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Fl«gze»se zwei Fliegerbomben/ avgeworse«. Schade», abgesehen von einigen gesprungene« Fensterscheiben, wurde nicht angerichtet.

Der Gesundheitszustand der deutschen Truppen andauernd gnt.

Stnttgart, 23. September. (Privattelegramm). Nach dem WürtteMbergischen Staatsanzeiger ist laut Mittei­lung eines deutschen Militärarztes trotz des Regen­wetters der Gesundheitszustand unserer Truppen im Westen ausgezeichnet.

Ueber die Lage in Petersburg

hat ein deutscher Buchhändler, der Petersburg vor acht Tagen verließ und auf der Durchreise kurze Zeit in Berlin weilte, einem Mitarbeiter desB. T." Mittei­lungen gemacht, aus denen hervoraeht, daß im ganzen die Regierung jetzt viel tue, um das Leben und das Eiaentum der Ausländer, auch der Deutschen, zu schützen. Die Ruhe allerdings sei nur äußerlich, in Wirklichkeit herrsche tiefe Wirt gegen Deutschland und besonders aeacn die Preußen. Diese Wut sei erzeugt und werde weiter geführt durch die Zeitungen. Alle Blätter ver- anstalten täglich Extraausgaben über Siege der Russen und Franzosen im Kampfe gegen die Deutschen, die von den Russen angeblich schon bls Berlin zurückgedrängt wurden. Der Zar, der mit seiner Familie seit der Reise nach Moskau noch immer im Schloß Peterhof wohne, komme nie in die Stadt. Auch die Zarinwitwe sehe man nie. Sie sei verfeindet mit der jetzigen Zarin. Von Tag zu Tag wachse das dumpfe Empfinden, daß die unbe­stimmten Gerüchte über schwere Niederlagen der russi­schen Nordarmee begründet seien und daß Petersburg sowohl vom Lande wie vom Wasser her eine immer näherkommende Gefahr drohe.

Kundgebungen gegen den Krieg in Japan.

Wien, 23. September. (NichtamtlichJ Die Korre­spondenz Rundschau meldet: Pekinger Nachrichten zn- folge hat man in einem Hause und Keller in Tokio Proklamationen gefunden, die augenscheinlich im Solde Englands steht. Japan hätte, statt Krieg mit Dentsch- land zn beginnen, lieber die Frage der Mandschurei und der Mongolei aufrollen sollen. In der Priester­schaft in Kioto soll gleichfalls lebhafte Mißstimmung des Krieges herrschen. Die Arsenalarbeiter in Osaka werden aufgefordert, die Regierung zu stürzen, die Japan in Abhängigkeit von Europa bringe.

30 Japaner durch eine deutsche Fliegerbombe getötet.

Frankfurt a. M., 23. September. DieFranks. Ztg." meldet aus Stockholm: Nach hier vorliegenden Meldnn- gen soll ein dentsches Flugzeug auf die japanische Vor­hut bei Tsingtan eine Bombe geworfen und 30 Man« getötet haben.

Der erste Tote in Kiantschon.

Als erster Offizier fiel, wie amtlich bestätigt wird, bei der Verteidigung von Tsingtau der zweite Sekretär der Gesandtschaft in Peking, Freiherr Riedesel zu Eisen­bach, Leutnant im 3. Gardeulanenregiment.

Belagernngssorgen der Antwerpener.

Der LondonerDaily Chroniele" erfährt aus Ant­werpen, daß man dort eine Belagerung der Stadt be­fürchtet. Täglich kommen große Vorräte von Lebens­mitteln in die Stadt. Sie soll schon Vorräte genug ha­ben, um eine Belagerung von zwölf Monaten aushalten zu können.

Die ersten englischen Ausreden.

