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Unveränderte Lage aus dem westlichen Kriegsschauplatze.

u 9 und die Engländer. Die Niederlage der Serben. Kämpfe in Südwest.

WTB. (Amtlich). Großes Hauptquartier, 24. Sep­tember, abends. Auf dem westlichen Kriegsschauplatze sind heute im allgemeinen keine wesentlichen Ereignisse eingetreten. Einzelne Teilkämpfe waren den deutschen Waffen günstig.

Aus Belgien und vom östlichen Kriegsschauplatze ist nichts Neues zu melden.

Wenn es in der seit vielen Tagen andauernden Schlacht im Westen lediglich darauf ankäme, darauflos zu stürmen und den Gegner aus seinen festen Stellun­gen zu verjagen, dann Hätten wir vielleicht schon lange von einem siegreichen Sturm unserer Infanterie ge­hört. Aber ein allgemeiner Rückzug des Gegners hin­ter die Marnelinie oder gar aus noch stärkere Befesti­gungen hätte für unsere Armeeleitung gar nicht den Er­folg, den sie offenbar sucht und für die Herbeiführung einer wirklich entscheidenden Schlacht auch notwendig braucht. Es gilt eben diesmal, den Feind zu fassen und zu schlagen, daß wir dadurch nicht nur die Schlacht, son­dern den ganzen Feldzug gegen Frankreich in seinem schwersten und wichtigsten Teil gewonnen haben. Das kann bei einer so ungeheuer großen Schlachtfront und bei der Riesenzahl von Kämpfern nur durch eine sehr große Zahl von Einzelzügen erreicht werden, durch eine Kombination von Einzelgedanken, deren Ausführung gewissermaßen konzentrisch wirken muß. Irgend ein Vergleich mit Schlachten der Vergangenheit ist unmög­lich. Was nur über die einzelnen Abschnitte der Kämpfe bisher gemeldet worden ist und vor allem, was auch jetzt wieder bekannt gegeben wurde, berechtigt zur größten Zuversicht und wir dürfen auch heute wieder sagen: es stellt uns den endgültigen Sieg in sichere Aussicht.

Amtlicher französischer Bericht über die Lage.

WTB. Paris, 25. September. (Amtlich). Die Lage ist unverändert. Eine beigefügte Skizze erklärt, -atz die Schlacht auf einem großen Teil der Front den Charakter eines Festungskrieges angenommen habe, wodurch die Langsamkeit des Vorrückens begreiflich erscheine.

Ein italienischer Bericht über die Kämpfe bei Paris.

Rom, 25. September. Der Kriegsberichterstatter -es Mailänder „Carriere della Sera" bringt in anziehender Weise vom Schlachtfelde folgenden Bericht: Einen über­aus pitteresken Anblick machen die marokkanischen Trup­pen in ihren bunten Bildern. Die Armen leiden sehr unter der Kälte und schützen sich vor -em Winde, indem sie fröstelnd in dichten Gruppen hinter Mäuerchen stehen. Sie sind wie die Hnn-e, die anf den Befehl ihres Herrn warten, um sich auf diejenigen zu stürzen, anf die man sie hetzt. Von Zeit zu Zeit platzt ein Hagel deutscher Schrapnells in dichtester Nähe und -er Pulver-amvf hüllt alles in Nebel. In der Richtung von Soissons ist vollends die Hölle los. In Billenenve haben die Eng­länder schwere Artillerie aufgefahren nnd bald treten die sogenannten Long Toms in Aktion. Aber schon hat eine deutsche Batterie sie entdeckt und überschüttet sie mit dämonischem Feuer.

Die Beschießung von Nancy.

Ueber die Beschießung von Nancy wird von einem Bewohner der Stadt, der sich nach Paris geflüchtet hat, der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge das Folgende berichtet:

