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Der Krieg und die Kolonien.

Aus der Südsee meldet der Kommandeur der austra­lischen Marine, daß am letzten Freitag Herbertshöhe im Bismarck-Archipel von den Engländern besetzt worden ist Die sunkeutelegraphische Station wurde zerstört. Dem englischen Berichte ist zu entnehmen, daß die kleine Anzahl der dortigen Deutschen heldenmütigen Wider­stand geleistet hat.

Deutsch-feindliche Bewegung in Rom.

Frankfurt a. M., 15. September. (Privattelegramm). DieFranks. Ztg." meldet ans Rom: Die französischen Berichte über große Siege an der Marne haben die deutsch-feindliche Bewegung gestärkt. Sie beschränkt sich aber auf Rom und Genna.

Englische Schmähungen gegen deutsche Soldaten.

WTB. Berlin, 15. September. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Ein Telegramm ans dem Haag meldet, die dortige englische Gesandtschaft habe der holländischen Presse mitgeteilt, daß die deutschen Truppen völlig demoralisiert seien. Sie plünderten alle franzö­sischen Ortschaften, die sie erreichten, und betränken sich. Wir legen dagegen Verwahrung ein, daß der Gesandte einer gegen Deutschland Krieg führenden Macht seine völkerrechtliche Immunität in der Hanptstadt eines neu­tralen Landes mißbraucht, um gegen das deutsche Heer niedrige Schmähungen zu verbreiten.

Ein türkischer Nationalfeiertag.

WTB. Konstantinopel, 15. September. Nach Blät- termeldungen wird der Tag der Aufhebung der Kapi­tulationen gesetzlich zum Nationalfeiertag erklärt wer­den. Die Bestimmungen, die an Stelle der Kapitula­tionen treten sollen, werden vorbereitet. Die fremden Schulen werden als ottomanische Privatschulen betrach­tet. Vom 1. Oktober ab sollen Zucker, Kaffee, Tee, Pe­troleum, Zündhölzer usw. mit einer Verbrauchssteuer belegt werden.

Türkischs Beileid für einen Helden.

WTB. Konstantinopel, 15. September. In den Blättern drückt der stellvertretende Generalissimus sein Bedauern über den Tod des Generalstabsmajors der 10. Division Ober auf dem Schlachtfelde aus, der früher als Lehrer an der Kriegsakademie in türkischen Diensten stand. Der Kriegsminister übermittelte der Witwe tele­graphisch sein Beileid.

Aufstand in Indien?

Nach einem Londoner Telegramm der ^Göteborg Morgenpost" werden zwar in der englischen Presse op­timistische Schilderungen über die Lage in Indien ver­öffentlicht, doch gibt man im Jndia Office den Ansbruch des Ansstandes zu. Man bezeichnet die Situation als ernst.

krirgsallerlei.

Ein freudiges Wiedersehen.

Ein aus dem badischen Orte Achern gebürtiges Dienstmädchen war vor einigen Wochen in Paris bei einem französischen Major in Stellung und mußte bei Kriegsausbruch die französische Hauptstadt verlassen. Als das Mädchen fortging, sagte der Major, mit dem badischen Ländle wären die Franzosen bald fertig. Die­ser Tage nun wollte es der Zufall, daß das Mädchen, auf dem Wege, einen verwundeten Bruder in Rastatt zu besuchen, auf dem Bahnhof in Dos Aufenthalt hatte. Da brächte ein Militärzug einen Gefangenen-Trans- port, und unter diesen Gefangenen erblickte das Mäd­chen den Major, bei dem es in Paris in Stellung ge­wesen war!

Deutsche Feldpost.

