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Klüver alS die Urheber alles NttheilS. Der Handel stehe still.

Aegyptens Offiziere und Truppen protestieren.

Mailand, 30. September. DieUnione" meldet aus

Kairo: Die eingeborenen Offiziere haben gegen ihre Verschickung nach dem Sudan prptestiert, da ihre Kapi­tulationen nur für Aegypten abgeschlossen seien. Wie verlautet, sollen die eingeborenen Offiziere während des Krieges vom Dienste suspendiert werden. Auch die bei­den Bataillone der Eingeborenen sind gegen ihre Ver­wendung in einem Kalisatkriege vorstellig geworben.

Brotmangel in Griechenland.

Saloniki, 80. September. Hiesigen Blättern zufolge herrscht in Saloniki und Griechenland großer Brot­mangel. Die Bevölkerung ist sehr erregt und fordert von öen Behörden schleunige Abhilfe. Wenn die Lage sich innerhalb vierzehn Tagen nicht dtfdere, werde Grie­chenland ganz ohne Brot sein.

Die Haltung der rumänischen Regierung.

Wien, 80. Oktober. (Privattelegramm.) Die Sttd- slavische Korrespondenz meldet aus Bukarest: Die ru- mäuische Regierung scheint entschlossen zu sein, gegen die in den letzten Tagen immer mehr um sich greifenden Stratzendemonstrationen, dhren Hintermänner niemand unbekannt sind, mit Wort iwd Tat energisch vorzugehen. Gendarmerie und Militär haben entsprechende An­weisungen erhalten. ;

Die englische Admiralität über die Untätigkeit der englischen Flotte.

Dem StockholmerAftonbladet" wird aus London gemeldet: Die große Verstimmung, die durch die letzte Seekatastrophe und die Untätigkeit der englischen Flotte bei der englischen Presse Hervorgerufen wurde, wird von der Admiralität dahin Beantwortet, daß die Flotte sich in ihren Bewegungen nicht von der öffentlichen Mei­nung leiten lassen körnte. Die Forderung, daß Helgo­land angegriffen und ein Weg gebahnt werde, könne un­möglich erfüllt werben. Der Borwurf, daß die Flotte untätig sei, sei ungerecht: Um aber den Forderungen des Volkes in gewisser Hinsicht entgegenzukommen. sei eine gründliche und systenvätische Razzia mit kleinen Kreuzern, Torpedo- und Unterseebooten in der Nordsee eingeleitet worden, und später solle die Einsperrung der deutschen Nordseeswtte noch wirksamer gemacht werden. Auch Minen würden gelegt werden, wovon die englische Admiralität bisher aus Gründen der Menschlichkeit nur in kleinem Umfang Gebrauch gemacht habe. (National-

Aus Gründen Ler Menschlichkeit" also hat England Las Minenlegen unterlassen. Das ist wirklich ein guter

Scherz.

Die KriegsverMstungen in Ostpreußen.

Von befreundeter Stzite wird denL. N. N." der folgende Bericht über die Verwüstungen in einer kleinen ostpreußischen Stadt zur Verfügung gestellt:

Ich schätze mich glücklich, nur zehn Gebäude durch den Brand verloren zu aben, jedoch hat auch diese ge­ringe Zahl unserem blühenden Gewerbefleiß einen argen Stoß versetzt, den zu reparieren Jahre emsiger Tätig­keit gehören. Es waren durchweg Geschäftshäuser am Markt mit gutgehenden Geschäften. Das Feuer wurde

von drei ______,______ _

wache angelegt. Ein in dem größten Warenhaus von einem Kosaken angelegter Brand konnte noch rechtzeitig bemerkt und gelöscht wetröen. Die Stadt beherbergte vom 25. 8. vorm. bis 27. 8. mittags ca. 40 000 Russen, die sich nur im Bereich des Quartiers des russischen Generals anständig benähmen, sonst aber sämtliche Woh- " ichen und sie in schrecklichster Weise ver- rhandeUes Geld, Wäsche, Etzvorräte, Wein, stige Nahrungs- und Genutzmittel, Hand- es wurde mitgenommen. Es war und ist mir! Neben diesen materiellen Verlusten

nungen erbrai

wüsteten. Bor!

