rr 61t »Itwm Nr Torpedos vom „u. 9*.
WTB. London, 26. September. Nach einer Mel« bnna des Daily Telegraph ans Harwich spricht man nur vom Untergang der Kreuzer. Die deutsche Unterseebootsflottille hatte eine günstige Geleaevheit abgemartet und die Begleitschiffe hätten holländische Flaggen getragen und keine Retinngsanstrengnngen gemacht. Infolge -er furchtbaren Explosion bet der Abonkir feie» von achthundert Mann Besatzung nur 48 übrig geblieben.
Auszeichnung der Helden von „U. 9"
WTB. Berlin, 26. September. Der Kaiser hat dem Kommandanten des Unterseebootes „U. 9", Kapitänleutnant Otto Weddigen das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse, den übrigen Offizieren und Mannschaften das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen.
Verwüstungen der Russen in einem Spital.
WTB. Wien, 26. September. (Meld. d. W. K. K. Telegr.-Corresp.-Bur.) Russische Truppe« sind in das Spital von Kossow iu Ostgalizien eingedruugen und haben den Verwundeten die Verbände abgerissen.
Ein Bremer Landwehrmann hat, wie die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, folgendes zu Protokoll gegeben: „Ich wurde am 28. August von einer Abteilung Russen unter Führung eines Offiziers gefangengenommen. Nachdem wir ungefähr einen Tag herumgezogen waren, kam noch ein anderer Gefangener, ein Hamburger, dazu. Dieser verlangte dringend Essen. Einige Kosaken benutzten diese Gelegenheit dazu, um uns niederzumetzeln. Ich wurde durch Säbelhiebe, mehrere Lanzenstiche, Kolbenschläge und einen Revolverschutz schwer verletzt, so datz ich wie tot liegen blieb. Später gelang es mir durch eigene Kraft, mich bis zum nächsten Gehöft zu schleppen, wo ich von einem unserer Posten bemerkt wurde, der mich in Sicherheit brächte. Mein Kamerad, der Hamburger, ist bei dieser Gelegenheit geblieben."
Die Cholera im Osten.
WTB. Wien, 26. September. In Brünn ist bei einer vom nördlichen Kriegsschauplatz eingetroffemn Militärperson asiatische Cholera festgestellt worden.
Ein Lokomotivheizer als Held.
WTB. Berlin, 26. September. (Amtlich.) Die oberste Heeresleitung teilt mit: Bei der Erknndunas- fahrt auf einer Lokomotive nach Russisch-Polen, bei der der auf der Lokomotive stehende Hauptmann Bader den Heldentod fand, hat sich der Lokomotivheizer Beck aus Tarnowitz vortrefflich bewährt. Beck erhielt, neben Hauptmann Bader stehend, außer Verletzungen durch Eisensplitter einen Schutz durch die Lunge. Trotz der schweren Verwundung hat Beck noch vier Stunden auf seinem schweren Posten ausgehalten und die Lokomotive glücklich zur Abfahrtsstation znrückgevracht, wo er dann zusammenbrach. Während der Fahrt hat er noch die
Der Krieg in den Kolonien.
Nach einer amtlichen Reutermeldung hat sich der deutsche Posten Schuckmannsburg am Sambesi im äußersten Ostzipfel von Deutsch-Südwestafrika am 21. September der rhodesischen Polizeitruppe ergeben.
Die Niederwerfung Serbiens.
Die „Südslawische Korrespondenz" meldet aus Sofia: Die bulgarischen Blätter berichten aus Nisch, daß die Ereignisse auf dem österreichisch-serbischen Kriegsschauplatze in allen serbischen Kreisen die unverhüllteste Bestürzung hervorgerufen. Der vollständige Mißerfolg der serbischen Offensive gegen die Monarchie habe alle noch gehegten Hoffnungen für den Ausgang des Krieges zunichte gemacht. Das Blatt „Cambana" sagt: Nach der Vernichtung der Timok-Division habe jetzt die Schuma- dia-Division, die man den Oesterreichern entgegenwarf, die furchtbarsten Berlnste erlitten. Der serbische Größenwahn ertrinke in einem wahren Blutstrom.
