Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^A^ fiir den Kreis Hersfeld
Wllier WW Äreisölatt
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- zozen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Zernsprech-Knschluh Nr. 8
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Nr. 315. Sonntag, den 13. September 1914.
Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.
Zeichnet die Kriegsanleihen!
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Nr. 1 21a zu haben in der Sefchiifts- itelle des Tageblattes.
Religiöse Betrachtung.
Text: 2. Kön. 6, 16. Fürchte dich nicht, denn der ist mehr, die bei unS sind, denn der, die bei ihnen sind.
Friedrich der Große soll einmal einem sehr gläubigen Heerführer, der ihn auf die Hilfe Gottes vertröstete, gesagt haben, Gott stünde immer den großen Bataillonen bei. Dies geflügelte Wort hat
Dies geflügelte Wort hat „ gefunden. Unser Textwort geradezu, denn, wenn Elisa so meint er damit nicht das
eine vielfache Auslegung gefi aber widerspricht ihm gerad seinen Diener tröstet, ß Heer Israels, das in b
-^» ^i*««, vu» m beträchtlicher Minderzahl war, sondern die himmlischen Heerscharen, die Gott seinem Volk unsichtbar zur Hilfe gab
Wir sind ein Volk in Waffen, wabl aerüktet.
Wir sind ein Volk in Waffen, wohl gerüstet, mutig, kampffreudig, kriegstüchtig. Was bei uns die Waffen tragen konnte und durfte, hat sich dazu gedrängt. Und doch sind wir eine kleine Zahl, verglichen mit den Feinden in Ost, West, Süd, Asien. Manches Armeekorps haben wir schon vernichten dürfen, starke Festungen sind vor uns gefallen, aber immer wieder wachsen neue Massen aus der Erde, und unerschöflich erscheint uns die Unterwelt im Hervorbringen von Feinden.
Ja, wir müßten verderben, wenn wir uns allein aus unsre Kraft und die Millionen verlassen wollten, wir den Feinden engegenstellen können. Aber dürfen das Gotteswort auch auf uns beziehen: x e dich nicht, denn der ist mehr, die bei uns sind denn der, hie bei ihnen sind."
-^^A^rst steht bei uns unser gutes Recht. Wir für eine gute Sache. Wir streiten für die heiligsten Guter, die wir in jahrhundertelangem streben erworben haben. Wir kämpfen für Glaube und Heimat, für Freiheit und Sitte. Wir führen reinen Eroberungskrieg. Wir hätten gern in Frieden
, Rr besaßen. Wir führen auch keinen ^^rkrieg. Wir gönnen den Nachbarn, was ihnen gehört. Uns wurden die Waffen in die Hand gezwungen. Nun aber können wir getrost und mit kämpfen, denn unser Schild ist rein. Der ?/^desgenosse, denn die Gerechtigkeit unsrer Sache verbürgt, ist der Vater im Himmel. Wir dürfen uns an ihn mit der Bitte wenden: „Herr, wir sind zu wenig gegen die Schar unserer Feinde. Aber deine ffarke Hand kann uns Hilfe und Helfer schaffen. ""Ende dich zu uns und sei uns gnädig."
Stechte Zuversicht macht nicht träge und sicher. Sie feuert an, stählt den Willen und die Kraft, sie treibt zum Siege, macht unwiderstehlich, daß wir, wie Engländer, der zum ersten Male gegen unser Volk gekämpft hat, in einem Brief nach der Heimat sich ausdrückt, werden wie die Sturmwelleu, die über uen Feind kommen und ihn vernichten.
genossen, was wir besaßen Kramerkrieg. Wir gönner
Bus der Heimat.
