenstände zur Feldpostbeförderung überhaupt zugelassen sind.
8 Hersfeld, 2. Oktober. (Neuer Fahrplan.) Vom 1. Oktober ab tritt auf den Strecken des Direktionsbezirks Cassel ein neuer Fahrplan in Kraft, der auf verschiedenen Linien Verbesserungen gegen den vom 17. September ab gültigen Plan aufweist. Das Nähere ist aus den Aushang-Fahrplänen ersichtlich.
8 Hersfeld, 2. Oktober. (Gartenarbeit im Oktober. Im Oktober, wenn Feld und Flurdraußen wenig Arbeit vom Landwirt verlangen, bleibt ihm zumeist genügend Zeit zur Verfügung, um im Obst- und Gemüsegarten die notwendigen Arbeiten für eine gedeihliche Entwicklung im nächsten Jahre vorzunehmen. Nachdem im Obstgarten das Winterobst in trockenem Zustande eingeerntet ist, setze man neue junge Bäume und Sträucher. Ferner umstreiche man die Bäume Aum Schutze gegen Larven usw. mit dem Klebegürtel erneuere bei alten Bäumen mit rissiger Rinde den Kalkanstrich, grabe die Baumscheiben um und bringe kurzen Dung bei dieser Gelegenheit mit hinein Zwischen den Beerensträuchern, dre jetzt gleichfalls geschnitten und gedüngt werden müssen, Siehe man die Zwischenräume tief aus, so daß sich im Winter tüchtig Schnee darin sammeln kann. Zum Schutze gegen Eindringen von Hasen im Winter sehe man die Umfriedigungen genau nach und bessere sie aus, wo nur die geringsten Lücken vorhanden sind. — Jm Gemüsegarten säe man Spinat und Radieschen aus und pflanze Wintersalat, wenn man mit dessen Kultur vertraut ist. In kalten Erdkasten mit Glasdach, das am Tage uud in frostfreien Nächten abgenommen wird, kann Frühsalat gepflanzt werden^ der dann im nächsten Frühjahr besonders schone Köpfe gibt Nebenher fällt dann die Ernte des Kohls und Selleries. Letzterer sollte nicht, wie es vielfach geschieht, im Keller, sondern in Gruben aufgehoben werden, da ihm die Kellerluft zuviel Saft entzieht. Blumenkohl dagegen soll man im Keller in eine dünne Erdschicht verpflanzen, er behält dann seine Blumen bis zum nächsten Frühjahr. Vor Eintritt der Nachtfröste ernte man schließlich noch die Tomaten ab, bei ausgewachsenen Früchten schadet es nichts, wenn sie noch grün sind, da sie im warmen Zimmer genügend nachreifen.
Obergeis, 1. Oktober. Vor einigen Tagen ging die erste Sendung Liebesgaben an die aus unserem Kirchspiel im Felde stehenden Krieger ab. Gegen 70 Pakete, jedes gefüllt mit einer warmen Unterjacke, Strümpfe, Pulswärmer, V- Pfd. Kaffee, ^ Pfd. Würfelzucker, ein oder mehrerer Salyzylstangen, Zigarren,
Zigaretten und was sonst noch Frauen-Eltern- und Geschwisterliche an wärmenden und Erquickenden beizulegen wußten, haben die weite Reise nach den Kriegsschauplätzen angetreten. Wie wird ihnen allen, da draußen, dieser Gruß aus der Heimat, der ihnen von treusorgender Liebe der Heimatgemeiuden sichtbares Zeugnis gibt, im Herzen wohltun! Wollte Gott, einem jeden träfe fein Paketchen noch gesund und wohlbehalten an. Auch für die Verwundeten in den Hersfelder Lazaretten wird im Geistal liebevoll gesorgt. Gegen 100 Bettkisseu konnten aus dem Kirchspiel geliefert werden. 68 Flaschen Himbeersyrup, zu denen die Obergeiser Schulkinder die Himbeeren gesammelt haben, sollen die Verwundete erquicken und unsere Frauen wollen ihnen für bequeme und warme Fußbegleitung durch Anfertiguug von Tuchschuhen, Batschen sorgen. Ein nachahmenswertes Beispiel. An der Geldsammlung die annährend 1500 Mk. eingebracht hat, haben sich auch in dankenswerter Weise einige Vereine beteiligt. So stiftete der Gesangverein Untergeis 30 Mark, der Radfahrerverein Untergeis 25 Mark, der Radfahrerverein Obergeis 50 Mark.
Vrückenau, 1. Oktober. Der frühere Bürgermeister und Hotelier Peter Reinwald, der vom Landgericht Würzburg zu 3 Jahren 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, ist in das Zellengefänguis Nürnberg eingeliefert worden.
Schlitz, 1. Oktober. Gerade von seinen bet St. Quentin erlittenen Wunden geheilt, fiel in kühnem Sturmlauf vor der Frout seiner Kompagnie, Graf Eginhard v. Schlitz, genannt Görtz, Leutnant im 3. Garde-Regiment zu Fuß.
Göttingen, 30. September. Der bisherige ordentliche Professor Dr. Peter Debpe in Utrecht ist zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität ernannt worden.
Bad Homburg, 38. S^-tember. Prinz Oskar von Preußen und Gemahlin mit kleinem Gefolge treffen heute abend zu längerem Aufenthalt auf dem hiesigen Kgl. Schloß ein.
Zum Erntedankfest 1914.
Wenn hoch vom Turm die Glocken klingen
Und rufen Euch zum Dankgebet: Verschließt Euch nicht! Dankt gern und fleht Um fern'res, güt'ges Wohlgelingen!
Kaum, daß die Frucht zur Reife drängte, Die Schnitter zogen aus zur Schicht, Wie Schlangenbrut, die heimlich sticht, Sich's in die Erntefelder senkte--
Seid Schnitter all'! Die Frucht vernichtet, Von gift'ger Röte überglüht!
Führt stark die Sense, daß sie sprüht, Wenn sie das Heil'ge Werk verrichtet! —
Wenn Glocken tönen im Gelände, Weiht Euch dem Danke voll und ganz Und betet, daß der Erntekranz Einst sinken mag in uns're Hände . . .
Wilhelm Ludwig.
Verzeichnis
der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
Für das Rote Kreuz, Sektion Sersfeld
von Herrn Gymnasialdirektor Köhler, hier, 1. Rate........M. 100.—
„ Herrn Konr. Apel, Mecklar . . . . „ 15.—
„ „ L. Schiewe, hier......„ 25.—
„ Bürgerverein Friedewald...... 30.—
„ Männergesangverein Ausbach . . . „ 50.—
„ Herrn Lehrer M. Nußbaum, hier (Ueberschuß beim Verkauf von Andachtsbüchlein für die jüd. Krieger).......... 8.10 „ Herrn Professor Dr. Schaaff, hier, 1. Rate........„ 50.- „ Herrn Oberlandmesser Saal, hier . „ 25.— M. 303.10 Bestand „ 21.850.95 heutiger Bestand M. 22.154.05
Für die Notleidenden in Ostpreußen gingen ein: on Ungenannt (Strafgeld für gebrauchte Fremdwörter........M. 2.60 „ Ungenannt..........„ 20.— „ Herrn Oberlandmesser Saal, hier . „ 10. M 82RÖ Bestand „ 365.70
heutiger Bestand M. 308.30