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Deutschlands und OesiEch-AüMüS verwundet wor« den zu sein.

Zum Tode des Prinzen Ernst von Meiningen.

DerBerl. Börsencourier" schreibt: Laut Tele- Sramm eines Samariters des Roten Kreuzes, der )ienst in der Gefechtslinie hatte, an das Zentralbureau in Frankfurt a. M>, fiel der Prinz Ernst von Meiningen, den Säbel in der Faust, an der Spitze seiner Truppen. Er erbat sich, von einer Kugel durchbohrt, von dem her­beieilenden Samariter einen Schluck Mayer, und über- gab ihm einen Zettel aus seinem Feldnotizblock mit fol- aenden Zeilen:

Falle ich auf dem Felde für Deutschlands Ehre, be­stattet mich nicht in der Fürstengrnft, sondern gemeinsam mit meinen tapferen Soldaten. Setzt ein einfaches Kreuz darauf, dies genügt für Deutschlands Söhne.

Ueber 300 000 Gefangene.

In der am Sonnabend veröffentlichten Angabe über die Zahl der in den Gefangenenlagern in Deutschland untergebrachten Kriegsgefangenen sind die bei Man- bengc gefangenen 40 000 Franzosen sowie ein großer Teil der in Ostpreußen in der Schlacht bei Tannenberg kricasgefangenen Russen nicht enthalten. Rechnet man die m den jüngsten Schlachten im Osten gemachten 30 000 Gefangenen hinzu, so kommen über 300 000 Ge­fangene heraus.

Die Vermehrung des englischen Heeres.

Premierminister Asquith brächte, wie gemeldet, im Unterhause eine Vorlage ein, wonach das Heer nm 500 000 Mann vermehrt werden soll. Nach der Berech­nung der Regierung, so meldet dieFranks. Btß " er­reicht das Heer alsdann die Stärke von 1200 000 Mann ohne die Hilfstruppen, die aus den Kolonien zugezogen werden. (Das heißt auf dem Papier.)

Dem Verteidiger Longwys der Degen wieder abgenommen.

DerB. L.-A." meldet: Der Kronprinz hatte be­kanntlich bei der Einnahme der Festung Longwy dem Kommandanten für die tapfere Verteidigung des Platzes den Degen gelassen. Wie nunmehr verlautet, gab der Kronprinz Befehl, dem Kommandanten den Degen wie­der abzunehmen, nachdem sich herausgestellt hat, daß bei der Verteidigung von Longwy Dum-Dnm-Geschosse ver­wendet worden sind. Der Kommandeur will von dem Vorhandensein der Dum-Dum-Geschosse nichts gewußt haben.

Bulgarien will keine rusiischen Brosamen.

Sofia, 14. September. (Privattelegramm). Wie verlautet, hat Rußland im Einvernehmen mit Serbien für den Fall der militärischen Unterstützung Bulgarien die Stadt Jstip mit dreihundert Quadratkilometern Ge­lände angeboten. Die Bulgaren weisen die Brosamen von der Tafel Rußlands und Serbiens zurück.___

England und die Flüchtlinge.

London, 14. September. (T.-U.) Die englischen Blätter jammern bereits über die große Anzahl der Flüchtlinge, die aus Belgien und Frankreich hierher kommen. Allenthalben ist die Fnrcht vor Bomben sehr groß, namentlich in Antwerpen, wo kein Mensch bleiben will. Wer nnr etwas Geld hat, verläßt die Stadt; viele Flüchtlinge lassen ihren ganzen Besitz zurück, um nur schnell nach London zn kommen. Diese große Zahl der Flüchtlinge mntz wohl oder übel in England Eindruck machen. Einerseits werden dadnrch die Siegesmeldungen der Zeitungen erschüttert, andererseits werden es sich die Engländer unter solchen Umständen überlegen, als Freiwillige in die Armee einzutreten.

Russische Hilfstruppen für Frankreich.

