Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^t. für den Kreis Hersfeld
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- > . .. zogen 1.60 Mark. Druck und Nerlag von Ludwig Funks Buchdruckerei SCtSlnU^t
Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. 7 '
« . / ( ii Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im
MfHSOinn amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder
holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" ,
Fernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 218.
Donnerstag, den 17. September
1914.
Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.
zeichnet die Kriegsanleihen!
Iserluftüftcn!
Nr. 1—23. zu haben in der Geschäftsstelle des Tageblattes.
Ins der Heimat«
* (Gebt noch nicht Trauringe.) An das Central-Komitee vom Roten Kreuz ergehen fortgesetzt von vielen Seiten Vorschläge, die dahin abzielen, goldene Trauringe gegen eiserne umzutauschen. So opferfreudig dieser Gedanke auch ist, so wird doch gebeten, zunächst noch von der Uebersendung von Trauringen abzusehen. Wir find überzeugt, daß das deutsche Volk, wenn die Not wirklich aufs höchste steigt, auch vor diesem letzten Opfer nicht zurückschrecken wird. Aber jetzt ist noch nicht die Zeit der größten Not gekommen. Und darum behalte man derartige Stücke von persönlichstem Werte noch zurück. Wir sind hoffentlich noch recht lange in b-x-tia^c, mit dem vorhandenen Geldbestand<auszuhalten. Erst alles andere opfern, der Trauring ist das letzte!
* (Erne Warnung!) Vom Vorstand des Detarlrstenverbandes für Hessen und Waldeck wird um Aufnahme.folgenderZuschriftgebeten: „In den jetzigen Kriegszeiten wird es leichter als sonst vorkommen, daß Personen in Not geraten, deshalb ein Darlehen suchen oder ihr verringertes Einkommen durch Neben- ^.werb oder Heimarbeit zu vergrößern trachten. Diese wirtschaftliche Notlage veranlaßt die bekannten Dar- un$ Nebenerwerbsschwindler, in erweitertem den Kundenfang auszugehen. Es besteht die Gefahr, daß die Arbeits- und Unterhaltslosen in dieser Zeit eher geneigt sind, derartigen Angeboten m^P1 ®8 sei deshalb auf das Dringlichste " ^P^PP gewarnt, die grundsätzlich Vor- i^Me von Darlehnssuchenden verlangen oder ihnen ,,^^"s6ebenvonAnzeigen in ihren wertlosen Blättern empfehlen. Nur Unkosten bringt in den allermeisten ß“ der nach Vorauszahlung von 1,75 Mark, 2,90 angebotene Nebenerwerb durch Adressen- oder Heimarbeit. Auf dem Gebiete der Heim- arveit blicht setzt besonders der Stickmusterschwindel.
^?^ Dank der Tätigkeit der Zentralstelle zr ^ekampfung der Schwindelfirmen in Lübeck die B
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^uun^ung oer Schwindelfirmen in Lübeck die Be- ^//rung aufgeklärter ist als früher, so ist es doch s^^r jetzigen ^Verhältnissen leicht möglich, ^chwindelunternehmuugen wieder neue L^bn fangen. Geschädigte Personen wollen ihre * Beschwerden der oben genannten Zentralstelle unter- ^^en, die gerne mit Rat und Tat zur Hand geht. Auch die Rechtauskunftsstelle in Cassel, Büro des Detailltstenverbandes für Hessen und Waldeck, Mönche- bergstraße 22, nimmt die Interessen Minderbemittelter wahr.