Zigarren, sonstig, werkszeug, alles w..^---------------

noch ein Jammer! Neben diesen materiellen Verlusten haben wir leider auch den Verlust von fünf Einwohnern zu beklagen, des Hoteliers R.. des Schneidermeisters P., Kaufmanns W.,seines Drainageaufsehers und eines alten Rentenempfängers, alle sind als Geiseln nach der für die Russen verlorenen blutigen Schlacht auf dem Rückzüge durch unsere Stadt mügeschlevpt, sind bann hinter MensguG loSgelassen mit der Weisung zurück- zukehren und haben dann in der Feuerlinie durch Gra­naten, Flintenkngeln und Lanzenstiche ihr Leben lassen müssen. Zu die^ ".....- '

®ret$, der vv graben ohne E

versprengten Kosaken beim Kartoffel- _tnd erschossen wurde.

Aus dem RAickzuge ließen die Barbaren an den Ge­bäuden dadurch ihre Wut aus, daß sie durch Kolbenstöße nach links und rechts nahezu alle Schaufenster zertrüm­merten. Zum Russeneleno gesellte sich Las Elend der Flüchtlinge aus den Grenzkreis schwemmten und die letzten Reste und Futter verzehren halfen. Las Elend auf der Landstraße

gesellte sich Las Elend be azkreisen, die uns übpr- --------~"j an Nahrungsmitteln verzehren halfen. Wer den Jammer und ------ auf der Landstraße nicht miterlebt hat, ver­mag sich über die über Ostpreußen hereingebrochene Tragödie kein Bild auszunralen. Ich schätze den Scha­den in unserer Stadt auf mindestens eine Million Mark. Hilfe ist dringend nötig, um wenigstens den Aermsten der Armen helfen zu können.

Sriegsallerlei

Die Tochter des Reichskanzlers als Krankenschwester.

Fräulein von Bethmann Hollweg. die Tochter des Reichskanzlers, befindet sich in dem Krankenhause Be- thanien bei Stenbal, wo sie bei der Pflege der Verwun­deten hilft. Sie hat die vorgeschriebene Prüfung abge­legt. Unter den anderen Schwestern dieses Kranken­hauses ist auch eine Herzogin von Schleswig-Holstein

Der 8 im Kriege.

Es ist auf einem belgischen Schlachtfelde. Die Pa­trouille, die das Schlachtfeld nach Verwundeten absucht, stößt aus zwei Bauern, die die Toten bestehlen, auf Leichenräuber. Man nimmt sie gefangen, fesselt sie, da der Offizier die Füstlierung verbietet. Nur mit Wut schaffen die Leute diese Hyänen des Schlachtfeldes auf das Auto. Warum schießt man diese Halunken nicht Wer den Haufen? Der Offtrier hat darauf die Antwort: Nach dem milimrischen Strafgesetzbuch steht auf Leichen- raub nur Zuchthaus. Ich bin daher nicht berechtigt, die Leute totzuschießen, sondern muß sie an dem Orte des nächsten Kriegsgerichts zur Aburteilung abliefern." Man sieht, in Deutschland schweigen während der Waffen nicht die Gesetze, und der Ordnungsstaat schützt mit sei­nen Paragräpyen auch den Auswurf der Feinde.

Satten aber nicht mit deutscher Wachsamkeit gerechnet: denn sie wurden erwischt und mußten ihre gefährlichen Dinger selbst wieder auffischen. Diese 150 Zuchthäusler befinden sich jetzt als Beweis für die ritterliche Kampfes­weise des edlen Albion in dem deutschen Luftkurorte Senne.

Ein englischer Brigadegeneral gefallen.

