Im Westen tobt die Schlacht fort
Die Kriegsbeute der Oesterreicher. Trostlose Lage in Serbien. Kämpfe in Afrika.
WTB. Großes Hauptquartier, 15. September. (Amt-
lich). Der von dem rechten Flügel des Westheeres seit zwei Tagen stattfindende Kampf hat sich heute auf dia nach Osten anschließende Armee bis nach Verdun heran ausgedehnt. An einigen Stellen des ausgedehnten Kampffeldes waren bisher Teilerfolge der deutschen Waffen zn verzeichnen. Im übrigen steht die Schlacht noch.
Anf dem östlichen Kriegsschauplatz ordnet sich die Armee von Hindenbnrg nach abgeschlossener Verfolgung. In Overschlesien verbreitete Gerüchte über drohende Gefahren sind nicht begründet.
Diese Beispiele vom Ausposaunen der Siegesnach- richten dürfte die Oeffentlichkeit davon überzeugen, daß man unsern offizillen Nachrichten, die nichts beschönigen und nichts verhehlen wollen, Vertrauen entgegenbringen kann.
Das harte Ringen in Frankreich hat bisher noch zu keiner Entscheidung geführt. Die Franzosen erkennen, daß es sich für sie um die Entscheidung handelt, und wehren sich mit dem Mute der Verzweiflung. Sie sind offenbar bereit, den letzten Mann für ihre Verteidigung einzusetzen. Auch der Laie wird einsehen, daß gerade in diesen Tagen unsere wackeren Soldaten eine ungeheure Kampfesarbeit zu leisten haben. Der Feldzug gegen Frankreich ist sicherlich kein Spaziergang für uns. Es wird noch harte Kämpfe kostest. Daß wir Heimgebliebenen natürlich immermehr auf eine Charakterprobe gestellt werden, jemehr wir dem Kern der Sache näherrücken, braucht wohl nicht besonders betont zu werden. Ebensowenig, daß eine Entscheidung in diesem gewaltigen Ringen vielleicht erst in einigen Tagen zu erwarten ist. Alle Meldungen unserer Feinde von Siegen über unsere Truppen in Frankreich können wir nach wie vor zuversichtlich als Lügennachrichten bezeichnen. An keiner Stelle haben Franzosen oder Engländer bisher über unsere Truppen einen Sieg davongetragen.
Von einer gewaltigen Uebermacht auf allen Seiten angegriffen, ist unser Land heute nach nur wenigen Kriegswochen frei vom Feinde. Abgesehen von einigen “ i zeitweise gelitten haben, sind unserem Drecken des Krieges erspart geblieben.
Die Serben wieder zurückgeschlagen.
WTB. Wien, 15. September, abends. (Amtliche Meldung.) Die über die Save eingebrochenen serbischen Kräfte wurden überall zurückgeschlagen. Syrmien und Banat sind danach vom Feinde völlig frei.
Der stellvertretende Chef des Generalstabes: Höfer, Generalmajor.
Banat ist eine der fruchtbarsten Landschaften Ungarns. Sre wird rm Norden von der Maros, im Süden von der Donau begrenzt. S y r m i e n ist ein Komitat in Kroatien-Slavonien.
Verzweifelte Lage in Serbien.
WTB. Wien, 16. September. Nach einer Meldnng der 8lerchspost aus Risch ist die innere Lage Serbiens verzweifelt. Die Serben geben ihre bisherigen Verluste auf 25 000 Mann an. Schrecklich ist der Hunger, der im Lande herrscht. Alle größeren Orte sind mit Verwundeten überfüllt. Krankheiten richten Verheerungen in ^rntee und Bevölkerung an. — Einer Meldung der Südslavischen Korrespondenz aus Risch zufolge ist König Peter erkrankt und bettlägerig. Der König leidet an schmerzhaften Gichtanfällen und Schwellungen in den Beinen.
Grenzgebieten, die zeitweise gelitten haben, sind unserem Vaterlands die Schrecken des Krieges erspart geblieben. Unsere Erfolge im Osten vergrößern sich zu unserer Freude ständig. Daher rechtfertigt die Kriegslage, soweit sie sich bisher übersehen läßt, durchaus die Zuversicht, die an den eingeweihten Stellen zur Schau getragen wird.
