- „An einem VdMrmnten Mvrgen wurdes verkürze Befehl gegeben, nach Lembergj vorzurücken., Undsdann beaann die Schlacht, die vier Tage lang vmn Moirgen- arauen bis zum Eintreten deri Dunkelheit währte. Die Gegenangriffe der Oesterreich er wurden mit der grötzten Erbitterung ausgeführt. Während die Russen vorrück- ten waren sie buchstäblich ein-em Hagel von Blei und Eisen ausgesetzt. Die Russen hatten seHr unter Durst »u leiden, da die Gegend arm an Wasssr ist. Während die Nächte schneidend kalt waren, herrschte am Tage- eine unerträgliche Hitze. Beide Parteien kämpften mit äußerster Hartnäckigkeit. Zwei Tage Sang wurde um die Forts gekämpft. Ein Hagel von mordendem Blei wütete über beide Armeen und verursachte enorme Verluste Schließlich kamen wir kurz nach'dem Abzug der Oesterreicher nach Lemberg hinein." ’
Der Eindruck unserer Kriegsaulei^euzeichnung - in Oesterreich.
WTB. Wien, 22. September. Der glänzende Erfolg deutschen Kriegsanleihen macht hier tiefen Eindruck.
der deutschen Kriegsanleihen macht hier tiefen Eindruck. Die „Neue Freie Presse" hebt hervor, daß gerade die Zeichnung der Neichsanleihe, die nicht eingelöst wird und deren Wert von allen Zufälligkeiten des Krieges abhängig ist, das beste Zeugnis für das Vertrauen in die "militärische, politische und wirtschaftliche Kraft Deutschlands sei. Die für die Krregsanleihe gezeichnete Summe sei ein Spiegel der Stimmung der, Kapitalkraft und der Summe der verfügbaren Mittel /im deutschen
Reiche. /
Der Kampf mit den Japanern.
Berlin, 22. September. Aus Peking wird! nach dem „Lok.-Anz." über Rotterdam gemeldet: Der zweite deutsche Legationssekretär in Peking, Frhr. von Riedesel zu Eisenbach, wurde in einem Vorpostongefecht in Tsing- tau, an dem er als Kriegsfreiwilliger teil nahm, getötete Die Japaner nähern sich langsam den Befestigungen von Tsingtau. Aus Tokio wird amtlich gemeldet, die japanischen Truppen wären am Freitag mit Unterstützung der Flotte in der Bucht Laoschan nördlich von Kiantschou gelandet.
Die Schneidigkeit der deutschen Kreuzer.
Die „Brüxer Zeitung" meldet — dem ,,B. L.-A." zufolge — nach einer ihr in einem Mariwebrief zugegangenen Mitteilung über den bekannten Schlag der deutschen Kreuzer „Goebeu" und „Breslam", das; die österreichisch-ungarische Flotte damals aus Pola ausge-: laufen sei, um die in Messina blockierten deutschen Kreuzer zu befreien, jedoch umgekehrt sei, als auf der Höhe von Ragusa die Radiomeldung der „Goeben" eingetros- fen sei, daß sie die Blockade schon aus eigener Kraft! gebrochen habe. A /
Englische Schmähungen
gegen Kaiser Wihelm.
Der „Daily Chronicle" brächte am 1. September folgende Zuschrift:
„Was soll mit dem Deutschen Kaiser geschehen?"
