Der Stand der Kämpfe in Frankreich
Reims im Feuer. Die französischen Verluste sehr groß. Der Kampf mit den Japanern.
WTV. (Amtlich). Großes Hauptquartier, 21. Sep-
tember, abends. Bei den Kämpfen um Reims wurden die festungsartigen Höhen erobert und im Vorgehen gegen das brennende Reims der Ort Betheny genommen. Der Angriff gegen die Sperrfortlinie südlich Ber- dn» überschritt siegreich den Ostrand der vorgelagerten vom französischen 8. Armeekorps verteidigten Cote Lor- raine. Ein Ausfall aus der Nordostfront von Verdun wurde zurückgewiesen. Nördlich Toul wurden französische Truppen im Biwack durch Artilleriefeuer überrascht. Im übrigen fanden heute auf dem frauzösischen Kriegsschauplatz keine größeren Kämpfe statt.
In Belgien und im Osten ist die Lage unverändert.
Die französischen Verluste ungemein groß.
Berlin, 22. September. Die französischen Verluste sind der „Nationalzeitung" zufolge ungemein groß. Nunmehr ist die deutsche Armee auf dem Vormarsch begriffen. Zweieinhalb französische Armeekorps sind bereits vollständig geschlagen. Die Dentschen beherrschen das Gebiet zwischen Maas und Oise vollständig. Die französische Armee ist in der Mitte in völligem Rückzüge, der rechte Flügel drängt die französische Uebermacht immer mehr nach Süden. Berdnn wurde weiter erfolgreich beschossen, die deutschen Belagerungsmörser erzielen große Erfolge. Wie weiter aus Rotterdam gemeldet wird, geht aus den gestrigen Pariser Blättermeldungen nn- zweideutig hervor, daß die deutschen Truppen sowohl am linken französischen Flüge» als auch bei Reims wesentliche Teilerfolge erstritten haben, die noch fortschreiten.
Der Kampf um Reims.
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Der Pariser Korrespondent der Londoner „Evening News" meldet: Wir hörten in Epernay, daß die Deutschen nach schwierigem Marneübergang seit drei Tagen Reims beschossen. Von dem Reims beherrschenden Hügel setzlicher Anblick. Die Türme des Do- Rauch gehüllt,- die Granaten platzten über den Häusern. Die Stadtbewohner sammelten sich im Rote-Kreuz-Lazarett südlich der Stadt, aber ein deut-
scher Flieger kam darüber vorbei und bald fielen Granaten mitten unter die Flüchtlinge. Es gab 35 Tote.
Als ich in die Stadt kam, war sie verlassen und die Straßen leer. Die nicht geflüchteten Einwohner waren in den Kellern versteckt. Man hörte den verschiedenen Ton der französischen Batterien südlich und der deutschen nördlich der Stadt. Ein heftiges Artilleriednell war im Gange. Ich kletterte auf einen Turm. In einem halben Kreis sah man am Horizont auf den Anhöhen die deutschen Batterien. Ihre Granaten fielen auf eine Fläche von anderthalb Quadratkilometern im Süden der Stadt oder weiter in die französischen Truppen, die dort warteten, bis die Artillerie ihnen den Weg bereiten würde. Die Artillerie wurde immerfort verstärkt, geblich auch durch Schiffsgeschütze. Viele Granaten . len auch in die Innenstadt. Der Dom, in dem man verwundete Deutsche auf Stroh gelegt und auf dem man die Rote Kreuz-Flagge aufgepflanzt hatte, wurde geschont. Im ganzen wurde während des dreitägigen Bombardements der Dom achtmal getroffen. Der an-
an-
Granaten fte
gerichtete Schaden ist aber sehr geringfügig.
Wir möchten, so bemerkt das „B. T.", dem obige Darstellung über Rotterdam zugeht, noch besonders darauf aufmerksam machen, daß diese Darstellung aus einem englischen Blatte stammt, das sich schon in Friedenszeiten durch seine deutschfeindliche Haltung her- vortut.
Die Schlacht an der Aisue.
