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Teilerfolge zu großen Siegesdepeschen aufzuvauschen. Dem deutschen Volke wird in nüchterner, jeder Ruhm- re&iafcit baren Sprache nur etwas gemeldet, wenn wirk­lich Operationen von Belang abgeschlossen sind. Das entspricht dem deutschen Volkscharakter, dem Worte nichts, Taten und Erfolge alles sind. Das deutsche Volk bedarf auch nicht täglicher Siegesmeldungen, um zum Durchhalten angespornt zu werden. Jeder weiß bei uns, daß das große Ringen nicht so bald zu Ende sein wird, ehe unsere ®eaner niedergerungen sind. Auch längere Pausen im Nachrichtenzuflutz haben das Ver­trauen zu unserer Heeresleitung und die Zuversicht auf einen endlichen Sieg nicht erschüttern können. Dieses Vertrauen, das jeder in der Heimat den Führern drau­ßen im Felde und den tapferen Truppen entgegenbringt, ist deshalb auch so festgewurzelt, weil jeder weiß, daß ihm nichts verschwiegen wird.

Und gerade in diesem Punkte scheint unser westlicher Geaner seine Bevölkerung auf eine harte Probe zu stel­len. Nicht eine einzige Verlustliste ist bis jetzt in Frank­reich erschienen, und über die Erfolge, die wir in den ersten Wochen erzielt haben, hat das französische Volk bis jetzt noch nichts erfahren. Das muß sogar mit Be­dauern und mit einer gewissen verhaltenen Entrüstung der Berichterstatter derTiines" feststellen. Nnr Siege und immer wieder Siege werden in Frankreich gemeldet. Um so größer wird dann die Ernüchterung werden, wenn wirklich einmal die Wahrheit durchdringt und wenn erst einmal bekannt werden wird, welche unge­heuren Opfer das französische Heer an Toten und Ver­wundeten und Gefangenen bisher hat bringen müssen.

An den Gefechten, die in den letzten Tagen vor Antwerpen stattgefunden haben, hat auch eine aus deut­schen Marinesoldaten und Matrosen zusammengesetzte Marinedivisio» teilgenounnen.

Die«tpfe bei Soissons.

Aehnlich wie dieDaily News" über die Kämpfe bei St. Thierry berichtet jetzt dieTimes" über die Kämpfe bei Soissons. Der Bericht enthüllt wie die Voss. Ztg." mitteilt die fnrchtbar schwierige Lage der verbündeten Engländer und Franzosen und gibt die entsetzlichen Verluste zu, die unsere meisterlich operie­rende mutierte ihnen zugefügt hat.

Der Kampf war im wesentlichen ein Artillerieöuell, das das ganze Flutztal zu einer wahren Hölle machte. Sehr wirksam erwiesen sich die deutschen Scheinwerfer, die der Artillerie die feindlichen Bewegungen verrieten. Die ganze Nacht auf den 14. September fiel ein Gra- natenrege» über die Verbündeten. Am Montag beschoß die deutsche Artillerie die Höhen. An vielen Stellen mußte der Feind zurück. Jetzt erst begriffen die Ver­bündeten, daß sie sich täuschten, als sie in den neuen Kämpfen ein deutsches Rückzugsgefecht vermuteten. Der Bericht schildert ine ausgezeichnete Verschanzung der Deutschen. Ohne die Aufklärung der Flieger hätten die Verbündeten niemals die deutschen Kanonen festzustellen vermocht. Die mangelnde Orientierung machte den Verbündeten die Lage besonders schrecklich. Bis Don­nerstag dauerte der Kampf fast ununterbrochen fort. In der Mittwoch nacht war der Angriff besonders ent­setzlich.

Lange Eisenbahnzüge Schwerverwundeter legen Zeugnis davon ab. Lawinengleich stürzten die Deutschen nur vie ^emoe, unaufhaltsam und mit vollkommener Todesverachtung. Erfahrene Soldaten erklärten, bei den Operationen an der Aisne gebärden sich die Soldaten des Kaisers als Meister der Kriegsknnst. Ein franzö­sischer Verwundeter bekannte, während dieser Kämpfe habe er die furchtbarsten Stunden verbracht.