„Unter dem Schutze einer stürmischen Nacht hatten die Deutschen einige Geschütze ganz nahe an Nancy ge­bracht. Es mochte 11% Uhr nachts sein, als das erste Geschoß nach einem charakteristischen Pfeifen über uns explodierte. Die meisten Bewohner schliefen. Die ver­stört aus dem Schlafe Gerissenen glaubten, es handle sich um einen gewaltigen Blitzstrahl und es wüte ein Sturm, den heftige Regengüsse und Blitze begleiteten. Da aber hörte man neues Pfeifen und eine neue Explosion. Kein Zweifel mehr darüber, daß es sich wirklich um eine Beschießung handelte. Alles, was Klugheit in ei­nem solchen Augenblick raten konnte, wurde getan. Man erhob sich aus den Betten und wem es möglich war, der verbarg sich im Keller. In sicherem Versteck ließ man den Schreck vorübergehen. Die Schüsse sielen nach­einander zwei und zwei, ° gewissermaßen Schallschüsse. Der erste explodierte mit betäubendem Knall, der andere etwas gedämpfter. Von Zeit zu Zeit brach eine Mauer ein oder stürzte ein Dach herab. Ungefähr 50 Geschosse erhielt Nancy, die im Verlaufe von 1% Stunden ab­geschossen wurden. Nachdem die Beschießung einige Stunden vorüber war, ging die Bewohnerschaft durch die Straßen, um neugierig die Wirkung der Geschosse zu betrachten und ohne der Gefahr zu achten, die sie da­bei liefen. Hier und da waren Brände ausgebrochen. Eine Bürstenfabrik brannte, ebenso eine überdachte Markthalle. Etwa 10 Personen, die von Granaten ge­troffen waren, wurden tot in den Straßen gesunden.

Mehrere Personen, die sich in einen Keller hatten retten können, mußten hinausgehen, weil ein Wasserleitungs­rohr brach und sie in Gefahr gerieten, zu ertrinken.

Militärische Aufklärung in Frankreich.

Einen klassischen Beweis, wie die Franzosen und ihre Presse über die militärische Lage aufgeklärt wer­den, liefert das große Provinzblatt „Est Republique" in Nancy, das in folgenden, von der „Voss. Ztg." mit­geteilten Phrasen das Ergebnis einer eineinhalbmona- tigen Kriegsführung enthält:

Frankreich hat seine Mobilisation in prachtvoller Ordnung durchgeführt. Es hat nicht ein einziges Miß­geschick, nicht eine endgültige Schlappe erlitten. Ge­zwungen, im Norden der Uebermacht zu weichen, hat es einen Rückzug bewerkstelligt, der es weiter nicht ins Fleisch geschnitten, noch ihm den Mut genommen hat. Es hat sich so fest entschlossen vor Paris gezeigt, daß sich der Deutsche davon abgewandt hat. Endlich hat es die Offensive wieder ausgenommen, und durch eine Reihe von Siegen, die die Bewunderung unserer Feinde und der Welt erregen, den Eindringling gezwungen, 100 Kilometer zurückzuweichen. Das ist das Ergebnis. Die Aufgabe ist schwer durchzusühren, und es bedarf dazu noch vieler Arbeit. Aber die Abrechnung am Jahres­schluß scheint keine schlechten Aussichten zu haben.

Neble Zustände in Bordeaux.

Der französische Abgeordnete Brousse, ein Republi­kaner aus dem Departement Ostpyrenäen, veröffentlicht in dem dortigen Lokalblatt einen sehr interessanten Ar­tikel. Aus Furcht vor dem sehr strengen Minister des Innern wurde jene Zeitung beschlagnahmt. Die Pa­riser „Action francaise" wußte sich aber die Nummer zu verschaffen, und veröffentlicht daraus etliche Stellen, aus denen der „Bert. Lok.-Anz." einige Stellen wiedergibt. Herr Brousse erzählt, wie es in den Nacht- und Morgen­stunden im Restaurant „Zum feisten Kapaun" zugeht, wo man genau wie zur Glanzzeit des Pariser Maxim auf den Tischen die verwegensten Tanzkunststücke aus- führt, während unten auf der Straße das Dienstauto­mobil wartet, dessen Inneres frisch aus Nizza einge­troffene Marschall-Niel-Rosen schmücken.

Frankreichs Finanznot.

Auf Anordnung der französischen Regierung suspen­dierte der Credit Lyonnais die Auszahlung der am Frei­tag zahlbaren Teildividende für das erste Halbjahr auf seine Aktien.

Auch in London spürt man es sehr, daß kein Bank­leben in Paris herrscht. Das französische Moratorium sei gerade noch im rechten Augenblick gekommen, sonst hätte die Pariser Handelswelt einen Zusammenbruch erlitten.

Die Flottille auf der Seine.

Genf, 25. September. Seit einigen Tagen kann man in Paris von der Alexanderbrücke aus eine kleine Flot­tille sehen, die beim Grand Palais liegt. Auch befinden sich dort 5 Schleppdampfer, die mit Eisenblech gepanzert und armiert sind. Die Steuermannshäuschen hat man mit Hilfe von Panzerplatten in eine Art Blockhäuser umgewandelt. Als Armierung dienen kleine Revolver­kanonen und Maschinengewehre. Die Mannschaft der Flottille besteht aus Franzosen der Marine. Jeden Nach­mittag stellt sich aus der Älexanderbrücke ein zahlreiches Publikum ein, um die Flotte manövrieren zu sehen.

