' Wie die Engländer lügen.
WTB. Berlin, 11. September. (Amtlich.) Die Times vom 3. September schreiben in einem Bericht aus Löwen, daß am 29. August in Lüttich 330 englische Gefangene erschossen wurden, weil sie Dumdumgeschosse besaßen. Die Nachricht ist erlogen.
Eine amtliche Mitteilung des englischen Generalkonsuls in Rotterdam, die als Flugblatt in holländischer Sprache in den Straßen verteilt wurde, bestreitet, daß bei den englischen Soldaten Dumdumgeschosse gefunden und von diesen verwendet worden seien. Das Flugblatt beschuldigt die deutschen Offiziere, bei den letzten Seegefechten auf ihre im Wasser treibenden Mannschaften geschossen zu haben, um zu verhindern, daß sie sich von den durch die Engländer ausgesetzten Booten aufnehmen ließen, und behauptet, daß die deutschen Kriegsschiffe auch auf die englischen Rettungsboote schössen, während diese die verwundeten und im Wasser treibenden deutschen Seeleute retteten.
Die Frage der Dumdumgeschosse bedarf nach dem Telegramm des Kaisers an den Präsidenten der Bereinigten Staaten keiner weiteren Bestätignng. Die beiden letzten unerhörten Verleumdungen stehen zu tief, um auch nur eines Wortes gewürdigt z« werden.
Was geschieht mit den erbeuteten Geschützen?
»wereren Ge-
Man hört nicht selten die Meinung aussprechen, daß die von uns eroberten Feldbatterien und schwereren Geschütze auch für unsere Truppen einen großen Gefechtswert besäßen. Dem ist natürlich nicht so. Es wäre ja auch der ausnahmsweise Fall denkbar, daß genommene Werke und Stellungen so schnell durch ein Gegenangriff bedroht werden, daß keine Zeit bliebe, sie rechtzeitig mit eignem Material zu besetzen. In einem solchen Ausnahmefall könnte man freilich das vorhandene Geschützmaterial, soweit es nicht unbrauchbar gemacht worden war, ansnutzen, aber auch nur in einem solchen. Unser Material ist nicht nur dem des Feindes überlegen, es ist auch zur Genüge für alle Formationen vorhanden, und unsere Leute wie Offiziere sind nur an ihm so völlig durchgebildet, daß es zur höchsten Leistungsfähigkeit ausgenutzt werden kann. Ganz abgesehen davon, daß sich bei Verwendung feindlichen Materials wohl bald eine
genutzt werden kann. Ganz abgesehen davon, das bei Verwendung feindlichen Materials wohl bald Munitionsebbe bemerkbar machen müßte.
Kriegsallerlei.
Gauner sind sie alle . . .
In einer nach Cassel gelangten, dem „Cass. Tagebl." zur Verfügung gestellten Postkarte heißt es: ,,. . . . verdankt seine schwere Verwundung einem französischen Offizier, der selbst verwundet war und ihn um sem Leben bat . . . in seiner Gutmütigkeit bettete er den Offizier recht bequem, ehe er weiterlief, und zum Danke dafür schoß die Kanaille ihn hinterrücks nieder. Gauner sind sie alle zusammen, unsere sauberen Feinde."
Russen, die ihre Regimentskasse plündern.
Die Schlesische Korrespondenz meldet aus Striegau: Zwei russische Kriegsgefangene gerieten miteinander in Streit, wobei das Messer eine Rolle spielte. Der eine hatte nämlich verraten, daß der andere an einer Plünderung der Regimentskasse beteiligt war. Die Untersuchung, die von den Bewachungsmannschaften recht eingehend vorgenommen wurde, förderte tatsächlich 10 000 Mark in russischem Papiergeld bei dem Angeschuldigten zutage. Auch die übrigen Gefangenen verfügten über reiche Geldmittel, die sie vor dem Kriege sicher nicht besaßen.
Die badische Regierung spricht ihr Beileid zum Tode Franks ans.