Mangel in den Balkanländern.
Nach streng verläßlichen Meldungen herrscht in Serbien größter Mangel an notwendigen Bedarfsartikeln, deren Preis bereits auf das Sechs- bis Achtfache gestiegen ist. Auch in Bulgarien und Rumänien nmcht sich ein empfindlicher Mangel fühlbar. Für Industrie- artikel werden die höchsten Preise geboten. Lebensmittel sind genügend vorhanden, Gologeld ist nirgends zu sehen.
Cattaro soll bombardiert werden.
Nach Meldungen aus Bordeaux gab der Marine- minister bekannt, daß die französische Flotte in Antivari schwere Artillerie gelandet habe, die unter Befehl eines Fregattenkapitäns steht. Die Geschütze sollen auf dem Berg Lowtschen nördlich von Cetinje aufgestellt werden, damit man von dort aus zur energischen Beschießung der Forts von Cattaro schreiten kann.
Lttgenmeldnngen unserer Feinde.
„ Die Köln. Ztg. meldet aus Berlin: Die aus französischen Quellen verbreitete Nachricht, der Papst habe bei Kaiser Wilhelm oder der deutschen Regierung Verwahrung wegen der Beschädigung der Kathedrale von Reims eingelegt, ist unzutreffend. Richtig ist, baß durch den preußischen Gesandten bei der Kurie der Papst über den wirklichen Sachverhalt unterrichtet worden ist.
Die vom Meldedienst der englischen Marconistation Poldhu gebrachte Nachricht, daß der russische Kreuzer „Baljan" in der Ostsee einen deutschen Kreuzer und zwei deutsche Torpedoboote zum Sinken gebracht habe, ist erfunden.
__ Rußlands Lügenkampf.
Rußland gibt eine offizielle Feldzeitung für seine Soldaten heraus. Diese strotzt von Lügen. Einige Proben gibt der Kriegsberichterstatter Rudolf von Kochützki im C. T. Er schreibt u. a.: In jeder Nummer dieser Feldzeitung wird im Posaunenton behauptet, daß es die Mission Rußlands in diesem Kriege sei, die Kreiyeit (die moskowitische Freiheit) gegen deutsche Unterdrückung, die Zivilisation (die russische) gegen deutsche Barbarei, den Fortschritt (nämlich den russischen) gegen die Unkultur zu verteidigen. Den Deutschen Kaiser bezeichnet man als „betrunkenen Mörder", sinnlosen Trunkenbold", „wahnsinnigen Cäsar, der die Völker in Blut ertränken will" und mit anderen nicht wiederzugeben- den Schimpfnamen, sodatz die russischen Soldaten sich an den Kopf faßten, wenn sie den Ostpreußen begreiflich zu machen suchten, daß nur ihr Kaiser an der Verwüstung ihres schönen Landes schuld sei. Der Berichterstatter fügt ein: Nikolai Nikolajewitsch, der Tu Dich in Jnsterburg — zu früh — „Majestät" anreden ließest: wie schlecht muß Deine Sache sein, daß Du solche Mittel anwenden läßt! Du kannst die Seele Deiner Truppen mit Haß füllen, aber nicht mit Mut. Du kannst Deine Generale zum Lügen zwingen, aber nicht zum Siegen. Du kannst mit aller Gewalt nicht erzwingen, daß Deine in den Krieg gehetzten Soldaten mit der gleichen Hingabe kämpfen, wie ein Volk, das sich seiner Güter und feiner Verantwortung bewußt ist und dessen Vertrauen zu feinen Führern die Jahrhunderte bewährt haben.
Ein schweizerischer Oberst gegen Berlenmdnngen des deutschen Heeres.