Nachrichten von der Westfront.

Rotterdam, 24. September. Ein Commnniquee der französischen Gesandtschaft bezeichnet die Lage der Schlacht an der Atsne als ««verändert. Aus Antwerpen wird ein ernentes Vordringen deutscher Truppen nach Nordbelgien gemeldet. Bei Ostende fanden Gefechte statt: die Grenzstratzen von Holland nach Deutschland sind deutscherseits auf drei Tage gesperrt, da anscheinend große Truppentransporte nach Belgien nnterwegs sind.

Der Dom von Reims im Feuer.

WTB. Großes Hauptquartier, 23. September. (Amt­lich). Der Oberkommandierende der bei Reims kämp- fenden Truppen hat der obersten Heeresleitung folgen­des gemeldet:

Wie nachträglich festgestellt ist, ist auf die Kathedrale von Reims auch ein Mörserschuß abgegeben worden. Nach Meldung des Armeekorps ist das notwendig ge, wese», weil es nicht möglich war, mit Feuer der Feld­artillerie die denttich erkannte Beo-achtnngsstelle von der Kathedrale z« vertreiben.

Französischer Ueberfall auf deutsche Verwundete.

Der obersten Heeresleitung liegt folgende Meldung eines Infanterieregiments vor: Bethencourt, 10. 9.1914. Am 8. September sind zwei Automobile mit Verwunde­ten, die die-Genfer Flagge führten, im Forst Dominiales von einer französischen Radfahrer-Abteilung unter Füh­rung eines Offiziers Überfälle« worden. Verwundete und Führer wurden ermordert nnd beraubt. Nur noch zwei Mann sind verwundet entkommen und haben die Angaben dem Stabsarzt ihres Bataillons gemacht, der sie der Sanitätskompagnie in Gondreville übergab.

Die Lage in Antwerpen.

Christiania, 24. September. In der ZeitungAf- tenposten" heißt es in einer Schildernng Antwerpens: Beinahe jeder zweite Mann auf der Straße ist in Uni­form. Die ganze belgische Armee, etwa 200 000 Mann, ~ >ter ge-

lagert um die Stadt. Um 8 Uhr werden alle Lich

löscht, wegen der Zeppelingefahr. Der Feind ist nnr etwa drei Meilen entfernt. Man hört den Kanonen­donner. Viele Lente haben ihr ständiges Onartier in den Kellern.

Wie sich Maubeuge ergab.

Der österreichische Festungsartillerieleutnant Dr. Hans Stieglandt war einer der Tapferen, die vor Mau- beuge die österreichischen Mörser bedienten. Er richtete fein an seine Wiener Angehörigen einen Brief, den das Neue Wiener Tagblatt" veröffentlicht und dem folgende Stellen entnommen seien:Am 5. September gegen 4 Uhr nachmittags kam ein französisches Automobil mit weißer Fahne in das deutsche Hauptquartier und fragte den Oberstkommandierenden, einen prachtvollen alten Haudegen, ob er unter gewissen Bedingungen die Ueber- gabe der Festung annehmen würde. Da schlug aber der deutsche Befehlshaber mit der Faust auf den Tisch und rief:Was, Bedingungen? Bedingungslos bis sechs Uhr abends, oder ich schieße die ganze Bude in Grund und Boden!" In begreiflicher Erschütterung ist darauf­hin der Franzose abgezogen. Nun hat man nicht ge­wußt, ob der Oberstkommandierende sechs Uhr nach französischer oder nach deutscher Zeit gemeint hatte. Als es nach deutscher Zeit 6 Uhr war. wurde es iedock klar, welche Zeit der Konrmanoeur gemeint 1 befahl die Fortsetzung der Beschießung. Kaum hatte diese aber eingesetzt, als auch schon in rasender Fahrt ^».dllsto mit der weißen Fahne aus Maubeuge heraus- rn»hn^v\.Slommanbant nahm den Brief, den der Par- m«'E«^ überbrachte, entgegen und sagte nichts weiter lofc'ttfteS und damit war die bedingungs- l . uevergabe von Maubeuge angenommen."

ir war, wurde es jedoch klar, eur gemeint hatte, denn er

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Stieglandt schildert dann die durch die Beschießung hervorgerufene Zerstörung und den Abzug der Be­satzung.Als die Engländer vorüberzogen," schreibt er, schrien wir alle auf vor Wut, denn wie soll nicht alles wahren Haß gegen die Engländer, diele infamen Ver­räter am Germanentum und an der weißen Rasse über­haupt, empfinden/

Rußland betrachtet die Lage als ernst.