Berlin, 11. September. (Privattelegramm.) Aus Karlsruhe wird gemeldet, daß gestern der Minister des Innern Freiherr von Bodmann auf der Redaktion des sozialdemokratischen Volksfreundes vorsprach, um in fernem Namen und im Auftrage des Staatsministeriums das Beileid anläßlich des Todes des sozialdemokratischen Abgeordneten Frank zum Ausdruck zu bringen.
Eine Antwort aus General
Irenchs Prahlerei. ereilt im „Tag" ein alter preußischer Offizier in folgenden Ausführungen:
^vhn French nennt seine Truppen erst- ^16! Das ist starker Tabak selbst für einen englischen Offizier, der in Friedenszeiten und im Kreise der Vertrauten eine derartige Behauptung kaum aussprechen Erde, wenigstens nicht im Vergleiche mit Truppen der großen kontinentalen Armeen. Die englischen Truppen sonnen niemals erstklassig werden, da die Vorgesetzten oen Leuten.gegenüber stets mehr als ein Auge zudrücken Mb sich Huten müssen, Anforderungen zu stellen, die ben. «oldaten auch nur im geringsten unangenehm erscheinen könnten. Aus diesem Grunde vermeidet man
Dienststunden, lange Märsche, das Tragen von feldmarschmäßigem Gepäck usw.
_ Freilich, im Kriege wird's anders. Hat man erst in den Wüsten des Sudan oder in den ^ebnaender indischen Westgrenze, dann kann man ihn ^^isen/, und Lord Kitchener, der augenblickliche hat dies auch immer gründlich getan.
Ar schliff sich immer erst monatelang seine Armee zu- recht, ehe er sie für brauchbar hielt. Auf dem Kontinent fbven wir General French dazu freilich keine Zeit ge- lassen. Wir haben die Engländer geworfen, wo wir ihrer habhaft werden konnten, und General French kann gewiß nicht von übermäßiger Bravour seiner Truppen reden, wenn er zugeben muß, daß aus einer Verlust- liste von etwa 15 000 Mann 13 000 vermißt werden, ö. h. auf Deutsch, gefangen wurden. Ueber den unwidersteh- Men Angriff der deutschen Infanterie haben sich englische Verwundete, die ihn auszuhalten hatten, zur Genüge geäußert. Möglich, daß Sir John French so weit im Hintergründe stand, daß ihm diese Angriffe „schwach erichienen.
, Daß aber auch „die englische Kavallerie ihre Ueber- legenheit bewies", ist wohl nur ein schlechter Scherz von General French. Er selbst hat uns erzählt, daß in der Schlacht bei Maubeuge ein Flügel der englischen Armee durch bentMie Kavallerieanarifse schwer litt. Warum
Schlacht bei Maubeuge ein Flügel der er durch deutsche Kavallerieangriffe schwer trat die englische Kavallerie, deren Pat
trat die englische Kavallerie, deren Patrouillen so gefürchtet sind, daß die deutschen Patrouillen vor ihnen „einfach fliegen", nicht für die bedrängte Infanterie em? Warum griff sie nicht ebenso die deutsche Infanterie an wie unsere Kavallerie jene helöenhaftesteenglische Infanterie? Und nun erst die englische Artillerce, drestets dreifacher Uebermacht gegenüberstand! Wer wie ich die englische Arnree seit siebzehn Jahren in Kriegund Frieden studierte, der wird über diesen englischen Bramarbas zwar lachen, er wird sich aber mich ärgern, weil er ganz genau weiß, daß French stets vor den deutschen Truppen den größten Respekt hatte. Nun, sein Name heißt übersetzt „Französisch", und wir müssen ihm zu- geben, daß er in bezug auf die Wahrhett sich seines Namens durchaus würdig erwies.
Die einzige EntschulKgung, bie wir ihm zubMgen können, ist die, daß French die Ruhmestrommel in marktschreierischer Weise rühren nmß, um den englischen Werbesergeanten Rekruten ins Netz »u treiben. Würbe er der WahMi^Lie Mrr Ä MS^ ftiM »fe
len werde. Daher Frenchs Ruhmeslied auf Armee; daher die Herabsetzung seiner Gegner.
