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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^fe für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- - .

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hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. 7

ß < n Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im

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Zernsprech-Knschluh Nr. 8

Nr. 217

Mittwoch, den 16. September

1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Zeichnet die Kriegsanleihen!

Nr. 1-22. zu haben in der Geschäfts­stelle des Tageblattes.

S

h der Heimat

*(DieBekanntgabederVerlustlisten., Von zuständiger Seite wird geschrieben: Das Zentral- Nachweisbureau des Kriegsministeriums in der Dorotheenstraße in Berlin wird noch immer mit An­fragen überhäuft, die zu beantworten es gar nicht in der Lage ist. Es sei daher auf folgendes hingewiesen Als Material für die Auskünfte über Angehörige des Heeres dienen dem Nachweisbureau allein die Verlustlisten, die es von den Truppenteilen erhält und dann die Rapporte der Lazarette. Da die Ver­lustlisten sogleich nach Eingang veröffentlicht werden und in den Lazarettrapporten die Namen von den Truppen der als verwundet Gemeldeten naturgemäß noch später eingehen, ist es doch klar, daß man frühe- öopiit rechnen kann, über einen Angehörigen Auskunft zu erhalten, wenn man seinen Namen in der Verlustliste gefunden hat. Die manchmal laut ^^öende Ansicht, daß die Veröffentlichung der Ver- lllstllsten vom Kriegsministerium aus irgendwelchen Gründen zurückgehalten würde, ist durchaus irrig. Jede von der Truppe hier eingehende Verlustliste als möglich veröffentlicht. Wenn jetzt erst die Verluste veröffentlicht werden, die wvchen- suruckftegen, so liegt das daran, daß unsere Truppen während der fortdauernden Kämpfe y^enniarf^e in den ersten 4 Wochen des Krieges -c^^r^eit fanden, die Verlustlisten aufzustellen. ÄlÜ^^»Eoigung einer solchen Arbeit gehört doch ein s^,"?b?blick Ruhe, ein solcher ist aber vielen Truppen Einrucken noch nicht beschieden gewesen. Daher aber auch unsere Erfolge.

,^^TievierteöiesjährigeSchwurgerichts- ?Es Landgerichtsbezirks Caffel wird nicht, vorgesehen, am Ende des Monats sondern erst gegen Mitte Oktober ihren Anfang nehmen.

fArH^^c Stiftung für das 11. Armee- Hauptmann und Kammerherr v. Brandis, S Zecher des OberschlosM zu Kranichfeld in Thür. : Stiftung gemacht, nach welcher er 1000 Mk. Soldaten des 11. Korps bis zum Feld- °£er Wachtmeister schenkt, der sich als erster das ,V..-^ve Kreuz ersterKlasse erwirbt. DasStellvertretende Generalkommando hat die.Stiftung angenommen.

. § Hersfeld, 15. September. Interessenten machen ~ ebruar 1888 und vom

^uf.die Gesetze vom 28. Fi £ August 1914, betreffend die U

August 1914, betreffend die Unterstützung von a mi l i e n in den Dienst eingetretenen Mannschaften ^vsmerksam. Hiernach betragen die Unterstützungen Mindestens: a) für die Ehefrau in den Monaten Ei, Juni, Juli, August, September und Oktober 9 Mark, in den übrigen Monaten 12 Mark, b) für jedes Kind unter 15 Jahren sowie für jede weitere Unter- flutzungsberechtigte Person monatlich 6 Mark. Anträge auf Bewilligung sind bei den Gemeindebehörden an- dubringen. Die eingereihten Anträge auf Unter- flützungen werden zunächst einer Prüfung unterzogen und sodann dem Kreisausschuß zur Entscheidung vorgelegt. Es können noch 12 Wochen vergehen, vevor die Gelder für den Monat August und die erste Hälfte des September zur Zahlung angewiesen werden können. Die Auszahlung wird demnächst durch Ver- Mittluug der Bürgermeister erfolgen.

§ Hersfeld, 14. September. Bekanntlich hat auf £ Oktober ds. Js. der Vorstand der Stuttgarter Lebensversicherungsbank a. G. (Alte Stuttgarter) eine außerordentliche Generalversammlung einberufen. Der Versammlung wird, wie ebenfalls schon ange- kundigt, eine Aenderung der Vorschriften über Ver- ncherung gegen Kriegsgefahr vvWeschlagen werden, wonach in jede bisher bei der Bank abgeschlossene oder künftighin von ihr zu übernehmende Lebens­versicherung bis zu Mk. 100000 ohne alles weitere

auch die Kriegsgefahr eingeschlossen sei. Inzwischen hat, und zwar am 25. August, der A u f - sichtsrat der Bank über den Vorschlag beraten und dem Vorstand seine u n b e dt n g te Z u st i mm un g erteilt. Noch mehr: im Hinblick auf die über alles Erwarten rasche Entwicklung der Dinge, insbesondere auf dem Deutschfranzösischen Kriegsschauplatz, kounte der Vorstand sich nicht dazu verstehen, die Versicherten bis zum 2. Oktober, dem Tag der Generalversammlung hinzuhalten und hat sich deshalb vom Anssichtsrat ermächtigen lassen, schon jetzt für jede bisher abge­schlossene Versicherung bis zu Mk. 100 000 den Ein­schluß der Kriegsgefahr ohne alles weitere, also ohne Antrag, Vormerkung, Vormerkungsgebühr und Monatsfrist, zu bejahen. Entsprechend dieser Er­mächtigung wird der Vorstand die Kriegssterbefälle regulieren. Seine Beschlüsse hat der Aufsichtsrat einstimmig gefaßt.