Frankfurt a. M., 24. September. (Privattelegramm.) DieFranks. Ztg." berichtet ans Zürich: Nach dem Rjetsch" hat Graf Witte in Odessa mit Journalisten eine längere Konferenz gehabt. Er sagte, die Lage sei sehr ernst. Die Journalisten sollten alles

völkernng auf möglicherweise eintretende Verlagen vorznbereiten.

Deutsche Fliegerbriefe an die russischen

tun, die Be­schwere Nie-

Trappen.

Berlin, 24. September. (Privattelegramm.) Ein westfälischer Fliegeroffizier hat über russischen Truppen in russischer Sprache abgefatzte Proklamationen abge- worfen, in denen es heißt: Das Blut der ermordete« Ostpreußen komme über das Haupt des General Rcu- nenkampf. Den russischen Soldaten werde die Wahrheit verheimlicht. Die Narew - Armee sei geschlagen. Die deutschen Truppen ständen vor Paris. Der Offizier hat lautNordd. Allgem. Ztg." durch einen Bombenwurf den Erfolg gehabt, daß die Russen sinnlos durchcinander- knallten und einen Offizier und fünf Leute ihrer eigenen Truppe erschossen.

Unruhe auf dem Balkan.

Frankfurt a. M., 24. September. DerFranks. Ztg." wird aus Rom gemeldet: Neuere Nachrichten ans Konstautinopel besagen, daß die Kriegslust der Pforte gegenüber Griechenland stark gestiegen sei und daß anf dem Balkan überhaupt große Unruhe herrsche.

Wie's in Ostpreußen aussieht.

Ein Sonderberichterstatter desB. T." hat eine Fahrt nach dem Gouvernement Suwalki unternommen. Gumbinnen hat wenig gelitten. Zwischen Gumbinnen und Stallupönen liegen sämtliche Häuser in Trümmern. Stallupönen war weniger mitgenommen. Eydknhnen besteht nicht mehr, ebensowenig wie Kibarty. Nur der Bahnhof wurde geschont. Hinter der Grenze mußte der Rückzug zur wildesten Flucht ausgeartet sein. Tote Pferde in Massen, Hunderte von Karren, Protzkästen, Bauernwagen, ganze Haufen von unbenutzten Geschossen, Gefährte für Scheinwerfer, andere für Telegraphie, fort- geworfene Stiefel und anderes, hier und da flüchtige Hügel, unter denen die Kämpfer ruhen. Man hatte nicht Zeit, ein Kreuz darauf zu setzen. In Wilkowischky, dem Haupt des gleichnamigen Kreises, umfängt uns schon Halb-Asien.

Choleraepidemie in Südr«ßland.

Aus der Schweiz wird derFranks. Ztg." geschrie­ben: Die russische Gesandtschaft in Bern fordert 50 rus­sische Aerzte, die sich in der Schweiz befinden, und auch die Studenten der Medizin auf, sich sofort nach Rußland zu begeben. Es wird allgemein angenommen, daß in Rußland die Cholera wütet. Dies geht auch aus den Briefen hervor, die Russen aus ihrem Heimatslaud er­halten haben. Die Cholera tritt in Südrutzland fast in jedem Herbst auf. In diesem Jahre war schon im Juli Podolien als verseucht betrachtet. Durch die große» Truppenverschiebungen hat sich die Seuche höchstwahr­scheinlich in weitere Gebiete ausgebreitet. Die Gesund­heitszustände besonders in den russischen Großstädten spotten jeder Beschreibung, sodatz eine erfolgreiche Be­kämpfung der Cholera im Kriege fast undenkbar ist.

Die Serben benutzen französische Dum-Dnm-Geschosse.