, *(Maße für Soldatenstrümpfe.) Unter der Rubrik „Rotes Kreuz in Hamburg" teilt das „Hamb. Frdbl." mit, es würden für die Herstellung von Soldatenstrümpfen folgende veränderte Maße vorgeschlagen: Anschlag: 84—92 Maschen. Rand 45 Touren. Darauf strickt man bis zum ersten Abnehmen 30 Touren, nimmt fünf- oder sechsmal ab nach je 7 Touren, strickt dann noch 30 Touren, macht dann die Ferse mit 14—16 Stäbchen. Nach dem Aufnehmen der Ferse nimmt man vierzehn- oder sechzehn- mal ab, je nach einer Tour, strickt dann 50—70 Touren und nimmt dann sternförmig ab, mit 7 Touren beginnend. Die Beinlänge muß vom Rand bis zur Ferse 30—35 Ztm., der Fuß von der Ferse bis Spitze -S—29—30 Ztm. messen.
„ * (Keine Leichenüberführung.) Nach einem Erlasse deT Preußischen Eisenbahnministers dürfen bis auf weiteres keine Leichen der im Feldzuge gefallenen oder in Feindesland an ihren Wunden verstorbenen Militarpersonen auf den Reichs- oder
Preußisch-Hessischen Staatsbahnen nach dem Heimatsorten überführt werden.
8 Hersfeld, 12. Sept. Vor dem etwa beabsichtigten Zuzug nach Lüttich wird jedermann gewarnt, da infolge Stillstandes der Betriebe dort Arbeitslosigkeit herrscht und Aussicht auf Beschäftigung vollständig ausgeschlossen ist.
§ Hersfeld, 12. Sept. („Die Wacht am Rhein in der Kirche." Aus Gleiwitz wird berichtet: Bei dem Militärgottesdienst in der katholischen Allerheiligenkirche stimmten auf Veranlassung des Pfarrers Lange die Soldaten sowohl wie die Gemeinde die „Wacht am Rhein" an.
Roteudnrg a. d. Fulda, 10. September. Der Nachtwächter Heußner im benachbarten Dorfe Baumbach wurde heute morgen in einer Gemcindelehm- grube während der Arbeit von einer plötzlich einstürzenden Wand verschüttet und auf der Stelle getötet.
Heiuebach, 8. Sept. Ein Krieger von hier, der bei den Ulanen steht, ist auf eigenartige Weise der französischen Gefangenschaft entgangen. Er lag unter seinem Pferde, das erschossen war, als die Franzosen herbeikamen. Diese rannten aber an ihm vorbei und ließen ihn liegen, weil sie ihn für tot hielten. Als alles ruhig war, arbeitete sich unser Ulan unter dem Pferde hervor, doch konnte er nicht gehen, weil ihm alle Glieder wie gelähmt waren. So kroch er denn auf allen Vieren weiter und langte nach 3 Tagen bei den Seinen wieder an; da er während der ganzen Zeit nichts gegessen und nur Wasser getrunken hatte, war er natürlich fast kraftlos.
Gaffel, 10. September. Vor dem Feinde gefallen ist Oberstleutnant von Räumer, der bisherige Kommandeur des 14. HusarenregUnents. Zwei Jahre lang hat Herr von Räumer an der Spitze des Regiments gestanden, bis er bei Ausbruch des Krieges abberufen und zum Ehef des Generalstabes eines Armeekorps ernannt wurde.
des Krieges ab-
'tabes eines Ar
Vacha, 5. September. Im benachbarten Heringen wurde die Witwe Habler auf der Wiese von einer wild gewordenen Kuh mit den Hörnern aüfgespießt und tödlich verletzt.
Eisenach, 8. September. Mit militärischen Ehren wurde hier ein im hiesigen Lazarett verstorbener französischer Soldat beerdigt. Der Feier wohnten zwei seiner Kameraden, die seinen Sarg mit Blumen geschmückt hatten, in französischer Uniform bei. In seiner Grabrede hob der katholische Geistliche hervor, daß der Verstorbene dankbar und mit hoher Aner- erkennung der liebevollen und gewissenhaften Pflege gedacht habe, die ihm von deutschen Aerzten und deutschen Sanitätsmannschaften, zuteil geworden sei. Auch alle übrigen in der Kaserne untergebrachten französischen Verwundeten hätten nur Lobenswertes über ihre Verpflegung berichtet. Mögen sie alle, so schloß der Geistliche bei ihrer Rückkehr in die Heimat sich dessen erinnern und wahrheitsgetreu ihren Angehörigen Kunde davon geben, damitidie Franzosen die Deutschen nicht nur fürchten, sondern auch achten lernten. _________________________
Gerechtigkeit.