Ein vom Schlachtfeld zurückgekehrter französischer Hauptmann erzählte, daß die Schlacht an der Aisne alle voraufgegangene» an Heftigkeit weit »bertreffe. Man habe den schlechten Widerstand der Deutschen an der Aisne als ein Manöver zur Deckung ihres Rückzuges ansehen wollen, tatsächlich aber wollten die Deutschen die Stoßkraft der Verbündeten treffen. Am Morgen des 14. September nahmen beide Armeen Fühlung miteinander. Am Nachmittage wurde die Schlacht allgemein. Zunächst beschränkten sich die Deutschen auf die Defensive, da sie offenbar die Ankunft von Verstärkungen abwarten wollten. In der Nacht zum 16. September machten die Deutschen einen furchtbaren Angriff, besonders auf den französischen Unten Flügel. Franzosen und Engländer mußten allen Mut und alle Kraft zusammennehmen, um zu widerstehen. Zehnmal wiederholten die Deutschen den Versuch, die französische Linie zu durchbrechen. Die nächtlichen Kämpfe waren die furchtbarste», die der Hauptmann in diesem Kriege erlebt hat. Der
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Litt Meisterwerk.
Roman von Paul Beye.
(Nachdruck verboten.)
Aber die junge Dame ließ sich nicht beirren. „Es gehört aber auch noch in einer anderer Hinsicht Mut dazu — nämlich der Mut, der Sitte zu trotzen," fuhr sie, von ihrem eifersüchtigen Groll hingerissen, mit erhobener Stimme fort. „Hier in Italien ist es zum mindesten nicht Brauch, daß Herren aus der guten Gesellschaft sich junge Mädchen aus den Kreisen der niedersten Komödianten —"
„Nicht weiter, Signorina —" rief Frank, jetzt doch alle Selbstbeherrschung vergessend, heftig — „ich dulde es
daß Sie eine junge Dame beleidigen, die meine höchste Achtung besitzt und —"
r.;^Äber Kinder," fiel Tante Laura fast weinend, mit
^otenen Händen ein, „was ist denn in Euch ^sahren? So zankt doch nicht. Frank, ich flehe Dich an, rnaßige Tcch Teresa hat das ja nicht böse gemeint —" oiettärHn" das gemeint hat, ist mir ganz nc eiu Ä lie. „Ich weiß nur, daß
x hat, das mir teuer und heilig Sank - « S® S»ü M? °°"" W E°-kt, w«kw Ä&N Wä ÄX erschrockener sein können. Indes Tante Laura in stummer Verwunderung und voll Entsetzen die Sünde Ä ^Ä? venerisches Lachen 1»^
Nina heftig zu schluchzen an. Sie glaubte es ja doch nicht, daß es Frank ernst mit seiner Aussage sah nichts darin, als den Ausdruck des Zornes über Teresas Verdächtigung und zitterte vor der weiteren Entwicklung der Sache. 1 wetteren
„Warum weinst Du, Nina, mein Liebling?" sagte K jaust, We Lands ergxsifend und sie zu sich ziehend.
16. September und die folgende Nacht verliefen verhältnismäßig ruhig, aber am Morgen des 17. lebte der Kampf mit großer Heftigkeit wieder auf.
Es sind allem Anschein nach die Kämpfe, die nach der Meldung aus dem Großen Hauptquartier damit endeten, daß mehr als zwei französische Armeekorps bei Noyon entscheidend geschlagen wurden. *
Weitere französisch-englische Meldungen.
, , In der „eiterte" schreibt Oberst Eousset: „Das ferndliche Heer nimmt eine derartig wunderbare Stelln,»g ein, daß dieses ohne Beispiel in der Weltgeschichte ist. Die Deutschen kämpfen in einem ungeheuren Ab- stand von ihrer Operationsbasis, mit der sie nur durch etne einzige Kommunikationslinie verbunden sind, und noch nicht einmal direkt. Man darf nicht vergessen, daß das deutsche Heer ein fürchterliches Kriegsiustrnment ist."
Während die Franzosen gestern anerkannten, daß die deutsche Artillerie bei der mehrstündigen Beschießung der Reimser Stellungen die Kathedrale zu schonen sich befleißigte, wird jetzt, wie dem „Berl. Lok.-Anz." berichtet wird, behauptet, daß der in der Kathedrale entstandene Brand auf das zielbewußte Vorgehen der im Norden und Osten der Stadt operierenden Deutschen zurückzuführen sei. Poincarö wird deshalb eine neue Depesche an den Präsidenten Wilson richten.
Das englische Pressebureau meldet: Die Lage ist nn- veräudert, das Wetter ist schlecht.