In Ausführung einer Postbeförderung mit Kraftwagen ist am 9. September ein Sohn des Fabrikörrektors Ehrhardt aus Zella - St. Blasii, der sich mit einer größeren Zahl Postautos auf den Kriegsschauplatz begeben hatte, von feindlichen Truppen überfallen nnd erschossen worden. Man sieht hieraus, daß die Feldpost keine Gefahr scheut, um die Feldpost- sendungen an die in der Front stehenden Truppen zu Überbringen. Ob bei dem Ueberfall Posten in Verlust geraten sind, haben wir noch nicht erfahren können.

Scherz in ernster Zeit.

Was für ein Unterschied ist zwische« den Rnssen ^en Franzosen? Die Russen haben Kosacken . . . Franzv,en ka Socken ... Alarm in Okleans.

komm herunter und hilf! Die englischen ^»Wllren kampfen mit uns!"Ne Poincaree, ich danke! Das ist eine zu gemeine Bande!"

Stimmnnssbilb vom österreichischen Kriegsschauplatz.

der Ä von Reden, öer Kriegsberichterstatter rp.vfrh^ Ztg." sendet seinem Blatte aus dem öster- unterm 12. September 'vlgenöes Stimmungsbild:

^ci-I?te weggeworfene Dinge liegen auf der breiten ^,t^te,die die Russen gestern gezogen sind: Tornister, auch ein paar Feldküchen sind

^^blieben. In zwei Reihen rücken Wagenkolon- M hochbepackt, frischer Heu- und Brotgeruch strömt sv^th«en. Scharf angeschlossen in prachtvoller Ordnung vewegt sich der endlose Zug dieser niemals Ordnung

Bauernwagen. Unsere alten braven Land- Mtner halten gute Disziplin. Dumpf rasseln schwere Munittonskolonnen, vier- und sechsspännig im scharfen Trabe vor,- mehr blechern klingt es aus den leeren Zagen, die zu neuer Fassung zurückkehren. Alle aber Kaben es eilig, denn sie sind es, die Nährer der flacht, bringen in großen und keinen appetitlichen Verschlagen,- wohlgeordnet, numeriert und blitzblank ist K Inhalt, nicht mit Gold auszuwiegen sein Wert. Wagenburgen ganzer Völker stehen schnurgerade gerich- et in Feldern und Wiesen, durch Zwischenräume ge­mieden, mit Fahnen und Tafeln weit sichtbar bezeichnet. Kommandanten verteilen die Ladung, Fuhrleute füttern und tränken. Feldruf und Losung gibt neuerdings den Weg nach vorwärts frei. Kleine Abteilungen wahren icharf die Undurchdringlichkeit der Front.

Nun kommen die ersten Verwundeten: auf Wagen and zu Fuß, blitzsauber verbunden, oft rauchend und guter Dinge, andere still und blaß mit merkwürdig fra­genden Augen: und diese Blicke erst haben die große, lmmer wiederkehrende Täuschung zerstört, daß nur un­geheure Manöver sind, und gezeigt, daß jetztz die große Lchrcksalsstunöe für die Völker des alten Europa ir weithallenden langsamen Schlägen erdröhnt. Auch die Frohgemuten tragen unbewußt den unrrdrfch weltab- gekehrten Blick aus der Front zurück, der sie im Alltags­gespräch so zerstreut erscheinen läßt. Unsere guten Sol- batenmütter im Felde! Unvergänglicher Dank sei ihnen für ihre rührende Zartheit und Sorge, diesen bärtigen alten Sanitätssoldaten! Ihr Mütter und Frauen in der Heimat, vertraut euren Stellvertretern, sie sorgen für eure Lieben. Alles hilft zusammen, von den Aerzten bis zum letzten Mann, und so fahren die Verwundeten ^Np Wch wenigen Stunden im KrankSiLua der LMM-

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in

lichen Pflege zu, das große Unglück des Krieges mil­dernd.