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leumduna des deutschen Heeres durch die franzosen- freundliche „Gazette de Lausanne" entgegen, wonach gefangene französische Aerzte der Roten Kreuz-Abteilung vor ihrem Uebertrttt über die schweizerische Grenze aller Gegenstände durch Deutsche beraubt worden wären. Nach dem Bericht des Platzkommandos von Basel, den der Generalstabschef veröffentlicht, hätten die Aerzte alle ihre Ehrenzeichen und Geld bet sich gehabt. Einzelne trugen ganze Bündel von Tausendfrankennoten bet sich. Verschiedene bestellten sich im Bahnhofsrestaurant die teuersten Champagnermarken.
Das schwedische Berteidiguttgsministerinm.
WTB. Stockholm, 26. September. Das zur Lösung der Verteidigungsfrage gebildete Ministerium Ham- marskjöld hat nach Erledigung seiner Aufgabe seine Aemter dem König zur Verfügung gestellt. Auf Wunsch des Königs behalten die Minister aber ihre Aemter.
Norwegen gegen die Antimilitaristen.
WTB. Christiania, 26. September. Für die Dauer der außergewöhnlichen Verhältnisse bestimmt ein Königliches Dekret Strafmaßnahmen gegen antimilitaristische Tätigkeit. Ausländer werden mit Ausweisung bestraft, wenn sie sich einer derartigen Tätigkeit schuldig machen.
Die griechische Flotte plant große Manöver.
WTB. Wien, 26. September. Die „Reichspost" meldet aus Bukarest: Nach Mitteilung aus Athen wird die griechische Flotte demnächst große Manöver abhalten, an denen auch Kronprinz Georg tetlnehmen wird.
Abenteuerliche Reise deutscher Freiwilliger aus Chile.
Berlin, 26. September. (Privattelegramm.) Der „Lok.-Anz." meldet aus Mailand: Gestern sind hier drei Deutsche aus Chile eingetroffen, die sich freiwillig stellen wollten. Ihre Reise über den Ozean war sehr abenteuerlich. Von Valparaiso aus überschritten eine Anzahl Reisender, weil während des amerikanischen Winters der Bahnverkehr eingestellt war, die Cordil- leren zn Fuß. Die Füße waren mit rohen Kamelhän- ten umwickelt, um ste vor dem Erfrieren zu schützen. Einer der Reisegenossen ist auf der Wanderung erfroren, einem anderen waren Gliedmaßen erfroren.
Indien und die Japaner.
Rom, 26. September. Der bisherige Dragoman der italienischen Botschaft in Tokio, der anch in Deutschland bekannte Professor Divetta vom Orientalischen Institut in Neapel, gibt sehr interessante Aufschlüsse über Indien. Danach sei Indien schon zur Zeit des russisch-japanischen Krieges mit Bildern des Mikado überschwemmt worden und die Japaner, die als asiatische Stammesgenossen und als Gegner der weißen Rasse gelten, wurden überall in Indien als Befreier Indiens bezeichnet. England mache deshalb ein sehr gewagtes Experiment, wenn es versuchen sollte, gegen einen indischen Aufstand japanische Truppen in Indien landen zu lassen.
China nimmt in England eine 2ü«-Millionen-Mark- Anleihe auf.
Einer Meldung der „Times" aus Peking vom 22. d. M. zufolge, wurde zwischen der chinesischen Regierung und der Firma Samuels in London ein Abkommen über eine Anleihe von zehn Millionen Pfund Sterling (ö. s. 200 Millionen Mark) unterzeichnet. Die Anleihe soll erst nach Beendigung des Krieges zur Ausgabe gelangen, und die Bedingungen sollen auch erst dann festgesetzt werden.
Die Wahrheit nach Amerika.
Breslan, 26. September. Das Berliner Auswärtige Amt entsandte den Professor an der Breslauer Universität Eugen Kühnemann, der als Austauschprofessor in Amerika sehr gefeiert wurde, nach den Vereinigten Staaten zur Aufklärung der öffentlichen Meinung. Kühne- mann ist nach der Bresl. Ztg. mit einem holländischen Dampfer bereits in Amerika eingetroffen.
