kaufs 0 er Baumwollernte herrscht in Aegypten große
Von der englischen „Ritterlichkeit".
Nach dem Vorpostengefecht vor Helgoland ist viel davon die Rede gewesen, daß die Besatzungen englischer Torpedobootszerstörer sich bemüht hätten, die im Wasser schwimmenden Ueberlebenden des untergegangenen deutschen Torpedobootes „B. 187" zu retten. Allerdings haben, die englischen Zerstörer Boote ansgesetzt, aber nicht mit eigener Lebensgefahr und nicht im feindlichen Feuer, sondern der Hauptsache nach wohl nur in der Absicht, Gefangene zu machen. Ein deutscher Seeoffizier von „B. 187", der gerettet wurde, berichtet, wie er mit 3 Mann, die ebenfalls nach dem Untergang des Torpedobootes über Bord gesprungen waren, durch ein englisches Ruderboot aufgefischt wurde. Als sich dann plötzlich deutsche Kreuzer näherten, wurde das Ruderboot durch Signal an Bord des englischen Zerstörers zurückgerufen,- die Bootsbesatzung ging an Bord des Zerstörers, der deutsche Offizier mit fernen drei Leuten weigerte sich aber zu folgen, um nicht in Kriegsgefangenschaft zu geraten. Der Zerstörer war indessen mit großer Fahrt angegangen, und da die Fangleine — ob mit oder ohne Absicht, bleibt dahingestellt — lvsgeworfen worden war, so trieb das Boot achteraus. Als man dies an Bord des Zerstörers bemerkte, wurde von Deck aus eine scharfe Granate in das Boot geworfen, die aber, ohne zn krepieren, liegen blieb. Ferner wurden von dem Zerstörer aus noch einige Revolverschüsse auf das Boot abgegeben, ebenfalls ohne Erfolg. So der tatsächliche
Hergang. ^^hm Erzählungen von der mit einem großen Auswand von Edelmut bewirkten Rettung der deutschen Seeleute sind ebenso erdichtet wie die sogar von amtlicher englischer Seite verbreitete schamlose Verdächtigung, daß die deutschen Offiziere mit Mehrladepistolen auf ihre eigenen im Wasser schwimmenden Leute geschossen hätten. • . ■ .
kriegsallerlei.
Na, na!
Der Pariser „Matin" versichert nach der „Franks. Ztg." in einem Petersburger Telegramm, Oesterreich werde binnen 14 Tagen gezwungen sein, um Frieden zu bitten, worauf 1600 000 Russen in Deutschland einfallen würden!
Sie laufen wie die Hasen.
Der Feldpostkarte eines Vierundsiebzigers entnimmt der „Hannov. Kur." folgende Bemerkung über den großmäuligen Gegner: „Die Franzosen liefen und laufen wie die Hasen, wir hinter ihnen her. Das ist kolossal anstrengend, aber um der vortrefflichen Sache willen auszuhalten!" Darin lassen sie sich also vor den verbündeten Engländer nicht lumpen.
Ein köstlicher Witz.
Der englische Dampfer „Thelma" stieß — wie der „Voss. Ztg." aus Stockholm gemeldet wird — auf der Fahrt von Kalshamm nach Goeteborg absichtlich auf die Küste auf, da er sich von einem deutschen Kriegsschiff verfolgt glaubte. Dieses stellte sich aber als die harmlose deutsche Fähre von Saßnitz nach Trelleborg heraus, die allerdings schwarzen Kriegsanstrich führt.
Eine Zarenmedaille zum Einschmelzen.
Berlin, 12. September. (Privattelegramm.) Prinz Heinrich von Preußen hat nach dem „Berl. Lok.-Anz." unter Verzicht auf die Möglichkeit eines bedeutend höheren Erlöses durch Verkauf an einen Liebhaber eine aus reinem Gold bestehende künstlerische Zarenmedaille zum Einschmelzen übergeben. Der Erlös ist für das Rote Kreuz bestimmt.
An nächtlicher Sumpf mit belgischen
IranMrenrs.
