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- Der MÄchKutts« 965 Kaisers an den Herzog.

WTB. Gotha, 18. September. Auf Seiner Maje­stät dem Kaiser erstattete Meldung des Herzogs über das heldenhafte Verhalten der 95er ist folgendes Tele­gramm des Kaisers eingegangen: _

Seiner Königlichen Hoheit dem Herzog von Sachsen- Coburg und Gotha. Ich danke Dir für Dein freundliches Telegramm und beglückwünsche Dich und Deine braven 95er zu den glänzenden Erfolgen, welche in der Kriegs­geschichte unübertroffen sind. Sage dies dem Regiment.

v gez. Wilhelm.

Das Eiserne Kreuz für Prinz Friedrich Karl

von Hessen. __

Das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhielt Prinz Friedrich Karl von Hessen, der Schwager des Kaisers, der in einem Gefecht in Frankreich durch einen Schenkelschutz ver­wundet wurde.

Wieder drei deutsche Flieger über Paris.

Frankfurt a. M., 18. September. Wie derFranks, «ta" aus Malmö berichtet wird, erfährt das dortige Sudvenska Dagblatt" aus Paris: Drei deutsche Flieger kreuzten gestern nachmittag über Paris. Sie wurden van Maschinengewehren mit einem Schnellfeuer begrüßt, aber sie cl einen keinen Schaden gelitten zu haben. Meh­rere Personen wurden durch Bomben lebensgefährlich verletzt. Einige sind von Kugeln, die den Fliegern gal­ten, verwundet und getötet worden.

Aerztemaugel in Ostpreußen.

Die ostpreußische Aerztekammer gibt bekannt, daß in vielen kleineren Städten Ostpreußens große Aerzte- not ausgebrochen sei. Es wäre dringend notwendig, daß sich Aerzte bereitfinden, für die Zeit der Not dort die Praxis auszuüben.

Ansgeplünberte Lazarette im Osten.

Da durch das vorübergehende Eindringen der Rus­sen in Ostpreußen eine große Anzahl von Lazaretten und Krankenanstalten völlig ausgeplündert worden ist, sendet das Kriegsministerium einen Kommissar nach dott, dem mit Verbandmitteln,, ärztlichen Geraten und Lebensmitteln gefüllte Automobile beigegeben sind, um an Ort und Stelle fehlendes sofort für den ersten Be­darf zu ergänzen.

Wie deutsche Helden sterben.

Aus Bernburg wird geschrieben: Wie deutsche Hel­den zu sterben wissen, zeigt ein Brief, der am Sonntag während des Vormittagsgotteschienstes in der hiesigen Martinskirche verlesen wurde. Der Schreiber des Brie­ses ist der am 27. August nach einer am Tag zuvor auf französischem Boden erhaltenen schweren Verwundung gestorbene Unteroffizier Emil Aderkas von der 10. Kom­pagnie des Infanterieregiments Nr. 93. Der Brief ist an die in Bernburg wohnenden Eltern des A. gerichtet und wurde diesen zusammen von dem zuständigen Feld­lazarettprediger mit der Todesanzeige des Sohnes uber- sandt. Er lautet wie folgt:Liebe Eltern! Wenn Ihr diese Zeilen erhaltet, so werdet Ihr wohl wissen, was mit Eurem Sohn geschehen ist. Grämt ^Euch nicht und weint nicht! Ich starb den Tod fürs Vaterland. Ich kämpfte um Ehre und Ruhm, um eine heilige, ernste Sache! Und starb den Heldentod. Es galt, das Bate^ land zu schützen, den eigenen Herd zu wahren und Euch vor Schmach und Schande zu bewahren! Vertraut auf Gott! Es war sein Wille! Auf Wiedersehen im Himmel!

Euer Sohn Emil.

Jeder ein Held.

Nach der Meldung eines Wiener Abendblattes aus Krakau sprachlich ein hoher reichsdeutscher Offizier der im dortigen Militärlazarett liegt. in Worten höchsten Lobes über die Heldentaten der österreichisch-ungarischen Truppen aus, indem er sagte: Vom Kommandanten an­gefangen bis zum letzten Soldaten war jeder ein Held.

