Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^7^^ für den Kreis Hersfeld
Weiter Wlott
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- zozen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" । Zernsprech-Knschluh Nr. 8
Nr. 316. Dienstag, den 15 September 1914.
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.
Zeichnet die Kriegsanleihen!
Nr. 1-22 zu haben in der Geschäftsstelle der Tageblattes.
Im der Heimat
* (Ausfuhrverbote.) Der „Reichsanzeiger" enthält zwei Verordnungen, betreffend die Ausdehnung des Ausfuhrverbots auf Leinen, Garne, und gewisse Beschränkungen des Verbots hinsichtlich der Baum- wollgewebe, Pelzwaren und Schuhmachereimaschinen.
*(Hilfefürdieflüchtigeno st preußischen Handwerker.) Der Vorstand der Handwerkskammer zu Berlin hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, gemeinsam mit dem Zentralausschuß der vereinigten Jnnungsverbände Deutschlands im gesamten deutschen Handwerk eine Hilfsaktion für die flüchtigen ostpreußischen Handwerker und ihre Angehörigen in die Wege zu leiten und durchzuführen. Diese Hilfeleistung hat der Berliner Kammervorstand mit der Bewilligung von 10 000 Mark zwecks Linderung der augenblicklichen Not zu sofortigen Beihilfen an im Kammerbezirk Berlin befindliche ostpreußische Handwerker und mit der Errichtung einer Geschäfts- stelle im Kammerhause eingeleitet, die am Montag, den 7. ö. Mts., ihre Tätigkeit ausgenommen hat.
Hersfeld. 14. September. Im Anschluß an den gebrachten Bericht über die vor einigen Wochen bei der Königl. Regierung in Cassel, Abteilung für Domänen und Forsten, stattgefundene öffentliche Wiederverpachtnng der Königl. Domäne Wilhelmshof !^»?Ibise Hersfeld ist jetzt zu berichten, daß der Herr Landwirtschaftsminister dem Rittergutspächter Esch- ^AUngen bei Niederaula, welcher das ^Elthöchste Gebot mit einer jährlichen Pacht von Mark abgegeben hatte, den Zuschlag erteilt hat. Das höchste Gebot betrug 6850 Mark. Die Verpachtung läuft 18 Jahre, vom 1. Oktober 1915 bis 1. Oktober
8 Hersfeld, 14. Sept. Von Seiten des Reichsbank- Direktormms in Berlin ist die Landeskreditkasse zu flucht worden, als Zeichnungsstelle für die in ^Elt bis zum 18. lfd. Mts. einschl. aufgelegte 5°/o p^E^^^ihe tätig zu sein. Im Auftrag der Landes- nedittafje nimmt im hiesigen Kreis die Landesrenterei Zeichnungen entgegen. Die lebhafte Beteiligung an dieser Anleihe, deren Erlös zur Deckung der Kriegskosten bestimmt ist, ist eine patriotische Pflicht für leden der dazu in der Lage ist. Abgesehen hiervon bietet aber die reichsmündelsichere Anleihe auf eine ^teihe von Jahren eine Verzinsung von rd. sw/o.
):( Hersfeld, 14. September. Am vergangenen wonnabend wurden hier mehreren Personen bei Felddie bstählen abgefaßt. — Ferner wurden 2 lunge Leute, welche in Körle ein Fahrrad gestohlen, verhaftet und dem hiesigen Amtsgericht zugeführt. Das Rad konnte dem Eigentümer zurückgegeben werden.
_ Cassel, 11. September. Die Firma Wilhelm Deuß, Martinsplatz, hatte sich in hochherziger Weise erboten, den neu zu errichtenden Kriegskinderhorten sämtliche Gerätschaften, wie Becher, Löffel, Teller, Näpfe, Schüsseln nsw. kostenlos zu liefern. Von diesem Angebot ist mit Freuden für die verschiedenen Neu- ernrichtungen der Kriegskinderhorte Gebrauch gemacht worden. Die Kriegssektion IX des Vaterländischen ^rauenvereins Cassel spricht für diese große Liebesgabe ihren verbindlichsten Dank aus.
Caffel, 10. September. Auf Verfügung des stellvertretenden Generalkommandos des 11. Armeekorps wurde der Amtsgerichtsrat Jüngst sowie Amtsgerichts- wkretär Hermann Appel zum Feldgerichtsdienst für die Dauer des Krieges abkommandiert.