Für uns, die wir aus der Heimat den Gang des Kampfes mit Spannung verfolgen, heißt es: „Nerven behalten!" Wir müssen und können dies umso mehr tun, als, wie gesagt, alle maßgebenden Kreise die Ueberzeugung haben und aussprechen, daß unseren Waffen der volle Erfolg im Westen wie im Osten schließlich be- schieden sein muß.
Russische Amurtruppen.
In einem Lazarett des preußischen Ostens wurden unlängst russische Kriegsgefangene eingeliefert, die durch ihre Schlitzaugen und das sonstige unverkennbare mongolische Aussehen auffielen. Auf Befragen nach ihrer Herkunft teilten sie mit, daß sie vom Amur stammten und schon im Frühjahr nach der russischen Grenze transportiert worden seien. Diese Erscheinung bestätigt nicht nur, daß Rußland den Plan des Angriffs gegen uns fchon seit langen Monaten vorbereitet hatte und zum Kriege unbedingt entschlossen war, sondern auch wie zeitig zwischen Rußland, England und Japan das ganze Spiel abgekartet war. Denn ohne entsprechende Zu- stcheruugen Japans Hütte Rußland nicht wagen können, Amurtruppen aus Ostasien an seine europäische Westgrenze zu werfen.
Die Beute von Maubeuge.
Die Kämpfe der Oesterreicher.
WTB. Wien, 16. September. Aus dem Kriegspressequartier wird amtlich gemeldet: Der Sieg an der Huczwa ermöglichte es, die in Ostgalizien eingevroche-, nen russischen Kräfte einzukreisen. Die bei Komarow
siegreich gewesene Armee setzte die Verfolgung mit untergeordneten Kräften fort, um das Gros in der Nähe von Lemberg zu gruppieren. Die Russen scheinen einen Flankenstoß gegen Lublin vorzuhaben. Inzwischen waren unsere hinter die Grodecker Teichlinie zurückge- führten Armeen am 5. September bereits über die Bahnlinie Rawarnska-Horynica herangebracht, drangen am 6. September in Kornicki ein und traten am 7. September in einen neuen Kampf mit starken nordöstlich vor- gestoßenen feindlichen Kräften. Am 8. September begann auf der 70 Kilometer breiten Front Komarow- Rawarnska unser allgemeiner Angriff, der bis znm 11. September erfolgreich war und im Süden nahe an Lem- Trotzdem war eine neue Nordflügel bei Rawaruska
Der Kriegsberichterstatter Walter Oertel schreibt der „Franks. Ztg." aus dem Großen Hauptquartier unten: 11. September: In Maubeuge kapitulierten 40 000 Mann, darunter vier Generale: 400 Geschütze fielen in die Hände der Deutschen. Am 8. September um 2 Uhr 30 nachmittags begann der Ausmarsch der Garnison, der bis um 9 Uhr abends dauerte. Die ausmarschierenden Truppen wurden sofort nach drei Einladungsstellen dirigiert, von wo sie nach Deutschland abgeführt wurden. Unter den Gefangenen fielen die Pioniere sowie die Artillerie, die ja immer eine französische Elitetruppe ge- we*— ^ ^ ^ — — —
5er „Franks. Ztg. tem 11. Septembe
sen rst, durch ihre gute Haltung auf, während man diefe bei der Infanterie nicht allgemein vorfand. Unter den Gefangenen befanden sich auch 120 versprengte Engländer, zumeist Bürschchen im Alter von 18 bis 20 Jahren. Als diese die Festung verließen, aina ein Murmeln
des Unwillens
ein Murmeln
berg herangetragen wurde. Trotzdem war eine neue Gruppierung nötig, weil der Nordflügel bei Rawaruska bedroht war und frische, weit überlegene russische Kräfte vordraugen. Anf der östlichen bei Grodeck angreifenden Division waren am 10. September die Erzherzöge Ar- meekommandanten Friedrich und Carl Franz Josef anwesend. In der fünftägigen Schlacht hatten beide Teile schwere Verluste. Bisher sind 41000 Russen und 8000 Serben kriegsgefangen ins Innere abgeführt worden. Ueber 300 Feldgeschütze wurden erbeutet.