):( Hersfeld, 15. September. Heute erhielt eine Beamtenfamilie einen Brief von ihren in Philadelphia befindlichen Töchtern, aus welchem man sehen kann, wie die englischen Zeitungen Lügen verbreiten; u. a. berichten sie, daß die Deutschen fortgesetzt verloren haben. Der Brief ist am 23. August geschrieben und einem jungen Herrn aus dem Geschäft, in welcher sich die Tochter befindet, der als Reserveleutnant mit noch einer größeren Anzahl gestellungspflichtiger Deutschen nach Deutschland reiste, übergeben. Das Schiff ist aber, wie bekannt von den Engländern gekapert und die wehrfähigen Leute gefangen genommen worden. Der Reserveleutnant hatte jedoch zuvor einer auf dem Schiffe befindlichen Dame, welche nach Frankfurt a. M. reisen wollte, den Bries übergeben. Die Dame hat nun den Brief in Frankfurt zur Post gegeben, und er gelangte so in die Hände der Eltern, die hier­durch seit langer Zeit wieder ein Lebenszeichen von ihren Kindern erhielten. Dieselben befanden sich natürlich in großer Angst, um das Wohlergehen der Eltern und bitten dieselben, ihnen doch bald möglichst Aufklärung über ihr Schicksal zu geben.

):( Hersfeld, 15. September. Gestern abend wurde ein aus dem Arbeitshaus in Breitenau entsprungener Handwerksbursche hier festgenommen.

):( Hersfeld, 15. September. Wir werden ersucht, mitzuteilen, daß Landsturmscheine auf der hiesigen Wache in Empfang zu nehmen sind.

):( Hersfeld, 15. September. Heute Nacht zwischen 4 und 5 Uhr traf der erste Transport zum Teil Schwer-, zum Teil Leichtverwundeter hier ein. Von diesen wurden 27 im Lazarett desGasthauses zur Sonne", die anderen im Lazarett derGesellschaft Verein" untergebracht.

8 Hersfeld, 15. September. In Fulda hat her erricht in der gewerbl. Fortbildungsschule schon

Unterricht ,

am 22. August wieder begonnen.

8 Hersfeld, 15. September. Um dem Publikum entgegen zu kommen, hat die hiesige Metzgerinnung zu einer Herabsetzung des Preises für das Kalbfleisch sich verstanden und zwar kostet das Pfund von jetzt an 70 Pfg., also 10 Pfg. weniger wie seither.

w Hersfeld. 15. September. Aus unserem Kreise find ferner in den Verlustlisten aufgeführt: Res. Christian Apel aus Obergeis verm. - Res. Kaspar Weiffenbach aus Niederaula verm - Musk. Adam Kurz aus Kirchheim verm. - Gefr. Karl Heymann aus Hersfeld l. verw.

Bebra 14. September. Eine Tat, welche ungemeine Empörung hervorgerufen hat und welche von einer außergewöhnlichen Niedrigkeit und Verworfenheit der Gesinnung zeugt, ist hier, verübt worden. In der Nacht vorn 9. zum 10. d. Mts. ist in dem verschlossenen Raum, in welchem die in den Ortschaften des Kreises Rotenburg gesammelten, zur Verpflegung und Er­frischung der im Kriege verwundeten Soldaten gespendeten Liebesgaben aufbewahrt werden, durch Einsteigen in ein Fenster etngebrvchen worden. Ein Teil der vorhandenen Erer und Wurst ist gestohlen worden. Die bet' der Tat überraschten Diebe sind leider entkommen, hoffentlich gelingt es aber den eingeleiteten Nachforschungen der Polizei, die gemeinen Diebe zu ermitteln, damit sie zur gerichtlichen Be­strafung gebracht werden können.