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Das Ergebnis der Kriegsanleihe.
WTB. Berlin, 26. September. Durch rechtzeitig gesammelte, aber verspätet eingegangene Zeichnungen auf die Kriegsanleihen hat sich das Resultat noch um rund 70 Millionen Mark erhöht. Es sind also gezeichnet:
Reichsanleihe 3121001300 ^
darunter mit Schuldbucheintragung und Sperre bis 15. April 1915 1118 987 700 JK
Reichsschatzanweisungen 1339 727 600 JL zusammen 4 460 728 900
Die Zeichnung ist nunmehr geschlossen und sind vorstehende Ziffern daher als endgültig zu betrachten.
König Viktor Emanuel wiederhergestellt.
Rom, 26. September. König Viktor Emanuel ist von dem durch einen Sturz mit dem Pferde erlittenen Quetschungen am linken Bein wiederhergestellt.
Reichstagsabgeordneter Fürst Radziwill in russischer Gewalt.
Die russische Regierung hat nach dem „Pester Lloyd" den Führer der Polenpartei im Deutschen Reichstag, dürften Radziwill, dessen Verhaftung in Wolhynien gemeldet wurde, nach Petersburg gebracht, wo seine Aburteilung wegen Spionage erfolgen soll.
Ein österreichisches Heldenstück.
Die „Nowa Reforma" berichtet über das Gefecht bei dem Brückenkopf von Sieniawa an der galizisch-russi- schen Grenze: Auf österreichischer Seite standen drei Bataillone Infanterie mit drei Batterien und etwas Kavallerie, von russischer Seite waren zwei Korps mit schwerer Artillerie im Anmarsch. Wir hielten uns trotz der russischen Ueberrnacht bei geringen Verlusten drei Tage lang. Als die russische schwere Artillerie heran- rückte, gingen wir schrittweise über den Brückenkopf zurück und stellten uns in einer Entfernung von zwei Kilometern in gut gedeckter Stellung auf. Bald folgten die Russen, zuerst Kavallerie, dann eine Batterie und endlich ein Bataillon Infanterie. Wer nun über die von uns unterminierte Brucke ging,, wurde getötet. Gleichzeitig eröffneten wir ein Ma,ch,nengewehrfeuer, und von den schon über die Brücke gegangenen russischen Mannschaften konnten nur wenig entkommen.
Ein deutscher Ulanenstreich.
Die „Times" meldet aus dem Nordosten Frankreichs vom 22. September: Eine Abteilung Ulanen sprengte heute nachmittag die Brücke bei Miramont zwischen Amiens und Arras.
10 Jahre Znchthans für das unberechtigte Hissen einer weltzen Flagge.
Das Kriegsgericht in Kolmar beschäftigte dieser Tage ein Fall, der weiteren Kreisen zur Warnung dienen kann. Während eines Gefechtes in Diedolshausen wollte der Landwirt Petit Demane angeblich eine Beschießung seines Hauses abwenden, indem er eine Flagge in Gestalt eines weißen Tuches hißte. Wie er vor Gericht Glauben machen wollte, hatten ihn früher dort im Quartier liegende französische Soldaten auf ein solches Verfahren aufmerksam gemacht. Er mußte sein Vergehen mit 10 Jahren Zuchthaus büßen.
Das Meer gibt die Toten heraus.
Hamburg, 26. September. Aus Cuxhaven wird ge- meldet: Der schwere Sturm der letzte« Tage, her die
See tief aufgewühlt hat, hat mehrere Tot» aus her Tiefe des Meeres an den Strand geworfen. Dtet-ebn Tote sind bereits auf dem neuen Friedhof in Westerland der Erde übergeben worden. Ein Obermatrose von der „Cöln" ist auf dem Friedhof in Tömming beerdigt wor- den. Die Beerdigung erfolgte mit militärischen Ehren unter allgemeiner Anteilnahme der Bevölkerung.