DieKöln. Ztg." meldet aus Serajewo: Bei Ver­wundeten und Getöteten der regulären serbischen Trup­pen wurden Dum-Dum-Geschosse gesunde«, die fabrik­mäßig hergestellt waren. Nach den in illustrierten Blät­tern wiedergegebenen Photographien sind die bei den Franzosen gefundenen Dum-Dum-Geschosse mit den ser­bischen vollkommen identisch. Daraus kaun geschlossen werden, daß die serbischen Dum-Dum-Geschosse franzö­sischer Herkunft sind.

Wie sich die Feinde die Teilung der Beute denken.

Berlin, 24. September. (Privattelegramm.) Die Boss. Ztg." veröffentlicht einen russischen Köderungs- versuch gegenüber Rumänien. Rußland verspricht Ru­mänien die von Rumänen bewohnten Teile der Buko­wina, Südungarn und Siebenbttrgen, Rußland wird Galizien, den ttbrigKl Teil der Bukowina, die Moldau bis Sereth und mit Einschluß der Donaumttndung, die ganze europäische Türkei, Kleinasien und Nordpersien erhalten, England, Neupalästina, Arabien und die deut­schen überseeischen Besitzungen, Frankreich Elsatz- Lothringen and Belgien Luxemburg.

Englische Verdächtigungen Amerikas.

Die KopenhageuerNational Tideuüe" meldet aus London: Die deutsche» Flottenoperationen in West­indien, dem Karaibischen Meer und dem südlichen At­lantischen Ozean sind Gegenstand besonderer Aufmerk­samkeit von fetten der Behörden, um festzustellen, in­wieweit die Neutralität verletzt worden ist und ob ame­rikanische Schiffe die deutschen Kreuzer mit Proviant und anderem versorgt haben.

Die Herren Engländer suchen immer die Schuld für ihre Niederlagen bei anderen, nur nicht bei sich selber.

Kriegsalterlei.

Wilson will nur auf Ersuchen vermitteln.

Nach einer Reutermeldung ist Präsident Wilson ent­schlossen, nicht eher eine Friedensvermittlung zu ver­suchen, als bis eine der Parteien darum ersucht.

Dentsche in Südmarokko als sranzösische Kriegsgefangene.

Elsterberg (Sachsen), 24. September. Der deutsche Vizekonsul in Saffi (Marokko) Carl Junker aus Elsterberg und die übrigen Deutschen Südmarokkos be­finden sich in französischer Kriegsgefangenschaft in Seb- dou in der Provinz Oran. Sie werden gut behandelt.

England und Aegypten.

Konstantinopel, 24. September. Die englische Re­gierung hat den Khediven amtlich verständigt, daß seine Rückkehr von England nach Aegypten vorläufig nicht gestattet werden könne.

mne.

Pioniere im Gefecht und bei der Arbeit.

DieFranks. Ztg." veröffentlicht einen ihr zur Verfügung gestellten Feldpostbrief, der über die Tätig­keit der Pioniere unterrichtet. Gleichzeitig enthält der Brief Auskunft über den Heldentod des durch seine sportlichen Bestrebungen bekannten Hauptmantts Lud­wig Peters: M

Heute wieder mal in einem Bett geschlafen, aller­dings mit noch einem Kameraden zusammen. Wir haben den Gegner immer mehr zurückgeschlagen. Jetzt habe ich schon zweimal im ärgsten Feuer gestanden. Das erstemal bei.... in Belgien. Dort hatte uns der geind angegriffen, überraschenderweise als wir noch in tarschkolonne waren. Ich ließ sofort meinen Zug ausschwärmen und im Marich-Marsch Stellung nehmen. Die Kugeln kamen von allen Seiten. Ich bin dann

noch zweimal tm Galopp mit meinen Leuten nach vorne gelaufen, aber dann kam Maschinengewehrfeuer und da war es aus mit dem Vordringen. In 1 Meter-Um« kreis von mir sind 810 Kugeln eingeschlagen. Drei Leute liuks und rechts neben mir sind tot oder schwer verwundet. Und so lagen wir 3 Stunden im Kreuz­feuer. Die Kugeln pfiffen nur so um mich herum. Wenn ich mich ein klein bißchen aufrichtete, um mit dem Fernglas zu schauen, sofort giug's los st, st, [t, zrrr, betsch, brrr. Wir hatten vielfache Gegner. End­lich kam die Artillerie und fuhr etwa 100 Schritt hinter uns auf. Nun pfiffen die Granaten über uns weg. Aber bald kamen auch die französischen Projektile an- geflogen; Gott sei Dank aber alle zu hoch.