Die Kabelverbindnng zwischen China und Japan

Unterbrochen.

Die Kabelverbindung zwischen Japan und China ist lautHamb. Nachr." unterbrochen, da das Kabel zwi­schen Nagasaki und Schanghai durchschnitten wurde.

Wie stch die Engländer Berlin vorstellen.

Unter den Mitteln, mit denen England seinen Krieg gegen Deutschland führt, steht an erster Stelle die syste­matische Verleumdung, um namentlich den Neutralen die Ueberzeugung beizubringen, daß Deutschland vor dem wirtschaftlichen Ruin stehe. DieDaily Mail schreibt in ein und derselben Nachricht, daß die Arbeits­losigkeit in Berlin ganz ungeheuer sei. In demselben Atem schreibt sie aber, daß es nicht möglich ist, die Stra­ßen in Berlin noch sauber zu halten, da es an Straßen­fegern mangelt. Kinder aus den Volksschulen und Frauen müßten diese Arbeit machen, die so schlecht aus­geführt würde, daß man den Ausbruch von Seuchen fürchtet. DieDaily Mail" mag überzeugt sein, daß auch die entlegenste Seitenstraße in Berlin auch jetzt noch unvergleichlich sauberer ist als die vornehmste Straße Londons.

Ein Kaiser Wilhelms-Platz in Preßburg.

WTB. Preßburg, 19. September. Die Stadtverord­neten haben den Hauptplatz Franz Josephplatz und den Marktplatz Kaiser Wilhelm-Platz getauft. Eine gleiche Ehrung ist dem DeutscAn Kaiser seitens der Stadt Arad zuteil geworben.

Ein Heldenmäbchen.

DasBerliner Tageblatt" meldet aus Wien: DNt dem Verwundetentransport aus der Lemberger Schlacht wurde auch ein zwölfjähriges Mädchen, namens Henoch, gebracht. Ein Bein war ihm durch einen Schrapnell- schutz zerschmettert worden und mußte ihm noch während der Eisenbahnfahrt abgenommen werden. Das Mädchen hatte während der Schlacht im größten Kugelregen den in der Schützenlinie liegenden Soldaten ununterbrochen Wasser gebracht.

Das finstere London.

Die Londoner leben in einer starkenZeppelin- angst". Man macht bereits Versuche, wie man sich am besten gegen das Unheil aus der Luft schützen könne, und ein richtiges Luftwachschiff hat seinen Dienst ausge­nommen. Das wichtigste Mittel der Abwehr aber soll die Verfinsterung Londons sein. Am vorigen Don­nerstag erschien ein Erlaß des Polizeikommissars der Hauptstadt, in dem es hieß:Um die Feststellung be­stimmter Teile Londons schwieriger zu niachen, wird er­sucht, baß Bogenlicht, Lichtreklamen und starke Beleuch­tungen aller Art für die Zwecke der Autzenreklame oder glänzende Erleuchtungen der Läden vermieden werden. Wo die Ladenfront aus einer beträchtlichen Glasflache besteht, die von innen hell erleuchtet wird, soll die Be­leuchtung des Innern vermindert werden." Diesem Er­laß entsprechend lag London in der folgenden Nacht tat­sächlich fast m Finsternis da. Die Beleuchtung vieler großer Läden war stark vermindert, und man hatte Vor­kehrungen getroffen, die Wirkung der notwendigen Lich­ter nach außen abzudämpfen. In den Straßen wurden viele Lampen nicht angezündet. 5

ter nach außen abzudämpfen. In den Straßen wurden Aele Lampen nicht angezündet. Auch Lichter in den Straßenbahnen wurden nicht angedreht, und zur Er­höhung der Vorsicht wurden die Vorhänge in den Wagen herabgezogen, wenn sie sich den Brücken über die Themse

näherten und darüberfuhren. Wer London in dieser Nacht von Hügeln aus der Nähe sah, wird erstaunt be­merkt haben, wie an Stelle des Lichtmeeres, das man sonst vor sich sieht, eine nur von spärlichen Lichtern un­terbrochene Finsternis sich ausbreitete.