Der KopenhagenerPolitiken" wird aus London gemeldet:

Nunmehr dürfen auch die Nachrichten über das Ein- greifen zahlreicher russischer Truppen ungehindert die englische Zensur passieren. Es bestätigt sich, daß zahl- reiche Truppen in den letzten Tagen in den englischen nnd schottischen Häfen eingetroffen sind. DieMaure- tania" hat allein 10 000 Mann aus Archangelsk nach England gebracht. Eine Menge anderer Dampfer sind unter Kreuzereskorte dabei, Truppen über England nach dem Süden und weiter nach dem französische« Kriegs- fchauplatz zu bringen. Die Zahl der bisher gelandeten russischen Truppen wird auf 100 000 Mann geschätzt. Die Gesamtzahl der russischen Hilfstruppen soll sich auf % Million belaufen.

-.DerPolitiken" wird weiter aus Paris berichtet: DerCorrier Colonial" schreibt, daß augenblicklich zwi- schen Tokio «wd Petrograd Verhandlungen betr. die Mongolei nnd Mandschurei gepflogen werden. Die Ja- paner sollen 500 000 Mann mit der transsibirischen Bahn

Kriegsschauplatz bringen.

.".Die Meldungen von dem Transport russischer Hilfs­truppen über England und Frankreich sind wiederholt und mit solcher Bestimmtheit ausgetreten, daß man ihnen wohl Beachtung schenken muß. Freilich sind die Schwie- vigketten eines derartigen Truppentransportes so groß, daß die von derPolitiken" angegebenen Zahlen aus Zweifel stoßen müssen. Wir wiederholen, was wir schon einmal gesagt haben: wollen sich die Russen M den deutschen Schlägen, die sie im Osten empfangen haben, auch rm Westen neue holen uns soll es recht sein!

Ei« Artilleriekampf aus der Vogelschau.

Dem ^Essener Generalanz." wird ein Brief des Fliegers Suwelack zur Verfügung gestellt, worin sehr anschaulich ein Artill?riekamvf aus der Bogelchau ge-

wuiuciho: zur ^erjugung gciicuv <vyi.» mit# ein Artilleriekampf aus der Bogelchau ge­schildert wird. Suwelack schreibt:

Ein herrliches Schauspiel ist so ein Artilleriekampf; mit welch furchtbarer Schnelligkeit unsere Leute auf- rücken, ist gar nicht zu schildern Die Artillerie ist vorn, die Infanteristen klettern auf die Geschütze, um den lau­fenden Rothosen noch etwas nachzuschicken. Das Rattern der Maschinengewehre und das Schießen der JnfaMerie vergeht in dem Kanonendonner. Hnrlich ist es- menn dre weißen Wölkchen plötzlich auftauchen. Es ist ja ein etwas komisches Gefühl, wenn beim Fliegen rechts und links weiße Wölkchen erscheinen: man fliegt dann lieber 2000 Meter hoch. In 1200 Meter Höhe siNd noch Flug- zeuge getroffen, und zwar sehr gut. Ein Albatros hatte 17 Schutz durch die Flügel und einen 10 Zentimeter hinter dem Sitz. Ich habe für die nächste Zeit eine wunderbare Aufgabe, twer die ich aber nicht schreiben darf. Aber wir Flieger vergehen vor Ungeduld; unsere Hauptleute haben viel zu tun, uns in Schach zu halten, hauptsächlich werden wir zu den Artilleriekampfen Her­angezogen. Neulich haben wir einen französischen Flug­hafen entdeckt und dann bombardiert, und zwar mit Erfolg.

Präsibeut Wilso« will vermitteln.

Das PariserJournal" bringt eine Konferenz, die in Washington zwischen dem Präsidenten Wrlson, dem deutschen Botschafter Grafen Bernstorff und dem Se-

sonS, wonach die Bereinigte« Staate« neuerlich bereit wären, die Meinung der Kriegführenden zu hören über die Bereitwilligkeit, die guten Dienste der amerikanischen Diplomatie anzunehmen.