, In der „Franks. Ztg." veröffentlicht der Frank- furter Rechtsanwalt Dr. Alexander Berg folgende Schilderung eines nächtlichen Ueberfalles auf unsere Truppen in der belgischen Stadt Andenne, die in gerade- zu überwältigender Weise zum Ausdruck bringt, wie unsere Truppen von diesen belgischen Hallunken hinter- uütg aus dem Hinterhalt überfallen werden. Er schreibt:
Unser Reserve-Korps hatte den Befehl erhalten, L^ung Namur zu belagern und zu diesem Zweck bei der Fabrikstadt Andenne zu überschreiten. Ä^Wehende feindliche Truppen hatten die recht an- hSÄ Brücke, die beide Teile der Maas ^E^moet, gesprengt. Unter dem Schutz von Infanterie neue Brücke geschlagen, deren An Nachmittag erfolgt war, so daß gegen „W^ nnt dem Durchmarsch der Truppen durch die Stadt tomite6™ Überschreiten der Maas begonnen werden
M«iW war gegen halb 7 Uhr abends, als die leichten der Artillerie, die ich führte, etwa — lgelangt waren, um sich
mschieben. Wir machten
A? vor Andenne angelangt waren, um sich
. nKolonne des Gros einzuschieben. Wir machten ur Dorf, andem die Landstraße nach Andenne Rast. Andenne selbst war unseren Blicken bewaldete Anhöhen entzogen. Plötz- ci^s'brüahmen wir in der Richtung nach Andenne hef- Gewehrfeuer, das etwa eine Stunde lang anhielt und von dem Donner einiger Kanonenschüsse begleitet M. Dann wurde es still. Wir zogen langsam durch
™ rf nach der Landstraße. Vor einzelnen Häusern Mit Brunn«! standen Trinkeimer. Da wurde von vorne der Befchl durch die Truppen weitergegeben: ^^„ausden Brunnen trinken,- die Brunnen sind ver- ßUtet. Gleich darauf pflanzte sich der weitere Befehl durch die Truppen durch: „Revolver heraus, Achtung auf Franktireurs!" Diese Warnung war nur zu berechtigt. Denn wenige Minuten später galloppierte ein Unteroffizier mit der Meldung heran, daß er mit seinen Leuten aus einem Haufe beschossen worden sei. Sofort drang die begleitende Infanterie in das Anwesen ein, erschoß die erwachsenen männlichen Einwohner und steckte das Haus in Brand. , , t
Langsam vorrückend, näherten wir uns bet ein- orechender Nacht Andenne. Ueber dem bewaldeten Höhenrücken, hinter dem die Stadt liegen mußte, glänzte m breiter Ausdehnung ein Feuerschein, bald stärker, bald schwächer werdend, das sichere Anzeichen eines gewaltigen Brandes. Um 11 Uhr nachts waren wir auf der Höhe angelangt. Da bietet sich unseren Augen ein wunderbar grausiger Anblick. Vor uns in der Maasebene liegt eine brennende Stadt — Andenne — bren- nend an allen Ecken und Enden. Der Brand mußte schon stundenlang gewütet haben. Denn von vielen Häusern, insbesondere Fabriken, stehen nur noch die Mauern, zwischen denen brennende, glühende Balken mit lautem Krachen zusammenstürzen. An anderen Stellen, an denen das Feuer besonders günstige Nahrung gefullden. lodern die Flammen zum Himmel empor, das furchtbare Schauspiel grell beleuchtend. Es war kein angenehmes Gefühl, in diese Stadt zwischen brennenden Häusern einzuretten, immer gewärtig, von glühenden Balken getrosten zu werden. Unsere Vermutung, daß hier vor wenigen Stunden ein erbitterter ^traßellkampf getobt haben wußte, wurde zur Gervitz-
best, als wir beim weiteren Einrücken die Leichen erschossener Franktireurs in wildem Durcheinander an den Rändern der Straße liegen sahen.
