Einzelbild herunterladen
 

Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Weiter

für den Kreis Hersfeld

Mbit

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag».

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" ,

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

. jj- I 1 - " 1,'.'-_. _in I I I J I ' "»P»ggR*w^WW«WBR-»^^lW

Nr. SIS Freitag, den 18. September 1814

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

zeichnet die Kriegsanleihen!

toW

Nr. 123b zu haben in der Eeschöfts- fteke des Tageblattes.

Im der Heimat«

* (Die Verwertung von Fallobst.) Prak­tischen Hausfrauen, Volksküchen, Krankenhäusern usw. bieten sich eben die günstigste Gelegenheit, durch die Verwertung des durch den Sturm entstandenen bil­ligen Fallobstes sich mit Wintervorräten an gesunden Zuspeisen zu versorgen. Frisch aufgelesene Falläpfel in gemischten Sorten werden gewaschen, in 4 Teile geteilt, das Kerngehäuse und die Faulstellen beseitigt, mit etwas Wasser weichgekocht, dann mit einem Stößer durch ein Sieb getrieben und der Masse nach Be­lieben Zucker zugesetzt, also ein richtiger Aepfelbrei bereitet. Dies wird in Einmachgläser gefüllt und 20 Minuten sterilisiert. Wo ein Einkochapparat fehlt und wem die Gläser zu teuer sind, verwendet man gut gereinigte Wasserkrüge oder Flaschen. Nachdem mit einem Trichter die warme Masse eingefüllt ist, werden die Gefäße gut verkorkt, fest überbunden und dann in einem mit Wasser halbgefüllten Waschtopf, helfen Boden mit Holzwolle, Stroh oder alten Tüchern belegt ist, 20 Minuten langsam gekocht. Falls hierbei eln Korkstopfen etwas oder ganz herausgetrieben wird, so befestigt man ihn wieder und tauche später alle nach dem Abtrocknen in heißgemachten Flaschen- lack. Dieses Kompott hält sich gut und wird Ge- sunden und Kranken vortrefflich munden. Aehnlich lassen sich die eben billigen Steinobstsorten und auch Tomaten verwerten.

^^utz den Chinesen! Da für die große Mehrzahl der Bevölkerung eine Unterscheidung zwischen chinesischen und japanischen Staatsangehörigen außerordentlich schwierig ist, haben sich seit dem Ein- greifen Japans in die kriegerischen Ereignisse Fälle Ereignet, in denen Chinesen belästigt worden sind.

. politischen Gründen muß Wert darauf gelegt werden, daß sich derartige Vorkommnisse nicht wieder-

Chinesen tragen Abzeichen in Form von M^rn Flaggen aus Seide oder Email in den chinesischen Nationalfarben: rot, gelb, blau, weiß und uno schwarz, bezw. kleine Rosetten in diesen Farben.

*Der Deutsch nationale Handlungs- Pilsen-B e r b a n d, Ha m bur g, hat für 260 000 Erk Kriegsanleihen gezeichnet und den Sparern, die bisher nicht weniger als 4V2 Millionen Mark bei jerner Sparkasse eingezahlt haben, mitgeteilt, daß er berert ist, die Beträge, die seine Sparer für die »crregsanleihen zeichnen wollen, ohne Einhaltung der sonst geforderten Kündigungsfrist und ohne Unkosten-, verechnung auszuzahlen und auch die Besorgung der Anlechestücke zu vermitteln. Der Entschluß des Ver­bandes zeugt von einem festen Vertrauen in die Lage das hoffentlich über den Verband hinaus in weiten Kreisen desneuen Mittelstandes" werbend für die Anlage von Ersparnissen in Kriegsanleihe-Anteilen wirken wird.

* (DasDien steinkommeneinberufener Lehrer.) Der Kultusminister macht in einem Er­laß darauf aufmerksam, daß den zum Kriegsdienst emberusenen Lehrern an öffentlichen Volksschulen und mittleren Schulen, soweit sie endgültig oder einst­weilen angestellt sind, regelmäßig während der Dauer des Kriegsdienstes das Diensteinkommen unverkürzt Sustehe. Ebenso sollen den auftragsweise beschäftigten Lehrern, deren Auftrag nicht nur vorübergehend, d. h. von vornherein oder durch sonstige Umstände bis zu einer bestimmten Zeit begrenzt ist, falls nicht aus besonderen Gründen der Widerruf des Auftrags an­gezeigt erscheint, die Besoldung für die Zeit der Ein­berufung zum Militärdienst in allen Fällen weiter gewährt werden, in denen sie eine erledigte Stelle oder eine Stelle, deren Diensteinkommen verfügbar rst, verwalten und eine fixierte monatliche Besoldung erhalten.

* (Vom Postanweisungsverkehr.) Von amtlicher Seite wird uns geschrieben: Für Postan­

weisungen nach den Niederlanden und den nieder­ländischen Kolonien gilt jetzt das Umrechnungsver­hältnis von 100 Gulden gleich 178 Mark.