Caffel, 12. September. (Eine Entlassung und ihre Folgen.) Fünf polnische Erdarbeiter, die in diesem Frühjahr am Bahnbau bei Eichenberg beschäftigt waren, hatten sich gestern vor der Ferienstrafkammer hiesigen Landgerichts wegen Körperverletzung zu verantworten. Wie die Verhandlung ergab, war der
erste Angeklagte, Arbeiter Ptak, wegen Ungebührlich- keiten von seinem Schachtmeister entlassen worden. Es kam deshalb zu Streitigkeiten, im Verlaufe deren der Schachtmeister dem Ptak einen Revolver aus der Tasche zog, beide Männer in ein wüstes Ringen gerieten und sich auf dem Boden herumwälzten. Dabei erlitt der Schachtmeister eine glattrandige Verletzung am Bein, die er von seinem Angreifer durch einen Schuß aus dem Revolver erhalten haben wollte. Dem Kampf der beiden Männer sahen die vier Mitangeklagten Arbeiter zu und noch ein anderer Pole. Letzterer nahm für den Schachtmeister Partei und wurde nun von den andern gemeinschaftlich verprügelt. Die Strafkammer sprach den ersten Angeklagten kostenlos frei, da es nicht erwiesen sei, daß er geschossen, sich also der unter Anklage gestellten schweren Körperverletzung schuldig gemacht habe. Die andern Angeklagten wurden wegen gemeinschaftlicher einfacher Körperverletzung unter Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft zu einer Gefängnisstrafe von je 2 Wochen verurteilt.
Ziegenhaiu, 10. Sept. Die Ehefrau des Landwirts Heinrich M. in Ebersdorf ist beim Abnehmen von eingeernteten Hafergarben so unglücklich vom Scheunenboden in die Tenne abgestürzt, daß sie schwer verletzt wurde.
Marburg, 10. Sept. Mit militärischen Ehren wurde heute nachmittag hier der in einem Lazarett in Köln an seinen im Kriege erhaltenen Verwundungen gestorbene Hauptmann Theo von Dobbeler zur letzten Ruhe gebracht. Der Verblichene, ein Sohn des vor einigen Jahren hier verstorbenen Oberstleutnants von Dobbeler, gehörte früher längere Jahre als Offizier der Besatzung in Deutsch-Ostafrita an. Eine Abteilung Jäger gab eine dreimalige Salve über das Grab ab.
Marburg, 10. Sept. Der Direktor des pharma- zeutisch-chemischen Instituts, Geheimrat Prof. Dr. Ernst Schmidt, hat die ihm vor 9 Jahren verliehene goldene Handbury-Medaille dem Roten Kreuz über- wiesen.
Gießen, 13. Sept. Der gemeingefährliche Frauen- lustmörder, der geisteskranke Kellner Ludwig Wald- schmidt, geb. 16. Mai 1877 in Gladenbach, ist laut Gieß. Anz." am 31. August 1914 aus einer Heilanstalt entsprungen. Waldschmidt ist 1,65 Meter groß, Gestalt schwächlich, Haare hellblond, rotblonden Schnurrbart, hat graublaue Augen, bogenförmige Augenbrauen.
Gemündeu a. d. W., 10. September. Ein ungefähr 11 jähriger Junge schoß hier mit einem sogenannten Flitzbogen" und traf mit dem Pfeil einen 9jährigen Jungen so unglücklich ins Auge, daß dieses wahrscheinlich verloren gehen wird.
Fulda, 10. September. Seinen Verletzungen erlegen ist gestern als erster der hier untergebrachten Verwundeten ein Rheinländer, namens Altenkrrchen. Er starb an Wundstarrkrampf. Die Leiche wird nach der Heimat überführt.
Fulda. 10. Sept. Die ersten Ritter des Eisernen Kreuzes in Fulda. Das Eiserne Kreuz 2. Klane gaben erhalten: Leutnant Hans Ries und Referendar Willy Hohmann aus Fulda Ersterer ist Leutnant im 2 Hann. Jnf.-Regt. Nr. 77 in Celle, letzterer ist Einj.-Freiwill.-Unteroffizter im Infanterie-Regiment Nr. 83.
Waldgirmes, 10. September. Die hiesige Gemeinde hat in den letzten Tagen für die Verwundeten des Reservelazaretts in Wetzlar 100 Zwetschenkuchen geschickt. Die Sendung hat die größte Freude hervorgerufen.
Hauau. 10. September. Prinz Friedrich Wilhelm von Hessen, der älteste Sohn des Prinzen Friedrich Karl von Hessen, der mit den Hanauer Ulanen als Leutnant in den Krieg zog, ist in Frankreich durch einen Brustschuß verwundet worden. Sein Befinden ist den Umständen nach gut.
Frankfurt a. M., 11. Sept. Die vom 81. Infanterieregiment erbeuteten französischen Geschütze treffen nächster Tage hier ein und werden vorläufig Aufstellung am Kaiser Wilhelmdenkmal auf dem Opern- platz finden.
Frankfnrt, 10. Sept. Mit dem gestern Abend im städtischen Krankenhaus „Ost" ausgeladenen Verwundetentransport kam auch ein 16 jähriger Junge an, der den ganzen Feldzug bis Sedan mitgemach- hat. Er hat mit noch zwei anderen Jungen von 15 und 16 Jahren alle Fußmärsche, Anstrengungen und Entbehrungen der Truppen mitgemacht und während der Gefechte Munition bis in 'die vordersten Reihen getragen. Während seine beiden Kameraden leider gefallen sind, hat er selbst die Verwundeten bis Frankfurt begleitet und ist mit ihnen bis auf weiteres im Lazarett untergebracht. Sobald einzelne Leicht
verwundete wieder in die Front entlassen werden, wird er mit ihnen wieder zu seinem Regiment Nr. 28 hinausziehen. Sein Hauptmann hat ihm das Eiserne Kreuz versprochen und er ist nicht wenig stolz auf seine bisherigen Leistungen, dabei kerngesund, von der Sonne gebräunt und kreuzfidel. Seine lebhafte Schilderung nach Empfang einiger Tafeln Schokolade und seine stereotype, in kölnischer Mundart vorgebrachte Redensart, daß die Soldaten ohne Munition nicht schießen können, erheiterte alle bei dem Ausladen der Verwundeten Anwesenden.