Wenn das sonst so gesprächige englische Bureau nicht mehr zu sagen hat, dann muß es um die Sache der Engländer und Franzosen verteufelt schlecht stehen.
Ein vernichtendes Urteil über Frankreich.
Aus Bordeaux wird dem „B. L.-A." gemeldet: Die Rücktrittsabsichten des greisen Sozialisten Jules Guesde haben ihre tiefere Ursache in der wachsenden Unzufriedenheit der französischen Arbeiterschaft mit der aufreibenden und aussichtslosen Kriegsführung. Die sozialistische Presse macht kein Geheimnis daraus, daß sich nach der Zertrümmerung der besten Truppen Frankreichs die heutige Streitmacht in einem traurigen Zustande befindet. Allmählich gewinne der englische Kontingent die Oberhand. Von den französischen Armeekorps sei nicht mehr viel vorhanden, obwohl die Lücken rasch ausgefüllt würden. Das Material entbehre heute der inneren Festigkeit. Auch die Berwaltungseinrich- tungen seien so mangelhaft, daß selbst Millerand nach seiner Inspektionsreise wenig Hoffnung hege, die Mih- flände abznschaffen und etwas Ordnung in die zerrüttete Organisation zu bringen. Von seinem Mißfallen an der verlogenen Berichterstattung habe Guesde in den Ministerberatungen kein Hehl gemacht. Er habe sich deshalb die Feindschaft der Poincaree besonders nahestehenden Minister Milleranö und Delcafsee zugezogen.
Englands Hilfstruppen.
Der „Daily Telegraph" vom 15. September schreibt über Hilfe, die England aus feinen Kolonien erhielt, und gibt die Stärke und Zusammensetzung dieser Kräfte wie folgt an:
Kanada. Die Kreuzer „Niobe" und „Rainbow" sind zur Verfügung der Admiralität gestellt. Eine Division von 22 000 Mann aller Waffengattungen und weitere 4000 Mann, die von Manitoba und Neu-Braunschweig ausgerüstet werden, zusammen 26 000 Mann.
Austra l i e n die Flotte des Bundes der Admiralität zur Verfügung gestellt. Ein Expeöitonskorps von 20 000 Mann, auf das im November eine weitere Jn- fantertebrigade und eine leichte Kavalleriebrigade von zusammen 6383 Mann folgen sollen. Zusammen 26 383 Mann.
Neu-Seeland. Ein Hilfskorps von einer reitenden Schützenbrigade und einer Jnfanteriebrigade. Eine Maori-Abteilung von 200 Mann zum Dienst in Aegypten. (!!)
Südafrika. Die Regierung hat die Verteidigung der Union Übernommen und damit Reichstruppen freigemacht. Diese werden dementsprechend abberufen.
N e u - F u n ö l a n d. Eine Marinereserveabteilung von 1000 Mann zum Dienst außer Landes. In jedem Falle wird die Unterhaltung der Abteilung von der betreffenden Kolonie bestritten werden. Außerdem haben die verschiedenen Kolonien Zuwendungen an Geld und Nahrungsmitteln gemacht, darunter dte kanadische Regierung 98 Millionen Pfund Mehl.
Wenn England nur nicht eines Tages mit Entsetzen wird sagen müssen: „Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los."
nicht eines Tages mit Entsetzen e ich rief, die Geister, werd' ich
England auf dem Wege zur allgemeinen Wehrpflicht.
WTB. Basel, 22. September. Der „Bund" bringt einen Brief aus London mit der Ueberschrift: „Treibt England der allgemeinen Wehrpflicht zu? Die Verpflichtung der angeworbenen Mannschaften für die Dauer
„Warum soll ich es nicht vor diesen Damen hier aussprechen, daß ich Dich liebe und mich nie mehr von Dir zu trennen beabsichtige? Ja, Signorina," setzte er zu Teresa gewandt, hinzu, „Nina ZN meine geliebte Braut und so Gott will, in kurzem mein Weib, und daß ich meine zukünftige Gattin nicht ungestraft von Ihnen beleidigen lasse, werden Sie wohl auch begreifen."
„Nun denn, viel Glück zu Ihrer Wahl," rief das Fräulein höhnisch. „Ich bedaure nur, daß ich hergekommen bin — wenn ich gewußt hätte, welche Zustände ich hier vorstnden würde, würde ich mich selbstverständlich gehütet haben, meinen Fuß über diese Schwelle zu setzen."