In Ihrer und in anderen Zeitungen sah ich eine neue Karte von Europa, worin der Deutsche Kaiser immer noch als Monarch geduldet wird, wenn auch mit einem verminderten Reiche. Ich glaube einer sehr verbreiteten Anschauung Ausdruck zu geben, wenn ich sage, daß ein Monarch, der in so schändlicher Weise sich an der Zivilisation versündigt hat, absolut unwürdig ist, in irgend einer Form königliche Rechte auszuüben. Die Zeiten sind vorbei, daß ein Monarch, der verantwortlich - ist für den Verlust so vieler Tausender von Menschenleben und für die Trauer über viele weitere Tausende, ungerechnet den materiellen Schaden und Verlust, persönlichen Leiden und Entbehrungen entgehen soll, nur weil er ein Monarch ist. Ich für meine Person werde nie mit dem Ergebnis dieses Krieges zufrieden sein, wenn nicht Kaiser Wilhelms Leben verwirkt ist oder wenn er nicht für Lebenszeit nach St. Helena oder einer noch einsameren Insel verbannt wird. Meine Hoffnung ist, daß man kurzen Prozeß mit ihm macht, damit die militärischen Ideale Preußens und die deutschen Barbareien für immer ein Ende finden, und damit unseren Herrschern die Aufgabe abgenommen wird, die Art seiner Bestrafung festzustellen. Wenn das nicht geschehen kann, so muß die Zimlisation aller Völker seine lebenslängliche Verbannung verlangen, und zwar unter der Verschärfung, daß ihm jeglicher Luxus versagt wird. Ich lade alle, die mit mir gleicher Meinung sind, ein, sich mit mir in Verbindung zu setzen, um gemeinsam dieses Ziel zu erreichen zu suchen. Auf alle Fälle sorgen Sie dafür, daß bei der Umformung der Karte von Europa (folgt eine nicht wiederzugebende Schmähung des Kaisers) nicht wieder auf irgendeinen europäischen Thron zu sitzen kommt. Die MtsMaten eines Abdul Hamid verblassen vor der Ethik und den Taten des gegenwärtigen Deutschen Kaisers. (Unterschrift.)
Diese Zuschrift — deren Veröffentlichung auf dem „Daily Chronicle" für immer sitzen bleibt, klingt wie das Gestammel eines Irrsinnigen, ist aber die Sprache eines grenzenlosen Hasses. Und nun fort mit dem Wisch. Unsere Kanonen werden die Antworr geben.
Unbedingte Neutralität Rumäniens.
M Aus Bukarest wird der „Voss. Ztg." gemeldet, daß die Verhandlungen des neuen deutschen Vertreters mit dem Ministerpräsidenten eine« vollen Erfolg erzielt haben. Das Ministerium hat unter dem Vorsitz des Königs Carol gestern getagt und beschlossen, an der unbedingten Unparteilichkeit Rumäniens festzuhalten. „
.Sollte sich die Meldung bestätigen, so würde dies tatsächlich einen großen Erfolg der deutschen Diplomatie gegenüber der ungeheuren Anstrengung Rußlands bedeuten. Rußland würde damit eine schwere Enttäuschung erleben!
Nansen als Mahner.
„ WTB. Christiania, 22. September. In seinem hier gehaltenen Vortrage führte Nansen aus: Die Schuld an dem blutigen Kampfe trage die Politik der Allianz. Das Ende des einen, werde der Anfang eines neuen Krieges sein. Die Abrüstung ist ein leeres Geschwätz. Für die Deutschen sei der Durchzug durch Belgien eine eisenharte Notwendigkeit. Unser Land sei in der gleichen Lage wie Belgien. Vor unseren Küsten können, werden und müssen die bevorstehenden Seeschlachten gekämpft werden. Wir haben Häfen, die wichtig für die kämpfenden Machte sind. Dank den Friedensphantasien sind wir schlecht vor- ^eitet. Wir verlangen eine Rüstung so stark wie müg- «ch fvr Heer und Flotte. Wir verlangen den Emmhrr- gendienst für Heer und Flotte. Der Dienst wirkt er= Ste6ertf$. Deutschland ist durch seine militärische Er- Mung den Engländern gegenüber im Vorteil. Wir Aussen zu einem möglichst nahen Zusammenschluß mit Reeden kommen. Wir haben niemals Not gekannt. F^^eicht lernen wir sie bald kennen. Das ist aber kein Unglück für uns.
Kriegsallerlei.
Fürsten mit dem Eisernen Kreuz.
Der Kaiser hat dem Großherzog von Mecklenburg- ■ »chwerin das Eiserne Kreuz verliehen. — Ferner ist das Eiserne Kreuz verliehen worden dem Surften Adolf i
zu Schaumburg-Lippe, dem Großherzog von Reffen und dem Großherzog von Mecklenburg-Strelitz.