Wenn an dieser französischen Meldung etwas Wah­res ist, so höchstens das, daß Präsident Wilson mög­licherweise von sich aus die Frage einer amerikanischen Vermittlung aufgeworfen hat. Unserewahrhettlieben- den" Feinde sind natürlich auch hier schnell dabei, diese Anregung Deutschland zuzuschreiben. In Deutschland, wie gesagt, denkt gegenwärtig niemand an Frieden, son­dern nur an die Fortsetzung des Kampfes bis zum guten Ende.

Kriegsallerlei.

Phantasien eines englischen Lords.

WTB. London, 13. September. Lord Enrzon sagte in einer Rede in Glasgow: Er hoffe es zn erleben, daß die Lanzen bengalischer Reiter aus den Straßen Ber­lins funkeln nnd dnnkelhäntige Gurkhas es sich in dem Potsdamer Park beqnem machen werden.

Lord Enrzon ist der frühere Vizekönig von Indien.

Gent unter amerikanischem Schutz.

__Haag, 13. September. (Privattelgramm.) Der Nieuwe Rotterdamsche Courant berichtet: Auf dem Stadthanse von Gent weht die amerikanische neben der belgischen Flagge, da die Stadt Gent den Schutz der Ver­einigten Staaten für die friedlichen Bürger, sowie für, die Knnstschätze erbeten hat.

Eine russische Kriegskasse erbeutet.

Berlin, 13. September. (Privattelegramm.) Der konservative Landtagsabgeordnete, Bürgermeister Prentz in Striegau, der als Hauptmann nnd Kompagnie- chef in einem Reservejäger-Bataillon an den Kämpfen bei Tannenberg teigenommen hat, teilt in einer Karte an den Magistrat in Striegau mit, daß seine Kompagnie von den Rüsten eine Kriegskaste mit 140 000 Rubel (300 000 ^) erbeutet habe.

Ein dentscher Flieger über Belfort.

Rom, 13. September. Bei Fort Roppe bei Belfort ist ein deutscher Flieger erschienen «nd trotz des fran­zösischen Kugelregens im Nebel entkommen. Belfort soll anf drei Jahre verproviantiert sein. Ein dentscher Flieger warf eine Bombe bei der Kathedrale von Nancy. Die Kathedrale ist unbeschädigt, nnr ein Fenster ist zersprungen. Der Boden des Platzes ist anfgeristen.

Opfer eines Franktireurs.

Leutnant Demnig aus Hannvver ist in Belgien ein Opfer der Bestialität unserer Gegner geworden. Der junge Artillerist war in einem Treffen schwer verwundet worden, ein goldenes Armband, das der hilflos auf dem Boden liegende Offizier trug, erregte die Habgier eines Franktireurs oder eines auf dem Schlachtfelde herum­streichenden Räubers, der nach Wertsachen ausspäbte. Da das Armband sich offenbar nicht glatt abstreifen ließ, so schnitt der grausame Schurke dem armen Demnig einfach das Handgelenk durch, um zu seinem Beutestück zu gelangen. Dieser war verblutet, als er von den Sant- tätsmannschaften aufgefunden wurde.

Eine tapfere Brigade.

Von den 53ern, die in Cöln stehen, haben 86 das Eiserne Kreuz bet einem Sturmlauf gegen den Feind erworben. Die 16er errangen an jenem Tage 29 Eiserne Kreuze.

Der Kriegsruf der Suffragetten.

allen

Nun treten auch die englischen Suffragetten gegen Deutschland auf den Plan. Miß Pankhurst läßt in Londoner Blättern einen wilden Kriegsruf erschallen und feuert alle Suffragetten zum Kampfe gegen die deutsche Gefahr an. Jetzt wirds ernst!

An den Pranger!