Noch durch ein Föhrenwäldchen; im Schatten dam­pfen sieben fahrbare Backöfen. Dann ist eine weite Ackerfläche erreicht, die nun Schlachtfeld geworden. Ein fast ununterbrochenes Rollen legt sich in die Ohren, auch in den kurzen Pausen klingt es scheinbar fort. Ein im Ton steigendes Heulen fliegt durch die Luft. Dann ein naher Knall, widerlich hohes Pfeifen der Füllkugeln und ihr Trommeln auf der Erde,- hie und da ein fernes Mückensummen weitgegangener Gewehrkugeln und tie­fes Brummen schwerer Haubitzen. Sonst kein Lallt, kein Mensch auf einsamem leerem Felde, nur kleine, dünne Rauchschwaden, hie und da ein kurzer Blitz, emporge­schleuderte braune Erdsäulen. Es ist fast geisterhaft, ein Spuk am hellen Mittag, das leere Gesicht der Schlacht.

Näher, immer näher tobt das Konzert und läßt end­lich seine Musikanten sehen, Artillerie in einer flachen Mulde, Infanterie dünnlinig vergraben, kleine Erd­häufchen mit eingesteckten Zweigen vor sich, nach rück­wärts durch lauge Gräben verbunden, die Wege für Munition und Nahrung. Stroh liegt darin für die Nachtruhe, darauf noch leere Konservenbüchsen und Patronenverschläge und mancher Tropfen Blut des Ne­benmannes, der nicht mehr da ist. Querdurch laufen die tiefen russischen Schützengräben von gestern, wo werden sie morgen sein?

Gefangene werden zurückgebracht, gut aussehend und gekleidet, mit ganz schwacher Bedeckung. Sie sind gutmütig. Tausende und Tausende waren es schon, aber es will nicht weniger werden, immer neue Russen wachsen aus der Erde,- Asiaten und Kaukasier sind dabei, die monatelang zu wandern hatten. Ein Meer von Menschen brandet gegen unsere braven Leute.

Vermischtes.

Die alten preußischen Soldatengeschlechter im Kriege. In diesen Tagen, die mit herrlichen Siegen auch soviel Trauer brachten, ist ein erst 23jähriger Leutnant von der Marwitz, Oskar mit Vornamen, auf dem Felde der Ehre gefallen. In dem Nachruf, den der Senior des Geschlechtes von der Marwitz dem tavferen jungen Offi­zier widmet, weist er mit berechtigtem Stolz darauf hin, daß nicht weniger als 21 Marwitze vor dem Feinde stehen. All die alten Soldatenfamilien, die in der Ge­schichte des preußischen Heeres eine so rühmliche Rolle gespielt haben, sind auch diesmal wieder zur Stelle. Und den aktiven, den Reserve- und Landwehr-Offizieren ha­ben sich noch viele Offiziere z. D., a. D. und Kriegs­freiwillige zugesellt. Am stärksten vertreten ist das Ge­schlecht derer von Bttlow, aus dem in Friedenszeiten nicht weniger als 58 Mitglieder dem Heere angehören. An zweiter Stelle stehen die von Arnim mit 52 Mit­gliedern, es folgen die von Oertzen mit 40, die von Puttkamer mit 39, die von Zitzewitz mit 30, die von Frankenberg und von Rosenberg (verschiedenen Stam­mes) mit je 26, die von Dewitz und von der Osten mit je 25, die von Below und von Bredow mit je 23, die von Maltzahn und von Tresckow bezw. Treskow mit je 22, die von Trotha mit 21, die von Prittwitz und Gaffron mit 20, die von Bismarck und von Massow mit je 18, die von Seydlitz mit 17 und die von Sydow mit 15 Mitgliedern. Und das sind, wie gesagt, nur die Friedens­zahlen.