Welche Aufgabe sollen die „mit Eisenblech gepan­zerten" Flußkanonenboote denn erfüllen?

Vom siegreichen Heere Hindenburgs.

Die „Königsberger Hartungsche Zeitung" ver­öffentlicht folgenden in Jnsterburg am 15. September erlassenen Tagesbefehl des Generalobersten v. Hinden- burg an seine Ostarmee:

„Soldaten der 8. Armee! Ihr habt neue Lorbeeren um Eure Fahnen gewunden. In zweitägiger Schlacht an den masurischen Seen und in mehrtägiger rücksichts­loser Versolgung durch Littauen hindurch bis weit über die russische Grenze hinaus habt Ihr nun auch die letzten der beiden in Ostpreußen eingeörungenen feindlichen Armeen, die aus dem 2., 3., 4., 20., 22. Armeekorps, dem 3. sibirischen Armeekorps, der 1. und 5. Schützenbrigade, der 53., 54., 56., 57., 72. und 76. Reservedivision, der 1. und 2. Gardekavalleriedivision bestehenden Wilnaer Armee nicht nur geschlagen, sondern zerschmettert. Bis jetzt sind mehrere Fahnen, etwa 30 000 unverwundete Gefangene, mindestens 150 Geschütze, viele Maschinen­gewehre und Munitionskolonnen sowie zahllose Kriegs- fahrzeuge auf den weiten Gefechtsfeldern aufgebracht worden. Die Zahl der Kriegsbeute nimmt aber immer noch zu. Eurer Kampfesfreudigkeit, Euren bewunde­rungswürdigen Marschleistungen und Eurer glänzenden Tapferkeit ist dies zu danken. Gebt Gott die Ehre, er

wird auch ferner mit uns sein. Es lebe Seine Majestät der Kaiser und König! xi ^ '

^er Oberbefehlshaber:

v. Hindenburg, Generaloberst."

Rußlands verlogene Diplomatie.

Zur Kennzeichnung der hinterhältigen Politik des Herrn Ssasonow gegenüber Rumänien liefern die „Ber­liner Neuesten Nachrichten" einen interessanten Beitrag. Sie erfahren von zuverlässiger Seite, daß russische Ein- S mit besonderer Lebhaftigkeit an der Arbeit sind

Chef der republikanischen Partei in Rumänien, dem äußerst energischen Franzosen Stirbey, auf einen Sturm gegen die Monarchie hinznwirken.

Franzosen Stirbey, auf einen chie hinznwirken.

Worauf man in Rutzlarch gefaßt ist.

Der Korrespondent des „Daily Telegraph" in Mos­kau erfährt: Moskau empfängt ungefähr 5000 Verwun­dete täglich und ist vorbereitet, im Laufe des Krieges ungefähr eine Million (!) zu empfangen. Man ist da­ran gewöhnt, jeden Augenblick die Straßenbahn lang­sam vorbeifahren zu sehen. Der erste Wagen ist mei­stens voller Leichtverwundeter, der zweite hat ungefähr 20 Betten mit Schwerverwundeten. Der Dichter Maxim Gorki ist bei dem Roten Kreuz tätig. Viele Schulen und Kirchen sind als Lazarette eingerichtet worden. Der Korrespondent hat mit Russen, die in Ostpreußen ver­wundet wurden, gesprochen. Diese erzählten Über ihre Eindrücke während des Krieges und sagten: Deutschland ist ein schönes Land. Das ist kein Vergleich mit unseren armen Dörfern.

Was „U 9" den Engländern an Material­schaden anrichtete.

Es ist natürlich nicht möglich, genau festzustellen, wie hoch der Wert der vernichteten drei englischen Kreuzer ist. Es dürfte aber keineswegs übertrieben sein, wenn man annimmt, daß England durch die Hel­dentaten des „U 9" einen Verlust von 60 Millionen Mark erlitten hat. Demgegenüber stehen die drei Tor­pedos, die einen ungefähren Wert von 30 000 Mark be­deuten.