Bon G. Traub (Dortmund), M. d. Ä.
Als ick am 20. August mit einem Freund in Lüttich stand da wurde in unser Auto ein belgischer Kriegs- aekanaener hereinaesetzt, der nicht mehr gehen konnte, SÄir 6e& ihn "N den Bahnhof zu transportieren. Neben ihm nahm ein deutscher Soldat in voller Ausrüstung Platz. Ich gab unserm Kameraden Obst zur Erfrischung. Das erste, was er tat, war, daß er es mit dem belaischen Feind teilte. Das werde ich nie vergessen. Hier habe ich gelernt, was ich bisher aus Büchern nie lernte, das Gerechtigkeit und Barmherzigkeit aus ein und derselben Quelle fließen. Als ich nachher einem unserer Offiziere auch eine Erfrischung anbot, wehrte er ab mit den Worten: „Geben Sie es der Mannschaft". Gleiches hörten wir sonst von unsern Truppen allüberall. Offiziere lehnen den Arzt ab, obgleich sie von Schmerz geschüttet werden, solange die Mannschaft noch nicht versorgt ist: bayerische Soldaten verbinden Franzosen auf dem Schlachtfeld wie barmherzige Schwestern und es ist ergreifend, wenn die Franzosen vor Dankbarkeit weinend fragen, was „merei" auf deutsch heißt, damit sie sich bei den Bayern bedanken können. Auch hier Barmherzigkeit und Gerechtigkeit auf ein und demselben blutgetränkten Boden; sie stehen wie Schwestern nebeneinander. Wahrhaftig, unser Heer ist eine Offenbarung von sittlicher Gewalt. Das soll mit vollem Ton verkündet werden, daß es weithin in die Lande schallt. Es ist derselbe Ernst, der bei aller Sieghaftig- keit und allem sicheren Bewußtsein auch auf den Kriegern in Belgien lag, die ich sprechen durfte. Ihre Wut galt nicht dem belgischen Soldaten, von dem sie mit Achtung sprachen, ihre Wut galt nur dem
Schlachtfeld ergreifend,
Franktireur, der kein Erbarmen verdient. Ich bin von einem deutschen verwundeten Offizier direkt beauftragt worden, in Deutschland zu sagen, mit welcher Opferwilligkeit und welchem Entgegenkommen er von belgischen freiwilligen Pflegerinnen behandelt worden ist.
Warum sage ich das alles? Weil ich aus tiefem Herzen bitte, daß auch wir, die wir nicht an der Front stehen, in ähnlicher tapferer Weise Gerechtigkeit und Barmherzigkeit miteinander verbinden lernen. Ich war empört wie kein anderer, als ich die Nachricht von dem unwürdigen Benehmen einiger Pflegerinnen am Bahnhof las, aber ich wurde beschämt, als ich merkte, wie viel Klatscherei hier — vielleicht in gutgemeinter Absicht, aber doch mit häßlichem Erfolg — gearbeitet hat. Es ist würdelos, wenn man z. B. in Elberfeld zuerst die Nachricht verbreitet, daß Frauen sich „schamlos" betragen hätten und nachher diese Nachricht ganz offiziell dementiert wird. Die Ehre der deutschen Frauenwelt, die hente wahrhaftig ungezählte Opfer bringt, ist unser aller Ehre. Verflucht jede Koketterie in dieser Zeit! Koketterie ist keine Barmherzigkeit; aber ich will nicht, daß die echte Barmherzigkeit sich zurückdrängen lassen muß um einiger erbärmlicher Einzelerscheinungen willen. Es gibt hysterische Frauen sicherlich. Sie sind untauglich zu solchem Dienst. Aber wir Männer wollen nicht vergessen, daß es auch herzlose Männer gibt; sie sind ebenso untauglich.