DerDaily Mirror" meldet, daß der Brigadegeneral

Findlay, der Befehlshaber der Artillerie des englischen Expeditionskorps, bei den Kämpfen an der Marne seinen Tod gefunden hat. General Findlay, der in England als einer der hervorragendsten Kenner des modernen Artilleriewesens geschätzt wurde, ist am 7. Mai 1859 ge­boren und trat 1878 in die Armee ein und zeichnete sich besonders im südafrikanischen Kriege aus, wo er die Medaille der Königin erhielt. Im Jahre 1910 wurde er zum Kommandeur der 1. englischen Artillerie-Divi­sion ernannt.

Der Bürgermeister von Brüssel wieder verhaftet.

Der Bürgermeister von Brüssel, Max, ist von neuem verhaftet worden. Wie dieAiöln. Bolksztg." aus Brüssel meldet, ist die abermalige Verhaftung im Inter­esse der Autorität der deutschen Militärbehörden er­folgt. An die Stelle von Max ist der Schöffe Lemonnter als Bürgermeister getreten. Das Schöffenkollegium teilt der Bevölkerung durch Maueranschlag mit, daß es während derAbwesenheit" des Bürgermeisters Max die Geschäfte fortführt und für die Aufrechterhaltung" der Ordnung wrgt. Es schließt daran die dringende Mah­nung, Ruhe zu bewahren.

Ein englisches Flugzeug bei Antwerpen «-gestürzt.

Aus Antwerptn meldet dieB. Z. a. M.", daß dort ein englischer Fliegeroffizier mit seinem Passagier ab­gestürzt sei. Beide seien schwer verletzt und die Maschine zertrümmert. Es soll sich um denselben englischen Flie­ger handeln, der die Bomben über Maastricht abge­worfen hat.

In russischer Kriegsgefangenschaft.

Wie die Russen ihre Kriegsgefangenen behandeln, geht aus einem Schreiben hervor, das ein Unteroffizier der Tiroler Kaiserjäger, der in russische Gefangenschaft geriet, aber wieder flüchten konnte, an seine Freunde tu Innsbruck richtete. Der Unteroffizier war, von einem plötzlichen Schwächeanfall übermannt, zurückgeblieben und hatte sich später einer von einem Offizier geführten Kaiserjägerpatrouille angeschlossen. ......Als wir um die Mittagszeit einen Wald passierten, überraschte uns eine Kosakenabteilung und das Ende dieser Begegnung war unsere Gefangennahme. Man transportierte uns in ein großes russisches Lager: ein russischer Offizier be- schäftigte sich angelegentlich mit unseren Taschen, denn außer den Waffen wurden uns auch das Geld und die Uhren abgenommen. Die russische Mannschaft erhielt Kaffee zum Abendessen, an uns Gefangene dachte nie­mand, wir mußten deshalb aus Hunger Obst essen, das auf dem Boden umherlag. Daß es unreif war, dafür trug ich für meine Person erst später die Folgen, aber ich hatte schon seit zwei Tagen nichts mehr gegessen oder getrunken. Bei Einbruch der Nacht sperrten die Feinde den Offizier und mich in einen Schweinestall, fesselten uns an Händen und Füßen und ließen uns liegen. Auch am nächsten Tag erhielten die Gefangenen nichts zu essen, aber wir mußten weitermarschreren. Ich kam auf den äußersten Flügel und als eben der uns beaufsich­tigende Korporal abberufen wurde, nahm ich reißaus, lief, was die Beine leisten konnten, durch dick und dünn, übersetzte drei Bäche und kam schließlich in einen Wald, der mir vorläufig Schutz bot. Kaum war ich aus seinem Bereiche, da gefährdete meine Flucht eine Kosakeupa- trouille, die sichtbar wurLe. Mein körperlicher Zustand schloß Flucht oder Widerstand vollständig aus, ich hatte aber noch die Kraft, einen Baum zu erklettern und mich auf solche Weise zu verbergen. Die List gelang, die Ko­saken ritten vorüber und ich konnte nach ein paar Stun­den die Flucht fortsetzen, die mich nach langer Zeit zu einem österreichischen Feldjäger-Bataillon brächte."