Der stellvertretende Chef des Generalstabes, von Hoefer, Generalmajor.
des Unwillens durch die Reihen der deutschen Truppen. In ihm gelangte zum Ausdruck, wie das deutsche Volk so recht das perfide Albion als die Triebfeder und den Anstifter des ganzen gegenwärtigen Blutvergießens an- sieht. Der deutsche Michel wird sein Schwert nicht eher in die Scheide zurückstecken, bevor nicht die Rechnung mit diesem gewissenlosen Volke gründlich beglichen ist. Der Unwille gegen die Engländer wurde noch größer, als diese versuchten, sich in harmlos unverschämter Weise mit den Deutschen anzubiedern, was von diesen natürlich in schärfster Form zurückgewiesen wurde.
Ein deutsches Feldlazarett von Franzosen zerstört.
Der „Siegesbericht" der Russen.
WTB. Wien, 16. September. Die Petersburger Telegraphen-Agentur meldet von 30 000 Gefangenen und 90 Kanonen, die die Russen bei Lemberg erbeutet hatten. Im Gegensatz hierzu ist im offiziellen Com- muniquee des russischen Generalstabes vom 14. September nur von 8000 Gefangenen und 30 Kanonen die Rede und es wird zugestanden, daß die Armee des Generals Brussilow sich in kritischer Situation befand.
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Ein Meisterwerk.
Roman von Paul Beye.
(Nachdruck verboten.)
Schon lange war er den beiden nachgeschlichen, um sich zu überzeugen, daß feine Braut ihn hinterging, am Abend der Mordtat hatte er dann Frank Robinson mit Filomena gehen sehen und beobachtet, wie er ihr das Schmuckstück schenkte: da er den Engländer nur flüchtig aus der Ferne erblickt und er zudem in der dämmerigen Straße die Züge des Mannes, der feine Braut begleitete, nicht zu erkennen vermochte, so hatte er diesem, ihn für den Liebhaber der Ungetreuen haltend, nachdem filomena in ihrer Wohnung verschwunden war, in wilder Eifersucht das Messer in den Rücken gejagt. Er empfand keine Reue darüber, daß er einen Menschen, L'^Ente, getötet, sondern nur Bedauern, daß sein I den richtigen getroffen. Sein Lebens- sebrochen, als er erfuhr, daß das Weib, de/u seme Liebe gegolten, ihn den Händen der Polizei am'gettefert hatte. Darüber kam er nicht hinweg. -Ä ä» SÄ Ääe ÄS»»16k« ÄS
14. Kapitel.
Drei Wochen waren seit den auieM Ereignissen verflossen. In dem Schicksal der Concetta Gargiulo hatten sie vieles verändert. Das große schwere Leid, welches aus der schönen jungen Frau eine so ganz andere gemacht, als sie gewesen, war von wr^ Concetta konnte wieder lachen und jubeln sie^war alück- w°m» auch an ihrem"'ÄÄ
In einer dunklen, mondlosen Nacht wars gewesen, als sie auf ihrem blumenumrankten Balkon stand und
Berlin, 16. September. (Privattelegramm). Das „B. T." meldet aus Straßburg: Im Metzer Krankenhause gaben drei Landmehrleute zu Protokoll, daß am 25. August abends französische Soldaten in ein deutsches Feldlazarett eindrangen und den Stabsarzt niederstachen. Vier Bermundete suchten mit Hilfe des Sanitätspersonals zu entfliehen, wurden aber von den Franzosen verfolgt und zusammen mit den Sanitätern niedergemacht. Das Lazarett ging in Flammen auf.
Französisches Lob für die deutschen Lazarette.
Briefe gefangener Franzofen und Belgier sprechen sich enthusiastisch über die Behandlung in deutschen La-
wieder einmal, wie in letzter Zeit oft, zwischen Furcht und Hoffnung geteilt, vor sich hinträumte. Da vernahm sie unten im Gärtchen ein leises Knacken in den Zweigen und gleichzeitig wurde eine Tür vorsichtig geschlossen. Jeder andere würde heftig erschrocken sein und an Diebe oder Einbrecher gedacht haben, aber Concetta empfand keine Furcht, das Geräusch stimmte zu gut mit dem Inhalt ihrer Träumerei zusammen, so daß sie vor Aufregung zitternd und mit vorgebeugtem Oberkörper stand und wartete. Und das Knacken in den Zweigen dauerte fort, es pflanzte sich immer höher hinauf, weiter, begleitet von leisen Schritten, welche die Freitreppe zu dem Altan emporstiegen.