Die innere, nach der Maas belegene Stadt, in die wir kurz nach Mitternacht einriickten, war vom Brand zum großen Teil verschont. Die Läden der Häuser waren geschlossen. Kein Licht zeigte sich. Alles schien in voll-
kommener Ruhe zu sein. Wir biegen gerade nach einem freien Platz ein, als unter meinem Pferd ein harter Gegenstand aufschlägt. In demselben Augenblick erdröhnt ein fürchterliches Krachen und Zischen unter mir, Feuerstrahlen schießen knatternd rechts und links an meinem Pferd empor, das noch einen gewaltigen Satz in die Höhe macht, dann nach der Seite zusammenbricht «nd mich zum Teil unter sich vergräbt. Das Platzen dieß Bombe war offenbar das verabredete Zeichen zum B
er
— --------------------------zum Beginn des Kampfes. Denn nun begann aus allen Häusern des Platzes ein geradezu ohrenbetäubendes Schießen auf die Fahrzeuge der Munitionskolonne, die in kurzen Abständen im Galopp über den Platz eilten, um dieser gefährlichen Zone 8u entrinnen. Man schoß aus allen Fenstern, Kellerlöchern und Dachluken,- man schoß von den Balkons, aus Schießscharten und ans den halb geöffneten Haustüren. Rechts und links neben mir prasselten die Kugeln funkensprühend auf das Pflaster. Ich versuchte, trotz der heftigsten Schmerzen, die ich infolge des Sturzes verspürte, meinen Schenkel unter den: Pferd herauszuziehen. Ich bildete hierbei für die Franktireurs jedenfalls ein bequemeres Zielobjekt, als die im Galopp dahinstürmenden Fahrzeuge. Endlich gelang es mir. mich freizumachen. Ich versuche, mich aufzurichten — da fällt aus unmittelbarer Nähe, aus einer Ecke des Platzes, ein Schuß. Ich sehe den Feuerschein, empfinde eine Erschütterung am Shtte und spüre gleich darauf, wie Blut an meinem Schenkel herunterläuft. Ich raffe mich auf und taumle — begleitet von einem wüsten Kugelregen, aber begünstigt durch die Dunkelheit der Nacht — über den Platz nach der Straße, in welche die Fahrzeuge verschwunden waren und sinke schließlich an der Treppe eines Gartens zusammen. Da knallt es auch schon hinter dem Gartentor und links und rechts hinter den Büschen und Bäumen und aus den Fenstern des Hauses auf der anderen Straßenseite gegen mich. Ich raffe mich noch einmal auf, schieße mit der Pistole nach den Richtungen, aus denen ich die Feuerstrahlen leuchten sah, und wanke auf die Straße. Hier höre ich, wie im Galopp ein Munitionswagen über die Straße saust. Ich schreie dem Vorderreiter ein „Halt!" zu, die Fahrer reißen die
Pferde zusammen — und der Wagen steht. Ich rufe den Kanonieren zu, ich sei verwundet. Sie erkennen ihren Hauptmann an der Stimme und während die Kugeln um die Räder sausen, werde ich langsam emporgehoben und auf der Protze des Munitionswagens gebettet.