* (Rückzahlung von Staats steuer- Betragen an Heerespflichtige. Der Finanz- mrnister hat sich, wie die „Deutsche Parlaments- Correspondenz" berichtet, damit einverstanden erklärt, daß Rückerstattungen an Staatssteuerbeträgen (Einkommensteuer und Ergänzungssteuer), welche den zum Heere oder der Marine gehörigen Steuerpflichtigen zustehen, für die Dauer der Mobilmachung an die Ehefrauen dieser Steuerpflichtigen gegen deren Quittung erfolgen dürfen, insoweit diese Zahlungen im Einzelfall den Betrag von 30 Mk. nicht übersteigen. Bei größeren Beträgen kann von der Beibringung einer Quittung des Ehemannes nicht Abstand genommen werden. Es steht dem Steuerpflichtigen in solchen Stillen aber frei, die Auszahlung an sich (unter seiner Wohnort-Adresse) durch Vermittelung der Post in Antrag zu bringen, welche Postanweisungen über Befrage bis zu 400 Mk. bestimmungsgemäß im Falle der Abwesenheit des Empfängers an ein anwesendes erwachsenes Familienglied aushändigen darf. Die Zahlungsstelle wird sich für den Fall, daß die Zahlung an die Ehefrau erfolgen soll, zuvor darüber in ge- ergneter Weise zu vergewissern haben, daß der Ehemann einem mobilen Truppenteil angehört, daß die Ehe tatsächlich besteht und daß weder ein Ehescheidungsprozeß im Gange ist, noch die Eheleute bislang dauernd getrennt gelebt haben.
):(Hersfeld, 16. September. Zu der Eroberung der ersten franz. Fahne wird mitgeteilt, daß der Infanterist aus Rimbach bei Marburg, der die Siegestrophäe eroberte, Fischet heißt. Er ist ein Sohn armer jüdischer Eltern.
§ Hersfeld, 16. September. Beim H o l z d i e b sta hl ertappt wurde heute Morgen in der Zeit von 4—5, von Beamten des Wach- und Schließ-Justitut ein hiesiger Arbeiter. Derselbe hatte von dem an der Friedloser Straße lagerndem Grubenholz entwendet und war gerade im Begriff dasselbe in Sicherheit zu bringen. Die Beamten des Instituts brachten ihn zur Wache und Übergaben ihn der Polizei, diese hielt Haussuchung und brächte eine Menge gestohlenes Holz zutage.
):( Hersfeld, 16. September. Die hiesige städtische Sparkasse hat für die Kriegsanleihe 350 000 Mk. gezeichnet.
§ Hersfeld, 16. September. Se. Majestät der Kaiser haben Allergnädtgst geruht, dem Bürgermeister W a s ch i n s k y von Philippsthal für Verdienst um den Staat das Kreuz zum Allgemeinen Ehrenzeichen zu verleihen.
§ Hersfeld, 16. September. Am Sonntag den 6. September abends 8 Uhr veranstaltete in der Hersfelder Stadtkirche Herr Gymnasiallehrer Fischer unter Mitwirkung der Damen und Herren des Chorvereins, der Fräulein A. Mantels-Hersfeld und des Herrn Reich vom hiesigen Landsturmbataillon ein geistliches Konzert. Der Erlös desselben: 251,85 Mk. wurde der Kirchengemeinde zur Unterstützung hiesiger bedürftiger Familien der ins Feld gezogenen Krieger überwiesen. Mit herzlichem Dank an die Veranstalten des Konzerts nimmt 6k Kirchengemeinde diese wertvolle Beihilfe zur Linderung von Not entgegen.
§ Hersfeld, 16. September. (Der Fahrplan für den Winter.) Unter den jetzigen Umständen ist keine Rede mehr von der Einführung eines neuen bürgerlichen Winterfahrplans am 1. Oktober. Dagegen werden überall Verbesserungen von Fall zu Fall eingeführt, soweit es die Umstände erlauben und sich ein Bedürfnis dafür zeigt. Insbesondere ist auch die Einführung von Nachtschnellzügen vorgesehen. Diese sind von besonderer Bedeutung für den Postverkehr, also auch für die ganze Bevölkerung, die nicht reist.