Französische Franktireurs greifen einen Sanitätszug an.
WTB. Berlin, 26. September. Nach einer dem Chef des Sanitätswesens vorliegenden Meldung ist im Etappenbezirk eine Krankentransportabteilung, die mit der Herbeischaffnng verwundeter Franzosen beschäftigt war, am 23. September vormittags von französischen Franktireurs Überfällen morden. Sie verlor dabei an Verwundeten nnd Toten einen Oberarzt und sieben freiwillige Krankenpfleger.
Ein merkwürdiges Namenzusammentreffen, das an General Emmich, den Eroberer Lüttichs, erinnert, ist in Goldberg festzustellen. Ein Bürger der Stadt heißt nämlich Emmich nnd feine Frau ist eine geborene Lütt ich. Also auch der Goldberger Emmich hat seinerzeit ein(e) Lüttich erobert.
Lothringen nach dem Kamps.
Von Pfarrer E r n st Klein, Weißenburg i. E.
(Zur Veröffentlichung zugelassen vom Oberkommando in den Marken.)
Weithin in das Land hineinschauend, wie ein Vogelnest an einer Dachfirst, liegt Saarburg auf einer Höhen- rippe des Lothringer Landes. Und dahinter dehnt sich die breite ausladende lothringer Hochebene, immer wieder von solchen harten Stauten durchschnitten, von Wellenlinien, hinter denen die kleinen Dörfer mit ihren flachen Dächern sich ducken.
Schweigsam, wie das ganze £aud, liegen diese Dörfer, als ob ein schweres Erinnern, ein hartes Erleben ihnen den Mund verschlossen hätte. So sind auch die Menschen, die einem rauhen Boden in schwerer Arbeit einen kärglichen Ertrag »bringen. Um Saarburg her ist noch deutsch der Gruß: nach Beusdors und Mörchin- geu, nach Dieuze und Chateau-Salins ist französisches Sprachgebiet.
Hierher warf Deutschlaud eine Armee, die Hinter den Höhenlinien lag, als am 18. und 19. August Frank- reich seine Söhne sandte, um „Lothringen zu befreien". Heute lachen die Lothringer hart und höhnisch auf, wenn man» sie nach diesen Befreiern befragt, die Schuld daran find, daß die Kirchen in Schutt liegen, die Kirchen, auf deren Stürme französische Maschinengewehre geschafft worden sind: daß die Männer sterben und die Frauen aus den brennenden Dörfern flüchten mußten: daß auf Jahre hinaus ein furchtbares Erinnern durch die Träume der Kinder geleit wird.
Aus den Wäldern kamen sie herauf, Regiment au Regiment, und an einem Abend, durch den ein bleiches Erschrecken ging, zogen sie in Saarbnrg nnd Dieuze und Chateau-Salins ein, forderten sie in den kleinen Dörfern Brot und Wein und liehen Fenster und Türen öffnen, und bereiteten sich, die deutsche Armee zn empfangen. Nirgendwo ein jubelnder Zuruf,' kein Erinnern an das „alte Vaterland",' nirgendwo das Bewußtsein der wte= oeranfgerichteten Volksgemeinschaft. Lothringen kennt deutsche Kraft und deutsches Wollen seit mehr denn vierzig Jahren. Lothringen weiß etwas davon, wie zäh und still in diesen vierzig Jahren daran gearbeitet worden ist, die weite Ebene vor dem Feind im Westen zu schützen, der sie oft genug sah und oft genug ihrer begehrte. Der einfache Bauer, der in der Tür seines einsamen Gehöftes steht, weiß darum, daß die hinter den Höhen dort oben stehen, Lothringen nicht hergeben werden; daß die Flut, die von Westen kam, dort anprallen und dort brechen wird, daß Blut fließen wird, nnd durch die Wälder wür= den die Franzosen wieder znrückztehen, geschlagen, gebrochen — und auf den Kasernen, die dort oben liegen, wird wieder die deutsche Fahne wehen. Er weiß das,' darum wundert ihn das Lächeln des kleinen Leutnants, der seinen Leuten erzählt, daß von Saarburg der Weg nach Straßburg geht. Er sieht erstaunt die Sorglosigkeit dieser Jugend, der man nichts davon erzählt hat, daß Deutschland schwur: Nie wieder geben wir dies Land her, nnd daß Deutschland nie diesen Schwur vergessen wird. Der lothringer Bauer aber hörte ihn, nnd als die Marschkolonnen durch das Land zogen, daß der Boden dröhnte, sah er und wußte er: Deutschland kann, was es will.