Das ging nun noch so zwei Stuuöeu weiter. Un­sere Artillerie hatte uns den Tag gewinnen lassen, sonst wären mir wohl kaum zurückgekommeu. Ihre Schrap- uells fd)luneu mit einer Geuanigkeit ein, die staunens­wert ist. Ein Regiment Franzosen ging über die Höhe durch den Wald durch, aber auch schon sausten unsere Schrapnells in die feindlichen Schützenlinien und dort fielen sie zehn- und zwanzigweise. Man ist wie im Traum, daß das keine Scheiben sind, sondern wirkliche Menschen. Zum Schluß, gegen Abend, gingen mir dann gemeinsam vor und auf der Höhe, im Chansseegraben sah es ganz furchtbar and. Dort wurde man wach aus dem Traum, das Gestöhne und die verzerrten Leichen zu Hunderten, unb dann wieder mal ein bekanntes Gesicht aus der eigenen Kompagnie, vor Blnt entstellt. Verschiedene Lente hatten 67 Schuh von Maschinen­gewehre« durch das Kochgeschirr und Tornister.

Während des Gefechtes lag 50 Schritt vor mir ein Infanterist, der einen Streifschuß durch die Backe hatte. Er hatte sich selbst verbunden, und da bekam er noch einen Schutz durch den linken Unterschenkel. Er schrie, datz er sich verblutete, sodaß ich trotz der Gefahr vorlief, ihm den Stiefel ausriß und ihm mit meinem Verband­päckchen das Blut abstellte. Als ich wieder zurücksprang, erhielt ich von meinem Vizefeldwebel weinerlich die Nachricht, daß unser Hauptmann gefallen sei. Nun mar alle Gefahr nichts. Mit fünf Freiwilligen und dem Vizefeldwebel giug's im Galopp 200 Meter weiter nach

vorne, um zu helfen, wenn's noch möglich sei, oder wenigstens den Leichnam zu holen. ' hatten ihn schon hinter eine Hecke

Andere Kameraden

... ______ ,______ ne Hecke gelegt. Ich fühlte

ihn an, die Hände schon kalt, die Augen gebrochen; Brustschutz. Ich ließ die fünf Mann dort als Toten­wache, mich selbst rief die Pflicht wieder zu meinem Zug zurück, und ich laugte schweißtriefend wieder bei den mehtiacu an.

Nach kurzer Rast giug's dann endgültig vor. Der Feind zog sich aus den Wäldern zurück, er war ge­schlagen. Oben traf ich einen Oberleutnant, dem das linke Auge ausgeschvssen war. Er lag vornübergebeugt im Graben, ich klopfte ihm auf die Schulter und es traf mich aus dem einen Auge ein unfaßbarer Blick: stumm, nicht ein Wort, er drehte sich wieder um und ich tröstete ihn, daß die Sanitätsleute dicht dabei seien. Endlich in der Dunkelheit im Unterholz traf ich den anderen Offizier von meiner Kompagnie und mir sammelten mit die Pioniere um uns, zogen denselben Weg znrück und nahmen selbst in Zeltbahnen unsere Verwundeten mit. gleichfalls auch den toten Hauptmann. Ein Leutnant von meiner Kompagnie, 19 Jahre alt, war gleichfalls gefallen, wir konnten ihn aber nicht finden. Unser trau­riger Zug ging zunächst nach der Äerwundetensammel- stelle und dann suchten wir die Bagage. Diese hatte m Granatfeuer zwei Pferde verloren und war wegge- ahren, wohin, das wußte keiner. (Drei Tage später hatten wir sie wieder.) Endlich die Stimme des Kom- paaniefeldmebels und, ein Lichtblick, die Feldküche. Zwar dauerte es noch zwei Stunden, bis das Essen fertig war.