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werben dieser Rekrutenfänger ungehört verhallen, denn der Engländer läßt sich nur dann zum Krieg einfangen, wenn er glaubt, daß ihm der Sieg sozusagen in den Schoß fallen werde. Daher Frenchs Ruhmeslied auf die englische „______, 2 „
Sein Lob, davon bin ich fest überzeugt, war von London bestellte Arbeit, um die bevorstehende Werbereise der Staatsminister wirksam zu unterstützen. Trotzdem glaube ich, daß die jungen Engländer nicht ganz so dumm sind, wie French annimmt. Sie werden die Verlustlisten studieren und — nachdenken.
Vermischtes
Ein Tag aus Allensteins Geschichte. Der 25. August wird für alle Zeiten in der Geschichte unserer Stadt vermerkt bleiben, sagt die „Allenst. Ztg." Trotzdem die Russen bei Gilgenburg unter schweren Verlusten zn- rückgeschlagen waren, begann infolge wilder Gerüchte eine Panik in Allenstein. Männer, Frauen und Kinder zogen mit Habseligkeiten bepackt aus ihrem Heim, beladen mit Koffern, Paketen Kleidungsstücken, Betten usw. Eine wahre Völkerwanderung ergoß sich nach den Bahnhöfen und nach den Chausseen. Das Bild, das uns Allenstein bot, wird niemand vergessen, der es mit angesehen hat. Die Stadt war wie ausgestorben. Die meisten Läden waren geschlossen, die meisten Wohnungen leer; vielfach zogen von auswärts nach Allenstein gekommene Flüchtlinge in solche Wohnungen ein, die von ihren Bewohnern verlassen worden waren. In manchen Straßen an der Peripherie der Stadt stand Vieh angebunden oder lief auf dem Straßenpflaster umher. Ernste Erwartung überall, und selbst die Unverzagten nicht ohne Bangigkeit. Aber es kamen keine Kosaken, weder von Groß-Kleeberg, noch von Dewiten her. Statt- dessen machte sich leider der Auswurf der Bevölkerung bemerkbar, der es fertig gebracht hat, den verlassenen Hauptbahnhof, insbesondere die ebenfalls verlassene Bahnhofsrestauration, in abscheulicher Weise zu plündern, der Läden und Wohnungen erbrochen und ausgerüumt hat. Das sind nicht Russen gewesen — kein einziger Russe war in Allenstein — das war der Pöbel! Es ist eine Schmach für Allenstein, daß so etwas hat vorkommen können. Aus Hunger hat keiner zu plünberu brauchen, denn das Proviantamt hat an alle, die es haben wollten, kostenlos Unmengen von Kommißbrot verteilt. Kein Wunder ist es, daß gestern abend eine Anzahl von Bürgern sich im Rathause einfand, um die Schaffung einer Bürgerwehr zum Schutz des Eigentums zu besprechen. Heute morgen übten unsere Bürger in der Nähe des Hohen Tores mit Stockhieben Lynchjustiz an Gesinde!, das einbrechen wollte. Der gefürchtete Dienstag ist vorübergegangen und ein froher Mittwoch ist ihm gefolgt. Allenstein ist unversehrt geblieben und kein Feilid hat unsere Stadt geschädigt oder gedemütigt.