(Erstaunt sah man auch in Saarburg wie der „Befreier" an sein Werk ging. Daß er mit einer Dirrch- suchung der verlassenen Osfizierswohnungen begattn, wo Türen erbrochen, Schubladen durchwühlt, Wasche zerstreut wurde, daß im Archiv des Ätutsm!rtchts die Sitten auseinander gerissen und die Arbeit, die sorgsame und mühsame Arbeit von Jahretl zertreten wuroe, machte einen eigenen Eindruck. Ich sah noch in den ersten Sep- tembertagell zerbrochene Ärceskästell und — zertrümmerte Automaten, die Spuren des kindischen Gebarens einer Soldateska, deren erste Tat die Zertrümmern»» einer wohltätigen Ordnung war. Und hinter den Höhen warteten die deutschen Regimenter, Landwehrmänner aus Mitteldeutschland und Bayern, Badener, Württem- berger, Hessen, Elsaß-Lothringer, nnd ein Wille war in allen: das Land rein zu fegen mit eiserner Faust.
Drei lange furchtbare Tage wätjrte die Arbeit. Von Bispingen, über Saarburg und Bensdorf bis nach Metz hin brüllten die Höhen auf. Das Land wand sich wie in einem entsetzlichen Todeskalnpf. Ueber Saarburg wca • pfiffen die deutschen Granaten und mit einem eigenen Gefühl ward das Kommando gegeben: Richtlitiie die Ulanenkaserne,l auf der Höhe links. An, 21. August war die Arbeit getan. Das Lothringer Land war retngefegt. Deutsche Truppen betraten französischen Boden — und der Baner stand in dem Tor seines einsamen Gehöfts und sah die deutschen Fahnen droben von den Höhen wehen, — und kehrte um und stand zwischen gebrochenen Mauern, unter Trümmerhaufen und fußhohen Aschen- hügeln: und rief Weib und Kinder aus dem Keller — und die Kinder schrien, als sie die Verwüstung sahen.
Wie sah das Land aus? Die Dörfer, die kleinen Städte nach dem dreitägigen Ringen.
^ Föhen kam ein jauchzendes Rufen und das blutende Land erwachte aus der Erstarrung: die Arbeit war getan. Lothringen blieb Deutsch. Sie wuß- ten s, sie spürten's, daß bis »um letzten Dorf der Mark bin, daß bis in die bayrischen Wälder hinein ein Hurra brauste —. und sie gingen über die Felder, durch die Schützengraben, am Straßenrand hin, in die zerstörten Häuser hinein — und trugen die Toten zusammen: Bayern, Württemberger, Badener, Preußen, Kinder die- icS Landes — und trugen die Verwundeten in enge Schulstuben, in Fabrikhallen, in die großen und luftigen Lazarette Saarburgs,' und als zwei Tage vergangen waren, lag das Land wieder still. Die Toten waren be- graben, das große Leichenfeld war aufgeräumt. Und die Nacht kam und vom Horizont hob sich die Silhouette der Kirche ab, deren Turm zerschosien, deren Wände ein- gebrochen waren, und dunkel stand an der weißen Wand ein Blutfleck dort, wo Maria ihren toten Sohn in den Armen halt — den steinernen Christus hatte eine Granats in Stücke gextssen.