Aus London wird berichtet, daß die Werbungen für die neue, eine halbe Million betragende Armee günstige Fortschritte machen. Hingegen sind aber «ngeheure Schwierigkeiten entstanden für die Ausrüstung der Trup­pen. Obwohl in England Tag und Nacht unter Hoch­druck gearbeitet wird, wäre es ganz unmöglich, aus die­sem Grunde vor Neujahr irgend welche neuen Truppen­stärken nach dem Kontinent z« übersenden.

Wir haben es von vornherein gewußt, daß England um eine Ausrede nicht verlegen sein würde, um das ge- nasführte Frankreich im Stich zu lassen. Die Kämpfe in Frankreich sind den Engländern schon zu brenzlich ge­worden, und im Stillen bedauern sie es sicherlich, alle ihre besten Soldaten nach Frankreich entsandt zu haben.

Englische Luftschiffe in Frankreich.

Aus Rotterdam, 22. September meldet der Be­richterstatter desHann. Kur.": Wie ich von zuverläs­siger Seite' erfahre, haben zwei englische Luftschiffe den Kanal überflogen und längs der französischen Küste den Weg mach dem englischen Hauptquartier in Frankreich eingeschlagen.

Nach dem bisherigen Fiasko der englischen Lenk­baren darf man berechtigterweise daran zweifeln, daß englische Luftschiffe wirklich den Kanal überflogen haben.

»Die Deutschen stellen sich tanv!"

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Unter der Ueberschrift »Die Deutschen stellen sich taub" meldet derFigaro" vom 13. d. M. aus Hamburg (über Kopenhagen):

Die deutsche Regierung hat einen Slufruf erlassen, um einen Vorschuß von einer Milliarde Mark auf die vom Reichstag bewilligten fünf Milliarden Kriegskre- dtte zu erhalten. Aber die Bevölkerung reagiert nur sehr widerwillig auf die zahlreiche ' ' ..... Aufrufe der Regierung. Nur das , .. .

große Summe gezeichnet. _

Diese entzückende Meldung des feinhörigenFi­garo' hat etwas Richtiges: das deutsche Volk war in­sofern taub, als es sich etwas verhört hat. Es hat statt der gewünschten einen Milliarde gleich deren vier und auch noch ein bissel mehr gezeichnet!

Lob aus feindlichem Mnnde.

^ WTB. Wien, 22. September. Ein in einem ungari­schen Hospital liegender russischer Offizier, der auch den japanischen Feldzug mitgemacht hat, meint nach Blatter- meldungen, daß die Oesterreich« und die Ungarn nicht halb so viel Verwundete haben, wie die Russen an Toten. Trotz des Kugelregens gingen erstere mit dem Bajonett in einer Weise vor, wie es die Japaner nicht gewagt haben. Der russische Soldat werde durch das ungewohnte Geschrei der Gegner so scheu, daß er sich ergebe oder Uehe Selbst gegen Waldsic^erungen habe der Feind Mittel gefunden, indem er den Wald anzünde. Die

scheu, daß er sich ergebe oder Absicherungen habe der Feind ,, w«vw er den Wald anzünde. Die russischen Schrapnells verrieten sich durch ihr eigenarti­ges Summen, soöatz der Feind sich schützen könne, wäh­rend seine Schrapnells im Kreise von fünfzig Metern memand am Lebe» ließe«. Auch die feindliche Kavallerie N"Me mächtiger als die Kosaken an. Es sei ein Glück gew^ ^^hen, daß sie zehnmal so stark als der Feind

Das Ende der englischen Martuemission

o^AEfurt a. M., 23. September. Die Frantturter meldet aus Koustautinopel: Die aus türnschen BeM^^».-msscheideude englische Militärmissio« hat ^5'ehl erhalte«, sich tu Sewastopol der russischen Marine ^Verfügung zu stelle«. Dort sind schon vor Aus- fteten ^^ Krieges cmdere englische Seeoffiziere etuge-

E^d Pascha Anwärter auf den albanischen Thron.