Das stellvertretende Generalkommando des 1. bayerischen Armeekorps zu München gibt bekannt:Die kürzlich ergangene Warnung, Kriegsgefangenen gegen­über nicht sein Deutschtum zu vergessen, ist leider aber- mals nicht beachtet worden. Einer von denen, die nicht wissen, was sich gehört, ist der Großkaufmann Marix in München. Gegen ihn ist Strafeinschreitung veranlaßt worden."

Eine Verwundung des Generals v. Emmich wird jetzt aus einer Unterredung bekannt, die der nach Washington zurückgekehrte deutsche Botschafter Graf Bernstorff amerikanischen Preisevertretern gewahrt. Darnach wurde General v. Emmich wahrend des Stur­mes auf Lüttich leicht am Bein verwundet, aber er legte das Kommando nicht nieder.

Zwei französische Generale schwer verwundet.

Aus Bordeaux wird gemeldet, daß die französischen Generale Exelmans und Touböe schwer verwundet seien. General Exelmans ist einer der glänzendsten ji ngeren französischen Kavallerieoffiziere dessen Vater a s Ad­miral im Krimkriege eine bedeutende Rolle spielte.

Für russische Soldaten der Gummiknüppel.

Von einem im Felde stehenden Krieger wird dem Berl Lokalanz." gesthrieben:Vorgestern brächte ein Infanterist von einer Radfahrerkompagnie als Sieges- trovbäre u. a. von der Front ein russisches OffizterS- Seitengewehr mit, mit Troddel und Schärpe. So un- alaublich es klingt. Dte Scheide ist rund und am Griff steckt statt des Degens, ein richtiggehender Gummiknüp- vel Hätte ich das Ding nicht selbst gesehen, ich hatte es nicht für möglich gehalten. Was mag das für Ge- sMdel sein, das erst mit dem Polizeiknüppel vorgetrieben werden muß!"

Ei« frecher Gannerstreich.

Die Luxemburger Zeitungen veröffentlichen folgen­den Streich eines Schwindlers: Ein Gauner verstand, sich die Uniform eines deutschen Unteroffiziers zu verschaffen Er fuhr mit einem Auto nach der belgischen Provinz Luxemburg und soll hier angeblich bis zu 30 000 Tranks Krieassteuer unter der erschreckten Einwohner­schaft beigetr^eben haben. Nach verbrachter Heldentat fehlte er nach Luxemburg zurück. Der Chauffeur, dem er einen Fahrerlohn von 300 Mark gab, schöpfte Ber- dacht und erstattete Anzeige bei der Polizeibehörde, die den Schwindler sofort verhaften ließ.

Ein Reiterstücklein.

Wie aus Babenhausen gemeldet wird, hat der Erb- araf Fugger-Babenhausen, Sohn des Standesherrn Fürsten Fuaaer-Babenhausen, der beim Regiment Wes-du-Lps >i einem Ratrouillenrltt mit 20 Mann eine ganze englische Schwadron gefangen.

Tragödie eines Kriegsfreiwilligen.

Aus Gram darüber, daß er nickt als Kriegsfrei­williger eintreten durfte, Hat sich der 18jährige Sohn des Bürgermeisters Geyer in Preysdorf bei Wunsiedel das Leben genommen. Da bereits ein Bruder von ihm sich freiwillig gemeldet hatte, erlaubten die hochbetagten El­tern nicht, daß auch der zweite Sohn eintrat, um an ihm eine Stütze zu haben.

Wie ich mein Eisernes kreuz erwarb.

Feldpostbrief eines Frankfurter Kriegers.