Der Fliegeroffizier und sein Glück. Dieser Tage wurde gemeldet, daß in Reims viele französische Flug­zeuge und Motore gefunden und beschlagnahmt wurden. Jetzt berichtet die ^ZeitungDeutschland" in Weimar, daß Rechtsanwalt Mardersteig von Weimar, der Haupt­mann und Führer eines Flugzeugparks ist, der glückliche Erbeuter des wertvollen Gutes war. Hauptmann Mar- öersteig schreibt: Am 5. früh, stieß ich auf die Meldung der Einnahme von Reims hin, sofort mit einem Auto und Begleitmannschaft gegen die Fliegerstation Bötheny vor, umBetriebsmittel unoErsatzteile zu suchen. Ich fand die Militärstation völlig geräumt vor, suchte und fand etwa 5 Kilometer nördlich in einer Mulde versteckt die Flugzeugfabrik von Deperduissin, die ich wegen der Mi- nengefahr zunächst nur mit Leutnant Knose und meinem Burschen betrat und durchsuchte. Ich fand und erbeutete darin neun vollständige Doppeldecker und zwanzig des­gleichen Eindecker, teils mit Gnome-, teils mit Renault-, teils mit Anzam-Motoren, die Flugzeuge meist mit Trikolorenkokarde und gefülltem Benzintank, anschei­nend alle slugfertig. Weiter erbeutete ich in einem Ne- benraume einen Stock von 29 Gnome-Motoren, mehrere starke Renault-Motoren, ein Rhone-Motor, anscheinend alle in bestem Zustand, zum Teil mit Abnahmevermerk vom Juli 1914, endlich zahlreiche Ersatzteile und Be­triebsstoffe. Offenbar war hier der Bestand der Milita^ station bei der eiligen Flucht versteckt worden, denn nach Aussage der Einwohnerschaft hatte Deperduissin seine Fabrik schon vor vier Wochen völlig ausgeraumt, was auch der Augenschein lehrte. Alles Kriegsgut istvon mir beschlagnahmt worden. Wert bis 1 Million Mark.

Die Feuertaufe der 81er

0,

Ueber das Gefecht bei Bertrix (in Belgisch-Luxem- bura), in dem das Frankfurter 81. Infanterieregiment seine Feuertaufe empfing, erzählt jetzt ein in einem Frankfurter Lazarett liegender Verwundeter in der Franks. Ztll gegessen. Der Koch hatte sein Bestes geleistet S lagen wir ausgeschwärmt in Schützen- Kie Der Feind sollte aus dem Walde gegenüber kom­men Visier 1300 und 1400 Meter. Die Sonne schien so schön warm. So recht einladend zum Mitttrgsschlaf- chen Ick zündete meine kleine Pfeife an; Scherzworte flo?en^hertiber und hinüber von Mann zu Mann. Bumm! tönte es hinter uns. Ein einziger Schuß W. der Mittaasaruß sagten wir. Bumm! antwortete die benachbarte Batterie, zum Zeichen, daß sie: verstanden b^rbe und nun auch ihr Dasein ankünden wolle. hab^Da^^Bataillon kehrt, marsch! Auf das weiße t5aus sammeln!" Bisher lagen wir allein. An dem weißen Haus dort aber kam sie zusammen, die ganze Division^ Soldaten, Kameraden, soweit das freudige Auae reicht Jeder erhält noch ein Band mit Patronen, und vorwärts die Straße südwestlich von... . geht's.

Vordermann halten!"Auf bleiben!" tönen die Befehlender Herren Ofiziere - wie im Manöver.Geh A nicht vornehm?" sagt mein Vordermann und trippelt

Die Landstraße führt in der Höhe von Bertrix am Wald vorbei. .Kanonendonner und Gewehrgeknatter tönen aus nächster Nähe heraus und erschüttern die

Gewehrgeknatter

^"^' Erste Kompagnie haalt! Seitengewehr pflanzt auf! - Die Herren Offiziere zu ihren Zügen! - Rechts

Allen v°r°n'un!e^ KElm«m Schritte sind & n»'-«'^-M-r.ch, TTÄ 4« ®»

Dichtes mannshohes Farnkraut, hemmt jeden Schritt auf dem weichen Moosboden. Ein Urwald hält uns fest. Und davorne die verd .... Franzosen. Den Kopf im Moos, schießen sie in die Luft.