». . DieKöln. 3t a.* meldet aus Sofia: Bon besonderer keUe «fahre i&ber in Nisch »bkUende Efsad Pascha,

Über dessen dorttgen Aufenthalt die serbische Regierung nichts hat verlauten lassen, habe eine mohammedanisch- albanische Abteilung empfangen, die ihm den albanischen Thron angetragen habe. Er habe im Grundsatz ange­nommen, aber gewisse, bisher nicht bekanntgegebene Be­dingungen gestellt.

Spanien will die Neutralität streng wahren.

Ro«t, 23. September. Der Londoner Mitarbeiter des Gioruale d'Jtalia meldet, Spanien wünscht strenge Neutralität zu wahren. Zwar seien den Spaniern kolo­niale Vorteile in Afrika in Aussicht gestellt worden, allein die spanischen Staatsmänner wollen von einer Abentenerpolitik nichts wissen.

Bandentätigkeit an der serbisch-bulgarischen Grenze.

Wien, 23. September. Von der Grenze bet Stru- mitza wird eine erhöhte Bandentätigkeit gemeldet, wel­cher die serbischen Gefangenen und die Miliz nur schwer gewachsen sind. Die Bulgaren sollen bei Oktschcilar weitere Befestigungen angelegt «nd zehn schwere Ge­schütze in Position gebracht haben.

Hingen angelegt nnb zehn schwere Ge-

Kriegsallerlel.

Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser und dem __ Herzog von Cnmverland.

Der Herzog von Cumberland beging am Montag in größter Stille seinen siebzigsten Gebnrtstag. Bon allen Verwandten und vielen Fürstenhöfen sowie von der Be­völkerung Hannovers gingen dem Herzog Glückwünsche zu. Auch die deutsche Kaiserfamilie gratulierte.

Wie dieDeutsche Volkszeitung" mitteilt, hat der kaiserliche Glückwunsch und die Antwort des Herzogs folgenden Wortlaut:In ernster, schwerer Zeit gedenke ich hier Deines Geburtstages mit den aufrichtigsten Wünschen für Dein und der Deinigen Wohl. Gott der Herr, der schon so Großes für uns getan hat, wolle in Gnaden weiter mit unseren tapferen Truppen sein und uns schließlich den Sieg über alle Feinde verleihen. Du wirst stolz sein auf Deinen Sohn, der sich sein Eisernes Kreuz wohl verdient hat. Herzlichen Gruß an Thyra.

W i l h e l m."

Der Herzog antwortete:Tiefbewegt und herz­lichst gerührt durch Dein so überaus gnädiges Gedenken meiner Person in dieser ernsten erhebenden Zeit, bitte ich Dich, meinen innigsten tiefgefühltesten Dank dafür freundlichst entgegennehmen zu wollen. Ich bin stolz und hochbeglückt durch diese gnädige Mitteilung, daß mein Sohn im Kampfe für Deutschlands Ehre und Ruhm das Eiserne Kreuz sich erwerben durfte. Möge Gott Deinem tapferen Heere weiterhin Sieg verleihen und unserem teuren deutschen Vaterlande und seiner gerech­ten Sache einen ruhmreichen Ausgang bescheren! Thyra und ich empfehlen uns auf das wärmste als stolze Eltern.

E r n st A u g u st."

Liebesgabentransporte freigegeben.

WTB. Berlin, 22. September. Großes Hauptquar­tier. (Amtlich). Nachdem es bisher nur möglich war, den Truppen im Felde in bescheidenem Maße Zigarren, Ranchtabak, Tabakpfeifen und Schokolade znzuführen, sollen demnächst größere Liebesgabentransporte bis ans Widerruf freigegeben werden, und zwar von den Sam- melstationen für jede Armee täglich ein Zug von höch­stens 80 Achsen. Den Vorrang in der Beförderung müßen jedoch Truppentransporte, Mnnitions-, Ver- pflegnngs- und Lazarettzüge jederzeit erhalten.

Der Schrecken der Franzosen.