3m Arlilleriekampf.

Aus einem Feldpostbrief.

Am 81. 8. haben wir einen heißen Kampf durchge- macht. Wir biwakierten bei einem Dorfe, als plötzlich in nicht allzu großer Entfernung Kanonendonner und Ge- weyrgeknatter hörbar wurden. Wir machten fertig, öa kamen auch schon die blauen Bohnen in unsere eng auf- marschierten Gespanne und schlugen klatschend ein. Da wir in einem Kessel standen, marschierten wir sofort geordnet ab und gewannen die hinter uns liegende Hohe, wo wir in heftiges Schrapnell- undRtmaillo-" (schwere französische Artillerie) Feuer kamen. Wir mußten die Stellung wechseln und da der Rückgang etwas ausein­ander gerissen ivar, sammelten wir erst im nahen Walde. Meine Beobachtungsprotze fehlte, und ich brächte meinen Wagen auf offener Straße im feindlichen Feuer mit mei­nen Leuten zurück. Unterwegs fanden wir einen ver­lassenen Munitionswagen mit 3 Pferden. Rasch spann­ten wir die Protze ab und hängten sie an den Beobach­tungswagen. Bald in Deckung angelanat, sah ich einen Bauernwagen mit 2 Pferden Rasch nahm ich einen be­herzten Kanonier, spannte die Pferde los und ging zurück nach dem Munitionswagen, dort haben wir denn ganz allein im feindlichen Granatenfeuer die Pferde mittels einer gefundenen Vorderbracke an den seiner Protze be­raubten Munitionswagen geschirrt und so den Wagen glücklich in Deckung gebracht.

Am Eingang des Waldes kam uns die Batterie ent­gegen und »neu in Stellung. Ich schwang mich auf meinen Wagen, denn mein Pferd war weg. Aber schon kamen auch die großen Granaten wieder, rissen 1-2 Meter tiefe Löcher und die Schrapnells platzten wie Feuerwerkskörper dazwischen. In Stellung angelangt, wurden wir von 3 Seiten mit einem wahnsinnigen Feuer überschüttet. Immer ganze Salven Granaten in 25 Meter Abständen, die nächsten einige Meter davor und dahinter. Das 3. Geschütz erhiel einen Volltreffer, der Führer flog als blutige formlose Masse über einen Apselbaum hinweg. Dem Richtkanonier wurden die Beine weg und der Leib aufgerissen. Mit den Worten Lebt wohl, Kameraden!" zog er seinen Revolver und schoß sich eine Kugel durch den Kopf. Der Rest der Be­dienung war ebenfalls verstümmelt, schwer oder leicht verletzt.

Plötzlich gab es einen furchtbaren Donnerschlag, dicht neben mir an dem 5 Meter entfernt stehenden Ge­schütz war ein Korb mit 8 Schrapnells, die von einem Sprengstück getroffen waren in die Luft geflogen und ein Teil der Bedienung wälzte sich am Boden. Mit schar­fem Klang schlugen dauernd Svrenastücke durch unseren Beobachtungswagen, ein «tück, das durch den 4-chutz- schild gefahren war, zerschmetterte dem vor mir liegen­den Kanonier den Arm. Nun kam die Reihe an mich, aber Gott sei Dank nur ganz mUde, w haß ich meinen