Die Namen der drei englischen Kreuzer zeigen übrigens, daß im Jahre 1900 die Liebe zu den jetzt ver­bündeten Franzosen nicht allzu groß gewesen sein muß, da diese ganze Klasse nach Land- und Seesiegen der Engländer über die Franzosen benamst wurde: „Aboukir" — der Sieg Nelsons am 1. August 1798 über die französische Flotte und Abercrombys am 25. Juli 1799 über deren Armee unter Firant führten zum Verluste Aegyptens. „Crecy en Ponthieu" — Der Sing Eduard in. am 26. August 1346. Damals gab es in England noch Ritter, und diese siegten über die Franzosen in blutigem Ringen. Und endlich, bei dem „Cap de la Hogue", am Noröwestenöe der Halbinsel Cotentin, schlugen die vereinigten Engländer und Holländer am 3. Juni 1692 nach viertägigem schwerem Kampfe die Flotte Ludwigs XIV. unter Tourville.

Eigentlich müßten unsere Gegner uns recht dank­bar sein, daß wir diese unangenehmen „Erinnerungen" so schön in die Nordsee versenkt haben.

Urteile der englischen Presse.

WTB. London, 25. September. Die englischen Zei- j tungen besprechen fön Untergang der Kreuzer. Sie be«-^ klagen mehr den Verlust der Mannschaft als der Schiffe, die einem älteren Typ angehört hätten. Die Blätter betonen, daß England ebenfalls mehr Gebrauch von Unterseebooten und Minen machen müsse. „Manchester Guardian" sagt: Man darf den Verlust der Schiffe nicht leicht nehmen. Hätten englische Unterseeboote in weni­gen Minuten drei Kreuzer zerstört, so hätte man das eine brillante Leistung genannt.

Die „Emden" bombardiert Madras.

WTB. London, 25. September. Reuter meldet amt­lich aus Kalkutta: Der deutsche Kreuzer „Emden" er­schien vor Madras und schoß zwei Oelbehälter in Brand. Englische Forts beantworteten das Fener. Die „Em­den" löschte ihre Lichter und verschwand in der Dunkel­heit.

Madras liegt am Golf von Bengalen zwischen Vorder- und Hinterindien und hat einen großen be­festigten Hafen.

Verlust eines englische« Unterseebootes.

Frankfurt a. M., 25. September. Die „Frkf. Ztg." meldet aus London: Ein Bericht des Vizeadmirals Pa- tey von der australischen Marine bestätigt, daß das Un­terseeboot „A E 1", eins der größten und modernsten Unterseeboote der englischen Marine, mit 34 Offizieren und Matrosen, gesunken ist. Es hatte einen Torpedo-

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Ein Utelfteweti.

Roman von Paul Veye.

(Nachdruck verboten.)

„So geh'," sagte er resigniert. „Ich weiß, es ist eine ungeheure Torheit, daß ich Dir nachgebe, aber — o Dalia, Dalia!" schloß er seufzend.

„Wer ist Dalia?" fragte Nina neugierig.

Auch so eine Hexe wie Du, die ihre Macht über ihren Geliebten zu seinem Schaden mißbrauchte."

„Das tu' ich nicht, ich bewahre Dich nur vor etwas, das Du später bereuen würdest," erklärte sie weise. Das klang nun wieder so kindisch, daß er unwillkürlich hell auslachen mußte.

^.Gottlob, sie war doch in allen Punkten so klug und entschlossen, wie sie sich ihm eben gezeigt hatte.

17. Kapitel.

rief Nina, als sie von ihrem Aus- gang zurückkehrte, schon auf der Schwelle triumphierend

„Sie schickt ihn? Wie? Wer?" fragte Frank. im&"kinciS ?E Mann. Sie ist sofort nam seinem Gasthaus gesahren, um ihm alles zu saaen und wenn sie ihn dort antrifft, so kann er in einer Stunde hier sein. Die arme Conce ta war so erf^ als ich ihr Deinen abscheulichen BAe^ machte sich doch sofort auf, um ihren Mann zu benach­richtigen. Bist Du nun zufrieden, Frank?""

Er zuckte die Achseln. „Es bleibt doch imm^r noch abzuwarten, ob er kommt." J 1

Es erwies sich jedoch, daß Nina richtig prophezeit hatte. Kaum eine Stunde war verflossen als es an die Türe pochte und auf Franks „herein" ein Herr und eine Dame eintraten - das Ehepaar Gargiulo- Concetta hatte es sich nicht nehmen lassen, ihren Gatten zu be" gleiten. Sie war sehr blaß und vermochte sich nur mit Mühe aufrecht zu erhalten, im Gegensatz zu Gargiulo,

der finster und stolz, in fast drohender Haltung dastand. Frank war erstaunt über die vornehme und edle Er­scheinung der beiden und, ohne es selbst recht zu wissen, fing er gleich bei ihrem Anblick an, Partei für sie zu nehmen.