Verleihung des Eisernen Krenzes an den Herzog von Altenbnrg.
Nach einem au die Herzogin von Altenburg gelangten Telegramm ist dem Herzog von Altenburg, General der Infanterie und Kommandeur des 8. thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 153, sowie 33 anderen Offizieren dieses Regiments das Eiserne Kreuz verliehen worden.
Das Eiserne Kreuz für die gesamte Besatzung eines Luftschiffes.
Die gesamte Besatzung des Luftschiffes Schüttc- Lanz II wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.
Prinz Georg von Serbien verwundet.
Das serbische Pressebureau meldet: Als Prinz Georg an der Spitze seines Bataillons zum Sturm vor- ging, wurde er in der Nähe der Wirbelsäule von einem Geschoß getroffen, das aus dem rechten Lungenflügel herausdrarlg. Die Verletzung ist nicht gefährlich.
Vier tapfere bayrische Generale. Von vier Brüdern Schock), die sämtlich als Generale bei der deutschen Armee im Felde stehen, haben drei das Eiserne Kreuz, einer den Max Joseph-Orden, und den bayrischen Pour le merite erhalten. Der König hat die Auszeichnung ihrer Söhne der 82jährigen Mutter der Generale durch einen Adjutanten mitteilen lassen.
Ein Vortrag Liebknechts verboten.
Berlin, 22. September. (Privattelegram»»».) Laut Blättermeldungen verbot das stellvertretende General- kommando eine sozialdemokratische Versammlung, in der Liebknecht gegen die „Annektionshetze" sprechen wollte. Das Erscheinen des „Vorwärts" ist vom Oberkommando für drei Tage verboten.
Ein entwichener englischer Offizier.
WTB. Berlin, 21. September. In der Nacht vom 19. znm 20. September ist der Major Charlos Alice Bate vom Yorkshire Infanterieregiment aus der Kriegsgefangenschaft in Torgau entwiche«. Yates ist der englische Stabsoffizier, von dem jüngst berichtet wnrde, er habe anf Befragen nicht bestrttten, daß den englischen Truppen Dnm - Dum - Geschosse ausgehändigt worden seien, und der im Verlaufe jenes Verhörs erklärte, man müsse doch mit der Munition schießen, die die Regierung geliefert habe. Der Entflohene ist etwa 1,75 Meter groß, schlank «nd blond. Er spricht fertig deutsch.
Wie es jetzt in den Rekrntenstuben aussieht.
Ein Unteroffizier der Reserve in Oldenburg schreibt an einen Berliner Bekannten: „Bei unseren Rekruten kann man manchmal sehr interessante Dinge erleben. Da haben wir z. B. die Stube 89 belegt mit 12 Gemeinen, wovon sind 1 Oberlehrer, Dr. M., und 3 Oberprimaner vom Gymnasium in O., 2 Maurer, 1 Arbeiter und Landwirte. Am Sonntag war ich zufällig auf dieser Stube. Der Oberlehrer war als Oberhaupt mit einem nassen Lappen am Aufwischen, der eine Oberprimaner am Schrubben und die anderen am Wasserträger», Stanv- wischen und was sonst zum Revierreinigen am Sonnabend gehört. Auch Du (der Adressat ist Oberlehrer) hättest sicherlich nicht den Oberlehrer herausgefunden. Aber alles geht mit lachender Miene, jeder ist sich bewußt, es ist seine Pflicht. — Am Freitag voriger Woche gab ich meine Stiefel zum Putzen einem Rekruten. 9(18 er dann die Stiefel zurückbrachte, fragte ich beiläufig, was er im Zivil wäre. Zur Antwort bekam ich: „Referendar." Solche Dinge kommen alle Tage vor."
England will die Nordsee-Minen auffische«.
Rotterdam, 21. September. Der „Berl. Lokalanz." meldet, die englischen Admirale Paget und Starttn trafen bei der Reserve ein und kommandieren nnumehr bewaffnete Mächte, welche die Nordsee von Minen säubern fallen.