„Und wenn ich gewußt hätte, daß jemand so niedrig denken könnte, dies reine Kind zu verdächtigen, weil es eines schwerkranken Mannes sich so aufopfernd angenommen, würde ich mich allerdings auch besonnen haben, ehe ich seine Pflege angenommen hätte," erwiderte er rasch. „Im übrigen habe ich Sie nicht eingeladen, Signorina, Ihren Fuß über diese Schwelle zu setzen —"
„Aber Frank," rief abermals Tante Laura händeringend, „um Gotteswillen, Frank —"
„Und Sie würden mich verpflichten, Signorina," fuhr er fort, ohne des Zwischenrufs zu achten, „wenn Sie uns jetzt verlassen wollten."
„Unnötig, mir das zu sagen, Signor," fauchte Teresa, „ich gehe ohnedies schon. Ein Mädchen, wie dies da —" mit einer Kopfbewegung nach der in stummem Jammer zusammengekauerten Nina — „ist keine Gesellschaft für mich." Und stolz erhobenen Hauptes, von der jammernden und händeringenden Tante gefolgt, rauschte sie aus dem Zimmer.
»Da haben Sie recht, Signorina," rief Frank ihr nach, „ein Engel gleich meiner Nina ist keine Gesellschaft für Sie."
des Krieges oder für die Dauer von drei Jahren? Die Bedingungen, unter welchen Kitchener das Kriegsamt übernommen hat, bedeuten den Anfang des Heeresdienstes. Churchill hat jm Oberhause am 11. September anaekündigt, daß England im nächsten Jahre 25 Korps besitze» werde. Dies sei nur mit zwangsweise»» Dienst möglich.
Wechsel im russischen Kriegsministerium?
Das offizielle ungarische Telegraphenbüro teilt den Rücktritt des russischen Kriegsministers Grafen Suchom- linow mit. Ueber die Gründe verlautet:
Zwischen Suchomlinow und dem russischen Ober- kommanöterenden Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch fei es zu einem Zusammenstoß gekommen, da der Kriegsminister den Großfürsten für die russischen Niederlagen bei Tannenberg verantwortlich machte und sich im Mili- tärkasino dahin äußerte, daß der Großfürst der deutschen Armee immer ausweiche, wo er nur könne. Mit solchen Feldherren könne man nicht siegen, dann hätte man besser getan, den Zaren, das Reich »nd das Volk nicht erst in den Krieg zu hetzen.
Diese Aeußerung wurde dem Großfürsten Hinter- bracht, der den Kriegsminister „in einer für einen Offizier ehrenrührigen Weise" zur Rechenschaft zog.
Die Schilderung klingt für russische Verhältnisse nicht ganz unwahrscheinlich, doch wird man gut tun, der 9Jtel= önng vorerst einigen Zweifel entgegenzusetzen.
Wie die Russen in Ostpreußen gehanst haben.
Dem preußischen Ministerium des Innern hat der Domänenpächter Kamecke-Bujanken in Ostpreußen einen Bericht übersandt, der sich auf den Generalleutnant von Herzberg und mehrere andere mit Namen aufgeführte Offiziere als Zeugen beruft. Darin schilderte von Ka- mecke den Zustand seines Wohnhauses, das vom 24. bis 29. August Russen beherbergen mußte u. a. wie folgt:
Alle Schränke und Türen waren erbrochen, mit Aex- ten eingeschlagen, die Sachen, soweit nicht gestohlen, in alle Winde gestreut. Meine durch die Russen zerstörten Oelporträts und andere Oelgemalüe haben auf Befehl Seiner Exzellenz von Herzberg deutsche Soldaten vom Misthaufen gerettet. Die Wäsche war, soweit sie nicht gestohlen, in Drangtonnen gesteckt, mit Leim begossen, in Haufen geschichtet und dazwischen hatten die Russen im Hause ihre Notdurft verrichtet, wertvolles Meißener Porzellan war zerschlagen, die Suppenterrine als Nachtgeschirr benutzt, die Kleider meiner Frau, soweit sie nicht gestohlen, in Tonnen gesteckt und mit Leim und Honig begossen. An den landwirtschaftlichen Maschinen und der Presserei waren wichtige Teile, Zahnräder usw., abgerissen und in alle Winde verschleppt, so ist von den vier Sämaschinen keine einzige zu gebrauchen. Alle Zäune und Scheunentüren wurden zerstört. Ein ganzer Teil des Parkes ist durch Zerstörung von Bäumen vernichtet. In den Ställen sind Boxen usw. mit Aexten zerstört. Hühner und Schweine liegen kopflos auf dem Misthaufen. Mit dem Vieh unserer Leute ist ebenso verfahren worden.