Rotenburg, 15. September. Das Eiserne Kreuz erwarb sich als Erster der Stadt Rotenburg der Oberleutnant der Reserve, Landesbaumeister Beck- Rotenburg. Beck wurde bei der Einnahme eines französischen Dorfes verwnndet.
assel, 15. September. (Gefährliche Beutestücke.) Vernehmen nach sind, wie die „Hess. Post" meldet,
>nd der letzten Truppentransporte in Cassel und
Ca
während der letzten Truppentransporte
Umgegend Munition und Waffen von Soldaten an Angehörige mitgebracht worden. Dem hiesigen Artillerre- depot sind bereits zwei fremdländische scharfe Artillerlc- aeschosse mit Zündern übergeben worden. Es wird darauf hingewiesen, daß mit der Aufbewahrung solcher Sprengstücke eine erhebliche Gefahr für Leben und Gesundheit verbunden und im übrigen der Besitz von Sprengstoffen (Sprengkörpern) ohne polizeilrche Erlaubnis mit schwerer Freiheitsstrafe bedroht ist.
Caffel 15. September. Der Landesausschuß des Regierungsbezirks Cassel tritt am Freitag, den 18 d M vormittags 10 Uhr tm Standehaus tn Caffel
^ Cassel, 16. September. Ein aufregender Vorfall spielte sich gestern nachmittag gegen V25 Uhr auf der Fuldabrücke ab. Ein Gefangener war dem ihn begleitenden Aufseher durchgebrannt, schwang sich aus das Geländer der Fuldabrucke und wollte sich in den Fluß stürzen. Einige Personen, die sich in seiner Nähe befanden, griffen eiligst zu und hinderten fern Vorhaben. Sie hielten ihn fest und Übergaben ihn dem Beamten wieder, der ihn unter verstärkten ö°rättb§™^ Gestern abend fanden spielende Kinder hinter Klemms Hütte einen Briefumschlag mit einem Inhalt von über 1000 Mark. Offenbar ist diese Summe aus Furcht vor dem Kriege dort versteckt worden. Es ist aber unglaublich, daß es noch Leute gibt, die in Krregszeiten ihr Geld verstecken. Vor allen Dingen sollte jetzt jeder, welcher über bares Geld verfügt und es sicher anlegen will, die Kriegsanleihe zeichnen. __________________
Wie lange dauert die Dienstzeit nach dem Kriege?
Ueber die Anrechnung der Dienstzeit während des Krieges sind allerlei unrichtige Anschauungen vorhanden. Insbesondere betreffen sie die „doppelte Anrechnung" der Kriegszeit und die Dienstzeit der Freiwilligen. Es wird darum eine amtliche Aufklärung interessieren: Bei den „Freiwilligen" ist zu unterscheiden zwischen Militärpflichtigen, die sich freiwillig
aus Anlaß des Krieges gestellt haben, und zwischen Freiwilligen, die nicht mehr militärpflichtig sind. Dazu kommen noch die Einjährig-Freiwilligen. Die Freiwilligen, die bereits jetzt militärpflichtig sind, werden nach Beendigung des Krieges bis zur Ableistung ihrer gesetzlichen Dienstpflicht zurückbehalten, also Einjährig-Freiwillige für insgesamt 1 Jahr, die übrigen, je nach der Waffengattung, 2 bis 8 Jahre. Die zum Einjährig-Freiwilligendienst Berechtigten, die mit ihrer Jahresklasse zum Dienst herangezogen wurden, also nicht freiwillig eingetreten sind, treten — sofern sie es wünschen — bei Auflösung der Ersatztruppenteile wieder in den Genuß der thuen bewilligten vorläufigen Zurückstellung. Die als Kriegsfreiwillige eingetreteueu Mannschaften ohne Berechtigungsschein können ihre aktive Dienstzeit von 2 oder 3 Jahren au die