Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be-
^en 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei 5^t5fvlOcI Hersfeld. Für die Redaktion verantworUich Franz Funk in Hersfeld.
für den Kreis Hersfeld
^ , , , ,, Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im
mCMSD Qtl amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder-
' holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt' und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschluh Nr. 8
Nr. SA.
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Verlustliste»!
Nr. 1-25. zu haben in der Geschäftsstelle der Tageblattes.
Bus der Heimat.
*(ErmäßigteFahrpreiseffürLazarett- besuche.) Minister v. Breitenbach hat angeordnet, daß den Angehörigen der deutschen Krieger, die sich innerhalb Deutschlands in ärztlicher Pflege befinden, bei Fahrten zum Besuche ihrer im Felde verletzten oder erkrankten Anverwandten eine Fahrpreisermäßigung gewährt wird. Diese soll in der zweiten, dritten und vierten Wagenklasse die Hälfte der gewöhnlichen Sätze betragen; bei Benutzung von Schnellzügen ist außerdem der tarifmäßige Zuschlag zu entrichten. Die Vergünstigung tritt in den nächsten Tagen für das Gesamtgebiet der deutschen Staatseisenbahnen, jedoch nur im Verkehr mit Stationen, die mehr als 50 Kilometer vom Ausgangspunkt der Reise entfernt sind, in Kraft. Als „Angehörige" gelten die Eltern, Kinder, Geschwister, die Ehefrau und Verlobte des verwundeten oder kranken Kriegers. Wer für den Besuch solcher die Fahrpreisermäßigung in Anspruch nehmen will, muß sich von der zuständigen Ortspolizeibehörde einen Ausweiß ausstellen lassen, bei dessen Vorlegung am Schalter der Abfahrtsstation er die Fahrkarte ausgehändigt erhält.
* („Krieg sstrümp fe zur gefl. Benutzun g.") Der „Manufakturist" brächte dieser Tage ein Stimm- uugsbildchen aus Hannover, aus dem wir hier folgende Stellen wiedergeben: An Wochentagen ist in der „Stadthalle" Konzert. Patriotische Weisen dringen zu dem wolkenlosen blauen Himmel empor. Man plaudert von Krieg und Politik, von Gatten, Söhnen und Brüdern, die draußen im Felde stehen, es plätschern die rteftgen, abends in allen Farben schillernden Springbrunnen, und die Stricknadeln rasseln. Ja, die Stricknadeln! Ein Unbefangener, der von den Krregsereignisfen nichts weiß, würde an den Stricknadeln erkennen, daß etwas nicht ganz im Lote ist. ®?nn wir sollten in alle schmalen, wohlgepflegten, mit Brillanten beringten Hände die Stricknadeln
Wie sollte sich so plötzlich eine große «trumpbnbuftrie auftun, öte Wollsocken, Pulswärmer Und am „Ausschank" (das Wort Buffett" sei vermieden) steht ein Körbchen mit Einem Dutzend Strickzeugen mit der Aufschrift „Kriegs- gefl. Benutzung", und jede Dame bedient ! Leiter, wo die Vorgängerin aufgehört hat.
Der Wirt stellt die Wolle zur Verfügung
Strikt Pulswärmer
,__________für unsere Truppen im Felde!____________
Weidmanns Zeit.) Für den Jäger hebt letzt die hohe Zeit an, die aufregendste und am meisten ersehnte des Jahres. Die Hirsche schreien draußen in Wald und Tal. Ein tiefer, grollender Ruf, der wie dumpfer Hörnerschall aus Dickicht und Waldesgründen heruberschallt, fordert den Jäger zum Kampfe mit dieiem edelsten Wild unserer Wälder heraus. Und mitten in der Nacht, wohl vermummt gegen die herbstlich kühle Witterung, verläßt der Jäger sein Haus, um noch vor Tagesanbruch am Brunstplatze zu Mn. Allerdings, die Hirsche sind sehr selten in Deutschlands Wäldern geworden. Wo sie noch ständig vorkommen, da treibt dies den Wert des betreffenden Reviers ganz unglaublich in die Höhe. Denn für die Erlaubnis, einen einzigen Kapitälhirsch abzuschießen, werden von passionierten Jägern, die es sich leisten können, bis zu tausend Mark gezahlt. In der Groß- tadtpreffe sind im Herbst Inserate, die solchen 916= Muß vermitteln, zu einer ständigen Einrichtung geworden. — Die starke Verminderung unserer Jäger- Zahl durch die Einberufungen der Fahne wird heuer vielleicht auch dem Hirschwild eine unbeabsichtigte Schonung zuteil werden lassen und dadurch geeignet wm, den Wildbestand wenigstens um ein paar hundert ^tuck zu verbessern. Für das nächste Jahr wäre dadurch mit einer weiteren, kleinen Verbesserung zu rechnen. Ganz aussterben wird der Hirschbestand unserer Wälder trotz seiner stetigen Abnahme wohl überhaupt nie, da die lange Schonzeit in dieser Hin-
Sonntag, den 30. September
ficht dem entgegenarbeitet, und während der kurzen Abschußfrist manches Tier, namentlich ältere Stücke, sich durch besondere Vorsichtigkeit auch demgewandtesten Jäger zu entziehen weiß.