Auf Kamerad die Reihen dort hurra!"

Bumm, bumm! Hinter der Reihe, die sich zum Schießen anschickt, ein französisches Geschütz. Bumm! Nochmals und nochmals. Wie in eine herangetrtebene Herde speien sie die Granaten auf 100 und 50 Meter in uns hinein. c

Auf offenem Felde, ja, da wäre das Geschütz schon unser. Aber hier kaum vorwärts zu kommen,- jeder Schritt ein Kampf, und das Geknatter, Surren, und Dröhnen! Ä v

Vorwärts, los! Halt da liegt einer.O du feiger Bursch!" Schon sind wir bei ihm.Laß ihn, Kam'rad, wir haben Beßres zu tun!"Nimm ihm rasch die Patronen!" Das Gewehr hatte ich schon. Wetter. Da liegt ein andrer Franzvs. Ebenfalls unucrwuudet. Vorbei geht's.Doch halt nimm ihm doch des Ge­wehr ab!" Er bückt sich ein Schuß und er liegt neben ihm.Vor, weiter, hurra!"

Das Hurra ist Unten schrecklich. Sobald sie es hören kehrt marsch, marsch! Famos, denn jetzt bieten sie ein gutes Ziel.

Halt ein Geschütz! Ein französisches.Vorwärts, hurra!" Bumm! der Luftdruck wirft den einen an einen Baum. Ich liege auf der Erde.

Hurra! auf, weiter!" Bumm! Diesmal bin ich getroffen. Neben mir liegt ein Kamerad, schwer ge­troffen.

Gib mir zu trinken, Kam'rad!" Mit meinem noch mwerwitudeteii Arm werfe ich ihm die Feldflasche hin. Tee mit etwas Rum eine Liebesgabe vom Abend vor­her aus Frankfurt.'s ist ja nichts mehr drin!" Er wirft mir die Feldflasche zurück. Da erst sehe ich: sie ist durchschossen.

Wieoer ein Schnß der Luftdruck drückt uns auf die Erde. 30 Meter von uns steht das französische Ge­schütz. Ich hör' sie sprechen die Bande. Könnt' ich doch vor. Ich lade mein Gewehr mit der rechten Hand, aber beim Anlegen versagt die Linke. Ich hole meinen Revolver aus der Tasche. Mit den Zählten wird er entsichert. So mögen sie kommen, vier Kugeln für sie, eine für mich!

Bitmtn, bumm! Klaaatsch! Die Unseren haben die Stellung des französischen Geschützes verauSgefunden. Und sie schießen gut schrecklich gut. Granaten auf Granaten schlage« Huts und rechts, vor und neben mir ein. Dort fällt eine Eiche. Wie ein Streichholz knickt hier eine hohe Fichte zusammen. Nirgends Schutz, und ich bin wie an den Boden geklebt.

Ssssss aha, Maschinengewehrgeschosse sausen vorüber. Der Lärm ihres Abfeuerns wird von den Granaten übertönt. Käm' mir doch eine Granate auf den Kopf! Ach was, ich komme doch (jerauS. Aber mein Kamerad? Er ist zu schwer verwundet. Er kann nicht. Er betet gerade dasVaterunser".Behiit dich

Gott ich versuch's." .

Und durch den Kugelregen der eigenen Kameraden, die die Kompagnie fern von diesem Ort wissen, geht's durch den Wald.--

Und setzet Ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein l"

Ein Duell in den Wen.