Im Kasernenhof eines bayerischen Landstädtchens schauten die dort gefangenen Franzosen beim Abschied des bayerischen Landsturmbataillons aus den Fenstern heraus. Als der Major seine Ansprache mit einem drei­fachen Hurra schloß, waren bereits beim ersten Hurra cm Nu alle Fenster leer und die Franzosen verschwun­den. So schrecklich war ihnen das Hurra der Bayern vor­gekommen.

Teuerung in Portugal.

Lissabon, 23. September. Die Teuerung führte zu Knndgebnngen. In Oporto kamen mehrere Verletznu- gen vor. Zahlreiche Verhaftungen wnrden vor- genommen.

Verwundete Franzosen bei einer deutschen Radfahrerpatrouille.

Mühlhausen t. E., 23. September. (Nichtamtlich.) Die nene Mühlhäuser Zeitung berichtet: Gestern wur­den 4 gefangene leichtverwundete Franzosen von einer Radfahrerpatrouille mitgebracht. Je ein Franzose stand hinten auf dem Rade eines Feldaranen und hielt sich an ihm fest. So ging es in friedlicher Gemeinschaft ins Lazarett.

Zum Selbstmord des englischen Majors Yate

wird demBerl. Lok.-Anz." aus Halle a. S. gemeldet: Auf der Landstraße von Torgau nach Martinskirchen fiel unter der Zahl der Arbeiter, die auf der Zuckerfabrik Brottewitz sich zur Rübenkampagne anmelden wollten, ein hochgewachsener Mann auf, dessen Kleidung und Um- Hang zu seinem vornehmen Gesicht nicht zu passen schie­nen. Der Zuckerfabriksdirektor Schulz hielt den Frem­den an und forschte ihn aus. Da die Antwort seinen Verdacht verstärkte, ließ er ihn durch seine Arbeiter un­tersuchen. Man nahm ihm dabei eine unter dem Um- Hang versteckt getragene Handtasche ab, die eme große Menge Aufzeichnungen in englischer Sprache enthielt. Während man noch die Papiere prÄte.zogder Fremde schnell ei» Rasiermesser und durchschnitt sich die Kehl^ Er verblutete in wenigen Minuten. Bec ihm befand sich noch ein von anderer Hand geschrobener Zettel, der als Marschrichtung die Orte Torgau, Mülberg, Meißen und Dresden verzeichnete. Der Fremde es war Major Nate- hatte außer englischen Geldstücken einige hundert Mark deutschen Papiergeldes bei sich.

Vergessene Feldpostsendungen.

WTB. Berlin, 23. September. (Amtlich.) Von der Postverwaltung angeordnete Nachforschungen nach dem Verbleib von Feldpostbriefen aus dem vorigen Monat haben dazu geführt, daß auf einem Bahnhof in Leipzig ein Eisenbahngüterwaggon mit einer großen Anzahl von Briefsäcken aufgefunden wurde. Der Wagen war von Andernach für die dritte Armee abgesandt aber infolge eines noch nicht aufgeklärten Versagens nicht nach dem Bestimmungsort gelangt. Bnefsendungen von den letz­ten Tagen des August aus allen Gegenden von Deutich­land für die verschiedenen Truppenteile der dritten Ar­mee. Die Sendungen sind sofort wieder nach dem Felde abgesandt worden.

Die Konstrukteure unsererBrummer" mit dem Eisernen Krenz ausgezeichnet.

Das Mitglied des Kruppschen Direktoriums, Pro­fessor Rausenberger, der Hauptmann der Landwehr bei der Fußartillerie ist, sowie Hauptmann Wesener und Oberingenieur Kolb, welche die 42-Ztm.-Haubitzen kon- struiert und zuerst angewandt haben, sind mit dem Eiser­nen Kreuz ausgezeichnet worden.

Ankunft deutscher Geiseln t» Frankreich.

Nach einem Bericht desFigaro" aus Moulins sind 242 deutsche Geiseln, staatliche Beamte und Ein­

dort

wohner des Oberelsaß, untergebracht worden. Untel diesen Geiseln befinden sich der Bürgermeister einer Kreisstadt nahe Mülhausen und ein Pfarrer.