plötzlich einen Schlag in den Rücken und hatte das Ge­fühl, als ob ein Stück glühendes Eisen etwa ö Zenti­meter tief eindrang. Ich fühlte hin und hatte im Rock auf dem Schulterblatt ein 3% Zentimeter großes Loch. Der Hosenträger war auch durchschlagen, dann das Hemd durch und die Haut. Es hat sich ein Grind über die Wunde gebildet. O. S. hatte Jod öaraufaepinselt und gesagt, es wäre nicht schlimm. Ob der Splitter noch drin steckt, kann ich nicht sagen, dem Gefühl nach jeden­falls nicht. Dann war nur vom Wagenrad noch ein Fuß gequetscht worden, und ich bin 2 Tage elend herum­gehumpelt. Aber meinen guten Mut und Humor habe ich selbst in den Augenblicken, wo wir dachten, wir wären in der Hölle und würden niemals wieder heraus- kommen, nicht verloren. Auch als ich glaubte, ich wäre erledigt, war ich mit meinem Schicksal zufrieden und habe Achilles, der neben mir lag, Grüße an Euch bestellt.

Die Mannschaften zeigten einen bewundernöwerten

Mut, stundenlang haben sie an den Geschützen in diesem furchtbarem Feuer ausgehalten bis der Befehl zum Rückzug kam, der ruhig und geordnet vor sich ging. Hin­ter uns kam dann eine preußische Divisiom die uns auf» nahm. Nun hatten wir auch schwere Artillerie zur Ver­fügung und konnten der feindlichen Uebermacht ordent­lich alles znritckgebeu. Am Abend waren die Franzosen in wilder Flucht. Unser Hauptmann war am Kopf leicht verletzt, der Helm hatte die Kugel ausgehalten. Der Kommandeur unserer Abteilurrg, Major von W., tot.

Vermifdifes.

Der Schmutz im Aberglauben der Kosaken. Wenig bekannt dürfte sein, daß die vor Schmutz starrenden Kosaken, die jetzt in Ostpreußen so unglaublich gehaust haben, an bestimmte Regeln burd) ihren Aberglauben gebunden sind, die ihnen die Reinlichkeit selbst primi­tiver Art verbieten. Der Sonntag ist ihnen ganz be­sonders heilig, und es würde ein großer Fehler sein, wenn man deninneren Menschern, d. h. alles, rvas unter der äußeren Kleidung liegt, umgestalten wttrbe. Es gilt also als schwerer Verstoß, wenn man denin­neren Menschen" umgestalten würde. Arrch die übrigen Wochentage machen es dem Kosaken schwer, die Wüsä)« zu wechseln. Am Montag dürfen sie es unter keinen Umständen, da sich nach ihrem Aberglarrberr darin Wun­den an dem Leibe bilden müßten. Der Dienstag ist al- lerdings für das Wäschewechseln frei. Da aber au die­sem Tage der Pferdeschacher besonders günstige Ergeb­nisse haben soll, fommt man vor Pferdehandel und sei­nen Folgen, die sich in starkem Schnapsgenuß, Diebe­reien und Räubereien äußern, selbstverständlich gleich­falls nicht dazu, sich zu reinigen. Am Mittwoch darf man nichts Entscheiderrdes rrnternehmen, soll sparsam sein und nur seinem Pferde und seiner Familie leben. Da zum Anziehen neuer Wäschestücke einentscheidender Entschluß" gehört, so dürfte arrch dieser Tag den Kosaken darin bestärken, von einem solchen Vorhaben abzustehen. Am Donnerstag, wo man kein Fett salzen darf, da es sonst durch Würmer verdorben wird, ist der eigentliche Trinktag der Kosaken, insbesondere der Donkosaken, was selbstverständlich reichlich ausgenutzt wird und den gan­zen Tag und die folgende Nacht in Anspruch nimmt. Es bleibt noch der Freitag und Sonnabend. Am ersteren darf man bestimmte Arbeiten nicht verrichten. Den Frauen ist zum Beispiel das Spinnen verboten, den Männern aber das Trinken, was uns eine recht ver« Künftige Regel dünkt, da sonst weiter fortgetrunken wer­den müßte. Der Tag dient dementsprechend dazu, den Rausch auszuschlafen. Da der normale Kvsak diese Re­gel besonders intensiv tunezuhalten pflegt, so ist es an diesem Tage nicht nötig, sich eine neue Gewandung an» zuziehen. Es bleibt der Sonuabend, an dem tatsächlich ein besonderer Brauch nicht herrscht. Er wird aber all­gemein mit Recht als Schlußtag der Woche und Vor­bereitung für den Sonntag aufgefaßt eine ganz euro­päische Auschauung. Reinigung und Wäschewechsel wer­den am besten auf die folgende Woche verschoben, und in welcher Weise sie zustande kommt, zeigen die vor­erwähnten Tagesregeln. Danach ist es wirklich sehr schwer für d,en Kosaken, ja eigentlich unmöglich, dem Schmutz der eventuell getragenen Wäsche zu entsagen.