Europäisches Allerlei.

In der Franks. Ztg." finden sich folgende nette Scherze: Eine Anzahl französischer und englischer Archi­tekten sollen nach dem Haag geschickt worden sein, um den Friedenspalast in eine Dum-Dum-Fabrik umzu- bauen. England erhebt entrüstet Einspruch dagegen, daß wir es eines unfairen Verfahrens gegen deutsche Patente beschuldigen. Zum Beweis, daß es den deut­schen Warenschutz durchaus aufrecht erhalten will, hat es die Absichi, mehrere Zeppelin-Luftschiffe anzukaufen, die deutlich die AufschriftMade in Germany" tragen dürfen. Der Beschluß des Zaren, seine Hauptstadt echt russischPetrograd" zu nennen, hat überall begeister­ten Anklang gefunden. Wir empfehlen daraufhin der belgischen Regierung, das Seebad Ostende schleunigst

Fin de l'est" zn nennen.

Nehmen Sie das Schwein mit!"

Aus einem Feldpostbrief sei folgendes mitgeteilt: .. . Gottlob gibt es auch heitere Episoden. Am Sonn­tag morgen zogen wir in das brennende Ethe (Belgien) ein. Hier blühte uns ein Stratzenkampf, der aber durch die Feigheit der Bewohner nicht sehr blutig für uns war. Wir nahmen alles Männliche und auch alle Schinken und Speckseiten mit, denn erstens muß der Mensch leben und von hinten läßt man sich auch nicht gern erschießen. Bor einer Haustür lag ein verwundeter Franktireur, und dicht hinter ihm grunzte friedlich eine schöne fette Sau. Der vorbeireitende Major rief uns zu:Nehmen Sie das Schwein mit!" woraus prompt ein Mann fragte:

Welches denn, Herr Major?"

Aächtliche Fahrt.

Von einem im Felde stehenden Oberleutnant..

In der Ferne brüllt die Schlacht. Der heiße Som­merabend brütet über der kleinen französischen Stadt und lastet im wolkenlosen Blau über den weiten Feldern und den langen, staubüberzogenen Hecken. Hinter den Wellenzügen der Ackerfelder, über den dunklen Wald­rändern oa vorn ringen die Heere Deutschlands und Frankreichs gegeneinander in blutiger Schlacht. Und während meine Kolonne von früh an ununterbrochen unterwegs war, hatte sie das lange rufende Dröhnen da vorn begleitet, in gleichem schütterstdem Konzerte.

Abends 11 Uhr. Eben habe ich mich zUr Ruhe gelegt, da schlägt es an meine Tür.Alarm! Sofort Munition vorführen!" In drei Minuten bin ich fertig, und eine Minute später gleitet mein Auto durch die Gartenwege der Villa hinaus in die schweigende Nacht, hinunter die langen Straßen zum Bahnhof, wo hastiges Leben herrscht. Der Adjutant wartet bereits und erteilt rasch mir die Befehle des Kommandeurs. Dringender Munitionsersatz ist geboten. Während wir noch sprechen, biegen meine schweren Lastzüge schon um die Ecke und fahren fauchend und donnernd auf den kleinen Platz vor dem Bahnhöfe. Hastig wird der schöne Proviant abge­laden. Aus dem Dunkel der Nacht tauchen knarrend in endlosem Zuge die Pferdewagen der Munitions­kolonne, die von hinten kommt und deren Ladung ich vorbringen soll. In eiliger Hast werden Patronen, Gra­naten und Schrapnells in meine Lastzüge geladen, und zwei Uhr nachts gebe ich den Befehl zur Abfahrt.

Die lange Reihe der glühenden Äugen setzt sich rat­ternd in Bewegung und biegt in die große Landstraße stratze nach Süden. Rot leuchtet von fern der Feuerschein eines brennenden Dorfes. Es ist eine unheimliche Nacht. Franktireurs sollen links von uns sein.