Der Prozeß gegen den Fürstenmörder Princip.

Cöln, 23. September. Die »Köln. Ztg." melbct aus Serajewo: Die Verhandlung gegen den Mörder des Erzherzogspaares Franz Ferdinand, Princip, sowie gegen Gabrinowitsch und Genossen ist auf den Novem- ber anberaumt. Sie wird mit Zustimmung der Be­hörden öffentlich sein. Die Schriftstücke enthalten un­geheures Material. Einige Zeugenaussagen füllen allein 500 Seiten. Die Verhandlung findet vor dem Zivilge- richt, nicht wie anfänglich beabsichtigt war, vor dem Militärgericht statt.

wie die Russen in Sstpreutzen gehaust haben.

Der Justerburger Spezialkorrespondent desBerl. Tagebl." gibt eine anschauliche Schilderung der Zustände in den von den Russell heimgesuchten Landstrichen. Es heißt da unter anderem:

Von den Städten, die ich gesehen habe, sind am besten die weggekommen« in denen ein größerer Teil der Bürgerschaft unter besonnener Leitung zurückge­blieben ist, die anderen sind mehr oder weniger zer- schosselt, geplündert oder in Brand gesteckt worden. Aehnlich ist es mit den Gütern gegangen. Gestohlen wu.de fast überall. Nach der Schlacht bet Gumbinnen und Stallupöneu waren die russischen Pferde billig, sie liefen herum und wurden von den Soldaten als Beute mitgenommen. So hat mancher Bauer einen Gaul für 5 Mark oder weniger erstehen können. Bei der Menge der Beutepferde soll aber dieser freihändige Verkauf aufhören. Jeder Besitzer, von dem Pferde requiriert worden sind, soll fortan als Entschädigung für eine be­stimmte Zahl ihm genommener Pferde auf ein Beute- pferd Anspruch haben. Die Russen sind beim Brand- stiften meist methodisch vorgegangen und Haber, sich auf dieses Handwerk wvhlpräpariert. Sie führten eine Zündmasse in braunen, durchsichtigen Streifen mit sich, die an der Zigarette in Brand gesteckt wurde unb in Stroh oder trockenes Holz geworfen wurde. Sofort schlugen dann die Flammen empor. Voll diesem Prä­parat wurden große Mengen in Mumtionswagen und in den Taschen der Kosaken gefunden. Verbrannt wurden fast mir Magazine, Scheunen und Ställe. Von dem Gnte Großbubaihnen des Herzogs von Anhalt- Dessan, das vier Tage brannte, ist nur das Pächtertzaus unversehrt. Bei der Plünderung städtischer Läden wurden von den Feinden die Sattlergeschäfte und Schuh- Handlungen bevorzugt.

Viele Grausamkeiten, die damals begangen worden sind, sind nach amtlichen Quellen bereits mitgeteilt, an­dere, die öffentlich nicht einmal allgedeutet werden können, werden von Ort zu Ort erzählt. Vorsicht ist bet der Wiedergabe solch unverbürgter Gerüchte wohl ge­boten. Einiges, was ich als Wahrheit von Augen­zeugen erfuhr, mag erwähnt werden. In Abschwangen wurden 60 Männer aus einer Flüchtlingsschar im An­gesicht ihrer Frauen und Kinder erschossen, weil einer von ihnen durch einen Flintenschuß einen russischen Ge­neral verletzt haben soll. 9n Frauendorf kamen die russischen Vortruppen in das Haus des Postverwalters, als die Frau mit zwei Landbriefträgern beim Mittag- essen saß. Die Briefträger hatten ihre Uniform an und wurden deshalb von den Russen für Soldaten gehalten. Kein Protest half. Vorn Mittagessen wurden die Armen über die Straße zur Wand des nächsten Hauses geführt und erschossen. Der Wirt Repner ans Wvrmditt hat ein 12jähriges Mädchen aus der Gegend von Heilsberg gesehen, das im Sterben lag. Es hatte eine Wunde in der Brust, aus der das Blut in Tropfen hervorsickerte. Weshalb das Kind erschossen wurde, ist nicht festgestellt. Solche Fälle gibt es noch viele. Als Tatsache wurde von verschiedenen Orten berichtet, daß Frauen und Mädchen der Dörfer von den Russen ins Btwack mit­genommen und zuweilen sogar einige Tage auf dem Marsch mitgeführt worden sind. Sie wurden dann später einfach zurückgelassen und konnten sich den Weg nach Hause suchen.