„Sie haben mich sprechen wollen, Signor," sagte Gar- giuw rurz, „ich stehe zu Ihren Diensten."

Der Amerikaner lud das Ehepaar ein, Platz zu nehmen, und Concetta ließ sich daraufhin wie erschöpft auf den nächstbesten Stuhl fallen, aber ihr Gatte blieb neben ihr stehen.

„Sie wissen selbstverständlich, um was es sich handelt, Signor Gargiulo," begann Frank, „und ich mache Sie darauf aufmerksam, daß es in Ihrem eigenen Interesse liegt, mir wahrheitsgetreu zu antworten, denn —"

Eine Handbewegung Gargiulos unterbrach ihn. „Es bedarf dieser Mahnung nicht, Signor. Ich wüßte nicht, was es für einen Zweck haben sollte, Ihnen etwas vor- zulügen, in Ihrer Hand bin ich ja auch so . Also bitte, fragen Sie."

Bei dem Verhör, dem der Detektiv den bedauerns­werten Mann unterzog, erfuhr er, was der Leser bereits weiß, nämlich, daß Gargiulo das Relief hatte vernichten wollen, um den Nachforschungen nach seiner Echtheit vorzubeugen.

„Aber wie konnten Sie," sagte Frank, nachdem jener geendet, „Sie, der nach allen Aussagen ein lebhaftes Ge­fühl für Recht und Unrecht besitzt, sich einen solchen Be­trug zuschulden kommen lassen?"

„Sie sind nicht mein Richter, Signor," erwiderte Gargiulo finster. „Für Sie genügt es zu wissen, daß ich es tat. Dasür können Sie mich anzeigen, wenn es Ihnen beliebt, aber Ihnen auf diese Frage zu antworten, dazu verpflichtet mich nichts."

„Er tat es, weil ich ihm keine Ruhe ließ, weil wir vor dem Ruin standen und ich mich vor der Not fürchtete," rief Concetta leidenschaftlich dazwischen.

„Nur um meinetwillen hat er es getan — mein Vater und ich sind schuldig, aber er —"

„Laß' das doch, Kind," fiel er ein. „Was kommts darauf an? Ihr beide hattet kein Empfinden für das Unrecht, das in der Tat lag und ich hatte es, also war die Schuld mein." Er stand da, die Augen auf den Boden gerichtet und nagte an der Unterlippe, aber kein Muskel in seinem Gesicht zuckte.

Eine Pause entstand. Dann fragte Frank: „Und was meinen Sie, was ich jetzt tun soll, Signor Gar­giulo?"

„Was Sie tun sollen, weiß ich nicht, nur was Sie vermutlich tun werden — den Fall anzeigen."

Der Amerikaner ärgerte sich über diese kurzen Ant­worten, die er für trocken und verstockt hielt. Trotzdem konnte er nicht umhin, eine gewisse Bewunderung vor dieser hochmütigen Schroffheit zu empfinden, die Gargi­ulo hinderte, ihm auch nur ein gutes Wort zu geben.

„Nun, so will ich fragen," fuhr Frank fort, „was würden Sie an meiner Stelle tun?"

„Ich kenne Ihren Beruf mit seinen Pflichten zu wenig, um mich in Ihre Lage zu versetzen."

„Signor Gargiulo," rief Frank ungeduldig, „reizen Sie mich doch nicht, indem Sie auf meine wohlgemeinten Absichten so ganz und gar nicht eingehen. Sie machen es mir wahrhaftig schwer, Gnade vor Recht ergehen zu lassen."

„Habe ich denn schon gesagt, daß ich Gnade verlange?" fragte Gargiulo mit funkelnden Augen. „Wenn Sie es meinen verantworten zu können, einen Mann, der so schwer gebüßt und gelitten hat, wie ich, und davor steht, in einem neuen Leben seine Schuld zu tilgen, ins Ver­derben zu stürzen und mehr als das — denn was liegt schließlich an mir? — seine Frau und Kinder zu ver­nichten, so tun Sie es. Wenn Sie uns frei von Sannen ziehen lassen, so werde ich Ihnen dankbar dafür sein, aber bitten kann ich Sie nicht darum. (Forts. folgt.)