* (Das Ende der Gerichtsferien.) Die diesjährigen Gerichtsferien sind gestern zu Ende ge­gangen. Tatsächlich waren sie schon seit dem 1. August, dem Beginn des Krieges, beendigt, denn alle Richter und Justizbeamte waren alsbald aus den Ferien zurückberufen worden. Es wurden jedoch bis gestern nur Feriensachen bearbeitet und erledigt. Von jetzt an tritt wieder die volle Gerichtsbarkeit in Kraft.

Strickt Strümpfe

für unsere Truppen im Felde!

§ Hersfeld, 17. September. Von Beamten des Wach- und Schließ-Jnstituts wurde in der Nacht auf Mittwoch hinterm Eichen eine große Kanne mit Milch gefunden. Die Untersuchung ergab das dieselbe an der hiesigen Kreisbahn gestohlen wurde. Der Dieb konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden.

Niedergrenzebach (Kr. Ziegenhain), 15. September Beim Einernten von Grummet gerieten die beiden Söhne des Landwirts R., junge Burschen im Alter von 16 und 17 Jahren, in Streit. Dabei beleidigte der eine den andern derart, daß dieser heimlief und aus gekränktem Ehrgefühl Selbstmord beging, indem er sich erhängte.

er

Marburg, 15. September. Wie aus einer Ver­fügung des Vorsitzenden des Kreisausschusses für den Landkreis Kassel hervorgeht, befindet sich die Landes­heilanstalt zu Marburg infolge des Kriegsausbruches in sehr schwieriger Lage, da 3 Aerzte und 32 Pfleg zum Kriegsdienst eingezogen worden find, ohne daß nur einigermaßen ausreichender Ersatz geschafft werden konnte. Infolgedessen können Aufnahmen in die Landesheilanstalt bis auf weiteres nur in wirklich dringenden Fällen stattfinden.

Ernsthauseu (Kr. Frankenberg), 16. September. Am 12. September wurde der verdiente, langjährige Kantor und Lehrer Julius Dehnhardt unter zahl­reichem Geleit zu Grabe getragen. 50 Jahre hat er in großer Treue der Gemeinde Ernsthausen, mit der er durch zwei Generationen verwachsen war, gedient.

Duderstadt, 12. September. Dem Buchdruckerei­besitzer Heinrich Wegener hier ist aus Anlaß des iWhrigen Bestehens seiner Zeitung fürs Eichsfeld der Kronenorden 4. Klasse verliehen.

Witzeuhausen, 11. September. In dem Bischen Drogen- und Kolonialwarcngeschaft am Markt brach gestern nachmittag durch Unvorsichtigkeit berm Kochen von Bohnerwachs ein Brand aus. Das Feuer fand an der Ladeneinrichtung und Vorräten reiche Nahrung und ergriff dadurch auch das angrenzende Kontor. Trotz der schnell herbeigeeilten Freiwilligen Feuerwehr brannte der Laden und das Kontor voll­ständig aus. Ein Bewohner des Hauses zog sich bet der Hilfeleistung schwere Verletzungen am Arm zu.

Soudershausen, 14. September. Der Oberbürger­meister Kämmerer-Sondershausen, der als Oberleut­nant unter die Fahne berufen war, ist auf dem Felde der Ehre gefallen.

Hameln, 14. September. Ein Großfeuer, wie man es hier seit langem nicht erlebt hat, brach dem Hann Kur." zufolge, in den frühen Morgenstunden dkr letzten Nacht in her früheren Zu-t-rrafftnerie, den jetzigen Nordwestdeutschen Hefe-und Spritwerken aus. Außer diesen wurde auch dre Teppichfabrik von Kühlmann u. Co., sowie eine Schweinemasterer durch das Feuer zerstört.

Aus Waldeck, 14. September. In Hüdingen starb das dreijährige Söhnchen des im Krieg befindlichen Landwirts Schär nach dem Genuß von Tollkirschen.

wurde

Divvach, 14. September. In der Nacht zum Sonntag .^de der Schachtarbeiter Niebergall aus Obersuhl an der Schachtbahnstrecke Alexandershall-Abterode tot aufgefunden. Niebergall war nach Schichtwechsel auf dem Heimweg begriffen, geriet bei der herrschenden Dunkelheit auf Irrwege und kam an eine dicht an öle oben bezeichnete Bahnstrecke angrenzende Felswand, an welcher er abstürzte. Der Verunglückte hinterläßt eine Witwe mit 5 Kindern.

Hauau, 16. September. Beim Heufahren für das Proviantamt geriet der Fuhrknecht Kaspar.Hohmann unter die Räder seines eigenen Wagen und wurde totgefahren.

Chemnitz, 11. September. Wie die Neuesten Nach­richten melden, wurde der Bäckermeister Müller mit seiner Frau und 2 Kindern heute früh in seiner Wohnung vergiftet aufgefunden. Müller war Pächter

der altenHinter der Klostermühle". Sein Geschäft wurde vorgestern wegen Verkaufes von minder­wertigen Waren vom Bezirkskommando geschlossen.