Von der Kompagnie hatten wir ungefähr 80 Mann bei uns. Wir nahmen uns die Mäntel und Zeltbahnen der Gefallenen und legten uns 1ns nasse Gras. Feuer durfte nicht angemacht werden. Ein Fiebertranm itber- kam uns alle, die Bilder zogen nochmals an uns vorüber, man konnte die Tatsachen noch nicht fassen. Dennoch so müde! Gegen Morgen schlief man etwa zwei Stun­den und dann war man froh, daß die Sonne wieder auf* ging, und nun sah man, daß man beinahe zwischen den Pferden einer Maschinengewebrabteilung gelegen hatte. Die Steifheit der Glieder wurde durch eine warme Erb­sensuppe etwas gelöst, die Sonne lachte wieder wie früher und ihre Wärme tat wohl.

Doch keine Zeit zum Besinnen oder Waschen und Saubern, Befehl: die Pioniere übernehmen den Schutz der Maschinengewehrabteilung. Von: Feinde wußte man nichts, also muß man sich vorfeben, und drüben auf der anderen Höhe ging der Kanonendonner auch schon wieder los. Doch der Gegner mar endgültig ab­gezogen und gegen Mittag kam der Befehl zur Verfol­gung, das heißt zum Marschieren. Als mir dann am aperen Abend uns einigermaßen gesammelt und ran- 6 ^t hatten, stellten wir fest: von vier Offizieren zwei gefallen, 60 Mann Verluste, tot, verwundet und ver- mtJL Das ist ein hoher Prozentsatz. Es war dies eine entscheidende Schlacht vorn 22. August, so blutig wie der- einst 70 bet St. Privat. Wir hatten aber erreicht, daß der Feind sich vom Norden, und zwar aus ganz Belgien, herausziehen mußte. Und so lief der Franzose acht Tage lang vor uns her. Die Straßen und Eisenbahnbrücken waren alle gesprengt, aber nach einer halben Stunde waren unsere Pontonbrücken schon fertig, einen Aufent- balt gab es daher garnicht. Einen ganzen Tag, 24 Stun- öen im strömenosten Regen stand ich auf der Brücke als Brückenkommandant und habe den Verkehr der Baaaaen Truppen, Autos, Meldereiter, Artillerie usw. ger-gelt' Das war am 27 Auch die Feldpost ging über die Brücke und so bekam ich einen Brief von Euch, der erste außer einer Karte. Ich hatte nur über einer Werkstatt auf dem Dachboden, von wo ich die Brücke übersehen konnte ein Strohlager zurechtmachen lassen, war gerade im Be- griff, seit 18 Stunden wieder das erste, ein Stück trocke- registrierte eingemachte Kirschen und eine Tasse selbstgekochten Kaffee, zu mir zu nehmen, und droben in meiner Einsamkeit liefen mir die Tränen über die Wangen, als ich Eure lieben Zeilen las. Die Ver­bindung mit der Heimat, das ist ein von Hunderttaulen- den ausgesprochener Wunsch. Ich habe moht in fünf Saßen seine zehn Stunden geschlafen. Vorgestern nacht war ich von der Kompagnie abgekommen und lief die ganze Nach hindurch durch Feld und Wiesen im Dreck durch Artilleriegaule und Gehöfte, stolperte dort über einen auf der Landstraße liegenden schlafenden Kanonier trat da in eine Mistjauche, bog Gier um eto Gaul, aber die Kompagnie hatte ich wenigstens wieder am anderen Morgen und kam gerade dazu, wie sich die Kameraden au^ ihren Betten erhoben und streckten in denen sie so köstlich geschlafen hatten. Pech. Am'28. trafen wir wieder aus den Feind. Es war dieses mehr eine Artillerieichlacht. Hunderte von Granaten flogen über unsere Köpfe. Neben mir lag eine Batterie schwere Feldhaubitzen. Aber auch d e Franzosen l aben !§?.ere ÄrttLerie, und so hatten wir Mch Äesen Tag beträchtliche Verluste. Dennoch, der Tag war wieder unier. Der Arzt auf dem Verbandsplatz direkt neben mir hatte die Hände voll zu tun. Es muß hervorgehoben werden, daß die Verwundeten ihre Schmerzen meist lautlos ertragen, auch dann noch Helden/ '