„Gib acht, die vorletzte Stufe ist schadhaft," rief sie leise mit bebender, atemloser Stimme herunter.
Kein Laut antwortete ihr, aber die Schritte kamen näher, jetzt fühlte sie sich von zwei Armen umfaßt — jauchzend und schluchzend lag sie an der Brust ihres geliebten, leidenschaftlich betrauerten Gatten!
„Anselmo! Mein Einzigster! Mein Teuerster!" „Mein Weib — Concetta, mein Liebling!"
Sie waren beide so fassungslos, so selig, sich wieder zu haben, daß sie sich, unfähig zu sprechen, umschlungen hielten.
„Warum riefst Du, die vorletzte Stufe fei schadhaft?" fragte er nach einer Weile, als sie endlich wieder zum Bewußtsein der Wirklichkeit zurückgekehrt waren. „Du mußtest doch nicht, daß ich es war, der aus dem Garten heraufkam —"
„Ja, ich mußte es. Ich habe Dich ja erwartet, Nacht für Nacht, seitdem ich Deine Stimme durch das Telephon gehört. Wer hätte auch im Dunklen sich durch das Labyrinth von Treppen und Gängen herauffinden können, außer Dir!"
„So hast Du meine Stimme durch das Telephon erkannt, Concetta? Ich hatte sie doch verstellt!"
„Wie hätte ich sie nicht erkennen sollend Mein Herz
zaretten aus. Ein französischer Krankenpfleger schreibt wörtlich: „Soldaten wie Offiziere respektierten in be- wunöernswerter Weise das Rote Kreuz. Mau vergaß vollkommen, daß wir feindliche Partei waren, so groß war die allseitige Aufopferung bei der Pflege Verwundeter." Interessant ist der Bericht eines französischen Offiziers an seine Gattin: Er hoffe sie nach Beendigung des schändlichen Krieges, den Frankreich den Russen verdankt, bald wieder zu sehen. Vorläufig liege er, durch zwei Granatsplitter verwundet, in deutscher Pflege, aber die Aerzte böten alles auf, ihn bald wieder herzustellen. — Es wäre zu hoffen, daß unsere braven Verwundeten in Feindesland bald Aehnliches berichten könnten.
Die Heimtücke der Belgier.
WTB. Berlin, 16. September. Wie eine höhere deutsche Kommandobehörde berichtet, hat man bei belgischen Franktireurs Stockgewehre und Stockschirmge- rvehre vorgefunden. Der erwähnten Behörde ist cüt§ der dem Feinde abgenommenen Stockgewehre vorgelegt worden. Es ist etwa achtzig Zentimeter lang und kann durch einfachen Druck auf einen Knopf abgefeuert werden. Die heimtückische Art dieser Waffe entspricht durchaus dem Wesen derer, die sie benutzen. Wir hoffen deshalb, daß unsere Truppen ein scharfes Augenmerk auch auf scheinbar harmlose Gegenstände in der Hand der fa- natisierten Belgier richten werden.
Frau Poincaree verleumdet.
WTB. Berlin, 16. September. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Frau Poincaree soll in einem Telegramm an den Präsidenten Wilson die Behauptung gewagt haben, Deutschland habe von Anfang des Krieges an Dum-Dum-Geschosse verwendet. Das ist eine verleumderische Angabe, Deutschland hat das Beweismaterial in Gestalt der bei französischen Soldaten gefnndenen nnd in französischen Festungen beschlagnahmten verbotenen Geschosse. Dagegen hilft kein Leugnen.
England als „Beschützer Europas".
WTB. London, 16. September. In einer Rede, die der Marineminister Churchill am 11. September in einer großen Versammlung im Londoner Operahouse hielt, betonte er die Einigkeit der englischen Nation. England müsse am Ende des gegenwärtigen Krieges große und gesunde Prinzipien für das Staatensystem Europas erstreben. Das erste dieser Prinzipien sei die Achtung der Nationalität. Bei der Rekonstruktion Europas, die auf den Krieg folgen müsse, sollten die unterworfenen Völker befreit und die nationalen Wünsche der unterdrückten Bevölkerungen berücksichtigt werden.
Eine berechtigte Frage?