Frankfurt a. M., 16. September. Hier hat sich ein Ausschuß aus Frauen aller Kreise gebildet, welcher die Frauen Frankfurts auffordert, den entbehrlichen Gold- und Silberschmuck zugunsten notleidender kleiner Existenzen gegen eisernen Schmuck einzutauschen. Der Erfolg ist ein ungeahnt großer, konnten doch schon in den ersten Tagen Einlieferungen im Werte von 50 000 Mark erzielt werden. Wie wir hören, sollen nunmehr in allen Städten Deutschlands Aufrufe für gleiche Bestrebungen erfolgen.

W mir» aus 6trf«nltnt« Schiffen?

Die großsprecherischen Engländer haben ihre An­kündigung, daß sie bei Ausbruch eines Krieges mit Deutschland die deutsche Flotte in Grund und Boden bohren werden, bis jetzt noch nicht in die Tat umge- setzt. Unsere kleinen Kreuzer haben den Briten ge­zeigt, daß deutsche Matrosen auch mit einem über­legenen Gegner den Kampf nicht scheuen. Die See­schlacht läßt darum noch auf sich warten, die englischen Seeräuber kapern dafür, harmlose Handelsschiffe, denn das ist ungefährlich und versenken sie in die Meeres­tiefe. Was geschieht nun mit diesen versunkenen Schiffen ? In Friedenszeiten wird wohl in vielen Fällen der Versuch gemacht, gesunkene Schiffe zu heben. Im Kriege ist das natürlich nicht gut möglich, das Schiff bleibt auf dem Meeresgrund liegen. Sein Rumpf oder dessen Trümmer werden sich allmählich mit den Kalkabsätzen überziehen, die von den un­zähligen kleinen oder größeren Meeresbewobnern abgesondert werden. Diese Schichten werden mit der Zeit dicker, dann siedeln sich Eutenmuscheln, Korallen, Schwämme, unzählige Weichtiere und zahlreiche Meerespflanzen auf dem Schiffe an. Nach und nach zersetzen sich auf diese Weise die hölzernen Schtffsteile, und schließlich muß dann die Zeit kommen, wo der Zerfall eintritt. Wie lange dieser Prozeß dauert, läßt sich natürlich nicht sagen. Das eine steht fest: Eiserne Schiffe gehen sehr viel schneller zugrunde als hölzerne, da die chemische Wirkung des Meerwassers das Eisen schnell angretft. Diesem Einfluß wieder- steht auch das Kupfer nicht lange, nur Gold und Platin sind von allen Metallen für das Meerwasser unangreifbar. Die völlige Vernichtung hölzerner Schiffe wird wohl mehrere Jahrhunderte in Anspruch nehmen, eiserne Schiffe dagegen werden ziemlich rasch im Meere gewissermaffen aufgelöst.

Drei Kreuze.

Dort, wo noch vor kurzem die Felder geprangt

In wogender, üppiger Fülle, In Städten und Dörfern der Frohsinn geherrscht, Des Friedens geheiligte Stille, Da tobt jetzt des Kampfes entfesselte Macht, Kanonen donnern bei Tage und Nacht, Dazwischen gellet der Kriegssurie Horn, Es stampfen die Hufe der Rosse das Korn, Und TodeSgestöhn mit Hurragebraus Begleiten den blutigen Völkerstrauß.

Dumpf lastend legt sich auf Länder und Meere

Des KriegskreuzeS grausam vernichtende Schwere.

Doch über die Wahlstatt des Ringens, des Kampfs,

Gleich einem Himmelsgebilde

Zu lindern der brennenden Wunden Qual Schon schreitet barmherzige Milde;

Und reichet Verschmachtenden labenden Trunk, Gießt Trost in der Seele Erschütterung.

Gefallene Helden den Lorbeerkranz, Den ewigen, um ihrer Stirre Glanz Gefallene Helden der ruhmreichen Wehr, Die bettet sie sanft auf dem Felde der Ehr'.

Trostspendend im heißesten Kampfgetriebe Winkt allen das leuchtende Kreuz der Liebe.

Und über den beiden schwebt ernst und schlicht Weit schöner als Edelgesteine, Das dritte der Kreuze im Waffengeklirr, Umwoben vom Glorienscheine.

Der holdesten Königin Preußens geweihl, Des Vaterland's großer Vergangenheit! Dies Kreuz wird ehren nach kampfreicher Lust Nun wieder manch Jünglings und Mannes Brust, Wird wiederum krönen die heilige Glut, Den deutschen, herrlichen Heldenmut!

Und Worte und Lieder werden es preisen, Das TapferkeitSzetchen, das Kreuz von Eisen.

Strickt Pulswärmer

für unsere Truppen im Felde!

EbEtteraussichten für Freitag den 18. September.

Wolkig, zeitweise Regenfälle, kühl, südwestliche Winde.