Ein unangenehmes Abentener hat in Rußland ein biederer Sachse erlebt, und nur einem Zufall hat er die Besserung seiner traurigen Lage zu danken. Verwundete Soldaten aus dem Lazarett in Lissa L P. waren zur Bahn gegangen, um sich Gefangenenzüge anzusehen. Dabei hörten sie zu ihrem Erstaunen aus einem der Wagen ganz jämmerliches Sächseln. Sie forschten nach, und siehe da, in einem Winkel faß zusammengekauert eine Sachse, aber in russischer Uniform. Er war in Ka- lisch in Stellung gewesen und wurde bet der russischen Mobilmachung, ob er wollte oder nicht, in eine russische Uniform gesteckt und in den Kampf geschickt. Natürlich hatte er keinen Schutz abgegeben und seine Gefangennahme durch die deutschen Landsleute freudig begrüßt. Aber unterwegs im Wagen hatten ihm die russischen Mitgefangenen übel milgespielt. Immerzu gab es Püffe und Knüffe. Als er hier endlich als Landsmann erkannt wurde, gab man ihm, zum Aerger der Russen, reichlich zu essen und zu trinken und wies ihm einen Platz im Offizierswagen an. Inzwischen dürfte er schon freig^asseNe^worden eM.^ Münchener Neuesten Nachrichten" erzählen: Die Zurückgebliebenen tiberbietensich inTaten der Hilfsbereitschaft für die Verwundeten. Das ist sicher schön und gut. Und sicher kann ein Volk an solchen Taten nie zu viel tun. Aber es will mir schemen, als liefen neben solchen Taten der Verwundetenfürsorge auch Pseudotaten, Dinge, die wie Taten aussehen und doch nur Schaum sind, lästiger Schanm Em kleines, lustiges Vorkommnis in einem großen Lazarett soll erhellen, was ich meine: Ein Verwundeter liegt still und stets in einem Saal, in dem die sachverständigen Hrlfs- kräfte vom Roten Kreuz ruhig und gut ihr schweres Amt versehen. Aber da kommen außer ihnen auch noch eine Neide Damen, durch den Saal, Damen aus den besten Ständem Damen Ke nicht sachverständig sind Damen, die aber einen unbezwinglichen Drang haben, Mren sicher auten Willen doch zu zeigen. Sie haben allerlei gestiftet, und da glaubt man denn ihnen den Zutritt nicht gut verwebten zu können. Eine wlche Dame kommt alw in ^em Verwundeten, der regungslos daliegen muß. ^Kann ich Ihnen vielleicht eilvas tun?" - „Reinlich danke Jhnen." - „Aber vielleicht darf, ich JH sicht ein wenig mit Essigwasser abwischen?
men das Ge-
sicht ein wenig mit Essigwayer aowymen?" — „Hm." Die Dame nimmt das berettliegende Schwammchen, wucht es in das bereitstehende Wasser und fährt dem eyenwllS bereitliegenden Verwundeten übers Gesicht, eine Prozedur, die man ihr gezeigt hat. -^Michen Ew S etwas bitte?" Jetzt kann es der biedere Bayer nicht mehr länger verhalten. „Wiss'nS'," sagt et „i
»slfirtst die Freid net verderb'n woll'n, aber e>ie san Nt fchch die fLehnte, die wo mir mei’ G licht abg'-
Wst «ina »röteftiert Der berüchtigte mexikanische Ge- nerJunb Emeritierte Räuberhauptmann Villa hat, wie der Daily Te egrap mitteilt, aus Nogales tele- ArnnfTtMi .»stiert energischen Protest gegen die deutsche Wegsführung nach Neuyork gesandt. „Man vergleiche," mat er meine Methode zu fechten mit derjenigen der Wilttwcn" Die Gedanken des deutschen Kaisers über Deutschem ®6tefe^ee^ Ideen. Wenn seine Gedanken richtig sind und ich unrecht habe, bann sage id> mit General Shermann, baß der Krieg eine Hölle ist." — Wir sind sprachlos.
Bei den „verbiindelen" Gefangenen.