Folgende Stellen aus einem Feldpostbrief eines Frankfurter Mitkämpfers, der das Eiserne Kreuz er­hielt, werden demFranks. Getteralanz." zur Verfügung OE^Am 22. 8. 14, als wir abends ins Gefecht eingriffen, gingelk Oelsen, Krliger und ich, sowie 1113 Mann ins Dorf B. und wollten Franzosen suchen. Ich hatte den Karabiner in der Hand und meinen Säbel gezogen. Ich war ganz vorn, kam ans erste Haus und sah zum Fen­ster hinein. War aber alles still und rnhig. Ich ging ums Hans und wollte zur Tiir hinein, aber sie war abgeschlossen. 9tun fing ich an, mit dem Gewehr die Tttr einzuschlagen. Die übrigen, die bet mir waren, gingen an aridere Häuser. Auf einmal, als ich die Tür ordentlich bearbeitete, kam ans der Nebentttr ein Franzose heraus, der sich ergeben wollte. Ich frug ihn, ob noch mehr Frarrzoserr drin wären: er sagte:Ja, noch zwei." Ich schickte ihn nun ins Haus, daß er die arideren holen sollte, aber er rvollte nk[)t. Da packte ich ihn »m Kragen und schob ihn in den Hausflur. Ich selbst ging nach und wollte die anderen beiden Franzosen holen. Ans einmal sehe ich auf fünf Meter die beiden Kerle stehen mit an­geschlagenem Gewehr. Ich ritz sofort mein Gewehr an die Backe und schoß den einen direkt zusammen.

Unterdessen schoß der andere auf mich. Die Kugel streifte leicht meine Hand. Ist aber jetzt geheilt. Unter­dessen ritten ungefähr 20 Manrr dentsche Jäger zu Pferd arr uns vorbei. Als sie in der Mitte des Dorfes waren, fingen die Franzosen aus allen Häusern, Keller­löchern, Fenstern, Dächern, Dachluken, Kirchturm ein mörderisches Feuer an. Man meinte, die Hölle wäre losgelassen. Die Kngeln schlugen nm uns ein, flogen um den Kopf herum, es summte wie ein Bienenschwarm. Und das schlimmste war, wir sahen keinen Teusel. Wir nun aber in die Häuser, die Kerls standen oben auf der Treppe und schössen oben herunter. Ich mit zwei Mann, mit allfgepflailztem Seitengewehr, rauf, Dem ersten das Seitengewehr durch den Leib, dem zweiten den Kolben auf den Kopf. Wir suchten das Hans weiter ab nnd auf dem Speicher standen noch fünf Franzosen. Gegen die konnten wir allerdings nichts machen. Wir gingen die Treppe herunter, nahmen einen Bulld Stroh und das Haus lvurde in Brarcd gesteckt.

Unterdessen kam die 9., 10., 11. und 12. Kompagnie an; mit jedem Haus wurde es so gemacht. Als nun alles brannte, zogen sich die Fralizosen in die Gärten Mrück, und nun schössen die Halunken feste uns in den Rücken. Wir hatten einige Tote uub Verwundete von uns. Da kein Offizier in der Nähe war, so sammelte ich die ganze 9. Kompagrlte und kommandierte:Marsch, marsch, Hurra!" Als sie aber unser Hurra hörten, lief das Volk, wir schossell stehend freihändig auf sie. An­dere Franzosen versteiften sich in den Korngarben, andere stellten sich tot. Als es nun dunkel würbe und wir an denselben vorbetmarschierten, schössen die Kerls noch auf uns. Wir machten viele Gefangene. Ich könnte noch mehr Einzelheiten erzählen, aber die Sache würde zu lang werden. Am 23. 8. 14 hatten wir ein Gefecht mit einer Radfahrerkompagnie. Wir hatten nur einen Verwundeten. Viel marschiert an dem Tag. Sehr heiß und kein Wasser.