Ein räuberischer französischer Soldat kriegsgerichtlich verurteilt.
Der Kommandeur der 6. französischen Armee gab durch öffentlichen Anschlag das auf Zuchthaus lautende Urteil eines Kriegsgerichtes gegen einen plündernden Soldaten, einem Pariser, mit dem ausdrücklichen Hinzufügen bekannt, daß es eine heilsame Lehre für die Plünderer, Reirhenräuber und Diebe sein solle. Das ist ein neuer Beweis, daß die Franzosen im eigenen Lande plündern.
Gefährliche russische Gefangene.
In Großlichterfelde bei Berlin wurden kürzlich russische Gefangene ausgeladen. Als beim Reinigen der Eisenbahnwagen das in diesen liegende Stroh angezündet wurde, begann es zu knallen und zu knattern, und nach allen Seiten flogen Geschosse und Hülsen. Die Gefangenen hatten offenbar noch Patronen in ihren Taschen verborgen gehabt und diese unter das Stroh geworfen. Die bei den Wagen beschäftigten Arbeiter kamen ohne Verletzung davon:
Eine entlarvte Lüge.
Die „Westminster Gazette" veröffentlichte eine Erzählung, wonach die Deutschen der Krankenschwester Hume vom schottischen Roten Kreuz, die in Vilvorde im Hospital in Belgien lag, ihre linke Brust abgeschnitten hätten. Sie schrieb einen Brief an ihre Familie in Dum- sries, dessen Wortlaut die „Westminster Gazette" veröffentlichte. Weiter wird erzählt: Nachdem sie den Brief geschrieben hatte, wäre sie gestorben. Alles dies sei geschehen, weil die Schwester Hume einen deutschen Soldaten niedergeschossen habe, der einen von ihr transportierten Verwundeten angefallen habe. Diese in allen Einzelheiten ausgeführte Geschichte machte auch in Holland ungeheuren Eindruck. Nun rostete ein englycher Journalist in Hudderfield Trinity Street 62 bei der Familie der Schwester Hume Nachforschungen. Daöff- uete die angeblich tote Krankenschwester selbst die Tür. Sie war frisch und gesund: weder sie noch irgend eine andere Krankenschwester sind irgendwie mißhandelt worden. Die ganze Geschichte ist völlig erlogen. Selbst der „Daily Telegraph" dementiert diesen infamen Schwindel.
Die französische Anleihe in Amerika gescheitert.
Ein Londoner Telegramm an ^Stockholms Dag- blad" teilt mit, daß die französischen Anleiheversuche in Amerika endgiltig gescheitert sind, da die amerikanische Regierung chre Zustimmung verweigerte. Frankreich will Ersatz in London suchen.
Vilm-Sum und andere Abscheulichleiten.
Das Zeugnis eines schwedischen Arztes.
WTB. Berlin, 21. September. Der schwedische Arzt Dr. Ekren berichtet: In den Krankenhäusern Frankfurts und in dem Festungsgarnisonlazarett zu Mainz habe ich verwundete deutsche Soldaten ««tersucht, deren Verletzungen derart schwer waren und deren Wunden einen so eigenartigen Charakter trugen, daß man mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit annehmen kann, es seien in diesen Fällen sogenannte Dum-D«m- Geschosie völkerrechtswidrig verwendet worden. Eine Reihe von verwundeten deutschen Soldaten hat mir erklärt, sie hätten auf den französischen und belgischen SÄachtlLloern bei gefallenen Feinden und auch sonst
Dltm-Dum-Geschosse vorgefunden. In meinem Besitz befindet sich ein mir von einem Verwundeten geschenktes Dum-Dum-Geschoß, das von ihm aus dem Revolver eines gefallenen französischen Offiziers heransgeholt wurde. Vou einer Reihe von Verwundeten wnrde mir erzählt, sie wüßten Fälle von wahrscheinlich mit einem Messer oder mit dem Bajonett ausgestochenen Angen und in einem Falle sogar von abgeschnittenen Genitalien. Alle diese braven Soldaten aus den verschiedensten Gegenden Deucschlands waren von einer geradezu bestrickenden Glaubwürdigkeit uud Ehrlichkeit, und haben sich erboten, falls nötig, ihre Angaben dnrch den Eid 511 Von unseren Gegnern erwarten wir nicht die Ehrlichkeit, daß sie sich zu den von ihnen begangenen Scheußlichkeiten auch bekennen werden. In den neutralen Staaten, die zum großen Teil unter dem Einfluß englischer und französischer Lttgenberichte stehen, wird das Zeugnis des schwedische»! Arztes aber wohl schwer ins Gewicht fallen.