Das Königreich Sachsen als das Herz Deutschlands ist auserseüen eine besonders große Anzahl von Ge- sanaenen aller uns feindlichen Nationen aufzunehmen. Aber obwohl es keine besondere Ehre ist Belgier und Kosaken die Rotbosen und die britischen Gentlemen zu beherbergen so leistet doch Sachsen gern dem großen SeS Schon jetzt sind in Sachsen wttb 20 000 Gefangene untergebracht, darunter etwa 14 000 auf dem Truppenübungsplatz Königsbrück bet
Krieaseisenbahnstunben von der sächsischen Sauvtstaöt entfernt liegt Königsbrück. Eine Flucht ist vollkommen unmöglich; ein zweieinhalb Meter hoher, gar Witze? Stachekdrahtzaun schützt die Gefangenen davor, denn ihr Los wäre das Bajonett oder eine Kugel der zahlreichen Wachen. Aber sicherlich haben nur wenige das Gelüste, aus oer schönen Sommerfrische zu «Uweichen, geht es doch den meisten Insassen dort viel
besser als in der Heimat oder nüf den vlulgekränkten Schlachtfeldern Ostpreußens, die sie sobald mit einem westlicheren Aufenthalt vertauschen mußten. Die Russen sind in Königsbrück weitaus in der Ueberzahl. Sie machen auch — so seltsam es klingen mag — einen viel günstigeren Eindruck als die Franzosen. Sind sie ihnen auch zweifellos an Intelligenz unterlegen, so sind doch die Russen männlicher, straffer, ihre feldgraue Uniformen sind sauber und adrett, den deutschen sehr ähnlich, anch ihr Schuhzeug ist gut. Ganz so verlottert, wie die russische Intendantur uns immer geschildert wirb, scheint sie denn doch nicht zu sein, wie denn überhaupt dem ruhigen Beobachter sich auch hier wieder die alte Erkenntnis auf- drängt, daß es völlig falsch ist, ben Gegner zu unterschützen. So sieht man neben dummen unb tierischen Gesichtern auch sehr intelligente, fast germanische. Neben einigen wenigen Deutschrussen sind viele Deutsch sprechende Polen unter den Gefangenen,' weiter findet mau rein slavische Typen, aber auch eine große Anzahl Mongolen. Alle sind gehorsam, aufmerksam, ja unterwürfig, erheben sich sofort von ihren Lagern, wenn Besuch kommt und grüßen leidlich stramm. Sie finb sehr genügsam; manche von ihnen vermissen zwar den Schnaps sehr — einer bot sogleich bei der Ankunft eine goldene Uhr an gegen eine Flasche Wutki, natürlich vergebens — aber alle sind herzlich froh, aus dem furchtbaren Feuer der Deutschen heraus zu sein. Eine unangenehme Prozedur mußten sie freilich alle durchmachen; sie mußten sich waschen lassen, was nicht nur viel Wasser, sondern noch mehr Seife kostete. Nach den Berichten der Deutschen, die die Russen empfangen haben, wimmelten sie bet ihrer Einliefernng nur so von Ungeziefer. Etnigerinaßen sind sie jetzt von ihren Mitbewohnern befreit. Es soll noch eine gründliche Desinfektion ihrer Sachen erfolgen, dann sollen alle geimpft werben — unb damit wird dann das Bummelleben aufhören, denn baun beginnt die Arbeit, vor allem Wegebauen.
Die Uniform der Franzosen dagegen ist unordentlich, teilweise sehr abgenutzt, da sie sich seit Mai im „Manöver" befanden; sie machen einen viel weniger soldatischen Eindruck als ihre östlichen Verbündeten. Verstärkt wird diese Empfindung noch sehr wefeutlid) dadurch, daß sich unter den Rothosen verhältnismässig sehr viel alte lieute mit weißem Haar und Bart befinden, Männer bis zu 63 Jahren, während man unter den Russen überhaupt keine Weißköpfe sah unb nur wenige über 40 Jahre alt waren.
Die verbündeten Nationen sind nahe beieinander,
doch getrennt untergebracht, die Franzosen in Baracken, die Russen in Kavalleriezelten. Alle Gefangenen dürfen ihr Geld und ihre Wertsachen behalten. Namentlich unter den Franzosen haben manche bis zu hundert Mark bei sich, während die Russen nur selten über mehr als ein paar Rubel verfügen. Die Gefangenen sind jetzt regimenterweise untergebracht worden. Es hat viel Arbeit gemacht, die Personalien und vor allem die Herkunft der einzelnen festzustellen,' die Angaben sind selbstver. stündlich den in Betracht kommenden Behörden übermittelt worden und bieten einen wertvollen Hinweis
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für diese. Die Deutschen geben sich nicht mehr als unbedingt notwendig mit den Gefangenen ab; diese müssen alles selbst reinigen und haben auch einige Aufseher, die für Ruhe und Ordnung verantwortlich sind. Sowohl die russischen als auch die französischen Offiziere sind auf dem Königstein untergebracht.