-h- Hersfeld, 19. September. (Gewerbl.^Fort- bildungsschule.) Am 17.^. Mts. hat in der ge- werbl. Fortbildungsschule der regelmäßige Unterricht wieder begonnen. In dieser ernsten Zeit sollte kein Lehrling ohne ganz dringendem Grund die Schule versäumen. Abgesehen davon, daß ein längeres Fehlen ihm nach den Bestimmungen der Gewerbeordnung nachteilig für sein späteres Fortkommen werden kann, ist es auch des jungen Mannes Ehrenpflicht, nicht müßig zu sein, sondern mit allen Kräften die eigene Ausbildung zu fördern. Deutschland braucht voll ausgebildete, körperlich und sittlich gestählte Männer. Darum sollten aber auch die Meister dafür Sorge tragen, daß ihren Lehrlingen neben der handwerksmäßigen Ausbildung der Werkstatt auch die theoretische Ausbildung durch die Schule voll und ganz zu gute kommt.
ß Hersfeld, 19. September. In den Verlustlisten sind ferner folgende Kriegsteilnehmer aus dem Kreise Hersfeld aufgeführt: Musk. Heinrich D i p p e l-Reilos l. verw. — Musk. Wilhelm Hassen- p f l u g-Biedebach l. verw. — Unteroff. Ernst Emil G ra dus zw e s ki-Eitra tot. — Stabsarzt Otto Xylande r-Hersfeld gefallen.
§ Hersfeld, 19. Septbr. (Vom Wehrverein und Jungdeutschlandbund.) Der Deutsche Wehrverein und der Jungdeutschlandbund werden'in nächster Zeit sich wieder an den Wohltätigkeitssinn unserer Kreisbewohner zur Beschaffung von Liebesgaben für unsere im Feld stehenden Leute wenden. Töchterschülerinnen und Gymnasiasten werden deutsch- österreichische Schleifen und die künstlerisch ausgeführten Erinnerungkarten an 1813 zum Verkauf anbieten. Es wird hierdurch Gelegenheit geboten, einerseis auch durch kleinste Beträge für den guten Zweck beizusteuern, andererseits durch Weitergabe der schönen Karten an Verwundete oder an unsere Soldaten im Feld als Feldpostkarten diesen eine Freude zu bereiten.
):( Hersfeld, 19. Septembee. In hiesiger Stadt wurden etwas über V/2 Millionen Mark für die Krigsanleihe gezeichnet.
Rotenburg a. d. F., 17. September. Im Roten- burger Kreisblatt befindet sich folgende Anzeige: 30 Mk. Belohnung sichere ich demjenigen zu, der mir die Schufte, die aus der Kilian'schen Kegelbahn die für Verwundeten bestimmten Lebensmittel durch Einbruch gestohlen haben, so nachweist, daß ihre gerichtliche Be- strafnng erfolgen kann. Aulig, Justizrat.
Cassel, 18. September. Ein Herr von auswärts hatte am gestrigen Nachmittage am Bahnhofsplatze den Chauffeur einer Automobildroschke zu einer Fahrt nach Bebra engagiert. In Waldau angelangt, äußerte der Fahrgast, wenn er nicht innerhalb zwei Stunden nach Bebra gelange, werde er kein Fahrgeld zahlen. Der Chauffeur erklärte, daß er infolge des jetzigen Betriebes mit Spiritus nicht für die Jnnehaltung der Zeit garantieren könne. Der Fahrgast bedrohte darauf, indem er seinen Revolver zog, den Chauffeur mit Niederschießen, falls er umkehre. Der Chauffeur ließ sich aber dadurch nicht verblüffen ließ den Fahrgast mit seinem Schießeisen stehen und fuhr nach Casiel zurück. Fahrgeld hatte er allerdings nicht erhalten ^" Vom OhrdruferTruppenplatz. DieKommandantur des Ohrdrufer Truppenübungsplatzes gibt jetzt bekannt, daß das Lager mit den gefangenen Franzosen und Belgiern am Sonntag, Dienstag und Donnerstag gegen eine Gebühr von 20 Pfg. pro Person besichtigt werden darf. Die Eintrittsgelder sollen zur Kriegsfürsorge dienen. . Der Besuch ist auf die Zeit von 1 bis 5 Uhr nachmitags festgesetzt.
Fulda, 18. September. (Ritter desEisernenKreuzes im Feld.-Art.-Regt. Nr. 47) Für Tapferkeit vor dem Feinde haben folgende Herrn des Regiments die ehrende Auszeichnung des Eisernen Kreuzes erhalten: Oberst und Regimentskommandeur Landauer, Oberstleutnant Becker, Major von der Hardt, Hauptmann und Batteriechef (6.) Freiherr von Puttkamer, Hauptmann Uhde, sowie der frühere Regimentskommandeur Oberst Neugebauer im 1. Masurischen Feldartillerie-Regement Nr- 73 in Allenstetn.