Nun vorwärts! Die Stadt verschwindet hinter uns. In dichten Schwaden wallt der Staub auf und ballt sich vor den Scheinwerfern zu undurchsichtiger Masse. Nur weiter! Da stockt die Kolonne. Ein nmgestttrzter Wagen liegt auf der Straße und muß weggeschafft werden. Als ich wieder anfahre, bleibt der Wagen Nr. 3 stehen. Hin und nachsehen. Ueber dem Steuerrad hängt der Fahrer und schläft, links heraus hängt sein Begleitmann und schläft auch. Zu groß war die Anstrengung seit 24 Stun­den ohne Schlaf. Mit kräftigen Flüchen reiße ich die beiden aus dem Schlafe, und weiter geht es.

Ringsum schweigende Nacht. In schweren Tropfen klatscht der kalte Nachttau hernieder. Aus dem Dunkel löst sich plötzlich eine Gestalt und tritt auf uns zu. ,,Feld- haubitzerrmunition?" fragt sie dringend.Nein, die kommt noch!" Und wortlos tritt die Gestalt zurück, und an der langen Wagenreihe der wartenden Munitions- kolonnen ziehen wir vorbei.

Da plötzlich zerstörte Drahthindernisse zur Rechten und zur Linken. Gefällte Bäume, die auf beiden Seiten halb noch auf der Straße liegen. Dann betäubender Aasgeruch. Und im Scheimverserlicht, im weißglänzen­den Nebel- und Staubqualm liegen riesenhaft verzerrt, ungeheuerlich vergrößert zwei groteske Ungetüme wüster Phantasie vor uns. Steif ragen die Beine in die Luft, der Leib unnatürlich angeschwollen, tote Pferde, um die wir mühsam herumfahren. .

Wieder ein schweigendes Dorn Aber mit einem Male schaudere ich unwillkürlich. Oede, zertrümmerte Mauern glänzen im Lichte, zersprengte Wände, wüste Schutthaufen, ragende Schornsteine, die höhnisch ins Dunkel der Nackt ragen. Trümmerhaufen nach Trüm­merhaufen, es will nicht enden. Was hinter der Wand liegt, die das Licht meiner Scheinwerfer begrenzt, kann man nur ahnen. Immer neue groteske Ruinen, die unheimlich auf uns niederstarren. Und dann von rechts ein gespenstisches Knistern und Knattern und Prasseln.

Gott sei Dank, wir sind durch! Unwillkürlich trete ich den Akzelerator, daß mein Wagen vorausschießt. Da Hufschlag in schweigender Nacht. . Und plötzlich vor mir ein Reiter, der geblendet in Scheinwerferlickst starrt. Aber was ist das? Das ist kein Feldgrau. Dunkel­blauer Rock und Hose, mit zwei Reihen Knöpfen und dunkelblauem Käppi. Jetzt verschwindet er Beinahe ebenso schnell, legt es sich mir auf die Brust, französische Chasseurs. Wo kommen sie her? Sind sie durchge- brochen? Zurück mit dem Wagen. Flüsternd gebe ich den Leuten Anweisung, dann geht es langsam vorwärts. Von jedem Wagen spähen zwei Augenpaare in das dampfende Nebelgrau. Jetzt reißt der schwarze Schwa­den vor einem Windston auseinander und legt plötzlich die Gegend links auf der Straße auf etwa hundert Meter frei. Und ebenso plötzlich gewahren wir eine sich bewe­gende dunkle Masse auf dem Felde. Französische Rufe ein Blitz drüben und in knirschendem, häßlichen Klirren schmettert das Glas meines lmken Scheinwerfers weg. Die Bremsen knirschen, die Räder scharren, se­kundenlang scheint dichtester Wirrwarr, dann knallt es hinter mir, und säst gleichzeitig prasselt, sich förmlich überstürzend, von der langen Reihe der Wagenkolonne ein Karabinerfeuer los, hinein in die dunkle Masse der Reiter" durch die scharfe Nebelluft schlägt scharfes, peit- & Kracken. Mossewiehern Geschrei, französische Kommandos. In eiliger Hast entleere auch ich das Ma­gazin meines Karabiners auf die dunkle Masse. Und kaum eine halbe Minute vergeht, da stieben die Retter schreiend nach allen Richtungen auseinander. Das Feuer