Stuf die mannigfachen Aeußerungen der Gesange- nen ist nicht viel zu geben, aber eine Bemerkung ist doch zu interessant, als daß sie unterschlagen werden dürfte. Eine ganze Anzahl Russen wollte den Deutschen durchaus nicht glauben, daß die Gefangenen ihnen gegenüber wirklich Franzosen seien. Sie gaben immer unb immer wieder ihren Zweifeln Ausdruck und meinten. die Deutschen hätten ihre eigenen Landsleute in französische Uniformen gesteckt, um mit gallischen Gefangenen an prahlen! Woher dieser feste Glaube? Sicherlich hat man den Leuten das zu Hanse eingeredet.
Pfui Seidel!
Ein in Frankreich kämpfender Hauptmann schreibt an seine Frau:
„Was sagst Du zu dem empörenden öeuelhncu von vielen deutschen Frauen und Mädchen den französischen Gefangenen gegenüber? Man muß das Pack nur gesehen — und gerochen haben. Sie riechen furchtbar. Man muß gesehen haben, wie feig sie aus dem Hinterhalt, mit der Rote-Kreuz-Binde um den Arttt, auf uns geschossen haben, und wie feig sie sich in großen Mast ergaben. Sorge für Verbreitung dieser unser aller A sicht. Schreibe dem „Lokal-Anzeiger", wie uns
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In-
sicht. Schreibe dem „Lokal-Anzeiger", wie uns im Felde Stehende dieses Benehmen mancher deutschen Frauen und Mädchen empört hat. Die, welche uns so viel Blut gekostet haben, werden bei der Durchfahrt durch unser Vaterland als gute Freunde und Helden gefeiert. Wir waren alle aufs tiefste entrüstet, als wir das in den uns gesandten Zeitungen lasen, und hatten nur zwei Worte übrig: „Pfui Deibel!"
Ein im Lazarett Kürzel Urville liegender verwundeter deutscher Soldat schreibt dem „Berl. Lok.-Anz." im Namen und Aufträge mehrerer Kameraden:
„Geehrte Redaktion! In Zeitungen haben wir Verwundeten und Kranken erfahren, in welch unwürdiger Weise den gefangenen Franzosen usw. von überspannten Weibern gehuldigt wird, wie man diese Banditen und Schänder Verwundeter und deutscher Frauen mit Lachsbrötchen, Konfitüren, Zigarren usw. traktiert, sich Andenken schenken läßt. Namens meiner Kamera-
den, die fürs Vaterland und leider auch für diese verkommenen Kreaturen ihr Blut verspritzen, sage ich mein tiefstes Bedauern. Wir alle sind von tiefstem Abscheu erfüllt über solches Benehmen. Wir werden als Verwundete noch mißhandelt von unseren Feinden, und zum Dank verherrlicht man diese Verbrecher. Diese Sorte Weiber müßte vor die Front gestellt werden, um die Behandlung, die sonst uns zuteil wird an ihrem Körper zu verspüren. Es erfüllt uns jedoch mit Genugtuung, daß es sich nur um einige perverse Weiber handelt, die sonst den Negertrupps, die im Lande gastieren, in ebenso unwürdiger Weise entgegentreten und sich ihnen an den Hals werfen. Wir vertrauen auch auf ' Presse unseres Vaterlandes, die diese bebauerlimen B kommnisse nach Gebühr geißeln wird. Mit Gott 1 König und Vaterland!
die vr- für
Ihr O H., Chevauleger, 2. Regt, aus Berlin."
*» neuestes vom tage«
WTB. Wien, 11. September. Telegramme der Kriegsberichterstatter aus dem Kriegspressequartier melden übereinstimmend, daß die Kämpfe um Lemberg mit «nvermludcrter Heftigkeit fortdauern. Die Offensive der österreichisch-ungarischen Truppen, deren Elan nn- beschreiblich sei, mache große Fortschritte. Die Lage werde zuversichtlich beurteilt. Der Erzherzog-Throu- folger Carl Frauz Ferdinand habe gestern die Fener- tanfe erhalten. Während des Kampfes befanden sich der Armeeoberkommandierende Erzherzog Ferdinand mit seinem Generalstabschef General der Infanterie Konrad von Hötzendorff aus dem Schlachtfelds.
anterie Konrad