In wenigen Minuten hatten wir die übrigen Fahrzeuge erreicht, die in einer ziemlich schmalen nach der
Maas hin führenden Straße zu zweien, vielfach auch zu dreien nebeneinander aufgefahren waren. 9fn dieser Stelle war es ruhig, so daß sich die Munitionskolonne ordnen konnte, um den Uebergang über die Brücke zu beginnen. Die Straße wurde nur matt durch ein am Ende stehendes brennendes Gebäude erhellt. Da ertönt plötzlich aus dem Haus, vor dem ich halte, mitten in die Stille oer Nacht ein Schutz, ihm folgt aus dem Nachbarhaus ein zweiter, dritter und im Augenblick entwickelt ich aus beiden Häuserreihen auf die Kolonne eine wahn- innige Schießerei. In blindem Fanatismus schießen sie Franktireurs ohne zu zielen und ohne nur einen Augenblick Ruhe zu geben, auf die Straße. Eine Feuergarbe neben der anderen sprüht aus den Häusern heraus. Die Mannschaft der Artillerie und Infanterie erwidern das Feuer,- Fensterscheiben rasseln klirrend zu Boden,- Haustüren werden eingeschlagen. So entsteht in der schmalen Gasse ein solcher Höllenlärm, daß niemand sein eigenes Wort versteht. Da im Dunkel der Nacht und bei der bedrückenden Enge die Beschießung einzelner Truppen nicht ausgeschlosien ist, ergeht der Befehl, das Feuer einzustellen. Das Schießen der Franktireurs dauert aber in gleicher Heftigkeit fort. Plötzlich ertönt von der Maas her, erst schwach, dann immer starker werdend, der mit Jubel aufgenommene Ruf: „Andenne" — das Losungswort des Tages, herruhrend aus den Kehlen der zu unserem Schutz herbeieilenden Gardeschützen. Sie flankieren die Straßenseiten, schießen nach jedem Fenster, hinter dem sich eine Bewegung zeigt und bringen auf diese Weise das Feuer der Franktireurs sehr bald zum Schweige«. Unter diesem Schutz vollzog sich alsdann in den frühen Morgenstunden in aller Ruhe der Uebergang über die Maas, der gegen 4 Uhr be-
^^^^Fetzt^ erfuhren wir auch, daß dieser ganze wohl- organtsierte Straßenkanwf ein Vorspiel hatte. Als am Abend zuvor, gegen 6 Uhr, der Uebergang über die Maas begonnen hatte, sei der Pfarrer mit einer Klingel durch die Stadt gezogen, um hiermit das Zeichen zum Kampf zu geben. Im Anschluß hieran habe ein heftiger Straßenkampf begonnen. Es war jenes Gefecht, das wir selbst von den Hohen von Andenne gehört hatten. Eine Batterie, die gerade im Begriff stand, einzuziehen, habe dann die Stadt in Brand geichossen. Die feindselige Haltung der Bevölkerung, sei umso weniger zu erwarten gewesen, als die Gardeschützen, die schon anderthalb Tage in der Stadt einquartiert waren, in der friedlichsten Weise mit der Bevölkerung verkehrt und sich anscheinend ihre Sympathien erworben hatten. Nachdem dann dieser erste Anscklaa vereitelt war, hatte die Bevölkerung sich zunächst ruhig verhalten und das Einbrechen der Nacht abgewartet um unter ihrem Schutz erneut in meuchlerischer Weise über die Truppen im Straßenkampf her- znfallen. Die Franktireurs schössen ohne ruhiges Zielen in einer geradezu fanatischen Wut. Diesem Umstand und dem Dunkel der Nacht ist es wohl zuzuschreiben, daß unsere Verluste nicht erheblich waren. Nur die Ju- fanteAe hatte wie mir mitgeteilt wurde, in den Kämpfen La 30 bis 40 Mann verlorem Als im Morgengrauen die schweren Nebel von der Maas aufstiegen, sah man Häuser der Innenstadt, in ^uen der Strafienkampf getobt hatte, in Flammen aufgehen. Gleichzestig ertönte über den Fluß herüber in einzelnen Zwischenraumen das kurze, abe? furchtbare Knattern von Gewehrsalven. Das Strafgericht über Andenne hatte seinen Fortgang
genommen.
Vermischtes.
Die zehn Gebote der Wohltätigkeit. Die „B. Z. am am Mittag" gibt folgende zeitgenössige Mahnungen: 1. Sei wohltätig in Kriegszeiten. Aber sei es mit ebenen Mitteln, nicht aus fremden Taschen! 2. Zerbrich Dir nicht den Kopf über die „Riesensummen", die zusammenkommen. Du weißt selbst, daß man Geld immer ge- brauchen kann. 3. Auch das Heer der Wohltätigen braucht mehr Soldaten cüs Führer. Es kann deshalb nicht jeder seinen Namen unter dem Aufruf gedruckt verlangen. Viele halten sich zum Organisator der Mild- tätigkeit berufen, aber nur wenige sind auserwählt. 4. Fürchte nicht, daß mit Deiner Spende Unwürdige unterstützt werden. Die Kriegsnot macht auch vor „Unwürdigen" nicht halt. 6. Lebne getrost eine Spende ab, deren Zweck Dir nicht zusast. Gib i _____ ______
nicht zusa.