Heldentat eines Leutnants.

Mit dem Pour le merite belohnt.

Der Sohn des Amtsgerichtsrats v. d. Linde in Pots­dam Leutnant Otto v. d. Kinde ist seit dem Jahre 1866 der erste Leutnant, der den höchsten preußischen Kriegs­orben verdient hat. Seinen Handstreich auf das Fort Malonne, das zum Festungsgürtel von Namur gehörte und am 24. August von ihm mit vier Mann genommen wurde, schildert er in folgenden Zeilen an seine Eltern:

Ich mußte mit 500 Mann auf ungedecktem Gelände auf das Forts losgehen. Ueberall starrten mir Schieß­scharten entgegen, aus denen jede Sekunde es lvsknallen konnte, und wenn das nicht, so konnte ich auf eine der vielen Minen, die ringsherum lagen, treten. Bon allen Offizieren, die sich freiwillig dazu gemeldet hatten, wurde ich ausgesucht. Ich nahm von meinem Zug nur vier Mann mit, und im Gänsemarsch näherten wir uns dem Fort. Herein konnte ich selbst nicht, weil die große Brücke über den großen Wassergraben zurückgezogen war. Als der Kommandant uns bemerkte, rief ich Tbu an, redete ihm vor, daß ein ganzes Regiment und Ar­tillerie draußen im Walde ständen und das Feuer sofort erfolgen würde, wenn noch eine Minute mit der Ueber- gabe gewartet würde. Der Kommandant liest die Brücke herunter, und wir betraten das stark befestigte Fort. Ich liest jeden einzelnen vortreten. Wir urttersuchten sie. Die Waffen mußten sie im Forts lassen. Meine vier Leute hatten das Gewehr im Anschlag. Der Kom­mandant des Forts Malonne übergab mir seinen Säbel. Dann ließ ich die Belgier in eine Ecke treten, damit sie nicht sehen konnten, wer BereInfame. Neben dem Kommandanten nahm ub fünf Offiziere und 20 Mann gefangen, die übrigen vierhundert waren schon vorher

«em ^cb lieft nun meinen Zug Nachkommen. Die

ter der belgstchen Offiziere hättet Ihr sehen sollen, alS sie nachher unsere geringe Anzahl sahen. Ich holte die belgische Flagge herunter, und meine Leute verfertig­ten aus einer belgischen Hose, einem Hemd und einer roten französischen Bauchbinde eine deutsche Fahne und hißten sie. Vorher hatten wir den Weinkeller aufgemacht und ließen beim Aufziehen der Fahne ein paar Sekt- pullen knallen. Bis zur Ablösung mußte ich das Fort, das gänzlich unbetchossen war, besetzt halten. Ich erbeu- tete vier 21-Zenttmeter-Kanonen und eine Anzahl kleine, rer Kaliber, über 100 Gewehre und Pistolen, 500 Gra- naten und mehrere tausend Gewehrpatronen. Ich wurde erst am nächsten Morgen abgelöst. Wir schwelg- ten inzwischen in den großen Mengen aufgestapelter Vorräte.

. . Leutnant von der Linde hat seinen Eltern den Degen -es Kommarrdanten und die Fahne des Forts Malonne M Stegestryphäe aelchickt.