Die Kämpfe in Galizien.
Nach einer Meldung der „Deutschen Tageszeitung" aus Wien veröffentlicht der „Morgen" mit Genehmigung der Zensur folgendes aus dem Kriegspressequarner:
Die Kampfpause dauert immer noch an; der Abbruch „ des Kampfes erfolgte, weil die österreichisch-Ma Armeeleitung die Unmöglichkeit erkannte, den um mindestens das zweifache stärkeren Feind znrückznwerfen. Sie hat daher ihre Truppen in einem Abschnitt ausgestellt, dessen natürliche Stärke die günstigsten Bedingungen für einen neuerlichen Vorstoß unserer Truppen und rhre Bereitstellung für eine neue Offensive bietet. Durch die Regengüsse der letzten Tage sind alle Flüsse Ost- galiziens derartig angeschwollen und reißend, daß sie nur unter dem größten Zeit- und Müheaufwanö passierbar sind. Die österreichisch-ungarische Armee kann daher in Ruhe ihre neue Bereitstellung vollziehen und die entstandenen Lücken in den Mannschaften und der Munition ausfüllen. Die der österreichisch-ungarischen Armee gestellte Anfgabe ist vollkommen gelungen. Wenn gegenwärtig die gesamte deutsche Armee vor den Mauern von Paris um die Entscheidung mit den Franzosen käm- pfen kann, so hat sie dies unserer Armee zu verdanken, die die gewaltigen russischen Streitkräfte derart auf sich gezogen und gebunden hat, daß die Russen den bedrängten Bundesgenossen, den Franzosen im Stich lassen mußten.
Enorme Verluste der Russen bei Lemberg.
Welch ungeheure Opfer den Russen die Kämpfe bei Lemberg gekostet haben, geht aus einem St. Petersburger, also zugunsten der Russen gefärbten Bericht des „Rjetsch" hervor. Es heißt darin:
16. Kapitel.
Frank hatte mit Nina verabredet, daß sie ihrem Oheim vorerst noch nicht von ihrer Verlobung Mitteilung machen sollte. Sie wollten sich nach seiner Wiederherstellung so rasch wie möglich trauen lassen und dann mit dem nächsten Dampfer nach Amerika reisen. Vorher mußte er natürlich Bozzaris Einwilligung zu seiner Vermählung einholen, da dieser doch Ninas Oheim und Vormund war. Das wollte Frank indessen persönlich tun, da Bozzari möglicherweise aus irgend welchen egoistischen Motiven Schwierigkeiten in dieser Angelegenheit erheben konnte.
Während Nina bei dem Amerikaner weilte, war sie nur ein paarmal drüben in ihrer Wohnung gewesen, um sich Wäsche und Kleider zu holen und allemal hatte der Mommino ihr eine Szene gemacht, weil er ihre Dienste entbehren mußte, auf die er die begründetsten Ansprüche zu haben glaubte.
Als sie eines Tages wieder einmal bei ihm gewesen war, kam sie aufgeregt und betrübt zurück.
„Der Oheim hat mich so heftig gescholten wie noch nie," erzählte sie. „Er war in einer fürchterlichen Laune, an der ich aber wohl kaum die Schuld trage. Nur ließ er es mich büßen, daß er von anderer Seite her eine Enttäuschung erlitten hat."
„Was ist denn das für eine Enttäuschung?" forschte Frank. ;
Nina senkte errötend das Köpfchen. „Du weißt doch," das „du" ging ihr immer noch schwer über die Lippe«, »daß der Oheim sich Hoffnungen auf die Concetta Gar- giulo gemacht — er wollte sie schon zur Frau, noch bevor sie verheiratet war, aber die Concetta lachte ihn aus und nun, nachdem ihr Gatte verschwunden war, meinte er von neuem, daß es ihm doch noch gelingen würde, sie für sich zu gewinnen. Er hat mir das nie gesagt, wetttg- standen.
Fortsetzung folgt.),