Zu den Er- im Londoner Europas, die
WTB. Rotterdam, 16. September, klärungen des Marineministers Churchill Operahouse betreffend die Rekonstruktion . , ,
dem Kriege folgen müsse, erhebt der „Nieuwe Notter- damsche Courant" die Frage, was Rußland zur Befreiung Polens und Finnlands und was England zur Befreiung Aegyptens sagen würde?
Holland appelliert an die Opferwilligkeit des Volkes.
WTB. Haag, 16. September. Ju einer amtlichen Note heißt es, daß trotz der Ersparnisse im BMget die außerordentlichen Verhältnisse große Opfer der Matiorr nötig machen.
Kämpfe in Afrika.
WTB. Berlin, 16. September. Nach einer unbestätigten Reutermeldung ist eine deutschostafrikanische Schutztrnppenabteilnng am 5. September in Britisch- Nord-Rodesia eingefallen und hat die Niederlassung Abercorn angegriffen. Der Angriff wurde znrückge- schlagen. Nach einem neuen Angriff am 9. September verließen die Deutschen ihre Stellung und wurden bis an die Grenze verfolgt. Einer weiteren Rentermeldnng zufolge haben Kämpfe an der Grenze von Deutsch- und Britisch-Ostafrika stattgefunden. Englische Verwundete berichten, daß die Engländer in heftigem Feuer deutscher Maschinengewehre standen und einen Bajonettangriff machten. Der Angriff sei aber mißglückt.
Kriegsallerlei.
Der deutsche Konsul in Abö hingerichtet?
Von der holländischen Grenze, 12. September, wirk der „Köln. Ztg." gedrahtet: Nach einem in London eingegangenen Bericht haben die russischen Behörden den deutschen Konsul in Abö in Finnland unter dem Borwand der Spionage hinrichten lassen.
Die deutschen „Barbaren".
Aus einem Feldpostbriefe wird der „Tgl. Rundsch^ folgende Episode mitgeteilt: „Die 8. Kompagnie lag am
erkannte sie. Ach, Anselmo, wie hab ich mich nach Dir gesehnt! Ich wäre gestorben, wenn Du nicht wiedergekommen wärst, mein Einziggeliebter. Anselmo, verzeih mir, daß ich Dich hinausgetrieben habe in die Ferne! Ich wußte ja nicht, wie schlecht ich war! Verzeih' mir — verzeih' mir!"
Er strich ihr sanft über das Haar, das sich bei der stürmischen Umarmung gelöst und wir ein Mantel sie beide umfing. „Was soll ich Dir verzeihen, Concetta, mein armes Herz? Ich bin nicht weniger Schuld aw Du. Warum wär ich so schwach, Deinem Drängen nach- zugeben? Auch Liebe muß standhaft sein können. Und ich war doch älterer und erfahrener als Du, ich hatte eine andere Schule durchgemacht und doch —" er atmete schwer — „aber die Leideuschaft für Dich hat mich aller Vernunft beraubt. Ach, Concetta, wir müssen beide jetzt ein anderes Leben mit einander beginnen — ein Leben, das Dir vielleicht hart vorkommen wird."
„Was frage ich danach, Anselmo?" lachte sie glücklich- „Wenn ich Dich nur habe! Ich bin anders geworden, Geliebter, in der furchtbaren Zeit, in der ich Dich verloren wähnte — ich kümmerte mich nicht mehr um Putz und Vergnügen — ich will nur Dich, Dich! 9He kann ich gutmachen, was ich an Dir gefehlt — ich bitt ein elendes Geschöpf, Deiner nicht wert — ich allein bin Schuld an allem!" Sie fuhr fort, sich anzuklagen, ihre leidenschaftliche Natur konnte sich nicht genug daran tun 1 und er hatte Mühe, sie zu beruhigen.
i „Wir sind arm geworden, Anselmo," klagte ; „Auch das ist meine Schuld. Jede Schuld rächt sich all! : Erden. Von dem Tage an, da Du fort warst, begantt das Geschäft in Rückgang zu kommen, selbst der Vater mußte es einsehen, daß Du seine Stütze gewesen. W'r sind verschuldet, daß auch Dir es kaum mehr gelivgen wird, uns herauszuarbeiten. Ueber kurz oder lang werden wir den Laden schließen müssen."
Fortsetzung fow