dann aber aleich--
zeitig für eine Sammlung, öle nach Deinem Herzen ist. 6. Glaube nicht, daß andere mehr Geld und eher etwas zu entbehren haben als Du. Wollte jeder so denkeit, müßte Krupp allein für alles aufkommen. 7. Ziehe Deine Rote-Krenz-Spende nicht Deinen Angestellten vom Gehalt ab. Verlange aber auch nicht die Waren geschenkt, mit deren Erlös der Kaufmann sein Personal bezahlt. 8. Verschenke nicht Deine Arbeitskraft, wenn dadurch anderen das Brot weggenommen wird, und erwirb Dir nicht das erste Verdienst, indem Du anderen den letzten nimmst. 9. Verschweige keine Gabe, weil
Dn Dich über den Orden ärgerst, den — die Patronesse bekommt. Von Deinem Aerger werden die hungrigen Kinder nicht satt. Hast Du selbst aber Knopfloch- schmerzen, so suche die Heilmittel nicht in fremden Kassenschränken oder Warenlagern. 10. Vielen ist die Wohltätigkeit nur ein Sport. Aber wenn der Sport während des Krieges anch ruht — das große Wohl- tätigkettsreunen wird bestimmt gelaufen, und jedermann ist startberechtigt.
Baut Schiffe! Baut noch mehr Schiffe!
Und wenn der Krieg zwanzig Jahre lang dauere, meinen die Londoner Blatter, England werde nicht ruhen, bis das Deutsche Reich niedergerungen am Boden liege. Uns zu Lande niederzuringen, dazu wird den Engländern die Lust nachgerade vergangen sein. Aber sie hoffen auf die Uebermacht ihrer Flotte. Und wie eine Antwort auf diesen Gedankengang lautet der deutsche Ruf: Baut Schiffe! Baut noch mehr Schiffe! Führende Mitglieder der bürgerlichen Parteien des Reichstages haben dem Staatssekretär des Reichsmarineamts die Forderungen auf sofortige Verstärkung der deutschen Flotte unterbreitet, die sich wahrscheinlich anch der Ge- samtreichstag zu eigen machen wird.
Es fragt sich nur, ob wir es technisch leisten können, ob wir die Werften, das Material, die Arbeiter und das Geld besitzen, um ein außerordentliches Flottenpro- gramm in raschester Frist durchzuführen. Ein hervorragender Marinefachmann, den der „Hann. Knr." da- über befragte, erwiderte: Die deutschen Privatwerften in Hamburg, Kiel, Stettin, Bremen und Danzig zusammen mit den kaiserlichen Wersten zu Kiel und Wil- helmshaven können, wenn der dringende Riff „Baut Schiffe" an sie ergeht, unter Umständen das Dreifache dessen leisten, was ihnen zeitlich und dem Umfange nach die bisherigen Bauprogramme zumnteten. Es kommt nur darauf an, daß die an den Panzerplatten- und Ge- schützlieferungen beteiligten Werke mit der Beschleunigung der Bauarbeiten Schritt halten und ihre Liefertermine abkürzen können. Bei der außerordentlich hochentwickelten Schiffbauindustrie sind die Einrichtungen, um den Bedürfnissen eines neuen Flottengesetzes zu genügen, durch riesenhafte Ausbane, Hellinge, Anschaffung schwerer Maschine«, großer Kran- und Kaianlagen tatsächlich vorhanden. Die sämtlicheil genannten Werf- ten haben im Laufe der letzten Jahre so umfassende Neubauten in ihren Betrieben vorgenommen, daß die Herstellung großer und größter Schiffe in beschleunigtem Tempo keine unüberwindlichen Schwierigkeiten mehr bietet. Nimmt die Militärverwaltung in bezug auf die Einberufungen auch weiterhin die Rücksicht, die sie jetzt scholl walten läßt, so steht den Werften das ganze geschulte Beamten- und Wrbeiterperfonal zur Verfügung, eine Armee für sich, die allen Ansprüchen gewachsen ist und in verstärkter Tätigkeit freudig nicht minder Großes fürs Vaterland leisten wird, als die Truppen draußen im Felde und an Bord. Die Marineverwaltung kann sich also auf die in jeder Hinsicht leistungsfähigen und modernen Werften verlassen.