Demobilmachung anschließend beenden,- desgleichen auch die mit Berechtigungsschein zum Einjährig-Freiwilligendienst versehenen Kriegsfreiwilligen ihre aktive Dienstzeit von einem Jahre. Die bereits abgeleistete Dienstzeit gelangt bei allen vor Ableistung der gesetzlichen Dienstpflicht Entlassenen bei etwaiger spätererWicdereinstellung zur Anrechnung Im allgemeinen werden die Kriegsfreiwilligen nur auf Kriegsdauer angenommen und bet der Demobtl- machung oder bei der Auflösung der betreffenden Truppenteile usw. zur Verfügung der Ersatzbeyörden entlassen. Ueber die doppelte Anrechnung der Krtegs- zeit läßt sich mitteilen, daß es sich dabei nicht um eine Anrechnung während der Dienstzeit selbst handelt, d. h. die Dienstzeit wird durch den Krieg nicht verkürzt. Diese doppelte Berechnung tritt nur in Kraft bei Festsetzung des Dienstalters, bei Anstellung, bei Berechnung des Gehaltes usw. Durch die vorstehenden Ausführungen ist auch die Frage beantwortet, wie es mit solchen noch nicht Militärpflichtigen steht, die den Berechtigungsschein zum Einjährig-Freiwilligendienst zu erwerben gedachten. Diese werden nach dem Krieg entlassen, können dann die Prüfung machen, und es wird ihnen später, wenn sie als Einjährige eintreten, die Kriegszeit auf ihr einjähr. Dienstjahr angerechnet.
Verzeichnis
der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
Für das Rote Krem. Sektion Hersfeld
von Ungenannt..........M. 10.—
„ Herrn Hegemeister Prenzel, Friedlos „ 10.— „ Frau ChristineJungermann,Wiesbaden,, 20.— „ Herrn Hugo Bacharach, Rhina . . . „ 10.— „ Herrn Dr. Overbeck hier.....„ 50.— „ Deutscher Wehrverein Orts- und Kreisgruppe Hersfeld für Kartenverkauf durch Gymnasiasten......„ 90.— „ für Kartenverkauf durch Töchter- Schülerinnen........„ 15.— „ Gemeinde Kerspenhausen . . . . „ 363.50 „ „ „ zur Ansch. von Unterzeug rc.......„ 87.50 „ Turnverein Mecklar.......„ 40.— „ Männergesangverein Schenklengsfeld „ 30.— „ Frauen und Männern aus der israelitischen Gemeinde Hersfeld „ 300.— „ Sammlung in der israelitischen Gemeinde Hersfeld......„ 200.— „ Frau Gundelach hier....... 10. — „ Skatkasse Kaffee Wenzel hier . . . „ 6.— „ Herrn Johannes Becker, Sorga . . „ 10.— „ Gesangverein Hattenbach.....„ 50.— „ Herrn Eckhardt, Ntederaula . . . . „ 20.— „ Kriegerverein Hattenbach.....„ 50.— „ Herrn Math. Schneider, Hattenbach. „ 80.— „ Herren Conr. & Herm. Deller hier . „ 15.— „ Ungenannt..........„ 5.— M. 1422.- Bestand „ 10287.10 heutiger Bestand M. 20709.19
Für das Rote Kreuz, Zweigverein Hersfeld, sind bet dem Schriftführer des Vaterländischen Frauen- vereins eingegangen:
von Herrn Oberlehrer Wettberg, Hersfeld . . M. 20 „ „ Gymnasiallehrer Falk „ . . . „ 5 „ Frau Marie Otto, Hersfeld, «Hainstr.) . . „ 20 „ der Gemeinde Mecklar durch Herrn Pfarrer Dehnhard daselbst........„ 50
„ der Gemeinde Meckbach durch denselben . „ 50 „ Frau Hegemeister Kaufmann in Retlos . „ 10 „ Herrn Hofphotograph E. Bingel zu Hersfeld eine goldene Uhr mit dem Waypen des russischen Reichs und goldener Kette, Ge-
Ichenk des Zaren Nikolaus im Wert v. M. 300 400.
Mit herzlichem Dank an die gütigen Geber wird der Empfang der Gaben bestätigt.