schweigt. War alles nur ein böser Traum? Jäh er- scheint mit klagendem Wiehern vor den Laternen ein Pferd, das linke Auge ist ausgeschossen und hängt blutend halb heraus, mit jähem Satze steigt es geblendet vor dem Kühler meines Wages steil in die Höhe, dreht und rast. ^""Drüben hört man das Wimmern und Rufen in französischer Sprache. Aber wir haben keine Zeit. Eine halbe Stunde später setzt sich die Kolonne wieder in Bewegung in die schwarze Stacht, in das allmählich grau werdende Nebelmeer. Es bcpimtt zu dämmern. Wieder erscheint ein Dorf. Ein Reiter taucht auf, diesmal in Feldgrau.Munition?"Jawohl! Granaten und Schrapnells."Gott sei Dank."

Und wieder beginnt ein fieberhaftes Umladen auf die leichten Munitionskolonnett. Uebernachtigt, fröstelnd stehe ich in dem jungen Herbstmorgen an einer Hecke vor dem Dorfe und lausche dem brüllenden, beUrahe angstvollen Donnern der neu entbrannten Schlacht. Wir bringen neue Nahrung für die Hungrigen, bronzenen Mäuler, der kritische Moment ist vorbei. Und als wir müde und bunarip im Quartier wieder eintreffeu, über­holt uns bereits die Kunde, die wundervolle:Die Frau-

unwillkürlich. Lieb Vaterland magst ruhig sein: Mit dieser herrlichen Armee ist

Deutschland unbesiegbar.

Lauchen in Marokko.

Die Kabylen rufen zumheiligen Krieg" gegen Frankreich auf.

Ist England durch Unruhen in Indien und Aegy^ ten in eine schwierige Lage versetzt, so hat Frankreich allem Anscheine nach mit ähnlichen Schwierigkeiten in Marokko zu rechnen. Sowohl aus der französischen wie aus der spanischen Zone in Marokko wirb von einer Aufstandsbewegung berichtet, die auch auf die übrigen Teile des Scherifeureiches, die noch nicht ganz unter französischer Gewalt stehen, Überpreisen kann. Es wird darüber gemeldet: , B m

Wie derKölnischen Volkszettung" aus Madrid be­richtet wird, meldet derDiarto de Madrid", daß unter den Kabylen eine ganz außerordentliche Gärung herrsche. Bilder des deutschen Kaisers und seines Einzuges m Tanger werden verteilt. Auf dem Marktplatz verlesen Juden uub des Lesens kundige Araber aus demRif- telegraph", einer dort erscheinenden Zeitung, die Mel­dungen über die Siege der deutschen und österreichischen

Dazu meldet die Madrider ZeitungGvoca": Mn der französischen Zone von Tuza uub Muluja (in Ost- marokko) ist ein neuer Rogi aufgetreten, der detl hei­ligen Krieg gegen die Franzosen predigt und die Kaby­len auffordert, sich um ihn zu scharen uub die Franzosen aus dem Lande zu treiben. Der Umstand, daß die Fran­zosen einige Positionen in Marokko verlassen haben, hat wesentlich dazu beigetragen, die Zuversicht der Kabylen

Noch vor verhältnismäßig kurzer Zeit haben sowohl im Osten wie im Süden heftige Kämpfe gegen marokka­nische Prätendenten stattgefunden, und die letzte, sehr mühselige Kampagne des General Lyautey bewies daß auch das Gebiet um Fez noch lange nicht beruhigt ist. Die Rif-Kabylen sind ein stets zu Aufstanden neigendes, wildes, schwer zu zügeludes Volk, das hauptsächlich den Spaniern viel zu schaffen machte. Geht die Aufstands- bewegung auch auf die Kabylen des französischen Ma­rokko über, so ist die Herrschaft der Franzosen dort schwer

im Osten wie

bedroht.