Die Untersuchung der russischen Grausamkeiten.
Der gefangene russische General Marios soll bekanntlich den Befehl gegeben haben, sämtliche ostprenßt- schen Förster zu erschieße»». Als Beweis, daß es gerade der General Marios gewesen sein soll, der diese»» Befehl gegeben hat, dient ein Funkspruch, der jetzt bekannt- gegeben wird:
WTB. Berlin, 21. September. Aufgefangener Funk, sprnch vorn 25. August 1914, 12 Uhr mittags, General Postvivski an den Kommandenr des ersten Armeekorps. Ich bitte unverzüglich weiterzugeben. An die zweite Infanteriedivision und den Stab des 23. Armeekorps, 7,13 Uhr morgens an Bsk. Der kommandierende Befehl, eine Mompognie mit einem energische»» Kommandeur auszuschicken mit den» Aufträge, alle Förster ohne Er- barinei» zn erschießen.
Für die gegen General Martos erhobene Beschnldi- gmtg hat sich bis jetzt teln Beweis erbringen lassen. Marios bestreitet seine Schuld. Die Untersuchung wird aber fortgesetzt. Marios befindet sich bekanntlich krtegö- gesangel» in Deutschland.
Ein modernes Feuergesechl.
Wohin ist die Zeit entflöhe»», da der Kämpfende deut Gegner ins Antlitz sah und die Kräfte und den Akut wachsen fühlte, wenn der Feind ihn mit wild rollenden Klugen anschante nnd unter Geschrei die Stelle suchte, in die er das Bajonett einbohren oder die Kngel hineill- senden konnte? Die Heere standen nur wenige hnndert Meter voneinander entfernt; die Führer, die der» Kainpf- platz prüften, erkannter» einander, und es Wenn nicht selten vor, daß der Widerhall der BefehlSrufe der etnen zu den Ohren der anderen gelangte; man rief sich die Namen der Sruppeugattinigen zu: „Da ist die Jn- fänterie, da find die Kürassiere, die Husaren, da ist die Artillerie . . ." Und das alles geschah vor noch nicht gar so vielen Jahren: z»rr Zeit der Stapoleonischen Kriege, ja zum Teil sogar noch zur Zeit des Krin»- krieges. Jetzt hat sich das alles geändert. Ein höherer russischer Offizier schilderte einen der Kämpfe des russisch-japanischen Krieges und den Seelenzustand der Kämpfenden in folgender Weise:
„Man hat ein eigenartiges Gefühl der Beklernmung, wenn man die ersten Schüsse hört, wenn die ersten Kugel pfeifen und die ersten Schrapnells platzen. Die Leute liegen lang auf der Erde und schießen. 39 oh in schießen sie und auf wen? Man sieht niemand. Die Gewehrvisiere sind fast senkrecht aufgerichtet, ein sicheres Zeichen, daß auf große Entfernung geschossen wird; aber der Feind hält sich verborgen, und man sieht schlechthin nichts. Hat sich die erste Nervenerschlitterung ein wenig gelegt, so fragt man, ob die Soldaten wirklich das Ziel sehen. Und die Antwort lautet: „Soeben noch sahen wir sie, jetzt habe»» sie sich versteckt." Der Offizier blickt seinen Leuten ins Gesicht: lauter ernste, gefaßte, ruhige Gesichter. Hin und wieder treffen die Kugeln den Kanin» der Verschanzung, und es erhebt sich ein leichtes Staub- wölkchen- manchmal wieder fliegen sie mit einem langen, pfeifenden Tor» über die Köpfe hinweg. Die Stunden vergehen. Und plötzlich steht die Feldküche der Kompagnie da. Wenn es auch and Sterben geht, so braucht man darum noch lange nicht aufs Esser» zu verzichte»» .. . Man ist jetzt weit ruhiger als zu Beginn, und der Himmel erscheint einem weit heiterer.