Der Ernst der Stunde verlangt aber, daß wir bet einem verstärkten Flottenbau die Schwierigkeiten nicht übersehen, die wirklich vorhanden sind. Die Schwierigkeiten liegen nämlich sehr wahrscheinlich in den — Kon- struktionssragen. Welche Ziele und Richtlinien müssen maßgebend sein, wenn wir jetzt schon den sofortigen Bau des 1915 fälligen Schiffsersatzes in Angriff nehmen, wenn wir alle 1912 beschlossenen Maßnahmen sofort durchführen, die Lebensdauer der Schiffe herabsetzen usw.? Das jetzt aufzustellende Kriegsflottenprogramm richtet doch voraussichtlich seine Spitze nur gegen England, nur gegen die englischen Konstruktionen, gegen die Geschwindigkeit und die Bestärkung der englischen Geschwader. Was soll ausschlaggebend sein? Welche Erfahrungen sollen zugrunde gelegt werden? Bisher wurde immer Tsushima als Lebrmeisterin hingestellt, und man las in den Fachzeitschriften, die Geschwindigkeit sei alles, die Artillerie Nebensache,- die große Schnelligkeit habe die japanische Flotte befähigt, den russischen Gegner zu umfasse« und niederzukänwfett. Neuerdings, schon vor Ausbruch des jetzigen Weltkrieges, wurde der Wert der überlegenen Geschwindigkeit wieder geringer eingeschätzt.
Vizeadmiral von Maltzahn berührt sie in feinem großen Werke „Der Seekrieg zwischen Rußland nnd Japan" überhaupt kaum. Als Grund der Niederlage der Russen führt er den Ausspruch des Adiuirals No- jestwenski an: „Die Japaner haben eben getroffen, und wir nicht". Interessant ist auch die Aeußerung des Direktors der ersten englischen Privatwerft von Vickers in einem Vortrage über Ltnienschiffskoicsiruktionen vor der
Jnstittttton of Naval Architects im April dieses Jahres: „Jede Geschwindigkeitssteigerung bedeutet einen Verlust an Bewaffnung und Panzerung. Während der Schlacht tritt der Wert der Geschwindigkeit zurück, da die taktischen Bewegungen der Flotte nur von kurzer Dauer sind." Wir werden also wahrscheinlich auch bei den neuesten Schnellbauten den Hauptwert auf möglichst starke Bestückung legen müssen. Wir haben ja aber genügend Vorrat an Geschützmaterial, wir haben die Werften und das Personal. Wir haben den guten Willen und die eiserne Energie des Volkes, das um alles kämpft. Wir könnens leisten!
** neuestes vom tage
Wie die Serben kämpfen.
Prag, 12. September. (Privattelegramm). Ein schwervcrivundeter Hauptmann erzählt in der „Bohe- mia", daß die serbische Infanterie tapfer ei, aber schlecht chieße. Ihre guten Schützen und Komi atschis würden ,?5^er^et ans Bänmen versteckt hauptsächlich die kindlichen Offiziere niederzuknallen. Die guten Steh tnngen der Artillerie rühren von der guten Kenntnis des eigenen Landes und der Unterstütznug der Landbe, wohner durch Benachrichtigung der Bewegungen des Feindes her. Von einer unterirdischen Telcphonzcntral« in bet Kirche S« Schabatz gingen unterirdische Kabel nach verschiedenen Stellnngen der Serben. Viele Serben hätten sich nur zu meuchelmörderischen Gewalttätigkeiten gesangen nehmen lassen. Oft rourben von befangenen versteckt gehaltene Handgranaten auf die Patronille * roorfer-, «m dann z« fliehen. Selbst Frauen und flinbe. ^eWgten sich am Kleinkriege. Ein zwölfjähriges ser, bisches Mädchen, das anch verwundet wurde, rühmte sich sogar, sechzehn Bomben auf österreichisch-ungartsch« Truppen geworfen zu haben.
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