Die Militärverwaltung geht hier wieder mit glänzendem Beispiel voran: alle haben es ihr warm gedankt, daß sie ausdrücklich den Besehl erteilt hat, die Verwundeten beider Nationen gleich zu behandeln. Ebenso erfreulich war der Erlaß aus dem preußischen Ministerium des Innern, wonach in der Pflege der Verwundeten kein Unterschied zwischen den Nationen gemacht werden soll. Das ist gerecht und ist barmherzig zugleich. Eben darum wünschte ich, daß man überall danach handele. Ich will von den traurigen Einzelheiten, die ich von verschiedenen Seiten erfuhr, chwetgen. Zur Charakteristik diene eine einzelne Tatsache: Die Vorsitzende einer Helferinnengruppe ist mit Donnerwetter angefahren worden, weil sie einem französischen sterbenden sechzigjährigen Grafen, der als freiwilliger Gemeiner diente, den letzten Willen für seine Frau ausgeschrieben hat. Da hört jede Gerechtigkeit auf. Wir sind gewöhnt, in unseren Aerzten Vorbilder unparteiischer Menschlichkeit zu sehen; dieser ihr Ruf soll sich bei der Behandlung der Verwundetentransporte doppelt bewähren, damit jeder sich ein Beispiel nehmen kann und solche Taktlosigkeiten unmöglich werden. Ich fürchte sonst, unsere Soldaten werden in Feindesland dafür büßen müssen, und unsere Siege werden gefährdet. Ich habe so offenkundig wie nur einer von dem vollen sittlichen Recht unserer Truppen gesprochen, gegen die belgische Barbarei mit den allerschärfsten Mitteln vorzugehen; es wäre ein Unrecht, wenn wir dort nicht niedergebrannt und ntedergestoßen hätten, was sich uns von Franktireurs in den Weg stellte. Aber eben darum, weil ich die volle Berechtigung unserer deutschen Sache im Feld erkenne, wünsche ich, daß wir hier im Frieden
nicht zurückstehen. Es ist häßlich, wenn man Frauen in ihrem Dienst auf Schritt und Tritt auspaßt, ob sie auch nicht die Grenze des Zulässigen überschreiten, und hinter allem etwas sucht. Das zeugt von einem ich unsere Frauen, Mütter
unwürdigen Mißtrauen gegen unsere Frauen, Mütter und Schwestern. Ich sage das alles nicht aus Lust an der Kritik, weiß Gott; die Grenze zwischen falscher Gefühlsseligkeit und echter Menschlichkeit ist äußerlich schwer zu bestimmen, das weiß ich. Aber ich sage es, um zu rechter Zeit den Grundsätzen der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, wie sie unsere Truppen in glänzendem Beispiel bestätigen, auch zum Sieg zu verhelfen, hier in unserm deutschen Vaterland. Die verwundeten Feinde, die in unser Land kommen, sollen später davon erzählen, nicht daß sie mit Konfekt gefüttert, aber daß sie mit aller Menschlichkeit und mit vollem Verständnis behandelt worden sind. Das ist gute Propaganda für unser Deutschtum. Es kann Fälle geben, wo man beides nicht zugleich tun kann, unsern und fremden Mannschaften dienen. Dann helfen wir selbstverständlich zuerst dem verwundeten Bruder und dann dem andern. Aber stets bleibt Verwundeter Verwundeter, mag er Deutscher heißen oder Franzose oder Belgier. Wir sind alle eins und wollen die Neugier, die nur sich selbst befriedigen will, zum Teufel jagen, aber wir wollen den Ton echter Kameradschaftlichkeit gegenüber Frauen angeschlagen wissen, die auch Kinder und Verwandte im Feld stehen haben, wenn sie in natürlicher Unmittelbarkeit Jedem helfen, der ihre Hilfe begehrt. Das soll gesagt sein niemandem zu Liebe, niemandem zu Leid; es kommt allein aus heißer Liebe für die Würde unseres deutschen Vaterlandes, über welches später die Geschichte urteilt nach Gerechtigkeit.