Und da find ja auch die Feinde. Ma»» entdeckt plötzlich auf 1500 Schritt ein paar Pünktchen, die man vorher nicht bemerkt hatte, die man and) jetzt nicht unterscheiden würde, wenn sie sich nicht bewegten und nicht den Platz wechselten. „Sie schießen schlecht," sagte ein Leutnant, der fast ungedeckt aufe einer Verschanzung sitzt. Die Kugeln pfeifen jetzt in übergroßer Zahl, aber sie gehen fast alle zu hoch . . . Auf einmal wird es anders, der Feind beginnt richtiger zu schießen. Kreideweiß fällt ein Soldat mit einem Plauz in den Schützengraben zurück. Eine Kugel ist ihm durch den Kopf gegangen. Ein anderer Soldat stöhnt halblaut auf, verläßt die Verschanzung und wankt zum Verbandplatz. Die Lage wird unangenehm und gefährlich. Man hört ringsumher in der Luft ein Sausen und Surren und denkt: gilt das diesmal mir? Zu Hunderten pfeifen die Kugeln, manchmal werden zwei, drei Mann auf einmal verwundet und dann wieder stundenlang keiner. Viel Zeit vergeht, und plötzlich erscheinen andere Soldaten in der Feuerlinie,' mit ihnen fommt der Ba- taillonskommandant, der Befehl gibt, die Offensive zu ergreifen. Die erste Schützenlinie erhebt sich, nicht alle auf einmal, sondern gruppenweise, und die Leute laufen vor, indem sie sich bald zusammenschließen, bald breiter ausschwärmen. Es scheint Kngelt» zu hageln. Wie viele bleiben jetzt nicht unbeweglich auf der Erde liegen.' Man sollte nicht glauben, daß man unter diesem Bleihagel vorwärts stürmen oder auch nur aufrecht stehen kann. Und doch, im gegebenen Arigenblick, springt jeder auf und eilt aus den Feind zu.
Vorwärts! Die Gesichter sind noch bleicher geworden, die Augen glühen noch heißer. Der Schritt wird immer mehr beschleunigt. Nieder! Man ist ganz ohne Deckung, und man schießt. Die meisten schießen, ohne zu zielen. Aber auch der Feind schießt ohne zu ziele»; und seine Kugeln fliegen recht hoch. Man erkennt, daß auch er nervös ist, und sucht die eigene Nervosität dnrch ein betäubendes Schnellfeuer zu zerstreuen ... Die KMeln treffen jetzt mit größerer Gewalt. Ma»» sieht nicht mehr wer fallt, noch wer vorwärtögeht. Die dunklen Punkte, die Feinde, werden jeden Mugenblkl größer. Jetzt kann man bereits genau die Uniformen unterscheiden. Die Kugeln sausen nicht mehr mit einem Klagelaut durch die Luft, sie fliegen rasch, hastig, und der Klang, den man hört, ist kein Pfeifen und Zischen, sondern ein trocknes Knattern und Rattern. Ma,r hat die Empfindung, daß diese Bleistückche»» alles, was ihnen im Wege steht, zerschmettern müssen. Es ist nicht heiß: aber alle Leute sind in Schweiß gebadet. Ihre Gesichter sind blaß wie die der Toten, und die Gruppen bewegen stch vorwärts wie Automaten. Und plötzlich flieht der Feind. „Feuer!" Commandieren die Offiziere mit festem, ruhigem Ton. Sie haben sich wieder ganz in der Gewalt, und ihre Stimme ist männlich und kühn ...