Im RotterdamerNieuwe Courant" vom 8. Sep-

tember lesen wir:

Wir Flieger nehmen beim Kriegstheater die reser­vierten Plätze ein, wir seöeit die Schlachten, wie sie niemand anders, wie sie kein General sehen taun, sagte Unteroffizier Werner, der erste deutsche Flieger, der über Paris erschienen war, und durch dessen Bomben den Parisern der deutsche Vormarsch auf ihre Haupt­stadt klar geworden war, zu dem Korrespondenten der United Preß Karl von Wiegand, der ihn in dem Zuge zwischen Lüttich und Aachen traf. Ueber einen Kampf in den Lüften, den er auf seiner Tour zu überstehen hatte, erzählte der Flieger:

Ich hatte den Auftrag bekommen, die Stellungen der englisch-französischen Truppen nach der englischen Niederlage bei Mons festzustellen. Ein Offizier ging als Beobachter mit. Wir flogen zuerst in südlicher Rich­tung die Hauptstraße nach Paris entlang, die durch einen prächtigen Wald führt, in dem etwa 40 000 Einwohner aus dieser Gegend Zuflucht gesucht hatten. Nach einem etwa einstündigen Fluge, bei dem wir feststellen konn­ten, daß die Engländer sich zurückzogen, wir sehen noch etwa 100 verlassene Autos, nicht allzu entfernt von der Stelle, wo die französische Artillerie gemeinsam mit der englischen Infanterie eine neue Stellung einnahm machte der Beobachtungsoffizier eine Skizze, und wir kehrten um. In diesem Augenblick erblickte ich etwa 300 Meter über mir einen Bristol-Doppeldecker, der uns verfolgte.

Wir befanden uns etwa in 1600 Meter Höhe. Da mein Eindecker nur eine geringere Schnelligkeit besaß als der Bristol, holte er uns bald ein. Vergebens machte ich den Versuch, über den Feind zu kommen, was mir aber nicht gelang. Im Gegenteil, der Bristol hielt sich immer genau über uns. Mein Gott, wann wird die Bombe, die wir jeden Augenblick erwarteten, auf uns einschlagen! Der Doppeldecker ließ sich weiter und wei­ter herab und war kaum noch 150 Meter über uns. Wir hatten das Gefühl, das ein Vogel haben muß, wenn der Falke über ihm schwebt. Wir glaubten, daß der Feind näher herankam, um ein sicheres Ziel für seine Bombe zu haben. Wir zogen unsere Repetierpistolen und be­gannen zu schießen. Es war inzwischen glücklicherweise klar geworden, daß der Engländer keine Bomben be­saß, oder daß er sie nicht vorn aus seinem Aeroplan werfen konnte, da Motor und Propeller vorne ange­bracht waren.

Es war ein entsetzlich aufregender Moment. Der Zweidecker war noch weiter gesunken, und jetzt begann das Gefecht auf beiden Seiten. Beobachter und Führer des Doppeldeckers eröffneten ihr Feuer, als wir in glei­cher Höhe in etwa 150 Meter Abstand flogen. Offenbar hatten sie nur Pistolen und wagten nicht, näher zu kommen, aus Angst, daß wir unsererseits mit Bomben werfen könnten. Minute auf Minute verlief. Es schienen uns Stunden. Ich hatte das Gefühl, daß meine Maschine ermattete und glaubte jeden Augenblick, mein Ende sei gekommen. Das dauerte eine halbe Stunde Dann stieß mich mein Beobachter an die Älter und zeigte mir, etwa 300 Meter höher einen «einen fran­zösischen Blc-riot, der in rasender Fahr heransaust dem Bristol-Doppeldecker beizustehen An Kreisen fuhr er um uns herum, und die Kugeln pfiffen uns um die Ödren. Aber da hörten wir plötzlich durch das Knattern des Motors Kanonenschüsse. Wir waren über den deutschen Truppen angelangt, die den Bristol und Blöriot beschossen.

Werner erklärte, es sei ein Rätsel, was aus all den berühmten französnchen Fliegern geworden sei. Er selbst habe auf seinen Erkundungsflügen seit Beginn des Krieges nur sechs Feinde in der Luft gesehen, von denen zwei Engländer waren.

er Luft gesehen, von