Frankfurt, 11. Sept. 187 Gefangene des Straf- gefängnisses Prenngesheim haben aus ihrem Arbeitsverdienst insgesamt 600 Mark für das Rote Kreuz und 253 Mark für die in Ostpreußen durch den Krieg Geschädigten zur Verfügung gestellt. Irgend eine Anregung hierzu war von keiner Seite erfolgt. Die Summe würde wesentlich höher sein, wenn nicht die Direktion vielfach die gestifteten Beträge erheblich gekürzt hätte. um das Arbeitsverdienst den Gefangenen selbst oder ihren Angehörigen zu erhalten. Einzelne Gefangene haben Beträge von 30 und 40 Mark gespendet. Aus dieser interessanten Tatsache taun man wohl den Schluß ziehen, daß der Krieg, den Deutschland gegenwärtig durchkämpft, in der Tat der volkstümlichste Krieg aller Zeiten ist.
Verzeichnis
der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
Für das Rote Kreur, Settion Sersfeld
von Gemeinde Asbach 2. Zahlung. . . M. 10.— „ Herrn Bahnmeister Bechthold, Sorga „ 10.— „ Kirchspiel Kruspis.......„ 88.28 „ Ungenannt hier •.......„ 10.— „ Skatkasse G. B. hier......„ 26.15 „ Herrn Lorenz Mohr hier . . . . „ 150.— „ „ Professor Stamm hier, Spielgeld „ 2.— M 29fk38
Bestand „ 18990.81 heutiger Bestand M. 19287.19
Eingesandt.
Auf den Aufruf zur Hilfe des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung sind für Liebesgaben für die Truppen im Felde bisher eingegangen: Bürgermeister Strauß Mk. 100.—, Prokurist Fried. Koch Mk. 17.—, Männergesangverein der Firma A. Rechberg Mk. 50.—, Hallenberger Mk. 20.—. Kantor Gonnermann Mk. 20.—, die Schüler und Schülerinnen der evang. Bürgerschule Mk. 243,87. Lehrer a. D. Lohrmann Mk. 25.—, Bürgerverein Mk. 140.—. (Der Bürgerverein wird für die Dauer des Krieges seine ganzen Mitgliedsbeiträge zu dem gleichen Zwecke abgeben), zusammen Mk. 615,87.
Das Ergebnis einer Sammlung von 6 Wochen ist für die Größe und den Reichtum einer Stadt wie Hersfeld nicht gerade ermutigend, und wir vermissen in der Liste sehr, sehr viele Namen! Hat man in unserer Bürgerschaft wirklich so wenig Interesse für unsere braven Krieger im Felde, die allen Gefahren und dem Tode sich aussetzen, damit wir hier in Frieden leben können?
Das glauben wir nicht! Das glauben wir nament- lich nicht im Hinblick auf die große Opferwilligkett unserer Bevölkerung im Kriege 1870/71. Wir glauben hier liegt wesentlich Bequemlichkeit zu Grunde. Ist aber Bequemlichkeit am Platze gegenüber unseren Kriegern im Felde, die selbst gar keine Bequemlichkeit vor sich sehen, sondern Kampf und Tod? Also auf zur Hilfe!
Gewünscht werden außer barem Gelde:
Zigarren Zigaretten, Tabak, (Pfeiffenh Konserven, Schokolade, Kakao, Tee, Kaffee, Bonbons, Bouillon- kapieln, Suppenwürfel, Gemüsekonserven, Dauer wurst, geräucherte Fleischwaren, alkoholfreie Ge- trunke, Mineralwasser, Trockenmilch, kondensierte Milch, Lebkuchen, wollene Strümpfe, Unterjacken, Hosenträger, Halsbinden, Leinwand, (zur Fuß- begleitung) Taschentücher, Hemden, Unterbeinkleider, wollene Leibbinden, Taschenmesser, Löffel, Notitz- bücher, Postkarten, Briefpapier, Bleistifte mit „Schonern", Zahnbürsten, Zahnpulver, Zahnseife, Leise, Seifendosen, Stearinkerzen,zusammenlegbare Handlaternen, Haarbürsten mit Futteral, Taschen- spiegel, Streichhölzer mit Metallhülse, kleine Nähkästchen (enthaltend Zwirn, Knöpfe, Band, Nadeln, Ftngerhut), endlich Sicherheitsnadeln.
Lammelstelle ist das Stadtsekretariat auf dem Rat- Hause. Wer etwas geben will, gebe schnell!
Ein Bürger.