Vermischtes,

Spartanische Tapferkeit und Aufopferung eines sächsischen Soldaten. Das 3. Bataillon des sächsischen Infanterieregiments Nr. 103 stand Anfang Januar 1871 auf Vorposten zu Villemomble, Front nach Fort Rosny. Eine unter Vizefeldwebel D. ausgeschickte Rekognoszte- rungspatronille war gegen Mitternacht mit der Mel­dung zurückgekehrt, datz heftiges französisches Gewehr­feuer sie zum beschleunigten Rückzüge veranlaßt habe, und daß Soldat Lau der 12. Kompagnie, schwer blessiert, am Platze habe liegen bleiben müssen. Alle beklagten den Verlust des lieben, jungen Kameraden. Wie groß war aber die Freude, as anderen Tages gegen 9 Ubr, nach erfolgtem Anrufe des Postens vor Gewehr, die Tür des Wachtlokals ge öffnet wurde, und kriechend auf Händen und Füßen, blutüberströmt, der durch beide Oberschenkel geschossene brave Soldat sich eingetroffen meldete. Lau hatte mit spartanischem Gleichmuts, um der Gefangenschaft zu entgehen, auf Händen und Füßen rutschend, die halbstündige Entfernung in ungefähr neun Stutiden zuriickgelegt, und dabei die nachdrängenden Gegner, mit angeschlagenem Gewehr von Zeit zu Zeit Front machend, in respektmäßiger Entfernung gehalten. Im Spital zu Vausours ehrte der Divisivuskommandeur, der söchsische Prinz und spätere König Georg, das hel­denhafte Verhalten durch persönliche Verleihung des

Eisernen Kreuzes.

3m Gefangenenlager.

Aus Minden (Westfalen) wird rms von einem

Freund unseres Blattes geschrieben: Eine größere An­zahl von Gefangenen bis jetzt 13 400 Mann und zwar Franzosen, Belgier und Engländer sind seit einigen Tagen auf dem Exerzierplätze der Mindener Garnison, der Rinderheide, untergebracht worden. Unter den Fran­zosen befinden sich viele ältere Leute bis zu 55 Jahren, ihre Kleidung, rote Hosen und langer blauer Rock, sieht vielfach verschlissen aus, dagegen sind sie mit gutem Schuhwerk ausgerüstet, ein Teil befaß sogar noch neue ungebrauchte zweite Paare. Gut.gekleidet sind die Eng­länder, schlanke Gestalten mit enganliegender, grau­grüner Uniform, deren verbissene Gesichter allerdings bezeugen, daß sie nicht gern unsere unfreiwilligen Gäste ind. Von ihren Verbündeten, den Franzosen, halten sie ich möglichst entfernt; man sagt, das Verhältnis sei nicht 'ehr vertraut. Sicherheitshalber hat man deshalb auch wieder mit ihrem Abtransport nach einem anderen Trup­penübungsplätze begonnen.

Weitere Drahtnachrichten,

Sturmschäden im ganzen Reiche.

WTB. Berlin, 19. September. Die gestrigen Stürme, die von starken Regengüssen begleitet waren, Hat ^ Berlin und Umgegend großen Schaden angerichtet. Dicke Aeste wurden von den Bäumen gerissen, ver- ichiedentllch hat der Sturm auch ganze Bäume entwur­zelt und die F^rnsprechleitungen beschädigt, sodaß große Störungen im Verkehr eingetreten sind. Im Grunewald stürzte infolge des Sturmes der Dachdecker Klepsch, der 3 Sohne im Felde stehen hat, von dem Dache eines Hauses ab und war sofort tot. Auf dem Bahnhof Jan- nowttzbrücke ritz der Sturm ein Wellblechdach ab unk warf es auf das Gleis, wodurch eine Verkehrsstörung von etwa einer Stunde entstand. - Auch aus zahlreichen anderen deutschen Orten werden Sturmschäden gemeldet.