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Ein schneidiger Valrouillenritt.

Am 25. August, so wird derFrallkf. Ztg." mitge­teilt, marschierte die .... Division von Bouillon auf Sedan, das Reserve - Ulaneuregiment No . . . voraus. Der diesem Regiment angehörende Oberleutnant Graf Wedel ritt vor, um durch Ausfragen der Einwohner sest- zustellen, ob Sedan noch vom Feinde besetzt sei. Wach übereinstimmenden Aussagen sollten die französischen Truppen durch Sedan durchmarschiert sein, und bereits die Maas überschritten haben. Aber ungeachtet des Um- standes, daß die einmarschierenden deutschen Truppen insbesondere einzelne vorausgesandte Patrouillen im bisherigen Verlauf des Feldzuges sehr häufig von Zivil­personen und einzelnen zurückgebliebenen Angehörigen der französischen Armee aus den Fenstern der Häuser beschossen wurden, ritt Graf Wedel, nur begleitet von zwei Ulanen, nach Sedan hinein.

Am Eingang der Stadt traf er noch eine 10 Mann starke Patrouille seines Regiments, der er befahl, sich ihnen anzuschließen. Mit diesen 12 Ulanen ritt er nun unter fortgesetzten lauten Hurrarufen in scharfem Trab kreuz und quer durch die winklige« Straßen von Sedan, überall Furcht und Schrecken erregend. Mit den Rufen: Les Laneiers! Les Ulans!" flohen die Einwohner in die Häuser und schlössen hinter sich die Tür und Fenster­läden. Versprengte Soldaten, die sich auf den Straßen befanden, schlössen sich der panikartigen Flucht an und warfen ihre Gewehre fort. Auf einzelne Leute, die noch ihre Gewehre in der Hand hatten, schössen die Reiter mit den Revolvern, svdaß sie schleunigst ihre Waffen von sich warfen. An einer Straßenecke stieß die Patrouille plötzlich auf eine Abteilung von etwa 80 französischen Infanteristen, die sofort auf dreißig bis vierzig Schritt heftiges Schnellfeuer auf die Patrouille abgaben. Bize- wachtmeister d. R. Mayer-Ellerhof fiel, Pferd unb Rei­ter hatten mehrere Schüsse erhalten. Vtzewachtmeister der Reserve Jannsen, der stets neben dem Grafen Wedel ritt und sich durch große Unerschrockenheit auszeichnete, gab der dem Führer auf etwa dreißig Schritt folgenden Ulanenpatrouille den Wink, zu halten und aus Befehl des Oberleutnants ging nun die Patrouille in scharfer Gangart auf der alten Straße zurück, überall aus den Häusern beschossen.

Nach seinem kühnen Ritt konnte Graf Wedel seinem kommandierenden General melden, daß Sedan bis auf einige zurückgebliebene Versprengte vom Feinde frei fei, sodaß dieser danach seine weiteren Anordnungen treffen konnte. Von Landeseinwohnern ist die Patrouille in Sedan nicht beschossen worden. Das plötzliche Erscheinen der gefürchteten Ulanen hatte einen so panikartigen Schrecken verursacht, daß alle Leute bestlirzt durchetn- anderliefen und keiner daran dachte, zu seiner Schrot- flinte zu greifen, was die Einwohner leider selbst so häufig und gern tun.