Am 24. 8. kam die große Schlacht bet Gondroucourt, Stincourt. Richcaut. Wir lagen von morgens 9 Uhr bis abends 7 Uhr ununterbrochen im schwersten Ar- tillerieseuer. Die Franzosen hatten unterirdische Tele­phonleitung gelegt nnd die Einwohner hatten jede Stel­lung von uns verraten^ Die ©rannten schlugen dicht um uns ein. Bet einzelnen Koulpagliten schlugen sie direkt in die Kolonne ein. Ganze Truppen wurden nie- dergemäht. Mir schlugen einige Eisenstückchen ans die Feldflasche und aufs Vetu. Habe jedoch keinen Schaden erlitten. 7,30 Uhr abends gingen wir ins Gefecht, ich führte mit meinem Znge die Fahne vor. Wir erhielten mordsmäßiges Feuer. Auf drei Meter schlug ein Ge­schoß direkt vor mir in den Boden. Wir gingen nun durch einen Wassergraben, so, daß ich bis an die Hosen­taschen im Wasser stand. Die Kugeln flogen ilnheimlich um uns. Aber wir waren daran gewöhnt. Wir gingen nun zum Sturm auf den Bahndamm vor. In stärkstem feindlichem Feuer habe ich mir eine Zigarette gedreht und in aller Seelenruhe geraucht.

Als der Gegner nun floh, kamen rechts von un3 noch zwei französische Kmupagnien an. Verschiedene Offiziere waren gefallen und ich nahm alles, was um mich herum lag, und formierte ein Kompagnie zusacn- men und bezeichnete sie als KompagnieE". Mit die­ser ging ich nun zum Sturrn auf die zwei französischen Kompagnien vor. Ich hatte etwa 6080 Mann nur bei mir. Unterdessen brach die Dunkelheit herein. Vier Of­fiziere, viele Unteroffiziere und Mannschaften sind vom Regiment gefallen. Alles lag vollgesät voll Tote, Ver­wundete, Gewehre, Tornister usw. Wir legten und zwi­schen die Toten und Verwundeten und schliefen, wo wir gerade lagen. Wir haben viel Verluste durch französische Artillerie. Aber unsere hat auch ordentlich aufgeräumt. Jedenfalls, wo wir bis jetzt waren, haben wir feste Hiebe ausgeteilt. Wenn wir uns Wiedersehen, da gibt's aber was zu erzählen. Es sind noch zu viel Einzelheiten. Jedenfalls wißt Ihr, wte's mir bis jetzt ging. Waschen ist Luxus, Bett eveufalls. Wir schlafen, wo wir uns gerade befinden. Jeden Tag waren wir bis jetzt immer im Feuer. Aber desto mehr Mut und Ruhe haben wir im Gefecht. Nur immer ruhig Blut!

* neuestes vom Cage.

Unerhörte Beschuldigungen deutscher Offiziere.

WTB. Berlin, 14. September. (Amtlich). Nach einer Meldung aus Kopenhagen hat die dortige französische Gesandtschaft sich nicht entblödet, folgendes zu verbrei­ten: Eine französische Note-Kreuz-Schwester, Marcelle Jony, habe unter Anbietung eidlicher Erhärtung vor Gericht in Nancy nachstehendes ausgesagt: Am 15. Au- aust öem Gefecht bei Montcel sur Seille wurden zwei Mitschwestern und ich zum Dienst auf das in deut-

?ÄE?che Schlachtfeld entsandt. Auf der Wahlstatt sah ich einen bayerischen Offizier und einen Soldaten im Begriff, zwei verwundeten Franzosen die Ohren abzuschneiden. Einer von ihnen war ein Offi- M meine beiden Begleiterinnen, die gleichfalls das Abzeichen des Roten .Kreuzes trugen, den ttnalUcklichen zu Hilfe kommen wollten, schoß der liaye- «Il^^^lsizier auf mich und verwundete mich am Arm. Als ich aus meiner Ohnmacht erwachte, sah ich neben mir getötet meine beiden Schwestern liegen. Ich kam nach Montcel ins Lazarett.

, Eine hysterische Phantasie gelangt zu ungeheuer- lichen Dingen. Diese Geschichte aber trägt für jeden, der deutsche Offiziere kennt, so deutlich den Stempel der Erfindung, daß man sie nur mit Verachtung zurück- weffen kann.