Greiz, 18. September. Der 70 Jahre alte Privatier Köhler aus dem benachbarten Obergrochlitz erschoß sich, weil er mit seinem Freunde in Streit geraten war. Köhler, der 30 Jahre lang Vorsitzender des Gemeinderats war, hatte sich beim Kriegsausbruch freiwillig gemeldet und war trotz feiner 70 Jahre auch genommen worden. Daß die Einberufung solange auf sich warten ließ, war mit ein Grund zu seiner in der letzten Zeit beobachteten Reizbarkeit.
1914.
Durch die Lupe.
(Etwas von unseren Feinden in Versen.)
Was bisher wir in den Schlachten — an Gefangenen erwischt, — zeigt uns deutlich, die Gesellschaft — ist tatsächlich sehr „gemischt". — Russen, Belgier, Franzosen, — Englands bunte Söldnerschar — gleichen sich in ihrem Werte — alle ziemlich auf ein Haar. — Ewig mit der großen Schnauze — ist der Franzmann bei der Hand, — ließ sich's mit dem Maule siegen, — wär' er längst im deutschen Land. — „Nach Berlin" verlangt alltäglich — er in ungestilltem Drang, — kriegt er dann mal deutsche Hiebe, — schreit „Verrat" er stundenlang — und verkündet, wo er kraucht, — — daß sein General nichts taugt.--Nicht viel besser ist der Russe, — dem schon längst der Wutki fehlt, — daß man diesen ihm verboten, — ist's, was ihn besonders quält. — Plündern, morden, sengen, rauben — gilt ihm mehr als Kampf und Steg, — nur durch seine große Anzahl — gilt als Gegner er im Krieg.--Der Japaner, falsch und listig, — zeigt sich nur in einem groß, — er bemüht sich, da zu stehen, — wo das Risiko nicht groß. — die polit'schen Ehrbegriffe — bleiben ihm für immer fremd, — nur den Feind, den er für tot hält, — raubt er aus noch bis aufs Hemd.--Doch am aller widerlichsten — mutet uns der Brite an, — der inzwischen eingesehen, — daß er's doch nicht schaffen kann. — Viel zu feig', um brav und ehrlich — gegen uns ins Feld zu zieh'n, — hetzt als echte Krämerseele — er die andern zum Ruin. — Was allein in diesem Kriege — er versteht, ist freches Lügen, — das besorgt er so geschäftig, — daß sich drob die Balken biegen. — Vor der Welt will er der Engel — von Europas Frieden sein. — doch im innern ist er neidisch, — falsch und niedrig und gemein. — Englands falsche Heuchlerlarve — endlich ihm herabzureisten, — wird und muß in diesem Kriege — uns der Pflichten höchste heißen, — und schon jetzt, nach kurzen Wochen, — hat er ja .nichts mehr zu lachen, — weil wir ihm zum bösen Spiele
— gar zu gute Minen machen. Walter-Walter.
Gebet im Schlachtgetümmel.
Großer Gott, wir fleh'n zu dir, Vater, merk' auf nns're Stimme;
Raffelnd, tobend bricht Herfür Rings der Feind mit wildem Grimme.
Sei du unsre Wafs und Wehr, Hilf uns, treuer Gott und Herr!
Du regierest unser Los,
Sei es Sterben, sei es Leben.
Dir gehorcht jedes Geschoß,
Du allein fandst Sieg uns geben.
Wie du willst, so gehn wir mit,
Folgen dir auf Schritt und Tritt.
Stähle uns'res Herzens Mut,
Während's blitzt und kracht und wettert.
Fließt aus Wunden unser Blut,
Wird uns Bein und Brust zerschmettert,
Führ' uns, Gott, dem Siege zu,
Nimm uns auf in deine Ruh'!
Herr der Schlachten, wir vertrau'n
Dir, dem güt'gen und gerechten.
Wollest gnädig niederschau'n
Auf die Reih'n von deinen Knechten.
Ueber der Besiegten Schar
Steig empor der deutsche Aar!
Elze (Hannover). Friedrich Lillie
Verzeichnis
der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
Für das Rote Krear, Sektion Hersfeld
von Schule in Hilmes........M. 11.—
„ Mittwochskränzchen hier.....„ 3 —
„ Schüler Arthur Faßhauer hier . . „ 5.— „ Herrn Eduard Westphal hier . . . „ 5.— „ Allg. Bildungs-Verein hier . . . . „ 100.— „ Herrn Ernst Herda hier.....„ 20.—
„ Reinertrag aus Verkauf von National- bändchen der Fa. J. Unruh hier „ 45.— „ Herrn Wilh. Wever hier.....„ 100.— „ Frau Reg.-Landmesser Ostermeyer hier „ 20.— „ Herrn Joel Nußbaum hier . . . . „ 5.— „ Schule zu Heenes........„ 47.05 „ Ungenannt..........„ 1.10 „ Frau Lenz, Reilos.......„ 20.— „ Herrn Feldwebel L. Ehrhardt hier . „ 10.— „ Frau Wwe. Forentine Ehrhardt . . „ 10.— „ Herrn Zeichenlehrer Falk hier . . „ 20.— M 422J5
Bestand „ 21484.04 heutiger Bestand M. 21900.19