Homberg, 12. September. Im benachbarten Mörs- hausen ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Auf dem Hofe des Landwirts Henkel arbeitete die Dresch­maschine, an welcher sich Henkel zu schaffen machte. Unvorsichtigerweise geriet er mit einem Arm in das Getriebe der Maschine. Dieser wurde vollständig zer­rissen und auch noch ein Teil der Brust in Mitleiden­schaft gezogen. Trotz alsbaldiger ärztlicher Hilfe verstarb der 68jährige Mann an seinen schweren Verletzungen. r

Caffel, 12. September. (110 eiserne Kreuze.) Wie bereits mitgeteilt, sind nicht weniger als 110 Eiserne

Kreuze 2. Klasse an die tapferen Angehörigen des hier und in Arolsen garnisonierenden Infanterie- Regiments von Wittich (3. Kurhessisches Nr. 83) ver­liehen worden. Offiziere und Mannschaften haben sich bei dem Sturm auf Lüttich in Belgien ausgezeichnet. Obenan steht der Oberst des Regiments Graf Moltke. Dann folgen Major von Winterfeldt, 6 Hauptleute, 3 Oberleutnants, 12 Leutnants, davon 0 Reserve­leutnants, 5 Feldwebel, 15 Unteroffiziere und Sergeanten und 65 Einjahrig-Freiwillige und Mus­ketiere. Dem Fltegerleutnaut Seehagen ist für gute Dienstleistungen im Elsaß das Eiserne Kreuz ver­liehen worden.

Eschwege, 14. September. Ein Zarengeschenk hat keinen Wert mehr. Herr Hofphotograph Oskar Tellg- mann hier hatte vom russischen Zaren in Anerkennung seiner vorzüglichen Leistungen auf dem Gebiete der künstlerischen Photographie eine schwer goldene Taschenuhr erhalten, deren Springdeckel mit dem russischen Doppeladler in Gold und Emaille verziert ist. Diese wertvolle Uhr hat er dem Roten Kreuz hier geschenkt, das sie verkaufen und den Erlös für unsere verwundeten tapferen Krieger verwenden soll. Bravo!

Einbeck, 14. September. Aus Wut und Aerger darüber, daß er wegen seiner langen Ohren bei keinem Regiment als Kriegsfreiwilliger angenommen wurde, hatte, wie demHann. Kur." von hier gemeldet wird, sich im nahen Dorfe Volksen ein 19 Jahre alter Bayer, der dort auf einem Gute als Melker beschäftigt war, sich kurzerhand beide Ohren mit einem scharfen Messer abgeschnitten. (? 11 ^er Schwerverletzte ist jetzt aus dem hiesigen Krankenhause als geheilt entlassen. Auf Vermittlung des Landrats wurde er jetzt sofort in ein Regiment eingereiht, mit dem er nun zu seiner Freude hofft, ebenso wie seine vier Brüder gegen den Feind kämpfen zu können. (Diese Geschichte klingt doch etwas abenteuerlich.)

Schleiz, 11. September. Der jetzt im Amtsgerichts­gefängnis in Burgk untergebrachte Albin Körner hat ein Geständnis abgelegt, die vor kurzem abgebrannte Scheune des Landwirts Heinrich Müller in Crispen- dorf angezündet zu haben. Da bekanntlich in Kriegs­zeiten über Brandstifter die Todesstrafe verhängt werden kann, darf man gespannt sein, wie die Strafe in diesem Falle ausfallen wird, zumal, da Körner wegen gleicher Verbrechen schon schwere Vorstrafen erlitten hat.

Koblenz, 14. Sept. Am hiesigen Hauptbahnhof traf in diesen Tagen ein Transport von französischen Verwundeten ein. Die jungen Hilfsflegerinnen nahmen sich der Schwerverwundeten in liebevollster Weise an, sorgten für den Wechsel der Verbände, Er­frischungen usw. Eine der jungen Damen war da­mit beschäftigt, einen französischen Offizier umzubetten und zu verbinden. Der Verwundete ließ alles mit sich geschehen und sagte, als die junge Samariterin ihm zuletzt etwas zu trinken reichte:Dieu merci, que le cochon a fini . . ." (Gott sei Dank, daß das Schwein fertig ist!) Die junge Dame brach in Tränen aus, beherrschte sich aber sofort wieder und versetzte dem würdigen Vertreter dergrande Nation" eine kräftige Ohrfeige, an die er hoffentlich noch lange zu­rückdenken wird.

Jetzt vor Paris.

Jetzt vor Paris!" Hörst Du es dröhnen? England, zu Dir schreit's über's Meer, In seinen Straßen Angst und Stöhnen Und vor Paris das deutsche Heer.

Schwarz ztehn die Wolken sich zusammen, Die Heilger Zorn aufwogen ließ, Bald lodern der Vergeltung Flammen, Der heilge Zorn steht vor Paris!

Doch winzig scheint, was Frankreich fehlte, Zu Deiner Schmach und Schuld Gewicht, Und Gott, der Deutschlands Waffen stählte, Geht anch mit Dir noch ins Gericht.

Das Völkerrecht hast Du geschändet, Rot aus der Weltgeschichte Buch Starrn Deine Blätter, und es endet Ein jeder Satz mit einem Fluch.

Die halbe Welt hast Du gedungen Zu tückischem Vernichtungskrieg. Doch, als der Kampfruf kaum erklungen, Schritt Deutschland schon von Sieg zu Sieg.

Im Todeskampfe heult die Meute, Der Eber hat ihr Fell zerfetzt, klingts drohend heute, - Mills Gott, klingt's bald:Vor London jetzt!"

Louis Engelbrecht.